Caffelrr Neueste Nachrichten
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• „Der FiedelhanS" oder ,Jm Zauber de»
• Kardinal Fischers Heimkehr. Wie uns aus Köln berichtet wird, hat Kardinal Fi- scher nach seiner Heimkehr von Rom einen Hirtenbrief erlassen, in dem er dir Katho. Uten ermahnt, sich in ihrer kirchlichen Gesinnung nicht verwirren und beunruhigen zu lassen durch allerlei Gerede aus der letzten Zeit. Zur sogenannten Gewerkfckastslage habe der Papst mit Entschiedenheit erklärt, daß er nach wie vor den bisherigen Standpunkt einnehme, nämlich den. daß er den beiden Richtungen,
•Benes vom Tage.
Der „Nordvolsahrer" aus der Flucht.
Der „Nordpolsabrer' Cook hat bekannt-
Die jüngsten Goldfunde in der Eifel den belgischen Ardennen haben in den Bevöl- kerungen dieser Gegenden ein so heftiges Gold- ieber mit den unvermeidlichen Begleiterscheinungen einer weder Maß noch Ziel kennenden Spekulation entstehen lassen, daß die Frage nach dem Vorkommen von Gold in Deutschland Aktualität gewinnt.
'Nach den Mitteilungen des Kaiserlichen Statistischen Amtes ist die Goldgewinnung in Deutschland feit dem Jahre 1889 bis zur Gegenwart auf das dreifache des damaligen Be- traaes gestiegen und belief sich im letzten Berichtsjahre auf die immerhin nicht ganz unbedeutende Menge von 4758 Kilogramm Rem- metall im Werte von 13 288 000 Mark, die reilich für den Goldbedarf in Deutschland nur dasselbe sind wie der sprichwörtliche Tropfen Wasser auf den heißen Stein. Aber auch von dieser Menge, die allein von der Goldgewinnung Afrikas mit 250 558 Kilogramm um mehr als das sünszigfache übertroffen wird, sind nur 101 Kilogramm aus einheimischen Erzen erbeutet, während 669 Kilogramm als Neben- Produkt bei anderen Hüttenprozessen aus ausländischen Erzen und 3991 Kilogramm aus in- und ausländischen Rückständen und Absal-
"j sein Herz von schwerer Last befreit und eine Beichte darüber abgelegt, daß er „im
fit von Richard Henrion, wurde von Pros. Ferdinand Gregor für daS Mannheimer Hof- und Nationaltheoter erworben. Das Stück, dem zuletzt in voriger Spielzeit am Hoftheater in Wiesbaden bet Presse und Publikum ein starber Erfolg beschieden war, kommt in Mannheim noch in dieser Spielzeit zur Aufführung.
die in Deutschland bestehen, gleichmäßig neutral gegenüberstehe. Dies diene zur Beruhigung für die katholischen Arbeiter, die den christlichen Gewerkschaften beigetreten feien oder beizutreten beabsichtigte». Er knüpfe dieserhalb im Sinne des heiligen Vaters zwei Bemerkungen hieran: Erstens werde es für die ukunst immer mehr das Bestreben der Kirche ein, die Gewerkschaften, spezifisch katholische Arbeiterorganisationen, weiter auszubauen und nach Möglichkeit zu fördern und so beit katholischen Geist zu pflegen und zu vertiefen. Zweitens liege es dem Papst und den Bischöfen besonders am Herzen, daß jetzt aller Hader und Zwist auf gewerkschaftlichem Gebiete aufhören möge. Zum Schluß wendet sich der Hirtenbrief gegen das Antichristentum.
* Das neueste Attentat in Spanien. Wie ein Privat-Telegramm aus Madrid meldet, wurde in der Calle Loaltat. gegenüber der Wohnung des Exministers Maura, ein Attentat gegen den Erminitter Lacierva verübt Der Barcelonaer Mechaniker Antonio San Milan öffnete den Wagenschlag und versuchte auf Lacierva zu schießen. Er wurde indeffen sofort verhaftet und gestand, aus Barcelona nach Madrid gekommen zu sein in
Absicht, Lacierva zu töten.
nicht verursacht. „ . _ , , .
• Opser der Flammen. Au» Paris be- richtet ein Telegramm: Kurz nach Mitter- nacht brach gestern in der Ouroquostrahe ein G r o ß f e u e r aus. Es war in einer Piano- fortcsabrik ausgebrochen und griff bald auf eine anstoßende Sägerei über Nach angestrengter Arbeit gelang es der Feuerwehr, das Feuer auf feinen Hero zu lokalisieren. Der angerichtete Schaden ist sehr bedeutend. 5>tei Polizeiagenten sind bei den Rettungsarbeiten verletzt worden. .
