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Freitag, f. Dezemver 1916.

Casseler Neueste Nachrichten

Nr. I. f. Selrseeg. *

Tie heutige Nummer der „Casseler Neueste Nachrichten" umfaßt

= 10 Seiten. =

ausgegangen wäre. Am »estrige» Vormittag hatte er noch nicht di- geringsten Beschwerden verspürt. Am späten Nachmittag stellten sich plötzlich Bellermmmgen ein, die seine Angehö­rigen veranlaßten, einen Arzt zu holen. Aber ehe dieser Hilfe bringen konnte, Kalte der Tod deq Lljährigeu akgerufen.

den Dieb so lange fest, bis ihn die Polizei verhaften konnte. Er ist ein vorbestrafter Mann aus Cassel.

A Razzia vorm Holländischen Tor. Aller­hand lichtscheues Gesindel, das die innere Stadt zu meiden pflegt und keinem Schutzmann traut, treibt sich schon seit Wochen vor den Toren der Stadt herum. Die Vagabunden machen es sich, ganz ungeniert, des Nachts in den Oefen der alten Bäckerien und Ziegeleien vor dem Hol­ländischen Tore bequem. Die Schutzmannschast des 4. Reviers hielt daher in einer der ver­flossenen Rächte eine Razzia ab, wobei ihr ver­schiedene Vagabunden in die Hände sielen, _

tobet v I. eine Eingabe an die Stadt- Verwaltung gerichtet, wodurch der Stadt- älteste Sei dl er, Stadtbaurat Höpfner und Stadtbaumeister Schröder sich belei­digt fühlten mrd Strafantrag stellten. Im ersten Verhandlungstermin am 17. März d. I. wurden jedoch die Strafanträge von den Stadtättesten Seidler und Stadtbaurat Hovf- ner nach beftiedigendeu Erklärungen des An- oeklagten Piedendorf wieder zurückgezogen und nur die Beleidigung gegen Stadtbaumei­ster Schröder blieb vor Gericht anhängig. Die­sem, welcher das städtische Kanalbauwesen bis dahin leitete, wurde nämlich der schwere Vor­wurf gemacht, daß er seine amtliche Stellung zu Gunsten privater Interessen ausgenutzt, insbesondere auf die Unternehmer für Her­stellung städtischer Kanalbauteu dahin einge­wirkt habe, daß diese Zementröhren einer be­stimmten Firma beziehen und zu den städtt- schen Kanälen verwenden möchten. Insbeson­dere behauptete Biedendorf, die Lauckhardt- schen Zementröhren würden auf Kosten der von ihm fabrizierten Zementröhren unzuläs­sig bevorzugt, wodurch er großen Schaden er­leide. Es sei dieses darauf zurückzuführen, daß er wegen eines mit Schröder abgeschlossenen Patentvertrages über Zementröhren usw. mit diesem in Differenzen geraten sei. Seit dieser Zeit sei es mit den Lieferungen seiner Firma für die Stadt Kassel vorbeigewesen. Stadt- baumeifter Schröder bestritt dieses natürlich. Die eingangs erwähnte Verurteilung zu 300 Mark war nur erfolgt weil in der Eingabe eine Anzahl formaler Beleidigungen enthal­ten waren. Es war darin von „Verlogen­beit", charakterlosemMenschen dessen Treiben auf Lug und Trug" aufgebaut sei usw. die Rede. Der Angeklagte Bieden­dorf bestritt aber jede beleidigende Absicht, er habe die Eingabe, die er als den R o t s ch r e i eines zu Tode gehetzten Menschen bezeichnet nur geschrieben, um der Stadwer- waltung, insbesondere dem Stadtbaurat Höpfner, die Augen endlich über Stadtbau- meister Schröder zu öffnen.

