Einzelbild herunterladen
 

in öffentlicher Sitzung verkündet wurde, lautete gegen Bathe auf 2, gegen Peterson auf 1 Tag Festung.

3ns Neueste aus Kassel.

Aus Schwermut iu den Lod.

In einem Hause der Hobenthorstraße hat sich soeben ein ergreifendes Drama abgespielt. Tort wollte ein älteres Ehepaar morgens in seine Küche, fand jedoch die Tür von innen verriegelt vor. Nachdem ein herbeige­rufener Schlaffer die Türe gewaltsam geöff- t.lr hatte, bot sich den beklagenswerten El­tern ein entsetzlicher Anblick dar: Ihr einzi­ger, Sobn, Kaufmann Karl Fried- »ich N., ein Mann von 34 Jahren, saß st n m m itnb starr auf dem vor den Gaskochherd gerückten Küchen­stuhl. Der sofort herbeigeholte praktische Arzt Dr. Jost konnte nur dm schon zwischen 2 und 3 Uhr nachts ci«getretenen Tod kon­statieren. " Der Verstorbene war noch bis ge­gen %2 Uhr in einer Schartwirischast gewe­sen. Man. hatte ihm »ichts besonderes ange- n-crkt. H. War darauf nach oben gegangen, hatte den Schlauch vom Gaskochherd losge­schraubt und sich die Oennng direkt in den Mund gehalten. Aus seinem Notiz­buch - hatte er ein Blatt herausgerissen und darauf, mit festen Zügen folgende Abschieds- Worte an seine Angehörigen gerichtet: „Meine Lieben! Verzeihung. Be­sten innigen^Dank für alles. Ge­liebte Mutt er, lebe wohl!" Die Leiche wurde zur Beerdigung sreigegeben. Wie es heißt, war der Verstorbene in Schwermut ver­fallen, seitdem sich seine frühere, im vorigen Jahre von ihm geschiedene Frau Dorothea geb. Fl., mit einem anderen Mann wieder vc'heiratct hatte.

! *

Weihnachtseinkaufs-Regeln.

Zehn Regeln für Weihnachtscin- kaufe, die verdienen, allgemein bekannt zu werden, hat der Deutsche Käuserbund veröf­fentlicht. Sie lauten:

1. Besinne dich frühzeitig auf deine Weihnachtsgeschenke und verschiebe deren Ein­käufe nicht bis auf die letzten^ Wochen oder gar die letzten Tage vor dem Fest.

2. Kaufe nie am Sonntag, auch nicht vor Weihnachten, denn auch die Kaufleute brauchen Ruhe und Erholung.

3. Sprich freundlich mit Verkäufer und Verkäuferinnen, mißbrauche nicht ihre Zeit und Geduld bei Auswahl der Waren usw.

4. Kaufe nicht am späten Abend, du machst bei Tage bessere Einkäufe und ver­kürzt nicht den Feierabend von Kaufmann, Angestellten, Boten.

5. Gekaufte Ware tausche selten um, und nie am Abend bet Geschäftsandrang, son­dern in den ruhigen Morgenstunden.

6. Nimm kleine, leichte Pakete aus dem Laden selber mit. mußt du deine Ware ins Haus bringen lasten, dann schreibe deine Adresse genau auf und gedulde dich, wenn abends gekaufte Waren erst am andern Tage zu dir kommen.

7. Machst du Geschenke nach auswärts, dann bringe sie zeitig vor dem Fest zur Post und nicht am späten Abend.

8. Was du gekauft hast, bezahle mög­lichst sofort. .

9. Zahle angemessene Prelle, da- damit du durch die Sucht, billig emzukaufen, nicht das Einkommen derer schädigst, die von ihrer Hände Arbeit leben müssen; denn der Kauf­mann und Fabrikant wird d,r nichts schenken, sondern wird an den Löhnen seiner Arbeiter sparen müssen.

10 Willst du dich vor dem Werhnacht»- ftcber. der Hetzerei und dem schlechten Gewn- scns bewahren, so befolge diese Ratschlage und atb sie weiter an andere und bereite dir selbst und vielen anderen Weihnachtsruhe und Freude. ___________

* Romul» Echtermeyer wieder vor Gericht. Von gewissem Interesse wird für die Casseler das neue Strafverfahren fein, das gegen ihren

* Der Kölner Blumentag. Aus Köln wird uns mitgeteilt: Der erste Kölner Siu« mentag, der am Montag, de»» 27. November, zugunsten verschiedener wohltätiger Einrich­tungen für Arme, Kranke und Kinder startge­funden hat, schließt mit einem Gesamierttäg- t.iü von 125 750 Mark ab. Die Unkosten be­laufen sich auf etwa 15000 Mark.

