Geschäftliche Mitteilungen.
_ Die Bühne im eigenen Heim wird berechtigterweise die Sprechmaschine „Grammo- phon" genannt. Das „Grammophon" vereinigt Oper, Operette, Konzertsaal, Vari^tö in sich. Kein Wunder, daß der Apparat als Weihnachtsgeschenk sehr bevorzugt wird, weil damit ein unbeschränkt großer Kreis gleichzeitig erfreut werden kann und mit dem Grammophon nicht nur eine vorübergehende Weihnachtsfreude bereitet wird, sondern ein Genuß von dauerndem Wert. Natürlich dari. wie bei jedem Musikinstrument, bei Anschaffung nickt der Preis, sondern die Qualität maßgebend sein, und es mutz daher daraus hingewiesen werden, daß die weltbekanu-e Schutzmarke .Die Stimme seines Herrn", For- terrier vor dem Apparat, die sicherste Garantie für vollkommenste Qualität bietet. Die Deutsche Grammophon - Aktiengesellschast, welcye diese Apparate fabriziert, hat hier eine P kaufsstelle, wie aus dem gestrigen Inserat er- sichtlich ist.
Die „Casseler Neueste Nachrichten" sind unter Nr. 951 und 952 au das Fernsprech
netz angeschlosten.
Nr. 1 1. Jahrgang.
Handelszeilmg.
Eine ruhende Hypothekenbank.
Man schreibt uns: Die Bayerische Bodenkreditanstalt in Würzburg hat wieder einmal von sich reden gemacht: Ihre Direktion, die jetzt wieder unter dem Einfluß des Frankfurter Bankiers Mar Ansbacher steht, hat eine Anzahl ihrer Beamten darauf aufmerksam gemacht, daß sie sich nach anderen Stellungen umsehen möchten. Daraus wurde geschlossen, daß der Betrieb des Instituts ganz eingestellt werden solle, nachdem schon seit längerer Zeit keine neuen Pfandbriefe mehr ausgegeben worden sind. Die Verwaltung erklärt indessen, daß sie das Geschäft nicht emzustellen gedenke, sondern daß sie bei Gelegenheit auch wieder neue Pfandbriefe herausgebcn werde. Nur 'sicn jetzt die Zeiten zu einer Pfandbriesemission äußerst ungünstig und die Bank würde dabei knapp auf ihre Kosten kommen, so daß cs schon besser sei, wenn durch Verminderung des Personals eine Ersparnis an Unkosten erzielt werden könne.
Der günstige Geschäftsgang bei den anderen Hypothekenbanken (besonvers den norddeutschen Instituten) scheint allerdings dieser Auffassung von der Unrentabilität des Psand- briesgeschäftes auf den ersten Blick zu widersprechen. In Wirklichkeit ist dies aber nicht der Fall, denn die Bayerische Boden-Kreditanstalt ist mit diesen anderen Hypothekenbanken nicht zu vergleichen, da sie erst nach dcm Erlaß des Hypothekenbankgesetzes (das für die Mündelsicherheit der Pfandbriefe die Genehmigung des Bundesrats verlangt, gegründet wurde. Diese bundcsrätlichc Genehmigung hat das Würzburger Institut bisher nicht erlangen können, und aus diesem Grunde genießen seine Pfandbriefe auch nicht die gleiche Beliebtheit, wie die der anderen Banken. Sie stehen sogar niedriger im Kurs und sind nicht mit dem gleichen Nutzen zu emittieren. Diese Gründe lassen es also wahrscheinlich erscheinen, daß die Gruppe Ansbacher das Geschäft so lange nicht wieder aufnehmcn will, als nicht die Geldverhältnisse günstiger geworden sind, und sich bessere Kurse für die neuen Obligationen erzielen lassen werden.
Die neue Berliner Untergrundbahn.
(Von unserem Börsen- Mitarbeiter.)
An der Berliner Börse wurde gestern erfolglos damit Stimmung zu machen versucht, daß die neue Untergrundbahn, die von der Stadt Rirdorf nach Moabit gebaut werden soll, der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft in Auftrag gegeben werde, und zwar foll cs sich dabei um einen Auftrag im Werte von insgesamt 7 0 Millionen Mark handeln. Damit eilt aber die Börse ohne Zweifel wieder den Tatsachen weit voraus. Die Untergrundbahn von Rirdorf nach Moabit ist nämlich noch lange nicht unter Dach und Fach gebracht, und wer da weiß, daß die Berliner Nord-Süd-Untergrund- bahn fast zehn Jahre gebraucht hat, bis überhaupt ihre Durchführung erst »ndgiltig be- schloffen werden konnte, der wird sich noch nicht so bald darauf freuen, daß die A. E. G. die Früchte der Bauausführung einheimsen kann. Außerdem würde es sich bei dem Bau in erster Linie um Erdarbeiten handeln, die vergeben werden müßten.