Der Vertreter der öffentliche« Anklage, Erster Staatsanwalt Ganslandt, sowie Nebenkläger Schröder und sein Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Kaufmann vertraten rn eingehenden rechtlichen Ausführungen indes­sen den Standtpunkt, daß eine Bestra­fung dieser formalen, beleidigenden Aus­drücke aus § 185 des R.-Str.-G.-B erfolgen müsse. Mit dem Angeklagten Bredendorf führten dagegen dessen Vertreter Rechtsan- wälteD e n e ck e - Göttingen und K ä st n e r - Cassel in längeren Darlegungen aus, daß die inkriminierten Ausdrücke und Wendungen mit dem Inhalt der Eingabe unzertrenn­lich verbunden feiern und nicht lose herausgepflückt werden dursten. Bei der Eingabe handle es sich um eine ein­heitliche Handlung, geschehen in der Absicht, vorhandene Mißstände im Betriebe des Stadtbauamts zur Kenntnis der vorgesetzten Behörde zu bringen. Der Staats­anwalt beantragte eine Beweiserhebung, da­gegen hielt der Nebenkläger und sein Rechts­beistand solche- nicht für nötig, da man fern Interesse daran habe, die Sachlage nochmals anfzurollen, um so weniger, als der Kläger Schröder durch die Angriffe Biedendorfs in seiner Gesundheit stark erschüttert worden und genötigt gewesen sei, monatelang ein Sanatorium auf­zusuchen. Der Angeklagte habe aus Ge­hässigkeit und Rache gehandelt.

Nachdem nochmal alle Parteien ausführ­lich zu Worte gekommen waren, erfolgt die Verkündigung des Urteils. Danach wird der Angeklagte Kaufmann Biedendorf freigesprochen. Alle Kosten des langjährigen Prozeßverfahrens werden der Staatskasse aus- erlcgt.

A" Der König von Sachsen in Cassel. König von Sachsen traf in der gestrigen Nacht aus dem Süden kommend mit dem Frankfurter Nachtschnellzug um 2 Uhr 44 Mi­nuten im eigenen Salonwagen hier ein und fuhr nach kurzem Aufenthalt um 2 Uhr 49 Mi­nuten mit dem Berliner Nachtschnellzug über §>alle Leipzig nach Dresden weiter.

§ Ä Dwrwuen Eisenbabn-Bemter. Die die örtliche Aufsicht über die Dienststellen (Perso­nen, Güterabferttgungen) ausübenden Eisen-

Ludwig Knaus t.

Berlin, 8. Dezember. (Spezial- Telegramm.) Pros. Ludwig Knaus, der berühmte deuffche Genremalcr, ist seebcn im 81. Lebens­jahre hier gestorben.

Mit Ludwig Knaus, dem ausgezeichneten Genremaler, geht eine unserer feinsten, mar­kantesten Künstlertypen dahin, einer von den wenigen deutschen Malern, die es zu euro­päischer Geltung brachten. Der Verstor- hene wurde am 5. Oktober 1829 in Wiesbaden geboren. Früh regte sich in ihm der Künst­ler. Schon mit 16 Jahren bezog er die Düs- seldoitfer Akademie,und studierte dors ünterSohn und Schadow. 1852 ging Knaus nach Paris. In der hohen Schule der Franzosen eignete er sich intimste Lebensbeobachtung, seine ele­gante Technik an, die er später mit der Wahr­heit und Innigkeit deutscher Empfindung ver­mählte, was seinen Schöpfungen jenen eigen­tümlichen, anziehenden Charakter gab. Jedes neue Bild erbrachte ihn vollendeter, und bald wurden die Kompositionen Knaus' die erklä- ten Lieblinge nicht nur des deutschen, son­dern des europäC^en Publikums überhaupt.

Seinen Ruhm begründete Ludwig Knaus im Jahre 1850 durch die „Goldene Hochzeit", jenes prachtvolle Charakterbild des mitteldeut­schen Bauerntums. Gleicher Erfolg krönte die „Taufe" (1859) Kind den „Auszug zum.Tanz", den das Jahr 1861 bescherte. 1866 ließ sich der Künstler, nachdem er eine Zeit lang in Berlin gelebt hatte, in Düsseldorf nieder. Bis 1872 entstanden dort folgende hauptsächlichen Bilder: Der „Invalid" und das „Leichenbe­gängnis im Dorm", eine seiner ergreifendsten Darstellungen. Dann schuf er die „Hauenstei- ner", eine Versammlung alter Bauern, die, ,n wichtiger Beratung über Gemeindeangelegen­heiten vertieft, die ganze Kraft, Verschlagen­heit und Zähigkeit ihres Standes in klassi­schen Charaktertypen vertreten. In der Ber­liner Nationalgalerie hängt ferner sein wun­dervolles „Kinderfest", eine Schilderung des geselligen Familienlebens des 18. Jahrhun­derts voller Humor und stischestem Leben.

