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Casseler Neueste Nachrichten

St. 1 L Jahrgang

Siemens-K onz erns. das

C3

KöhlerReuse&Co

Prima gewaschene Nußkohlen,

WHhelmstraSe LÄ, Fernsprecher Nr. 27 und 28.

Sorgfältigste Bedienung.

Dieser Liebeswerk sieht freilich sehr stark nach einem Konkurrenzmanöver aus, besonders wenn man bedenkt, daß die Dresdner Bank durch ihre Erklärung, daß sie sich dein Com- inunique der Banken nicht anschließen und es nicht decken könne, in Frankfurt a. O. den Schalterschlutz veranlaßt hat. Man ist indesien im Gcschäftsleben nicht an ethische Rücksichten gebunden, und die Konkurrenz nimmt sie ;a auch nicht. Fester wurden von den Bankaktien besonders Deutsche Bank und R a t io - nalbank, dagegen mußten Schaaffhausen etwas nachgeben, weil die erwartete Kapitals­vermehrung bisher noch nicht angekündigt wor­den ist. Russische Bankwerte lagen rn der letzten Woche saft ausschließlich fest. Kursver­luste haben die Elektrizitätswerte zu verzeichnen, die ziemlich gleichmäßig um meh­rere Prozent nachgaben. Die wenig befriedr-

■ Hauptvertrieb = = lii alle Mo taonMota.

Anthrazitkohlen lSJLm und Zentralheizungskoks

betragen Mk. 29.985 (25.969) und auf neue Rechnung werden Mk. 209.944 (210.002) vor­getragen.

* Schwartzkopff-Maschinen. In der am Sonnabend abgehaltenen Generalversamm­lung erklärte die Verwaltung, daß sich seit der Abfassung des Geschäftsberichtes der Bestand an Aufträgen auf 4,7 Millionen Mark gehoben habe und sich voraussichtlich demnächst noch durch einen Auftrag der Eisenbahnverwaltung weiter auf 18,7 Millionen Mark erhöhen dürfte. Die Gesellschaft hafte in der ersten Jahreshälfte zwei schwere vierzylindrige Heiß- dampf-Schnellzugslokomotiven für die preußi­sche Staatsbahn geliefert, deren eine in den letzten drei Mongten eingehenden Versuchs­fahrten unterworfen wurde. Demnächst sollen einige dieser Lokomottven auf 800 Kilometer Fahrt ohne Zwischenpunkt mit 95 Km. Stun- den-Grundgeschwindigkeit eingestellt werden. Es schweben Verhandlungen über Lieferung von über zehn weiteren Maschinen. Dadurch würde der Bestand an Aufträgen auf 19,7 Millionen Mark erhöht. Der Umsatzausfall durch den Streik soll durch starke Beschäfti- gung in der Kriegsmaterial- und Setzmaschi- ncnabteilung ausgeglichen werden. Wenn nicht besondere Ereignisse eintreten, soll wie­der ein befriedigendes Ergebnis in Aussicht gestellt werden. Die Dividende beträgt 14 Prozent.

* Anlockung der Depositen. Vor etwa vier Jahren geriet der Gründungskonzern der Bankfirma Carl Neuburger in Berlin, der sich keines besonderen Rufes erfreute, ins Wan­ken. Eine der ihm verbundenen Gesellschaften nach der anderen fiel ab und ging in andere Hände über. Seitdem aber hat die Bank- sirma versucht, sich für den Entgang des Ber­liner Geschäftes Ersatz in der Provinz zu suchen. Sie hat sich eine immer wachsende Zahl von Depositenkassen in den kleinen und klein­sten Provinzstädten angegliedert. Gegenwär­tig verfügt sie über 3ä solcher Zweignieder­lassungen, die teilweise in Orten liegen, die wie Driesen, Falkenburg und Gollnow als Mörser zu bezeichnen sind. In allen diesen Orten aber sucht die Firma Depositen an sich zu ziehen und empfiehlt sich zur Annahme von Spargeldern gegen nicht geringe Verzinsung. Die kleinen Leute in der Provinz, die an ihrem Orte keine andere Sparkasse haben, können nicht im geringsten kontrollieren, wohin ihre Gelder geben, und aus welche Weise sie Anlage finden. Sie lesen auch keine Zeitungen, in denen sie sich über die Geschäfte ihrer Firmg unterrichten könnten oder deren Bilanz ein» sehen können, von der sie freilich auch nichts verstehen werden. Durch die Verteilung der Niederlassungen auf so viele Plätze ist vollends auch der Kritik jede Uebersicht über Herkunft und Zukunft dieser Spargelder benommen. Die zahlreichen Gründungsgeschäfte lassen es allerdings glaubhaft erscheinen, daß sie nicht immer so angelegt werden, daß sie jeden Augenblick flüssig gemacht werden können.

