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Casseler skeueste Nachrichten

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Zar Neueste aus Kassel.

6in Kasseler Sensations-Prozeß.

Ein Beleidigungsprozeß, der seit Jahresfrist in Caffel das größte Aufsehen er­regt, gelangte gestern vor der hiesigen Straf­kammer zur Verhandlung. Der Zuhörer- raum war stark besetzt. Die - öffentliche An­klage vertrat Staatsanwalt Ganslandt, als Nebenkläger trat Stadtbaumcister Schrö­der mit seinem Rechtsbeistand Rechtsanwalt Dr. Kaufmann auf. Vor den Schranken er­schien als Angeklagter der Kaufmann Sie­bt n b o rf, früher Geschäftsführer bei Ze­mentwarenfabrik Bechtel u. Biebenborf. AIS seiner Verteibiger waren bie Rechtsanwälte Kästner von hier unb Denecke aus Göt­tingen zugegen. Das Reichsgericht hat bie früher verurteilenbe Erkenntnis der Strafkam­mer zu Caffel, auf 300 Mark Geldstrafe lau­tend, aufgehoben und an die Vorinstanz zu­rückverwiesen. Der tatsächliche Hintergrund des vom Staatsanwalt wegen vorliegenden öffentlichen Jnterefles vertretenen Prozeffes ist kurz gesagt folgender:

Der Angeklagte Biedendorf hatte Ende Ok-

sonderS drall und rotwangig, und in ihren Augen lese ich stets ganz deutlich: „SSfr haben 32 kerngesunde Zähne!*

Und nun erst der Zahnarzt selbst! Doch ich fürchte, ich werde unparlamentartsch!

Rur von einem möchte ich erzMen. Ich kann es mit gutem Gewissen tun, denn er

Ste ncnen »Zeppelinen*.

(Bon unserem militärischen Mitarbeiter.)

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bin nun einmal zu gefällig I

Kaum sind wir unterwegs, bekonmck meine Frau Lohmann natürtich Hunger (wo hatte sie Stuft sonst bie Figur her!», und lotst nnch in eine Konditorei binein. <vd> Aermste, bin völ­lig satt, weiß wirtlich nicht, was tch gentetzen soll, und sage: „Eis!*

i Der Kellner steht doch natürlich gleich da nnd Sarrt einem erwartungsvoll ins Gesicht.

Zettel* durch! Na, die soll mich noch 'mal anklingeln!

Dabei tut sie noch ganz gekränkt! Sie könne doch nichts dafür, Wenn ich Zahnschmer­zen hätte (ich bin wahrscheinlich diejemge, die in diese elende Kondiwrei gehen wollte!), und außerdem habe sie sich gleich gewundert, daß ich Eis bestellte! Wer ätze überhaupt am Vormittag Eis! Darauf bitte ich sehr höflich um Entschuldigung, daß ich nicht erst ihre Er­laubnis zum Eisbestellen emgeholt habe, unb bann sagt sie einige wirklich sehr w«tw hüb­sche Sachen, unb bann stehe ich natürlich auf unb schleppe mich zur Elektrischen. Selbst- verstänblich kommen alle Nummtrn, nur bie meinige nicht, unb dann ist sie ubeifuJttt, und

Bei der Fertigstellung des neuen »Zep- peliu* werden interessante Versuche mit der Verkleinerung der ^Z*-Suftschisfe gemacht. Es handelt sich um das Luftschiff „8. Z. 9*. Während man bisher in Friedrichs­hafen von der Ansicht ausging, datz die Luft­schiffe starren Systems möglich st gro' baut werden müßten (das Luftschiff ,L.

hat bereits eine Länge von 148 Metern und stellt eine» Weltrekord an Größe des Luftschiff- körpers dar), glaubt man jetzt, daß eine Ver­kleinerung des Typs von großer Bedeu­tung str die Schnelligkeit des Luftschiffes unb für seine Sicherheit werben kann. Besonders vom militärischen Gesichtspunkte aus er­scheint eine Verkleinerung bes Luftschiffes auch in Friedrichshafen als durchaus notwendig, da bte großen Typen, die eine Länge von 128 und 148 Meter aufweisen, zwar eine große Tragfähigkeit besitzen und sehr lange zu fahren imstande sind, bafnr aber an Schnelligkeit etnbützen. Da mm die Heeresverwaltung, wie uns mitgeteilt wird, bei dem Bau eines neuen »Zeppelin* eine bedeutende Erhöhung der Schnelligkeit zur Hauptbedingung gemacht hat, so sind bei dem „8. Z. 9* vier