Im Jahre 1877 siedelte Knaus nach Ber­lin über, wo er die Lietung eines der an der Akademie neubegründeten Meisterateliers über­nahm. In dieser Zeit entstand wiederum ein bedeutendes Gemälde: die „Heilige Familie, auf der Flucht von Engeln bedient", eine Art Apotheose der Kinderwelt, in der er die Poesie des Muterglücks verherrlicht. Schließlich sind noch von den Werken des Verstorbenen zu nen­nen: die Wirtshaussezne „Auf schlechten We­gen", „Salomonische Weisheit" (ein alter Trödler, der seine Enkel in die Geheimnisse des Kleiderhandels einweiht), „Hinter den Ku­lissen" und „Auf der Walstatt". Knaus verdol- meffchte die ganze Skala menschlicher Emp­findungen mit einer Wabrhaftigkeit und Tiefe der Auffassung, einem Adel und Geschmack der Charakteristik und des Kolorits, die ihn den größten Meistern seines Faches würdig an die Seite stellen. Außer den Genrestoffen behandelte er das Porträt, namentlich im klei­neren Maßstabe, mit bewunderungswürdiger Meisterschaft. *

Ludwig Knaus' letzte Stunden.

Ein ausführliches Spezial-Tele­gramm über den Tod des greise» Malers teilt uns weiter noch aus Berlin mit: Ludwig Knaus ist gestern abend ganz plötzlich in sei­ner Villa an einem Herzschlag verschie­den, ohne daß irgend eine Krankheit dem vor-

Letzte Telegramme.

(Rach Schluß der Redaktion eingesaugen.) Der Lebensmüde.

' BerL»,. 8. Dez. „GrkvtZ^Tele; gramm.) I» einem Anfall von Schwermut verübte gestern der 82jähnae Ober lebtet Dr Neubauer am Joachttnthal'schen.Gym­nasium Selbstmord, indem er sich mit Morphium vergiftete. * -

Kroatische Räuber.

Trier, 8. Dezember. (Telegramm.) Das Schwurgericht verurteilte heute drei kroatische Erdarbeiter, die am 3. Sep­tember bei Irl den Bauführer und Buchhalter einer Effenbahnfirma überfallen und um 2400 Mark beraubt hatten. Das Urteil lautete gegen zwei auf fünf Jahre Zuchthaus und gegen einen ans zwei Ja h r e Gefängnis.

Die Tragödie des Professors,

Reichenberg (Böhmen), 8. Dezbr. (Spe­zial-Telegramm.) In Flafendore bat sich der Direktor des Prager deutschen Gymnasiums, Professor Dr. Anton Frank, wegen eines schweren Nervenleidens erschossen.

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In Nacht und Eis.

Paris, 8. Dezember. (Telegramm.)' Der Polarforscher Charcot hielt gestern einen Vortrag. Seine antarktffche Expedition fei unter tausend Entbehrungen und Gefahren nach dem Süden der Insel Adelaide gelangt. Er habe dort eine große Bucht entdeckt. Der „Loubet" habe auf dem Alexander-Eiland nicht überwintern können, sei aber später dorthin zurückgekehrt und habe neues Land entdeckt.

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Ein französischer SensationSprozetz.

Paris, 8. Dezember. (Spezial-Te- l r g r a m m.) Heute begannen vor dem Schwurgericht in Nizza die Verhandlungen gegen den Arzt Dr. B r e n g e s, der beschuldigt wird, seinen Schwager in der Nacht vom 27. März wegen eines Erbschaftsstreites ermor­det zu haben. Brenges leugnet die Tat.

Die Wahlen in England.

London, 8. Dez. (Tel'egramm). Bis

Uhr früh waren gewählt 123 Liberale, 169 Unionisten, 23 Vertreter der Arbeiterpar­tei, 34 Anhänger Redmonds, 4 Anhänger Briens. Die Liberalen gewannen 11, die Unionisten 18, die Arbeiterpartei einen Sitz.

Die Pest in der Mandschurei.

Petersburg, 8. Dezember. (Privat- Telegramm.) Hier sind Nachrichten aus Wladiwostok eingetroffen, wonach die Pest in der Mandschurei rasch um sich greift. In Zizikar herrscht Panik. Ganze Nomadenstämme sterben aus. Die Bevölkerung flieht auf russisches Gebiet. In der Steppe liegen allenthalben Leichen. Die Pest ist auch in der Umgegend von Irkutsk aufge- treten. Wettere Meldungen über Pestsälle kom­men auch aus der Kirgffensteppe,

Die Cholera auf Madeira.

