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Geschäftliche Mitteilungen.

_ Die Bühne im eigenen Heim wird be­rechtigterweise die Sprechmaschine „Grammo- phon" genannt. Das „Grammophon" ver­einigt Oper, Operette, Konzertsaal, Vari^tö in sich. Kein Wunder, daß der Apparat als Weihnachtsgeschenk sehr bevorzugt wird, weil damit ein unbeschränkt großer Kreis gleich­zeitig erfreut werden kann und mit dem Grammophon nicht nur eine vorübergehende Weihnachtsfreude bereitet wird, sondern ein Genuß von dauerndem Wert. Natürlich dari. wie bei jedem Musikinstrument, bei Anschaf­fung nickt der Preis, sondern die Qualität maßgebend sein, und es mutz daher daraus hingewiesen werden, daß die weltbekanu-e Schutzmarke .Die Stimme seines Herrn", For- terrier vor dem Apparat, die sicherste Garantie für vollkommenste Qualität bietet. Die Deut­sche Grammophon - Aktiengesellschast, welcye diese Apparate fabriziert, hat hier eine P kaufsstelle, wie aus dem gestrigen Inserat er- sichtlich ist.

Die „Casseler Neueste Nachrichten" sind unter Nr. 951 und 952 au das Fernsprech­

netz angeschlosten.

Nr. 1 1. Jahrgang.

Handelszeilmg.

Eine ruhende Hypothekenbank.

Man schreibt uns: Die Bayerische Bodenkreditanstalt in Würzburg hat wieder einmal von sich reden gemacht: Ihre Direktion, die jetzt wieder unter dem Einfluß des Frankfurter Bankiers Mar Ans­bacher steht, hat eine Anzahl ihrer Beam­ten darauf aufmerksam gemacht, daß sie sich nach anderen Stellungen umsehen möchten. Daraus wurde geschlossen, daß der Betrieb des Instituts ganz eingestellt werden solle, nachdem schon seit längerer Zeit keine neuen Pfandbriefe mehr ausgegeben worden sind. Die Verwaltung erklärt indessen, daß sie das Geschäft nicht emzustellen gedenke, sondern daß sie bei Gelegenheit auch wieder neue Pfandbriefe herausgebcn werde. Nur 'sicn jetzt die Zeiten zu einer Pfandbriesemis­sion äußerst ungünstig und die Bank würde dabei knapp auf ihre Kosten kommen, so daß cs schon besser sei, wenn durch Verminderung des Personals eine Ersparnis an Unkosten erzielt werden könne.

Der günstige Geschäftsgang bei den ande­ren Hypothekenbanken (besonvers den nord­deutschen Instituten) scheint allerdings dieser Auffassung von der Unrentabilität des Psand- briesgeschäftes auf den ersten Blick zu wider­sprechen. In Wirklichkeit ist dies aber nicht der Fall, denn die Bayerische Boden-Kredit­anstalt ist mit diesen anderen Hypothekenban­ken nicht zu vergleichen, da sie erst nach dcm Erlaß des Hypothekenbankgesetzes (das für die Mündelsicherheit der Pfandbriefe die Ge­nehmigung des Bundesrats ver­langt, gegründet wurde. Diese bundcsrätlichc Genehmigung hat das Würzburger Institut bisher nicht erlangen können, und aus diesem Grunde genießen seine Pfandbriefe auch nicht die gleiche Beliebtheit, wie die der anderen Banken. Sie stehen sogar niedriger im Kurs und sind nicht mit dem gleichen Nutzen zu emittieren. Diese Gründe lassen es also wahrscheinlich erscheinen, daß die Gruppe Ansbacher das Geschäft so lange nicht wieder aufnehmcn will, als nicht die Geldverhältnisse günstiger geworden sind, und sich bessere Kurse für die neuen Obligationen erzielen lassen werden.

Die neue Berliner Untergrundbahn.

(Von unserem Börsen- Mitarbeiter.)