ausgeschleuderten Röhren verletzten drei Arbeitersehrschwer. — Ferner wird >ns aus Siegburg depeschiert: In der Königlichen Geschoßfabrik entstand eine Gas­explosion, wobei fünf Arbeiter schwere Verletzungen am ganzen Leibe erlitten. Zwei Arbeiter wurden durch den Luft­druck weit fortgeschleudert, kamen aber mit geringen Verletzungen davon. _,

ru: Opfer des Eises. Wie uns aus Thorn gemeldet wird, hat bei Wintei untei bei Ju­gend zahlreiche Opfer gefordert; in den Kreisen Elbing, Marienburg und Marienwerder sind acht Knaben und füuf M ädchen, die die noch schwache Eisdecke der Flüsse und Teiche betreten hatten, eingebrochen und ertrunken.

rrr Die ermordete Schnitterin. Rach Mel­dungen aus Posen wurde dieser Tage auf dem Rittergute Czayeze bei Wirsitz, das dem Rittergutsbesitzer Grafen von der Goly gehört, eine 25 Jahre alte Schnitterin vermißt, .retzt ist sie furchtbar verstümmelt ermor­det aufgefunden worden. Der Mörder ist zweifellos unter inzwischen abgezogenen pol­nischen Schnittern zu suchen.

Die Tragödie des Lebens Aus War­schau meldet uns ein Telegramm: Der In­genieur Ostafinski tötete seine Mutter durch Pistolenschüsse und beging dann Selbst- mord. In einem hinterlassenen Briefe gibt er an, die Verzweiflungstat wegen drohender Not begangen zu haben, weil eine Nerven­krankheit seine Erwerbstätigkeit unterbunden hatte.

äX, Verlorene Millionen. Aus Cetinje wird uns depeschiert: Viele Montenegriner, die nach Amerika auszuwandern beabsichtigen, haben mehr als 10 Millionen Franes Bargeld dadurch verloren, daß bie Banken, bei benen das Geld angelegt war, in Konkurs geraten sind. Die Verzweiflung der armen Leute ist schwer zu beschreiben.

rrr Erdbeben in Serbien. Ans Belgrad wird depeschiert: In den Städten T s ch u p r i a und I a v o d i n a wurde ein st a r k e s Erd­beben verspürt. das aber keinerlei Schaden anrichtete; nur der Bevölkerung bemächtigte sich begreiflicherweise eine große Panik,

fei tut mir jetzt genau so wch.wieder un­tere, und selbst das Ohr werd in MMeiden- schafi gezogen.

Wie ich nach Hause komme, ist mein lieber Mann schon vom Bureau zurück und sieht so recht strahlend und gesund aus. Ra, kleine Ö ein bissel gebummelt?* fragt er gutge- Es ist nämlich merkwürdtg, mein Manu ist immer guter Laune, und sieht be­sonders blühend aus, wenn rch meine Mi­gräne habe oder sonst in trühseliger Sttm- mung bin Ich Winke natürlich gleich sehr energisch ab unb sage ihm, wie ich leibe.

„Ja, liebes Kind, bann gebe nur gleich zum Zahnarzt!* sagt er recht holdselig, als sei das so ganz einfach: -gleich zum Zahn- arzt*. Jedes Kind weiß doch, daß nichts auf E^en soschrecklich ist, wie ein Gang zum Zahnarzt.

Bloß schon das DarteMmrer! Ich brtom-

„Es wird höfl. gebeten, in den Napf zu spuk ken!* Geradezu schauderhaft ist es! Und die abgegriffenen Hefte aus der Journalmappe! Und an einer Wand steht meistens ein Kla­vier, dem man es ansieht, daß es nie benutzt wird. Musik wäre ja auch der reine Hohn an dieser Stätte des Jammers!

Und bann bie wartenden Leidensgenos- sen! Einige halten Tücher vor den Mund gepreßt und klopfen verzweifelt mit dem Fuß auf den Boden, andere schneiden fürchterliche Grimassen, blähen die Backen auf unb rollen mit den Augen; manche aber sitzen ganz still und ergeben da, man sieht es ihnen an, daß sie einfach nicht mehr jammern können!