Lissabon, 8. Dezember. (Telegramm.)' Auf Madeira wütet die C h o t e r a weiter. Im Durchschnitt ereignen sich täglich elf Neu - erkrankungen, von denen 40 Prozent tödlich verlaufen. Die Gesundheitsbehörde glaubt, daß die Epidemie frühestens in vier Monaten erlöschen werde.

bahninspektionen werden künftig, tote durch allerhöchsten Erlaß soeben bestimmt worden ist, die Bezeichnungen Eisenbahn­ämter erhalten. Es gibt daher nicht mehr Betriebsinspekttonen, Werkstätteninspektionen, Maschineninspektionen und Verkehrsinspektio­nen, sondern Betriebs ä m t e r, Werkstätten­ämter, Maschinen ä m t e r und Verkehrs­ämter.

A Ein Casseler Glückwunsch an den Frei­herr« von Zedlitz. Zu seinem vorgestrigen 70. Geburtstage ging dem bekannten frei- konservativen Polittter und Parlamentarier Freiherr« von Zedlitz - Neukirch aus Cassel folgender Glückwunsch zu:

Im Namen der Freikonservati­ven Cassels spreche ich dem verehrten Führer der Deutschen Reichs- und Frei- konservativen Partei die herzlichsten Glück­wünsche aus. Möge der vortreffliche Staats- mann, der, weitab von den Irrwege« fanati­schen Parteigötzentums und den Sümpfen stockender Stagnation, in hervorragender Weise der Partei einen wundervollen Geist der Elastizität und der Anpassung an das rollende Rad der Zeit (den wirklich politi­schen Sinn) zu erhalten und zu mehren ge­wußt hat, und der ein wahrer Träger des deutschen Reichsgedankens ist, seinen auf einen gerechten Ausgleich der Dinge gerichteten, einsichtsvollen Rat dem deutschen Volke noch lange gewähren. Dies ist unser Aller Wunsch.

Dr. Richard Breithaupt.

Auch von anderer Sette und aus anderen Parteilagern sind dem greisen Parlamentarier zu seinem 70. Wiegenseste zahlreiche Glück­wünsche zugegangen.

A 153 120 Einwohner. Nach dem vor­läufigen Ergebnis derVolkszählung vom 1. Dezember d. I. hatten wir im Stadtbereiche Cassel am Zählungstage 34 07 6 Haushaltungen, in denen 153 120 Personen wohnen, davon 73 937 männ­lich und 79 183 weiblich. Diese 153120 Personen wohnten am 1. Dezember d. I. in 34 076 Haushaltungen. Ohne die inzwischen ein­gemeindeten Vororte Bettenhausen, Rothen­ditmold, Kirchditmold und Wahlershausen zahlte der Stadtkreis Cassel am 1. Dezember 1905 120 467 Personen. Die Zunahme der Be­völkerung auf jetzt 153 120 Personen ist in erster Linie auf diese eingemeindeten Vororte zurück­zuführen. Das jetzige Stadtgebiet der Resi­denzstadt, also mit den inzwischen eingemeinde- ten Voroten, zählte am 1. Dezember 1905 138 670 Personen, heute zählt es also 14459 Personen mehr.

A Die Casseler Brandsteuer 1911. Der Landesausschuß für de« Regie­rungsbezirk Cassel hat beschlossen, daß die Brandsteuer für das Jahr 1911 aus den gegenüber dem laufenden Jahre 1910 unver­änderten Betrag von 14 Pfennig für je 100 Mark Umlagekapital festgesetzt werde. Interessenten der Hessischen Brandver­sicherungs-Anstalt, insbesondere allen Haus­und Grundstücksbesitzern, sei das hierdurch mitgeteilt. Die Brandsteuer beträgt hiernach für je 1000 Mark Versicherungssumme in der Bauklasse I 70 Pfg., Bauklasse II 98 Pfg., Bauklasse III 1,26 Mk., Bauklasse IV 1,54 Mk,. Bauklasse V 1,96 Mk.

