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Nr. 304

OMefilMte SettMtü, SRerterg e. XL Mittwoch, bat 28. Dezember 1932

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Neue deutsche Luftschiffpläne

Der Mann mit dem umfassendsten Weltbild

Der Mann mit dem umfassendsten WÄt- iäb ist ohne Zweifel der Deutsche Hugo idener. Kein Mensch vor ihm hat soviel on unserem Planeten buchstäblich überblickt, •eine kühnen Ritte mit dem „Graf Zeppelin" ihrten ihn mit Ausnahme Australiens über He Erdteile und alle Ozeane. Er überflog je unerforschten Gebiete der Arktis und Sr- iriens mit der gleichen Sicherheit wie die Pyramiden von Eizeh, und als es ihm em- ,al so in den Sinn kam, hielt er unmrttel- ar über einem schönen Hotel am Genfer ?ee und brachte die ganze feierliche Tributs- onferenz internationaler Staatsmänner zum Hatzen. Die Diplomaten vergaßen jede Eti-- >tte und füllten dichtgedrängt einen Balkon es Beratungszimmers, um das deutsche tech- ische Wunderwerk so recht unbehindert be­trachten zu können. Eckener stellte die Mo­toren ab. „Und Bautz! standen wir unbe- oeglich in der Luft!". So drückt er sich aus. Es war die Minute, in der ein Wort Her- riots von solcher Naivität, von so komischer Natürlichkeit fiel, daß man es immer wieder erzählen sollte, um die Kleinheit der Staats­männer zu zeichnen, die sich crnmaßen, große Völker führen zu wollen, und um die schä­bige Geringfügigkeit der politischen Pro­bleme von heute zu unterstreichen gegenüber der himmelstürmenden menschlichen Schaffens­freudigkeit.

Herriot äußerte: „Die da oben ahnen gar nicht, wie ernsthaft wir am Frieden ar- >eiten." Klingt daraus nicht die ganze Ver­legenheit eines Schuldbewußten, eines Be- chänrten, der plötzlich seine grauenhafte Be­deutungslosigkeit erkennt und eine Verlegen­heitsphrase zusammenstottert? Liegt darin nicht auch die hilflose Verzagtheit eines Fran­zosen, der mit schreckooller Gewißheit erkennt, >aß sein Spiel gegen ein starkes, unverwüst­liches Volk trotz aller Hinterlist, trotz aller Gewalt schon tausendmal verloren ist und nte, nie, nie gewonnen werden kann? So und nicht anders ist es! Nicht die Männer in den Tributberatungszimmern von Lausanne mach­ten Geschichte. Sie lockerten günsttgstenfaus die Hemmschuhe gegen ihren Wetterlauf. Ee- chichte macht der freie Menschengeist, der ich über alle Hemmnisse hinweg in die Lüste schwingt, Gebirge und Wüsten und Ozeane überspringt und die Erdbewohner mrt wuchtigem Ruck einander näher bringt.

Auch die leidenschaftlichsten Vorkämpfer des Flugzeugs stehen heute em wenig beschämt vor dem starren deutschen Luftschiff. Soviel Leistungskrast, wie „Graf Zeppelin" bei nun mehr als fünfundzwanzigmaliger lieber Que­rung des Südatlantik entwickelte, hatten sie diesem Fortbewegungsmittel doch nicht zuge- traut. Einmal schien es, als ob das Flugzeug den Lebensweg der Zeppeline mit kühnem Schwung beenden könnte. Und uns Deutsche erfüllte es mit berechtigtem Stolz, daß em deutsches Riesenflugschiff die Lösung gebracht zu haben schien. Nun behielt doch Eckener recht mit der Behauptung, daß zunächst erst einmal die große Zett des Ozeanluftschiffes komme. Man muß sie allerdings bauen und führen können. Und dazu erweisen sich bisher nur die Deutschen und ihre Zeppeline als be­fähigt. Im abgelaufenen Jahr brachten sie den ersten verkehrsgeschichtlichen Abschnitt einer fahrplanmäßigen Luftverbindung zwischen Eu­ropa und Südamerika hinter sich. Die Be­deutung dieses Geschehens tritt vielleicht am deutlichsten in der Tatsache hervor, daß „Graf Zeppelin" bet seiner letzten Reise von Süd­amerika mehr als ' 40 000 Postkarten und Briete trotz des sechsfachen Tarifs an Bord führte, ein Mehrfaches an Post, als er aus Europa herübergeschafft hatte.