Und aus dem Rebenzimmer, in dem der Unhold fein unseliges Opfer beim Kragen hat, hört man das Rattern der Höllenmaschine und hin und wieder krampfhaft unterdrücktes Wimmern!

Es ist eine Atmosphäre, in der man un­fehlbar Selbstmordgedanken fassen mutz! So­bald ich folch einen Raum betrete, fallen mir sämtliche Enttäuschungen, Kümmernisse und Schmerzen ein, die ich je in meinem Leben

Sm Wartezimmer.

Skizze von Käthe Lasker.

- - (Nachdruck verboten.)

Wenn ich geahnt hätte, daß meine Freund­lichkeit solche Folgen haben könnte . . .!

Die Sache war so: Frau Dottor Lehmann klingelt mich an, ob ich nicht ein bißchen mit zur Stadt tönte: „Shopping ., Weun rch so et­was schon höre! „Shopping! Weil sie als achtzehnjähriges Mädchen 'mal ftchs Wochen in England war! Vierzehn Jahre ist das mindestens her, obwohl die gute Frau Dok­tor höchstens acht zugeben würdet

Also: sie klingelt an, ob ich mitkäme, unb ich sage aus reiner Gutmütigkeit ja! Es patzt mir nämllch Kk-abe gar nicht. ®1«

SBäftbe zähteS und alle möglichen bringenden

Reichstages beendete gestern die erste Lesung der Fernsprech-Gebührenorbnuug, fügte aber in den (bereits mitgeteilten) An­trag Racken, mit dem sich der Staatssekretär in der Hauptsache einverstanden erllärt hatte, einige Aenderungen ein, so insbesondere dne Zwischenzone bei der Gesprächsgebühr von 250 Km. mit 75 Pfg^ sodaß der Staats­sekretär zum Schluß die Erklärung abgab, daß die verbündeten Regierungen diesen Beschlüs- sen nicht beitreten könnten.

tS3 Der Berliner Professoren-Streit. Wie aus Strlin berichtet wird, wurde der ans dem „Profefforenstreit* bekannte Nationalöko­nomie-Professor Ludwig Bernhard beim Beginn seines gestrigen Kollegs von seiner außerordentlich zahlreich erschienenen Zuhörer­schaft ans das wärmste begrüßt. Nachdem das nunui’nlange Beifallsgettampel sich gelegt hatte, „erariff Bernhard das Wort zu folgen­der Erklärung:

Meine Herren! Die Angelegenheit, von der Sie wiffen wollen, kann ich leider nicht besprechen, aber, meine Herren, es soll Ver­trauen herrschen zwischen uns. (Gro­ßer Beifall.) Deshalb will ich Ihnen das eine sagen: Die Angelegenheit ist eine ganz persönliche Assäre und steht in keiner Weise mit der Wiffenschaft in Zusammen­hang. Dafür stehe ick Ihnen ein, daß sie rein persönlich ist, und ich kann Ihnen ver­sichern, daß die Angelegenheit von mir völlig korrekt durchgeführt wurde. (Großer Beifall.) Ich danke Ihnen, meine Herren, und erachte es nur als meine Pflicht, mein Katheder zu verteidigen, bamtt Sie Nutzen und Freude haben. „

Die Affäre ist bekannttich znrzeit Gegen­stand einer Untersuchung seitens der zu­ständigen Stellen unb soll damit zu einem geordneten Austrag kommen.

S 25 000 Arbeiter ohne Brot. Aus Pforz­heim berichtet uns ein Telegramm: Rach einer auf Zuverlässigkeit Anspruch machenden Schätzung beträgt bie Zahl der ar­beitslosen Arbeiter und Arbeiterinnen der Edelmetall-Industrie 25000. In einem „Eingesandt- der Pforzheimer Zeitungen wird bie Sage tote folgt geschildert: Der Betrieb hätte aufrechterhalten werben können, wenn bie Arbeitswilligen geschützt worden wären. Etwa 10 000 dem Metallar- beiterverbande angehörenbe Arbeiter ftreitten, zum Dell wurden sie ausgesperrt. Etwa 15000 Arbeiter unb Arbeiterinnen aber arbeiteten. Sie hätten auch weitergearbeitet, wenn sie nicht durch bie Gewaltherrschaft ber durch bie Agi­tatoren geleiteten 10 000 Organisierten bedroht worben wären. Die Arbeitswilligen bürsten nicht wagen, weiter zu arbeiten unb bie Fa- brifen muhten deshalb geschlossen werben.

