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skach Feierabend, Beilage der Oberhessischen Zeiümg

Nr. 307

CZtadjörud verboten!)

.Re Ansiedler von Sanada"

Roman von EmilLroonberg.

Copyright 1930 bh Hesse & Becker Verlag, Leipzig.

Zweites Kapitel.

Auf hoher See.

Am nächsten Tage hatte die .Köln" di« Hebriden passiert, und ihr Bug warf jetzt täe Wellen des Atlantik ans. Die Hoff­nung, daß man, nachdem man die Avrd- küste von Schottland unrfahren, nunmehr in wärmere Breiten gelangen würde, hatte sich bisher noch nicht erfüllt. Das Wetter war womöglich noch rauher geworden, von Südwesten stand eine schwere Dünung, und die Schiffsschraube arbeitete fast frte Häffte der Zeit außer Wasser, Riemand hielt es lange auf Deck aus, sondern suchte in den Geschäftsräumen oder sonstwo eine Llnterkunst.

Gne Gruppe junger Mädchen und Männer war trotzdem noch in einem Deck- fptzek begriffen, das in einem Hinundher- schieben von Holzscheiben in gewisse, mit Kreide gezeichnete Vierecke bestand, man merkte es ihnen aber an, daß es mehr ein krampfhafter Versuch war, sich unter allen kSuMitchen Anterhavung zu verschaffen.

0m Rauchzimmer befanden sich andere Gruppen, darunter auch der gesprächige Herr Presser mit seinen Freunden Mühl­berg, Weckerle und Werner. Diesmal hatte sich Shnen aber noch KaÄ Schwerla, ein junger Sportschriftsteller aus Münchien, zUgefeüt, der sich mit zwei Faltbooten auf der Reise nach Conada befand, wo er in Britisch-Kolumbien auf den Flüssen noch der pazifischen Küste hinunterzufahren ge­dachte, um Material für seine journalisti­schen Arbeiten vrrd Verträge zu sammeln.

Der Decksteward hatte eben das zweit« Frühstück, bestehend aus FleischbrÄhe und belegten Brötchen, herumgereicht, und man war beschäftigt, es einzuuehnven. See­kranke, Die davlmf Verzicht«! mUften, wa­ren nur wenige vorhanden, denn dos Schiff lag gut nn Wasser, roßte überhaupt kaum Und stampfte nur mäßig.

.Kennen Sie das junge Mädchen dort?" fragte Schwerla, verstossen nach einer Gruppe von Frauen urö jungen Mädchen blickend, die auf der gegenüberliegenden Seite an Tischen sahen.

»Sie meinen die mit dem Wuschelkopf?" fragte Presser.

-Ja."

.Das ist Fräulein Wrobel. Hübsches Mädchen, aber ein unverbesserlicher Flitt. Bei den Passagieren hat sie nur wenig Entgegenkommen gefunden. Wir sind wohl alle zu sehr mit der Sorge für unsre nächste Zukunft beschäftigt, um dafür viel übrig zu. haben. Dafür setzt sie aber den Offizieren heillos zu. Die können sich schon aus Höflichkeit einem Passagier gegenüber nutzt so ablehnend verhalten und das nützt sie aus. Ich glaub«, es kommt ihr nur auf die Eroberung an. Wenn ihr die gelungen ist, hört der Mann auf sie zu interessieren, und sie versucht ihr Spiel mit einem anderen. Mur bei dem Doktor sind alle ihre Künste bisher vergeblich gewesen, obwohl sie sich viel Mühe gegeben hat. Sie ist übrigens Braut Und geht nach Eanada, um zu hei­raten. Ihr Bräutigam ist Architeft in Mvntteal und verdient fünfundachtzig Dol­lar die Woche. Sie hat ihn seit vier Jah­ren nicht gesehen, und in ihren Briefen haben sie sich stets herumgestritten. Wenn I die Dinge nicht so gehen sollten, wie sie hofft und er wahrscheiMch auch, läßt sie sich wieder scheiden und verlangt hundert Dollar im Monat Unterhaltungsgeld. Mit dieser regelmäßigen Einnahme wird sie dann ftgendwie und irgendwo versuchen, das Leben zu meistern, und soweft ich sie bisher kennengelernt habe, wird ihr das keine allzu großen Schwierigkeiten be­reiten."

