Nr. 8.
Erster Zehrgaug.
Lsffelkr Aeukste Mchrichtrn
1. Beilage.
Dienstag, 13. Dezember 1910.
Set Liebe Sot
Ansere Meldepreise.
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SBottO: Für die Leser.
Mit ben ScferuI
gine moderne Tageszeitung, die in erster Linie Familien- und Nachrichten, blatt sein will, kann ihre Aufgabe nur dann ganz erfüllen, wenn sie mit ihrem Leserkreise engste Fühlung hat und die Leser selbst als Mitarbeiter für ihre Zeitung wirken. Von diesem Standpunkte ausgehend, richten die „Casseler Neueste Nachrichten an alle ihre Leser und Freunde die Bitte, durch tatkräftige Mitarbeit unsere Bestrebungen zu unterstützen und auf diese Weise das Band, das sich um Lesergemeinde und Zeitung schlingt, immer enger zu knüpfen.
Zeder Leser
unseres Blattes ist zur Mitarbeit cingeladen, und jede Mitteilung, die der Redaktion über lokale und allgemein-interessante Vorgänge zugeht, wird angemessen honoriert. (In Frage kommen in erster Linie: Meldungen über lokale Tagesereignisse, Unfälle, kommunale Angelegenheiten, Personalien, Provinzialnachrichtcn usw.) Nachrichten dieser Art wüsten indessen bis spätestens nachmittags 1 Ahr im Besitz der Redaktion sein; es genügt auch telephonische Ucbcrmittelung an unsere Zentrale (Nr. 951 und Nr. 952).
Das Redaktionsgeheimnis
verbürgt jedem Einsender von Meldungen strengste Diskretion inbezug auf den Ursprung der Meldung und den Namen des Gewährsmannes. Voraussetzung für die Aufnahme aller Nachrichten ist indessen die vnbedingte Zuverlässigkeit aller Mitteilungen. Berichte über Vereinssitzungen und ähnliche Veranstaltungen, soweit sie kein allgemeineres Interesse beanspruchen, können bei der Zuweisung von Meldepreiscn nicht berücksichtigt werden, sondern werden von Fall zu Fall nach besonderen Sätzen honoriert.
Jeden Monat Mekdeprämien!
In jedem Monat bringen die „Casseler Neuste Nachrichten" unter ihre Mitarbeiter aus dem Leserkreise noch (außer dem Honorar für die einzelne Meldung) besondere Melde-Prämie« zur Verteilung, die denjenigen Lesern zugewiesen werden, die der Redaktion im Laufe des Monats die intereffan- teste Nachricht als Erste auf schuellstem Wege übermitteln. Es gelangen folgende Prämien zur Vertcllung:
I. Prämie Mark 30.—
II.
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20.—
IIL
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10.—
IV.
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5.—
V.
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5.—
Tie Prämien gelangen jedesmal am 1. bcS Monats zur Verteilung und werden den Empfängern direkt übermittelt. Die erste Auszahlung findet am 1. Januar 1911 statt.
Jede Nachricht ist willkommen!
Jede Meldung muß deutlich die Adrcste deS Einsenders (die von der Redaktion streug geheim gehalten wird) tragen, und bei telephonisch über- mittelten Nachrichten ist es erforderlich, Name und Wohnung des lieber- Mittlers der Meldung genau anzugeben. Es soll uns freuen, wenn sich unsere Leser recht zahlreich an dem von uns geschaffenen Wettbewerb betelligea und wir in der Lage sein werden, recht vielen nuferer Leser und Mitarbeiter die ausgesetzten Prämieu zuerkennen zu können. Jede, auch die kleinste Nachricht ist uns willkommen, wenn sie das öffentliche Interesse beansprucht und ein jeder unserer Leser kann auf diese Weise zum geschätzte» Mitarbeiter seines Blattes werden.
Casseler Neueste Nachrichten
Telephon-Zentrale 951/952. Die Redaktion.
Y ' Von Horst Bademer.
(Nachdruck verbaten)
Di« Supp« wurde gebracht, eine riesige Terrine» in der Rindfleisch und halbe Täubchen herumschwammen.
Ernst sagte der Baterr •< t ,• ' .Bete, mein Junge!"
Und der Offizier faltete die Hände wie in seiner Kindheit Tagen und sprach das kurze Tischgebet.