* Ein russischer Revolverheld. Aus Mannheim meldet uns ein Telegramm: Von zwei russischen Studierenden der hiesi­gen Ingenieurschule, die mit einem Maurer in Streit geraten waren, hat einer de« Maurer durch einen Revolverschuß in den Mund :ebe ns gefährlich verletzt. Die bei­den Russen sind verhaftet worden.

* Brrgmannslos. Aus Bochum melket uns ein Telegramm: Auf dem im Abtz^- fiu begriffenen Schacht Rr. 8 der Gewerkschaft „Konstantin der Große" löste sich bei der Bohrarbeit in einem Querschlag ein schwerer Srein. Ein Bergmann wurde erschlagen, ein anderer schwer verletzt.

* Die Dockarbeiter von La Rochelle, (rnem Telegramm zufolge haben die Dockarbeiter von La Roeyelle und ihre. Kameraden aus Lapalize einen 24stündigen Streik proklamiert zum Zeichen des Ein­spruchs gegen das Urd.il des Schwurgerichts von Rouen, das einen ihrer Kameraden, den Sekretär d s Dockarbeiicrverbandes, zum Tode verurteilt batte.

£ Stiftungsfest des Kaufmännischen Ver­eins. Der hiesige Kaufmännische Verein ver­anstaltete anläßlich seines diejährigen Stif- iungsfest's einen Festabend im großen Saale des Kautmannshauses in der Hohenzollern- siraße. Der Vorsitzende, Fabrikant T h o r - b e ck, eröffnete die Feier und hielt die Begrü­ßungsrede. Die Vereinsmitglieder und ihre Gäste waren von dem glänzenden Verlauf des Abends hochbefriedigt.

* Bromberger „Intimitäten". Aus B ro m b e r g schreibt man uns in Ergänzung telegraphischer Meldungen: Vor einiger Zeit erregte die Meldung von der Suspendierung dreier hiesiger höherer Polizeibeamten allgemeines Aufsehen. Reben dem Polizeiinspektor Bathe waren auch der Vorsteher der Kriminalpolizei, Kriminalkommissar Schreiber u. der Poli­zeikommissar Benner ihres Amtes enthoben worden, ohne daß über die Gründe dieser auf­fälligen Vorgänge in der Oeffentlichkeit nähe­res verlautete. Die Angelegenheit zieht sich schon mehrere Monate hin und beschäftigt neuerdings auch die Staatsanwaltschaft und den Untersvchungsrichter. Als Folge der Affäre ist auch eine Verhandlung zu betrachten, die jetzt vor dem Kriegsgericht der 4. Division stattfand und sich gegen den Polizeiinspektor Bathe wegen Heraussorderung zum Z w e i k a ni p f, sowie gegen den Fabrik­besitzer Peterson wegen Kartelltragens richtete, lieber die Vorgeschichte dieser Duell­affäre ist verhältnismäßig wenig in die Oef- fentttchkeit gelangt. Als Polizeiinspektor Bathe nach seiner Suspendierung von seinem Vor­gesetzten, dem Stadtrat und Polizeidezernenten Schwidetzki, vernommen wurde, soll er An­gaben gemacht haben, die diesem unglaub­haft erschienen, und als Bathe bei einer zweiten Vernehmung einige von der ersten Darstellung abweichende Erklärungen abgab, soll der Stadtrat erklärt haben, daß Bathe vor­her die Unwahrheit gesagt haben müsse. Der Polizeiinspektor fühlte sich dadurch beleidigt und unterbreitete, da er Reserve­offizier z. S. ist, die Angelegenheit dem Ehren­rat, nach dessen Spruch die Herausforderung zum Zweikampf erfolgte. Der Stadtrat nahm die Forderung aber nicht an, sondern zeigte dies dem Statsanwalt an, der die Angelegen­heit dem Kriegsgericht überwies. Zu der Ver­handlung vor diesem waren beide Ange­klagte in Uniform erschienen, und sie brauchten infolgedessen auch nicht auf dcr An- klaoebank Platz zu nehmen. Die Verhandlung wurde zum größten Teil unter Aus­schluß der Oeffentlichkeit geführt. Der Angeklagte Bathe wollte auf anonyme Briefe eingehen, die vor einiger Zeit in der Stadt kursiert hatten, wurde aber vom Vor­sitzenden daran gehindert. Der als Zeuge ver­nommene Stadtrat Schwidetzki schilderte den Vorfall wie oben angedeutet. Das Urteil, das

