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Dienstag, I. Dezember 1910.

Casseler Neueste Rayna,,en

Ein

.DaS ist Karriere

tierbaiitc.

Aus grauer Vorzeit.

Dis Zagd der Akten, überraschendes Licht auf di» Jagd<

Sm Neueste aus Saffet

Bar'm Schwurgericht.

* Heute morgen begann im großen Vcr- handlungssaal des Justizpalastcs die vierte und letzte diesjährige to d) to u r 0 e - richtspcriode des Lanbgerichtsbe- zirks Cassel. Die diesmalige Sitzungs- periodc wird nur von kurzer Dauer sein, denn cs sind bis jetzt nur vier Anklagesachen dem Schwurgericht zur Verhandlung und Aburtei­lung überwiesen worden. Der Andrang de» Publikums zu der heutigen Eröffnungssitzung des Schwurgerichtes ist diesmal nicht so stark Ivie sonst. Die Zuhörerbänke sind schwach be- setzt, weil die Herren Kriminalstudcnten aus- geblieben sind.

Die heutige erste Sitzung begann mit Rücksicht auf die erst mit den Morgenzugcn von außerhalb eingetrosseuen auswärtigen Geschworenen, Zeugen und Sachverständigen um 1410 Uhr, während die Sitzungen an den nächsten Verbandlungstagen schon um 9% Uhr ihren Anfang nehmen. Der zum Präsidenten des Schwurgerichts ernannte Landgerichtsrat von Klocke begrüßt bei Beginn der Sibungs- periode die Herrn Geschworenen im Namen des Gerichtshofes. ...

Bor den Schranken iteht das Dlcnitmad- chen Elisabeth Vogel aus Lohre Kreis Melsungen, unter der Anklage des wissent­lichen Meineids. Der Gerichtshof begebt außer dem Vorsitzenden aus den Herren Landgerichtsrat Dr. Qui < eien und Land­gerichtsrat Sti Titeln. Die öffentliche An­klage vertritt Staatsanwalt C l a a ß e n, die 3ur Erhärtung der Anklage sind eine große Anzahl Zeugen geladen und erschienen Anr werden über den Verlauf der Verhandlung Verteidigung führt Rechtsanwalt Dr. Hohn, noch ausführlich berichten.

X Der verhaftete Mäbchcnhänblcr. Jn- s«;ge der Ailfmerksanikeit von Helferinnen der Bahnhofsmission gelang es hier, einem Mäd­chenhändler sein schändliches Gewerbe zu legen. Ein hier angekommenes, Stellung suchendes junges polnisches Mädchen, saß im Wartesaal dritter Klaffe, wo ihm von der telephonisch herbeigerusenen Vermittlerin erössnet wurde, daß sie auf dem Lande keine Stellung erhalten könne, da das preußische Gesetz besage, daß bis zum 20. Dezember alle russischen Polen in die Heimat zurückkehren mutzten. Plötzlich trat ein Mann an das Mädchen heran mit der Ausforderung, mit ihm nach Dortmund zu fahren. Der Name Dorlnmnd wurde zufällig von einer Helferin gehört und kam dieser verdäch­tig vor, so daß sie schnell einen Schutzmann herbeirief, dem gelang, den Mann aus dem schon fahrenden Zuge heraus zu verhaften. Das Mädchen wurde in seine Heimat zurückbe- sördert.

)( Ein ungetreuer Geselle. Ein junger Mensch von kaum 20 Jahren, welcher m einem Fleischergeschäft vor dem Leipziger -i.ore seit einiger Zeit in Stellung war, _ hat das ihm entgegengebrachte Vertrauen des Arbeitgebern auf schnöde Weise mißbraucht. Der Geselle hatte bestellte Fleischwaren zu Kunden zu bringen und war zugleich beaustragt, d.e schul-

Futeressante Erinnerungen.

Bismarck in Uniform.