• Hungersnot in der Türken Wie au» Konstantinopel berichtet wird, ist die Ausfuhr von Lebensmitteln in Kukurutz bis zum 14. Januar wegen der berrsckendenHun- aersnot verboten worden. Die Einwohner wandern maffenhaft au» der Türkei nach Serbien Bulgarien und Amerika au».
"» Spätherbst-Fluten. Telegraphisch wird uns aus P a r i s gemeldet: Die Verheerungen durch die Ueberschwemmungen dauern fort. Ernste Befürchtungen hegt man für die Stadt Le Mans. Auch im Sainebecken drohen die Ueberschwemmungen neuerdings Verherun- gen anzurichten. Die Marne steigt schnell und ist während der letzten 24 Stunden um einen halben Meter gestiegen. Aus Angers wird berichtet, daß die Lage der Stadt Mesnil eine bedrohliche ist, mehrere Häuser sind eingesturzt, viele Personen umgekommen.
• Der ReichSgras aus der Anklagebank. Man schreibt' uns aus Fran k f u r t o. M.. 4m August d. I. erergte es nicht geringes Aussehen, als in Frankfurt a. M. ein österreichischer Edelmann, der Reicksgras Dunin- B a r k owski, wegen Schwindeleien und Wechselfälschungen, bei denen es sich um Hunderttaufende handelte, in wurde Der Graf trug bereits vor dem Un- tersuchungsrichter, wie überhaupt im Gefängnis, ein fo eigentmliches Wesen zur^chau, daß man sich sagte, der Mann sei entweder rsicht ganz normal oder er [imuüete..
ilettte sich heraus, daß der Verhaftete taiiachlich in Oesterreich wegen Irrsinns entmündigt, einer Irrenanstalt untergebracht worden war. Aus dieser entfloh er jedoch, lebte längere Zeit in Frankreich und Italien und iuletzt in Deutschland, wo er, wie erwähnt, verhaftet wurde. Alsbald erschien im Auftrage der sehr fie-nüterten Verwandtschaft des Grafen der Kaiserliche Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Heckt aus Wien in Frankfurt und stellte den L?trag, den Beschuldigten ihm »Wecks er- Internierung in einer öfter- reickiscken Irrenanstalt auszusolgen. Das Ke-
-----1 gebessert hat, i Hoftyeater in im Janu^ umfange ausneh-
Wiesbaden bürfu indessen
?912 in den Rnbeitand treten.
• Neueinstudierungen im Hoftheater. Im ssnftbeater wurden uns am Sonnabend abend
Am dem Reiche der Kunst
* Geht Gras Bhlandt- Rhendt nach Wiesbaden? Zu dieser schwebenden Frage, die für das Casseler Kunftleben von größter Bedeutung ist, gehen uns heute von unterrichteter Seite folgende Mitteilungen zu:
Hebet einen I»tend aut enw echse l an den Hoftheatern in Cafsel und Wiesbaden sind in bea letzten Tagen in auswärtigen Blättern irreführende Mitteilungen veröftentlicht worden. Insbesondere ist neuerdings beraubtet worden, daß der hiesige Intendant des königl. HoftheaterS, Graf von Bylandt-Rhehdt, Nachfolger des in den Ruhestand ober in anbere Hofdienste tretenden Intendanten Mutzenbecher am Hoftheater in Wiesbaden werden solle, während der bekannte Intendant Emil Claar des Schauspielhauses in Frankfutt a. M. berufen wäre, den Caskeler Jntendantenposten zu bekleiden. An hiesiger zuständiger Stelle wird nun hierzu mitgeteilt, daß von einem derartigen Wechsel hierorts nichts bekannt sei.
Wir haben ferner in Erfahrung gebracht, daß Baron von Mutzenbecher. dessen Be-
Siegfried Wagner in kastel.
Da, dritte Abonnementrkonzsrt.
Das dritte Abonnementskonzert der Mitglieder des Königlichen Theaterorchesters war von einer gewissen sensationellen Bedeutung, da Siegfried Wagner eine größere Reihe von Bruchstücken aus feinen Opern dirigierte. Herr Wagner wurde wie sich das auch für ihn, als Sohn des großen Vaters und als Erben und treuen Hüter und Bewahrer Bayreuths durchaus geziemt, mit lebhaftem Beifall ausgezeichnet.