Ob ein solches kommiffionweiscs Geschäft heute noch einen großen Nutzen bringen würde, erscheint zum mindesten fraglich. Dagegen ist cs unbedingt als sicher anzuschcn, daß die A. E. G. alles daran setzen wird, um den Bau und den Betrieb der Rixdorscr Untergrundbahn in ihre Hand zu bekommen, nachdem sich die Konkurrenz Siemens u. Halske schon den Bau und Betrieb dreier Beniner Untergrundbahnen gesichert hat. Es sind dies die Hoch- und Untergrundbahn, die Schöneberger Untergrundbahn (die von der Hochbahn mitbetrieben wird) und die Berliner Nord-Süd- Untergrundbahn, die zwar nominell in Regie der Stadt Berlin gebaut wird, an deren Ein- cichtung aber dir Elektrizitäts-Gesellschaften Siemens u. Halske allein interessiert sind. Für die Einheit des Großberliner Untergund- verkehrs wäre es freilich besser, wenn nicht alle Kommunen und alle Elektrizitätsgesellschaften eigene Bahnen bauten; doch ist hieran nicht mehr viel zu ändern. Der mißglückte Versuch der Börse, durch diese Kombination etwas mehr Belebung ins Geschäft der Elcktrizi - tätswerte zu bringen, ist jedenfalls charakteristisch für den Mangel an wirklichen Anregungen, der augenblicklich in den Sälen 03 der Burgstraße herrscht. —1—
* Der Neuburger Konzern. (Von un- serm Korrespondenten.) Der Ge- fchäftsbericht des Karl Neuburger Konzerns, der früher durch seine Gründungstätigkeit (in letzter Zeit namentlich durch die massenweise Gründung kleiner und kleinster Deposttenkaffen) unliebsames Aufsehen erregt hat, weist eine Einnahme von 1,04 Mill. Mk. gegen ft,94 Mill. Mk. im Vorjahre und 0,74 Mill Mk. vor zwei Jahren aus. Freilich sind die Unkosten infolge der Filialgründungen so gestiegen, daß der Reingewinn mit 436 000 Mk. kleiner ist als im Vorjahre, wo er 482 000 Mk. betragen hatte. Durch Heranziehung des größeren Vortrages ist cs möglich, wieder 6 Prozent Dividende auf das Kommanditkapital von 5 Mill. Mk. zur Ausschüttung zu bringen. In der Bilanz erscheinen 5ch gegen 4,6 Mill. Mk. Effekten und 5.6 argen 5,1 Mill. Mk. Debitoren. Auf der Passivseite ist die Summe der Kreditoren von 7,2 aus &6 Mill. Mk. angewachsen. ES befinden sich darunter 429 000 Mk. gegen 315 000 Mk. Depositen mit kurzer Kündigungsfrist und 1.7 aegen 1,8 Mill. Mk. mit längerer Frist. Der Zweck der Depositenkaflen, die Spargelder des Landes nach der Berliner Zentrale zu zieben. scheint danach erreicht zu sein. Rur fragt es sich, ob auch die E i n l e g e r dabei auf ihre Rechnung gekommen »nd.
* Kaliwerk Steinförde. Der Schacht dieses Werkes bat die Teufe von 250 M-^ern
Casseler Neueste Nachrichte«
* Vereinsbank in Frankfurt a. O.
Zu
Gericht und Recht.
den erneut austauchenden Gerüchten, nach denen die Darmstädter Bank in irgend einer Form an der Vereinsbank in Frankfurt a. O. direktes Interesse zu nehmen beabsichtige, wird nochmals von der Darmstädter Bank erklärt, daß diese Gerüchte durchaus u n z u t r e f f e u d seien. Die Darmstädter Bank beabsichtige keineswegs, sich an der Hilfsaktion zu beteiligen.
Spott und Spiel.
Im Auto Kairo-Kapstadt.