Von einem alten Offizier wird uns die Gefchichte des Avancements Bismarcks zum Premierlcutnant erzählt, die sich in folgender humorvoller Form zutrug: Bismarck war da­mals Preußischer Bundestagsgcsandter und hatte immer noch den hohen Rang eines Se- konde-Leutnants in dem zur Magdeburger Bri­gade gehörenden schweren Landwehr-Rener- Regiment inne. Bismarck hatte damals sehr viel mit seiner diplomatischen Tätigkeit zu tun und konnte sich dem militärischen Dienste nicht so recht widmen. Trotzdem er damals mehrfach scherzhafter Weife erwähnte, daß ihn leider nicht genug Zeit bleibe, als »Sommer- Leutnant" vor seinem Zuge zu reiten, wollte er doch geni, daß er zum Premier-Leurnant befördert werde. Er schrieb aus diesem Grunde an den Brigade-Adjutanten Freiherrn v., G sein Avancement zum Premier-Leut­nant troy alledem in Anregung zu bringen. Er erhielt daraushin die Antwort, daß er sich zu diesem Zwecke einer Hebung unterziehen müsse, da sonst sein Avancement ausgeschlossen erscheine.

der Klinik war mit den Bedingungen ein­verstanden, ersuchte die Oberin aber um ihr Bild, damit er sich davon überzeuge, ob ihr Aeußcres auch sympathisch und vertrauen- cinflößend sei. Aber statt der gewünschten Photographie bekam er eine Bitte um Anstel­lung, noch ehe er sich vom Aussehen seiner Angestellten überzeugt habe, da sie furchte, daß sie die Stellung dann nicht mehr bekommen könnte. In dem Briese heißt cs: »Ich bin nämlich schön, und habe unter dem entsetz­lichen Vorurteil zu leiden, das man schönen Frauen überall entgegenbrlngt. Als ich mich dem Berufe der Krankenschwester wid­men wollte, wurde mir von allen Seiten ge­sagt: Weshalb wollen Sie Schwester werden, Sie sind doch so schön, und werden cs gewiß nicht lange aushaltcn. Die Erfahrung hat in­dessen gelehrt, daß diejenigen Unrecht hatten, die in meiner Schönheit schon die Gewähr sür Untüchtigkeit und andere Mängel erblick­ten " Die Dame erhielt auch wirklich die Stelle und ihre Tätigkeit bewies auch, daß das Borurtefl gegen ihre Schönheit tatsächlich unberechtigt war.

* WaS der Panamakanal bis heute kostet. Rach einem soeben in Washington aus- gegebencn Bericht find, wie uns telegra- phiert wird, für den Bau dcS Panamakanals bis zum 30. September dieses Jahres fol- gende Summen ausgegeben worden: Auf den atlantischen Teil entsallen 25 751 484 D.; der Mittelteil kostet 60 807 775 D., wovon die trotzte Summe, über 58 Millionen D. auf frabungen, vor allem auf den sehr schwieri- gen Durchschnitt von Elebra, entfallt. Auf den pazifischen Teil kommen bann 3 347183 D. für Grabungen, Grundmauern usw. Insgesamt ist bisher die stattliche Summe von 103 005 160 D. für den Bau verausgabt worden, wobei di« Losten für die Sanierung, für Hospitäler und .Zivilverwaltung nickt be­rechnet find. t

GDort rmd Spiel.

Die Rad-Mcistcrschast des Winters. < Die Meisterschaft des Winters wurde (einem < Privat-Telegramm zufolge) am gestri- j gen Sonntag im Pariser Wintervelodrom - zum Abschluß gebracht und zeitigte in den letzten Läusen noch einige Ueberraschungen. , So unterlag Friol gegen Honrlier und Verri, die ihn einschlossen. Friol rehabilitierte sich - aber bald, da er im letzten Laus Ellegaard und Dupre sicher abfertigte, nachdem er vor­her Dörfslingcr und Lomes geschlagen hatte. Das Klassement ergab für Friol und Ellegaard die gleiche Zahl von 11 Punkten, doch wurde Friol, der öfters als Ellegaard als Erster eingekommen war, zum Sieger erklärt. Das 50 Kilometer-Rennen hinter Motoren gewann Lavallade nach scharfem Kampf in 44 Minuten 4 zwei Fünftel Sekunden gegen Guignard, der nur 15 Meter zurückblieb. Auch Seres besetzte mit nur 90 Metern Abstand den dritten Platz, während Charpiot zehn Runden zurück endete.