An der Berliner Börse wurde gestern erfolglos damit Stimmung zu machen versucht, daß die neue Untergrundbahn, die von der Stadt Rirdorf nach Moabit gebaut werden soll, der Allgemeinen Elektri­zitätsgesellschaft in Auftrag gegeben werde, und zwar foll cs sich dabei um einen Auftrag im Werte von insgesamt 7 0 Mil­lionen Mark handeln. Damit eilt aber die Börse ohne Zweifel wieder den Tatsachen weit voraus. Die Untergrundbahn von Rir­dorf nach Moabit ist nämlich noch lange nicht unter Dach und Fach gebracht, und wer da weiß, daß die Berliner Nord-Süd-Untergrund- bahn fast zehn Jahre gebraucht hat, bis überhaupt ihre Durchführung erst »ndgiltig be- schloffen werden konnte, der wird sich noch nicht so bald darauf freuen, daß die A. E. G. die Früchte der Bauausführung einheimsen kann. Außerdem würde es sich bei dem Bau in erster Linie um Erdarbeiten handeln, die vergeben werden müßten.

Ob ein solches kommiffionweiscs Geschäft heute noch einen großen Nutzen bringen würde, erscheint zum mindesten fraglich. Dagegen ist cs unbedingt als sicher anzuschcn, daß die A. E. G. alles daran setzen wird, um den Bau und den Betrieb der Rixdorscr Untergrund­bahn in ihre Hand zu bekommen, nachdem sich die Konkurrenz Siemens u. Halske schon den Bau und Betrieb dreier Beniner Unter­grundbahnen gesichert hat. Es sind dies die Hoch- und Untergrundbahn, die Schöneberger Untergrundbahn (die von der Hochbahn mit­betrieben wird) und die Berliner Nord-Süd- Untergrundbahn, die zwar nominell in Regie der Stadt Berlin gebaut wird, an deren Ein- cichtung aber dir Elektrizitäts-Gesellschaften Siemens u. Halske allein interessiert sind. Für die Einheit des Großberliner Untergund- verkehrs wäre es freilich besser, wenn nicht alle Kommunen und alle Elektrizitätsgesellschaften eigene Bahnen bauten; doch ist hieran nicht mehr viel zu ändern. Der mißglückte Versuch der Börse, durch diese Kombination etwas mehr Belebung ins Geschäft der Elcktrizi - tätswerte zu bringen, ist jedenfalls charak­teristisch für den Mangel an wirklichen Anregungen, der augenblicklich in den Sälen 03 der Burgstraße herrscht. —1—

* Der Neuburger Konzern. (Von un- serm Korrespondenten.) Der Ge- fchäftsbericht des Karl Neuburger Konzerns, der früher durch seine Gründungstätigkeit (in letzter Zeit namentlich durch die massenweise Gründung kleiner und kleinster Deposttenkaffen) unliebsames Aufsehen erregt hat, weist eine Einnahme von 1,04 Mill. Mk. gegen ft,94 Mill. Mk. im Vorjahre und 0,74 Mill Mk. vor zwei Jahren aus. Freilich sind die Unkosten infolge der Filialgründungen so gestiegen, daß der Reingewinn mit 436 000 Mk. kleiner ist als im Vorjahre, wo er 482 000 Mk. betragen hatte. Durch Heranziehung des größeren Vortrages ist cs möglich, wieder 6 Prozent Dividende auf das Kommanditkapital von 5 Mill. Mk. zur Ausschüttung zu bringen. In der Bilanz er­scheinen 5ch gegen 4,6 Mill. Mk. Effekten und 5.6 argen 5,1 Mill. Mk. Debitoren. Auf der Passivseite ist die Summe der Kreditoren von 7,2 aus &6 Mill. Mk. angewachsen. ES befin­den sich darunter 429 000 Mk. gegen 315 000 Mk. Depositen mit kurzer Kündigungsfrist und 1.7 aegen 1,8 Mill. Mk. mit längerer Frist. Der Zweck der Depositenkaflen, die Spargelder des Landes nach der Berliner Zen­trale zu zieben. scheint danach erreicht zu sein. Rur fragt es sich, ob auch die E i n l e g e r dabei auf ihre Rechnung gekommen »nd.