A Der erwischte Leichenfledderer. Schon manchem ist das Einschlafen im Eisenbahn­abteil zum Verhängnis geworden. So hätte es sehr leicht an einem der letzten Abende dem Handwerker B. aus Münden wiederfahren können. SB., dessen Vater gestorben war, wollte sich nach seinen nunmehrigen Vermögensver­hältnissen erkundigen und war zu diesem Zweck von Münden über Cassel nach Immenhausen gefahren. Abends gegen 7 Uhr war er wicdee hier in Cassel, um mit dem nächsten Zuge nach Münden zurückzufahren. Im Wartesaal ge­sellte sich bald ein junger Mann zu ihm, dir ihn während der Unterhaltung aushorchte und beiläufig erklärte, denselben Reiseweg zu ha­ben. In der Bahn war B. bald eingeschlafen, und ein mitreifender Schlosierlehrling be­merkte, daß der Fremde dem Schlafenden die Börse aus der Tasche stahl. Der wackere Junge hielt aus dem Bahnhof Münden

nunzio hat sein Mysterium „San Se­bastiano" vollendet. Es handelt von dem Leben und dem Tode eines Märtyrers der katholffcheu Kirche und hat folgenden Inhalt: Sebastian ist unter Diocletianus Hauptmann in der Prätorianergarde. Vom Kaiser aufge­fordert, feinen christlichen Glauben aufzugeben, bleibt er standhaft und wird de« mauritiani- schen Bogenschützen übergeben, die ihn an einen Baum binden und mit 1000 Pfeilschüssen durch­bohren. Die Christtn Irene, die den Körper des Nachts auffucht, um ihn zu bestatten, findet Sebastian noch lebend und rettet ihn. Bald darauf wird er jedoch wieder ergriffen und auf Befehl des Kaisers zu Tode gestäupt. Die Originalität des Mysteriums besteht darin, daß d'Annunzio die Rolle des Sebastian für eine Frau, die bisherige Tänzerin Ida Rubinstein, geschrieben hat!

Die Bellineioni und Richard Strauß. Uns wird geschrieben: Die berühmte italienische Sängerin Bellineioni, die bei der Mailänder AuMhrung von Richard Strauß' „Rosenkavalier" in der Skala die weibliche Haupttolle kreiert, wird Ende Dezember nach Dresden kommen, um der Uraufführung des neuen Werkes beizuwobnen. Sie ist von der neuen Schöpfung von Richard Strauß be­geistert und äußerte in einem Interview: „Es ist eine völlig andere Musik, als das italienische Publikum von dem Meister der modernen Ton­kunst erwarte« konnte, und ich bin überzeugt, daß der „Rosenkavalier" in Italien feinen Weg machen wird. Es ist ein Irrtum, zu glauben, daß die Musik von Strauß in unserem Lande kein ehrliches Echo findet, die „Salome" hat das Gegenteil bewiesen und überall das beste Pubkiknm zum Beifall binqeriffen.“ Beson­ders interessant ist die Mitteilung, daß die Bellineioni im kommenden Frühjahr mit der „Salome" eine große Tournee durch ganz Italien veranstalten, wird, wöbet

Paula", sagte der noch schnell, „ich werde dann den unteren Zahn füllen."

Der schien der Angebeteten seines Herzens also Löcher in die Zähne, zu bohren und tote- her zu füllen, nur um mit ihr zusammen fein zu können! Was treibt doch der Mtt für wun­derliche Blüten!

Natürlich sah ich mir diesen seltsamen Liebhaber sehr genau an, während er mir ge­schickt die Zähne reinigte.

Es war wirklich ein ungewöhnlich hüb­scher Mensch, Wenn ich auch nicht leugnen kann, daß sein Handwerk einen gewissen bru­talen 3ug in sein interessantes, dunkles Ge­sicht gegraben hatte. Seiner .nervigen stram- men Gestalt stand der weiße Doktorkrttel wirklich ganz famos, aber tch weiß nicht, tch hätte mich niemals in .einen Zahnarzt verlie­ben können. In den zärtlichsten Schäferstünd­chen Würde ich sicherlich immer darauf gewar­tet haben, daß er plötzlich tagt: „So, bitte, den Mund recht Wett auf . . .

Aus dem Reiche der Kunst. e Reue Bilder im Casseler Kunsthaus. Anfangs nächster Woche wird im Kunsthaus am Ständeplatz eine reichhaltige und interes­sante Ausstellung von Gemälde« und graphi- ckeu Arbeite« Berliner. Münchener, Dres­dener, Düsseldorfer. Charlottenburger^ Caye- ler Dachauer und Hollandycher Künstler eröffnet werden. Die Leitung des Kunstvereins hat dieses Mal ihr besonderes Augenmerk darauf gerichtet, auch eine Auswahl guter, kleinerer Gemälde im Preise von, Mk. 50 — bis Mk 300— zu bringen, um Werteren Kreisen, neiabe jetzt vor Weihnachten, Gelegenheit zu bieten, Ankäufe ausführen zu tömun.