te Heimst.

Set Mutter wegen in den Tod.

(Von itnfercm Wiesbadener Korrespondenten.) Eine erschütternde Tragödie der Kin­desliebe hat hier einen blutigen Ab­schluß gefunden. Vor der Kaserne des 80. Infanterie-Regiments fand man an einem der letzten Abende den sechszehnjährigen Gymna­siasten Walter Henkell, den Sohn einer hiesigen angesehenen Familie, als Leiche auf, und die ärztliche Untersuchung ergab, daß sich der junge Mann e r s cho s s e n hatte.

In hinterlassenen Aufzeichnungen und Briefen des Toten ,anden sich Anhaltspunkte, die die tragische Ursache dieses Selbstmordes entschleiern. Die Eltern Henkells lebten seit längerer Zeit getrennt voneinander und be­trieben beiderseits die Ehescheidung. Der sechzehnjährige Sohn war bei der Mutter ge­blieben, an der er mit hingebender Liebe hing. Dieser Tage wurde nun in dem Eheschei- dungsprozeß das Urteil gefällt, das die Ehe der Eltern trennte und den Sohn, das einzige Kind der wenig glücklichen Ehe, dem Vater zusprach. Der Sechzehnjährige, der in Wies­baden das Gymnasium besuchte und als vor­züglicher Schüler galt, wollte sich aber nicht von seiner Mutter trennen und sträubte sich mit allen Kräften gegen die Geltendmachung der väterlichen Ansprüche. Als nun dieser Tage der Sohn dem Vater auf Verlangen zwangsweise zugeführt werden sollte, verließ er das Laus der Mutter und war seitdem nicht mehr gesehen, bis man an einem der letzten Tage seine Leiche fand. Der Un­glückliche, der die Trennung von seiner ge­liebten Mutter nicht überwinden zu können glaubte, hatte sich einen Revolver gekauft und in einem Moment der Verzweiflung seinem Leben ein Ziel gesetzt. DaS ttagische Geschick des jungen ManneS, dem von seinen Lehrern und Mftschülern das beste Zeugnis ausgestellt wird, erweckt hier allgemeine Tellnahme, und die Tragödie des Kindes, das als Opfer der unglücklichen Ehe der Eltern-frei- willig auS dem Leben schied, bildet da- Ta- gcSgespräch.

rere Prozent nachgaben, gcnden Abschlüsse des S Unterbleiben der Kapitalserhohung bei Schnl- kert, sowie die Reaktion auf die KurSuber- treibungen sind die Urfachen dafür. Am Kas­samarkte fiel besonders die andauernde Auf­wärtsbewegung der Tiefbohraktien und der Leld-Francke-Äktten auf, für die in der ge­schäftlichen Entwicklung der Unternehmungen die Erklärung gegeben ist. Im übrigen brachte die verflossene Woche keinerlei aufregende Mo­mente und zum Wochenschluß war sogar eine gewisse Abflauung des Geschäfts zu bemerken.

ßoncordia.

(Von unserem B ö r s e n - Mitarbeiter.)

