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Sonnabend, 10. Dezember 1910.

Casseler Neueste Nachrichten *

fülligen.

zur der

Genoflen den deutschen in der Not stets Seite stehen würden. Die Rede fand bei Versammlung lebhaften Beifall-

Rcht der Legislaturperiode erfolgt, sodaß seine Eliminicstung keine Schwierigkeiten machen wird. Aber wenn auch der Zentrumsturm weiter stehen wird: Dieser neuerliche Zwist zeigt doch deutlich, daß er schon recht recht bedenkliche Risse hat.

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sen werden, sondern auch eine große Anzahl von adligen Junkern, die durch Verwandtschaft keinerlei Beziehungen zu dem Regiment haben. •1»P*

Neuer vom Tage.

Zohann Lrth.. . Krieg-Minister?

Aus Brüssel schreibt man uns: Dfl „Jndspendence Bclge" bringt die Mitteilung eines inaktiven österreichischen Offizrers, daß der totgesagte Erzherzog Johann Salvator (Johann Orth) von ihm rn Frankreich gesehen und erkannt worden ist. ^cr Offizier, der den Erzherzog aus früheren Jah­ren kennt, erklärt, daß eine Täuschung seiner­seits ausgeschloffen sei, und daß er auch letzt mit dem angeblich verschollenen Orth gespro­chen habe. Er will sogar von ihm nähere Mitteilungen über fein augenblickliches Leben

Blaues und rotes Sliti.

Der Adel im Heer.

(Von unserem militärischen Mitaroeiter).

herbeizusührcn.

S Der Sozialdemokrat rn Uniform. Vor der Rcichsdisziplinarkammcr in Potsdam hatte sich gestern der Postschaff­ner Wilhelm Fischer aus Berlin wegen zweier Anschuldigungen zu verantworten. Er ist vom Schöffengericht Berlin-Mitte wegen gefährlicher Körperverletzung zu 150 Mark Geldstrafe verurteilt worden. Das jetzige Disziplinarverfahren richtet sich gegen Fischer, weil er in einem öffentlichen Lokal in Dienst­uniform offen für die Sozialdemo­kratie Stellung genommen und 2. weil er in einem darauf folgenden Wortwechsel einem städtischen Straßenreiniger namens Becker mit einem Bierglas eine Kopfverletzung hergebracht hat. Der Gerichtshof erkannte nach dem An­träge des Anklagevertreters wegen Dienst­vergehens in zwei Fällen zur Dienst­entlassung ohne Pension.

cs Polen-Flucht aus dem Reichstag. Aus- Berlin wird uns gemeldet: Wenn sich die Nachricht bestätigt, daß der polnische Reichs- taqsabgcordncte Korfanth (wie jetzt aus Beuthen gemeldet wird) nicht mehr kandrdre- ren will, so würde von den jetzigen polnischen Abgeordneten Oberschlesiens k e i n e i n z i - ger mehr in den Reichstag zuruckkehren.

S „Peter, der Unbekannte". Das Bel­grader Blatt „Politika" erzählt folgende Anek­dote, für deren Wahrheit sich das Blatt ver­bürgt: Anläßlich des Todes Eduards VII. kon­dolierten sämtliche europäischen Staatsober­häupter dem neuen König Georg, darunter auch König Peter von Serbien König Georg ließ natürlich allen seinen Dank übermitteln. Der Text der Depesche an den serbischen König war in französischer Sprache abgesaßt; nur die Adresse lautete statt fran­zösisch: „Roi Serbe" englisch: „King Serbe Belgrade". Die Belgrader Telegraphenbeam­ten verstanden aber kein Englisch und glaub­ten, die Depesche sei für eine Privat­person bestimmt. Man suchte nun den King Serbe" im Belgrader Adreßbuch, ober ohne Ersolg, Die Depesche sollte bereits mit der „In Belgrad unbekannt! Zu­

rück'" tofrtrcT nach London gehen, al sim letzten Augenblick ein Depeschenträger eintraf, der längere 3eit in Amerika war und daher eng­lisch vrisiand und die Depesche endlich an die richtige Adresse gelangen ließ.