Heber Siegfried Wagner als Komponist ist außerordentlich viel gesprochen und geschrieben worden. Einesteils wird ihm überhaupt jegliche Begabung und jegliches Können abgesprochen, andererseits sicht man tn ihm den Begründer einer neuen volkstümlichen Oper, einen musikalischen Dramatiker, der neben Richard Wagner vollberechtigt bestehen rann. Es kann nun nicht geleugnet werden, daß die letzteren Stimmen hauptsächlich aus dem Kreise derer ertönen, die Bayreuth nahestehen oder nahestehen möchten. Es ist aber durchaus unrichtig, Siegfried Magner jede Befähigung abzusprecken. Siegfried Wagner beherrscht den technischen Apparat nicht mit Meisterschaft aber mit anerkennenswertem Geschick und versteht klangvoll zu instrumentieren. Zudem besitzt er einen gewissen angeborenen Instinkt für das theatralisch Wirksame, der sich sowohl seiner Musik wie seinen selbstgedtch- teten Textbüchern nicht ungünstig mttteuL Von einer wirklich schöpferischen Begabung, d h. von der Fähigkeit, selbständig musikalisch empfinden, erfinden und gestatten zu können, kann nur tn beschränktem Maße die Rede fein.
Ich bin kein Freund von Reminiszenzen- jägcrcien. Reminiszenzen, fast wörtliche, finden sich in den Partituren unserer allergrotz- ten Meister. Die Reminiszenzen an 1 einen Vater will ich Siegfried Wagner nicht hoch antreiben, wohl aber die Unfähigkeit, irgend eine andere Stimmung, eine persönliche
Zie Tragödie des Lebens.
Der Roman eines Freiherrn.
In eines der großen Krankenhäuser der preußischen Hauptstadt wurde vor einigen Sagen ein junger Mann eingeliefert, dessen Krankheit einzig und allein in einer großen Entkräftigung bestand. Der junge Mann, der dem Verhungern nahe war, erzählte seine Geschichte, die auf die Dienstboienverhältnche ein eigentümliches Lickt wirst, und die den Beweis erbringt, daß wohl unsere Haushaltungen für die Dienstboten der sogenannten besseren Stände noch nicht reif genug sind. Ter junge Mann, Richard F. v. H., der einem fierherr- lichen Geschlecht angehö.i stand, als sein Vater plötzlich starb, fast mittellos da. Zuerst versuchte et aus dem geringen Vermögen, da. ihm noch geblieben war, die Mittel zur Fortsetzung seines Studiums zu bestreiten. Als aber das Geld aufgezehrt, und er von allem entblößt war, blieb ihm nichts anderes übrig, wie sich einen Broterwerb zu suchen, iieoerall suchte er anzukommen. Er schrieb unzählige Bewerbungsschreiben, doch es gluckte ihm nicht einmal, einen Posten als Lehrling zu erholten, da er nach den Aussagen der Arbeit fieber für diesen Posten bereits zu alt sei. Auch war immer die verwunderte Frage ausgesprochen, weshalb denn ein junger Mann, der über eine so vorzügliche Schrift und erne so gewandte Ausdrucksweise verfuge, nicht lieber eine andere Beschäftigung annehmen wolle, wie den untergeordneten Posten eines Ansan- - gers zu bekleiden. _, .
