Güir.uit’cub, 10. De-eml>cr 1910.
Casseler Neueste Nachrichten
Kr.L t. Jahrgang.
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Anfang der 90er Jahre entspricht. In der spateren Periode 1895—1900 war mit einem durchschnittlichen Wachstum von 3,3 Prozent und in der Periode 1900—1905 mit 3,12 Prozent zu rechnen. Im Durchschnitt ergab Nm auf die Zeit seit dem Jahre 1871 im SaP« 1905 ein durchschnittliches Wachstum von <>,24 Prozent, so daß das in diesem Jahre fest- gestellte Wachstum unter den bisherigen sich bewegt. Das Statisttsche Amt hatte mit einer Bevölkerung von rund 415 000 Seelen gerechnet und in der Entwicklung der Bevölkerung keine abnormen Vorgänge beobachtet. Die gute Ueber- einstimmung dieser bisherigen Schätzung mit dem Ergebnis der Zählung läßt erwarten, daß tatsächlich eine ruhige Wei ter ent Wicklung vorhanden ist. wenn diese auch verhältnismäßig nicht so stark ansteigend war, tote in den letzten Zählperioden.
Asmtzffitzrmg im StahvoerKverband.
Man schreibt uns: Am 20. Dezember findet eine Versammlung der Stahltoerksbesitzer statt, in der über die Ansprüche detz Fir- ma Thyssen & Co. auf eine Erhöhung ihrer Quote in Nöbren um 20 Prozent beraten werden soll. Dieser Anspruch ist bisher von dem Ausschuß abgelehnt worden. Thyssen scheint sich aber mit diesem Bescheide nicht zufrieden geben zu wollen. Seit der Auflösung der Röhrensyndikate ist das ganze Streben der Thyffenschen Werke (die die Hauptproduzenten von Röhren sind) darauf gerichtet, alle anderen Konkurrenten im fr eien Wettbewerb nieder; u werfen. Das kann aber nur geschehen, wenn sie in der Höhe ihrer Lieferungen vollständig frei sind. Wenn Thyssen befürchten muß, für ein Ueberschrci- ten seiner Quote eine Entschädigung an den Verband zahlen zu müssen, so ist er natürlich im Wettbewerb gehindert. Es ist also nicht anzunehmen, daß sich feine Werke mit einer Ablehnung ihrer Ansprüche durch die Hauptversammlung .zufrieden geben werden, sondern sie dürsten dann versuchen, den Verband zu umgehen. Das trägt natürlich zu der notwendigen Einigkeit unter den Stahlwerken vor der Erneuerung keineswegs bei, und es ist als sicher anzunehmen, daß unter diesen Umständen die am 20. Dezember stattfindende Versammlung zu einer regelrechten Haupt-
r* Gewerkschaft der Steinkohlenzeche „Mont- Cems" in Sodingrn i. Wests. Die ab 1. Juli eingetretene Erhöhung der Monatsausbeute von 60 Mark fe Kux auf 100 Mark >e Kur ist seither unverändert aufrechterhalten worden. Die Gesamt ausbeute für das zu Ende achende Jahr 1910 beträgt sonach fchtlich 960 Mark je Kux gegen 760 Mark je Kux im Vorjahre.
e? Aplerbeckcr Aktienverein für (Necke vereinigte Margarethe). Aus Verwaltungskreisen verlautet daß das Ergebnis außer durch die Erhöhung der Arbeitslöhne und die Erhöhung der Umlage auch durch den Umbau der Wäsche, die sich als t echni sch e r Ke b l e r berausoestellt bat. beeinflußt wird. Die Betriebsleitung ist mit allen Kräften bestrebt, die Rebler abzustcllen, was auch zweifellos gelingen wird. In den Verhältnissen der Flöze hat sich dagegen nichts zu «ngunsten des Werkes verändert, fo daß man innerhalb der Verwaltung die jetzigen ungünstigen Vorgänge nur vorübergehend ansieht.
gebracht.