*

Politische Chronik.

Aus Paris wird berichtet: Die Depu- tiertenkammer hat beschlossen, über die Jnter-

Ueber die Gründe, die allmählich wirkend, daher maßgebend dafür waren, daß sich der Adel vom Heeresdienst zuruckzrebt, der früher feinen eigentlichen Beruf darstellte, wird man ohne Berücksichtigung der wirtichaftlichen Lage in den" einzelnen Fällen nichts .näheres fagen können. Sicher ist aber, daß in enter Reihe wirtschaftliche Gründe in Frage kom-

sittert der Zentrums türm?

Martin Spahn, da» „enfant terrible“. ‘

(Von unserem parlamentarischen Mitarbeiter.) Der Abgeordnete Spahn junior, der im Sommer dieses Jahres unter dem Protest einer ganzen Anzahl von Zentrumsabgeordneten in Warburg-Höxter gewählt wurde, hat den An­laß zu einem tiefgehenden Zwiefpalt innerhalb des Zentrums gegeben. Das Miß­trauen eines Teils des Zentrums gegen der Sohn des ersten Vizepräsidenten geht so weit daß man ihm bisher noch nicht die Aufnah me in die Zentrumsfraktion zugestandcn hat Jetzt ist die Opposition von dieser passiver Resistenz sogar zum offenen Angriff über gegangen. An die Spitze der Erhebung ha sich der Abgeordnete Graf von Oppersdorf ge stellt, der soeben eine Broschüre veröffentlich hat, in der er sein „anathema eit" gegei Spahn junior schleudert. Es werden diesem allerlei Ketzereien vorgeworfen, die geeignet seien, die Einigkeit der Zentrums­fraktion zu stören. Die Stellung Spahns zu den wichtigsten Fragen der Zentrumspolitik wird einer sorgsältigen Aanalyse unterzogen, die für den Angeklagten nicht eben günstig aus­fällt. Spahn will (wie er selbst erklärt hat) eine „Entklerikalisierung" des Zentrums. Das mit diesem schönen Wort bezeichnete Pro­gramm bedeutet aber nicht nur ein Verbrechen gegen die deutsche Sprache, sondern mehr noch gegen die Zentrumspartei. Wohin käme wohl das Zentrum, wenn es entkleri- kalisiert würde? Die aPrtei ist so innig mit dem Klerus verquickt, daß sie mit ihm steht und fällt. Die Zentrumswähler sind zum weitaus größten Teil willenlose Werkzeuge in der Hand des Klerus.

Das hat auch die Wahl Spahns in War­burg-Höxter gezeigt: Man hat dem Wahlkreis diese Kandidatur einfach aufoktroyiert, und die Zentrumswähler schwenkten ein wie die Unteroffiziere. In den größeren Städ­ten sind dem Klerus die Zügel zum Teil ent­glitten. Diese Erfahrung mußte das Zentrum erst jüngst bei der Landtagsersatzwahl in Breslau machen. Es erlebte hier den Schmerz, daß 12 Wahlmänner, die 1908 für die konservativ-klerikalen Kandidaten gestimmt hat­ten, diesmal dem liberalen Kandidaten ihre Stimme geben und ihm dadurch zum Siege ver­halfen. Wollte man nun aber ganz allge­mein den Zentrumswählern gestatten, sich selbständig ihr Urteil über politische Fragen zu bilden, dann würde dieser Fall von „Fe­lonie" wohl nicht vereinzelt bleiben. Darum ist es nötig, daß die Zentrumswähler auch künftig alle politschen Vorgänge durch die kle­rikale Brille sehen. Auch dieser Zwist um Spahn ist im Grund genommen nur eine Wie­deraufnahme der alten Streitfrage: Soll das Zentrum aus dem Turm heraus? Wenn nicht alle Zeichen trügen, wird es auch jetzt noch darin bleiben. Herrn Spahn aber wird man bei den nächsten allgemeinen Wahlen voraus­sichtlich einen Platz außerhalb der Tur anweisen. Seine Aufstellung in Warburg-Hox- ter war seinerzeit ausdrücklich nur für den

Sie Politik der Soges.