Französische Abenteuer in Wadai. Ein Privat-Telegramm meldet uns aus Paris: Die Nachricht von der Nieder­lage ber französischen Truppen im Wabaige- biet hat im ganzen Lande großes Aufsehen erregt. Die Blätter widmen dieser neuesten Schlappe spaltenlange Berichte unb bringen unkontrollierbare Einzelheiten über ben Um­fang ber Nieberlage. Einigen Blättern zu­folge sollen bie Franzosen 300 Mann verloren haben, während andere sogar von 1000 spre­chen. Diese Meldungen müssen jedoch als stark übertrieben bezeichnet werden, da die Franzo­sen in diesem Gebiet nur über verhältnis­mäßig geringe Streitkräfte verfügen. Die Stätte der Eingeborenen beziffert sich, wie schätzungsweise angenommen wird, aus min­destens 12 000 Mann. In der Kammer wird heute die Jnterpellatton wegen der Affäre ver­handelt werden. Die letzte Verlustliste berich­tet von 44 Toten, 73 Verwundeten unb 11 Vermißten.

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Politische khronik.

Wie uns ein Telegramm aus Lübeck meldet, wählte der bärtige Senat ben Senator Hermann Eschenburg zum Bürger­meister von Lübeck für bie nächsten zwei Jahre. *

Ein Telegramm, das uns aus R e w y o r k zugeht, teilt mit: Der Vorsitzende der Stahlvereinigung widerspricht den Ge­rüchten über massenhafte Entlassung von Ai-

alleS mögliche bestellen'.

Und was ist die Folge? Ich fü£e toum den Löffel mtt bi^emtoidnlichkaltNl 3eug -um Munde, da habe ich auch schon bie^ wahn­sinnigsten AWfeen! 68 tn meiner linken Backe, daß ich am liebsten die Wände emporklettern möchte!

Fran Dvktorchen itzt inzwischen in hei­terster Gemütsruhe Schokoladentor

Rr. 5. L Jahrgang,_______

Bauern behaupten mit großer Bestimmtheit, datz Tolstoi noch am Leben fei, nnd wenn man ihnen sagt, baß sie ja seinen Leich­nam im Sarge gesehen haben, eillären sie euer- gisch, daß der Leichnam, ben man ihnen zeigte, mtt Tolstoi nicht die geringste Aehnlichkeft ge­habt habe,

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beiteru, gibt jedoch zu, daß gegenwärtig 45 000 Arbeiter ohne Beschäfti- guna finb.

Mitteilungen aus Essen^znfolge"wirb bort bie Nachricht von ber Errichtung einer Kruppschen Panzerplattenfabrik in Rußland als unzutreffend be­zeichnet. _ *

Der Zustand der Königin von Belgien hat sich (wie aus Brüssel tele­graphiert wird) soweit gebessert, daß vorderhand keine Bulletins mehr ansgegeben werden,. f , *

Neues vom Tuge.

Russische Tragödie«. ’

(Bott unserem Korrespondenten.)

Aus Petersburg wird uns geschrie­ben: Kurz nacheinander haben sich in diesen Tagen in Moskau drei junge Leute erschossen, die in enger Freundschaft verbunden waren und zur sine sleur der Moskauer Geburts- und Geistesaristokratie gehörten: Sie standen in engen Beziehungen zur modernistischen russi­schen Literatur und zum Moskauschen künstle­rischen Theater. Zuerst erschoß sich der junge sehr reiche Student Schurawlew, ohne irgend eine Veranlassung zu der Tat anzuge­ben. Einen Tag später folgte ihm in den Tob bie reizenbe unb elegante Schauspielerin und Schriftstellerin Gribowa, ein lebensheißes Weib, von bem man am allerwenigsten einen jähe« Abschluß des Lebens erwarten konnte. Der Tod der Gribowa machte auf den wert­vollsten dieser Drei, Nikolai Tarassow, einen niederschmetternden Eindruck, wenngleich die Gribowa ihm mitgeteilt hatte, daß sie aus dem Leben scheiden würde. Taraffow stand bet Gribowa besonders nahe, und er befrie­digte jede ihrer unzähligen Saunen um ihrer Schönheit und ihres sprühenden Esprits wil­len. Taraffow konnte sich diesen Luxus leisten, denn er war jung und im Besitz eines Millio- uenvermöaens. Taraffow spielte im Kreise der Moskauer „goldenen Jugend* mit der milden Eleganz des Dandy eine hervorragende Rolle. Er war ein sehr begabter Dilettant und gehörte zum Direktorium des illustren künstlerischen Theaters Stanislawskis.

