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Corot tag, l Dezember 1916.

Laffeler Neueste Nachrichten

Nr. 1. L Jahrgang.

rode der Untersuchungshaft wurden auf die Strafe angerechnet.

* Militär- und Beamteopersonalieu. Er­nennungen: Gertchtsaflessor Rüdiuger in Limburg a. L. gum Staatsanwalt in Ha- nauz die Katasterlandmeffer Riedel und E. Schmidt zu LaiLsterkontrolleureu in Schmalkalden ress». Burgwedel. Berietzuu- gen: Kempf, Brtrtebsleiter bei der ®e- wehrfabril Erfurt auf Antrag mit Peufimr in den RuheöEd: Forstmeister Jmmel- bei«I nach Fulda. Bez. Cassel; K»rlch> Jnrendanturrat bei der Intendantur deS 5. Armeekorps, zum 1. L 1911 an die Inten­dantur de» 1L Armeekorps; Klee » ann. Katasterkontrolleur von Schmalkalden nach Cassel.

Vierzig Jahre im Dienste des Staates. Am Donnerstag sah der Kögl. Oberklassen- Vorsteher Chr. Gribnik, der Vorstand der Stationskasse auf Caffel-O., auf eine 40jährige Dienstzeit zurück. Von allen Seiten wurden dem Jubilar wohlverdiente Glückwünsche zu­teil.

* Krieg und Frieden. Auf Einladung der Casseler Ortsgruppe der Friedensge­sellschaft hält Herr Professor Riquez heute abend um 8 Uhr im Saale des „Cenira«- Hotels" einen Vortrag über das Thema: „Krieg und Frieden". Herr Riquez, ein eifriger Verfechter der Friedensidee und ge­schätzter Senner der einschlägigen Verhältnisse, ist Bürgermeister in Vaux-les-Amiens. Er hat als Student Deutschland aus eigener Anschau- imfl kennen gelernt und beherrscht auch die deutsche Sprache vollkommen. Als ehemaliger Offizier hat er während de» deutsch-franzöfl- scheu Krieges an den Kämpfen der sranzösischen Nordarmee teilgenommen.

* Die bedrohte „Kurierfreiheit". Unter dem Panier „Reichskartell für Er­haltung der Kurierfreiheit" haben sich soeben die N a t u r h e i l v e r e i n e Deutschlands zusammengeschlossen, um den Ab­wehrkampf gegen den Entwurf des Reichsgesetzes zur Einschränkung der Kurierfreiheit mit Nachdruck au;- nehmen zu können. Die Anhänger der Natur- Heilkunde sehen in dem geplanten Reichsgesetz eine „große Gefahr für die persönliche Freiheit deS deutschen Volkes, da der Gesetzentwurf der Regierung dem Kranken die freie Wahl des Heilkundigen, dessen Behandlung er sich ander- trauen wolle, erschwere, lediglich zu dem Zweck, um für die herrschende medizinische Schule ein Monopol zu schaffen.' — Auch der Natur- Heilverein Cassel hat sich dieser Kampf­bewegung angeschlossen, deren Organisation sich über das ganze Reich erstreckt.

Frei Wochen vor MMEen.

Dezember . . . nur noch drei Wochen tren­nen uns vom schönsten, innigsten Fest 0l5 wah­res, dem großen Fest der Christenheit, lieber« all glänzt schon die Vorfreude der hohen Feier auf, die immer wieder aller Welt Liebe und Versöhnung bringen möchte. Daheim und draußen. Zu Hause tuscheln bereits wochen­lang Geheimnisse. Im behaglichen Familien­kreise, bet trautem Lampenschein und knistern­dem Ofenfeuer, werden jetzt — es gilt Myste rien zu wahren! — die großen Ucberraschun- gen vorbereitet, die Weihnachtsgeschenke von rührigen Händen und Händchen für die Lieben angefertigt. Weihnachis-Vorstimmung: in al­len Seelen steigt sie auf, schenkt den kalten Straßen, die eben noch unter dem grauen, dü­steren Himmelsanilitz zusammenschauern, war­mes Schimmern. Lebhaft beginnen die Häu serreihen, denen zur Vollendung des intime­ren Weihnachtsgepräges, des festlichen Mär­chenzaubers, nur noch das Schneegewand fehlt, zu strahlen.