* Die gestrigen Berliner Fussballspiele. Die Berliner Fußballspiele um die Verbands- meisterschast nahmen am gestrigen Sonntag den erwarteten Ausgang, wenn auch Viktoria nur sehr knapp mit 1:0 (0:0) gegen Alemannia siegen konnte. Die empfindliche Niederlage von 0:5 (0:1) erlitt der Berliner BallkpieMiib durch Preußen, während Hertha mit 4:0 (3:0) über Minerva triumphierte. Der der zweiten Klasse angehörende F. Corso weihte seinen neuen Sportplatz mit einem Spiel gegen die erstklassige Tennis-Borussia ein und unterlag mit 4:1 (2:1). Ein spannendes Spiel liefer­ten sich auf dem Union-Sportplatz die Berliner Union und die aus Hamburg herübergekom­mene Viktoria. Beide Mannschaften lieferten sich in der ersten Hälfte ein flottes offenes Spiel, das bis zur Pause resultatlos verlief. Auch nach Halbzeit ging der Kampf mtenb schieden hin und her. Ein Elfmeter Ball für Hamburg wurde von dem Berliner Torwäch­ter gehalten. Dann machte sich eine Uebcr- legcnheit der Hamburger geltend, die in der 25. Minute aus dem Gedränge heraus zu dem ersten Tor und 8 Minuten vor Schluß zu dem zweiten Goal kamen. Da Union leer aus­ging, konnten die Hamburger mit 2:0 als Sie­ger das Spielfeld verlassen. Der Berliner Sportklub war am gestrigen Sonntag In Leipzig und unterlag (einem Privat - Te legramm zufolge) gegen den dortigen Ball­spielklub mit 7:2.

* Eine Sport-Union in Sicht? Eine Ver­ständigung zwischen den beiden großen rad- sportlichen Korporationen, der Union Cy- cliste Internationale und dem Ver­band Deutscher Radrennbahnen scheint neuerdings wieder angebahnt werden zu sollen. Wie der PariserL'Auto" meldet, werden sich die Herren Eollignon und Rov als Delegiert der Union Cicliste Internatio­nale nach Deutschland begeben, um dort mit Direktor Knorr und Böckling, den Vorsitzenden des V. D. R. und des D. R. B., über eine Lö­sung des Konflikts zu beraten.

* Der Automobil-Salon 1910. Der Pari­ser Autornbil-Salon. her. wie alljährlich, durch den Präsidenten Falliärcs am letzten Sonn­abend feierlichst eröffnet wurde, bringt in die­sem Jahre eine seltene Fülle von Ausstellungs­gegenständen und ist seit Bestehen des Salons die b e ft beschickte Antapwbil-Busstellung. Besonders stark ist auch die 0 e u t s ch e Auto­mobil-Industrie vertreten, von denen die Firmen Benz, Opel und Mercedes die größ­ten Stände eingenommen haben.

* Die Eishockey-Meisterschaft. Der Kamp um die Berliner Eishockey-Meisterschaft wird am morgigen Dienstag abcnd im Berliner Eispalast fortgesetzt, und zwar spielt der F. C. .Preußen" gegen den Berliner Eislauf- vcrein 1886. Das zweite Vorrundenspiel ge­wann der Charlottenburger Sportklub mit 6:0, überlegen gegen den Berliner Hockey-Club. Für die Eishockey-Meisterschaft von Europa, die ebenfalls in Vertin unter Leitung des Berliner Schlittschuhklub ausge­tragen wird, ist als Termin die Zeit vom 15. bis 17. Februar in Aussicht genommen wor­den. Aus diesem Anlaß sindet gleichzeitig ein großes internationales Kunstlauf - Meeting statt.

