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Lassrler Mrurste Kschrichten

Erster Jahrgang.

Beilage.

Sonntag, 4. DezenrSer 1910.

unen Frau für Fantaste-

Wii Mm nii ins M

leihweise unsere Lesemappen

zeltschtiften nach wiüil rainntensiehenilemoerzeldinls.

steht der Gürtel wieder in hoher Gunst. Eigen­artig wirft die Verwendung von Pelzschwei­fen an Gürteln aus Sammetkalbleder. Die Gürtel sind entweder im Rücken mit Metall- knöpfen garniert und weifen vorn abgestuft herabhängende Pelzfchweife auf, oder aber sie baden einen Pelzdurchzug. Wahrnehmbar ist

Jet. -

Schnallen aus Altsilber, Koralle und Emaille finden auch beim modernen Hals­schmuck Verwendung. Der Halsschmuck, der

Speziell empfehlenswert sind unsere Mappen A oder B.

haben einen Pelzdurchzug.

die Vorliebe der vornehmei . .

gürtel, die in Seide oder Seidenband ausge- führi sind, mit Perlen benäht, mit Jetketten oder Tülleinsätzen durchbrochen werden und gar mannigfaltige Abschlüste erhalten. So hat beispielsweise ein entzückender Brokatgürtel einen Zipfelabsckluß, der vorn durch einen Einschnitt gezogen wird und in einer dicken Goldtroddel endigt. Eckt pariserisch sind Gür­telschleifen aus zweierlei Band mit künstlicher Blume garniert. Gürtelschnallen aus japani­scher Koralle sind ebenfalls modern und neu, außerdem altgolden Schnallen und solche aus

denen keine Auslösung gefolgt ist. Er u- nichts von der Freude am Kleinen, er versaht nicht die Kunst, auch im Halben ein Ganzes seiner Art zu sehen, er ist ein phantastisch­idealer Lebensdilettant, ein Dilettant des Ge­nusses, der seine Lust nicht in der Beschrän­kung, im Gegebenen sindet, und seine Sehn­sucht hinausschickt auf das hohe uferlose Meer der Hoffnungen, daß sie dort das Unerreich­bare suche. Noch aber sand er keine Erfüllung seines Sehnens, noch sind seine Lippen dur­stig vor Erwartung. Ein kleines Intermezzo am Wcihnachtsbaum, und dann geht er wie­der, zu suchen: hochmütigen Stolz, auf der Stirn, unbefriedigt und zerquält im Herzen. Ob er sie jemals finden wird, die gleißende Hoffnung gaukelnder Träume . . .? -eg

Ife Mode voll heute.

Pariser Modrbrics.

(Nachdruck verboten).

Die vornehme Dame, die Toilette zu ma­chen versteht, kennt das Glück der Wunschlosig- keit nicht; ihr ist nicht einmal für kurze Zeit die satte Zufriedenheit vergönnt, die der Besitz irdi­scher Güter gewährt, denn alles, was zur m o - dernen Toilette gehört, ist einem ständi­gen Wechsel unterworfen, und was heute als le dernier cri" die Modewelt in Erstaunen vcretzt, gilt schon in einigen Wochen nicht mehr fürfair" und wird von neuen Mustern, neuen künstlerischen Entwürfen verdrängt. Beinahe will cs uns bedirnken, als wenn die Königin Mode in diesem Jahre mit einer koketten Sie­geszuversicht ihre unzähligen, entzückenden Neu­heiten ins Tressen führt, jenes Chaos von not­wendigen Nichtigkeiten, als da sind Bänder, Gürtel, Schnallen, Handschuhe, Schleier und H a l s s ch m u ck.

Da der Miederrock nach und nach abkommt,

bisher nur für Theater und Gesellschaft als fair galt, wird bei der diesjährigen Vorliebe für den, selbst zu Trottoirkostümen wir überhaupt zur Straßentoilette getragen. Eine vorteil­hafte Wirkung wird mit hellfarbigen, grellbun­ten breiten Sammetbändern erzielt, die genau mit der Farbe des Hutes und Kostümes harmonieren müssen und eine Dekor von kost­baren, aber edel und ruhrg gehaltenen Orna­menten aus dunkler Emaille, durchsichtigem Bernstein erhalten, während schwarze Sammet- bänder mit Brillantagrasfen verziert werden.