Die Bergbaugesellschast Concordia ist seit einiger Zeit wieder einmal die meistge­nannte industrielle Gesellschaft an der Berli­ner Börse. Ihre Aktien steigen und fallen von Tag zu Tag, und innerhalb eines Börsentages verzeichnen die Kurse im steten Verkehr noch Sprünge, wie sie selbst bei den beliebtesten Ul- timopapiercn nicht vorkommen. Als Grund und als Folge werden allerlei Gerüchte über Verschmelzungen der Gesellschaft angegeben, die zum Teil schon seit Jahren wiederholt werden. t.

Die Verwaltung sieht diesem ganzen Treiben der Börsenspekulation tatenlos zu, unterstützt die Beunruhigung ihrer ernsthaften Aktionäre eher noch dadurch, daß sie ofnzrell erklärt hat, es schwebten Verkaufsverhandlun­gen der Zeche. Am Sonnabend ftat plötzlich an der Börse eine neue Version auf. Als Rcflettant auf die Zeche wurden die Eisen­werke Rümelingen-St. Ingbert genannt. Mit welchem Grunde ist nicht recht ersichtlich. Don einer Seite wurde aber sogar schon das Um« tauschverhältnis der neuen Aktien genannt.

Handelszeitung.

Sie letzte Börfeuwoche.

(Bon unserem Börsen-Mitarbeiter.)

Die Erleichterung, die am internationalen Geldmartte jetzt wider Erwarten so deutlich zutage getreten ist, Hai ihre Wirkungen auf die Börse nicht verfehlt. Sie brachte ihr einige neue Geschäftstätigkeit, die diesen Namen jedoch nur im Vergleich mit der vor­hergehenden stillen Woche verdient, denn wenn eine Parallele etwa zu der gleichen Zeit des Vorjahres gezogen werden soll, so ist der Börsenverkehr auch heute noch sehr still zu nennen. Dem Einfluß der besseren Geldflüssig- keit stand einigermaßen die weniger bestiedi- gende Lage der amerikanischen Eisenindusttie im Wege, wie sie sich aus den Berichten der Fachblätter ergab. Man hat jenseits des Ozeans die Hoffnung auf eine Belebung vor dem Frühjahr letzt aufgegeben und auch die Bestellungen der Eisenbahnen sind nicht so großartig ausgefallen, wie sie angekündigl und von der Börse erwartet wurden. Ohne die amerikanischen Anregungen kann aber auch die deutsche Montanindustrie nicht recht vor­wärts kommen.

Montanaktien hielten sich in der letzten Woche noch recht gut, doch spielte sich das Ge­schäft fast ausschließlich in Phönix-Aktien und in Deutsch-Luxemburgern ab. Nur hin und wieder wurden auch einmal Rombacher oder Gelsenkirchener in den Vor­dergrund gerückt. Die Kursveränderungen sind nur minimal. Mehr Interesse als sonst begegneten die Werte der deutschen und russi­schen Banken. Der Zusammenbruch der Ver­einsbank in Frankfurt a. O., der im Anfang der Woche offiziell geworden ist, tangierte die Werte der anderen Institute nur wenig, und vorläufig herrscht noch keine Klärung darüber, ob ein größerer Schaden für die interessierten Geschäftsfreunde entsteht und wer diesen Schaden zu tragen haben wird. Es besteht jedoch große Aussicht, daß sogar ein TeU des Aktienkapitals gerettet werden kann. Die Dresdner Bank wird in Frankfurt a. O. eine Zweigniederlassung errichten; bisher war nur die Darmstädter Bank dort ansässig. Die Dresdner Bank hatte die weitesten Beziehun­gen zu dem notleidend gewordenen Institut und sie errichtet ihre Filiale in der ausgespro­chenen Absicht, den zahlreichen Schuldnern der Vereinsbank zu helfen, denen durch den Zu­sammenbruch der Kredit abgeschnitten wor­den ist.

