Taffet« Neueste Nachrichten
Sonntag, II. Dezember 1910,
A Kleine Ursachen .
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Der 11jährige Sohu des S3'
'n hatte die
Obersten Gasse kam bei den Schularbeiten mit
Chile, das kurzweg das A.B.C.-Bündnis ge-
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Rach dem Kanzler ergreift der national- liberale Abgeordnete Bassermann das
Mortba« Wort und sagt, die aus- Politik solle erst in einem späteren ?,c£ShtJI0cn besprochen werden.
verantwortlich. (Große Unruhe bei den Sozialdemokraten.) Als der Reichskanzler dann weiter erklärt, die Polizei habe in Moabit nur ihre Pflcht getan, entsteht w i c- derum Lärm bei den Sozialdemokraten.) Ausnahmemaßregeln wären (sv meint der Reichskanzler schließlich) nicht nötig, und er schließt: Zur Mitarbeit fordere ich aus: Konservative, Zentrum und Liberale!
ßastro's Srwacheu?
!P r i v a t - T e l e g r a m m.)'
Newyork, 10. Dezember.
Exprästdent Castro von Venezuela, der bekanntlich in Teneriffa noch immer im Eril lebt, hat, Nachrichten aus zuverlässiger Quelle zufolge, jetzt wieder seine volle Gesundheit erlangt. Zugleich aber greift er seine alten Pläne auf, um mit den ihm so verhaßten Amerikanern Abrechnung zu halten. Seine Pläne sind großartig angelegt und laufen darauf hinaus, die nördlichen Staaten Südamerikas, wie Venezuela, Columbien und Ecuador, zu verbünden, unter Umständen hofft man auch Peru für ein solches Bündnis gewinnen zu können.
Im Süden besteht bereits ein ähnliches Bündnis zwischen Argentinien, Brasilien und
«seinem Bruder, der mit dem Zuschneiden eines Bücherumschlages beschäftigt war, in Streit und schlug nach dem Bruder. Unglück- I licherweise traf er dabei aus die Schere, die der Bruder in der Hand hielt. Die Spitzen I bei Schere drangen dem Knaben durch die Hand und zerschnitten die Pulsader. Der Verletzte verdantt es nur dem raschen Herbeiruf ärztlicher Hilfe, daß er vor einer Verblutung bewahrt wurde.
Ä Auf Verbrecherspuren. Don auswär- I tigert Polizeiverwaltungen ist hierher gemeldet worden, daß die Spuren von Verbreich e r n in unsere Gegend weisen. Aus Stutilg a r t wird ein Zuhälter verfolgt, der mit der Beute, die seine .Freundin' bei einem Betrunkenen in Höhe von 800 Mark gemacht hat, ,auf die Reise gegangen' ist. Der Gesuchte heißt Wilhelm Rheiner, ist 26 Jahre I alt und hat hellblondes Haar. — Auf dem I Ritergut Falkenberg bei Wabern ist der Koffer eines Schweizers erbrochen worden. Der Dieb nahm 20 Mark und ging flüchtig. Cs ist wahrscheinlich, daß er sich nach Cassel gewandt hat.
A Nachtarbeit der Feuerwehr. Die Feuerwehr hatte in der vergangenen Nacht im Hause Heinrich st raße 3 zu tun. Dott war in einem Zimmer der obersten Etage Feuer ausgebrochen, das durch die Decke fraß und den Dachstuhl ergriff. Die Brandursache ist noch nicht zweifelsfrei festgestellt; aber im I Schornstein ist das Feuer nicht aufgekommen. Mit mehr Bestimmtheit wird angenommen, daß eine Gasflamme einen Deckenbalken anschwelle. Auf dem Boden befindliche unverarbeitete Möbelteile (in dem Hause wird eine Schreinerei betrieben) sind vom Feuer angegriffen und beschädigt worden. Die Wehrlents hatten zwei Stunden angestrengt zu tun, bis sie jede« gefahrdrohenden Funken erstickt hatten.