-Geht das so leicht mit den Scheidungen « Eanada?" wandte sich Schwerla an Mühlberg.

^Keineswegs," entgegnete dieser. .Ea­nada hat im ganzen sehr vernünftige Ge­setze. Aber Amerika ist ja nicht wett, und frort wird es den Leuten leicht gemacht. Es gDt Staaten und Städte, die darin geradezu wetteifern. Aebrigens ist das jetzt die gewöhnliche Art zu heiraten — wenigstens in den besseren Kreisen, worunter ich di« mit dem besseren Ein­kommen verstehe. ES hat auch schon dazu geführt, daß die jungen Mädchen vielfach ganz verantwortungslos in die Ehe laufen. Wenn eS nicht geht, lassen sie sich wieder scheDen, verlangen eine möglichst hohe ÄnterhaltSsumme Und sind dann für ihr ganzes Leben versopgl- ®4« Richter wissen

Idas recht gut, was wollen sie aber machen? Sie sind nicht lebenslänglich angeftetEt, sondern werden für jede Wahlperiode ge­wählt. Wenn sie auf ihre Wiederwahl bedacht sind, müssen sie dafür sorgen, daß den Bürgern ihrer Stadt, zu freuen auch Di« Rechtsanwälte gehören, Einnahmen zufließen. Es gibt Städte, die durch be­sondere Industrien bekannt sind; in Ame­rika gibt es welche, die di« Scheibungs- infruftrie betreiben."

Er lehnte in seinem Stuhle zurück und schlug die Bein« übereinander.

.Ihre Schwester, es ist di« mit dem glattgescheitelten Haar, die neben ihr sitzt, ist übrigens ganz anders," nahm Presser wieder das Wort. .Viel gemütvoller. Sie glaubt noch an das Leben, ich meine, an die Dinge, die das Leben auch abseits von Tanztees und Jazzmusik wertvoll machen. Ich habe kaum jemals zwei Schwestern gesehen so verschieden voneinander. Sie wird übrigens auch von einem Bräutigam erwartet.

.llnd die auf der anderen Seite?" fragte Schwerla.

.Das ist Fräulein Richter. Richt schön, I aber ebenfalls Braut. Sie hat ihren Dräu- I tigam nur drei und eine halbe Stunde in Deutschland gekannt. Jetzt hat er ihr das Reisegeld gesandt. Wenn die Sache nicht gehen sollte, wird sie inzwischen von Fräu­lein Wrobel über die Scheidungsmöglich­keiten aufgeklärt worden sein."

„ilnfr die anderen? Sie reisen a6e allein, wie ich glaube."

-Die gehen hinüber, um in Eanada .ihr Glück zu machen". Für ein junges Mäd­chen heißt das immer Heirat. Sie smd noch keine Bräute, hoffen aber, es in Eanada bald zu werden."

Die Anterhaltung wandte sich jetzt wie­der allgemeineren Dingen zu, und da der Aufenthalt auf dem Deck weni^verlockend war, so fanden sich einige Gruppen von Damen und Herren im Kattenspiel zu­sammen.

Mühlberg, Presser und Schwerla zogen es trotzdem vor, auf das Deck zu gehen. Es war fast leer. Rur auf dem abgetell- ten Achterdeck, wie auch im Bug des Schiffes hatte sich eine Anzahl Passagiere der dritten Klasse eingefunden. Sie boten ein sehr gemischtes Bild. Vorherrschend

waren die Angehörigen der osteuropäischen Länder: Polen, Galizier, ZHchechoslowaken und ander«, Gestatten, tote man sie in den Auswandererhallen der größeren Bahn­höfe wie Breslau, Berlin, Hamburg und Bremen, täglich sehen kann. Er waren meist Frauen und Kinder, die ihren doran­gegangenen Männern nachreisten: aber auch Männer, die ihren einstweilen noch in dem heimatlichen Dorfe zurückgelassenen FanÄien dorausreisten, well ihnen ein Bruder oder Schwager oder guter Freund geschrieben hatt, st« möchten nur kommen, denn sie seien in Eanada freie Bürger eines freien Landes, das jedem, der ar- besten könne und wolle, eine neue Heimat biete besser als die, in der sich khr Leben bisher abgespiett.