Jedes HauS fast scheint sich mit blitzenden Juwelenketten zu schmücken, Menschenmassen wogen in fröhlichem, geschäftigem Treiben durch die Hauptstraßen unserer Residenz, be­sonders durch die Königs- und die Col- nische Straße. Offiziere, Bürger, elegant- Herren und hübsche Damen, Greise und Jung­volk, alles schwirrt und lacht vorüber. Die Masse hat ein ftohes Gesicht aufgesetzt. Alles scheint sich in Liebenswürdigkcit und Milde zu wiegen. Denn Weihnacht zieht heran. Heute übersieht Wohl niemand jenen armen, frost- schanernden Krüppel, der dort plötzlich aus dunkler Ecke sein blasses, hageres Antlitz in bleiches Laternenlicht hebt . . .

Bunte Schaufenfterpracht, die jetzt höchste Triumphe feiert, beginnt zu locken. Die Lichcheere der zahllosen, untereinander rastlos wetteifernden Läden, die funkelnden, verwir­renden Bazare — man merkt, daß Cassel Groß­stadt geworden ist — kämpfen heftig gegen die mächtige Dunkelheit des Winters an und fcheu- chen sie fast von bannen. Sie reizen die Kauf­lust der Passanten auf, sie siegen auf der gan zen Linie. Hinter und vor den sprühenden Fassaden der Kaufhäuser stauen sich die Men fchenmasseu. Teils Schaulustige, teils Sieb- Haber der abendlichen Promenaden, die sich in Hellen Launen uns VersührungSkünsten üben teils Borsichtskandidaten der großen Besche- runa. Die letzteren, diese Oberschlauen, ma­chen bekanntlich schon ihre Weihnachtseinkäufe. um eben in aller Ruhe das Schönste für ihre Angehörigen aussuchen zu können. Und mn (das vor allen Dingen!) nicht in letzter Mi nute vor der Heiligabend-Glocke ratloS und ärgerlich vor Restern zu stehn, die die Sorge sür das allgemeine Cbristglück übrig gelas­sen bat Rein, ein jeder rühme sich jetzt ge tröst tote LortzingS komischer Bürgermeister: „O, ich bin klug und weise!' — und halte schon heute, also beizeiten, Umschau nach Ge- schenken für seine Lieben! Reichste Auswahl wird dann seiner Geberlust winken!

Es ist ein reizvolles abendliches Vergnü­gen, die schau- und kauslustigen Menfchenmas- fen unserer Stadt an sich vorüberwandeln zu lassen. Gern läßt sich der Beobachter mit in den KreiS ihrer freudigen, stimmungsvollen Aufregung ziehen, di« befltabenb, elektrisie­rend auj ihn überströmt Ein einziges, wunderbares ©trabten sind diese Abende vor Weihnachten, ein Leuchten, daS alle Sorgen, alle Finsternis ans dem Herzen treibt Aus allen Gesichtern, btt flüchtig im Straß enlicht vorübergleiten, hegt schon freudvoller Abglanz des SfefteS, dessen ewiger Zauber — Lichter

>/, Die „Casseler Neueste Nachrichten"' erscheinen in täglichen Auflage von 30000 Exemplaren und werden Familien Cassels bis auf weiteres völlig kostenlos

stellt. — Wer die „Casseler Neueste Nachrichten" nicht pünktlich jeden Abend erhält, beliebe dies schriftlich oder telephonssch bei uns anzuzeigen. Fernsprecher: 951, 952.

einer allen

Zuge- -

und Tannenduft — uns nun bald wieder umfangen wird, bei trauten Melodien heili­ger Lieder, bei den Klängen der Christglocken, die von den hohen Türmen der Stadt auf bronzenen Sohlen in die weihevolle, stille Landschaft hinabsteigen werden.

. States vom Tage.

Hochwasser and Sturmflut (Telegraphische Meldungen.) Nach Meldmrageu, die uns aus Nord- Hausen zugehen, führen die Saale und die Werra in Thüringen infolge der etagetieteiten Schueeschmelze Hochwasser. Die Talgegen­den sind vielfach überschwemmt und in den Ortschaften ist der Hochwassermeldedieust ein­gerichtet worden

Auch aus Belgien wird über Hochwas- scrgefahr berichtet. Ein Telegramm aus Brüssel meldet uns darüber:

Der anhaltende Regen der letzten Tage hat ein weiteres Steigen der Maas und ihrer Nebenflüsse verursacht. Das Wasser erreicht eine Höhe von zwei Metern über den Nor­malstand. Es hat bereits zahlreiche Keller in Namur und Dunant sowie in den Woh­nungen längs der Ufer überflutet. Die Schiffahrt ist wegen der herrschenden starken Strömung eingestellt. Die Sambre steht ebensalls 1 Meter über ihren Ufern, auch die übrigen Flüsse haben große Ueberschwem- mungcu verursacht. Der Schaden ist bereits jetzt- sehr bedeutend und man befürchtet ein weiteres Steigen der Flut.