Es gibt eben eine Erziehung auch für den Luftverkehr. Die Südamerikaner, die diese Unmasse von Poft natürlich nicht zu Zwecken der Briefmarken-Liebheckeret, sondern ganz überwiegend aus sehr ernsthasten Geschäfts« gründen abferttgen ließen, smd für den trans­atlantischen Luftverkehr schon besser als die erfindungsreichen Europäer selbst erzogen, weil der seit Jahren bestehende deutsche und französische Wettbewerb mit Flugzeug und Schiffen ihnen die Gewißheit der Erlösung ans ihrer weltwirtschaftlichen Abgelegenheit brachte. Sie empfinden besonders stark, daß die deutschen Luftschiffe sie den verkehrstech­nisch Wochen entfernten Wirtschastsmittel- vmttten des Erdballs in Nordamerika und Europa auf ebenfoviele Tage näher bringen. Stünden mir nicht in einer Wirtschaftskrise ohnegleichen, die sogar den Wasserschiffs- oerkehr auf ein bescheidenes Maß zurück- schraubte, dann summten die Zeppeline ihren Motoren sang schon zwischen Europa und den beiden Amerika und zwischen diesen für sich in regelmäßiger Abwechslung.

Unter der Ueberschrist

„Wankendes Bollwerk",

Ein Blick auf das heutige Polen, veröffent­lichte Joachim Pinther in der Berliner Bör­senzeitung einen interessanten Artikel, in dem die wirtschaftlichen Verhältnisse des Landes in den schwärzesten Farben geschildert wer­den. Wenn die West wüßte, wie es in Po­len steht, sagt ein Amerikaner in einer Unter­haltung von Journalisten über Polen und der Artikel bestätigt das. Aber die Welt weiß es nicht. m

Wie ein Hochstapler ^wacht. auÄ «Polen, daß es nicht entlarvt werde. Kritik an den herrschenden Zuständen ist tu Polen nur er« laubt, soweit sie den Behörden willkommen ist. Wer dieses ungeschriebene Gesetz nicht heachtet, muß dafür büßen: Dem Fremden werden immer neue Schwierigkeiten den Auf­enthalt auf polnischem Boden rasch verlei­den. Der Einheimische kann damit rechnen, schlimmer als ein gemeiner Verbrecher zur Verantwortung gezogen zu werden: Kein Wunder, daß daher der Mut zur Wahrheit in Polen eine seltene Tugend geworden ist!

Pinther erzählt bann von dem Abgeordne­ten Witos, der, wie bekannt, wegen seiner oppositionellen Haltung zu Pilsudski im Ge­fängnis den grauenvollsten Martern unter­worfen wurde. Lange Zeit hüllte er sich dann tn.Schweigen, bis er fetzt mit einem Artikel hervorgetreten ist über die augenblickliche Situation des Dorfes, in der das ganze Elend des Landes geschildert wird.

„Trotz des besten Willens und des Druckes der zahlreichen Gerichtsvollzieher", so Tagt Witos u. a., „haben viele Dörfer aufgehört, ihre Steuern und sonstigen Abgaben zu zah­len. Das Dorf nährt sich immer schlechter. Sogar wohlhabende Bauern verbrauchen kei­nen Zucker mehr. Sie sparen auch am Salz, das oft schon den einzigen Ersatz des Fettes bildet. Das 3erteilen der Zündhölzer in mehrere Stücke, das Feuerschlagen aus Stei­nen, das Hinübertragen glimmender Kohlen im Topfe von einem Ende des Dorfes zum anderen sind zu einer alltäglichen und natür­lichen Sache geworden. In der Nacht ist das