A Traurige Jugend. Im Gewahrsam der Polizei (in sogenannter Schutzhast) befindet sich seit vorgestern nacht ein achtjähriger Knabe namens Hartwig, dessen Eltern hier in der Altstadt wohnen sollen. Der Junge ist gegen Mitternacht von einer Polizeipatrouille aufgegrisfen worden, als er in der Stadt umherirrte. Die Gründe, die er dafür angibt, bedürfen der Prüfung. Jedenfalls scheint er sich keiner besonderen Sorasatt seiner Eltern zu erfreuen; denn er äußerte im Gefängnis, »dort gefalle es ihm vcsser, als zu Hause'.
Set Kanzler im Reichstag.
(Telegramm unseres Berliner Bureaus.»
. Reichstag zeigt heute wieder da« "Aie“ Tages'. Am Bun- desratsttsche befinden sich der Reichskanz. £er -Minister Delbrück, der Kriegsminister, der Marinemiuister, die Staatssekretäre Wer- ZE Kraeüe u. m Der Präsident, Graf ^chwerin-LoWitz, eröffnet die Sitzung um 11 HÄAA Drucken. Nach Erledigung der ge- schastlichen Angelegenheiten tritt das Haus in “n: d°-
Der Reichskanzler
Bahuhos Dettenhausen durch da- hiesige Schwurgericht, nach vorausgegaugeuen viertägigen Berhaudlungen des Totschlags, begangen au seiner Ehefrau, schuldig befunden und zu einer Zuchthausstrafe von sieden Jahren und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt. Weisel trat die Sttafe auch alsbald im Zuchthause an der Fulda an, erregte aha schon nach den ersten Jahren der Haft bei den Zuchthausbeamtrn den Arg-
△ Weihnachtszeichen. Die ersten Weih- nachtsbäume sind heute auf dem Phi- lippsplatz angefahren worden. Ihr Preis ist wie der aller Erstlinge: Hoch!
△ Da Milchpauscher vor Gericht. Zu den Sündern, die nttgends auf Gnade zu hoffen haben, gehören die Nahrungsmittelsälsche. Wenn sonst die Straflammer eine vom Schöffengericht verhängte Strafe mildert, freut sich die Menge darüber meist unbewußt. Heute haben toii einen Fall, bei dem die umgekehrte Empfindung wohl vorherrschen wird. Der Molkereibesitzer B. aus Corbach im Waldeck- scheu ist wegen MUchpanttchcrei vom Corba- cher Schöffengericht zu 4 Wochen Gefäng- n i s verurteilt worden. Das Casseler Landgericht, an das B. sich mit einer Berufung wandte, ließ es bei 500 Mark Geldstrafe bewenden.
A Beim Spiel verunglückt. Wie schnell sich hellste Jugendlust in Leid und Unglück verwandeln kann, rnußte am Freitag nachmittag der Sohn des Schlossers Schantz aus der Hohentorstraße 10 erfahren. Der Knabe spielte mit mehreren Kameraden vor dem Hause Pferdemartt Nr. 1. Beim Ringen wurde er von seinem Gegner geworfen und fiel so unglücklich in das mit scharfen Spitzen versehene Gitter vor dem Schaufenster der Bäk- kerei von Hellmuth, daß er erhebliche Verletzungen am Unterleib erlitt. Der Verunglückte wurde zu Hause verbunden und wird dort auch gepflegt. Eine zuerst befürchtete Lebensgefahr besteht zum Glück nicht.
Sos Neueste aus Kassel.
Der Seotfche Käuferbusü in Kassel.
Man schreibt uns: KSuferbund? Vom Hansabund und dem Bund bet Landwirte hat wohl ein jeder schon gehört, aber wer weiß etwas vom »Bund der Käufer' und seinen Bestrebungen? Und doch ist er kein Unbekannter, wenigstens nicht in Großberlin, wo er gegründet wurde, und wo die Rot, das Elend vieler Taufende von Heimarbeitern wettsichttge und sozial denkende Männer und Frauen, unter dem Vorsitz der damaligen Frau Staatssekretär von Bethmann Hollwea, dazu führte, ihn ins Leben zu rufen. Er hat zunächst in der Millionenstadt seine segensreiche Tättgkeit entfaltet, bringt nun aber auch in andere Städte, Frankfurt, Leipzig, Hakle usw. vor und sucht, seinen Bestrebungen auch in Cassel Eingang zu verschaffen.
