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Nr. 306

Olertemwe Settwnfl. Mardura «. &. Freitag, den 30.

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Reichslandbund fordert Sperre der Buttereinsuhr Die Pressestelle des Reichslaudbuude« gibt ei, Telegramm bekannt, das der geschästs- sührende Präsident des Reichslandbundes 8ras von Kalckreuth in Anbetracht de» Zusammenbruche, der Butterpreise an de» Reichskanzler gerichtet hat. Die Butterpreise haben heute mit ,95 M gegenüber 135,5 Jt im Dezember 1913 je Zentner Berliner Notie­rung einen neuen Rekordtiesstand er­reicht. Das Telegramm erkläre, im Land« herrsche allenthalben »höchste Empörung" über deninfolge Tatenlosigkeit der Reichsregie­rung" erfolgten völligen Zusammenbruch der Butterpreise. Der Reichslandbund fordert schnellstes energisches Eingreifen und bis znr Herstellung geordneter Marktverhältnisse völ­lige Buttereinfuhrsperre. Der Reichs­landband halte sich für verpflichtet, allen Ernstes auf die ständig wachsende bedrohliche Erregung in der gesamten dentschen Land­wirtschaft hinzuweisen.

Ist das Ankurbelung?

Personalverminderung bei der Reichsbahn

Der Geist von Versailles

Kaplan Gillis nach Deutschland abgeschoben

Auslandsschulden und Handelspolitik

Berlin, 29. Dez. In der letzten Vor­standssitzung der Deutschnationalen Volkspartet wurden die Forderungen, die die Partei auf dem Gebiete der Han­delspolitik erhebt, etwa wie folgt zufammen- gefatzi:

Deutschland ist. um seine gewaltigen Auslandsschulden von über 20 Mil­liarden Marl abzahlen zu können, gezwungen, einen Ausfuhrüberschuh herauszuwirt- schaften. Die durch den Erport erworbe-

Deutsche Volkszählung 1933?

Zehn Millionen Kosten

A a ch e n, 29. Dez. Der heute dem Reichs­deutschen Kaplan Gillis aus Eupen zuge­stellte Ausweisungsbefehl aus Belgien war angesichts der Haltung der Bevölkerung, die dem Geistlichen in hohem Mähe zugetan ist, bis Freitagabend befristet worden. Für heute abend hatten der Eesangchor und der Iünglingsverein Eupens eine Ehrung des scheidenden Kaplans geplant. Heute nach­mittag erschienen jedoch in der Wohnung des Ausgewiesenen zwei belgische Gendarmen in. Zivil, die ihn aufsorderten, ihnen zu folgen. Kaum eine Viertelstunde Zeit hatte der Kaplan, um seine notwendigsten Sachen zu packen. Die Gendarmen führten ihn zum Bürgermeisteramt, wo ihm seine Papiere aus- gehändlgt wurden, darunter auch der Auswei­sungsbefehl, dessen ursprüngliches Datum 30. Dezember in 29. Dezember umgeändert war. Er wurde dann in Begleitung der Gendarmen in einem Auto an die deutsche Grenze ge­bracht. wo er abgesetzt wurde. Von hier

DerAllgemeine Eisenbahner- Verband" teilt mit, dah nach den soeben erschienenen amtlichen Zahlen der Reichs­bahnverwaltung die Kopfzahl des Reichs­bahnpersonals Ende Oktober 1932 nur noch 567 000 (Beamte und Arbeiter) gegenüber 676 000 beschäftigten Personen Ende Oktober 1931 betragen habe. Der Personalbestand habe sich also binnen Jahresfrist um 109 000 Köpfe vermindert. Diese Verminderung habe inzwischen weitere Fortschritte gemacht da tn der erstgenannten Ziffer etwa 18 000 arbeiten einbegriffen seien, denen inzwischen gröhtenteils auch gekündigt worden set. D>e Oesfentlichkeit habe hieran um deswillen em Interesse, weil die Reichsbahn wiederholt Mitteilungen über ein Ärbeitsbeschaffungs- proqramm herausgegeben habe, das mit 180 Millionen 5RJK aus Steuergutscheinen und weiteren 100 Millionen R./l aus Krediten finanziert und seit dem 1. Oktober 1932 m Gang gesetzt werden sollte. 2m Zusammen­hang damit habe die Reichsbahngesellschaft angekündigt, daß sie rund 24 000 Arbeiter wieder einstellen werde- Es ergebe sich aber aus den jetzt veröffentlichten amtlichen Per- ionalziffern. datz