(9, Rotenburg a. d. Fulda, 8. Dezember (Die Volks zähl "<!.) Das Resultat der neuen Volkszählung am 1. Dezember stellt sich für unsere Kreisstadt auf 3266 Einwohner geen 3109 bei der vorigen Volkszählung im Jahre 1905. Es ist msv nur ein ganz geringes Zunetzmen zu verzeichnen.
o°o Vacha, 8. Dezember. (Die Entwicklung Vachas.) Die Volkszählung hat in unserem Städtchen ergeben, daß wir am 1 Dezember 2234 Einwohner hatten, davon 1104 männlichen und 1130 weiblichen Geschlechts. Da wir bei bet letzten Volkszäh-
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Nm der Krimpt.
Frankfurt a. M. . . . HalftmiNsnertstsdt!
Die Bevölkerung der Stadt Frankfurt a M beläuft sich nach dem vorläufig festgestellten Ergebnis der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 auf 414 406 Seelen, diejenige des bisherigen Stadtkreises beläuft sich aus 380 084, diejenige des bisherigen Landkreises auf 34 322. Seit der Volkszählung von 1905 ist der bisherige Stadtkreis um 45 106 Seelen, der bisherige Landkreis um 4470 Seelen und somit die gesamte Stadt um 49 576 Seelen gewachsen.
In Prozenten ausgedrückt gibt dies ein Wachstum für den bisherigen Stadtkreis von 13,5 Prozent, für den bisherigen Landkreis Bon 15 Prozent und für den Gesantt- StadtkreiS von 13,6 Prozent. Durchschnittlich aibt dies also pro Jahr für den bisherigen Stadtkreis 2.7 Prozent, für den bisherigen Landkreis 3 Prozent, für die gesamte Stadt 27 Prozent. Dies ist eine Entwicklung, wie sie derjenigen gegen Ende der 80er und
o°o Aus der Rhön, 8. Dezember. (Der Sturz in den Tod.) Ein tödlicher Un- glücksfall hat sich im Dorfe Völkersheim »rciqanet. Beim Herunterwersen von ^ut- tiraae für das Vieh stürzte der Bauer Andreas Keßler von der Scheunenletter und schlug so unglücklich unten auf den harten Steinboden auf, daß er einen Schadelbruch davontrug und nach kurzer Zeit feinen Geist ausaab.
0o0 Wiesbaden. 8. Dez. (Tragödien d e s L e b e n s.) Die Selbstmorde und Selbstmordversuche mehren sich hier in erschreckender Weise. So versuchte gestern nachmittag dte tu der Scharnhorsistraße 48 wohnende Frau Jäckle sich durch Gas zu vergiften. Die Sant- tätswache wandte mit Erfolg den von ihr mrt- geführten Sauerstoffapparat an. In der Scharnhorsistraße hatten Kinder einen Brand verursacht. Sic waren von dem Rauch betäubt und gaben kein Lebenszeichen mehr von sich. Die vier Kinder wurden sofort an die frische Lust getragen, wo Wiederbelebungsversuche angestellt wurden, die Erfolg hatten. Wegen Lebensüberdrusses infolge eines lattfl- jährigen Leidens erschoß sich gestern der 48 Jahre alte Inhaber dne8 hiesigen technischen BureauS, Louis König.
gQ Frankfurt e. M., 8. Dezember. (Ein Mord auf dem Exerzierplatz.) Heute vormittag gegen 1% Uhr tourbe auf dem Griesheimer Exerzrerplatz, ht der Sähe der ersten Häuser von Frankfurt, der 57 Jahre alte Reisende Wilhelm Steuer mit mehreren Messerstichen im Kopf, ht bewußtlosem stustand aufgefunden. Hui und Schirm lagen etwa 15 Meter entfernt im Graben. Bieuer, der Mainzer Landstraße 868 wohnt, war
o°0 Hann. Münden, 8. Dezember. (Die Frequenz der Forstakademie.) Von den 74 ©htbierenben, die in diesem Winter die hiesige Forstakademie besuchen, befinden sich 57 Preußen und 12 Angehörige anderer norddeutscher Bundesstaaten, nur 1 Süddeutscher (Elsässer) und 4 Russen. Schweden, die sonst ziemlich viel hier sind, befinden sich diesmal nicht darunter.
o Schmalkalden, 8. Dezember. (Unfall auf der Eisenbahn.) Vorgestern wollte der Tagelöhner Emil Reinhardt von hier einen schon fahrenden Zug besteigen. Er glitt dabei von dem Trittbrett ab, so daß ihm der rechte Oberschenkel zerquetscht wurde.
