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Wim. Fuhse

am Rathaus

II. oikeMM und (diener Lederneren

Kimstsewerbehaus

Unerreichte Auswahl In:

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Dieversteinerte" Lunge.

Professor Dr. Lavasienr hat, wie uns aus P a - r i S geschrieben wird, eine interessante Unter-

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schäft sandte kürzlich «a den Setter einer großen Irren«»Kalt da Paket mit fot aendenrBeikommenv übersende ich

eine Lederlasche. enthaltend: einen Dolch, einen Revolver, d«t Wesser^eine Felle, eine elekrrllche Taschenlampe, ein Bund

er aus den Händen des Grafen Waldeck _ die Schenkungsurkunde entgegen, reichte ste einem seiner Freunde und sagte:Gib daS meiner Frau und meinen Kindern; ich habe ihnen durch mein Trinken eine schöne Erbschaft er­rungen". Wie von einem Alpdruck befreit, be­gannen die Gäste zu lachen und »Bravo! zu rufen; in demselben Augenblicke aber sank Fürst Zeropatkow entseelt zu Boden: ein Herzschlag hatte seinem Leben em Ende gemacht.

Das Patenkind deS Papste«.

II. Pfoyhelmer und Pariser Damenschmuck Msmorstafiietten |

Beilage.

Sonntag, 4. Dezember 1910.

feste. Das zweite französische Kaiserreich ist rllcht arm gewesen an Kriegsdenkmünzen. Die Feldzüge RapoleouS IIL in der Krim, in Jta- uen und in Mexiko, dann auch die Niederwer­fung des chinesischen Aufstandes, haben die Zahl der französischen Kriegs- und Sieges- medaiSen sehr bereiachert, aber der letzte Wunsch der Franzosen, diese stattliche Samm­lung durch eine in den Kämpfen um den Rhön erworbene Siegesmedaille zu vermeh­ren, follte unerfüllt bleiben. Es ist nun in der Oefjentlichkeit wenig bekannt geworden, daß eine solche Medaille tatsächlich vorhanden war, als der Krieg ausbrach und die ersten Schlach­ten im Elsaß geschlagen wurden. Auch hier kam eine trunkene Siegeszuversicht zum Aus­druck, wie ste der damaligen Stimmung der französischen Regierung und des französischen Volkes entsprach. Das Wort:Finis Polo- niae" (Polens Ende), daß der Feldherr Kusciusko in der Schlacht bei Maciejowice am 10. 10. 1794 ausgerufen haben soll, als er schwer verwundet in die Hände der Kosaken fiel, war unter Abänderung des Ländernamens als Denkspruch für die französische Medaille ge­wählt worden, auf deren Reversseiate, umge­ben von Eichen- und Lorbeerkränzen, die pomp­hafte Inschrift prangte:Finis Germania- 1870" (Deutschlands Ende 1870). Es ist selbst­verständlich, daß diese Münze niemals verlie­ben worden ist. Man suchte sie von feiten der Regierung möglichst geheim zu halten, und nur wenige Stücke haben sich in spätere Tage gerettet. Die übrigen stndn fast alle einge- schmolzen worden. *

Wie man in Rußland wettet . . .

Ruflische Blätter erzählen die Geschichte einer tragischen Wette, die vor einigen Tagen in Moskau zum Austrag gekommen sein soll. Fürst Wladimir Zeropatkow, ein Edelmann, der am Rande des Bankerotts stand, wettete mit einem reichen Gutsbesitzer, dem Grafen Waldeck, daß er mit einem Zuge einen dreieinhalb Liter fastenden, riesigen Po­kal leeren wrde. Waldeck, der das sür un­möglich hielt, riskierte, ohne sich lange zu be­sinnen, als Einsatz eines seiner Schlösser mit dem Park, dem Landgut und den dazugehöri­gen Aeckern und Wäldern. Die Wettbedmgun- gen wurden notariell festgesetzt. Dann lud Waldeck den Fürsten Zeropatkow nebst drei Zeugen und etwa zwanzig Freunden zum tzssen. Fürst Zeropatkow bei Tisch nur einen Salzhering, ohne etwas dazu zu trin­ken. Nach dem Esten brachten zwei Diener den Riesenpokal, der mit einer Mischung von Porter und Champagner gefüllt war; die Russen nennen diese MischungTürkenblut". Vorsichtig näherten die beiden Bediensteten den Pokal den Lippen des Fürsten, indem ste ihn leicht neigten. Langsam trank Zeropatkow hie dreieinhalb Liter Türkenblut: di Anwesen-

zosen in's rechte Licht setzt. Die deutsche .,Un­teroffizier-Zeitung" ist nämlich in der Lage uiutuw«« . ..» -- .........

mitzuteilen, daß die Franzosen bereits eine! den. d-nen die Minuten wie Stunden vorka- Siegesmedaille geprägt batten, die den men, schauten ihm mit angstvoller Spannung lorbeerbedeckten Kriegern verliehen werden zu. Als er den Pokal geleert hatte, nahm

Der Kaiser und die Blumen.