Für die geplante deutsche Forschungsfahrt von Kairo nach Kapstadt im Automobil ist der Monat März nächsten Jahres als Ausreisetermin festgesetzt worden. Tie Aufgaben und Ziele der im Kraftwagen iu unternehmenden deutschen Forschungsreise
Schwieren und Mit, zu schwören, daß sie tu intim en Beziehungen zu feiner Frau, gestanden hätten. Dieser Eid wurde denn auch von Schwieren und Vent mit der größten Kaltblütigkeit geleistet. Die Frau Wolf setzte nun alle Hebel in Bewegung, um den Nachweis zu führen, daß der Eid der beiden Freunde ihres Mannes ein Meineid war und erreichte cs schließlich auch, daß das Kleeblatt vor Gericht gestellt wurde. In der dreitägigen Verhandlung kamen Verhältnisse ans Tageslicht, wie sie lrasscr nicht gedacht werden können. Es wurde erwiesen, daß in bäuerlichen Kreisen tatsächlich eine „Eidgenossenschaft" bestand, zu deren Mitgliedern die drei Angeklagten zählten. Bei der Abgabe von falschen eidlichen Erklärungen wurde sehr vorsichtig zu Werke gegangen. Die Aussage des einen wurde immer durch Aussagen von zweiter und dritter Stelle unterstützt, sodaß irgeno welche Bedenken der Richter bezüglich der Richtigkeit der eidlichen Aussagen wankend gemacht werden mußten. Schon in dem Aachener Prozeß war erwiesen worden, daß vollständig unwahre Tatsachen frei erfunden und beschworen worden waren. Das gleiche stellte sich l-e-iialich der Behauptung der Angeklagten Schwieren und Vent heraus, daß sie mit der Frau Wolf unerlaubten Umgang gepflogen hätten. Mit Rücksicht auf die Gemeingc- sährlichkeit des Treibens der Angeklagten verhängte das Gericht gegen sie schwere Strafen: jeder von ihnen erhielt wegen Meineides beziehungsweise Verleitung zum Meineide acht Jahre Zuchthaus. Auch erkannte das Gericht auf je zehn Jahre Ehrverlust und dauernde Unsähigkcit, je wieder vor Gericht als Zeuge oder Sachverständiger vernommen zu werden.
♦ Der Spionageyrozcß gegen die englischen Offiziere. Ein Privat-Tele- gramm berichtet uns aus Berlin: Die Mel- dung, daß das Reichsgericht bereits die Zulassung eines Vertreters der englischen Regie- NiNg zu dcm am 26. Dezember stattsindeuden Svionagcprozeß abgelehnt hat, beruht, wie wir erfahren, auf E r f i nd u n g. Es konnte diese Ablehnung schon aus dem Grunde bisher nickt ausgesprochen werden, weil sich das Reichsgericht bisher noch gar nicht darüber schlüssig gemacht hat, ob die Oeffentlichkeit bei der Verhandlung auszuschließen ist oder nicht.
* Ein neuer „Vorwärts"-Prozest in Sicht! Aus Berlin wird uns depeschiert: Der Berliner Polizeipräsident bat gegen den „Vorwärts" Strafantrag gestellt wegen eines Leitartikels, der sich mit den Moabiter Streik- Krawallen beschäftigt und in dem die Behauptung ausgesprochen wird, die aufreizenden Ruse aus der Menge seien von Polizci- bcamten in Zivil ausgestoßcn worden.
* Auf dcm Heimwege vom Wirtshaus. Vor dem hiesigen Schwurgericht hatte sich gestern der Eisenbabnarbciter Konrad Werner aus Heimbach zu verantworten. Die Verteidigung führte Rechtsanwalt Justizrat Landgrebe. Dem Angeklagten Werner wird zur Last gelegt, in der Nacht vom 22. zum 23. Oktober seinen Onkel, den Eisenbahnarbeiter Lacosta, mit einem Dolchmesser vorsätzlich verletzt zu haben, und zwar derart, daß der Tod des Verwundeten alsbald cinge- trcten ist. Der Angeklagte Werner gibt die Tat zu, doch will er in Notwehr gehandelt haben. Der Tatbestand, der der Anklage zugrunde liegt, ist kurz der folgende: Der Angeklagte saß mit seinem Onkel abends in einer Wirtschaft in Heimbach zusammen. Beide waren angetrunken und gerieten in einen Wortwechsel, der später aus der Straße in Tätlichkeiten ausartete. Werner griff zum Messer und versetzte feinem Onkel mehrere Stiche in die Seite und in den Unterleib. La- costa brach tödlich verletzt zusammen. Während der gestrigen Verhandlung erlitt Landgerichtsrat Dr. Bock plötzlich einen schweren Ohn- macktsanfall, und die Verhandlung mußte deshalb (tote schon gemeldet» abgebrochen und auf unbestimmte Zeit vertagt werden.
