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In Bezug auf die Reklame hat einmal ein berühmter Engländer den Ausspruch getan:
„Reklame ist dem Geschäft, was der Dampf für die Maschine ist: die große bewegende Kraft.“ Nur wer seine Waren öffentlich anzeigt, kann erwarten, sie zu verkaufen.
P. Berufung einlegte. Da nun P. als Unteroffizier d. L. auch der Militärgerichtsbarkeit unterstand, so wurde von dem Divistonsgericht der 17. Division ebenfalls das Verfahren eröffnet und P. zur Degradation verurteilt, welches Urteil jetzt vom Oberkricgsgericht in Cassel aufgehoben wurde.
* Ter Fähnrich als Kavalier. Vor dem Kriegsgericht der Berliner Kommandantur
Grnde, die dieses Wegstreben aus der Gebundenheit in die freie abrikarbeit erklärlich machen, aber wir bedauern sie.
Nichts Törichteres und Schlimmeres, als wenn einzelne Frauen beim Suchen nach Erwerb die Männerlöbne drücken, denn jedes Sinken des Männerlohnes oder jedes Stehen- bleibcn bei wachsenden Lebensansprüchen treibt wieder neue Scharen von Hausfrauen in den Erwerb. Mit jedem Steigen des Män- nereinkommeus dagegen eröffnet sich die Möglichkeit, daß Frauen ihrem schönsten und besten Berufe erhalten werden. Denn was die Frauen mit ihren geschickten und billigen Fingern in Kontor und Fabrik schaffen, kommt an Wert bei vielen nicht heran, was sie im
4. Beilage.
Sonntag, 4. Dezember 1910,
hatten sich die beiden Fähnriche Lots und von Ä e n d h e i m unter der Anklage des fortge- scsten Betrugs in idealer Verbindung mit fü> werer Urkundenfälschung zu verantworten. Die beiden jungen Leute fühlten das Bedürfnis, in Berlin die „Kavaliere" zu zu spielen, doch fehlte ihnen dazu das nötige Geld. Da lasen sie eines Tages eine Annonce: Offiziere und Kavaliere", und setzten sich mit dem Inserenten in Verbindung. Es war der Geldvermittler Hamburger, eine sehr fragwürdige Exstizen, der gegenwärtig eine G» sangnisstrase wegen versuchter Erpressung verbüßt und außerdem wegen Meineids, Wuchers und Erpressung in Untersuchung steht. Beide Angeklagte ließen sich mit H. in Wehselgeschäste ein, die recht verhängnisvoll für sie werden sollten. Louis erzählte dem Geldvermittler, er werde, sobad er ins Regiment eintrete, über ein Depot der deutschen Bank von 40.000 M verfügen, während v. B. vorspiegelte, er bekomme beim Eintritt ins Regiment eine Erbschaft von 40.000 Ji ausgezahlt. Daraufhin kam das Wechselgeschäft zustande. Beide gaben im ganzen für 5700 M Wechsel an H. und erhielten dafür nur 180 M bares Geld. Dai- Gericht erkannte auf Freisprechung, da der Geldvermittler es offenbar auf eine grobe Uebervorteilung der beiden unerfahrenen jungen Leute abgesehen habe.