Der Reichstag im neuen Jahr. (D o n unserem parlamentarisch en Mit­arbeiter.) Nach den vorläufigen Dispo- Itionen des Reichstags ist beabsichtigt, vom 10. Januar ab zunächst die erste Lesung der Novelle zum Strafgesetzbuch und die .zweite Lesung des Hausarbeit s- g e s e tz e s vorzunehmen. Hierauf fallen die noch ausstehenden kleineren Vorlagen und das Arbeitskammergesetz in dritter Lesung erledigt werden und im Anschluß daran die zweite Etatlesung beginnen. Da man annimmt, daß die zweite Etatlesung bis Mitte März erledigt sein kann, so soll die Reichsversicherungsordnung (die in der Kommission auch erst im Februar zu Ende beraten sein wird) erst nach dem Schluß der Etatberatungen auf die Tagesordnung gesetzt werden. _ .

c§3 Das Arbeitskammergesetz am Ende. Man schreibt uns aus Berlin: Das Schick- sal des Arbeitskammergesetzes gilt nach den vorgestrigen Beschlüssen des Plenums des Reichstages für besiegelt. Da auch die dritte Lesung des Entwurfs im Plenum kaum e'.n anderes Resultat zeitigen wird, und die Stellung der Regierung jede' falls in den strit­tigen Fragen die gleiche bleiben wird, so darf das Gesetz schon jetzt als gescheitert be­trachtet werden. Wie verlautet, ist beabsichtigt, eine unverbindliche Stellungnahme des Bun­desrats zu den Beschlüssen zweiter Lesung

Aus einem Vergleich, der den Bestand un­seres Offizierkorps nach der letzten Rangliste und die Bestände der früheren Jahr­gänge umfaßt, geht hervor, daß in der Zu­sammensetzung unsere-, Ofnzierkorps zahlen­mäßig ein ganz allmählicher R.u ck g a n g des Adels fesizustellcu ist. Da die höheren Rangstufen nicht mehr für den Zudrang eines bestimmten Teiles des Volkes zu der Offiziers- lausbahn maßgebend sind, und da durch Ver­abschiedungen, Todesfälle und andere Uni- stände die Verhältnisse in den höheren Rangstu­fen für die Statistik, die den Rückgang des Adels in unserem Offizierkorps behandelt, nur die Anzahl der Leutnants in Betracht gezogen und nur die ersten Leutnantsjahrgänge, die weder durch Verabschiedungen noch durck Verletzungen und Todesfälle eine wesentliche Aenderung erlitten haben, können als maßgebend ange­sehen werden. Wenn man nun einen Zeitraum von 30 Jahren in Betracht zieht, .kann man feststelleil, daß die Verhaltniszahl zwischen bürgerlichen und adeligen Dozieren sich zu- aunsien der bürgerlichen verschoben hat Nach der Rangliste vom Jahre 1880 waren im gesamten deutschen Ossrzierkorps %

sä.ntlimer Leutnants bürgerlich, wahrend 36,9% adlig waren. Bis zum Jahre 1909 t1 -ste Anzahl der Bürgerlichen im gesamten Offi- iietkorps um rund 1000 Mann, also nm 4% ■jei Gesamtzahl gestiegen. Dagegen sind j-tzt und ^50 adlige Lsfizkeie wenig e r im Heere Js im Jahre 1880. Der Rückgang betragt alio -on der Gesamtzahl 1%. ®ie WW § mich die Vermehrung des Ofsizterkorps in den etiten Jabren zu erklären. Trotz, der Ver­mehrung in den letzten 30 Jahren ist also die Vrozentzabl des Adels zuruckgegangen Da- durch erhält die Zahl eine symptomatische Be­deutung und verliert den Charakter des Zu-

SW.