Heber die Sturmflut auf dem KaS- pifchen Meere, bei der zahlreiche Personen den Tod fanden, berichtet ein Petersburger Tele­gramm:

Der ©türm aus dem Kaspischen Meer, dem über dreihundert Akenscheuleben zum Opfer gefallen sind, hat einen Schaden von vielen M i ll i o n e n angreichtet. In Astrachan laufen täglich Nachrichten über ge­lauterte Barken ein, aus denen sich Fischer ve- sauden. Die zur Hilfe ausgesandten Regie- nmgsdampser mußten wegen der starken Eis­schollen unverichteter Sache zurückkehren. Außerdem haben acht Fischerdörfer, die durch Hochwasser überschwemmt sind, schwer ge­litten. Die Ueberschwemnurna bot ein furcht­bares Schaufpiel. Tagelang brachten die An- achörigen der Fischer auf den Dächern ihrer Häuser bei Wind und Kalte zu und mußten nifeben, tote ihre Ernährer in den eiligen Wellen vcs Kaspisees ihr Grab sanden.

Wie ferner ans Ostende berichtet wird, ist ein Dampfer, der regelmäßig Fische nach ist ein d ä ii i i ch e r Da m p s e r, der regelmäßig Fische nach Ostende bringt, auf der Höhe von Aewpott ge strande t. Zwei Schlepper sind bemüht, ihn wieder flott zu machen. Nähere Nachrichten stehen noch ans.

• Bsm Schicksal ereilt. Ans Deuthen kOberscklesien) berichtet ein Telegramm: In Schoppinitz (Oberschlesien) wurde der seit längerer Zett von den österreichischen Behör­den steckbrieflich verfolgte Raubmörder Dombrowski verhaftet. Dombrowski hat vor einigen Wochen in Oberfurt den Kassierer Truvka ermordet und beraubt Ferner ist er verdächtig, der Mörder des Direktors der Mährisch-Ostrauer Spirtuswerke zu sein. Bei dem Verhasteien fand man einen Browning, 30 Patronen und einen Dolch.

• Der Back als Gartner. Wie u»S aus Kln gemeldet wird, sind aus dem dortigen G2- terbahnhos große Eisenbahndiebstäble sestge- stellt worden. Ein Eifcnbahnunterbeamter und ein Güterbodenarbeiter wurden bereits verhaftet. Weitere Verhaftungen stehen be­vor. Die Diebe haben Waggons zerbrochen und beraubt

* Der Benzinbrand auf dem Nobelshof. Nach einem uns aus Berlin zugehenden Te­legramm zufolge ist es noch immer nicht ge­lungen, des Feuers auf dem Nobelshof Herr zu werden. Die Flammen haben jedoch in der letzten Nacht etwas an Heftigkeit verlo­ren. Bis zum Morgen ist es geglückt etwa 25 000 Liter eBnziu aus Tank 6 in Fässer abzufüllen. Die günstigen Vorverfuche, die gestern nachmttag mit einem chemischen Losch- mittel unternommen wurden, werden heute in größerem Umfange wiederholt werden und es steht zu hoffen, daß man auf Meie Weise bald das Htm schon seit Montag wütende Feu« wird ersticken können.

» Im schwankenden Kaßn. AuS Stettin berichtet man uns: Durch einen einkommenden Dampfer bei der Hafeneinfahrt von Swine- ntünbe wurde ein Boot mit vier Manu Be­satzung überrannt. Zwei Leute der Besatzung konnten sich retten, der Lotse und der Boots- führ« dagegen sind ertrunken. Ihre Leiche« sind noch nicht geborgen.