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überraschend, denn das halbe deutsche Volk ist tn gleicher Lage und die Frauen, die verdienen müssen, gehen naturgemäß dahin, zahlreiche und billige Arbeitskräfte vci werden, zum Großgewcrbe. Nicht die Befrer- ung vom Manne ist die größte und schwerste Aufgabe, der Frauenbewegung, sondern die Befreiung der arbeitenden Frau und des arbeitenden Mannes vom Drucke der jetzigen wirtschaftlichen Verhältnisse. Frauenfrage ist Lohnarbeiterfrage! Die Lösung dieser Frage ist erschwert dadurch, daß die Frau vom Manne als Konkurrentin und oft als oLhndrückerin empfunden wird. Deshalb wäre nichts erfreulicher, als wenn eine Arbeitsteilung einträte. Aber leider lehrt uns die Statistik, daß gerade die eigenste Domäne der Frauenarbeit, die Hauswirtschaft, von den verdienenden Frauen gemieden wird. Die Zahl der Dienstboten hat in den letzten zwölf Jahren um 5 Prozent absolut, also im Vergleich zu der um 20 Prozent gewachsenen Bevölkerung um 25 Prozent, also um ein volles Viertel abgenommen. Wir kennen die
* Die Fürstin auf der Anklagebank. Vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte hatte sich die Fürstin Anna von Lieven wegen Be- t r u g s zu verantworten. Die Angeklagte machte vor einger Zeit eine Erfindung, bei welcher es sich um die Herstellung von nachts leuchtenden Glasbuchstaben zu Reklamezwek- ken handelt. Sie ließ sich diese Erfindung vorläufig nur durch 'einen Gebrauchsmusterschutz schützen. Trotzdem aber soll sie, wie die Anklage behauptet, ihre Erfindung an einen Kaufmann Klein unter der falschen Vorspie- gelung, daß diese schon zum Patent angemeldet und auch patentfähig sei, für eine größere Summe verkauft haben. Wie sich später herausstellte, war jedoch die Erfindung zur Zeit des Verkaufes noch nicht zum Patent angemeldet. Ebenso wurde die Erfindung spater vom Patentamt als nicht patentfähig bezeich- net. Vor Gericht wies die Angeklagte em- wandfrei nach, daß sie ihrem Bevollmächtigten länger Zeit vor Verkauf der Erfindung den Auftrag gegeben hatte, diese zum Patent an- znmelden, und ihm auch die erforderlichen Gebühren in Höhe von 110 Mark übergeben hatte. Das Gericht kam deshalb zu einer Freisprechung der Angeklagten.
.Weltwerk«.
Damit kommen wir auf das zweite De- benkliche in der Erwerbsarbeit der Frauen: Fast neun Zehntel sind Lohnempfängerinnen, wirtschaftlich Abhängige. Das ist nicht
Gericht und Recht.
Der Sadist als Erzieher.
Aus Gera schreibt man uns: Vor dem hiesigen Schwurgericht hat soeben die Verhandlung des sensationellen Prozesses gegen den Leiter des Fürstlich Reußschen Rettungshauses Karolinenfetd, den Hausvater und Lehrer Ernst Köhler aus Oschersleben begonnen, der sich unter der Anschuldigung einer Reihe schwerer Sittlichkeitsverbrechen, des Vergehens im Amte, der gefährlichen Körperver- letzung und des Meineids zu verantworten hat. Der Angeklagte, der im Greizer Seminar das
Hause schaffen können und was im Hause heute verloren geht. Wer sich klar machen will, wo der wirtschaftliche Wert der Frauentätigkeit liegt, braucht nur irgend eine Tatsache der Bevölkerungsstatistik sich nachzurechnen. Beispielsweise die Säuglingssterblichkeit. Bekanntlich stir t von allen Kindern in Deutschland der fünfte Teil im ersten Lebensjahre; früher war es der vierte Teil ;vor alter Zeit die Hälfte. Jeder Todesfall bedeutet neben allem Schmerzen, daß ein wirtschaftlicher Aufwand von hundert Mark oder mehr vergeblich gemacht ist. 350 000 Säuglinge sterben jährlich in Deutschland; das heißt mindestens 50 TIiII innen Mark bettet unser Volk jährlich in die kleinen Gräber; viele hundert Miklionesi jährlich tn die Gesamtheit der Kindergräber. Ich habe berechnet, daß die Abnahme der Kindersterblichkeit seit 30 Jahren uns etwa 200 Millionen Mark jährlich erspart. Hier ist das Feld, wo Frauen ihr Volk reich machen können, wo sie höhere Befriedigung finden, als in den rasselnden aFbriken und dumpfen Nähstuben. Also sorget,d aß die Erwerbsarbeit der Hausfrau überflüssig wird. Das kann aber nur dann geschehen, wenn der Verdienst des Mannes für die Familie reicht. Senn, die Frauenfrage ist nichts anderes als - - Frage der Männerlöhne!