Skizze von Hans von Kahlenberg.

(Nachdruck verboten.)

Eigentlich hieß sie Cäcilie, aber alle Welt nannte sie Cissy, zwei kleine, weiche, klndenge Laute, wie wenn ein Vögelchen zwitschert Er konnte es nie richtig aussprechen mit seiner un­gelenken Zunge. Sie wollte sich totlachen über seine tölpischen Bemühungen: Cissy, Cissy.

Er war sehr verliebt in sie. Sie war auch wirklich ein allerliebstes Geschöpfchen, klein, wie ein Püppchen mit einem rosigweißen Por­zellangesichtchen und winzigen Händchen und Füßchen. Wenn er mit ihr tanzte, hatte er immer eine Todesangst, sie zu zerbrechen Er wagte nicht, seine Finger zu schli-ßen wenn sie ihm die Hand gab. Sogar seine Stimme suchte er zu dämpfen, schmeichelnd und lene -u sprechen, wie man mit kleinen Kindern spricht. Alles an ihr war ihm wunderbar märchenhast: ihre Kleinheit und Zierlichkeit und ihre weißen Kleidchen, die immer so glatt und rein waren, nie ein Fältchen zerknittert, nie eine häßliche fliegende Hitze in ihrem Ge- sichtchen oder ein Löckchen verirrt aus den glattgeflochtenen, blonden Zöpfchen. . . sogar auf der Landpartie nicht, als, er sie „seinen Weg geführt hatte. Er hatte immer seine be- sonderen Wege, abseits Von den großen, ge- bahnten, die er auf einsamen Wanderungen herausgesunden und sehr liebte. Dieser Weg, W er sie führte, war fein ganz besonderer «iebling, Xtrd) uralten Buchenwald sich schlan­gelnd. In einer Schlucht riefelte ein Quell über ganz schwarzes, laubgedungtes Erdreich Ma» sah immer Hochwild da. Es war so still, daß man den Wald atmen horte, die Ar­beit der Insekten im hundertjährigen Holze... Er liebte den Weg . . . Sie fand ihn abscheu­lich voll Gestrüpp und glitschig- Ein Sala-

erhalten haben.

Johann Orth reist in Europa unter dem Namen eines Barons Hott und will hier wieder die Stätten seiner Jugend auf­suchen. Baron Hott lebt in einem kleinen Staate Südamerikas, wo er (immer nach den Aeußerungen des Offiziers) sogar jetzt das Amt eines Kriegs Ministers inne­haben soll. Leider verrät der Offizier nicht, welcher Staat Südamerikas diese Aus­zeichnung genießt; wir erfahren auch nicht, unter welchem Namen Johann Orth nu- Kriegsminister tätig ist, da man dann sosort die Nichtigkeit dieser Mitteilung seststellen könnte. Johann Orth soll sich aber gewei­gert haben, nähere Angaben darüber zu ma­chen, um nicht von Anfragen und Besuchen belästigt zu werden. Diese Mitteilung er- scheint aber sehr seltsam, wenn auch der Offt- zier versichert, daß er den früheren Erzher- zog nicht nur an der frappanten Aehnlichkett des Barons Hott mit dem Johann Orth erkannt habe, sondern daß auch einige Ein­zelheiten der Unterhaltung mit Sicherheit den Schluß zulassen, daß cs sich tatsächlich um Johann Orth handelt. So wußte „der Herr Kriegsminister" genau über die militä- rischen Verhältnisse, die in Oesterreich vor 20 Jahren geherrscht haben, und über die Ossiziere jener Zeit Bescheid. Auf die Frage, warum er nicht nach Wien gehe und den Streit um das Vermögen Johann Orths durch seine persönliche Anwesenheit schlichte, antwortete der angebliche Erzherzog, daß erst nach feinem Tods das Rätsel seiner Weltflucht bekannt werden würde. Jetzt könne und wolle er darüber nicht spre­chen. Nach Wien weide er nicht gehen, da­für werde er aber in Paris einige Wochen weilen, um hier das „moderne Leben Euro- pas kennen zu lernen."