* Sittenbilder vom Osten. Aus K a 11 o - Witz wird uns berichtet: Ein häßliches Sittenbild, wie es sonst nur auf dem Sumpfboden der Großstädte zu finden ist, hat die behördliche Untersuchung in dcm benachbarten Städtchen Zabrze zutage gefördert. Infolge anonymer Anzeigen über das Leben und Treiben in der Wodnung des Schneidermeisters P wurde diese von der Polizei beobachtet. Eines Abends erschien sie unerwartet in der Behausung und überraschte dort sechs jun- Männer, alle nur sehr notdürftig bekleidet. Die Situation, sowie die auf dem Tische liegenden obftönen Bilder und andere Gegenstände enthüllten ein Treiben schlimm- st e r A r t. Die Mädchen, die in der Wohnung angetroffen wurden, sind sämtlich noch sehr jung, keine ist älter als 16 Jahre. Unter ihnen befanden sich auch die noch nicht 16 Jahre alte Tochter und die etwa gleichaltrige Stbi-ägerin des P. Die jungen Herren standen gleichfalls noch in sehr jugendlichem After Sie waren zwischen 18 unv. 20 Jobren alt. Es ist bereits festgestellt, daß das kupplerische Ehepaar seinen vollständigen Lebensunterhalt aus diesem sträflichen Verkehr in der Wohnung, in der häufig wahre Orgien gefeiert wurden, bestritt. Frau P. lockte die Mädchen in raffinierter Weise an sich und tneb mit ihnen ein einträgliches Geschäft. Sie wurden sehr oft auch direkt in die Wohnungen von gutsituierten Leuten geschickt, die sich genierten, in die Wohnung der P.'schen Eheleute zu gehen. Bislang sind mehrere Verhaftungen erfolgt, denen weitere folgen dürften. Die Angelegenheit wird in Kürze die Strafkammer in Zabrze beschäftigen.
Rheinische „Eidgenossen" vorm Schwurgericht. (Von unserem Korrespondenten.)
Köln, 6. Dezember.
Ein recht eigenartiges Kulturbild aus der Bergheimer und Zülicher Gegend wurde in einer Verhandlung aufgerollt, die das hiesige Schwurgericht mehrere Tage lang beschäftigte. Seit einer Reihe von Jahren ist seitens der Gerichte die Wahrnehmung gemacht worden, daß in Zivil- und Strafprozessen aus der in Frage kommenden Gegend Personen als Zeugen auftraten, bei denen sich der Verdacht erhob, daß sich diese Leute das gegenseitige Aushelfen als Zeugen gewissermaßen zur Pflicht gemacht hatten.
Das Treiben der „Meineidsbauern" trat so offen zu tage, daß die Dörfler ungeniert von einer „Eidgenossenschaft" redeten. Bereits vor einiger Zeit hatte die Behörde gegen verschiedene Mitglieder dieser Eidgenossenschaft soviel Material gesamnrelt, daß sie vor das Aachener Schwurgericht gestellt werden konnten, das über die Schuldigen schwere Zuchthausstrasen verhängte. Die jüngste Verhandlung richtete sich gegen den 32 Jahre alten Arbeiter Gerhard Schwieren aus Esch, den zu Lich Kreis Zü- lich geborenen 45 Jahre alten Ziegelmeister Wilhelm Vent aus Angelsdors und den 43 Jahre alten Müller Jakob Wals ans Nie- dercmpt. Tic Anklage charakterisierte sich als ein Nachspiel zu einem Ebeschei - dun gs Prozeß, den die Frau des Angeklagten Wolf gegen diesen angestrengt hatte. Sie beschuldigte ihren Ehemann des Ehebruchs mit ihrer Dienstmagd. Wolf bestimmte nun durch Versprechungen di: beiden Mitangeklagten
überschritten. Man rechnet damit, daß pro- grammär.tg Ende Juni die Endtcufe erreicht fein wird. Das erste Kalilager dürfte schon bald erreicht werden, da täglich gegen 6 Meter abgeteuft werden.
* Amitotische Eisenbahn-Gesellschaft. Die Dividende der Anatolischen Eisenbahn-Gesellschaft ist, wic von gut unterrichteter Seite verlautet. für 1910 auf 5 Prozent (wie i:n Vorjahre) zu schätzen.