Und zwar soll Rümelingen die Concordia aufnehmen. DaS kann naturgemäß nur der Form nach richftg fein. Denn in Wahrheit würde iu diesem Falle nicht Concordia von einer Hütte gekauft werden, sondern sich selbst eine Hütte angliedern. Den Verwaltungsmit­gliedern der Concordia ist ohne weiteres zn- gutrauen, daß sie auch vor diesem Mittel, Geld zu verdienen, nicht zurückschrecken werden. Die Eisenwerke Rümelingen-St. Ingbert, oder wie fie richtiger heißen, Hanis Fourneaux et AcierieS de Rümelange-Saint-Jngbert, sind aus der Vereinigung der Rümelinger Hochofengesellschast in Luxemburg, einem belgischen Unternehmen, mit dem deutschen Eisenwerk Kraemer in St. Ingbert in der Pfalz entstanden. In letzterem Orte liegen die Stahlwerke. Das Kapital der Gesellschaft beträgt 7% Mill. Fr., ist also bei weitem nicht so hoch, wie das der Concordia, das sich auf 10,25 Millionen Mark beläuft.

Die Sötten werden nur an der Börse von Brüssel notiert, wo sich ihr Kurs für die Aktie zu 500 Fr. nominal auf etwa über 2000 Franken stellt. Bei einem Umtausch von zwei neuen Rümelinger Aktien gegen eine Concor­dia-Aktie würde ungefähr der Kurs der letz­teren herauskommen, der jetzt an der Berliner Börse nach den heftigen Schwankungen der letzten Tage notiert wird. Die Spekulation ist augenblicklich um jedes ernsthafte Obiekt ihrer Betätigung fo verlegen, daß sie zu den verbrauchtesten und phantastischsten Proiekten greift, um Geschäfte zu machen. Das ist schließlich ihr gutes Recht. Die Pflicht der Concordia-Verwaltung ist es aber ebenso , gut, diese Manipulationen nicht mit wohlgefälligem Lächeln und gar hilfreicher Zunge zu unter­stützen.

• Die Getreidemärkte. (Wochenbericht.) Zum Wochenschluß lassen die Getreide­märkte eine merklich fc ft cr e Stim- mung erkennen. Diese Befestigung verdankt die Markthalle aber weniger den günstigen aus­ländischen Ernteberichten, als vielmehr einem in den beiden letzten Togen zutage treten­den Deckungsbedürfnis. Die zur Anbietung an den Markt gebrachte Tezemberware wurde nämlich als nicht genügend befunden, was einen Teil der Spekulation zu größeren Dek- kungen veranlaßte. Auch in den Vereinigten Staaten sind in den letzten Tagen die Eetrei- depreise wieder gestiegen, und diese Preiser­höhung hat auf die Haltung der europäischen Märkte zurückgewirkt. Roggen lag etwas we­niger fest als Weizen, trägt aber immerhin nach eine Preisavance als Resultat der Woche davon. Besonders war Dezemberware auf den hohen Report bin aesncht. Haier lag vernachlässigr, ebenso wie Mais. Rüböl hatte ein schwankendes Gesck'üst, doch war dir vor­herrschende Tendenz matt.

* Die Situation cm Metallmarkt. (Be­richt unseres Korrespondenten.) Das Geschäft am Kupfermarkte ist wieder ein» geschlafen. Maegen setzte sich dio Aufwärts- bewegunq der Z inn p r e is e weiter fort. Tie letzte Notierung lautet 172 £ und ist damit ge­gen den Schluß der Vorwoche um 3 £ höher Der Zinnmarkt ist jetzt fast ganz unter die Kontrolle zweier Firmen geraten, die ihre Stellung dazu ausnützen, die Preise tunlichst auf der Höhe zw erhalten. Die übrigen Me­talle zeigen gegenüber der Vorwoche keinerlei Veränderungen.

» Schrammsche Lack- und Farbenfabriken norm. Christoph Schramm und ©dirami* & tnbrner, Akt.-Ges., Offenbach am Main. Wie verlautet, hat der Aufsichtsrat der Gesellschaft, deren Aktien im Januar d. I. an der F r a n k - furter Börse eingefübrt wurden, beschlossen, für das am 31. Oktober d. I. abgelansene Ge­schäftsjahr eine Dividende von 18 p Ct. vorznschlaaen, gegen 15 pEt. im Vorjahr.