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Hier liegt der Grund für die 8Millionen berufstätiger Frauen. Weil das Haus leer von Arbeit wird, müssen die Ledigen sich im Beruf Beschäftigung und Unterhalt gewinnen. Weil der Verdienst des Familienvaters nikt reicht sür alle Bedürsnisse müssen Hunderttausende von Hausfrauen und Müttern verdienen helfen, um das zu kaufen, was str früher im Haushalte selbst hergestcllt haben. Die Entwicklung ist durchaus logisch. Frauenarbeit war zu jeder Zeit nötig; und wenn die Technik die Arbeit aus dem Hause in die Fabrik zieht, so muß die Frau ihr nachziehen. Auch technisch ist die Entwicklung rich- ttn, denn technisch arbeitet der Großbetrieb mit Arbeitsteilung und Organisation, mit Fachleuten und Maschinen, zweckmäßiger, bil- nger und (wenn er will; auch besser als die Masse der einzelnen Hausfrauen. Jede Frau in der Industrie kann nicht nur eine, sondern mehrere Hausfrauen entlasten. Wenn unsere Rur-Hausfrauen wüßten, wie sehr sie ihre Behaglichkeit, ihre Muß für Mann und Kind, der gewerblichen Arbeit ihrer ärmeren Mitschwestern verdankten, sie würden nick^ '—
ächtlich auf diese herabsehen . . . — ist ja eben die eine schwere Folge der neuen Entwicklung: Daß die Frauenarbeit sozial entwertet ist. Einst war das Spinnen schönstes Symbol hausfräulichen Fleißes und sogar Königstöchter webten und schneiderten. Heute ist Spinnen und Weben Fabrikarbeit und verachtet von den „Damen", die den Wert ernster Arbeit nicht kennen; bemitleidet von den tätigen Hausfrauen, die sich vielleicht mehr plagen als jene, aber mit größerer Freude, wett es für ihre Lieben ist und nicht für den fremden Unternehmer oder das kalte Wott
zweite Lehrer-Examen abgelegt hatte und sich sehr religiös zu geben verstand, war seinerzeit als bestempfohlener Kandidat zum Hausvater und Lehrer in dem Rettungshause Karolinenfeld bestellt worden. Das Rettungshaus ist bestimmt zur Aufnahme verwahrloster oder sittlich gefährdeter Kinder, die zwangsweise erzogen werden, und zurzeit, als der Angeklagte Köhler dort Hausvater war, befanden sich insgesamt 35 Zöglinge in der Anstalt. Da der Angeklagte sein Lehrer-Examen abgelegt hatte, so war ihm zugleich auch der Unterricht anvertraut, und er war somit der Alleinherrscher in der Anstalt, ein Umstand, den er in der betrübendsten Weise dazu benutzt haben soll, um eine Reihe der schwersten Verbrechen gegen die ihm anvettrauten Kinder zu begehen.
Köhler, der verheiratet und Vater eines Kindes ist, soll ein von den niedrigsten Instinkten erfüllter Mensch gewesen sein. Richt nur, daß er mit einem achtjährigen und einem dreizehnjährigen Mädchen unzüchtige Handlungen abscheulichster Art vornahm, wird er auch beschuldigt, Knaben und Mädchen wie ein Sadist mißhandelt zu haben. An den Mädchen verging er sich in der Weise, daß er in das Badezimmer eindrang, während die Mädchen badeten und sie nackend her- ausholte, um sie dann zu prügeln. Ein besonderes Vergnügen soll es ihm dann bereitet haben, wenn er die von den unmenschlichen Züchtigungen blutunterlaufenen und wunden Körperteile der Kinder immer wieder prügeln konnte, bis das Blut floß. Er hatte sich dazu vorher Weidenruten cinge- weicht. Die grauenhaften Einzelheiten der verschiedenen Prügelszenen sind Jahre lang dem Auge der vorgesetzten Behörde verborgen geblieben. Der kontrollierende Geistliche wurde jedesmal von dem Angeklagten bei seinem Rundgange begleitet, so daß die Kinder es nicht wagten, diesen um Hilfe anzugehen. Erst im April d. I. gelang es einem der am schwersten mißhandelten Mädchen zu entfliehen, und ihre Angaben hatten eine schleunige Revision der Anstalt zur Folge, bei der die erschütterndsten Einzelheiten aus dem Leben der mißhandelten Kinder aufgedeckt wurden. Für die Verhandlung gegen Köhler sind drei Tage in Aussicht genommen.
