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Casseler Neueste Nachrichten

f Morgen

im Kreise Sagan. zu schweren Diffe Reichenbach und ih

neue Zeugen anbot.

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Bernhard Grüner

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Bei Wunden, offenen Deinen, Ausschlägen aller Art, Flechten und Hämorrhoiden gebrauche man die Wundhell und Ans« schlagsalde ä Schachtel 50 Pfg. d.d. Stern-Apothe, Ob. Gaffe47.

beginnt in denCasseler Neueste Nachrichten» ein hochspannender Roman, auf den wir ganz besonders aufmerksam machen.

darunter die seit langen Jahren geführten prima Oschatzer und Waldheimer

Filzschuhe und Filzschnallenstiefel.

Fernsprecher 802,

Bauernsöhne, Dienst- und Fnhrknechte, Tage, löhner usw. im Alter von 16 bis zu 54 Jahren Sie sind angeklagt wegen Landfriedensbruchs Widerstandes gegen die Staatsgewail. Kör- perverletzung und Sachbeschädigung. Die lln> tersuchung wegen Brandstiftung ist eingestellt worden, da ste zu keinem greifbaren Eraeb- nis führte. Die Verhandlung dürste, da etwa 100 Zeugen geladen sind, ca. eine Woche dauern.

["1 Die letzte Sitzung im Schwurgericht. Gestern sand die letzte Sitzung der diesjährigen hiesigen Schwurgerichtsperiode statt. Vor den Schranken stand der Landarbeiter Johannes Kratz aus Carlsdorf bei Hof­geismar, der wegen schweren gewalttätigen

29 Altmarkt, BriMerstraBe 29,

Gericht und Recht.

Sie enterbte Adoptivtochter.

(Von unserem Korrespondenten.)

Aus G log au schreibt inan uns: Eine dramatische Adoptionsaffäre . bildet den Hintergrund für einen umfangreichen Be- leidigungsprozeß, der sich vor der Strafkammer des Glogauer Landgerichts abspielte. Unter der Anklage, den Rechtsanwalt Justizrat

Nr. o.

Erster Jahrgang

t e n d e n Unternehmerkreisen. i>ie deutsche Industrie ist groß geworden mit m,1L/?er'°nI^tctten der großen Unternehmer. Nichts wäre verkehrter als die Annahme, daß man dre Emzelpersönlichkeir des Unterneh­mers ausscherden könnte aus denjenigen Fak­toren, die an entscheidender Stelle den Auf­schwung des deutschen Wirtschaftslebens, ins­besondere m Industrie und Handel, bewirkt

Sie industrielle Weltmacht.

Die Weltgeltung der deutschen Industrie.

.Deutschland als Weltmacht ist der Titel emes großen Werkes, das unter Leitung von Dr. ~ 1 o Ballerstadt mit einem großen Kreis hervorragender Mitarbeiter geschaffen worden rjt, um die Taten deutscher Kraft und deut­schen Geistes auf allen Kulturgebieten zu ver­anschaulichen: ein Werk, das em bekannter Zeltgenosse eine .General-Enzyklopä- d *5 v a * erländischer & r ö fc e1 genannt bat. Wir stlhren auszugsweise aus einer der zahllosen Abhandlungen des großangelegten Wertes , und zwar aus dem Kapitel:In- dustrielle Bahnbrecher und deutsche Kauf­herren" (von Arthur Dft) einige Absätze an, dre gewisse Ursachen darzulegen ueriuojen, ans denen die Weltgeltung der deutschen Industrie sich entwickeln konnte:

1. Beilage.

Sonnabend, 10. Dezember 1910.

Verbrechens wider die Sittltchkett aus § 176 des Reichsstrasgesetzbuches. und zwar verübt an einer geisteskranken Frauens­person, unter Anklage gestellt war. Die Geschworenen fällten nach längerer Beratung ein Nicht schuldig, worauf der Angeklagte kostenlos freigesprochen wurde. Wi, ichon erwähnt, ist die diesmalige Schwur- gerichtsperiode des Landgerichtsbezirkes Kassel nut diesem Fall zu Ende gegangen, und der Herr Präsident entließ gestern mit Worten des Zankes für ihre mühevolle Tätigkeit die Herren Geschworenen in die Heimat.