Charakters, Temperaments usw. führt. Darf also, um ein Beispiel zu nen­nen, ein gerader, kräftiger Grundstrich als ein besonderes Kennzeichen eines energischen Charakters gelten, so würde die hinreichende Hebung in diesen Schristzeicheu- dazu beitra­gen, den Charakter des Schreibenden zu stah­len. Es ist klar, daß, wenn die von Prof. Dawson entwickelten Grundsätze durch die Tatsachen und die Erfahrungen bestätigt wer­den, dem Pädagogen ein ganz neues und tn seinen Folgen unberechenbares Erziehungs­mittel an die Hand gegeben ist. Nach den neuesten Berichten aus Newyork ist Prof. Dawson von der Zuverlässigkeit seines Sy­stems so überzeugt, daß er es jetzt ausgebaut den Schulbehörden zur Verfügung gestellt hat. Aus Grund der bisher erkannten Elemente der Graphologie hat et eine Art Normalschrift erfunden, die nach ihm also die sichtbare Quintessenz eines nach Dawson normalen (will heißen idealen) Charakters bedeutet. Prof Dawson fordert, daß diese Normal­schrist nicht nur dem Schreibunterricht in den Schulen zugrunde gelegt, sondern daß fortan dem Schreibunterricht überhaupt als Erziehungsmittel ein bei weitem hö­herer Wert beigelegl werde, wie bisher. Auf die Resultate dieser originellen Erziehungs­methode darf man in der Tat gespannt fein. Hinzuzufügen wäre noch, daß sie allerdings aus Amerika stammt! *

• Die Schneiderin al« preisgekrönte Dich- tetin. Wie uns au« Paris geschrieben wird, traten dort dieser Tage zwanzig Schrift- itcllerinnen zusammen, um den von der Zeit­schrist „La Vie beureufe" gestifteten Ehren­preis von 5000 Francs einer jungen Rornan- dichterin zu verleihen. Mit 11 gegen 9 Stirn- >

men wurde der Preis der Verfasserin von „Maria Chiara", Frau Margarete Audoux, zuerkaunt. Frau Audoux ist jene dichtende Schneiderin, von der iimgft soviel die Rede war, als Octave Mirbeau sie so warm al« Anwärterin für den Dicvterpreis der Gou- coutt-Akademie präsentierte. In „Maria Cbiara" hat Frau Audour in seinnnuig schlich­ter Weise ihr eigenes Leben geschildert

♦ Hauptmanns „Raiten". Aus Berlin wird gemeldet, Gerhart Hauptmanns jüngste Bühnendichtung, „Ratten", soll im Januar im Lessing-Theater zur ersten Auf­führung gelangen. Der Dichter, von einem leichten Unwohlsein genesen, das einen unbe­deutenden operativen Eingriff erforderte, wird an der Einstudierung fernes Werkes teil­nehmen. Für eine Rolle ,n diesem Stück ist, wie man aus Wien telegraphiert Fräulein Paula Menari vom dortigen Deutschen Volk«- iheater von Herrn Dir. Brahm engagiert wor­den.

-l Direktor Rordau an seine Mitglieder. Der Direktor vom Casseler Residenztheater hat an feine Mitglieder ein Schreiben erlas­sen, in dem er ihnen seinen Dank für .ihre treue künstlerische Mitarbeit ausspricht und n. a. sagt: „Es drängt mich, Ihnen eine kleine Weihnachtsfreude zu machen. Ich bestimme, die Vorstellung am 21. Dezember für Sie. Die Einnahme soll unter Sie in gleiche Teile ge­teilt werden. Das Stück werde ich noch bestim­men und ich hoffe, ein reckt zugkräftiges zu finden."

e

St. 3. L Jahrgang.