Ebenso kostbar wie der Halsschmuck ist der Haarschmuck. Im allgemeinen erhält der Garniturkamm den Vorzug, die seinen Zier- kämme weisen dies Jahr breitere Formen auf und kostbare Einlegearbeit. Geschlitzte Kämme werden häufig mit Band dvrchzogen. Ein für die moderne Dame unentbehrliches Requisit ist ferner der Fächer, der zwar längere Zeit etwas stiefmütterlich behandelt worden ist, aber jetzt aus echten Brüsseler oder anderen an­tiken Spitzen auf Elfenbeingestell oder auch aus bemaltem Chiffon auf Holz- oder Perl­muttergestell eine Vervollständigung der Toi­lette bilden. Fächer aus Straußenfedern sind nicht modern. Zu jedem Fächer gehört eine sich graziös am Seidenband schaukelnde Fä­cher t a s ch e. die im Innern ein duftendes Ricchkissen birgt. Auch Fächerbeutel an Silberfchnüren mit künstlichen Blumen verziert und stets mit dem Fächer übereinstimmend, werden getragen.

Und nun die unvermeidlichen Handtaschen. Auch die Handtaschen sind aus den Far­benton des jeweiligen Kostüms abgestimmt. Ihre Formen sind indessen flach und nicht sehr groß, .und die Taschen werden aus echtem See­hundleder, Saffianimttation und dem elegan­ten Lackleder gefertigt. AuchAutoleder" fin­det großen Anklang. Zu Nachmittags- unbe Besuchstoiletten trägt man graue, weiche Wildleder- oder braune Tuchtaschen ohne Bü­gel, und zu helleren eleganten Toiletten wer­den runde, mit Seiden- und Chinchillesransen versehene, weiße oder schwarze Seidentaschen benutzt, die goldene oder aus kleinen kostbaren Steinen gefertigte Monogramme aufweisen.

Unzählige Neuheiten gibt es noch in die­sen kostbaren Nichtigkeiten. Die reiche Pelz­verbrämung der Ballkleider hat wohl die Pa­riserin veranlaßt, auch die meist halblangen Ballhandschuhe mit einem glatten oder geschweiften, stulpenähnlichen Pelzansatz ob- zuschltetzcn. Aber die Vorliebe für Pelz geht Heuer so weit, daß selbst die spinnwebartigen Seidenmousseline-Schleier an bett Seiten breite Chinchilla-Streifen aufweisen. Neue Dessins für Hutschleier sind graziöse, ge­stickte Flamingos. Niemals wird sich eine vor­nehme Dame über das ästhetische Maß hinaus mit unzähligen Kleinigke'.ten schmücken, aber immer spielen diesekostbaren Nichtigkeiten" eine bedeutsame Rolle bei der Toilette der Frau, deren Pflicht es ist, sich äußerlich nicht zu vernachlässigen. -gkt-

lungsstunden, eines Hafens, in dem sich die Auseinandergesprengtrn zusammenfinden. Und der Gedanke, in solcher Zeit dieliebe Volks- herde" zu zählen, ist von neutestametttlicher Er­hebung und sollte gewiß das Gefühl harmoni­scher Familieneinheit stärken. Leider wurde diese Institution zum Keim des Zwiespalts. Ich erlebte Familienszcnen, die mich aufs tiefste den Tod Wilhelm Buschs bedauern lie­ßen. Unglücklicherweise geriet ich bei einem Besuch mitten in eine erregte Zähldebatte und ehe ich an den Rückzug denken konnte, ward ich zur Mitarbeit herangezogen und mit behörd­licher Ausfragefunktion betraut. Man ahnte nicht die Schlangen, die sich in dem Bukett harmlos scheinender Fragen versteckt hielten. Schon bei der ersten Tochter kam's zu einem Weinkrampf. Sie wollte lieber sterben, als mir ihr Geburtsdatum sagen. Die Zweite war schon im voraus rot und kampfbereit. Galant setzte ich ein unwahrscheinlich frühes Jahr in den Fragebogen, denn kein Gesetz der Welt kann mich zwingen, zwei hübsche Da­men zu beleidigen. Eher noch lügen. Gcsähr- lichcr wurde die Sache beim mensurtollen Stammhalter im ersten Semester. Als ich ihm geschäftsmäßig vorlas, ob er blind, epileptisch, lahm, geisteskrank oder nur geistesschwach sei, erklärte er mit Emphase, nur die Gastfreund­schaft würde mich vor einer Forderung schiit- zen. Zum Schlüsse sollte ich die Gnädigste inquirieren, wie's mit der Ernährung ihres Babys sei. Da aber riß ich aus . . .