• Die begnadigten Borusse«. Nach einem uns ans Bonn zugehende« Telegramm sind die Borussen von Fttttenstein ttnd von Ouistorp, die wegen Hausfriedensbruchs im Falle Feith zu 8 Tagen Gefängnis verur- teilt wurden, vom Kaiser begnadigt tcor. den. Die Gefängnisstrafe wurde in Festnngs hcflt umaewandelt

♦ Die Hamburger Margarinevcrgiftunaeu Wie aus Hamburg gemeldet wird, 'st ti- Un­tersuchung über die Ursache der M-r-arin- 'ergiftungen in vollem Gange. Es soll fest­

gestellt werden, ob bei der Herstellung des Backpräparats im allgemeinen Stoffe verwen­det wurden, die nicht gesund sind, oder ob in einem besonderen Falle ein Fehler in der Fabrikation vorgekommen ist. Auch aus Duis­burg werden Vergiftungsfälle, die durch das meldet, ebenso auch aus Düsseldorf.

* Ein nettes Preisausschreiben. Rich. Wehses Verlagsbuchhandlunq veranstaltet, tote die „Feder" mitteilt, ein großes Karl Ma y - P r e i s a n s s ch r e i b e n. Es werden u. a. folgende würdige Preisaufgaben gestellt, die wir unseren Lesern nicht voreuihalieu wollen:

Eine deutsche Literaturgeschichte biS 5000 Zeilen (von den ersten Anfängen bis zur Gegenwart lKarlMavi st dabei zu nennen] 1911). Für die beste Arbett wird 200 M und 10 H pro 18—Msilbige Zeile gezahlt. Rückporto erforderlich!

Für die drei besten Abhandlungen Kritiken, Biographien oder bergt über Karl May, feine Werke, feine Familie, seine Reisen ufto. von Freunden, Partei­losen und Gegnern zahle ich je 200 M und 10 pro 18—LVsilbige Zeile. Die weiteren Aufnahmefähigen erhalten je 10 M und 5 H pro Zeile. Unbeschränktes Verlagsrecht für alle, auch nicht honorierten (!!) Einsen­dungen Bedingung. Jede Arbeit muß selbst­ständigen Titel führen. Pseudosenduugen werden weder prämiiert noch honoriert — doch wenn brauchbar — auch gedruckt.

Für den besten Titel für beide Preis­aufgaben zahle ich nach Bekanntgabe Oktober 1911 100 X Karl Mays Name )ofl dabei nickt in Anwendung gebracht werden Der Titel fall kurz, aber vielsagend sein

Für die 10 besten Briese, die an Karl May gerichtet fein müssen, ge= fchrieben von Erwachsenen jedes Standes, Studenten, Schülern, Kindern ufto. zahle ick je 10 X

Wir glauben natürlich nicht, daß sich unsere Leser an diesem edlen Wetttamps beteiligen werden, der nur Reklamenkunst einer nickt ungeschickten Verlagsbuchhandlung zu ent­fachen flickt.

* Ein DiebeSstreik. Ein eigentümliches Licht auf die Zustände in Russisch-Polen wirst eine Notiz, die wir in einer englischen Zei- tung finden. Danach war kürzlich an den Mauern einer polnischen Stabt folgende „Pro- llamation' angeschlagen:

„Wir, die Sereiutaten Dieb,e Polens, gestctteii »Ns hi-r^urch mittut-ft. len, daß wir im Begriffe stehen, unseren Berus zu verlassen. Bisher ist die Polizei mit einem Anteil von 50 v. H. unserer Beute zufrieden gewesen. Run teilt man mit, daß beastcktigt wird, 7,5 v. H. z u erheben, so daß uns lumpige 25 Kopeken von jedem gestohlenen Rubel verbleiben. Wir bitten die Polizei, diesen Beschluß nochmals in Erwägung zu ziehen, da wir sonst gezwungen sein wür­den, die Arbeit n i e d e r z u l e g e n, weil unter diesen Umständen das Spiel nicht mehr den Einsatz lohnen würde.'

Diese Dekanntmachung, mit „Ein Verband polnicker Diebe' unterzeichnet, lieft sich aller­dings wie ein Stück aus einer Burleske. Aber toenn es sich auch mar um einen Spaß handelt, ist auch dieser geeignet, die Beziehungen zwi­schen Polizei und ©pitzbubentum in Rußland in einer für die erstere nicht schmeichelhaften Weise zu beleuchten.