Wan sah deshalb auch keineswegs sor­genvolle, verdüsterte Gesichter, den Aus­druck stumpfsinnigen Ergebens in eine Zu­kunft, von der man höchstens eine Aende- nmg, aber feine Besserung der Lag« er­warten konnte. Die Leut« verleugneten in nichts ihr polnisches oder ruthenisches Dorf, aber sie waren zuversichtlich, hoffnUngS- froh. Der Mann, der Bruder, Schwager oder gute Freund hätte ihnen sicher iridjt geschrieben, sie sollten kommen, wenn es in dem neuen Lande nicht besser wäre als zu Hause.

Lind man konnte sicher sein, daß diese zum wenigsten auch nicht enttäuscht fein würden, denn sie gingen in die gleichen Verhältnisse aus denen sie kamen, nur daß in Eanada alles aussichtsreicher, freund­licher und besser war und sie selbst freie Menschen, genau so gut und geschätzt wie all« anderen. Die würden frort ihre Scholle beackern, ihr Vieh auf die Weid« treiben und sich mit Landsleuten in ihrer eigenen Sprache unterhalten können, ganz so wie sie es ihr Leben hindurch in Polen oder Galizien getan hatten. Es war mit chneri nicht wie mit so vielen Deutschen, free aus den Städten kamen und sich nun in das Farmleben eingewöhnen sollten, das doch schließlich ganz anders ist, als sie es sich vorstellen. Sie waren auch keineswegs ähnlich gekleidet, wenn ihre Kleider auch den dörflichen Schnitt ihrer Heimat zeig- ten, denn mittellose Auswanderer gibt et heute nicht mehr. Rur die Wohlhaben« beren können sich eine AuswanderUn« leisten.

LL (Fortsetzung folgt.)

Silbenrätsel. a — ab — ard — ba — ber — bi — cbnrs da — dat -— das — de — di — dorf — du e — e — e — e — fant — feu — ga — hi hum — i — i — i — i — i — i— i— kra law — le — ler — lin — list — mar — met mi — na — na — ne — ne — ne — ni — no ra — ra — ran — re — rol — sam — satz schof — ee — sei — sen — si — sto — ta tel — tel — ti — tro — tu — u — vras — wa weih — zL

Aus vorstehenden 70 Silben find 25 Wörter yi bilden, deren erste nnd letzte Buchstäben, letztere von unten nach oben gdefen, ein Zitat von Wilhelm Busch ergeben. Die einzelnen Wörter bedeuten: I. Dickhäuter, 2. hinter» indischer Strom, 3. kleiner Prophet, 4. Ort traf Rügen, 5. Südfrucht, 6. kirchlicher Wür­denträger, 7. Kletterpflanze, 8. weiblicher Vorname, 9. SWfrucht, 10. Kinderspielzeug, 11. Sonntag, 12. pvdnsche Stadt nn abgetre­tenen Posen, 13. Anhänger einer Weltanschau­ung, 14. Kaleadertlm, 15. landwirtschaftliches Gerät, 16. Test deS Schuhes, 17. Landschaft in Rußland, 18. Berg in Palästina, 19. männli­cher Vorname, 20. Stoffart, 21. Ortschaft in der Neumark, 22. Lärm, 23. weDlicher Vor­name, 24. Blasinstrument, 25. Spmnenart.

(ä = ae, ch — 1 Bvchststbe^

Snchbild.

die den Neujahrs-

Kreuzworträtsel.

Waagerecht. 1. Deutscher Kurort, 3. Post­sendung, 7. AbsiAedSgruß, 10. atte Sprache, 12. Stadt in Hessen-Nassau. .14. chinesische Münze, 15. FeMelage, 17. italienische Ton­stufe, 19. Fsich, 21. Kriegsgott, 23. KleLmngs- tzjÄ^2L.Änß in AfrSa, 26. Toast, 27. Ge- tränt, ~28. Titel, 30. Begrenzung,

32. Präposition. 3^§esttag, 34. Sonnengott, 38. Raumb^M, 37?tzLlM^ JS« Zeys, 40. Schiffsseite, 43. Gattung, 45. Behörde, M- Verneiiumg, 49. Satz, 50. Blume, 51. Män­nername, 52. Fluß zur Elbe, 53. Titel.