* Kaliwerk Steinförde. Der Schacht die­ses Werkes bat die Teufe von 250 M-^ern

Casseler Neueste Nachrichte«

* Vereinsbank in Frankfurt a. O.

Zu

Gericht und Recht.

den erneut austauchenden Gerüchten, nach denen die Darmstädter Bank in irgend einer Form an der Vereinsbank in Frankfurt a. O. direktes Interesse zu nehmen beabsichtige, wird nochmals von der Darmstädter Bank erklärt, daß diese Gerüchte durchaus u n z u t r e f f e u d seien. Die Darmstädter Bank beabsichtige kei­neswegs, sich an der Hilfsaktion zu beteiligen.

Spott und Spiel.

Im Auto Kairo-Kapstadt.

Für die geplante deutsche For­schungsfahrt von Kairo nach Kapstadt im Automobil ist der Monat März nächsten Jahres als Ausreisetermin festgesetzt worden. Tie Aufgaben und Ziele der im Kraftwagen iu unternehmenden deutschen Forschungsreise

Schwieren und Mit, zu schwören, daß sie tu intim en Beziehungen zu feiner Frau, gestanden hätten. Dieser Eid wurde denn auch von Schwieren und Vent mit der größten Kaltblütigkeit geleistet. Die Frau Wolf setzte nun alle Hebel in Be­wegung, um den Nachweis zu führen, daß der Eid der beiden Freunde ihres Mannes ein Meineid war und erreichte cs schließlich auch, daß das Kleeblatt vor Gericht gestellt wurde. In der dreitägigen Verhandlung kamen Ver­hältnisse ans Tageslicht, wie sie lrasscr nicht gedacht werden können. Es wurde erwiesen, daß in bäuerlichen Kreisen tatsächlich eine „Eidgenossenschaft" bestand, zu de­ren Mitgliedern die drei Angeklagten zähl­ten. Bei der Abgabe von falschen eidlichen Erklärungen wurde sehr vorsichtig zu Werke gegangen. Die Aussage des einen wurde im­mer durch Aussagen von zweiter und drit­ter Stelle unterstützt, sodaß irgeno welche Be­denken der Richter bezüglich der Richtigkeit der eidlichen Aussagen wankend gemacht werden mußten. Schon in dem Aachener Prozeß war erwiesen worden, daß vollständig un­wahre Tatsachen frei erfunden und beschworen worden waren. Das gleiche stellte sich l-e-iialich der Behauptung der Angeklag­ten Schwieren und Vent heraus, daß sie mit der Frau Wolf unerlaubten Umgang gepflo­gen hätten. Mit Rücksicht auf die Gemeingc- sährlichkeit des Treibens der Angeklagten ver­hängte das Gericht gegen sie schwere Strafen: jeder von ihnen erhielt wegen Meineides be­ziehungsweise Verleitung zum Meineide acht Jahre Zuchthaus. Auch erkannte das Gericht auf je zehn Jahre Ehrverlust und dauernde Unsähigkcit, je wieder vor Ge­richt als Zeuge oder Sachverständiger ver­nommen zu werden.

♦ Der Spionageyrozcß gegen die engli­schen Offiziere. Ein Privat-Tele- gramm berichtet uns aus Berlin: Die Mel- dung, daß das Reichsgericht bereits die Zu­lassung eines Vertreters der englischen Regie- NiNg zu dcm am 26. Dezember stattsindeuden Svionagcprozeß abgelehnt hat, beruht, wie wir erfahren, auf E r f i nd u n g. Es konnte diese Ablehnung schon aus dem Grunde bisher nickt ausgesprochen werden, weil sich das Reichsgericht bisher noch gar nicht darüber schlüssig gemacht hat, ob die Oeffentlichkeit bei der Verhandlung auszuschließen ist oder nicht.