<5>o Fulda, 8. Dezember. (Inspektion s b e s u ch.) Der Geheime Regterungs- rat Henschen aus dem Kultusministerium in Berlin traf in Begleitung des Provinztal- Schulrats Leist aus Cassel hier ein und besichtigte das König!. Lehrerseminar fotote einige höhere Klassen der Knabenschule.
o Oberkaufungen, 8. Dezember. (Gau- ner-Streiche.) Einen Gaunerstreich führte der jugendliche Kutscher eines hiesigen Fuhrtoerksbesitzers aus. In Abwesenheit seiner Dienstherrschaft sackte et sich abends auf dem Fruchtboden 3 Sack besten «Saathnt»» ein, spannte am anderen Morgen in der Du,.»2ll, t an und fuhr mit dem Kutschwagen den Hafer nach Kassel, wo er die Ladung an einen Handelsmann zu billigem Preise verkaufte und das Geld in seine Tasche steckte. Der leichtsinnige junge Mensch wurde zur Anzeige
Handelszettung.
Sie Kunst der Spelulution.
Den in der Ueberschrift wiedergegebenen anspruchsvollen Titel führt eine Broschüre der unseren Lesern schon genügend bekannten Londoner Animierbankfirma Brown, Saville & Brothers. Sie wird in einer großen Anzahl von deutschen Zeitungen zum Gratis- bezug angeboten und es ist deshalb von allgemeinem Interesse, zu erfahren, wie es um diese große „schwarze Kunst" steht, denn die Firma geriert sich, als hätte sie den Urquell aller Börsenweisheii erfunden.
gestern abend nach Höchst gefahren. Der Schwerverletzte wurde ins Elisabethen-Kran- kenhaus gebracht, wo er kurz nach 1 Uhr st a r b. Das Motiv der Tat ist nicht bekannt. Raubmord liegt nicht vor, vermutlich handelt es sich um einen Racheakt.
o°o Vacha, 8. Dezember. (Ein neuer Sclesprudel.) Der Sprudel, der bet Burgsinn in der Rhön bei den Bohrungen nach Kali aus dem 318 Meter Heren Bohrloch zutage trat, ist als ein Solesprudel anzusehen, der etwa ebensoviel Kochsalz enthält wie der in Bad Soden und etwa 6—7 Sekundenliter liefert Da nach dem Berggesetz auf die Ausbeutung eines solchen Sprudels in erster Linie der Staat Anspruch hat, ist er auch schon amtlich besichtigt worden. Es muß nun ibgetoartet werden, ob der Sprudel seine gleiche Stärke beibehält oder an ferne Ergiebigkeit durch die weiteren Kalibohrun- gen nachläßt.
ooQ Algermissen, 8. Dezember. (Ein Dorf museum.) Gestem wurde das hier begründete Dorfmuseum der Oesfentnchkett übergeben. Der gute Besuch zeugt für etn reges Interesse an den Sammlungen.