Die jungen Leute waren in enger Freund­schaft verbunden; man sah sie immer beifam men und oft war der Vierte im Bunde der Gatte der Gribowa, ein steinreicher Fabrikant. Wie es scheint, hat Lebensüberbruß bie Akteurs dieser modernen russischen Tragödie in den Tob getrieben; sie hatten alle Freuben gettoffett und hatten nichts mehr zu erwarten, denn sie waren m ü b e unb übersättigt. Da sie nur tänbelnb mit ben Dingen bes Le­bens sich befaßten, ohne an ihnen tieferes In tereffe zu nehmen, so hatten sie beschlossen, bas Leben fortzuwetten unb es bestanb zwischen ihnen eine Vereinbarung, wonach bie übrigen in den Tod folgen sollten, wenn einer von ihnen des Lebens siherdrüssig werden würde. Wie man dann weiter ettuhr, hat auch der Fa­brikant und Millionär Rjabuschinski sich selbst entleibt. Rjabuschinski gehört gleichfalls zu dem Kreise der überreichen Moskauer schön­geistigen Dandys, bie von ber Dekadenz zer­fressen sind unb nicht wissen, was sie mit sich anfangen sollen. Wenn in ber russischen In­telligenz bie Zahl ber Selbstmorde in unerhör­ter Weise zunimmt, so ist bas aus bem Ge­sichtswinkel ber zum Pessimismus neigenden slavischen Natur zu verstehen, beim biefe Kämpfer sehen ihre Ideale unter den Ham- merschlägen ber Reaktion zerstieben unb bie Zukunft bes Lanbes in ungewiffem Grau. Die auf allen Gebieten biletticrenben Moskauer Dandys werden von den Gedanken ernster Le- bensauffaffung nicht beschwert; sie gehen an den Gelbsäcken zugrunbe, die ihre Väter in schwerer Arbeit erworben haben, unb von denen die meisten kaum ihren Namen zu schreiben verstanden. —e—

äs Der König von Sachsen in Lawinen­gefahr. Nach einer Meldung aus R a i b I soll ber König von Sachsen bei seiner letzten Gemsenjagb im Raibler Revier in Gefahr ge-

GaSzellen weniger eingebaut worben, wodurch erreicht werden tonnte, daß das neue Luftschiff um die bedeutende Länge von 48 Metern verkürzt werden kann. Der Nach­folger bes langen „S. Z. 8* wirb bemgemäß nur rmtb 100 Meter lang fein. Die Möglich­keit, sehr viele Personen mit diesem Luftschiff $u befördern, ist dadurch natürlich geringer geworben. Diese Forderung kommt aber für die Heeresverwaltung nicht in Bettacht, da es sich bet militärischen Zwecken um eine Beför- berung von höchstens 8 bis 10 Personen han­deln tont. Der Durchmesser des Luftschiffes Beträgt 14 Meter, unb die beiden Enden des LuftfthiffeS haben eine fehr spitze und schlanke Form erbaßen, um den Luftwiderstand dadurch noch megr einzuschränken. Wie alle anderen neueren Zeppeline hat auch dieses Luftschiff zwei Gondeln, in die zwei Motore eingebaut sind. Die motorische Kraft bleibt also dieselbe, wie bei den Luftschiffen mit be­deutend größerer Tragfähigkeit und darum mit bedeutend größerem Luftwiderstand. Man hofft auf diese Weise ein s ch n e l l e s L u f t- schiff schaffen zu können, tote es die Heeres­verwaltung verlangt. Die ersten Versuche mit diesem ganz neuen T«> ber Zeppelin-Luftschiffe werben bereits im nächsten Frühjahr unter­nommen werden.