Daß jeder Mensch in seiner Eigenschaft als Käufer auch eine Verantwortlichkeit besitzt, ist den meisten noch etwas Unbekanntes. Und doch ist es die große Masse, die hier den Aus- schlag geben kann, wenn sie auf dir in ihr schlummernden Kräfte aufmerksam gemacht ihrer Träghett entrissen und zum bewußten Handeln angeleitet wird. Heimarbettrrelerrd: Ihm wäre der Boden entzogen, wenn die Masse der Käufer von der Äuht gehellt wäre, unter allen Umständen das B i l l i g st e zu kaufen, einerlei, ob die in seiner Vorstellung Krbeitenbeit aus ihre Kosten kommen, oder ol dadurch die berüchtigten .Schwitzindustricen' gezüchtet werden. In denen jährlich Tausende pon Männern, Frauen und Lindern zu Hirunde gehen.
Dieses Gefühl der Verantwortlichkeit den Heimarbeitern, Werkstättenarbeitern und Han- velsangestellten gegenüber zu Wecken und eine Verbesserung der Lrbei«verhältnisse dieser pevöllerunasschichten herbeizuführen: Dar sind »ie vornehmsten Aufgaben des Deutschen Käuferbnndes. Und er sucht dieses Ziel zu erreichen durch Einwirkung auf das kaufende Publikum und durch Einwirkung auf den Arbeitgeber. Diejenigen Arbeitgeber und Fir- K, die die vom KSuferbund gestellten Be- mngen erfüllen, werden kostenlos in eine peiße Liste eingetragen, für die Geschäfte gleichzeitig eine geschätzte Reklame.
Hand in Hand damit geht auch die Bekämpfung de- Schmutzes in. Wort und Bild, die sich der Käuferbund zur Aufgabe gestellt bat Auf das kaufende Publikum kann ba- »urch eirtgewirki werben, daß jede- Mitglied als solches bestimmte Käuferpflhch-« ten selbst gewissenhaft erfüllt und Freunde and Bekannte zu gleichem Tun anhält Wer sich für die Bestrebungen deS Käuferbundes InterefTiert wende fi<6 an den .Deutschen KSuferbunh, Ortsgruppe Cassel', Obere Königstraße 82 2 Tr^ wo jede zweck- zinliche Auskunft erteilt wird. -r-
A De» Roman de» Löffele» Neuesten Nachrichten. In bet zweiten Beilage bet heutigen Rümmer beginnen tirit mit dem Abdruck eine» ungemein fesselnden Romans. Wir machen auf die überau» spann ende Lektüre besonders aufmerksam.
A Die Stimme deS Gewissens. In den ersten Julitage« des Jahre» 1905 wurde bei Bahnhofswtrt Johannes Weisel vom
Ueberzeuguug, daß mit der alten tik aufgeräumt werden mußte. „Urii hat den.sofortigen Abschluß der Fi- g^reform far nDtfg gehalten und diesem ^zbcke lerne Person untergeordnet. Im Laufe
Wahres haben wir begonnen, die Reichs- auf eine dauernde, gesunde S a J i«ju Jteffen und daS Prinzip der Spar-
^rd auch weiter verfolgt werden. Die statte Aufrechterhaltung einer starken acht gewährleistet Frieden und Si° cherheit unserer Politik. Die Heeresverstär- kung übersteigt aber den Etat, wie ihn die Res- sorüninrster gefordert haben. Wir Baben ouanderen Etats nicht vernachlässigt Zunächst meine ich die neue Reichsve r s i - cherungsorduung, die hoffentlich -u» tande kommt. Ich hoffe auch auf eine Fort- bÜbung des elsaß -lothringischen
n 6 8 O.e fc e 8> und daß man auch hierüber zu einer Verständigung gelangt.