Aus Wiesbaden wird uns geschrieben: Alljährlich, wenn Kaiser Wilhelm im Mai nach Wiesbaden kommt, steht die Stadt im schön­sten Blumenschmuck. LaVille des fleurs wird sie von den entzückten Fremden genannnt, die bewundernd vor den schmucken Villen ste­hen bleiben, in deren gepflegten Gärten es grünt und blüht. Jeden Morgen reitet der Kaiser in den Wald. Bei dieser Gelegenheit geschieht es häufig, daß ihm auf der Straße köstliche Sträuße überreicht werden. Dre Gartenbesitzer zögern nicht, ihre Garten zu plündern. Lächelnd nimmt der Kaiser die blu- henden Gaben in Empfang, und übergibt sie einem Diener, der ste in einen Wagen legt, der eiaenS zu diesem Zwecke hinter dem Kaiser herfährt Oftmals häufen sich die Kinder Flo- ras derartig an, daß der Wagen sie kaum noch fassen kann. Vor dem Schlosse angelangt, stellt der Monarch sich auf, und wartet, bis der Wagen geleert ist. Es kommt sogar vor, daß er zu dem Wagen zurückreitet und nachsiehl, ob auch kein Blümchen vergessen worden ist. Im Schlosse stehen unterhessn schon eine Un- menge Vasen zur Ausnahme der Blumen be- reit. Aber auch dann noch überzeugt sich der Kaiser, ob kein Strauß fehlt.

suchung gemocht, durch die der Einfluß der Be­schäftigung einaes Menschen auf den Zustand und die Entwicklung der Lunge in besonders frappanter Weise festgestellt wird. Er hatte nänüich den Auftrag, die Lunge eines Porzel- lanarbeiters zu sezieren, der 24 Jahre bei der Drehscheibe gesessen hatte. Schon eine ober­flächliche Betrachtung der Lunge ergab ein überraschendes Resultat. Der Gelehrte war zuerst nicht imstande, die Lunge auf dem ihm geläufigen Wege durch Anwendung von Mes­ser und Schere zu zerkleinern. Er machte mehr- fach den Versuch, der immer mißlang, so daß er zuerst auf den Gedanken kam, daß hier ei« Scherz vorliege. Eine eingehende Untersuchung ergab aber, daß es sich tatsächlich um die Lunge des Porzellanarbeiters handelte, die nur durch die lange Beschäftigung des Verstorbenen mit Kallstein dieses eigenartige Aussehen und bu seltsam harte Beschaffenheit erlangt hatte. Dre Lungenwandungen waren nämlich derartig mit Mineralbestandteilen, Kalkteilen und Mi­neralstaub durchsetzt, daß sie sich dadurch als steinhart erwiesen. Die Lunge machte dadurch den Eindruck einer Versteinerung, tote sie des öfteren auf künstliche Weise im Karlsbader Strudel erzeugt werden. Trotzdem hat aber der Arbeiter dadurch keinaerlei Beschwerden empfunden, da die Verkalkung der Lunge ganz allmählich im Laufe der Jahrzehnte vor sich gegangen war. Die Atcmsunktiaonen müssen sich allmählich nach dem Zustand der Lunge umgewandelt haben. Der betreffende Arbeiter war an einem Herzschlag verschieden. Es ist rooiii rein Zweifel, daß die Verkalkung der Lunge an dem Tode des Arbeiters einen Teil der Schuld trug.