Ausland

Londoner Blätter ,

über die Lage in Südafrika.

fl. L o n d o n, 30. Dez. Die jetzt fest- | stehende Tatsache, dah Südafrika offiziell zugegeben hat, von der Goldwährung abqegangen zu sein, wird von den Blättern mit Zurückhaltung besprochen, da die ver- worrene politische Lage ein klares Urteil über die künftige Entwickelung unmöglich macht. Ob das südafrikanische Pfund, wenn es wieder notiert wird, herunter- aehen wird oder nicht wird als zweifelhaft bezeichnet. Auf jedenfall gilt es aber an­gesichts der günstigen finanziellen Positron des Landes als ausgeschlossen, dah der Kurs der südafrikanischen Devisen in glei­chem Mähe stürzen könnte wie das eng­lische Pfund.

Der Konflikt innerhalb bet radikal« Kammerftattion.

Paris, 29. Dez. Die Meinungsverschie­denheiten innerhalb der radikalen Kammer­fraktion über die Haltung einzelner Mitglie­der gelegentlich des Sturzes der Regierung Herriot ziehen weitere Kreise. Herriot soll behauptet haben, daß er am Rackrmttaa vor dem Sturz feines Kabinetts den Vorsitzenden und den Berichterstattern, der Kammeraus- fchüsse für Finanzen und für auswärtige An­gelegenheiten eine amerikanische Antwort m der Schuldenfrage übermittelt habe, die dreie nicht an die Ausschüsse weitergeleitet hatten. Dieser Darstellung hat der Abgeordnete Francois Albert, der Vorsitzende der radi­kalen Kammerfraktion, widersprochen. Der Besuch, den der radikale Abgeordnete Bergern gemeinsam mit dem sozjallsitchen Abgeordneten Vincent Auriol am Tage vor dem Sturz des Kabinetts Hernot dem englischen Botschafter in Paris abgestat- fet haben soll, wird als Tatsache nimt mehr in Abrede gestellt. Der Abgeordnete Pergern soll sich bereit erllärt haben, einen Bericht über diese Unterredung zu oeröftemlichen, wenn der englische Botschafter nichts dagegen einzuwenden habe.

.Belgien muh sich im voraus gegen Deutsch­land sichern".

Brüssel, 29. Dez. 3n der belgischen Kammer wurde der Heereshaushaltsvlan für 1933 besprochen. Danach soll die Truppen­zahl des Heeres auf 61 000 Mann festgesetzt werden. Der Kriegsminister erfldrte, datz nun die belgische Armee ihren Aufgaben der Verteidigung völlig gewachsen sei. Die Be- festigungswerke seien notwendig und patten lediglich Verteidigungscharakter, sie sollten so nahe als möglich an der Grenze angelegt werden. Der Minister fügte hinzu, ban er sich immer weigern werde, die Ost- und Sud- grenze in gleicher Weise zu behandeln. Bel­gien müsse sich im voraus gegen Deutschland sichern.

aus hat der Kaplan mit der Straßenbahn seine Fahrt nach Aachen fortgesetzt, um sich dem Bischof von Aachen zur Verfügung zu

Offenbar wollte die belgische Behörde mit der plötzlichen Ausweisung verhindern, datz wie mit Sicherheit vorauszusehen war die Eupener Bevölkerung sich an der Ab­schiedskundgebung für den Geistlichen in grötz- tem Ausmaß beteiligte.

Zu dem Ausweisungsbefehl ist noch ju sagen, dah die Angabe des belgischen Blat­tesErenzecho", dem jetzt Ausgewiesenen sei bereits vor einiger Zeit bekanntgegeben worden, dah er das Land verlassen müsse, wenn er feine Ausweisung vermeiden wolle, nicht stimmt. Kaplan Gillis St niemals eine solche Mitteilung in amtlicher Form Begangen. Im übrigen bewahrheitet es . dah der Bischof von Lüttich sich sehr für den Ausgewiesenen eingesetzt hat, aber gegen die politische Polizei nichts ausrichten konnte.