Zur Wirtschaftspolitik erkläre ich, daß ich an der bewährten Grundlage un- serer bisherigen Politik festhalten werde. Das Volk würde auch mit einer Aenderung dieser Politik nicht ein- verstanden sein. Auch nach diesem Reichstage wird keine Götterdämmerung kommen. An den kommenden Reichstag wird ebenfalls die Frage herautreten, ob ", d«^Grundgesetze des Staats- und Wirtschaftslebens mit einem starken Arm weiter sicherstellen will. Das Gerede von einem .schwarzblauen Reichs- kau zier' läßt mich kalt. Ich lasse mich nicht zum Werkzeug einer Par. tei machen. Ich biene nicht bem Parlament, auch nicht ben Junkern, sondern ich diene nur der Politik, die nach meiner lleberzengung dem Wohle der Nation dient Dabei ist mir die Unterstützung jeder Par-' tet angenehm. Nun mein Verhältnis zur ® o »i al b e m a I r a t i e ! Der Kanzler tnubft an die orgänge bei der Königs- beiger Kaiserrede.Debatte an, sowie an die Aufforderung des Abg. von Hevde- brandt zur Ergreifung von Maßregeln gegen die Sozialdemokratie, und erklärt: Die staatlichen Machtmittel gegen die Unisturzpartei werden in anderen Ländern schärfer und schneller angetoenbet, als bei uns. Darauf muß bei der Beratung der Sttafprozeßordnung Rücksicht genommen werden: Das geltende Recht bietet nach den Beratungen der Kommission keine hin- reichendeu Handhaben gegen die aufrührerische Tätigkeit gewisser Agitatoren Man muß sich also bald darüber schlüssig werden, was zu geschehen hat. Die revolutionäre Tendenz der Sozialdemokratie tritt jetzt llarer denn je zutage, und man muß dasür Sorgen tragen, daß die Tendenz dieser Partei allgemein bekannt wird. Für die Vorgänge in Moabit ist die Sozialdemokratie mit
wohn, daß er geistigen Störungen unterliege. Wan brachte ihn deshalb zur Beobachtung nach der psychiatrischen Klinik in Halle, doch lautete das dort abgegebene Gutachten dahin, daß Weisel normal fei, woraus er nun wieder in das Zuchthaus an der Fulda zurückgebracht wurde. Nach Verlauf weiterer zwei Jahre traten jedoch die nämlichen Erscheinungen bei ihm auf und da man von einer Ortsveränderung Besserung erhoffte, überführte man ihn nach der Strafanstalt auf dem Graß im Stadtteil Wehlheiden. Indessen blieb die erhoffte Besserung aus, und der Zustand des Verurteilten verschlimmerte sich derart, daß er jetzt als geisteskrank der Landeshellanstalt Marburg überwiesen werden mußte. Weisel hat von der über ihn verhängten Sttafe bereits Jahre verbüßt.
A Der „Naturheilverein" gegen bie Kur Pfuscherei-Vorlage. In der letzten, im großen Saale des PalaiS-Restaurants abgehaltenen Sitzung des .Naturheilvereins Cassel (E. V.>' kam auch die sogenannte Kurpfuscherei- Vorlage der Regierung zur Erörterung und es gelangte folgende Resolution zur Annahme:
»Die aus allen Kreffen der Bevölke- i rung zahlreich besuchte Versammlung der! Anhänger der Naturheilbewegung in Cassel steht in dem, dem Reichstag vorgelegten .Entwurf eines Gesetzes gegen Mißstände i im Hellgewerbe' eine schwere Schädigung berechtigter VolkSinter- interetfen. Sie legt deshalb gegen dieses Gesetz, das die nach Millionen zählenden Anhänger der Rawrheilbewegung und der ihr verwrndten Reformbestrebungen unter ein Ausnahmegesetz stellen will, einmütig und nachdrücklichst Verwahrung ein. Vom deuffchen Reichstag er-1 wartet und hofft die Versammlung, daß er diesen Versuch, die Selbstbestimmungsfrei-1 heft des Volkes aus gesundheitlichem Ge-1 biete aufznheben, einmütig ablehnen wird.'