o°o Herford, 8. Dezember. (Ein neuer Schuldirektor.) Zum Direktor für das Friedrichsgymnasium ist vom Kuratorium einstimmig Herr Professor Dr. Graeber aus Essen a. d. Ruhr, zurzeit Oberlehrer am Gymnasium in Münster, gewählt. Er hat
Die „Kunst" führt den Namen: .Einpro- < zentiges Dcckungssvstem". Schon diefer Name hat etwas Bestecheuoes, und wenn nach den Erläuterungen der Broschüre alle Leute an der । Börse nach diesem System spekulieren würden, so könnten sie niemals verlieren, sondern müßten immer gewinnen. Damit wäre dann - allerdings eine große Frage gelöst und ein Umsturz des ganzen Börsenspiels vorbereitet. Dessen Grundzug war nämlich bisher der, daß der eine verliert, was der andere gewinnt. In Zukunft werden indessen nach Brown, Saville & Brothers, Beide gewinnen, und vielleicht zahlen die Herren aus ihrer Tasche diese Gewinne aus. Die Anreizung zur Börsenspekulation auf diese Weise ist im Grunde so plump, daß man kaum glauben kann, daß noch Leute darauf hineinfallen. Und doch muß dies der Fall fein, denn die Anpreisungen der Firma kosten viel Geld, und die Drucksachen, die sie versendet, sind immer prächtiger in der Ausstattung geworden. Da aber alle derartigen Firmen ohne ein nennenswertes eigenes Kapital ihr Geschäft betreiben, so müssen doch diese Unkosten durch die Verdienste an der Kundschaft wieder hereinkommen. Das ist auch der Fall, denn wenn die Firma in ihren Zirkularen versichert, daß der Klient, der sich ihr anvertraut, „nichts verlieren" werde, so soll das nur heißen, daß er nicht mehr als die eingesandte Deckung verliert. Das ist aber auch gerade genug, denn alle Geschäfte werden nach den Bedingungen: „Wenn nichts anderes vereinbart wurde, auf der Basis von 1 Prozent Deckung" abgeschlossen. Das will besagen, daß sich jemand mit 100 Mark in Werten von 10 000 Mark engagieren kann. Geht nun der Kurs dieser Papiere in die Höhe, so hat er die Differenz gewonnen, geht er aber herunter, so schließt sich das Engagement automatisch, sobald die Deckung verloren ist. An ein Ausharren des Engagements ist also nicht zu denken, und im Grunde ist das Geschäft also nichts als eine Wette, bei der die Londoner Firma noch dazu als Gegenspieler austritt. Es kann ohne weiteres nach dem Muster deutscher Prämienhäuser und der ganzen Anlage des Geschäftes behauptet werden, daß das ganze ©Heben der Londoner Firma und vieler anderer ihrer Sorte darauf gerichtet ist, sobald als möglich den Kurs- Verlust herbeizuführen und die Prämie cinzustccken. Das ist natürlich nicht schwie- rig. denn in London kommen Schwankungen der Kurse nm 1 Prozent an einem einzigen Tage sehr häufig vor. Dazu gibt es keinen offiziellen Kurszettel, auf Grund dessen der Kunde Reklamationen anstellen könnte. Es ist denn auch in der Tat schon vorgekommen, daß in Füllen, wo der Kunde glaubte, einen Gewinn aus seinem Geschäfte verzeichnen zu können, er von der Firma kein Geld hat erhalten können, da ihm die Firma an der Hand ihrer Kurse bewies, daß er „die Deckung verloren" hatte. Trotzdem fallen immer neue deutsche Kapitalisten auf die „Kunst" von Brown, Saville & Brothers herein.
ST Rheinisch-Westfälische Kaliwerke, A. G., Dornap. Rach zuverlässigen Meldungen beträgt der Mehrüberschuß des Monats Oktooer rund 30 000 Mark, so daß in den ersten vier Monaten des laufenden Geschäftsjahres rund 150 000 Mark Mehrgewinn erzielt wurde gegenüber der gleichen Zeit des Vorzahres. Tie Aussichten bleiben (Ivie es heißt) günstig.
schlechts. Da wir bei der letzten Vollst li-nq am 1. Dezember 1905 2095 Einwoh zählten, so ergibt das einen Zuwachs von 139 Personen.
OOO Bon der Lahn, 8. Dezember. (831IIl• ges Fleisch.) Auch in der hiesigen Gegend schlagen seit einigen Tagen die Fleischpreisr nne weichende Richtung ein. So hat die Fleischer-Innung der Stadt Herborn die Preise für alle Sotten Fleisch herabgesetzt; sie waren allerdings auch hocy genug, denn letzt nach der Ermäßigung kostet das Pfund Ochsenfleisch noch 90, Schweinefleisch 80 und 85 und Kalbfleisch 70 Pfennig. Hoffentlich wird die Prrisermäßiguna auch in anderen Orten bald Rack-ahmung finden.