Selbstmordversuch. Grausige Szene auf den Schienen.

Mannheim, 29. Dez. Gestern abend versuchte ein aus Schlesien zugereister Gärt­ner auf dem Hauptbahnhof seinem Leben dadurch ein Ende zu machen, dah er vor einen einfahrenden Zug sprang. Einen Po, lizeibeamten, der ihn hieran hindern wollte, rih er mit sich auf das Gleis. Dem Loko- motioführer gelang es, den Zug noch recht­zeitig zum Stehen zu bringen. Der Mann wurde auf die Polizeiwache gebracht und da er einen Tobsuchtsanfall erlitt, in das Städtische Krankenhaus eingeliefert.

nen Devisen müssen m erster ßmte zur Deckung der notwendigen Rohstoifemfuhr für die Industrie Verwendung fmben. Grit m zweiter Linie können die nicht notwendigen Einfuhrbedürfnisse befriedigt werden. Die Katastrophe der deutschen Land­wirtschaft verlangt gebieterisch eme Be­seitigung der Einfuhr solcher Lebensmittel, die Deutschland selbst erzeugen kann. Die mengemnähige Regelung der Umfuhr aus den einzelnen Bezugsländern ist das einzige System, das zur Zeit wirkliche Rettungs- möglichkesten bietet. Diese K o nting en- tierungspolitlk gestattet es auch, die einzelnen Länder in dem Mähe verschieden zu behandeln, bas ihrer Bedeutung als Kun­den Deutschlands entspricht.

Jede Regelung des Außenhandels aber bleibt unvollkommen, wenn die Last der Auhenschulden nicht durch ein Schuld en- abkommen der deutschen Leistungsfahig- kest angepaht wird.

Das Handwerk fordert Einschränkung der Eewerbefreiheit

Hannover, 29. Dez. Der Zerttmgs- bienft des Reichso erb andes des Deut­schen Handwerks tritt in emem Jahres­rückblick für weitgehende Reformen des .ge­werblichen Mittelstandes ein. In bieiem Rückblick werden u. a. die Forderungen des deutschen Handwerks auf Einschränkung der Eewerbefreiheit erwähnt. Danach soll die Ausübung eines Handwerksbetriebes von der Ausfertigung einer Handwerkerkarre abhängig gemacht werden, die auf der Grund­lage der Handwerksrolle auszustellen St. Fer­ner wird als Voraussetzung für die Aus­übung eines Handwerksbetriebes die Berech­tigung zur Führung des Meistertitels ver­langt.

Die Regierung Popen habe durch die Be- reitstellung von 50 Millionen Mark für Alt­hausreparaturen eine recht günstige Tenoe- lebung der Wirtschaft erreicht. Dieser Weg sollte mit aller Energie weiter beschrMen werden. Zum Schluh heiht es, der Reuhs- verband habe die Errichtung eines brionbwnt Reichsministeriums für den gewerblichen Mit­telstand gefordert.

Mufchanoff wieder beauftragt.

Sofia, 29. Dez. Der König beauf­tragte den bisherigen Ministerpräsidenten Mufchanoff mit der Bildung des neuen Kabinetts.

Ausländische Kommunisten werden ausgewiesen

Berlin, 29. Dez. Berliner Blätter berichten daß in diesen Tagen zahlreiche in Berlin lebende ausländische , Kommunisten wegen ihrer polittschen Betättgung ausgewiesen oder mit Ausweisungen bedroht worden seien.

Bon unterrichteter Seite erfährt die Delegraphen-Anion dazu: Bei den Aus­weisungen ist der Gesichtspunkt allein maß­gebend, daß für kommunistische Journa­listen die nicht Reichsdeutsche sirid, und sich hier staatsfeindlich betä­tigen, in Deutschland kein Raum mehr ist.

So ist auch die Ausweisungsandrohung zu verstehen, die der Berichterstatter der kommunistischen Berliner Tageszeitung Berlin am Morgen", Popper, der tschechvslowaki scher Staatsangehö­riger ist, vom Berliner Polizeipräsidenten erhalten hat. Der Zwischenfall, den kürz- f lich dieser kommunistische Berichterstatter mit dem ehemaligen BBZ.-Direktor Bro- I l a t hatte und bei dem es zu Tätlichkeiten 1 kam, steht'selbstverständlich mit dieser Aus- 1 Weisungsandrohung in keinerlei Zusam­menhang.