Der neuesteSchatzschwindler"-Trick Wre uns aus Berlin berichtet wird, wurfec bei der dortigen Nationalbank für Deutschland ein grober Scheck schwindel versucht. Ein russischer Bak­ke rme ist er präsentierte einen Scheck ir Höhe von 50 000 Franken. Die Beamten sa heu sofort, daß es sich um eine Fälschunx handelte und übergaben den Russen der Polt zei. Der Scheck war von der Merikanischer Bank ausgestellt. Der Russe wurde in Hof genommen; seine Persönlichkeit konnte bis zu» Stunde noch nicht sestgestellt werden. Tie Na tionalbank setzte sich telegraphisch mit der Lou dauer Filiale der Mexikobank in Verbrndunc und dort wurde festgestellt, daß in letzter Zci Zeit derartige gefälschte Duplikatscheeks von den sogenannten spanischen Schatz­schwindlern angefertigt und In Umlauf gebracht worden sind. Der Russe ist alsc wahrscheinlich ein Opfer dieser Leute geworden Er wurde nach Feststellung seiner Persönlich kett sofort aus der Hast entlassen.

haben, die gegenwärtig (wenigstens in bezug auf den Umfang der industriellen Arbeit) dervon lebem anderen Lande erreichten Stufe überlegen ist. Da ist offenbar einmal das anhaltend starke deutsche VolkswacksMm, das uns so viele Arbeitskräfte gibt. Aber dieses Volkswachstum haben wir auch früher gehabt, ohne es in unserem gewerblichen Leben unter­zubringen. Bis zu einer Viertelmillion Men- Ichen tm Jahre haben wir noch vor drei Jahr­zehnten an das Ilüsland als Völkerdünger und zur Unterstützung der Produktion unserer Wett­bewerber auf dem Weltmärkte abgegeben. Wenn wir heute feiges ganze Volkswachstum in unserer I n d u st r i c restlos unterbringen können, ja, sogar darüber hinaus noch dem platten Lande zugunsten der Industrie Ar­beitskräfte entziehen und weitere Hilfskräfte aus dem Auslande heranzuziehen gezwungen sind, so müssen eben auch andere Ursachen diese Entwicklung wesentlich beeinflußt haben:

Da sind obenan die Zusammenfassung aller Kräfte tm neu geeinten Reiche und feie Ueberwindung aller inneren Zoll- und poli­tischen Schranken ins Auge zu fassen. Erst nach dieser Art vollzogener Zusammenfassung konnten dtevorhanfeenen Kräfte voll ausgenutzt und entfaltet werden, die natürlichen Boden­schätze Deutschlands voll zur Geltting kommen und die Vorteile der geographischen Lage im Herzen Europas, an den großen mitteleuropäi- schcit Strömen, volle Bedeutung erlangen.

Aber auch diese Erklärung allein würde bei Wettern nickt genügen. Erst nachdem die Politik des Schutzes der nationalen Arbeit mehrere Jahre in Wirksamkeit war, entwickelte sich die volle Blute des industriellen Lebens Die äußeren geographischen Verhältnisse, feie politische Lage und die Handels- und wirt­schaftspolitischen Lebensbefejnatingen aen'iaeu noch immer nicht zur Erklärung des großen Auf­schwunges, das dem Auslände soviel Staunen abgezwungen und auch so manche Beklemmung pemrsacht hat. Wir kommen nicht zu einer voll- siand ioen Erklärung, wenn toir das persön­liche Element außer acht lassen.

Da ist zunächst, was die große Masse der Arbeftskräfte anbetrifft, der hohe Stand der deutschen Volksbildung zu be- riicksichtigen, der jeden einzelnen innerhalb feer Masse persönlich befähigt, die ihm zugewieje- ncn Aufgaben besser zu verstehen und in ge­schickterer Auffassung durchzuführen als die dem Ausland zur Versügung stehenden Kräfte es vermögen. Die Leistungsfähigkeit des deut­schen Arbeiters und damit feer deutschen In­dustrie verdanken wir zum wesentlichen Teil der Entwicklung seiner Intelligenz, feiner Volksbildung im allgemeinen, der Fortentwick­lung seiner gewerblichen Fähigkeit durch die Fachbildung im besonderen und seiner Diszi­plinierung für den Arbeitsdienst durch die Schule des Heeres. Je schärfer der Wettbe­werb auf dem Weltmärkte sich ausbildet, je niehr wir darauf angewiesen sind, auf frem­den Märkten gerade mit differenzierter, hoch entwickelter Qualitätsware zu konkurrieren, um so wertvoller wird dieser Faktor.