* Ein neuer „Vorwärts"-Prozest in Sicht! Aus Berlin wird uns depeschiert: Der Berli­ner Polizeipräsident bat gegen den „Vor­wärts" Strafantrag gestellt wegen eines Leit­artikels, der sich mit den Moabiter Streik- Krawallen beschäftigt und in dem die Be­hauptung ausgesprochen wird, die aufreizen­den Ruse aus der Menge seien von Polizci- bcamten in Zivil ausgestoßcn worden.

* Auf dcm Heimwege vom Wirtshaus. Vor dem hiesigen Schwurgericht hatte sich gestern der Eisenbabnarbciter Konrad Wer­ner aus Heimbach zu verantworten. Die Verteidigung führte Rechtsanwalt Justizrat Landgrebe. Dem Angeklagten Werner wird zur Last gelegt, in der Nacht vom 22. zum 23. Oktober seinen Onkel, den Eisenbahn­arbeiter Lacosta, mit einem Dolchmesser vor­sätzlich verletzt zu haben, und zwar derart, daß der Tod des Verwundeten alsbald cinge- trcten ist. Der Angeklagte Werner gibt die Tat zu, doch will er in Notwehr ge­handelt haben. Der Tatbestand, der der Anklage zugrunde liegt, ist kurz der folgende: Der Angeklagte saß mit seinem Onkel abends in einer Wirtschaft in Heimbach zusammen. Beide waren angetrunken und gerieten in einen Wortwechsel, der später aus der Straße in Tät­lichkeiten ausartete. Werner griff zum Messer und versetzte feinem Onkel mehrere Stiche in die Seite und in den Unterleib. La- costa brach tödlich verletzt zusammen. Während der gestrigen Verhandlung erlitt Landgerichts­rat Dr. Bock plötzlich einen schweren Ohn- macktsanfall, und die Verhandlung mußte des­halb (tote schon gemeldet» abgebrochen und auf unbestimmte Zeit vertagt werden.

* Sittenbilder vom Osten. Aus K a 11 o - Witz wird uns berichtet: Ein häßliches Sit­tenbild, wie es sonst nur auf dem Sumpfboden der Großstädte zu finden ist, hat die behörd­liche Untersuchung in dcm benachbarten Städt­chen Zabrze zutage gefördert. Infolge anonymer Anzeigen über das Leben und Trei­ben in der Wodnung des Schneidermeisters P wurde diese von der Polizei beobachtet. Eines Abends erschien sie unerwartet in der Behausung und überraschte dort sechs jun- Männer, alle nur sehr notdürftig bekleidet. Die Situation, sowie die auf dem Tische lie­genden obftönen Bilder und andere Gegen­stände enthüllten ein Treiben schlimm- st e r A r t. Die Mädchen, die in der Wohnung angetroffen wurden, sind sämtlich noch sehr jung, keine ist älter als 16 Jahre. Unter ihnen befanden sich auch die noch nicht 16 Jahre alte Tochter und die etwa gleichaltrige Stbi-ägerin des P. Die jungen Herren stan­den gleichfalls noch in sehr jugendlichem After Sie waren zwischen 18 unv. 20 Jobren alt. Es ist bereits festgestellt, daß das kupplerische Ehepaar seinen vollständigen Lebens­unterhalt aus diesem sträflichen Verkehr in der Wohnung, in der häufig wahre Orgien ge­feiert wurden, bestritt. Frau P. lockte die Mädchen in raffinierter Weise an sich und tneb mit ihnen ein einträgliches Geschäft. Sie wurden sehr oft auch direkt in die Wohnun­gen von gutsituierten Leuten geschickt, die sich genierten, in die Wohnung der P.'schen Ehe­leute zu gehen. Bislang sind mehrere Verhaf­tungen erfolgt, denen weitere folgen dürften. Die Angelegenheit wird in Kürze die Straf­kammer in Zabrze beschäftigen.