Casseler Neueste Rachrichleft

Mittwoch, 7. Dezember 1910.

früheren Mitbürger R omulo Echter- m c y e r vor der 6. Strafkammer des Land­gerichts 1 in Berlin anhängig gemacht worden, ist. Er, der fchon im vergangenen Jahre auf längere Zeit aus feiner vornehmen Villa auj der Kreuzbergstrabe nach Plötzenfee übersiedelte, wird sich nunmehr wegen feiner sonderbarem Geschäslsmanipulationen in Sachen der Sarosingesellschaft zu verantworten haben. Neben ihm wird fein Geschäftsfreund, der ebenfalls von hier stammende „Bankier" Grundfeld, am kommenden Donnerstag die Anklagebank zieren.

* Bon der Eifenbahn. Aus Anlaß seines Uebertrittes in den Ruhestand erhielt der Lokomotivführer Remmert in Caffel das Kreuz des allgemeinen Ehrenzeichens. — Der Regierungsbaumeister Brieskorn wurde der Eisenbahndirektion in Cassel als Hilfs­arbeiter zugewiesen. — Dem Eisenbahn­obersekretär Dr. jur. Koppen in Paderborn (früher in Cassel) wurden die Geschäfte eines Verkehrssekretärs übertragen, dem Eisen- baynpraktikanten Ide (nach Versetzung von Cassel) die Verwaltung der Station St. Andrcasberg. — Ernannt wurden: Zum Bahnhofsvorsteher der Eiseubahnpraktttant Thiele in Cassel, zum Eisenbahnaffisten- ten der Eisenbahnunterassistent Weber in. Cassel, zum Wagenmeister der meister-Diätar Käberick in Cassel, Lademeister der Lademeisterdiätar Waldeck in Bettenhausen. — Der Schirrmeister Becker wurde von Haun. Münden nach Cassel versetzt. — Die Prüfung zum bau- technischen Eisenbahns, retär bestand der Bahn­meister Zacharias in Cassel, ferner bestanden das Eisenbahnunterassistemen- Examen: Jmgrund in Cassel, Strube tn Krapenhof.

* Der Dieb im Elternhanse. Der ans der Anstalt entkommene Zwangszögling S. erbrach, am Montag die Wohnung feiner Eltern, wo' er neben einer Taschenuhr größere Geldbeträge erbeutete. Die sofort unterrichtete Bahnhoss- polizei konnte den jugendlichen Dieb nicht meijr verhaften.

<Z> Abendunterhaltung in dcr Oberreal­schule I. Am morgigen Mittwoch, den 7. De­zember, abends um 7 Uhr, veranstaltet die Oberrealschule I ihre diesjährige Abendunter­haltung im großen Stadtparksaal. Nach einem einleitenden Musikstück der Kapelle Hen­kel gelangt durch den Schülerckor die Ballade „Der Taucher" von Schiller, komponiert von Emil Paul, zur Darstellung. Schüler der oberen Klassen spielen Szenen aus dem Schauspiel „Die Karlsschüler" von Heinrich Laube, und endlich führen Mitglieder des Turnvereins der Schule Hebungen aus. Der Reinertrag der Veranstaltung ist für den Turn- und Ruderverein der Oberrealschule I bestimmt.

* Fürstlicher Besuch. Im Laufe des aeftri- pen Tages besorgte die Fürstin zu Wal­deck und Pyrmont in unserer Stadt ver­schiedene Weihnachtseinkäufe. Um 8 Uhr 15 Min. fuhr sie nach Arolsen zurück.

S Die Scknüimvfuug der Kinder. Das Jmpfgesetz verlangt von den Eltern, Pflege- Eltern und Vormündern, den Nachweis zu er­bringen, daß ihre Kinder und Pflegebefohle­nen geimpft worden, oder aus einem gesetzlich anerkannten Grunde davon entbunden sind. Die Impfscheine von Kindern, die nicht in den öffentlichen Terminen geimpft worden sind, können an den Werktagen von 9 bis 2 Uhr auf dcm Polizei-Dtenstgebäude, Zimmer Nr. 63, vorgelegt werden.

* Ein blinder Passagier. Ohne Fahr­karte wurde ein Mann am Sonnabend in einem Abteil 1. Klasse des hier eingetroffenen westfälischen Personenzuges zwischen den Sta­tionen Grebenstein und Cassel angetroffen. Die Bahnhofspolizei crmitlelte, daß der Mann erst kürzlich aus dem Gefängnis zu Greben­stein entlassen worden ist. Er wird sich näch­stens vor dem hiesigen Schöffengericht wegen Betrugs zu verantworten haben.

