Nummer 2.
r. Zayrgang.
Csfsrler Dlbrndzettung
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hessische Abendzeitung
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Fernsprecher 951 rrad 952»
Dienstag, 6. Dezember 1910.
Fernsprecher 951 und 952.
Depeschen.
Telegraphischer Dienst her Kasseler Neuesten Nachrichten.
Was wird mit der Enteignung?
Berlin, 5. Dezember. (Telegramm unseres Korrespondenten.) Ein ostpreußisches Blatt wußte zu melden, daß die Anwendung des Enteignungsgesetzes in nächster Zeit bevorstehe. Weiter wurde berichtet, daß sich das Staatsministerium in zwei Sitzungen mit der Enteignungssrage beschäftigt habe und zu dem einstimmigen Beschluß gekommen sei, die Anwendung des Gesetzes abzulehnen. Wie ich hierzu von zuständiger Stelle erfahre, sind diese Meldungen unzutreffend. Ein entscheidender Beschluß des Staatsministeriums ist in dieser Frage noch nicht erfolgt.
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Mafsenvergistung in der Kaserne.
Berlin, 5. Dezember. (Privat-Telegramm.) Stach dem Genüsse von Kartoffelsalat erkrankten am Sonnabend abend zahlreiche Mannschaften, über 500, des Leibgarde-Husa- rcnregiments in Potsdam unter Vergistungs- erscheinungen. Dank rascher ärztlicher Hilfe war jede Gefahr nach einigen Stunden behoben. Die Militärverwaltung hat eine eingehende Untersuchung über die Ursache der Bergistung eingeleitet.
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Die Tragödie einer Mutter.
Berlin, 5. Dezember. (Privat-Telegramm.) Auf dem Tempelyofer Felde, unweit der einsamen Pappel, hat sich der Schlußakt einer Ehetragödie abgespielt. Dort wurde eine unbekannte Frau in den letzten Zügen mit ihrer 2i/->jäbrigen Tochter tm Arm aufgefun- bcn. Die Mutter batte sich und ihr Kind mit Lysol vergiftet. Sie starb bei ihrer Einlieferung ins Krankenhaus. Die Aerzte hoffen, LaS Kind am Leben zu erhalten.
Friede bei „Lukas".
Bochum, 5. Dezember. (Privat»Telegramm.) Nachdem die Leitung der Zeche „Lukas" erklärt hat, von jeder Maßregelung der in den Streik betretenen Bergarbeiter abzusehen, wenn die.Belegschaft die Arbeit heute wieder aufnehme, hat eine Belegschaftsversammlung nach langer und teilweise hitziger Debatte mit 201 gegen 144 Stimmen, bei 3 Stimmenthaltungen, beschlossen, den Streik zu beenden und heute wieder einzufahren.
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Agadir.
Köln, 5. Dezember. (Spezial-Telegramm.) Der Korespondent der „Köln. Ztg." in Tanger erfährt, daß die französischerseits gemeldete angebliche Eroberung des Hafens Agadir durch ein französisches Kriegsschiff zunächst eine einseitige Forderung f ran» essen bedeute. dreaH.rU maaaen sdmdlml zöstscher wiartschaztlichen Interessen bedeute. Die Eröffnung des Hafens von Agadir dürfte nut von allen Mächten gleichzeitig geschehen.
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Opfer der See.
Kiel, 5. Dezember. (Privat-Telegramm.) Der Schoner „Anna Christine", auf der Fahrt von Lübeck hierher, ist aus der Höhe non Neustadt in Holstein untergegangen. Bon der Besatzung sind vier Mann und der Kapitän ertrunken. In der Elbmündung oerunglückte ferner im Sturm ein Schlepp- z u g. Mn Leichter sank, ein anderer wurde beschädigt; ein Mann ist ertrunken.
* Ter Spion von Stuttgart.
Paris, 5. Dezember. (Privat-Telegramm.) lieber die Persönlichkeit des in S t u t t - gart verhafteten französischen Offi- z i e rs herrscht noch keine Klarheit. Nach der militärischen Rangliste des letzten Jahres könnte cs ein Kapitän Karl Eugen Luse sein, der der Genie-Abteilung angehörte und der Kommandantur der Festung Belfort zu- geteilt war. Jedoch hat man noch keine Bestätigung, ob es sich tatsächlich um diesen Osfizer handelt.