Mit Ausnahme einiger Staaten tn Mittel­amerika haben im Laufe der letzten Jahre wohl sämtliche Kulturstaaten Volkszählungen burchgeführt. Rur Deutschland hat seit dem Jahre 1925 noch keine Zahlung veranstaltet Vor dem Kriege bestand die Regel, alle fünf Jahre eine solche durchzuführen. Es sind nun­mehr sieben Jahre seit der letzten Volkszäh­lung vergangen. Die Forderungen nach einer Volkszählung im Jahre 1933 machen sich allenthalben stark bemerkbar. Die Kreise die sich dafür einsetzen, machen geltend, datz es höchste Zeit wäre, jetzt eine Zählung durchzu­führen, um im Hinblick auf unseren Wirt­schaftstiefstand gewissermahen einen Start­punkt für eine hoffentlich aufwärts führende Entwicklung zu gewinnen. Dieses Argument wirb besonders auch mit Rücksicht auf das Ausland gemacht, dem wir bei einer Zahlung bei besseren Konjunkturverhältnissen em schiefes Bild vermitteln würden.

Die Widerstände gegen eine Volkszählung sind im wesentlichen tn der Kostenfrage be­gründet. Die letzte Zählung 1925 kostete 20 Millionen Mark. Wie wir erfahren, werden die Ausgaben für die beabfichtmte Zahlung 1933 wesentlich niedriger sein. Es. wird mit einem Aufwand von etwa 10 Millionen gerechnet. Als günstigster Monat für die Durchführung der Volkszählung w,rd der Monat Juni angesehen, da zu diesem Zeit­punkt die Landwirtschaft noch nicht voll be­schäftigt ist und somit genaue Ergebnisse zu erwarten sind. Die nötigen Vorbereitungen zur Durchführung der Volkszählung sind beim

in Wirklichkeit keine Mehrbeschäftigung von Personal stattgesunden habe, sondern allein im Oktober 1932 nicht weniger als

33 000 Köpfe zur Entlastung gebracht worden seien eine Tatsache, die sich mit einem Arbeitsbeschaffungsprogramm schwerlich vereinbaren laste.

Der Allgemeine Eisenbahner-Verband leite hieraus die Forderung her. aus den zur Ver­fügung gestellten insgesamt 280 Millionen R./i soviel Mittel für bafjneigene Arbeiten abzuzweigen, datz das bisherige Personal rest­los weiterbeschäftigt werden könne. Er be­gründe mit diesen Personalziffern außerdem erneut seine grundsätzliche Forderung, das; die gesamte öffentliche Verkehrspolitik einer durchgreifenden Reform mit dem Ziele unter­zogen werden müsse, den öffentlichen Verkehr tn der Hand des Reiches zu vereinigen,, ganz gleich, welche Verkehrsmittel in Frage kämen. Der Allgemeine Eisenbahner-Verband weise darauf hin, datz es sich hier nicht um eine Standesforderung des Eisenbahnpersonals, sondern um eine im Interesse der wirtschaft­lichen Gesundung grundsätzlich entscheidende Forderung von allgemeiner volkswirtschaft­licher Bedeutung handele.

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düngen unserer Außenpolitik nur im Westen zu suchen. Auf der anderen Seite ist aber gerade den amtlichen Stellen der Borrourf nicht zu ersparen, dah sie bisher nur wenig getan haben, um die West über die ganze Anmöglichkeit der nur 160 Kilo­meter von Berlin entfernt geschaffenen Zustände aufzuklären und eine Wieder­gutmachung dieses furchtbarsten Unrechts der Weltgeschichte zu verlangen. Freilich ist gerade in diesem völligen Fehlen einer amtlichen deutschen Propaganda der beste Beweis für den Widersinn der feindlichen Behauptungen zu erblicken, dah das amt­liche Deutschland Leiter eines angeblich »großzügigen deutschen Propagandaappa­rats" sei. Das ist allerdings ein schwacher Trost. Wir hätten es lieber gesehen, wenn auch endlich etwas von amtlicher Stelle unternommen worden wäre, um die Re­visionsfrage im Osten aufzurollen, und es ist endlich an der Zeit, diese Frage zu der Grundforderung des nächsten Jahres zu machen. Es geht nicht mehr an, daß der Kampf um den Korridor, um Danzig, um Oberschlesien kurz um die Wiedergut­machung im Osten weiter hinausgeschoben wird.