Fräulein Herbart wirbelten die Gedanken im Kopfe durcheinander. Wie ein Frühlingssturm die weiße Schneedecke aufrollt, neues Leben in der Natur weckt, so hatte dieser junge Offizier in seiner einfachen Herzlichkeit wie ein Zauber auf sie gewirkt. In das alte, arbeitsame Wernsdorfer Herrenhaus hatte eine lebende Fröhlichkeit ihren Einzug gehalten, keine künstliche, keine übermütige, sondern eine naturfrische, herzliche Fröhlichkeit. Wie sollte die nicht an Klara Herbarts Herz pochen? Sie, die anfangs in steter Sorge, dann einsam ihren Weg gegangen. Gewiß, sie war hier liebevoll ausgenommen worden, Frau Rühling sorgte für sie, wie für ihr eigenes Kind, aber am Ende war es doch nur ein freudig Geben gewesen, das sie sich verdienen mußte, immer und immer wieder. Mag Arbeit noch so sehr befriedigen, mag sie gehören zur inneren Zufriedenheit, so stand doch allezeit eine Scheidewand zwischen ihr und Oberamtmanns und nun war Heinz gekommen mit seiner jugendlich überschäumenden Herzlichkeit und riß sie nieder, seine Worte klangen wie Glockentöne hinein in ihr Herz und ließen ihre Pulse rascher schlagen, — ja, davon wirbelte ihr der Kopf, — davon. Da bemühte sie sich, diese Scheidewand wieder aufzubauen, sie meinte, sie müßte es, sie nahm sich vor, recht still und zurückhaltend zu sein, aber das paßte dem jungen Offizier durchaus nicht.
.Nach Tische, Vating, gehen wir durch die Ställe und nachher machen wir einen Gang durch den Park, Fräulein Klara, wir beide allein, da sollen Sie das Lachen lernen, jedes Fleckchen will ich Ihnen zeigen, an dem mir was Besonderes passiert ist, Schönes und Trauriges» — unter Trauriges verstehe ich nämlich: wo ich Haue bekommen habe!"
Da mußte Klara Herbart lachen.
.Ist das denn öfters vorgekommen?"
.Oho, der Herr Oberamtmann, so nenn' ich Vater, wenn mir sein Tun und Lasten nicht sonderlich wohlgetan, hat Momente gehabt. Momente sag' ich Ihnen, wo ich ihn weit weg von mir wünschte, — den guten Vating!"
Er batte besten Hand ergriffen und sah ihm in die Augen.
.Ja, ja, Fräulein Herbart, ohne daß man feinem Jungen von Zeit zu Zeit mal das Leder versohlt hat, ist's nickt abgegangen!"
.Mach dich nicht schlechter, als du bist," meinte die Mutter, .oft ist's doch nicht vorgekommen !"
.Na, ich danke," sagte Heinz.
Da mußten sie alle lachen.
.Aber wissen Sie," fuhr er zu Fräulein Herbart gewendet fort, .eine treue Verbündete hab' ich gehabt, — meine Schwester Grete, die hat getreulich immer mit mir alles gemeinsam ausgefresten, dafür hatte ich als .Verführer" auch den Vorteil, die doppelte Ration Dresche zu bekommen!"
Wieder mutzten alle lachen.
Da reichte Heinz Fräulein Herbart die Hand über den Tisch.
.Mein Schwesterchen hat mir ein böser Mann gestohlen, sie findet ihn natürlich gut, — herrlich, jetzt gtbt's keine Haue mehr, Fräulein Klara, wollen Sie lieb und nett zu mir sein, wie meine Grete, — ja? Wir wollen ordentlich zusammen rumtollen, wenn Mutter Ihrer Hilfe nicht bedarf, ich hab mir nämlick in Den Kopf gesetzt, ich will was ganz Besonderes von Ihnen hören!"
.Nanu, — was denn?', fragt der Ober- omttnann, während Fräulein Hecharts Gesicht jähe Röte überzogen bat.
.Herzlich lachen soll sie lernen, Batina, so herzlich wie unser Gretelein!"
.DaS bring' ihr bei, mein Junge," sagt der Vater ernst.
Und die Mutter' streichelt Heinz die Backen.
.Mein Goldjung, mein Gokdjung!"
Fräulein Herbart aber bleibt fhnnm, sie möchte Heinz danken für feine Herzlichkeit, dock sie findet die rechten Worte nicht, da faßt sie impulsiv nach der Hand ihrer mütterlicken Freundin und drückt sie heftig. Und herzlich erwidert die Frau Oberamtmann den Druck ihrer Hand.
.Uns' guter Heinz, — nicht wahr?"
Da nickt Fräulein Herbart mit dem Kops.
Der junge Offizier ist in einer ganz über- wütigen Stimmung, gerade bringt der Die
ner ein paar wunderschöne, «rotze Kaiser Alexanderäpsel.
.Wollen Sie mir einen groben Gefallen tun. mein neues Schwesterchen?"
.Gern, Herr Leutnant!"
.Was soll das heißen, — Herr Leutnant?
— Gleich sagen Sie das bester!"
Und leise kommt e« von ihren Lippen:
.Gern, - Hein,!"
,Ra also! — Bitte, schälen Sie mir den allergrößten, — den da, das hat mein Gretelein auch immer getan!"