• Die Folgen einer „fröhlichen Nacht". Das hiesige Oberkriegsgericht entschied geOern im Einvernehmen mit dem militärärztltchen Sachverständigen, daß der von dem Divisionsgericht der 17. Division wegen Betruges zur Degradation verurteilte Unteroffizier d. L. P. außer Verfolgung zu setzen sei. Infolge seines unruhigen Auftretens voller nervöser Hast vor dem Richter wurde P. als hochgradig er Hysteriker und Neurastheni- k e r bezeichnet. P.. der als Lazarettunteroffizier an dem Feldzuge gegen China teilgenommen hatte, war nach seiner Rückkehr m die Heimat nicht wieder bei einem Truppenteile eingetreten. Er wandte sich nacheinander den verschiedensten bürgerlichen Erwerbszweigen zn Als Kontrolleur eines Wach- und Schlie«- inktituts befand sieh P. eines Abends in fröhlicher Gesellschaft in einem Restaurant. Nachdem man schon tüchtig gezecht hatte, wurde P. aufgfordert, noch einige Flaschen Sekt zum Besten zu geben. Nach seinen Angaben zeigte er nach langem Sträuben dem Wirt einen wertlosen Jnterimsfchein über eine Aktie von 1000 Mk. mit den scherzhaften Worten: .Wenn Sie mir hierauf Sekt geben wollen, dann her bamlt!“ Der Sekt kam auch uno wurde getrunken. Erst am nächsten Morgen bemerkte der Wirt die Unechtheit des Scheines, worauf er später den P. aufforderte, seine Zeche zu bezahlen. Da P. das nicht tat, stellte der Witt Strafantrag wegen Betruges. In dem Sinne erkannte auch das Schöffengericht zu Nordhausen und veruttcilte den Angeklagten zu 2 Wochen Gefängnis, wogegen
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Moderne grauenfrage.
Don 8r. Heinz Potthoss, M. d. R.
Fast alle Erörterungen üuer die moderne Frauenfrage beginnen mit dem Hinweis auf eine riesige Zunahme der Frauenarbeit; das heißt: Mit einem fundamentalen Irrtum. Denn wenn auch die Statistik zeigt, daß die Zahl der berufstätigen Frauen feit einem Menschenalter sich von’Jüuf 8 Millionen verdoppelt hat, so beweist das noch nicht eiue Zunahme, sondern nur eine Verschiebung in der Frauenarbeit. Diese Verschiebung ist tausend Jahre all und ist ver- bunden mit einer Abnahme der Frauenarbeit. Unsere ganze Kulturentwicklung geht dahin, daß die Männer den Frauen einen wachsenden Teil ihrer Arbeit abnehmen. Einst mußte die Hausfrau alle wirtschaftliche Arbeit leisten, denn alles war Hausarbeit, von der Bestellung des Kornes und Flachses bis zur Bereitung des Brotes und der Kleider. Die Ueberuahme des Ackerbaues und der im Mittelalter sich bildenden Gewerbe durch die Strömer war eine langsame, große Entlastung der Frauen. Diese Entlastung hat in den letzten Jahrzehnten so riesige Fottschtttte gemacht, daß das Haus leer geworden ist von wirtschaftlicher Arbeit, so rasch und gründlich leer, daß unsere sozialen Verhältnisse sich noch nicht richttg anpassen konnten. Was haben unsere Großmütter noch alles in Haus und Garten selbst geerntet, gebacken, einge- ■ macht, gesponnen, gewebt, geschneidert, gestrickt und garniert! Heute braucht die Hausfrau kaum noch gewerbliche Arbeit im Hause zu leisten; die Industrie nimmt ihr auf Wunsch sogar die intimste Hausstauentätigkeit, das Reinigen und Kochen ab. Die Frau kann sich ganz ihren bedeutsamen Aufgaben als Gattin und Mutter widmen, wenn — genug Geld da ist, um alleS zur Bedarfsdeckung Erforderliche zu kaufen.