* Gewerkschaft Annashall. Der Vorstand wird, wie zuverlässig verlautet, in nächster Zeit ergänzt werden, nachdem letzt die Bohrarbeiten begonnen haben. Die Bohrung hat heute eine Lense von etwa 20 Meter erreicht. Von der bewilligten Zubuße von 1 Million Mark werden in kurzer Zeit die ersten kleinen Raten zur Einziehung gelangen.
* Deutsche Ticfbohr-Akt -Ges. Für die Aktien dieser Gesellschaft hat sich letzthin verschiedentlich lebhafteres Interesse bemerkbar gemacht. Wie jetzt bekannt wird, hat die Gesellschaft neuerdings eine ihrer Beteiligungen an einem mitteldeutschen Kaliwerke mit gutem Nutzen veräußert und sie steht außerdem in Verhandlung wegen Verkaufs einer Anzahl von ihr gehörigen Gerechtsamen.
* Aus der Zementindustric. Wie von unterrichteter Seite verlautet, haben dieser Tage neue Verhandlungen zwischen den Vertretern der beteiligten Zcmentverbände und der Rü- dcrsdorser Portland-Zementfabrik C. O. Wegener. ftattgefunben. Erst wenn diese Verhandlungen zum Erfolg führen sollten, und damit mit allen Berliner Werken eine Verständigung zustande gekommen wäre, soll die Berliner Gruppe dem Kartell der übrigen Verbände angeschlosfen werden.
* Leipziger Wollkämmerei. Der Jahresbericht vom letzten Jahre weist eine Unterbilanz von 569 948 Mark auf. lieber die Aussichten wurde mitgeteilt, die Verwaltung hoffe, den Aktionären, ivemt die Konjunktur günstig bleibe, einen befriedigenden Abschluß für das ablaufende Jahr Vorlegen zu können. Seit Monat Dezember arbeite man wieder regelmäßig, und vom 1. Januar ab werde hoffentlich der Betrieb wieder voll aufgenommen werden können.
* Gothaische Transaktionen. Wie ein T e - I c g r am m meldet, haben die vereinigten Gothaer Banken und Bankfirmen neuerdings einen Posten 4prozentiger, in diesem Jahre emittierter Schuldverschreibungen der herzoglichen Landeskreditanstalt in Gotha, unkündbar bis 1920, übernommen, die bis zum 15. Dezember zum Kurse von 101,25 Prozent freihändig verkauft werden.
* Herkules Brauerei Cassel. Die Verwaltung schlägt für das abgelaufene Geschäftsjahr die Verteilung einer Dividende von wieder 9 Prozent vor. Uebcr die Aussichten schreibt die Verwaltung im Geschäftsbericht: Bezüglich der Aussichten für "das neue Geschäftsjahr bemerken wir, daß mit etwas höheren Malzpreisen zu rechnen ist; wenn aber, wie wir annehmen können, die schon lange ersehnte Belebung des ArbettsmarkteS nun endlich einsetzt und der Bierverbrauch sich wieder hebt, so glauben wir auch für das lausende Geschäftsjahr ein befriedigendes Resultat in Aussicht stellen zu können.
* Bereinigte Thüringische Salinen. Die Dividende der Vereinigten Thüringischen Salinen vorm. Glenckschen Salinen in Erfurt für 1910 dürfte (wie die Verwaltung mitteilt) in der gleichen Höhe wie im Vorjahr (4Yt> Prozent) zur Ausschüttung gelangen.
* Kammgarnspinnerei Wernshausen. Wie von der Verwaltung offiziell mitgeteilt wird, ist die Dividende der Kammgarilspinnerei Wernshausen für 1910 auf 11 Prozent (10 Prozent im Vorjahre) für die Stammaktien und aus 13 Prozent (12 Prozent im Vorjahre) für die Vorzugsaktien zu schätzen.
Donnerstag, 8. Dezember 1910 sind sportlicher, verkehrstechnischer und wissenschaftlicher Natur. Zum e r ft e n Male soll ein für diese Zwecke besonders gebauter Kraftwagen nebst einem Begleitwagen, die eine unserer bedeutendsten Automobilsabriken zur Versügung stellt, die deutsche Flagge durch ganz Afrika, vom Nildelta bis Kapstadt, tragen.