* Die Sehnsucht nach der Ferne. Am gest­rigen Sonntag erhielt ein hier in der Hohen- zcllernstraße wohnender Handwerksmeister einen Brief seines einzigen Sohnes, welcher wider Gewohnheit und Erwarten über Nacht nicht nach Hause zurückgekehrt war, zugestellt. In dem Schreiben teilte der Sohn den Eltern mit „er wolle sein Glück in der wei­ten Welt suchen." Der etwas übet 16 Jahre alte Junge war feit zwei Jahren bei einem Zahntechniker in der Lehre. Bisher war sein Lehrherr sehr mit ihm zufrieden, und es liegt auck kein ersichtlicher Grund vor. weshalb der fönst so folgsame Junäe heimlikch dem Glternbaufe den Rücken gekehrt und diesen unüberlegten Streich ausgeführt bot. Ob er allein oder in Gesellschaft abgereift ist, weiß men nicht. Möglicherweise ist feine Sehnsucht nach Abenteuern durch Schauerliteratur erzeugt worden. Die Eltern sind über das Schicksal ihres zu den besten Hoffnungen berechtigen­den Sohnes sehr besorgt. ...

♦ Frau Holle im Hoftheater. Den jnngften Sbürgern Cassel« wird da« Königliche Theater das alte Märchen „Frau Holle" als Weih­nachtsgabe bescheren. Die Wahl des Stücke« ist eine recht glückliche, liegen doch für die hwsige Jugend die Grimmschen Märchen, von denen das ganze Heffenland durchklungen wird, am nächsten. Die Hauptrollen werden Frl. Scholz, als Fran Holle, Frl. G r o a al« Gcldmarie, Frl. S i e w c als Pechmarie und Frl. Griebe als die garstige Stiefmutter geben, während die Herren Herzberg den Franz'l und P i e k e r t den Kohkbein spielen werden.

• Jeamtenversonalicn. Ernannt wurden: Rechnungsrat L u n g w i tz am Oberlandes- gericht in Danzig: Katasterkontrolleur Rübe znm Stenerinfpektor in Melsungen. Die Mittelschullehrer-Prüfung bestanden die hiesi­gen Lehrer: Kleinschmidt, Kühne­mu t, Schulz und Selig.

• Kleine Chronik. Im neunten Ju­gend-Konzert wird außer den bereits gestern genannten Künstlern auch Herr Ernst R i e b e li n g - Cassel (Violine), der beliebte Künstler, mitwirken. Er wird die „Elegie" von Ernst, ein Menuett von Gluck, ein Menuett von Kuhlau und „Tamburin" von Grossec znm Vortrag bringen. — Gestern

ist mit Kanalbau-Arbeiten in der Lange Straße auf der Strecke zwischen der Kirchditmolder und der Bachstraße begönne worden. — Zum Nachfolger des verstorbenen Gräfl. Kammer­direktors Heuser wurde der Regierungs- asscffor Stoll aus Cassel und zum Kammer­direktor der gräflich Menburgischen Güterver­waltung in Meerholz der Regierungsassessor Stoll in Cassel ernannt.

Letzte Telegramme.

(Rach Schluss der Redaktion eingegangen.)

Ein Zwischenfall im Schwurgericht.

Cassel, 6. Dezember. Während dcr schon über eine Stunde währenden lVettei- diguugsrede des Justizwts Landgrebe in der heutigen Schwurgerichtsiitzung wurde der bei­sitzende Richter Landgerichtsrat Dr. Bock von einer Ohnmacht befallen, sodaß die Verhandlung auf unbestimmte Zeit vertagt werden mußte.

*

Das Friedberger Bombcnattentat.

Gießen, 6. Dezember. (Privat - Te­il e g r a m ni.) Bei außerordentlichem Andrang des Publikums begannen heute vor dem hie­sigen Schwurgericht die Verhandlungen wegen des Friedberger Bombcnattentats vom 20. Juni. Auf der Anklagebank sitzt der 21- jährige Monteur Werner, dessen Komplize Wingers auf der Flucht bekanntlich Seil'!" mord begangen hat. Infolge des großen An­dranges mußte ein Gendarmerie-Auf­gebot zur Aufrechterhaltung der Ordnung im Gerichtssaal herangezogen werden. Der Angeklagte Werner wird kurz vor Bcginu der Verhandlungen von mehreren Beamten hercin- gcsiihrt. Zunächst werden seine Personalien ausgenommen. Die Verhandlung dauert fort. (Siehe auch Artikel: „Das Friedberger Bombenattentat vor Gericht" 'n: Aus der Hei mat.)