Sie ist rot geworden, nimmt den Apfel und wagt nicht, den Offizier anzusehen. Der
Vater wirst seinem Jungen einen prüfenden Blick zu, der steht auf Klaras Hände und denkt bei sich: wie schön sie sind, lang und schmal wohlgepflegt, trotz der Arbeit.
Sorgsam zerteilt sie den Apfel und gibt Heinz den Teller.
.Danke schön, aber nun müssen Sie's auch weiterhalten wie mein Schwesterchen, — wollen Sie?"
,3a !"
Sie vermeidet absichtlich .Heinz" zu sagen
.Gut, — ein Mann, ein Wort, eine Frau ein halbes Dutzend, aber das gewöhnen wir uns ab, also Sie müssen mit mir den Apfel zusammen auffuttern, jeder nimmt eine Schnitte, — los, — aber geben Sie acht, daß Sie nicht zu knapp wegkommen!"
Fräulein Hcrbart steht Frau Rühling an. die nickt freundlich mit dem Kopfe, da nimmt sie die erste Schnitte.
.Hm, — großartig, Vating, allerhand Achtung. — halten Sie sich dazu. Fräulein Klara, sollst kommen Sie zu schlecht weg!"
Aber Fräulein Herbart beteuert, nachdem sie drei Schnitte gegessen, daß sie genug habe.
..Dann nick." meint Heinz, des Menschen Wille ist sein Himmelreich!"
In wenigen Augenblicken hat er den Rest vertilgt.
.Und nun, Herr Oberamtmann, möchte ich Ihre Ställe besichtigen," sagt er lachend zu seinem Vater. — „Nach dem Kaffee mache ich mit Fräulein Klara einen Gang durch den Park und heute abend sitze ich mit uns' Mut- ting Hand in Hand. — Nicht wahr, so machen wir's?"
Die Eltern pflichten ihm bei.
„Na, denn komm, mein Junge!", sagt der Oberamtmann.
Auf ihrem Gange wird der Herr Leutnant überall freudig begrüßt. Er versteht es meisterhaft, mit den Leuten umzugehen; der Vater hat seine helle Freude dran — ja, der Junge war unverdorben an Leib und Seele in die Heimat zurückgekehrt — Gott sei Dank!
Für das kleine Gestüt hatte er natürlich besonderes Interesse. Schließlich mußte ihn der Vater mahnen, Mutting mit dem Kaffee nicht warten zu lassen.
Als sie langsam über den Wirtschaftshof dem Herrenhause zugingen, sagte der Oberamtmann:
„So sehr wie mick's freut, mein Junge, daß du so samos die Situation begriffen hast, in der sich Fräulein Herbart in unferm Hause befindet, muß ich dich doch mahnen: hüte dein Herz!"
.Keine-Sorge, Vater!"
„Und gib acht, daß du in dem ihren nickt Gefühle erweckst, die zu keinem guten Ende führen können, auch das mußt du als Ehrenmann bedenken!"
Da nickt Heinz stumm mit dem Kopse. Der Gedanke war ihm allerdings noch nickt gekommen und, — er sah die schöne Gestalt mit den ernsten dunklen Augen im Geiste vor sich, — brauchte Vater wirklich keine Sorge haben? Ein eigenartiges Gefühl überschlich ihn, aber nur einen Augenblick, dann warf er energisch den Kopf in den Nacken und sagte: .Nein".
.WaS meintest du, mein Junge?"
.Nichts, Vater, — nichts!"
„Ick glaubte ein Nein gehört zu haben!"
„Mir gingen nur deine Worte im Kopse herum und ich prüfte mich im stillen noch einmal!"
„Gut, daß du Nein drauf antworten kannst, — aber es ist noch lange nicht aller Tage Abend, vergiß das nicht!"
.Ich werde mich schon hüten, Vater!"
.Wäfi auch sonst zu traurig, mein guter Heinz!" —
Wenige Minute« später saßen die vier am Kasfeetisch.
„Gott, wie schmeckt der Kuchen gut," sagte Sein; und biß von neuem in ein großes tück.
.Den hat Klara gemacht," erwiderte die Mutter.
.Sehen Sie mal an, Schwesterchen, was Sie nicht alles können!"
„Oho, Heinz, sie versieht das Kochen aus dem ff, hat's im Straudhotel in Kolberg gelernt!"
„Immer neue, schätzenswerte Eigcyschaf- ten entdeckt man an Ihnen! — So, — nun aber kann ich nicht mehr! — LoS, Schwesterchen, gehen wir in den Park, Ihnen will ich das Lachen schon beibringen, passen Sie mal auf!'
Fräulein Herbart erhebt sich wie rm Traume. Heinz nimmt ohne Ziererei ihre Hand.
.Nicht erst 'nen Hut aufsetzen, rumtollcn wollen wir wie em paar wilde Kinder!"
(Fortsetzung folgt.)
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