Um denBox-Meister von Europa". Ein Telegramm meldet uns: Der schwarze : Boxwe Itmeiftcr Bobby D 0 bbs, der fei- men Titel am Freitag ersolqreick gegen den ^amerikanischen Champion Dick Green beriet- bigte, wird in Kürze zwei weitere bedeutende Kämpfe ausfechten, und zwar zunächst gegen den französischen Ringkämpfer L a s s a r - tesse, der sich bei diesem Match sowohl des Ringens tote des Borens bedienen darf. Sporttich bedeutender ist der darauf stattfin- : dende Kampf mit dem dänischen Meister : Hansen. Der Sieger erhält den Titel Meister von Europa. Beide Kämpfer V haben sich verpflichtet, im Falle eines Sieges de» Titel gegen jeden anerkannt erstklassigen : Boxer zu verteidigen.

* Deutschlands erfolgreichster Steepler. Dcr ; erfolgreichste Steepler Deutschlands > ist der lliäbrige Stormy Ocean, der in : der verflossenen Saison für das Gestüt Gür- , zcnich immer noch 8430 Mark gewann. Die Ge , samtgewinnsumme dieses Veteranen unter den Steeplern beträgt 153.025 Mk. und wurde in 8 Saisons zusammengaloppiert. Sein bestes Jahr hatte der Dcean Wave-Sohn im Jahre 1907, wo er 45.990 Mk. gewann, in dieser Saison mußte er feit seinem Halbsiege im Alten

Srür ble Redaktion verantwortlich: Chefredakteur Frc» Selman, für den Inseratenteil: F. Weller, Truck uni 1 Verlag von Ferdinand Koch, Läget.

):) Jugend-Konzert im Stadtparksaale. Das neue Jugendkonzeri ist auf Sonntag, den 11. Dezember, nachmittags 3% Uhr, im großen Stadtparksaale angesetzt worden. Ihre gütige Mitwirkung haben zugesagt: Frau Dahlke- Kappes, Berlin, Konzertsängerin (Sopran), Herr Riebeling, Cassel, (Violine), Herr Steinbach, Cassel (Begleitung) und der Casseler Lieder-Verein, I Dirigent Herr Lehrer F. Hoffmann. Vortragssol- gen (als Eintrittskarten gültig) zu 25 Psg., 50 Psg. und 1 Mark sind in den Freyschmidt- scheu Buchhandlung erhältlich. Sämtliche Plätze sollen numeriert werden.

weise der prähistorischen Menschen werfen eine Anzahl Wildfanggruben, die der Schwei­zer Archäologe O. Hauser bei Laugerie haute entdeckt hat. Die Bedeutung dieses neuen Fun­des erörtert Dr. L. Reinhardt in der »Um­schau". Auf einem nach allen Seiten hin steil abfallenden Hochplateau wurden eine Un­menge von Wildpferd- und Büffelknochen ge­funden, aus Denen man schließen kann, daß dieses Plateau während der zweiten Halste der letzten Zwischeueiszeit außerordentlich wildrcich gewesen sein mutz. Um seinen Durst zu löschen, mußte das Wild zur Tränke, die sich ihm in dem trockenen Kreidckalkgebict nur an dem tiefer gelegenen V6ztzre-Fluß dar­bot. Von den beiden Abstiegen, die allein zunl Wasser führten, war der eine durch die Lager- platze der Menschen besetzt; das Wild mutzte daher den anderen Abstieg einschlagen, der weiter talaufwärts bei Laugerie baute zu dem ziemlich breiten Fluß führte. Es ist daher begreiflich, daß die Bewohner der Niederung von Laugerie haute auf den Gedanken kamen, diefe Durchgangsstelle für das durstige Wild seitlich durch niedergeworsene Baumstämme zu versperren und an der freigelassenen Pas­sage zwei Reihen von Fanggruben anzubrin­gen. Selbst wenn die Tiere die eine Reihe glücklich passierten, mußten sie mit Sicherheit in die zweite sollen. So entstanden die 21 entdeckten Wildfanggruben, deren Anlage für die primitiven Jäger mit einer gewaltigen Ar­beitsleistung verbunden war. Mußten doch jene nur mit Waffen aus Stein und Horn ausgerüsteten Menschen die Gruben in den harten Kalkstein mühselig durch Klopsen mit Feuerstein-Knauern eingraben. Trotz der star­ken Verwitterung weisen die Gruben noch heute eine Tiese von durchschnittlich 1,6 Metern bei einem Durchmesser von 2,3 Metern und einem untersten Durchmesser von 0,6 Metern auf. In diesen Vertiefungen, die bei ihrer Entdeckung ganz mit vom Regen herabge- schwemmter Erde gefüllt waren, sand man allerlei einst von den Jägern verlorene und wcggeworsene Feuersteingeräte, deren Technik mit Sicherheit auf die Solutr^en-Zeit schlic- - tzen läßt, so daß diese Fanggruben der vor­geschichtlichen Jäger auf ein Alter von wenig­stens 100 000 Jahren Anspruch machen dürfen.