Diese Resolntton soll dem Reichstag unterbreitet werde«, der sich in nächster Zeit mit der Knrpfuschervorlage zu beschäftigen haben wird. Aus dem ganzen Reich sind aus den Kreisen der Naturheilbewegung dem Reichstag ähnliche Protestkundgebungen zugegangen. I
A Ein Abend im Deutsch-sozialen Verein. I In bet letzten Sitzung des hiesigen .Deutsch- sozialen Vereins' gab es eine lebhafte Aus-1 spräche über eine Reihe von Punkten, die allgemeines Interesse beanspruchen. U. a. be I schäftigte man sich mit der letzten öffentlichen Versammlung der Nationalliberalen und den dort gegen den Amtsgerichtsrat Luttmann und seine Anhänger gerichteten Angriffen. Diese wurden durchweg für un-I richtig erklärt. Vor allem (so betonte man) I habe die Deuffch-soziale Partei mit der Saal- abtteibimg nichts zu tun, die kürzlich dem Bauernbünde in Besse widerfahren sei. Rach einigen vertraulichen Verhandlungen kam bann die Warenhausfrage zur Erörterung, unb es wurde nach dem Vortrag eines Redners eine Resolution angenommen, in der es heißt:
Der Deutschsoziale Verein Cassel hat einstimmig in feiner Sitzung vom 7. Dezember 1910 beschlossen: Wir bitten den Magistrat und die Stadwerorbneten-Verfamm-1 lang der Residenzstadt Cassel ganz ergebenst, I sie mögen alsbald eine Warenhaus- Branchen Stuer vom Umsatz bis zur : höchst zulässigen Grenze einführen, dafür aber bie Lustbarkeit »-Steuer auf-1 heben. I;
Diese Entschließung soll, mit einer eingehenden Begründung versehen, bemnächst be«i Magistrat und ber Stadtverordneten-Versamm- lung eingereicht werden.
A Die Abnahme be« Fulda brücke ver choben! Die für beute, Sonnabenb vormittag
vorgesehen gewesene baupottzettiche Abnahme der neuen Fuldabrücke ist aus technischen Gründen, verschoben worden. Ueber ben neuen Abnahmetermin liegen noch keine be- ttmmten Nachrichten vor. ~
A Warum . . .? Ans dem Leserkreise schreibt man uns: Die Große Casseler Straßenbahn beabsichttgt, vom 14. Dezember ab die weiß - grüne Linie nicht mehr vom Neumarkt, sondern von der Germaniastraße ans nach Bettenhausen fahren zu lassen. Die Bewohner deA Hohen- zollernvieriels, die bisher eine direkte 93er-- bidung zum Theater, Schloßplatz usw. hatten sollten hiergegen bei der Direktion vorstellig werden, denn baß die Linie Germaniastraße— Rathaus nicht einem wirklich dringenden Ver- ehrsbedürsnis entspricht, dürfte doch zweifels- tei sein. Man hört denn auch, baß Sparsam- 'citsrücksichten maßgebend gewesen sein sollen Es ist aber trotzdem unerklärlich, wie es möglich sein kann, baß die Große Casseler Straßenbahn eine eingesührie Linie ohne weiteres wieder einzieht, ttotzdem berechtigte Verkehrs- interessen dem entgegensteben. Man darf deshalb wohl erwarten, daß die Straßenbahn- Direktion den Plan, der das tatsächliche Verkehrsbedürfnis außer Acht läßt, noch einmal in Erwägung zieht, bevor sie zur Ausführung schreitet.
A Kein Grund zur Unruhe. In den Zeitungen- wurde vor wenigen Tagen ein Ueberfall aus eine ältere Frau gemeldet. Das Geschehnis wäre geeignet gewesen, A eu n - r u h i g u n g über die nächtliche Sicher - j beit Cassels hervorzurufen. Tie erste Nachricht darüber ist dann eingeschränkt worden; aber es blieb für Frauen immer noch genügend Grund zur Besorgnis. Heute erfahren wtr, daß bie Darstellung der betreffenden Zei-1
sz Ein Komplott be» „Schwarzem Hand". Wie aus New York telegraphiert wttd, enbertte die bärtige Polizei du Komplott ber .Schwarzen Hand', verhaftete 10 Italiener unb befreite einen «Staben, für den 15000 Dollar» Löftgeld verlangt wurden.
ts Eft» Theater in Flamm«, tbtit 9 «- tersburg meldet un» du Telegramm: In Kiew fbtb das Nedwedtewschr Theater und da» BariLtötheater .Awollo' gänzlich nie» bergebrannt In beiden Fälle« wttd Brandstiftung vermutet.