Die Hochflut in Frankreich.
Paris, 5. Dezember. (Privat-Telegramm.) Die Wälder in der Umgebung von Nantes sind auf eine Entfernung von 16 Kilometern und eine Breite von 8 Kilometern über- schwemmt. Die Mehrzahl der Einwohner mußte aus ihren Wohnungen flüchten. Andere mußten sich in die obersten Etagen ihrer Häuser zurückziehen. In der Ebene von Ara- mon steht das Wasser der Rhone 2 Meter hoch. In Sauveterne kenterte ein Boot, wobei 2 Personen ertranken. Im Departement Par regnet und schneit cs unaufhörlich. Auch in Finistere gehen immer noch |intfrutr11ioe Regengüsse nieder.
Katheder und Mole.
Professoren unter sich.
Aus Berlin, das sich mit besonderer Vorliebe die „Stadt der Intelligenz" nennen hört, kommt seltsame Kunde: Ein Berliner Hochschulprofessor, der seit zweieinhalb Jahren an der Friedrich-Wilhelms- Universität als Ordinarius der Nationalökonomie wirkt, hat es als erforderlich erachtet, einem Kollegen von der Zunft der Philosophen eine Pi st ölen fordern ng zustellen zu lassen, weil er sich durch den gegen ihn geführten Kampf mit geistigen und anderen Waffen in seiner persönlichen Ehre gekränkt fühlte. Der Mann der Wissenschaft, dem die Kartellträger des erzürnten Ordinarius die ergebene Einladung zum Pistolenschießen überbrachten, war indessen weise genug, das Risiko eins mehrmaligen Kugelwechsels an einem stillen Ort der Hasen- oder Jungfernheide von sich abzuwenden, indem er dem Kollegen von der Nationalökonomie sagen ließ, er sei grundsätzlicher Gegner des Zweikampfes, Mitglied der Anti-Ducll-Liga und so weiter, und bedauere sehr, der freundlichen Aufforderung nicht entsprechen zu können. Piftolenlärm wird also voraussichtlich in diesem schwerwiegenden „Kampf der Wissenschaften" nicht zu beklagen fein, sicher ober tst, daß die Affäre in anderer Beziehung unerwünschten Staub aufwirbeln und das Reich zünftlerischen Gelahrtheit wieder einmal der Zeitgenossenfchast in einem wenig vorteilhaften Lichte zeigen wird. Jenes Reich, in dem die „Waffe des Geistes" schon so ost mit weit weniger erbaulicher Wehr vertauscht worden ist.
Auch die neueste „Affäre" hat ihre eigenartige Vorgeschichte: Als der Professor Ludwig Bernhard im Jahre neunzehnhundertacht zum Ordinarius der Nationalökonomie an der Friedrich-Wilhelms-Universität berufen wurde, erhob sich im Profefsorenkrets unwilliges Murren, und die Fakultät ließ deutlich erteil« neu, daß sie die Berufung des neuen Mannes scharf mißbillige. Welche Ursachen dieser Stellungahme zugrunde lagen, ist nicht ganz klar: es scheint indessen, daß es sich um mehr persönliche als dienstliche Momente gehandelt hat, die die Opposition gegen Bernhards Berufung bestimmten. Der neue Ordinarius tat der grollenden Kollegenschaft gegenüber, was zu tun klug und weise war: Er zeigte sich von der versöhnlichsten Seite und übersah die kleinen Nadelstiche, die ihm auch in der Folgezeit mit anerkennenswerter Ausdauer versetzt wurden, mit stoischem Gleichmut. Aber selbst ein philosophisch geschulter Kopf erhitzt sich, wenn die Dinge gar zu nngemüt- lick werden, und als der neue Ordinarius auch noch in seiner Lehrtätigkeit beschränkt wurde, gabs offene Diferenzen, und die Situation spitzte sich derart zu, daß Bernhard sich von der Gegnerschaft seiner Kollegen in seiner persönlichen Ehre gekränkt fühlte, seine Kartellleute bestellte und Demjenigen, den er als an den unerbaulichen Zuständen am meisten schuldig erachtete, die Pistolenforderung ins Haus tragen ließ. Wäre die Geschickte nun „kom- mentmäßig" verlaufen, so hätten die Annalen der Frievrich-Wilhelms-Universität um ein neues, komisches Intermezzo bereichert werden dürfen, und der Rest wäre . . . Schweigen gewesen.