Was in bezug aus das persönliche Element und in bezug auf die Bildung von den breiten Massen der Arbeiterschaft gilt, das gilt in noch viel höherem Grade von den

haben. Im Gegenteil: Das persönliche Ele­ment der großen industriellen Bahnbrecher uns der deutschen Kaufherren ist keineswegs (wie man fälschlich anzunehmen geneigt war) zu­rückgetreten mit der modernen Entwicklung der Wirtschastsfonnen und Unternehmungs- formen; sein Einfluß ist vielmehr nur noch beständig gestiegen und die ganze Ge­schichte moderner deutscher Wirtschaftsentwick­lung und modernen deutschen Wirtschafts­lebens bliebe unverständlich, wenn man diese Persönlichkeiten aus dem Kreise der Betrach­tung auszuschalten versuchen wollte.

Die Persönlichkeiten der großen Erfinder und der weitschauenden Organisatoren der Arbeit waren es, die der deutschen Industrie bahnbrechend vorangegangen sind. Zumal in den modernsten Industriezweigen, beim An­bruch des Zeitalters der Elektrizität, waren es deutsche Erfinder, denen die wesent­lichsten Fortschritte zu verdanken sind. Große Ilmwälzungen haben sie durch, auf den ersten Blick bisweilen dein Laien nur verhältnis­mäßig klein erscheinende Erfindungen herbei- geführt. Rimmer rastend, spürten sie den bis dahin noch unbekannten Naturgesetzen nach und zwängen nach Erkenntnis dieser Gesetze feie Natur in weit größerem Maße als zuvor in den Dienst der Menschheit. Vor allen Din­gen aber haben zur Entwicklung von Industrie und Handel auch die Bahnbrecher des Weltverkehrs beigetragen, die ganz neue Möglichkeiten für den nationalen und inter­nationalen Warenaustausch, für die Verwer­tung der Bodenschätze und der industriellen Arbeit aeschaffen haben.

Vielfach waren Pie Bahnbrecher der In­dustrie zugleich und vor allem Bahnbrecher fees Verkehrs: sind doch speziell die wichtig- freit elektrischen Erfindungen mit in erster L-nie der Entwicklung des Verkehrs, und zwar sowohl des Personenverkehrs, wie vor allen Dingen des Nachrichtendienstes zugute gekommen. Getragen von feer Sicherung fried­licher Entwicklung und hoher Weltgeltung Deutschlands durch unsere starke Wehrmacht, und getragen von der vergleichsweise hohen geistigen und physischen Ausbildung aller Hilfskräfte bis zum einfachsten Arbeiter tm Lande der allgemeinen Volksschule und der allgemeinen Wehrpflicht, haben feie Leiter un- frrer großen industriellen und kommerziellen linternehmungen den staunenswerten Aus- schwung von Industrie und Handel herbei- znfiihren gewagt durch entschlossene Tatkraft, zähe Willensstärke, weitblickenden Unterneh­mungsgeist und Organisationstalent.

Revolution im Bierdorf. Aus Mün. chen wird uns geschrieben: Die infolge de> BierprerserhöhUng im Sommer in ganz Deut,chland eingetretene Erregung war beson ders groß im Bierlande Bayern. Nicht nm chritt man dort wie anderwärts zu Bier- boykotts, sondern es gab auch in verschiedener Orten Krawalle, von denen einer der schlirnnr- ten der aufruhrähnliche Krawall in dem ober- bayerischen Marktflecken Do r f e n war. In dem Dorfe erhielten die Wirte, als die Bier- Preiserhöhung um 2 Pfennig am 1. Juni ein» zetteten war, verschiedene anonyme Briese, ii denen mit Brandstiftung gedroht wurde, toeni der erhöhte Preis aufrecht erhalten bliebe Und wirklich brach am Sonntag, den 5. Juni in zwei Gastwirtschaften Feuer aus, das wahr­scheinlich angelegt worden war. Ans feen Orte selbst wie aus der Umgebung eilten di, r eiwillig en Feuermannschaften herbei, aber eh« es gelang, des Feuers '