Rheinische „Eidgenossen" vorm Schwurgericht. (Von unserem Korrespondenten.)

Köln, 6. Dezember.

Ein recht eigenartiges Kultur­bild aus der Bergheimer und Zülicher Ge­gend wurde in einer Verhandlung aufgerollt, die das hiesige Schwurgericht mehrere Tage lang beschäftigte. Seit einer Reihe von Jahren ist seitens der Gerichte die Wahrneh­mung gemacht worden, daß in Zivil- und Strafprozessen aus der in Frage kommenden Gegend Personen als Zeugen auftraten, bei denen sich der Verdacht erhob, daß sich diese Leute das gegenseitige Aushelfen als Zeugen gewissermaßen zur Pflicht gemacht hatten.

Das Treiben der „Meineidsbauern" trat so offen zu tage, daß die Dörfler ungeniert von einer „Eidgenossenschaft" redeten. Bereits vor einiger Zeit hatte die Behörde gegen verschiedene Mitglieder dieser Eidgenos­senschaft soviel Material gesamnrelt, daß sie vor das Aachener Schwurgericht gestellt wer­den konnten, das über die Schuldigen schwere Zuchthausstrasen verhängte. Die jüngste Verhandlung richtete sich gegen den 32 Jahre alten Arbeiter Gerhard Schwieren aus Esch, den zu Lich Kreis Zü- lich geborenen 45 Jahre alten Ziegelmeister Wilhelm Vent aus Angelsdors und den 43 Jahre alten Müller Jakob Wals ans Nie- dercmpt. Tic Anklage charakterisierte sich als ein Nachspiel zu einem Ebeschei - dun gs Prozeß, den die Frau des Angeklag­ten Wolf gegen diesen angestrengt hatte. Sie beschuldigte ihren Ehemann des Ehebruchs mit ihrer Dienstmagd. Wolf bestimmte nun durch Versprechungen di: beiden Mitangeklagten

überschritten. Man rechnet damit, daß pro- grammär.tg Ende Juni die Endtcufe erreicht fein wird. Das erste Kalilager dürfte schon bald erreicht werden, da täglich gegen 6 Meter abgeteuft werden.

* Amitotische Eisenbahn-Gesellschaft. Die Dividende der Anatolischen Eisenbahn-Gesell­schaft ist, wic von gut unterrichteter Seite ver­lautet. für 1910 auf 5 Prozent (wie i:n Vor­jahre) zu schätzen.

* Gewerkschaft Annashall. Der Vorstand wird, wie zuverlässig verlautet, in nächster Zeit ergänzt werden, nachdem letzt die Bohr­arbeiten begonnen haben. Die Bohrung hat heute eine Lense von etwa 20 Meter erreicht. Von der bewilligten Zubuße von 1 Million Mark werden in kurzer Zeit die ersten kleinen Raten zur Einziehung gelangen.

* Deutsche Ticfbohr-Akt -Ges. Für die Aktien dieser Gesellschaft hat sich letzthin ver­schiedentlich lebhafteres Interesse bemerkbar gemacht. Wie jetzt bekannt wird, hat die Ge­sellschaft neuerdings eine ihrer Beteiligungen an einem mitteldeutschen Kaliwerke mit gutem Nutzen veräußert und sie steht außerdem in Verhandlung wegen Verkaufs einer Anzahl von ihr gehörigen Gerechtsamen.

* Aus der Zementindustric. Wie von un­terrichteter Seite verlautet, haben dieser Tage neue Verhandlungen zwischen den Vertretern der beteiligten Zcmentverbände und der Rü- dcrsdorser Portland-Zementfabrik C. O. We­gener. ftattgefunben. Erst wenn diese Ver­handlungen zum Erfolg führen sollten, und da­mit mit allen Berliner Werken eine Verständi­gung zustande gekommen wäre, soll die Ber­liner Gruppe dem Kartell der übrigen Ver­bände angeschlosfen werden.