Nun wird der Rest vermutlich nicht „Schweigen", sondern eine notpeinliche Disziplinar-Untersuchung sein, aus deren Ergebnissen sich dann später ersehen lassen wird, ivet nun eigentlich am gröblichsten gesündigt hat, und welche Umstände die Berliner Pro- fcssorenschaft veranlaßten, dem lieben Kollegen Bernhard das Ordinarius-Leben so emsiglich sauer zu machen. Die ganze Geschichte mutet an wie ein Kleinleutestreit um Salat oder Petersilie, oder wie der Konkurrenzkampf zweier Gegner am Mo^ Daß im „Reich der Geister" der Kampf manchmal mit Waffen gciumi tois .> t>, ü der Schärfe des Geistes auch die bescheidenste Spur nicht zeigen, sah man (staunend) erst vor Monden, als sich (auch in der „Stadt der Intelligenz") zwei würdige Vertreter exakter Wissenschaften in der Siedehitze eines ganz und gar nicht wissenschaftlichen Gefechtes gegenseitig mit . . . Regenschirmen bearbeiteten, wobei merkwürdigerweise der greisere von beiden Sieger auf der Walstatt blieb. In gewisser Beziehung hat die „Affäre Bernhard" sogar Aehnlichkeit mit diesem denkwürdigen Moment aus der Kulturgeschichte der Berliner Universität, wenn es im vorliegenden Falle auch nicht zum offenen Gefeht mit den Massen des grauen Philisteriums gekommen ist. Es ist leider kein Geheimnis, daß im akademischen Berufsleben Neid und Konkurrenzkampf deutlich erkennbare Regel-Erscheinungen sind, und daß ferner auf diesem Boden wie kaum anderwärts die Jntrigue üppig
ms Kraut schießt. Der „Fall Bernhard" mein abermals eindringlich auf die bestehenden Schäden hin, und es ist die Pflicht der staatlichen Aufsichtsbehörde, diesen Zuständen, die die Würde der Wissenschaft ins Komische verzerren, ein E n d e zu bereiten. Denn schließlich gehört doch der Professor aus« Katheder, und nicht in den Pistolen- ober Regenfchirm- kamps!
Re neueste Anto-KatsstroM.
(Telegraphifcher Bericht.) ■
Aus Paris wird uns über einen furchtbaren Automobilunfall berichtet, bei dem das verunglückte Auto von der Lokomotive eines Expreßzuges erfaßt und zertrümmert wurde. Ein Privat - Tele - gram m meldet uns über die Katastrophe folgende Einzelheiten:
Paris, S. Dezember.
Die Gräfin Nicolai, die Gattin des bekannten großen Pferdezüchters und ihr 26jähriger Sohn Etzristiair hatten in der Nacht zum Sonntag eine Festlichkeit auf dem bei Le Mans besegeuen Schlosse Beauchamp des Grafen Beaumont beigewohnt und waren gegen Mitternacht in ihrem Automobil aufgebrochen, um das etwa 50 Kilometer entfernte Schloß Notfort wieder zu erreichen. Ein anderes Automobil des Herrn de Bouriat eilte dem der Gräfin auf dem gleichen Wege nach. Als die beiden Wagen vor dem Eisenbahnübergang anlangten, sanden sie die Barriere verschlossen. Der Chauffeur de Bouriats öffnete eigenmächtig die Schranke und fuhr über die Schienen hinweg. Das Automobil der Gräfin Nicolai folgte, als plötzlich um eine Biegung der Pariser Expreß zug heranbrauste. Die Lokomotive erfaßte das Hinterteil des Autos, das weit fortgefchleudert wurde. Als der Lokomotivführer den Zug anhielt, erblickte er am Räumer der Maschine die entsetzlich verstümmelte Leiche der Gräfin auf dem Schienenstrang, die halbz ermalmten Leichen ihres Sohnes und des Chauffeurs, dem der Kops abgcquetscht war.