Richard hätte nun zu gern sich einer anderen Beschäftigung zugewandt. Rur btteb ihm, da er nicht das geringste positive Wissen aufwies, gar keine Wahl in der Beziehung. Um ober nicht auf die Bahn des Verbrechens gedrängt zu werden, beschloß der junge Freiherr, sich äl§ Kammerdiener zu verdingen, denn er hoffte von einer Stelle in einem vornehmen Haushalte auch manches für feine Zukunft. Aber hier war das gleiche Lied wie früher. Seine fchriftlichen Bewerbungen wurden meistens dahin beantwortet, daß er doch wohl snr den Posten eines Dieners zu schade sei, daß ein Mann mit einer so guten Schrift und Ausdrucksweife sich für einen anderen Posten besser eignete. Einige Herren der guten und besten Gesellschaft sprachen es ganz offen ans. daß sie in ihm einen Betrüger vermuteten, der sich wohl in eines der reichen Hauser em- schleichen wolle, um dann ungestörter ferne Bcttügereten ausführen zu können. Roch arger ging es ihm, wenn er sich persönlich irgendwo vorstellte, um einen Dienst zu bekommen. Die mitzttauischen Micke sagten ihm, was man von ihm dachte, und wenn er sich gar auf das Bitten verlegte und seine Geschickte erzählte, wenn er sagte, daß er aus adligem Geschlechte stamme, und nur aus der Augenblicksnot her- aus eine so untergeordnete Stellung suche, wurde ihm kaum jemals etwas anderes, als ein mitleidiges Achselzucken zu teil. Wer wollte
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auf die Aussagen von Zeugen stutzten, die gegen ihn voreingenommen waren, oder ein Interesse daran hatten, daß er weiter in der Irrenanstalt interniert bleibe. Lubecki behauptet weiter, es habe sich nunmehr herausgestellt, daß diese Zeugenaussagen falsch waren. Das fei gerichtsnowrisch geworden durch Aussagen derselben Zeugen in anderen Prozessen. Als weiteres Material für sich will Lubecki das Krankenjournal der Irrenanstalt Leubus verwenden, in dessen Besitz er gekommen ist. Die Registrierung in diesem Journal und die Briese der Anstalt sollen in Widerspruch stehen mit den erweislich wahren Tatsachen. Aus Grund dieses Materials hat nun Lubecki durch Rechtsanwalt Graeve-Berlin eine Anzeige wegen Meineides und Freiheitsberaubung erstattet, und zwar gegen seine Verwandten bezw. die Acrzte der Anstalt Leubus: Sanitätsrat Alter, Dr. Alter and Oberarzt v. Kunowski. In dem bevorstehenden Prozeß wird die Angelegenheit eingehend durchgeprüst werden, und cs wird sich dann ergeben, ob Lubecki tatsächlich, wie ^ behauptet, fünf Monate hindurch widerrechtlich im Irrenhaus interniert gewesen ist.
freuen Eine ganz besondere Freude konnte man diesmal an dem festgefügten Rythmus haben, der namentlich die Stteicher beseelte und das einmal bestimmte Tempo nicht durch Eilen verdarb. Und bei dem letzten Satz, diesem lebensprüheiiden, ausgelassen geistvollen Finale wird sonst gerne geeilt. Der Eindruck eines fröhlich-festlichen Banketts, den das Menuett hinterlassen soll, wäre noch besser erreicht worden durch ein etwas gemesseneres Tempo. — Das Konzert war sehr gut besucht und das Publikum folgte allen Darbietungen mit sichtlichem Interesse. D. K.
len gewonnen wurden
Obwohl die deutsche Goldgewinnung also nur sehr geringfügig ist, unterliegt es doch keinem Zweifel, daß Gold in Deutickland an vielen Hielten vorhanden ist, aber an den meisten dieser Fundstätten nur in so geringen Mengen vorkommt, daß man, um ein Stück Reinmetall im Werte eines Zehnmarkstücks zu gewinnen, das Doppelte und mehr in den Betrieb hineinstecken muß. Die Goldwäschereien am Rhein zwischen Straßburg und Basel, im Sande der Isar, des Inns, der Donau und vieler thüringischer Flüsse sind aufgeacben worden, als die Lager im Schwemmsande sich auf die Dauer als nickt genügend ergiebig er- wiesen. Das schlesische Gold, das in Reichenstein in den Arsenikhütten des Kommerzienrats Göttler als Nebenprodukt gewonnen und nach altem Herkommen zur Anfertigung der Trauringe und Taufgeräte im Königlichen Hauje der Hohenzollern Verwendung fanv. wird nicht mehr produziert.