Bismarck erwiderte darauf, »daß er zum Heben keine Zeit habe, doch aber Premier- Leutnant werden möchte, Herr v. G. sei ja im Regiment als ein so vorzüglicher Kenner aller dahingehendenBestimmungen und als eut so großerTinten-Spion* * bekannt, daß cs ihm schon gelingen werde, eine Bestimmung her- auszutüstcln, wonach auch ohne Hebung ein Avancement erfolgen könne". Diese etwas burschikose Antwort BiSmarcks hatte tatsächlich Erfolg. Es wurde eine alte Kabinettsorder nach langem Suchen gefunden, wonach solche Landwehrofiiziere, deren bürgerliche Stellung in einem Mißverhältnis zu ihrem militari- scheu Rang steht, zu außerordentlichem Avan­cement in Vorschlag gebracht werden können. Prinz August von Württemberg, der damalige Divisionskommandeur, wollte erst nicht daS Avancement zulassen, trotzdem bet in dcr Ka­binettsorder voracdachte Fall hier sicherlich nttraf. Schließlich aber wurde er von dem Brigadcadjutanten überredet, das Avancement zuzulaffcn. Bismarck wurde nun ohne Hebung Premierleutnant und wenige Wochen später sogar Rittmeister. Durch die Kriegs- jahre ist ja bekanntlich fein Avancement sehr beschleunigt worden und schließlich hat es Bismarck sogar bis zum General der Rabatte- rie gebracht.

Daß er die Uniform mit großer Leiden- schäft trug, ist bekannt. Selbst in seinem Alter sah man ihn, wie seinen kaiserlichen Herrn, Wilhelm den Großen, fast nur in Uni­form. Als Bismarck Ministerpräsident gewor­den war und alle Ehren auf fein Haupt ge­häuft hatte, traf er den Brigadeadjutanten, der ihm fein Avancement verschafft hatte. Er stellte ihn, der inzwischen Generalleutnant ge­worden war, mit den Worten lächelnd vor:

' der Mann, dem ich meine ganr-

bigen Geldbeträge dafür einzukassieren. Ein Zufall brachte nun gestern ans Tageslicht, daß der leichtsinnige Mensch die einkassierten Gel­der unterschlagen hat. Er wurde sofort zur Anzeige gebracht und in Untersuchungshast abgeführt. Wie sich herausstellte, war er in letzter Zeit in liederliche Gesellschaft geraten.

s> Nach Stettin versetzt. Der Rechnungs- rat Jungwitz vom Oberlandesgericht Cas­sel ist als Direktor an das Oberlandesgericht in Stettin versetzt worden.