7 Anwesen in Asche.

un oceicyenoacy genügte diese einfache Charge indessen nicht, und so veranlaßte sie ihren Adoptiv-Schwiegersohn, seinen Abschied zu nehmen: sie überwies ihm zugleich als Mit­gift ihrer Adoptivtochter das Rittergut Diebau im Kreise Sagan. In der Folgezeit kam es zu schweren Differenzen zwischen der Gräfin Reichenbach und ihrer Adoptivtochter sowie de- ttn Mann. Die Gräfin behauptete, daß das Gut Diebau von ihnen total heruntergewirt- schastet worden sei, während Tochter und Schwiegersohn die Behauptung in die Welt setzten, die Gräfin habe ein Verhältnis mit ihrem Inspektor. Die Folge waren gegen­seitige Beleidigungsprozesse. In einem von diesen stellte die Gräfin ein "Verhältnis zu ihrem Inspektor eidlich in Abrede. Darauf wurde sie wegen fahrlässigen Falscheifees zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt, doch hat das Reichsgericht dieses Urteil später wieder aufgehoben. Die Adoptivtochter wurde ver­stoßen rind enterbt, das Rittergut mußte von dem jetzigen Angeklagten geräumt werden. Der Kampf zwischen feen Parteien aing jetzt aber nur noch schärfer los. Im März 1907 starb die Gräfin Reichenbach. Zwei Tage vor ihrem Tode adoptierte sie noch feie Kinder eines tschechischen Geistlichen und Konsisiorial- beamten v. Lanyi aus Wien, den ste nur vom Kollektengeldersammeln für eine katholi­sche Kirche kannte. Die Adoptivwchter blieb enterbt, Erben wurden vielmehr die Kinder des Geistlichen. Das hinterlassene Vermögen der Gräfin war ziemlich erheblich, v. Voltolini und seine Frau fochten das Testament feer Gräfin an, der Prozeß hierüber schwebt noch in zweiter Instanz. Auch die zweitt Adoption wurde angefochten, da sie nur zum Schein er« ölgt fei.

Der Rechtsbeistand feer Gräfin Reichenbach war der Justizrat Fraenkel, früher in Sa­gau, jetzt hier in Glogan. Gegen ihn hat der jetzige Angeklagte, Forstkaffenrendant v. Vol- tolini, der Mann der gräflichen Adoptivtochter, eine Reihe feer fchwersten Vorwürfe erhoben. Er behauptete, daß Justizrat Fraenkel alle die Aktionen der Gräfin Reichenbach gegen ihn und seine Ehefrau herbeigeführt habe und sich auch sonst Verletzungen gegen die Standesehre habe zu schulden kommen lassen. Die Staatsanwaltschaft Glogan hat daher gegen v. Voltolini feie öffentliche An­klage wegen Beleidigung erhoben. Der An­geklagte will indessen in allen Punkten den Beweis der Wahrheit antreten. Vor kurzem stand Termin in der Sache vor der hiestgen Straffammer an, feie Verhandlung mußte aber damals vertagt werden, weil der Angeklagte

err zu werden, lager . , jer Sitte entsprechend war unter feie Löschmannschaften Bier verteil» worden, das in ganzen Eimern und Gefäße» aus der Brauerei geliefert wurde. Es war eir heißer Tag, die Arbeit anstrengend und es dürste viel getrunken worden sein. Abends nach Löschung des Brandes, als die Mann- schäften sich auf dem Marktplätze sammelten kam es infolge des genossenen Stoffes zu hes- tigert Drohungen gegen die Brauerei und schließlich zog man in Hellen Haufen dorthin und forderte ungestüm weiteres Freibier, do das übliche Quantum noch nicht geliefert sei Die Brauerei schloß schleunigst feie Tore und Fensterflügel und lehnte die Lieferung von noch mehr Freibier ab. Die aufgeregte Meng« sprengte aber das Tor und demolierte im In­nern die Wirtschaftslokalitäten, während von außen alle Fenster eingeworfen wurden. Di« Beamten wurden zum Teil schwer mißhandelt Jetzt haben sich 17 Angeklagte vor der Straf, fammer des Landgerichts München II zu ver­antworten, während yt Dutzend, die wenige» belastet sind, vor das Schöffengericht in Dor­fen verwiesen wurden. Es sind Bauern und

. Es ist auf Gründe mannigfacher Art zu- riickzufuhren, wenn nach langen Zeiten des Stillstandes und des Darniederliegens Deutsch- lands Industrie und Handel sich In neuester Zett wieder zu einer Hol haben, die gegenwärtig auf feen Umfang feer

Fraenkel in Glogan beleidigt zu haben, hatte sich der Forstkassenrendant Leutnant a. D. von Voltolini ans Bregentin zu verant­worten. Der Prozeß hat folgende interessante Vorgeschichte:

Im Kreise Sagan in Schlesien war feie dem sächsischen Hochadel angehörige Gräfin Reichenbach begütert. Da sie kinderlos war, hatte sie eine junge Dame adoptiert, die

spater den jetzigen Angeklagten v. Voltolini geheiratet hatte, feer damals als Leutnant in einem sächsischen Regiment stand. Der Grä­fin Reichenbach genügte diese einfache Ch indessen nicht, und so veranlaßte sie il Adoptiv-Schwiegersohn,

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