Senkrecht: 1. Altes W^, 2. Monat, 3. Frauenname, 4. Frauennarne, 5. Mscheu, 6. Handlung, 7. Tonstufe, 8. Artikel, 9. Hirschart, 11. Wild, 13. Verletzung, 16. ehemals deutsche Inselgruppe, 18. Fisch, 20. Koraukay stell, 21. Gesichtsausdruck, 22. Fluß, 23. Mdbel, 24. Jubelruf, 29 Frauenname, 31. ungebunden, 36. kaufmännischer Ausdruck, 38. Mahlzeit, 39. Wasserfahrzeug, 40. Fluß in Sibirien, 41. eng­lisches Adelsprädikat, 42. Straftat, 44. Wagen­tefl, 45. seemännischer Hilferuf, 46. Getränk, 48. Frauenname, sch — 1 Buchstabe, i —j.)

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Bilderrätsel.

DaSwlm^öen wir unseren verehtten Lesern.

Oerttut,

Es fließt znm Schein hin t3^. raschen Lauf und setzt dem Kamp^ stets dr^ Krone auf.

LSfselsPrnng.

Jn dem häer cckgebfldeten Tefl des S^*ch" brettes ist em zestgemäßes Zitat eines großen deutschen Dichters genau nach den Sprüngen ! des Rössels eingetragen. Es güt nun, das Zitat wieder zusammenzusetzen.

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Heil!

Rätselhafte NeujahrSinschrift.

Wie lautet die Inschrift?

RStsellSsuugeu aus dieser Kummet.

Suchbild: Bild auf den Kops stellen, die Zu. Hörerin erscheint am Baumstamm, oberbalb d« linken oberen Astes.

SilbenrStsel: 1. Elefant, 2. Frawadi, 3. Nahuni, 4. Sellin, S. Zitrone, 6. Weihbischof, 7. Efeu, 8. Ida- berga, 9. Dattel, 10. Roller, 11. Estomihi, 12. Jno- vrazlaw, 13. Idealist, 14. Martini, 15. Sense, 16. Wn satz, 17. Ukraine, 18. Sinai, 19. Eduard, 20. Sammet, 21. Chursdorf, 22. Radau, 23. Irene, 24. Tuba, 25. Tarantel. Eins, zwei, drei, im Sauseschriti läuft bie Zeil, wir laufen mit. (Wilhelm .Busch.)

' Kreuzworträtsel: Waagerecht:!. Ems, 3. Paket, 7. Ade, 10. Latein, 12. Kassel, 14. Li, 15. Bankett, 17. re, 19. Stal, 21. Mars, 23. Schuh, 25.Nil, 26. Pro st, 27. Rum', 28. Emst, 30. Ufer, 32. in, 33. Neujahr, 34. Ra, 35.*- Enge, 37. Leda, 40. Lee, 43. Art, 45. Se- not, 47. nie, 49. Natron, 50. Reseda, 51. Udo, 52. Saale, 53. Ra»t.

Senkrecht:^ 1. Me, 2. Mai, 3. Pia, 4. Anna, L. Ekel, 6. Tat, 7.a§, 8. der, 9. Elen, 11. Eber, 13. Stich, 16. Karolinen, 18. Salm, 20. Sure, 21. Miene, 22. Spree, ^3- Stuhl, 24. Hurra, 29. Inge, 31. frei, 36. netto, 3d'- Diner, 39. Kanu, 40. Lena, 41. Earl, 42. Reat, 441* Rad, 45. SOS, 46. Tee, 48. Ida.

BUderstttfel: „Biel Glück neuen Jahre " Worträtsel: Sieg.

Rösielsprnng:

Zum Neuen Jahre Glück -Und Heil!

Auf jede Wunde eine Salbei

Aus groben Klotz ein grober Keill Aus jeden Schelmen anberttia^e!

(I. Wolfgang v. Goethe.)

RStselhafte NeujahrSinschrift: „Vergangenheit und Zukunft, die reichen sich die Hand, se» segen- reich die Weirde für uns und unser Land." we, den stet» 4 Felder übersprungen.» x