Wie ein weiteres Telegramm meldet, soll der Unglücksfall auf den sträflichen Leichtsinn des Streckenwärters zurückzuführen fein, der, anstatt auszupassen, geschlafen hatte. Der Streckenwärter wurde infolgedessen verhaftet und wird unter Anklage gestellt werden.
Die englischen Waren.
(Telegraphische Meldungen.)
Nach einem uns zugehenden Telegramm aus London waren gestern nacht bis um 2V-> Uhr folgende Wahlresultate bekannt: Gewählt sind 51 Liberale, 62 Unionisten, 7 Mitglieder der Arbeiterpartei und 5 Iren. Die Liberalen gewinnen 4 und die Unionisten 7 Sitze. Der Erfolg der Unionisten entspricht nicht ihren Erwartungen. Es wird jedoch darauf hingewiesen, daß, wenn die weiteren Ergebnisse der Wablen in demselben Verhältnis fortschreiten, die jetzige Mehrheit der Regierung zusammen- schrumpft und eventuell die Demission des Kabinetts nach sich ziehen wird. Die Liberalen erklären sich über die Ergebnisse der Wahlen in London und Manchester befriedigt. Zwei Kabinettsmitglieder, die in London kandidierten, haben ihre Sitze in Bristol wieder gewonnen.
Obgleich es ununterbrochen regnete, herrschte gestern und am Sonnabend ein leb- Haftes Treiben in der Nähe der Wahllokale. Automobile brachten die Wähler nach den Wahllokalen und viele kleine Leute, die sich dieses Verkehrsmittels nv- selten bedienen, sind darob sehr erfreut. Ein alter Ingenieur hat im Automobil einen Weg von 300 Meilen zurückgelegt, um in Gloucester zu Gunsten der Liberalen zu wählen. Die konservativen Blätter sind immer noch in hoffnungsvoller Stimmung. Sie veröffentlichen in Sperrdruck den Wahlaufruf BalfourS: „Habt Vertrauen zu dem Volke". Sie fügen diesen Worten hinzu, daß die Niederlage der Radikalen bcvorstehe. Konservative Zeitungen berichten, daß die Freihändler sich den Unionisten angeschlossen haben, um die Konstitution zu verteidigen.
Zer Kamps der Bergarbeiter.
(Von unserem Korrespondenten.) Dem Entschluß der Ruhrbergleute, in eine Lohnbewegung einzutreten, sind die christlichen Gewerkschaften einstweilen nicht beigetreten. Daraus darf gefolgert werden, daß cs zu einem allgemeinen Lohnkampf im Bergbau, der schwere Schädigungen
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mit sich bringen würde, vielleicht nicht kommen, sondern eine gütliche Einigung sich ermöglichen lassen wird. Solche alljährlich wiederkehrenden Erschütterungen hält das deutsche Wirtschaftsleben auf die Tauer eben nicht aus. Da cs aber in der Natur der modernen Entwicklung liegt, daß die Lohnkämpse sich wiederholen, so ist die Frage unabweisbar, ob die baldige Einrichtung eines Neichsvermittlungsamts nicht doch zweckmäßig wäre, in Anlehnung an die sozialpolitische Abteilung des ReichsamtS des In- nein. Die Kosten einer derartigen Einrichtung würden verschwindend gering sein; ihr Segen aber wäre nach den Ersahrungen, die mit einer staatlichen Vermittlungsinstanz bei Lohnbewegungen gemacht worden sind, so gut wie gewiß. Unheilvollen Konflikten vorzubeugen, erscheint hier als Pflicht der Staatsgewalt. Vielleicht ließe sich der Reichskommisston für Arbeiterstatistik eine Zentral-Vermittlungsinstanz angliedern, der die Aufgabe zufallen würde, in drohenden Streitfällen einen Ausgleich zu schaffen.
Snen6dus=@eft6Wen.
3Anf Monate tm grreuhaar interniert.
(Von unserem Korrespondenten.)