* I. Elsbach & Co., A.-G.. in Herford, -nie Generalverfammlung setzte die sofort zahl­bare Dividende pro 1909/10 auf 10 Pro­zent fest. Die aus dem Aufsichtsrat ausschei­denden Herren Stadtrat Ballin (Ganders­heims und Bankdirektor Dr. Endemann (Han­nover) wurden wiedergewählt.

• Akt.-G. für Schmirgel- und Maschincn- fabrikation, Frankfurt a. M.-Bockrnheim. Die Gesellschaft gibt bekannt, daß die dieser Tage stattgehabte außerordentliche Generalversamm­lung die Liguidation beschlossen hat und daß sich der Aufsichtsrat aus den Herren Pri- vatier Albert Wiesbaden, Ingenieur Paul Schubert und Kaufmann Wilhelm Ehrcnseld, sämtlich in Frankfurt a. M., zusammensetzt.

* Zeichen der Zeit. Wie ein Tele­gramm aus Newyork meldet, waren im Monate November in den Vererngten Staaten 140 Konkurse mehr als im gleichen Monat des Vorjahres zu verzeichnen. Tue Passiven belaufen sich auf 11,500.000 Dollar, rund 1,500.000 Dollar mehr als im Jahre vorher. Insgesamt gelangten un Monat November 1003 Konkurse zur Anmeldung.

* Eisenbahn-Bank Frankfurt a. M. (T ele- gramm). Die Bank erzielte tm letzten Ge­schäftsjahre einschließlich Mk. 210.002 (206.121). Dortrag einen Reingewinn von Mark 620.452 (595.439), woraus er eine D ivldende von 7 Prozent (l. V. 6'X Proz.) gletA ®arl 980 000 (260.000) verteilt werden soll. Die Re­serve erhält Mk. 20.522 (19.465), die Disagio- Reserve Mk. 89.000 (wie t. V.), die Tantiemen

__________Dienstag, ». Dezember 1910.

• Oberkaufungen, 4. Dezember. (Der Nachfolger de» Superintenden­ten.) Wie verlautet, ist al- Nachfolger des verstorbenen Superintendenten Schüler der Pfarrer Armbrötzerin Wehlheiden in Aus­sicht genommen.

• Hannoversch - Münden, 4. Dezember. (Vom Aktuar jum Finanzdirektor.) Wie die „Deutsch-Ostafrikanische Rundschau' vom 12. November diese» Jahre» meldet, ist ein früherer Einwohner unserer Stadt, der ehemals beim Mündener Amtsgericht beschäf­tigte Aktuar Dahlgrün, kürzlich zum Fi- nanzdirektor des Gouvernement» in Ostafrika (Daressalaam) ernannt worden. Herr Dahl- grün hat also eine vorzüglich« Karriere gc- macht.

* Eschwege, 4. Dezember. (Bon der Edertalsperre.) Infolge des so außer­gewöhnlich frühzeitig eingttretenen Frostwet­ters (das Thermometer sank bi» auf 6 Grad unter Null) haben die Maurerarbeiten an der großen Sperrmauer bis auf geringes einge­stellt werden müssen. Diejenigen Arbeiter in­dessen, welche an den Maurerarbeiten keine Beschäftigung mehr finden, werden dann in den Steinbrüchen Verwendung finden. Ein neuer Steinbruch soll unweit des Sperrgebiets in der Näüe des Dorfes Brinahausen angelegt werden. Auch soll eine Kleinbahn von diesem Steinbruche zur Baustelle gelegt werden, um die gebrochenen Steine an den Ort der Ver­wendung zu bringen. So wird eS auch wäh­rend des ganzen Winters an Arbeit für die zahlreichen Leute nicht fehlen.