Messer, eine Dose Streichhölzer, drei Brecheisen, welche in der Untersuchnngs- sache gegen Y und Genossen wegen schweren Diebstahls hier asserviert wurden mit dem Er- suchen, dieselbe« an ® gegen hierunter zu sei- zeude Empfanasbefcheinigung auszuhändigen, und mir Gegenwärtiges alsdann wieder zu- rückzusenden. . / Der Adressat, Professor Aschaffenburg in ilöte, hätte sich, wie er in feiner Monatsschrift für Kriminaflssycholo- aie und Kriminalistik schreibt, diesem ge­setzlich vollkommen gerechtfertigten Wunsche der Staatsanwaltschaft (der Täter, ein schwe­rer Verbrecher, war wegen Geisteskrankheit aus Grund deS § 51 freigesprochen, aber wegen Gemeingefährlichkeit in eine Irrenanstalt überwiesen worden) glücklicherweise nicht gc fügt; aber damit hätte er sich wahrscheinlich einer strafbaren Handlung fchuldig gemacht. Doch oer kranke Verbrecher befand sich bereits in einer anderen Anstalt, und fo wird ver­mutlich der nächste nAstaltsleiter vor den Konflikt zwifchen bewußter Rechtsbeugung und Dermmft gestellt werden. Vielleicht wird dem Internierten sein Handwerkszeug nicht auSgehändigt,sondern vorläuftg bis zu seiner Enflassungasserviert". Ausgerüstet mit guten Ratschlägen und dem Neocssaire toürbe er bann bald Gelegenheit finden, mit Brecheisen und Dietrichen, eventeull sogar mit Hilfe des Revolvers und den sorgfältig trok- ten aufbewahrten Patronen, seineÄrbeits- willigkert" zu manifestieren. Wiederum wird die Staatsanwaltschaft delioto commisso in Aktion tretn und a(servieren. Hoffentlich ist dann schon ein neues Strafgesetzbuch in Kraft, bad auch die Tat eines Geisteskranken nicht wie das alte als ungeschehen betrachtet und daruur auch dem erkennenden Richter die Be­fugnis erteilt, Gegenstände, die zur Begehung eines Verbrechens gebraucht oder bestimmt waren, auch bei nichtverantwortlichen Geistes­kranken einzuziehen.

.Finte Germania« 1870.

Im Jahre 1870 waren die Franzosen be­kanntlich sehr siegesgewiß, und der Ruf:A Berlin!" ertönte aus tausend Kehlen. Das Spassigste ist ober eine bisher unbekannt ge­bliebene Tatsache, die den Ehrgeiz der Fran-

Mau schreibt uns: Im Jahre 1847 war Pius IX. in Italien noch sehr beliebt Zwi­schen dem Hof von Turin und dem Vatikan bestanden die herzlichsten Beziehungen, und Karl Albert fand die stürmischen Begeiste- rungskundgebungen, deren Gegenstand der Papst war, so berechtigt und natürlich, daß er den Wunsch aussprach, man möge der kurz vorher geborenen zweiten Tochter Victor Ema­nuels, der damals noch Herzog von Savoyen hieß, den heiligen Vater zum Paten geben. Der Papst erklärte sich mit der Paten­schaft sofort einverstanden, und die junge Prin­zessin erhielt die Namen Maria Pia. Gütige Zeit darauf traten Ereignisse ein, die in den Beziehungen zwischen dem Vatikan und dein Staate Piemont eine gründliche Aenderung berbeiführten; die geistige Verwandtschaft zwifchen dem Oberhaupt der katholischen Kir­che und der Tochter des Kirchenfeindes Victor Emanuel blieb davon jedoch unberührt, und ,

Pius IX. zeigte für fein Vaterlans nach wie wohl kein Zwei vor das größte Interesse. Eines Abends spielte der Papst mit einigen Monsignori etne Partie Billard, denn der Leibarzt hatte dem alten Herrn dieses Spiel als gymnastische Hebung ganz besonders empfohlen. Ein paar Tage vorher war die Königin Maria Pia von Portugal nach Rom gekommen, um ihren Vater zu besuchen; die Herren, die sich in der Umgebung des Papstes befanden, un­terhielten sich über diesen Besuch, und ein Monsignore, der diegemachten Balle anzu­schreiben hatte, erlaubte sich, in der Meinung, daß er dem Papste damit einen Gefallen tue, ein paar un e b r e r b i e t i g e B e m er - Zungen über Victor Emanuels Tochter. T a erhob Pius IX. den Billardstock plötzlich wie eine Waffe und fagte, indem er den respekt­losen Prälaten entrüstet ansah, mit scharfer Betonung jedes einzelnen Wortes:Es will mir scheinen, Monsignore, daß Sie eines ver­gessen: Ich muß Sie bitten, sich stets daran zu erinnern, daß die Königin Maria Pia mein liebes Patenkind ist." Keiner der Anwesenden wagte ein Wort zu erwidern; alle blickten scheu und betroffen zu Boden, und die Billardpar­tie wurde unter unheimlicher Stille zu Ende