________________________ T_ heißt) günstig, yf Vereinsbrauerei Göttingen, G. m. b.
H., Göttingern Des Unternehmen hatte im Geschäftsjahr 1909/10 einen Ausstoß von 15 265 Hektoliter gegen 17 633 Hektoliter tm Vorjahre. Der Rückgang der Produktion ist auf die Erhöhung der Brausteuer und aus die Zunahme der Antialkoholbewegung zuruck- zusühren. Dennoch ist durch günstigen Einkauf der Rohprodulte, namentlich des Hopfens, der Reingewinn wesentlich besser als tm Vorjahre. Er beträgt nach 24 454 (n V. 23 772) Mark Abschreibungen und 12 500 Mark fi. V. 8500) Matt Rücklagen 30 018 (i. V. 18178) Mark. Nach Abzug von 928 (r. V. 562) Mark Tantiemen und 1500 (i. SB. 908) Mark für den Reservefonds, verbleibt em* schließlich 475 (i. V. 1705) Mark Vortrag ein verteilter U ober schuß von 28 993 (i. V. 18 9,5) Mark, woraus 3 (i. V. 2) Prozent Dividende verteilt werden sollen.
Mitteldeutsche Gummiwarensabrik vorm. Louis Peter, Franksutt a. M. Der Kurs der Aktien, der schon seit einiger Zett, schwache Haltung zeigt, stellt sich an der gestrigen Börse bei mäßigen Bestens-Angebot 17 pCt niedriger auf 317 PCt. Man scheint in manchen Aktronar- kreisen erwartet zu haben, daß die Gesellschaft, die im Vorjahr ihre Dividende bekanntlich von 22 auf 25 PCt erhöhte, für das am 30. ©eöt. ab gelaufene Geschäftsjahr eine ähnll ch e D >- videndensteigeruna vornehmen werde, obwohl die inzwischen geschaffenen 2 Mill. Mk. neuen Aktien bekanntlich voll am Ertragnis Partizipieren. Jnbezug auf die Dividendenbemessung scheinen aber, wie an der Börse verlautet, innerhalb der dem Unternehmen nahestehenden Kreise Meinungsverschiedenheit e n Fu bestehen, sodaß es noch zweifelhaft er- i'cheint ob die Dividende die vorjährige Hohe -von 25 PCt voll erreichen ober sogar noch darüber hinausgehen wird.
gf Das Abslußrohr-Syndikat. Zu der Meldung, wonach das deutsche Absluyrohr- Svndikat auf ein Jahr verlängert worden sei, verlautet jetzt, daß das e,ne Werk, mit dem eine Verständigung seither noch nicht erzielt war, nunmehr ebenfalls fernen Beitritt erklärt hat. Mit Rücksicht auf die gestiegenen Rohmaterialpreise ist eine mäßige «teig» erhöhung für das erste Halbiahr 1911 in Aussicht genommen.
öS Teuere Gnßwaren. Aus Gera wird uns berichtet: In Mitteldeutschland und Sachsen erhöhten 136 Eisengießereien mit Gültigkeit an 1. Januar 1911 die Preise um 1% Mark für 100 Kilo Gnßwaren.
c? Steinkohlenwerk „Bereinigte Glückstilf- Friedenshoffnung". Für das erste Vtetteliahr 1910 gelangen 40 Mark Ausbeute je Kux zur Verteilung gegen 30 Matt je Kux im Vor- vietteliahr und 60 Matt te Kur für das vierte Vierteljahr 1909. Die ®ef amt au 8 beute für das lausende Jahr stellt sich auf 140 Mark je Kur gegenüber 180 Matt je Kux für 1909 und 200 Mark je Kux für 1908.
WmllM leiden wir?
(Don unserem ärzllichen Mitarbeiter.)