♦ Witzenhausen. 4. Dezember. (Bessere Zeiten in der Tabakindustrie.) Vom Stand der Tabakindustrie ist, laut „Kreis- blatt", die günstige Nachricht au» hiesiger Ge­gend zu berichten, daß die Krist» darin voll­ständig überwunden ist und in allen Fabriken Arbeit im Ueberfluß vorhanden ist. Wenn die Krisis, die durch die neuen Steuern hervorge- rufen wurde, auch schwer auf den Zigarren­arbeitern in hiesiger Stadt und dadurch auch wieder auf den Gewerbetreibenden lastete, so ist der jetzige Aufschwung doch so stark, daß ein Ausgleich von ihm zu erhoffen ist. Hof­fentlich hält die jetzt zur Weihnachtszeit erklär­liche Besserung auch im Frühjahr an.

♦ Fritzlar. 4. Dezember. (Die land- wirtschaftliche Winterfchule.) Der hiesigen landwirtschaftlichen Winterschule ge­hören in diesem Winter 36 Schüler an. Don diesen besuchen 17 die Anstalt zum zweiten, 19 zum ersten Male. 23 Schüler stammen aus b»m Kreise Fridlar, 13 aus anderen Kreisen. An dem Kursus de» vorigen Winter» nah­men 35 Schüler teil.

* Fulda, 4. Dezember. (Di« Solida­rität der Mieter.) Kürzlich ist hier ein Mieterverein gegründet worden. Der Verein will keine Kampf-Organisation gegen di« Hausbesitzer sein, sondern er will mif dem schon bestehenden Grund- und Hausbesitzer, verein Hand in Hand arbeiten, soweit es im Interesse der Mieter liegt. Es wird ein mo­natlicher Beitrag von nur 10 Pfennig erhoben, jedenfalls um recht viele Mitglieder zu erhal­ten.

* Marburg, 4. Dezember. (Ein Rat- hansbeamter als Einbrecher.) Mit Hilfe eines Casseler Kriminalisten wurde ermittelt, daß der Einbruch ins hiesige Rat- haus, der vor einigen Tagen verübt worden ist, dem Vureaugehilfen im Armenamt, Hch. Becker, zur Last fällt. Becker bat eingestan- den, nicht nur den jetzigen EinbruchSdiebstahl, sondern auch frühere Diebstähle auf berf(Siebe­nen Bureaus begangen zu haben. Die ganze Beamtenschaft atmet wie von einem Albdruck befreit auf, daß der Dieb endlich entdeckt ist.

* Frankfurt a. M., 5. Dezember. (Ober, landesgerichtspräsident von Ha­gens.) Dem mit dem 1. Dezember nach 54- jähriger Amtstätigkeit aus dem Dienst geschie­denen Oberlandesgerichtspräsidenten Dr. Ha- gens ist der erbliche Adel verliehen wor­den. Dr. von HagenS ist Mitglied de» Her­renhauses und KronsyndikuS. Ein Sohn des Wirklichen Geh. Rats und bisherigen Ober- landesgerichtspräsidenlen ist Landrichter in Cassel.

* Wiesbaden, 4. Dezember. (Ein Fa» brikbesitzer zu GefSugni»straf« verurteilt.) Von der Strafkammer in Wiesbaden wurde der Fabrftbesitzer Wilhelm D i s ch m a n n aus Kelkheim wegen fahr­lässiger Tötung zu einem Monat Gefängnis verutteilt. In der dem Angeklagten gehören­den Holzbearbeitungsfabrik Kelkheim war am 21. Mai der 15 Jahre alte Laufjunge Jakob Mollath in einem Keller von einer Trans­mission erfaßt und derart verletzt worden, daß er bald darauf starb. Die Schuld an dem Un­fall wurde dem Angeklagten zur Last gelegt, weil er im Widerspruch mit den behördlichen Vorschriften die Transmission nicht mit einem Schutzgitter versehen hatte.

* Niederlahnstein, 4. Dezember. (Dom Liebhaber getötet.) Ein hiesiger Ar­beiter namens Hellmann stellte der Frau eines anderen nach. Ta die Frau seine An­träge aber zurückwies, tötete er sie in einem Anfall von wütendster Eifersucht durch zwei Revolverschüsse. Der Täter wurde verhaftet.