* Leipziger Wollkämmerei. Der Jahres­bericht vom letzten Jahre weist eine Unter­bilanz von 569 948 Mark auf. lieber die Aus­sichten wurde mitgeteilt, die Verwaltung hoffe, den Aktionären, ivemt die Konjunktur günstig bleibe, einen befriedigenden Abschluß für das ablaufende Jahr Vorlegen zu können. Seit Monat Dezember arbeite man wieder regel­mäßig, und vom 1. Januar ab werde hoffent­lich der Betrieb wieder voll aufgenommen wer­den können.

* Gothaische Transaktionen. Wie ein T e - I c g r am m meldet, haben die vereinigten Gothaer Banken und Bankfirmen neuerdings einen Posten 4prozentiger, in diesem Jahre emittierter Schuldverschreibungen der herzog­lichen Landeskreditanstalt in Gotha, unkündbar bis 1920, übernommen, die bis zum 15. De­zember zum Kurse von 101,25 Prozent freihän­dig verkauft werden.

* Herkules Brauerei Cassel. Die Verwal­tung schlägt für das abgelaufene Geschäfts­jahr die Verteilung einer Dividende von wie­der 9 Prozent vor. Uebcr die Aussichten schreibt die Verwaltung im Geschäftsbericht: Bezüglich der Aussichten für "das neue Ge­schäftsjahr bemerken wir, daß mit etwas höheren Malzpreisen zu rechnen ist; wenn aber, wie wir annehmen können, die schon lange ersehnte Belebung des ArbettsmarkteS nun endlich einsetzt und der Bierverbrauch sich wieder hebt, so glauben wir auch für das lau­sende Geschäftsjahr ein befriedigendes Resul­tat in Aussicht stellen zu können.

* Bereinigte Thüringische Salinen. Die Dividende der Vereinigten Thüringischen Sa­linen vorm. Glenckschen Salinen in Erfurt für 1910 dürfte (wie die Verwaltung mitteilt) in der gleichen Höhe wie im Vorjahr (4Yt> Pro­zent) zur Ausschüttung gelangen.

* Kammgarnspinnerei Wernshausen. Wie von der Verwaltung offiziell mitgeteilt wird, ist die Dividende der Kammgarilspinnerei Wernshausen für 1910 auf 11 Prozent (10 Prozent im Vorjahre) für die Stammaktien und aus 13 Prozent (12 Prozent im Vorjahre) für die Vorzugsaktien zu schätzen.

Donnerstag, 8. Dezember 1910 sind sportlicher, verkehrstechnischer und wissen­schaftlicher Natur. Zum e r ft e n Male soll ein für diese Zwecke besonders gebauter Kraft­wagen nebst einem Begleitwagen, die eine unserer bedeutendsten Automobilsabriken zur Versügung stellt, die deutsche Flagge durch ganz Afrika, vom Nildelta bis Kapstadt, tragen.