* Der Gipfel der Reklame. Eine Reklame­neuheit, die nickt nur ziemlich kostspielig, son- dem auch unglaublich unverschämt ist, wird, den „H. R.' zufolge, aus Mexiko berichtet: Eine Annoncen-Gesellschaft hat die Telegra- pbenbehörden diaeses Staates ersucht, unter Zugrundelegung des billigen Tarifs für in der Nacht aufaegebeue Telegramme die Be­wohner Merikos mit Depeschen zu überschüt­ten, etwa des Inhalts: „Unterstehe dich nicht, deine Unterwasche bei fe­in anb anders als bei Ramirez zu kaufen!' Di« Telegramme sollen nachts aufgegeben und den Adressaten nachts zwischen 1 und 8 Uhr zugestellt toer­ben. Es besteht also tu Mexiko die Hossuung, daß die Zett der ersten Morgenstunden, die noch Ansickt der Annoneen-Gesellschaft doch von den meisten Leuten durch Scklasen nur ver­geudet wird, mit dem Lese« telegraphischer In­serate nützlich auigefüflt werden tana.

Kunftschlm.

• Kainz. Auktion. Man meldet uni aus Berlin, daß die Versteigerung des Katoz-Rach- laffes bei Lepk« soeben das Ende gefunden hat. BiS pim letzten Stück, einem Reifekoffer, hielt da« Interesse der Kainz-Gerneinde an. Eine kleine Gipsbüste, Lainz als jungen Mann darstellend, stieg vo« 5 Mark Angebot auf 96 Mark. Unendlich groß war die Zahl der vo« Kainz selbst ««gefertigten Photograp dien. Die Bilder stellten Landschaften, Interieurs seiner Berüner Woh- nung, seiner Kottage tu Wie« ufto. dar; sie wurden aruppentoeise für 20 dis 30 Mark ge­kauft- Großes Interesse erwecktcu die Rol­lend ü cher von Kainz, mit vielen eigenhän­digen Randbemerkungen; sie brockten über 100 Mark. Einen eigenartigen Verlauf nahm die Verfteiaeruna von Kainzens Reisetinten- saß: bas Angebot fing mit zwei Mark an; als

aber eine Dame laut mitteilte, eS sei noch Tinte von Kainz darin, stieg es sosort auf 271 Mark. LS folgten dann Menge« von Wein- uttb Sektgläsern und endlich der „Clou': di» herrlichen Kostüme, die aber zumeist billig weggtoge«. So brachten zwei Marc-Anion- KostLme 68 Mark; ein Kostüm des Leon („Weh dem, der lügf) 15 Mark; drei Hamlet- kostüme 69 Mark. Der Besitz des großen Schaufpielers wurde damit in alle Winde zer­streut!

• „Salome" und die spröden YAttkeS. Strauß' „Salome' ist «ach zweimalige, Ausführung vom Repertoire bei Chtkagoer Großen Oper, wie aus N e w h o r k depeschiert wird, verschwun­den. Beide Vorstellungen waren ausverkaust, aber trotzdem sah sich die Operndirektion ge­zwungen, das Stück abzusetzen, da die bei ihr eingelaufenen Klagen über die Un­moralität und Unsittlichkeit des Werkes sich auf mehrere Tausend beliefen. Die Darstellerin der Titelrolle, Miß Mary Garden, ist darüber in großer Aufregung, denn wahrscheinlich wird auch aus der geplaw tcn „Salome'-Aufführung in Philadelphia, der alten Quäkerstadt, nichts werden, da deren Bewohner bereits jetzt gegen das Sttaußsche Werk agitieren. Miß Mary Garden erklärt die Oper für eines der größten Kunstwerke und durchaus nicht für unsittlich. Leider kann sie die Bewohner vo» Chikago und Philadelphia nicht zu ihrer Ansicht bekehren. Daß die sitten- ftrengen Stadtväter von Chikago die beiden Aufführungen von „Salome' besuchten, geschah wahrscheinlich nur in „wissenschaftlichem In­teresse".