„Zurzeit nicht..." Man schreibt unS aus parlamentarischen Kreisen: Bei her Besprechung über die Königsberger Kai­serrede hat der konservattve Abgeordnete von Heydebrand die Frage erörtert, ob es nötig fei, gegenüber gewissen Auswüchsen der so- zialdemokratischen Kampfpolitik eine Ausnahmegesetzgebung in Erwä­gung zu ziehen. Es ist möglich, daß in ber ersten Etatslesung biefe Frage nochmals auf- gerollt wird und in diesem Falle dürfte man auch auf eine Antwort der Regierung rechnen. Wie indessen verlautet, ist der Stand­punkt der Regierung der, daß eine AuSnahrne- gesetzgebung gegen sozialdemokratische Aus­schreitungen zurzeit nicht notwendig ist, da die bestehenden Gesetze zur Ahndung solcher Ausschreitungen vollauf genügen. Eine Ver- sthärsung bestehender Gesetze vorzunehmen, oder gar Ausnahmegesetze zu erlassen, wäre «« angebracht, wenn außerordenttiche Um­stände solche Schritte veranlassen müßten.

s> Das Telefon-Bertenemngs-Kompro- miß gescheitert? Die Budgetkommisston des

____ , Freitag, 9. Dezember ISIS.

wesen sein, von Lawinen, bie in seiner nächsten Nähe niebergingen, verschüttet zu werden. Schon würbe ber LatvinenstauV verspürt, als bie'Jäger noch rechtzeittg bie Jagdgäste warnen konnten.

~ Tie Moabiter Krawallhelden. Aus Berlin wird uns gemeldet: Kurz vor Schlntz der gestrigen Verhandlung des Moa­biter Krawallprozeffes stellten die Sertetbiger bett Antrag, die Angeklagten, sowett sie sich in Hast befinden, aus der Haft ju ent« 1 affen. Das Gericht entsprach dem Antrag inbezug auf fünf Angeklagte, die übrigen Haftentlassungsanträge wurden abgelehnt.

äs Zwei schwere Explosionen. Aus Köln meldet uns ein Telegramm: In bei Weikstatt bei Jnteinttonalen Bohrgesellschaft Erkelenz entftanb eine Explosion, als man gekrümmte Rohren, bie gerade gebogen wer­den sollten, in einen bei Oefen steckte, um sie

zu Gast toai. An dem Tage hatte ich Glück! Das öffnende Dienstmädchen sah so blaß unb gebiücft aus, daß ich ihi gein mehieie hohle Zähne geglaubt hätte, unb bas Wartezimmei war leer. Au bem ©arberobenftänber hing ein mit Blumen geschmücktes Hütchen, unb baneben staub ein Heller Sonnenschirm Der Plagegeist hatte also ein weibliches Wesen in Behanblung. Hoffentlich dauerte es nicht gar zu lange, denn bie Witzblätter waren sämtlich alt, unb der Sonnenschein lachte sehr lockend durch die Scheiben.

Plötzlich hörte ich vorfichttg gedämpftes Helles Lachen und bann halblautes Murmeln einer weichen, tiefen Stimme, unb nun wie­der bas Lacken und wieder Flüstern! Und das aus dem Zimmer, in dem alle die Boh­rer, Zangen und Stifte sich befinden! Was war das, konnte man dort Konversation ma­chen? Jedenfalls hatte ich keine Lust, darum zu warten! Ich ging also zur Tür, klopfte leise an und ritz sie auf!

Und nun denken Sie sich! Da saß ein al« lerliebstes blondes Mädel auf bem Marter­stuhl, das ganze Gesicht in Glut getaucht unb bie Augen in unverhohlener Begeisterung auf ben . . . Zahnarzt gerichtet, und ber lehnte höchst anmutsvoll an bem scheußlichen Auf­bau aus Majolika, in den man immer hinein« spucken muß, unb sah ber Kleinen ins Gesicht, mit einer Zärtlichkeit, die ich bet einem Manne seiner Bernfsait überhaupt nicht für möglich gehalten hätte!

Sie schraken natürlich zusammen und murmelten etwas Unverständlicher und die kleine Liebliche gewann es sogar über sich, mtt Störenfried ein artiges Knilchen zu ma­chen. Dann emfffahl sie sich Ich sah im Spiegel, wie sie einen langen, langen Mick mit dem jungen Manne ianschte.

„SUJo morgen nm M 'shr, Fräulein