Zahlreiche deutsche Hörer haben am Mittwoch abend der Uebertragung eines Berichts von der Weichselgrenze, veran­staltet durch den Ostmarkenrundfunk in Königsberg, gelauscht und sich daher ein anschauliches Bild über die wahren Zu­stände machen können, wie sie an diesem kurzen Abschnitt der deutschen Ostgrenze bestehen. Der Sprecher hat zum Schluh mit Recht hervorgehoben, jeder Deutsche müsse vorläufig sich das Wott Kurzebrack merken später solle über Weiteres be­richtet werden. Dieses Dtichwott Kurze­brack bildet allerdings eine Zusammen­fassung von jahrelangen unsagbaren Pla­gen, denen die Grenzbevöllerung durch Polen unterworfen ist, von fortdauernden Demütigungen und Dergewaltigungen Deutscher und des Deutschtums, von Ver­höhnungen des Reiches und schließlich von dem Willen Polens,keinen Fuh breit dieser Erde" je wieder abzugebrn. Es gibt dort zerstörte Provinzen, zerrissene Bahn­linien, Landstraßen, die völlig unbrauchbar geworden sind, Bauernhöfe, die durch die Grenzziehung in zwei Teile zerrissen wur­den, Friedhöfe und Wassertürme, die durch die 'neue Grenze von ihren Ortschaften ab» geschnitten wurden, und es gibt überall Bedrückungen und Schikanen und wirt­schaftlichen Niedergang. Denn es konnte nicht anders kommen, well durch Jahr­hunderte geschichtlich Gewordenes im machtwillkürlichen Geschehen von Versail­les durch Federstriche vernickel wurde.

Man hat aus dieser Uebertragung Bei­spiele gehört der großen Not, der die Grenzbevöllerung Tag um Tag und Jahr um Jahr ausgesetzt ist. Da wlll ein deut­scher Besitzer, dessen Wohnhaus auf deut­schem Boden liegt, dessen Acker aber zum größten Teil durch die neue Grenzziehung zu Polen gehört, seinen Boden bebauen. Er muß sich zu diesem Zweck einen pol­nischen DauerausweiS holen, dessen Be­willigung von der Gnade des polnischen Starosten abhängt; er darf nur zu be­stimmten Stunden am Tage seinen eigenen Acker betreten, d.h. er kann also nachts von den Polen bestohlen und auSgeplün- bert werden, ohne daß er das Recht be­säße, auch nur die Räuber zu vertreiben. And ein besonders krasser Fall: Gin an­derer Besitzer begibt sich auf sein in Polen gelegenes Feld, zieht sich in der MittagS- hitze seinen Rock aus und legt diesen aus den Grenzstein. Da kommt ein polnischer Posten, verlangt ihm seinen Ausweis ab, der sich in der Rocktasche befindet, nimmt ihn fest und läßt keinen Einwand auf den im Rock befindlichen Ausweis gelten: Der Deutsche muß für eine Woche ins Gefäng­nis. Schließlich aber die so ungeheuer lebenswahren Erzählungen des dortigen Landrats, des DeichhauptmannS und des Dorfschulzen von dem siebenmal durch die Grenzziehung zerschnittenen gewaltigen Deich in der Marienwerder Niederung, den polnischen Brückenköpfen in deutschem Land, die Verweigerung des Deutschland selbst in Versailles zugebilligten freien Zugangs zur Weichsel, die Versandung des Weichselsttoms und die ganze polnische Ankultur. Der Deutsche im Grenz­gebiet hofft auf den Tag der Erlösung. Wann wird er kommen? Niemand im Ausland leugnet heute mehr, daß es so nicht bleiben kann, wenn ein neuer Krieg vermieden werden soll.

Das Reichskabinett dürfte sich vorausfiLtlich im Januar mit der Frage beschäftigen, sollte hier eine Einigung erzielt werden, so müßte der Reichstag die erforderlichen Mittel be­willigen.