Dabei handelt cS sich nicht darum, in möglichst kurzer Zeit die über 10 000 Kilometer lange Strecke zu überwinden, sondern es soll durch systematische Versuche und mannigfache Abstecher, namentlich in Deutsch-Ost- afrila, festgestellt werden, wie weit ein entsprechend gebauter Kraftwagen auf gebahnten und ungebahnten Wegen der Personen- und Lastenbeförderung dienen kann und zugleich die bisher vorhandenen Eisenbahnen ergänzt oder als Zubringer unterstützt. Ein solcher Wagen muß sehr hoch und stark gebaut sein. Er erhält über 1 Mtr. hohe Räder er mit doppelter Voll- gummibcreisung auf abnehmbarer Felge. Eine besondere Federung wird die Stötze und Erschütterungen auffangen; dazu kommen Einrichtungen, um auf sandigem und sumpfigem. Gebiete das Einsinkcn zu verhindern und erhebliche Steigungen durch eigene Kraft zu überwinden. In Deutsch-Ostasrika nimmt der Forschungswagen eine vollkommene Station für drahtlose Telegra- phie aus. Am Viktoriasee und auf der Hochfläche des Taboragebietes sollen eingehende Versuche unter den verschiedensten Witterungs- Verhältnissen angestellt werden. Zur Beur- teilung der Bodenbeschaffenheit des durchfahrenen Geländes sowie der Witterung und des Untergrundes bei den Versuchen mit drahtloser Telegraphie ist ein ®eoln«» und Meteorologe unerläßlich. Das ForschungSunter- nchmen stellt sich namentlich die Ausgabe, ein geologisches Profil Kairo-Kapstadt zu legen und andererseits mit Hilfe mitgeführter Pilotenballons Windrichtung und Wind- gcschwindigkeit bis zu einer Höhe von 10 Kmtr. allerorts festzustellen. Die Gesamtkosten des Unternehmens belaufen sich für den Forschungswagen auf etwa 120 000 Mark, für den Beglcitwagen auf etwa 80 000 Mark. Um die Ausreise im März des kommenden Jahres zu sichern, wird eifrig gearbeitet, damit nicht die Engländer dcm deutschen Unternehmen zuvor- kommen, die auf die ersten kurzen Nachrichten hin zwei Expeditionen zum Wettbewerbe ansrüsteien.
• Die Wasserballspiele in Göttingen. Die am letzten Montag in Göttingen abgehaltenen Wasserballspiele erbrachten den Sieg des Göttinger Schwimmvereins mit <.1 über die Schwimmriege der Casseler Turngemeinde. Die Göttinger Mannschaft beifügte über ent sehr gutes Zusammenspiel, wenn auch die Schnelligkeit viel zu wünschen übrig ließ. Cassel litt sichtlich unter der durch das Fehlen eines Hallenschwimmbades in Cassel ihm ain- crlegten Pause seit September. Einige geschickte Würfe der Casseler Mannschaft wurden durch den gewandten Göttinger Torwart ab- gcfangen und so gelang es nur, einen durch rntp Kombination in ein Tor verwandten Freiwurf einzusenden.
* Trauen nlS Ffteger. Rachd"'" Frankreich bereits drei Frauen das Pilot zeugnis erworben haben, ist es jetzt esi^ vierten Dame. Fräulein Ion- H e r ” -. gelungen, die Eramina zur Führung eine» Aeroplans abzulegen. Die neunzebniäbrige Dame hat seit drei Monaten in Etampes unter Leitung Blsiriots auf dem Eindecker geübt und eine solche Geschicklichkeit in der Steuerung dos Apparats erlangt, daß sie sich schon in weni- gen Tagen um die „Coupe Fernina", den Preis für den längsten Damenflug, bewerben wird.
* Die englischen Liga-Futzballspicle. Die Spiele der ersten Klasse zeitigten, einem Pri- vat-Telegramm zufolge, am letzten Spieltage einige Ücberraschungen. Am unerwartetsten kam die Niederlage der bisher ungeschlogencn Sunderland, die von Middlesbrough kaum mit 1:0 besiegt wurde. Da auch Aston Villa acaen Mrefton North Rnh mH 1 mm ehester United gegen Bury mit 3:2 siegten, so sieben die drei Vereine Anon Villa t"<o . chester United und Sunderland mit je 22 Punkten an der Spitze. Ueberraschend kam ferner die Niederlage von Woolwich Arsenal durch Tottenham Hotspurs, die mit 3:1 aus dem interessanten Kamps als Sieger hervor- aingen Die Resultate der übrigen Spiele waren: Newcastle United—Bradford City 6-1 Bristol City—Blackburn Rowers 1:0, Sheffield United—Rotts Countv 2:0, Ever- wn—Manchester City 1:0 und Shefffled Wed- nesday—Nottingham Forest 5:2.