Wahn" im Reiche des ewigen EifeS umher- geirrt, aber trotzdem den Nordpol nicht entdeckt habe. In der Newvorker „®un" erzählt nun Cooks Freund, der Chemiker Dr. Haw- ril, was ihm der Nordpolsahrer über fein Schicksal anvertraut hat. Hawril berichtet:
Die Kunde, daß die Unwahrheit seiner Entdeckung erwiesen sei, traf Cook in Arkansas, wo er von keinem Menschen gekannt wurde, und wo die Bevölkerung sich über die angebliche Entdeckung des Nordpols durchaus nicht aufregte. Dr. Cook erzählte daß er mit den Leuten über die Nachricht gebrochen habe, ohne daß sie überhaupt wußten, worum es sich handelte. Die Zeitullgen brachten zwar die Mitteilung von dem ent- deckten Betrüge in großen Lettern, die Bevölkerung kümmerte sich ober weiter nicht darum. Trotzdem fürchtete er, auch hier von irgend einem Bekannten entdeckt zu werden, und er beschloß, mit seiner Gattin sich nach Peru zu begeben. Hier nahm er kurze Zeit in einem kleinen Städtchen Aufenthalt und zog dann unftät weiter nach den Anden, wo er in einem kleinen Dorfe Chilacolo Aufenthalt nahm. Hier wohnte er 6 Wochen völlig unerkannt bei einem älteren Ehepaar, bis ihn eine Reisegesellschaft auch hier aufstöberte Es war der frühere Konttollenr des Staates New- Jersey, namens Hancock, ein früherer Freund Dr Cooks, der ihn hier plötzlich er- kannte und ihn sogar photographierte. Er sah, daß hier seines Bleibens nicht langer fei und begab sich nach Afrika. Wo er kurze Zett in der englischen Kolonie Natal wohnte. Hier glaubte er sich beargwöhnt, da er wohl ein scheues Wesen gehabt hatte und zog nach dem K a p l a n d e. Aber auch hier litt cs ihn nicht länger und er begab sich nach Eur opa, wo er zuerst in der Türkei Aufenthalt nahm. Spater ging er nach Athen, wo er sich aber auch nicht sicher fühlte und alsbald nach Brindlfi ging. Endlich glaubte er in London Ruhe zu finden, da er sich hier in dem Osten der Stadt nxeder- ließ und ganz als einfacher Arbeiter lebte. Aber er wurd weiter getrieben und befindet sich noch jetzt auf der ^rrfatyrt durch die Welt. Die fernsten Lander (fo sagte er; sind heutzutage wie die eigene Heimat. lieber» all sieht man Bekannte .
• Die verhängnisvolle Margarine. Ein Telegramm berichtet uns aus Berlin- In vier Familien in der Boxhagener- ftrafee in Berlin sind nach dem Genuß von Margarine, die sich eine dieser Familien
ich wohl von seinesgleichen bedienen lassen!
Auf allen Gebieten, in allen Berufszweigen versuchte sich der junge Freiherr, aber er Tonnte durchaus keine Beschäftigung finden. So blieb ihm nichts anderes übrig, als sich dem Zufall preiszugeben. Er irrte tagelang auf der Straße umher. Niemand vermutete in dem schlanken jungen Mann, der immer noch in seiner Kleidung die Spuren der Ele- Sanz zeigte, einen Obdachlosen, einen Men» hcn, der keine Nahrung besaß. Schließlich brach er vor Kälte, Hunger und Erschöpfung zusammen, und mußte in das Krankenhaus ge- ,rächt werden, wo er noch immer auf den Tod krank bamieberlicgt. Nur für Stunden kehrt das Bewußtsein zurück und bann klagt er die Menschen an, die ihn seines guten Namens und seiner guten, wenn auch nicht vollendeten Bildung wegen, habe verhungern lassen. Wenn es der ärztlichen Kunst gelingen sollte, ihn am Leben zu erhalten, dann wirb der Chefarzt des Krankenhaufes ihn an Sohnes statt annch'.ncn, und ibn ausbilden lassen. Er soll dann auf seinen eigenen Wunsch sich der Medizinheittunde widmen.
Deutsches Gowfieber.
Deutschland ein «oldlandk
Stimmung schaffen zu können, die nicht schon dagewesen ist. Die ersten Takte aller Stucke überraschen und lassen allerlei Schmies ermatten, das aber leider nicht einttisst. wogegen in monotoner Weife die kleinen Gedanken unverhältnismäßig lang fortgesponnen werden. Etwas über die Dürre der Erfindung vermag die Farbengebung, die freilich vollkommen bet Palette seines Vaters entstammt, hinweg zu täuschen. Aber auch biefe leidet unter einer gewissen Monotonie. Es fehlt der Musik jedes wirkliche Leben, ;ede innere Bewegung, jedes Temperament. Eine gewisse Freundlichkeit unb harmlose Naivität der Tonsprache, die sich lobenswert von modernem Schwulst fteihält. nimmt im Augenblick für sie ein. Die kleinen Einsalle Stea- frieb Wagners stehen aber in keinem Verhältnis zu ben aufgewandten Mitteln unb bei Ausdehnung der Stücke. — Das einfach Volks» tümliche, berbluftige, tanzartige Szenen unb dergleichen, gelingen ihm noch am besten, so möchten wir ben „9irme ßtan z als di« gelungenste Leistung bezeichnen. Es hat keinen Zweck, jedes einzelne Stück hier zu betrachten, es ist eines ganz genau so wie das anbere, sie sinb nicht burch ihren Charakter unterschieden, da ihnen ein solcher überhaupt fehlt, sondern nur durch ihre Tonart und ihr Tempo. Gespielt wurden die Stucke von unserem Königl. Orchester unter Siegfried Wagners sicherer, aber etwas matter unb teil- nahmsloser Direktion ganz ausgezeichneü Unsere Kammermusiker gaben sich ersichtliche Mühe, ben Anforderungen bet Partituren gerecht zu werben. Den Gesang .von Rein- Harts Liebe" aus .Herzog Wildsang fang Herr Wnzel mit schöner Tongebung unb Phrasierung.