~ Einbrecher in her Hoftiper. Gestern nacht wurde, wie uni telegraphiert wird, ft» einem Kaflenlmrean der Wiener Hof,per ein Einbruch verübt. Die Einbrecher haben sänttliche Schreibtische aufgebrochen, den eifer- nen Geldfchrauk jedoch mit mehreren taufend Kronen Inhalt intakt gelassen. Don den Tätern ist bis jetzt keine Spur vorhanden.
tungsnotiz in allen Teilen trresüh- ien nur ein Katzensprung. Auf alle Fälle wird r e n d ist. Von einem Ueberfall, oder auch nur Nordamerika seine hochttabenden Panamerika- von einer Belästigung kann nicht die Rede sein. Ideen bedeutend herabschrauben müssen. Die Der Vorfall war vielmehr recht harmloser Amerikaner behaupten zwar steif und fest, daß ^lttur. per 4. Panamerikanische Kongreß in Buenos
Aires 1910 ein voller Erfolg für sie gewesen fei Dies ist jedoch lediglich Spiegelfechterei, denn die angesehensten Blätter des spanischen Amerika behaupten nicht nur das Gegenteil, sondern sprechen mtt aller Dentlichkett ans, daß der ganze Kongreß nicht so viel wert gewesen ist. als das Papier, woraus die langatmigen Pwtokolle niedergeschriebeu wurden. Ans alle Fälle greift eine antinorbametitani- s ch e Stimmung in Lateinamerika immer mehr u,m stch- die bei der geringsten Veranlassung eine Katastrophe sehr wohl heraufbefchwören kann., dki
Die heutige Nummer der.Casseler Neueste Nachrichten" mnfaßt _____ ____
— 16 Seiten. =»
nannt wird. Gelingt es Castto, das geplante rönrt um »u etiTären daß
Bündnis zustande zu bringen, dann dürsten scrcnnde die Politik der Rcaieruna als^- Bftvsrjfans! gsÄfrSDÄS Ä?i*Ä IffÄÄ A Kräften unterstützen. (Die Sitzung daneri Energie eine durchaus dafür geeignete Person- ' lichteit, die um so machtvoller erscheint, als auf sein Anraten Ecuador wie Columbien japanischen Einflüssen sich durchaus zugänglich zeigen.
Castro bat die Absicht, schon bald selbst nach Ecuador zu reisen; von dort durch Columbien nach Venezuela, ist für einen Sübamerikaner von Castros Eigenfchaf-
empor ft» die glänzenden SD« be» himmlischen Reiche». Und während sie ihn empor- trügen, wuchsen ihm zwei schneeweiße kurze Flügelchen, unb als sie eintraten beim himmlischen Vater, reichten zwei reizenbe Englein dem neuen Gesährten bie Hand und tanzten einen fröhlichen Ringelreihen; und bald tarnen and) alle anderen Englein hinzu und es war eitel Freude und Wonne.'
.Gell, Friedel! Da» muß doch herrlich gewesen feinf
-Ja, herrlich!' flüsterte das Kind, schloß bie Augen und schlummert« ein im Mutter- arm.
Da, plötzllch worb'» wieder lebendig ftn Dunkel des Raumes, raubtierartig, mit gekrümmten Fingern schlich's wieder zu auf das angstvoll starrende Weib, und tief drangen die Krallenfinger hinein in ihr Fleisch, bis sie ein blutendes, zuckendes Herz umklammerten und mtt jähem Ruck ihm entrissen. Dann reichten sie der Willenlosen das kleine, ftn Mondlicht glitzernde Messer ... und ein heißer, purpurner Strom floß herab von dem Aermchen des Kindes in der Mutter Schoß und nieder zur Diele, und blöde lächelnd schaute die Unselige dem langsam fließenden Bächlein zu.
Als der Blutstrom dann nicht mehr toei- terfließen mochte, nahm sie das Kind und bettete es, wie sie es attahcnbltch sanft zu tun pflegte. Dann eilte sie hinaus in die Nacht des eisigen Winters, vorbei an erstaunt aufblickenden, hastigen Menschen, flackernden Wahnsinn ftn Auge, weiter, immer weiter hinein in di« Nacht.
gern, fern dem Treiben ber Stadt wurde anderen Tages von Fuhrleuten ihr erstarrter Leichnam am Rand« des Weges gefunden —----