Eine Tragödie.

* Brandenburg. 6, Dezember. (Spezial- T e l e g r a ui m.) In der Kreisstadt Belzig hat sich einer der angesehensten Bürger erschos­sen. Man fand ihn tot in seinem Bureau. Uetier die Hrsache der Tat ist noch nichts be­kannt.

Die streikenden Studenten.

* Innsbruck. 6. Dezember. (Svezialte- 1 egramm.) Die Studenten der hiesigen Hni- vcrsitiit beschlossen gester r, sofort in einen Streik zu treten, Werl die Regierung den Dau einer neuen Hniversität nicht fördern will und keinen Betrag hierfür in das Budget ein­gesetzt hat.

*

Sabotage auf einem Kriegsschiff!

* Paris. 6. Dezember. lSpezialkele- g r a m m.) Bei der Abmontierung der Turbi­nen des neuen Panzerschiffes „Voltaire", die bet einer Probefahrt beschädigt worden waren, wurde in dem Dampfheizungsrohr ein großer Meißel gefunden, der sie ganz hätte zerstören können. Es handelt sich um einen neuen Akt von Sabotage.

*

Die Hochflut in Frankreich.

* Paris, 6. Dezember. (Sezial-Tele- g r a m m.) Die Meldungen über die Hebet» schwemmungen lauten fortgesetzt sehr kritisch. Sämtliche Deiche und Dämme der unteren Loire sind durchbrochen, und ungeheure Landstrecken stehen unter Wasser. Der Fluß dehnt sich wie ein See aus. der. stellen­weise 10 Metr tief ist und eine Lange von 200 Kilometer hat. Trotzdem ist der Fluß noch um weitere 80 Zentimetr gestiegen. Bei Angers erfolgte ein neuer Dammbru , wodurch eine ganze Anzahl von Ortschaften unter Wasser gesetzt sind. Der Präfekt hat sofort Truppen nach den vom Unglück betroffenen Orten abgefanbt, um die Bewohner zu ver­proviantieren. In Savoyen erfolgte ein rie- Ver Erdrutsch.

Krupp in Rußland.

* Petersburg, 6. Dezember. (Spezial« Telegramm.) Die Firma Krupp will sich bemühen, in Rußland die Konzession zum Bau einer Fabrik für Panzerplatten und Panzerschiffe zu erlangen. Die deutsch-feind­liche „Noweje Wremja" polemisiert gegen die­ses Projekt, weil sie darin ein neues Vordrin­gen des Deutschtums erblickt.

*

Gestrandete Dampfer.

• Tanger, 6. Dezember. (Privat - Te « legramm.) Gestern nacht strandete tm Sturm der italienische Dampfer „Nord­amerika", etwa 8 Meilen südlich vom Kap Sparte!, und der englische Dampfer „Cairn - t o r r" östlich von Tanger an der Gibraltar­straße. Während die Lage des letzteren Schif­fes ziemlich ungefährlich ist, befindet sich der Dampfer „Nordamerika", der voll beladen ist und Paffagiere an Bord hat, in sehr kritischer Lage wegen des schlechten Wet­ters und der hohen See. Hilfe ist sofort ab­gegangen. Von Gibraltar Tonnte bisher keine Verbindung mit dem Schiffe hergestellt werden.

Geschäftliche Mitteilungen.

— Ferdinand BukerS Kinematographcn (Königstr. 79 und 85, Part, und Bahnhofstt. 15» bringen in dieser Woche ein äußerst reichhal­tiges, erstklassiges Programm in jedem Theater. Die Direktion ist bekanntlich bemüht, dem Pu­blikum nur das Beste zu bieten. Ein Besuch ist daher durchaus zu empfehlen. Die Ein- tritt8breife sind minimal.

Die Firma „Hessisches Korbwarenhaus', Jagerstraße,'bat ein zweites Ladengeschäft in der verkehrsreichen Wilhelmsstraße Nr. 8, ne­ben dem Stadtpark, eröffnet. Auf die viel Sehenswertes bietende Weihnachtsausstellung des Geschäfts sei im Anschluß auf heutige diesbezügliche Anzeige hingewiesen.

ftür Me Redaktion verantwortlich: Chefredakteur Fred .v eiNIan, für den Inseratenteil: F. Weller, Druck und

Deraa von Ferdinand o d> Cave I.