Die Angaben klingen recht märchenhaft, und es ist wahrscheinlich, daß der alte Offizier, der als durchaus glaubwürdig bezeichnet wird, sich getäuscht hat, oder einem humorvollen Lügner zum Opfer gefallen ist, der ferne Leichtgläubigkeit ausnutzte und sich ube« ihn lustig machte. Denn — daß Zohann Orth plötzlich der Kriegsminister einer sudanwrlka- Nischen Republik sein sollte, scheint doch die tollste aller bisherigen Kombinationen zu sein. e n"

Die giftige Margarine. Aus H a Nim (Westf.) wird uns telegraphiert: Wie der Direktor des städtischen Untersuchungsamtes in Westfalen mitteilt, sind im Zustandlgkeitsbezirk des Untersuchungsamtes derKreise So eß u Lipp-j stadt) in den letzten Tagen nicht nur nach dem Genuß der Margarincmarke „Backa" fondern . auch nach dem der von derselben Fabrik: Alto- - naer Margarinewerke Mohr & Co., Altona-

auch ein bißchen: Blumen und Schmetterlinge auf Täßchen und Kästchen für die Verwandten zu Weihnachten . . . und sie hatte den „Trom­peter von Säckingen" gelesen und schwärmte für Julius Wolfs und die Eschstruth und Schokoladenbonbons mit Mandelfüllung...

Ost sprach er den ganzen Abend kein Wort Er saß nur da und starrte sie art . . . Ein wütendes, heißhungriges Verlangen pei­nigte ihn, eine tödliche Reugier . . . Er ftibl.e es in sich drängen und reißen wie eine Bestie im Käfig, er konnte nicht anders; und einmal, als sie ganz allein zusammen waren im ©ar­ten, der Klee so süß und schwer herüberduftete von der Wiese und überall in den Blumenkel. dien die Schmetterlinge hingen wie toi, mit zusammengefalteten Flügeln, daß man ste mit der Hand herunternehmen konnte . . .

Plötzlich Packte er sie und küßte sie, mitten ruf den Mund küßte er sie, auf die kühlen, we» ■ficn Lippen und die spitzen, weißen Mause- .ähnchen beiß leidenschaftlich wieder und wie» her . . . pg^Raubtier, das er toar! . . .

w einen kleinen Schrei aus, weder 7>on< vdff . . . nut ein bißchen wohl- erzogener, jünaferlicher Schreck und gleich fuhr ite mit den Händen über ihr weißes Kleid: O aber, das dürfen Sie dock nicht! Was tun Sie denn? ... die vielen Leute da vorne, die uns fehen könnten . . ."

„Aber ich liebe dich doch! Ich liebe c IX M

Nun lächelte sie, aber Re trat doch behut­sam noch einen Schritt zurück und wahrend sie sich mit dem Taschentüchelchen die Lippen ab- tupfte: „DaS macht man aber doch nicht so, erplizierte sie. „So macht man daS gar nicht. Sie müssen mit meiner Mama sprechen und dann spricht meine Mama mit >>hrer Mama. Und dann werden die Anzeigen rumge- schickt . . . Und dann, wenn man wirklich ver­lobt ist, daun küßt man sich doch erst ,. ,*■