Ein französisches medizinisches Blatt, das den Titel „Medicina" sührt, hat soeben 12 her- vorragenden Vertretern der medizinischen Wissenschaft in Frankreich folgende zwei Fragen vorgelegt: 1. Ist die Medizin dahin gelangt oder wird sie jemals dahin gelangen, die Leiden der Menschheit zu beseitt- gen? 2. Ist der physische Schmerz ohne Nutzen? Was zunächst die Frage nach dem „Nutzen des Schmerzes" betrifft, so sind r-£) alle Aerzte darüber einig, daß man in dem Schmerz zunächst einen sehr schätzenswerten Warner zu erblicken habe. Ohne den Schmerz würden wir uns unbedacht Erhitzungen, Erkältungen und zahlreichen anderen schädlichen Einwirkungen aussetzen oder (allgemein gesprochen) ohne ein empfindliches Merkmal der Gefahr, die wir unter diesen ober jenen Umständen erkennen, würden wir wehrlos allen zerstörenden Elementen, die uns umgeben, ausgeliefert fein. Ein tüchtiger Halskatarrh, eine ordentliche Magenverstimmung, ein gehöriger „Brummschädel" sind noch immer für Lebemänner, Schlemmer und Trinker die heilsamsten und empfindlichsten Lekttoneil. In zweiter Linie aber kommt der physische Schmerz der D i a g n o st i k des ArzteS zu Hilfe. Wäre der Schmerz nicht, so würde der Arzt oft Mühe haben, den Ort des Leidens zu entdecken. In beiden Fällen also würde die vollständige Vertilgung des Schmerzes der Menschheit mehr Schaden als Nutzen bringen. Ein gewisser Grad von Unempfindlichkeit, wie wir ihn bei Nervenkranken zu beobachten pflegen, setzt eben eine Krankheit voraus. Der Schmerz ist also zugleich in gewisser Beziehung die Rcak- tton eines sich gegen die Krankheit verteidigenden Körpers.
Eine andere Frage ist natürlich die, wie weit die Schmerzen, die zum Beispiel eine chirurgische Operation oder organische Störungen, über bereit Natur man sich im übrigen klar iss, zur Folge haben. In dieser Beziehung ist selbstverständlich der Kampf gegen den Schmerz unerbittlich, und erfreulicherweise von Erfolg gekrönt. In der Tat ist man in dieser Beziehung z« b e w und - r n s w c r- ten Ergebnissen gelangt: Man öffnet einem Menschen bett Leib, nimmt ihm ein paar Pfund ungesundes Fleisch heraus, näht ihm die Wunde wieder zu, ohne daß der Kranke auch nur einen Augenblick während oder nach der Operation die geringste Schmerzempstn- dung gespurt hat. Sicherlich wird man auf diesem Wege noch weiter fortschreiten und Kranken, deren Schicksal besiegelt ist, einen langen Leidensweg ersparen. Ver- bietet auch das Gesetz dem Arzt, das Leben des Leidensen durch betäubende Mittel auch nur um eine Sekunde abzukürzen, so vermag doch dir Wissenschaft dem langsam Hinsiechenden einen qualvollen Tod zu ersparen. Der Kampf gegen den Schmerz ist also auf der ganzen Linie eröffnet. Er beichrankt sich nicht auf die Linderung der Leiden des Einzelnen, feine radikale Vernichtung ist vielmehr die Mission alles kulturellen Strebens. Die Gerichte der zivilisierten Länder haben die fünf.« lüfte SÄmerzverbreittlng, die Tortur, abgc- fchafst, und die Länder, in denen die Tobes- ftrase noch tm Gebrauch ist, wenden sie an. indem sie gleichzeitig die physischen und moralischen Leiben bei Verurteilten aus ein Minimum herabsetzen. Für die zivilisierte Vielt iss es ein unerträglicher Gedanke, daß afri- : Aftfcbe oder asiatische Totentaten mit allem 'Raffinement ihre besiegten Feinde oder die Verbrecher leiden lassen. Sofort tritt, Europa auf den Plan und schreitet ein, um den Un* glücklichen den Schmerz zu ersparen. Und so ~Fat sich auch hier das Kulturstreben mit
1 Mitteln wider den Schmerz zu kämpfen.
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