• Kleine Chronik. Aus Berlin wird gemeldet, oen itammer)ptclen wird als nächste Novität „Ein E ng e l", Lustspiel in drei Akten von Alfred Capus. am 8. De­zember in Szene gehen. — Aus Nürnberg schreibt man: Arn Stadt thea ter hatte man große Eile, Edmund E y s l e r s neue Operette „Der unsterbliche Lump' zur Auffüh­rung zu bringen. Das Werk ist musikalisch schwach und dramatisch von Felix Dörmann auf den Wiener Geschmack zugeschnitten. Das Publikum äußerle sich recht beifällig. — Wie man aus Karlsruhe mit teilt, hat das dor­tige Hoftheater nack einer Panse von bald 20 Jahren Hebbels „M a r i a Magdalena' in einer feinen, stimmungsvollen Aufführung wieder zur Darstellung gebracht. Di« Kunst Frl. Ermarthö und Hern Wassennanns zeigte sich in bestem Lichte.

Short md Mel.

* Die Wafferballfpiele. Die Wasserballspiel» des Bezirkes 3 im Kreise 3 des Deu ticke« Schwimm-Verbandes finden am Mon­tag, den 5. Dezember d. J„ abends 9 Uhr im Hallenbade in & ö 11 i n g e n statt. Von den Be­zirksvereinen haben sich nur die Schwimmriege der Casseler Turngemeinde und der Göttinger Sckwimm-Verein znm Wasserballspiel um die Kreismeisterfchaft 1911 gemeldet. Diese beide« Vereine treffen sich Montag mit je einer Fünfer- Mannschaft. Der Göttinger Schwimm-Verein wird in der Scktoimmrieae bet C alse.ler Turngemeinbe einen starten Gegner fin­den, obwohl der Riege ja leider die Möglichkeit zum Ueben fehlt, während bie Göttinger im heimischen Wasser spielen.

* Ein Preisfonds für Flugtechniker. Der Verein deutschen Flugtechniker hat den Plan gefaßt, einen Tell der imnächsten Jahr« zur Verteilung kommenden Gelder in einen Fonds für Preise für deutsche Konstruk­teure und Techniker zu letten. Di« Beschaffung der Preis« soll in der Weise ge­schehen, daß die Veranstalter von Flugwochen und Ueberlandflügen ausgefordert werben sol­len, 2 Prozent der aufgebrachten Beträge von vornherein an bea Preisfonds für deut­sch« Konstrukteure und Techniker abzuführen.

• Der neueste deutsche Flugmotor. Wie auS Berlin berichtet wird, hat die R. A. G. einen neuen Flug motor konstruiert, den der Wrightflieger Robert Thelen auserprobt Hai. Der neue Motor wurde soeben in der Fabrik der R. A.G. in Oberschöneweide einer geladenen Gesellschaft vorgeführt. Der Mo­tor ist ein Vierzylinder, hat gesteuert« Ein» und Auslaßventtle, automatischen Vergaser mit Vorwärmung, Kühlwasserpumpe und Oel- umlaufschmierung mit am Kurbelgehäuse ein­gebautem Oelbehälter. Das Gewicht des voll­ständigen Motors ohne Oel und Wasser be­trägt 106 Kg. Durch eine besondere Ein- rickiung können sämfliche Auslaßventile auf einmal offen gehalten werden, so daß ein so- fertiges Stoppen beS Motors ermög­licht totrt». Der Motor kann bei einer Tou­renzahl von 1600 Umbrehungen 55 bis 56 Pferdestärken erreichen.

♦ Hoppegartcu 1911. DaS nächstjährige Hoppegartener Programm wurde In der letzten Sitzung der Technischen Kommission des Union-Club to großen Zügen festgelegt. Vo» wichtigen Neuerungen steht bisher eine nief entliehe P reiS au f b ess eru «a der kleinere« Rennen fest, da alle bisherige« 3000 Mark Konkurrenzen, mit Ausnahme der Verkai'lsrennen. auf ioni) Mk. erhöht wurden. Den Wünsche» der PrivatzSchter kam man inso­fern entgegnen, als Gewicktserlaubniss« für Pferd« tot Privatbesitz vorgesehen sind, jedoch nur i» solchen Prüfungen in bene« unr to- limbische Pferd«, alfo leine osterreich-mtgart- fcken etc., zügel affen stad.

Di« heutige Nummer der „Casseler Neueste Nachrichten' umfaßt ——

= 24 Seiten. =

Ans btt in dieser Rümmer enthaltenen Inserate sei die Bewohnerschaft der Stodi besonders htogeimefen. Bei all« Mofa beliebe man sich auf die „Casseler Neueste Nach»

Tsth bte Redaktion verantwortlich: LbefredaQorr Wvith Seim an. für bea tz. »«Neir. «al

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