wirtschaftliche Gründe in Frage tom- men * da der Adel in seiner Gesamtheit heute wie in früöeicn Jahrhunderten m dem Heeres­dienste seinen eigentlichen Beruf sieht. Das Anwachsen des Bürgerttims hat auch die Schaf­fung rein bürgerlicher Off t J i erko r P s gefördert, wie denn überhaupt die Zahl der bürgerlichen Leutnants ständig wachs:. Wahrend (rote wir oben mitgetetlt haben) die Zahl der gesamten bürgerlichen Ofmtcre runb 67<% des gesamten Ossizierkorps betragt nehmen d e bürgerlichen Leutnants bei der -jufanku jetzt schon rund 97% ein, wahrend nur 21% adlige Offiziere sich in Insanterieregi nuittern befinden. So laßt es lieh erklären, da bisher 15 Regimenter vorhanden sind, die nur bürgerliche öffi$icre haben Dagegen sind einige andere Regimenter wieder rein adlig. Neben einigen Garderegimentern sind c5 mehrere Kavallerieregimenter, wie zum Beisviel die Gnesener und Oelier Dragoner, einige Ulanen und Husarenregimenter. Da- ficaen gibt es wiederum mehrere Kavallerie­regimenter, in denen das . S'üraerwm vorherrsckt, beispielsweise im rheinischen In­dustriegebiet. wo die Söhne der Groß­industriellen di- Offtziersstellen in den dorti­gen Regimenter, ^-nehmen. Wahrend tn den östlichen Kavallerieregimentern der Äiueu des Adels 72% beträgt, geht er in den west­lichen Kavallerieregimentern auf 41% zurück. Die Schaffung der rein adligen Regimenter erklärt sich dadurch, daß die neuaufzunebmen- den Junker fast durchweg Söhne früherer Offiziere dieser Regimenter sind. Der An- drang von Söhnen früherer oder noch aktiver Offiziere dieser Regimenter ist so groß, daß nicht nur die bürgerlichen Junker zurückgewie-

Sie hatte ein Sümmchen genau wie sie selbst, klein, hell, spitz, wie ein silbernes Schlit- tenglöckchen, das unaufhörlich bimmelte, im­mer in demselben seinen, dünnen Ton. Er hörte zuletzt gar nicht mehr, was sie fagte^ Er hörte nur das spitze, Helle Bimmeln, und dann kam eine Angst über ihn, ein brennen­der, atemloser Wunsch, daß es einmal anders klingen möchte, tiefer, weicher, er wußte nicht wie . . Er erzählte ihr die allertraurlgsten Geschichten, die gar nicht in die Gesellschaft paßten. Manchmal traten ihm die Tranen in die Augen dabei und er mußte innehalten, weil er nicht weitersprechen konnte. „O, wie schrecklich!" sagte sie dann .Rein, daS ist

wirklich zu traurig" . . . aber es war immer derselbe Ton, der Ton, den er nicht ertragen konnte. Er hätte sich das H-rz -usteißen: kön­nen, um ihn warm und farbig zu machen Und einmal, als er ihr das Allertaurigste er zählt hatte, unter dem er namenlos gelitten jahrelang, und säst gestorben Ware dran. . Sie zupste an ihrem weißen Busenspitzchen „O. aber so etwas erzählt man doch nicht .. einer jungen Dame doch nicht . Er wa. sehr bestürzt und bat um Entschuldigung. E' konnte es nicht mehr aushalten unter der Menschen und lies nach ihn gebeten hatte, einige Gedichte vorzutta gen. Gedichte von sich, vor denen da! . . .

Er ging doch wieder hin. Manchmal blieb er wochenlang Weg und bann toar er wieder da, spät am Abend, oder deS Morgens in aller Frühe, wenn kein Mensch Visiten macht. Er wurde immer unruhiger und elender. ES gab Nächte, in denen er sich auf seinem Lager wand wie ein Wurm. Tage, die er nur aus- halten konnte in der toeiwb^ von

allem Lebendigen. Sie blieb immer dieselbe, freundlich, wohlerzogen, kühl und Weitz-. Sie spielte ein bißchen Klavier: das Gebet der Jungstau und Klosterglocken ,,, Sie malte

pellation betr. die Vorgänge im Wadai- gebiet am 16. Dezember zu verhandeln

Wie aus Berlin berichtet wird, hat der Ausschuß des deutschen Handelstages erneut gegen die Einführung von Schiss- fahrtsabgaben Stellung genommen.