So feiern wir hier eine vorweihnachtliche Idylle, ziehen den Schlafrock und die Weichen Pantoffel an und spielen den Gemütsmen­schen. Theater und andere Quälgeister stö­ren uns nicht und die Gesellschaftsabende sagt man ab. Da gibt es wieder einen ruhigen Abend in der Sofaecke bei dem blauen Krin­gelspiel der Zigarette. Langsam verglimmt das Premierenfcnerwerk und cs bleibt nur ein Häuflein Afche. Die armenVorsaison- autoren"! Arme Kerl-, und das Kanonenfutter der Herren Theaterdircktorcn; ohne Gnade werden sie dem Blutdurst der Kritiker ausge­liefert und haufcnweife abgeschlachtet. Ueber ihre Leichen schreiten die, die ums Saisonstück kämpfen. Dann wird die Bataille ernst, doch die Siege sind niemals glorreich. Rur weni­ges ist noch geblieben von den großen Thca- tertagen, und dies wenige ist beschetden in seiner Art, trotz des phänomenalenZugs ins Große", der nun einmal Berlin, uiw allem, was seines Geistes Züge offenbart, unver­kennbar anhaftet.

In geistigen Sphären erkennt man die­selbe Tendenz, nur gemäßigter, gezähmter. Sie kommt auch dem Wesen Berlins am nächsten und weist den Weg ins Allerheiligste feines Herzens. Himmelstürmend (wie alle Jungen) gibt es nur ein Entweder . . . Oder, Alles oder Nichts! Jedes Drama soll die letzte große Offenbarung fein, jedes Fest wie ein olvmpischer Frühling alles in ein verjüngen­des Bad tauchen. Die zersetzende Skepsis des Berliners, die fast wie Lieblosigkeit aussieht, entstand aus diesen gespannten Erwartungen,

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Gratis

Sttlipet Weltstadtbilder.

(Von unserem Korrespondenten.)

Berlin, 2. Dezember.

Dai Schwungrad Berlin läuft mit Eile feinem toten Punkt entgegen, der Zeil der Er­eignisarmut. Es küngt ja fast wie eine paradoxe Ironie, jetzt, da die Maschine am tollsten zu rasen scheint, von Ruhe und Stille zu sprechen. Freilich, der Physiognomie Ber­lins sieht maws auch nicht an, aber der Puls­schlag der Stadt geht langsam und in gleichem Takt. Im Takt der Weih nacht sglocken, die leise zu uns herübertöncn, und auch den Weltstädter noch in ihren Bann zwingen, wenn er auch nicht die Hände zur Andacht faltet und kaum an ihren religiösen Sinn denkt. Der Lärm des Lebens zittert nach bis in die Ein- kehrstunden und duldet keine beschauliche See- lenpslege. Und doch offenbart sich hier der wundervolle, uralte Zauber des Festes, feine Mannigfaltigkeit der Geisteskreise die Familie so sehr, wie in Berlin. Weil nirgends zwi­schen den Alten und den Jungen eine so tiefe Klufst klafft wie hier, wo im Riesenschritt der Entwicklung eine Gen ration gewaltig über die andere hinauswächst und erbarmungslos übet sie hinweggeht. Nirgends wird das Alte, bas Gestrige so verachtet, wie in dieserBrut­anstalt der Zivilisation". Nicht in die Ver­gangenheit zurücksehen und nicht in zukünftiges Nebelland spähen, sondern starr und fest den Blick auf den Tag richten.

Das ist das Geheimnis des Erfolges, das gibt der praktischen Tat die Stoßkraft. Des­halb kennt der Berliner keine Hauskultur, und vom dürftigsten Heim bis zur Protzenwoh­nung des Kurfürstcndammmillionärs sucht man vergeblich heimische Intimität. Das kleinste Nippes verrät die Unwohnlichkeit, daß alle hier nur einen Aufenthalt suchen und dem Sessel am Schreibtisch nicht mehr Inter­esse entgegenbrinaen, als einem Stuhl im Wartesaal. Berlin ist ein großes Hotel ge­worden und Unterschiede gibt es nur in der Preislage. Unstet und flüchtig irrt der Sohn der Spree durch seine Stadt und ist überall zu Hause. In der Elektrischen hält er Mittagsruhe; auf allen Fahrten im Autobus, in der Stadt­bahn und in der Untergrundbahn jede Mi­nute Wartezeit selbst im größten Verkehrs­chaos ausnützend, setzt er seine Arbeit fort, lieft, fchreibt, schläft, itzt, spricht und was man sonst noch auf dieser Erde tun kann, ununter­brochen und überall. Er kennt keine ungemüt­liche Situation und also auch keine Ruhe. Die Dinge sind für ihn tot, leblos, er hat kein Or­gan für das, was wir Stimmung nennen und erf/ckt solchenDusel" mit dem Klimpern des Geioes, das die Zeit bedeutet. Und das hat ihn zum großen Arbeiter und hervorra- aenden Organisator gemacht.

Nur einmal im Jahre wird er zum seßhaft ten häuslichen Spießbürger. Das meine ich im besten Sinne. Die weihnachtliche Welle trägt ihn aus dem Strudel ans trok- kene Land und nun gewinnt die Familie für ihn die Bedeutung einer Zuflucht sur Erho­