Die Vollversammlung der Landwirt- schaftskammer Die diesjährige Vollversamm­lung der Landwirtschaftölammer für Kurhes­sen wird am Dienstag, den 20., und Mitt­woch, den 21. Dezember, in dem großen Saale des Ständehames hier abgeh alten werden. Auf der Tagesordnung stehen außer den sat- zungsgcmäß orzunchmcudcn Neuwahlen, Er­gänzungswahlen, Neuwahlen des Vorstandes, der Mitglieder der Ausschüsse usw., die Be­richterstattungen der Vorsitzenden oder deren Stellvertreter über die bestehenden verschiedcn- nen Rechnungsvorlagen der Kammer darnn- tr die Rechnung über den Neubau der Ver­suchsstation in dem benachbarten Harleshau­sen, Feststellung des Etats für das Rechnungs­jahr 1911. Weiter wird der sehr wichtige An­trag auf Abänderung dcs Planes für die Ver­wendung dcr staatlchen Mittel zur Hebung der Rindviehzucht zur Verhandlung kommen, sowie der Plan über die Errichtung eines Ver­bandes dcr preußischen Landwirtschaftskam­mern zur Debatte gestellt werden. Professor Dr. Haselhoss wird über die wissenschaft­lichen Versuche der Landwirtschaftlichen Ver­suchsstation in Sachsenhausen Bericvl erstatten, während schließlich Oekonomierat G c r I a n b einen Bericht über die für die Ausstellung der Deutschen Landwittschaftsgesellschaft in Cas­sel' 1911 getroffenen Maßnahmen geben wird. Die neue Fuldabrücke. Die neue Brücke über die Fulda ist nunmehr dem Verkehr übergeben worden. Zugleich ist auch der Be­trieb dcr Straßenbahn, und zwar, zweigleisig, wieder auf genommen. Dcr Gesamteindrnü,

den das Bauwerk auf den Beschauer macht, ist ein einfacher, aber gediegener. Freundlich wirkt die Verblendung der Gewölbe! Stirnmauern und Pfeiler mit gelbem .Sand­stein. Vollkommen belanglos ist der in der Verblendung in der Nähe des sogenannten gesährlichcir Querschnitts) befindliche Riß, der nach Fertigstellung der letzten uebenarbettrn mit Mörtel ausgcsüllt, also unsichtbar gemacht wird. Die größte Ausmerksamkeit hat die Bauleitung jetzt dem A b b r u ch der alt en Pfeiler znruwenden; denn das ftlnßproftl ist augenblicklich ein so gedrängtes, daß bei eintretenden Hochwasser ober Eisgang für dre in der Nähe befindlichen Sttaßenzüge sehr unangenehm wirkende Stauungen der Kassermasseu, also U e b e r s ch w e m m n n - gen eintreten müssen. Die neue Fuldabrucke bringt hoffentlich der Altstadt und der Unter­neustadt den längst ersehnten regeren Verkehr und damit den wirtschaftlichen Aufschwung.

£ Die FricbcnSidce in Gaffel. Die hiesige Ortsgruppe der Friedensgesellschaft hatte für Sonnabend abcnd im Saale des Zentralhotels ein kleines Auditorium zusam­mengerufen, das den Ausführungen des Pros. Riquei über sein ThemaKrieg und Frieden lauschte. Der Redner behandelte den Gegenstand nicht allein unter allgemeinen Gcsichtsvunktcn, sondern betonte besonders das Verhältnis zwischen den Franzosen und uns Deutschen. So meinte er u. a., die Re- vancheidce wäre in Frankreich länasi verraucht, nur unreife Heißsporne könnten sich heute noch dazu bclnnen. Er nannte zum Schluß den Krieg ein Verbrechen und wies dre An­nahme energisch zurück, daß die Kriege^ nicht aus der Welt zu schaffen wären.