Die Krise bringt die deutschen Lufffchfff- pläne mindestens zwischen Europa und Süd­amerika nicht zum Schweigen. Eckener ließ vor kurzem in Berlin wieder «rnmat afle Minen seiner stets durchschlagenden Werbe­arbeit springen. Wir stehen vor der Aus­richtung eines Lustschiff-Dauerverkehrs zwi­schen Europa und Südamerika mit neuen sicheren Stützpunkten außerhalb Friedrichs­hafens. 3m sonnigen, meist wolkenfreien Spanien bietet Barcelona in Kürze eine Lust­schiffhalle aus eigenen Mitteln, und Se­villa wird wenigstens zunächst einen Lande- mast aufrichten. Jenseits des Ozeans baut Rio de Janeiro mit Regierungsmitteln eben­falls eine Lustschiffhalle. Diese Einrichtungen ermöglichen einen Luftverkehr von dem be­deutenden europäischen Verkehrsknotenpunkt Barcelona über Pernambuco, wo neue Be­triebsmittel aufgenommen und namentlich die nach dem Innern und dem Norden Südame­rikas reichenden Flugzeugltnien erreicht wer­den sollen, nach Rio de Janeiro: zurück geht der Weg über Sevilla als Betriebsmittel- stützpumkt für die Rückreise und weiter nach Barcelona und vermutlich Friedrichshafen in unserer guten Jahreszeit. Und dieser Ver­kehr steht auf eigenen Füßen, auch wenn es nur einen langsamen Aufstieg aus der Krise geben sollte. Ein deutsches Werk! Freuen wir uns der Zähigkeit solcher Männer wie Eckener und seiner Kapitäne, und machen wir es ihnen nach.

Dorf in Finsternis getaucht. Selten zeigt sich an irgend einem Fenster eine schwach flackernde Talgkerze. Der Mangel und die Bedürftigkeit verursachen immer zahlreichere Krankheiten. Die in unerhörter Weise wütende Tuberkulose rafft unbarmherzig viele Opfer dahin, besonders in der jüngeren Ge­neration. Die Bevölkerung geht barfuß her­um, ungeachtet der jetzt schon kalten Morgen­stunden, sie entbehrt der nötigen Wäsche, sie zerreißt den Rest der lumpigen Kleidungs­stücke, die ihr aus früheren, besseren Zetten übrig geblieben sind. Die Schulen werden leer und sogar in den Kirchen haben sich die Reihen in sichtlicher Weise gelichtet. Alles zittert vor Angst vor dem herannahenden Winter, denn es ist keine Möglichkeit vor­handen, HeiMaterial einzukaufen und die Wohnungen instandzusetzen...

Diese Verhältnisse haben Diebstähle, Ein­bruch und Raub in erschreckender Weise zur alltäglichen, vielmehr allnächtlichen Beschäf­tigung gemacht. Die Bauern sind genötigt jede Nacht sich gegen Diebstahl zu schützen. Der Bodenpreis ist auf Vi gesunken, der Boden wurde zur notwendigen Last, für viele ein Ruin und ein Unglück: von anderer Seite, namentlich von deutscher Seite, werden diese Schilderungen bestätigt. Auch dem Groß­grundbesitz geht es nicht besser. 90 Prozent aller Euter haben die Zahlungen eingestellt. Das Vieh ist bis auf das letzte Stück fast verkauft, Gebäude und Inventar fast ver­fallen, vielfach ist nicht gepflügt wurden, weil keine Pferdegeschirre oprhanden waren usw

Wie in der Landwirtschaft so in der Industrie. Die polnische Wirtschaftsstatistik

Si st gefälscht. Der gemeine Raub der en Werke in Ostoberschlesien hat den Polen nichts genützt. Bereits im vergangenen Sommer waren 17 Steinkohlenbergwerke, fast alle Zink- und SÖIeierjgrufeen und ’/4 der Eisenindustrie stillgelegt worden. Die Ar­beitslosenziffer ist natürlich sehr groß, wesent­lich größer als die offizielle Statistik angibt. Nach den Richtlinien des Kreisausschusses in Kattowitz erhalten ledige Arbeitslose oder mit einem Kind 1,88 Mark wöchentlich. Die

„Wankendes Bollwerk"