-tl. D'Annunzios „Hettiger Sebastian". Ans Rom wird uns geschrieben: Gabriele dAn-

auch die kleineren SSühnen besucht Werden. Das Gastspiel beginnt am "L Mai in Mantua oder in Modena. Richard Strauß hat für diese Tournee die Partitur etwas verändert und sie der Leistungsfähigkeit der kleineren Bühnen an gepatzt; Während früher 90 Musiker für das Orchester gefordert Waren, Werden künftig nur noch 70 nötig fein. In dem Interview machte die Bellineioni auch die überraschende Mit­teilung, daß ihr ein Vorschlag unterbreitet worden war, bei einer neu zu errichtenden großen Oper in Berlin einen Tell der Leitung mit zu übernehmen. Die Ausgabe der Bellineioni Würde fein, die stimmliche Ausglei­chung der Aufführungen zu überwachen und vor allem das Schauspielerische zu leiten, kurz, Regie zu führen. Aber ein definitiver Entschluß ist einstweilen noch nicht gefaßt.

uA: Raabes unvollendeter Roma«. Ge­genüber anderslautenden Meldungen wird versichert, daß Wilhelm Raabes letzter Roma« „Altershauen" unvollendet ist. Der Dich­ter hat sein Werk um die Zett seines siebzig­sten Geburtstages abgebrochen. Er hatte Wie­derholt die feste Absicht geäußert, sich nie Wie­der schriffftellerisch zu betätigen. Allerdings scheint er (Raabe sprach n i e über feine Ar­beiten, auch nicht der Familie gegenüber) spä­ter dem Entschluß doch Wieder untreu gewor­den zu sein, denn statt der 70 Manuskriptsei­ten, die 1901 Vorlagen, haben sich im Nachlaß deren über 150 vorgefunden. Abgeschlossen ist das Werk jedoch nickt. Trotzdem läßt sich das Fragment Wohl veröffentlichen, da es sich um Jugenderinnerungen zweier alter Leute han­delt, bei denen die Handlung zurücktritt.

Das „gefährliche Altert' des Mannes. Unser medizinischer Mitarbeiter schreibt uns: Bisher waren nur beim Weiblichen Ge­schlecht Veränderungen bekannt, die sich im reiferen Lebensalter, zwischen dem fünften und sechsten Jahrzehnt, als Folgen der Rück­

bildung der Keimdrüsen in körperlichen und geistigen Störungen zeigten. Den Wechseljah­ren der Frau stellt nun als Pendant der Ner­venarzt Dr. Shtrt Mendel im „Neurologischen Zentralblatt" das Klimacterium des Mannes gegenüber. Auch beim Manne finden sich ähnliche Anzeichen der in seinem Körper vor sich gehenden Rückbildungsprozesse. Und zwar spielen fte Weniger in der physischen als in der psychischen Sphäre. Sie treten in den fünfziger Jahren auf und zeigen als charakte­ristisches Symptom eine merkwürdige Ge- mütsumstimmung. Tatkräftige Männer Werden von dem Gefühl der Schtväche und Leistungs- unfähigkett übermannt; eine früher nicht ge­kannte Rührseligkeit und Neigung zum Wei­nen tritt auf. Dazu gesellen sich die den Frauen bekannten nervösen klttnacterischen Be­schwerden, die fliegende Hitze, BlutWallungen, Angstgefühl mit plötzlichem Schweißausbruch, Brustbeklemmung, Mattigkeit, Schlafmangel. Natürlich Weicht die Krankheit beim Manne wie bei der Fra« mtt Vollendung der Rück- btldung nach einer Dauer von einem dis zu vier Jahren.

Sterne Chronik. Aus Dresden wird gemeldet: Die Blätternachricht, mtt Scheide- mantel werde auch Karl Perron sich in das Privatleben zurückziehen, ist f a 1 s ch. Perron bleibt der Dresdener Hosoper erhalten. Schei- dcmantel verläßt die Bühne allerdings im nächsten Jahr. — Gn unbekanntes Dvett auF dem „Zigeunerbaron" gelangt in der Hosoper $n Wien am zweiten Weihnachtstaa znm ersten Male zur Aufführung. Der Librettist des „Zigenner- barons" bat im Nachlaß von Johann Strauß ein Liebesduett gefunden, das im dritten Akt zwischen Barinkay und Sasfi gesungen wird.

für die Redaltion verantwortlich: (StjelrebalteHT Fred iclrnan, für den JnferatenteiU S- Säetle*, Sxud und Bertas von Aerdknm» Äoch, tagA