Dabei handelt cS sich nicht darum, in mög­lichst kurzer Zeit die über 10 000 Kilometer lange Strecke zu überwinden, sondern es soll durch systematische Versuche und mannigfache Abstecher, namentlich in Deutsch-Ost- afrila, festgestellt werden, wie weit ein ent­sprechend gebauter Kraftwagen auf gebahnten und ungebahnten Wegen der Personen- und Lastenbeförderung dienen kann und zugleich die bisher vorhandenen Eisenbahnen ergänzt oder als Zubringer unterstützt. Ein solcher Wagen muß sehr hoch und stark gebaut sein. Er erhält über 1 Mtr. hohe Räder er mit doppelter Voll- gummibcreisung auf abnehmbarer Felge. Eine besondere Federung wird die Stötze und Er­schütterungen auffangen; dazu kommen Ein­richtungen, um auf sandigem und sumpfigem. Gebiete das Einsinkcn zu verhindern und er­hebliche Steigungen durch eigene Kraft zu überwinden. In Deutsch-Ostasrika nimmt der Forschungswagen eine vollkommene Station für drahtlose Telegra- phie aus. Am Viktoriasee und auf der Hoch­fläche des Taboragebietes sollen eingehende Versuche unter den verschiedensten Witterungs- Verhältnissen angestellt werden. Zur Beur- teilung der Bodenbeschaffenheit des durch­fahrenen Geländes sowie der Witterung und des Untergrundes bei den Versuchen mit draht­loser Telegraphie ist ein ®eoln«» und Mete­orologe unerläßlich. Das ForschungSunter- nchmen stellt sich namentlich die Ausgabe, ein geologisches Profil Kairo-Kapstadt zu legen und andererseits mit Hilfe mitgeführter Pilotenballons Windrichtung und Wind- gcschwindigkeit bis zu einer Höhe von 10 Kmtr. allerorts festzustellen. Die Gesamtkosten des Unternehmens belaufen sich für den For­schungswagen auf etwa 120 000 Mark, für den Beglcitwagen auf etwa 80 000 Mark. Um die Ausreise im März des kommenden Jahres zu sichern, wird eifrig gearbeitet, damit nicht die Engländer dcm deutschen Unternehmen zuvor- kommen, die auf die ersten kurzen Nachrichten hin zwei Expeditionen zum Wettbewerbe ansrüsteien.

• Die Wasserballspiele in Göttingen. Die am letzten Montag in Göttingen abgehaltenen Wasserballspiele erbrachten den Sieg des Göt­tinger Schwimmvereins mit <.1 über die Schwimmriege der Casseler Turngemeinde. Die Göttinger Mannschaft beifügte über ent sehr gutes Zusammenspiel, wenn auch die Schnelligkeit viel zu wünschen übrig ließ. Cassel litt sichtlich unter der durch das Fehlen eines Hallenschwimmbades in Cassel ihm ain- crlegten Pause seit September. Einige ge­schickte Würfe der Casseler Mannschaft wurden durch den gewandten Göttinger Torwart ab- gcfangen und so gelang es nur, einen durch rntp Kombination in ein Tor verwandten Freiwurf einzusenden.

* Trauen nlS Ffteger. Rachd"'" Frankreich bereits drei Frauen das Pilot zeugnis erworben haben, ist es jetzt esi^ vierten Dame. Fräulein Ion- H e r ” -. gelungen, die Eramina zur Führung eine» Aeroplans abzulegen. Die neunzebniäbrige Dame hat seit drei Monaten in Etampes unter Leitung Blsiriots auf dem Eindecker geübt und eine solche Geschicklichkeit in der Steuerung dos Apparats erlangt, daß sie sich schon in weni- gen Tagen um die „Coupe Fernina", den Preis für den längsten Damenflug, bewerben wird.

* Die englischen Liga-Futzballspicle. Die Spiele der ersten Klasse zeitigten, einem Pri- vat-Telegramm zufolge, am letzten Spieltage einige Ücberraschungen. Am unerwartetsten kam die Niederlage der bisher ungeschlogencn Sunderland, die von Middlesbrough kaum mit 1:0 besiegt wurde. Da auch Aston Villa acaen Mrefton North Rnh mH 1 mm ehester United gegen Bury mit 3:2 siegten, so sieben die drei Vereine Anon Villa t"<o . chester United und Sunderland mit je 22 Punkten an der Spitze. Ueberraschend kam ferner die Niederlage von Woolwich Arsenal durch Tottenham Hotspurs, die mit 3:1 aus dem interessanten Kamps als Sieger hervor- aingen Die Resultate der übrigen Spiele waren: Newcastle United—Bradford City 6-1 Bristol City—Blackburn Rowers 1:0, Sheffield United—Rotts Countv 2:0, Ever- wn—Manchester City 1:0 und Shefffled Wed- nesday—Nottingham Forest 5:2.