Depeschen aus Newyork zufolge haben bolivianische Truppen die peruanische Garnison Guayabal angegriffen und titelt Personen getötet und verwundet. Peruanische Truppen sind mit größter Beschleunigung zur Verstärkung abgesandt.

Nr. 6. 1. Jahrgang.___________

Versammlungen dieser Onsve.-bände kämen sehr selten wegen Mangels a» Beteiligung zustande, und deshalb könnten diese Verbände der neuen Idee in keiner Weise dienlich sein. Deshalb sollen zur Verwirklichung des An- träges Gau- und Bezirksverbände geschaffen werden. Nachdem noch eine Un­menge Redner gesprochen hatten, wurde end­lich Schluß der Debatte beanttagt und der Anttag, die Angelegenheit einer Kommission zu übergeben und den Zentral-Ausschutz zu veranlassen, die nötigen Mittel hierzu zu be­willigen, einstimmig angenommen. Hierauf trat man in die Debatte über eine Kartel­lierung zwischen der Bühnen-Genossenschast und dem österreichischen Bühnenverein ein. Vom Präsidenten Nissen und der Versamm­lung mit Begeisterung begrüßt, ergriff der Präsident des österreichischen Bühncnvereins, Professor Stoll, das Wort. Mit eindring­lichen Worten schilderte er den Wert dieses Kartells und versprach, daß die österreichischen

mander, der sich asts einer Baumwurzel sonnte, erschreckte sie, daß sie laut aufschrie. Er nahm das Tiercken auf, um es ihr zu zeigen, tote hübsch und harmlos es war.

„Machen Sie cs tot. Machen Sie es so­fort tot", schrie sie. Er setzte es schwelgend wieder an seinen Ort. Sie schien etwas pikiert und sprach nicht mehr mit ihm.

Erst auf dem Rendezvousplatz wurde sie wieder luftig, gab die Geschichte ihrer Aben­teuer in der Wildnis zum Besten und zeigte den großen Riß in ihrem Stieselchen, den „seine" Dornen gemacht hatten. Er mußte sehr reuig sein, und nachher durfte er Erd­beeren für sie pflücken, die sie von einem Blatt- tellerchen aus seiner Hand verspeiste. Sie liebt es, ihn dergleichen tun zu lassen: Ihr Sonnenschlrmchen tragen, ihr Mäntelchen zu­haken. Allen Frauen macht das Spay. Mit ihm machte es ihr noch besonderen Spatz, weil er sich so ungeschickt dabei anstellte.

Er war überhaupt ein merkwürdiger Mensch. In Gesellschaften drückte er sich in den Ecken herum und wußte nichts zu sagen. Er hatte ein Buch geschrieben, das ihn be­rühmt gemacht hatte, und manchmal, wenn der Gegenstand ihn packte und er vergaß, daß man ihm zuhörte, konnte er auch sprechen, sodaß die anderen schwiegen und alle ihnansahem Dann kam es vor, datz er mitten drin abbrach und hinauslief, wo draußen am Himmel die Sterne flimmerten und daS junge £eu so stark herüberduftete von den Wiesen. Er konnte sich freuen tote ein Kind über einen Sonnen- streifen an den Buchenstämmen,^denLockrufder Amsel auf braunknospendem Fruhkingsztodig. „Ach, das ist schön! das ist schon!" sagte er dann immer wieder. Seine Brust atmete ttef und seine Augen leuchteten. Sie kicherte. Was für ein kornischer Mensch Sie sind, nein wirklich, zu komisch! . , *