* Mefferkampf aus dcr -straffe. Zum Messer griffen Sonntag morgen gegen 2 Uhr mehrere' junge Leute auf bet oberen «chaefer- gaffe. die aus nichtiger Ursache in einen,Wort- wechsel geraten waren. Der einheimische Tttcblergeselle St. erhielt zwei Stichwun- d c n in den liicken Arm, sodaß er einen Arzt anfbttben muhte.. _________________

Hamburger Jagd-Rennen unfreiwilligerweil e eiern. Bezeichnend für die Härte der englischen Steepler ist die Tatsache, daß auch den zwei­ten Platz ein aus dem Dreiinselreich impor­tierter Vollblüter einnimmt ist dies der alte Handy Andy mit 141.285 Mk. Der etzt Dreiundzwanzigjahrige erhält im Gestüt Charlottentbal sein Gnadenbrot. Auch der cr- olgreichste Steepler der verflossenen Hindernis- ampagne ist ein Engländer und zwar F 0 r c- athcr, der zugleich mit 79 220 Mark die höchste Summe erreichte, die bisher von einem Hindernispferd in einer Saison auf deutschen Bahnen gewonnen wurde.

St.ll JaprglMg.________________

richt lehnte blaes aber ab und verfügte, daß der Gras ztuc Beobachtung seines ^Geisteszu­standes in die städtische Irrenanstalt auf bem Affenstein verbracht werde. Auf Grund der irrenärztlichen Gutachten, die bei dem inter­nierten so erhebliche Zeichen einer tiefgehenden Degeneruation konstatierten, daß bei seiner Handlungsweise Unzurechnungsfayigkeit ange­nommen werden muß, ist jetzt von der Frank- burter Strafkammer das Verfahren gegen den Reichsgrafen eingestellt und der Haftbefehl aufgehoben worden. Der Gras wird wahr-, scheinlich seinen Anverwandten übergeben und gleichzeitig aus dem Reichsgebiet anSge- wiese» werden.

* Bon RembrandtsNachtwache". Unser Amsterdamer Mitarbcitcr schreibt uns: Trotz aller Bemühungen war cs bisher nicht völlig gelungen, Rembrandts großes Meisterwerk dieNachtwache" so ZU hangen, daß alle grandiosen Schönheiten des Bildes in günstiger Beleuchtung voll zur Geltung kommen. Nun hat der Saal dcs Amsterdamer Reichs-Museums, in dem dieNachtwache ausgestellt ist, eine weitere Aend - rung er­fahren. In diesen Tagen ist der seitliche Zu­gang mit einer festen Wand berfebfoffen. Me dieselbe Gliederung erhalten hat, wie der an- dere schon vorhandene Waninen. um s.r at noch mehr als bisher alles Licht auf das große Gemälde zu konzentrieren, hat man «Wei große Schränke zur Seite aufgestellt, die der Wand olles Rcflexlicht nehmen. $er etne dieser Schränke zeigt prächtige Schnitzarbeit aus der Zeit der niederländischen Renaissance.

* Die Kaiser Wilhelm-Gesellschaft. Wie unS auS Berlin berichtet wird, besteht ine Ab­sicht. die Gesellschaft, die der Kaiser bei der Berliner Universitätsfeier angkeundigt . hat, noch in diesem Monat sich fonftttuieren zu lassen, wobei bemertt sein mag, daß die kai­serliche Genehmigung noch ausstcht. Es 'st. ge­plant, zunächst die Gründung eines Kaiser Wilhelm-Instituts für Chemie in die Wege su leiten. Dabei wird erwogen, die Mittel des Vereins für die Gemische Reichsansta11 mit für die Einrichtung dieses Instituts zur Verwendung gelangen zu lassen. Außer dem geplanten Kaiser Wilhelm- Institut für Chemie steht die Errichtung einer besonderen physikalisch-chemischen Instituts in Frage, wobei man daran denkt, die Geldmittel der Koppel-Stif- tung dafür heranzuzffehen. lieber weitere gorschungsinstitute sind zur Zett greifbare orschläge noch ncht vorhanden.

DaS Sorurteü gegen die schöne Fran.

Als ein bekannter Berliner Arzt vor kur­zer Zett für seine Klinik eine Oberin suchte, gefiel ihm vor allen Dingen die Bewerbung einer Dame, die dem Arzte in kurzen, ver*S».