Fm erstenTeil besKonzerk» wurde dieES-Dur. Symphonie Mozarts, be» Meisters sogenannter Schwanengesang, feine letzte aber heiterste^und von wahrhaft attischem Geiste durckitromte Symphonie, aufgeführt. Die feine, saubere unb fleißige Ausführung seitens unteres unter 5-ierru Professor Beyer stehenden Königlichen Orchesters konnte alle Hörer herzlich cr-
•öoftbeater wurden uns am Sonnabend aoeno zwei Neueinstudierungen beschert. Man gab Grillparzers wundervolles „6sther-Fraa- ment", das aus der Reifezeit des °sterr.ic§i. scheu Dichters stammt - ans der Zeit, als er sich an Lope be Vega berauschte, aiS tteffte Verbitterung feine scheue Seele verheerte. Bet feiner Uraufführung am Burgtheater am 28 April 1868, errang bas Fragment mit Sonnenthal als AhaSveros unb Lewinsky als Flaman sofort einen großen Erfolg. Unb vorgestern wieder blühte bie unvollendete Dichtung unter der Regie des Herm Hertz er zu mäcktiaem Leben auf, bas bie Hörer in seinen Wann r7g . Prächtig stanb Herr Alberti ^ols Röntg) auf ber Szene, leuchtete mit schalem Snteuelt bie seelischen Zwiespalte der Figur ab, während Fraulein Sebho11 die Esiher mit zauberhafter Anmut gab. Herr Jürgensen lieferte (al» Flaman) eine treffliche Cbarakterstudie. Das Bühnenbild schwelgte in Farbenpracht. Die Hörer applau- bierten lebhaft. — Den Beschluß des Abends bildete das harmlo» • graziöse Lustspiel .Flauenkampf" (nach Scribe), das von Sen Herren Herzberg, Strial, Hell- back. sow ie von ben Damen Bahr ha m- m e r unb & r a u in flottem, hellem Komödien» ton gemimt würbe. Das leichte Spiel vergnügte bas Publikum sehr.
Dienstag, 6. Dezember Ivin.
in einem Zehnpfundpaket aus einet Altonaer Margarine-Fabrik hatte schicken lassen, Er- Häufungen vorgekommen, deren Ursache zur Zeit noch in dem Institut für Infektionskrankheiten genau ermittelt wirb. Die Polizeibehörde hat eine umfassende Untersuchung eingeleitet. m „
* Eine Katastrophe in der Ballonhalle. Einem Telegramm aus Köln zufolge einigte am Sonnabend in ben SBaffeiuof{Werfen bei Ballonhalle in Leichlingen eine Explosion, buich bie ein Mann gelotet unb zwei Mann schwet verletzt würben. Der Sachschaben ist sehr bedeutend. Ob unter diesen Umstäuben ein Ersatz für ben verunglückten Ballon .Erbslöh" geschaffen werben wird, ’t fraglich.
* Der Todessturz zweier Aviatiker. Rach Meldungen aus Rom stürzten bei einem Hebungsfluge auf dem Felde von Cestoceflo bet Rom der Ingenieur Cammarota und sein Begleiter, bei Pionier Caste 11ani, aus beträchtlicher Höhe ab und wurden unter ben Trümmern des Acroplans begraben. Ca- tellani war sofort tot, während der Ingenieur terbend ins Krankenhaus gebracht wurde, wo er bald darauf seinen Verletzunegn erlag
• Erdstöße in Serbien. Wie aus Bel- grab bepeschiett wirb, würben in Chptta drei heftige Erdstöße verspürt. Alles lies auf bie Straße unb es entstand eine große Panik in der Bevölkerung. Tie Erderschut- terungen wurden auch in Jagodina wahrge- nommen. Größerer Schaden wurde indessen