, „Die Jrrenhausafsäre des Beuthener Fabrikbesitzers und ehemaligen Stadtverordneten Lubecki, die vor einigen Jahren in Verfolg eines Beleidigungs-Prozesses gegen. ein Berliner Blatt die Ocffentlichkeit lebhatt beschäftigte, wird in der nächsten Zeit ein g c- richtlicheS Nachspiel haben, das dazu bestimmt ist, die Angelegenheit zu einem defi- nittvcn Abschluß zu bringen, ßubedi war seinerzeit auf Betreiben seines Bruders, feiner brau und seines Schwagers in der Irrenanstalt Leubus interniert gewesen und glaubt Grund zu der Annahme zu haben, daß. dwf» Internierung ans eigennützigen Motiven erfolgt sei, um ihn geschästsunfäig zu machen und ihm dadurch die Verwaltung seines Vermögens zu entziehen. Außerdem behauptet Lubecki, daß er in der Anstalt Leubus ordnungswidrig und den Regeln der Wissenschaft widersprechend behandelt worden sei. Er unterbreitete fein Material der Redaktion eines Berliner Äontagsblattes, die auf Grund dieses Material- einen Artikel unter der Ueberschrift „Jrrenhausfol- ter" erscheinen ließ und an den Zuständen in der Anstalt Leubus scharfe Kritik übte. Der Artikel behauptete u. a., daß gegen Lubecki Dauerbäder als Strafmittel verwandt wurden, daß er bei einem Besuche des Landeshauptmannes in ein Zimmer gesperrt wurde, damit er sich bei diesem nicht beschweren konnte, und daß Lubecki insgesamt fünf Monate lang die Folter de- Jrrenhaus- zwanges habe erdulden müssen.
Schließlich war in dem Artikel noch von der „famosen Dreifaltigkeit der Aerzte" gesprochen worden, weil der dirigierende Arzt der Leubuser Anstalt Sohn und Schwiegersohn zu Assistenten hatte. Infolge des Artikels wurde gegen das Blatt Anklage erhoben und nach eingehender Beweisaufnahme gelangte der Gerichtshof zu einet Verurteilung des angeklagten Redakteurs, der sechs Wochen Gefängnis erhielt. Der Staatsanwalt hatte drei Monate beantragt, dabei aber zugegeben, daß über die Opportunität eines Verhältnisses, wobei der dirigierende Arzt durch Sohn und Schwiegersobn assistteri wurde, Zweifel herrschen könne. In der Begründung des Urteils wurde ausgesprochen, daß die Angaben Lubeckis, auf Grund deren der infrimtnierte Artikel ausgebaut war, unrichtig seien, denn Lubecki sei zurzeit feiner Jnjtemierung gemeingefährlich geisteskrank gewesen. Das sei bewiesen durch ein Kollegium von Sachverständigen, wie es besser In der Well nicht existiere. Zu diesen Sachverständigen gehörten die Medrzinalrate Dr. Leppmann und Hoffnung, sowie her Geheime Medizinalrat Dr. Moeli von der großen Berliner Irrenanstalt Herzberge. In der Zwischenzeit hat nun Lubecki energische Anstrengungen gemacht, um den gegen ihn erhobenen Vorwurf der Geisteskrankheit zu entkräften, und es ist ihm auch von verschiedenen Gerichtshöfen, so vom Landgericht Beulhm und Oberlandesgericht BreSlau feine geistige Gesundheit attestiert worden.
In einem vor dem Landgericht Bcuthen schwebenden Prozeß wurde allerdings die Prozeßfähigkeit Lubeckis vom Gegner in Frage gestellt, worauf das Landgericht durch Beschluß ein Gutachten vom Professor Dr. Mann-Breslau einforderte. Dieser Sachverständige hat die völlige geistige Ge - sundheit Lubeckis feftgeffeut, und zwar gerade auf Grund eines früheren Schreibendes Sanilätsrat Alter, der damals noch ausdrücklich konstattert hatte, daß Lubecki geistig gefunb fei. Lubecki führt die für ihn ungun- ssigen Sachverständige n-Gutochten in dein Prozeß gegen das Berliner Montagsblatt daraus zurück, daß die Sachverständige» sich