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Höchstleistung für FamiLen mit 3 Kindern rsk 339 Mark. Die Folge davon ijt z.B.das eigenmächtige Abbauen der Kohle m soge­nannten Elendschächten, Diebstahl und Rcnw. Häufig hausen Menschen ht Kellern ohne Licht, aneinandergepreßt wie eine Drehherde. Der Kalk fällt von den ewig nassen Wanden. Holzfußböden sind meistens nicht vorhmwm. Auf der nackten, mit Unrat bedeckten Erde liegen Kranke, umgeben von verkommenen Kindern. Auf vielen Höfen steht der Kot so hoch, daß sie erst durch übereinanbergelegte Steine gehbar werden. In einem Stadtteil in Warschau leben in 137 Wohnungen von re 8 Quadratmeter Größe 600 Menschen, bte über eine einzige klosettähnlrche Einrichtung auf dem Hof verfügen, obwohl das Haus nach dem Kriege erbaut wurde.

Daß bei derart mangelhaften hygienischen Verhältnissen alle Krankheiten rapid zu- nehmen müssen ist selbstverständlich.

Abgesehen von dem Zerfall ber Satti», wirtschaft und ber Industrie, kommt bte alb- gemeine Not in den Hunderten von zahlungs- unfähigen Kommunen, in der ungeheuren m- iteten und äußeren Verschuldung und nicht zuletzt im Staatshaushalt, bet dem bte Ein­nahmen im wachsenden Maße zuruckgehen. Wenn dessen ungeachtet das Budget immer noch verhältnismäßig günstig erscheint, so,da­her, weil es weder auf der Ein­nahmen. noch auf der Ausgaben- feite mit den Tatsachen uberern. stimmt. Mit Recht haben deshalb die Abgeordneten ber Oppositionsparteien bei ber ' letzten Haushaltsdebatte im Sejm, mbem sie der Regierung den Vorwurf machten, Ire Sbie Arbeitslosenstatisttk, bte Steuer- ung, die Haushaltspositionen Jomte b« Rechnungslegung, das Budget abgeletjmt. 3e länger und eingehender man den polnischen Haushaltsplan betrachtet, desto weniger ba­lanciert er.

Aber fest steht, daß trotz des Elends der Massen über ein Drittel ber m-nah- . men — in Wahrheit wird es die Hälfte kta — auf die Unterhaltung bet gewal­tigen Armee entfallen.

Infolgedessen werden die Mittel der übrigen' Restarts in der rigorosesten Weise beschnitten, so daß sich beispielsweise bas Kultusmini­sterium genötigt steht, eine Schule nach ber anberen zu schließen.

So erscheint bas Polen von heute dem, ber hinter die Kulissen sieht, als em Schlacht­feld ber Armut und des Hungers Wie Aasgeier schweben über ihm die Betrüger und Defraudanten, die sich auf Kosten der verelendeten Bevölkerung zu bereichern inchen.

Der Verfasser gibt bezeichnete Beispiele für Unterschlagung, Wechselfälschung und be­trug, selbst in der hohen Bürokratie.

In diesen Zuständen sieht Pmther eine Ge­fahr für Europa, denn sie begünstigen em erschreckendes Anwachsen des Kommunismus. Selbst der Bauernbündler Witos «st allmäh­lich zum extremen Idealismus übergegan­gen. Bauern-Unruhen, Revolten und Pro­bleme lösen einander ab und es wäre schon längst zu offenem Aufstand gekommen wenn nicht hinter jedem Einzelnen ein Soldat mit aufgepflanztem Bajonett gestanden hatte. Der Verfasser schließt, man habe Polen geschaffen als eine Art Bollwerk für die bolschewisti­sche Gefahr. Unter diesem Gesichtswinkel habe Europa auch die anmaßende Haltung • der Politik auch bet jeder Gelegenheit ge. bll$®erm die Welt aber wüßte, wie es heute um Polen steht, dann würde sie erkennen, daß bas Bollwerk Europas gegen benJBoü. schewismus wankt, weil sein Fundament e> schüttert und sein Aufbau gelockert isst Und die Welt müßte sich sagen, daß nach Lage ber Dinge nur Deutschland der berufene Wächter gegen die bolschewistische Gefahr ist, em Deutschland freilich, dem nicht der Lebensraum und bte LebenÄuft verweigert bleibt, bie es früher besaß.

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Von Oberfeuerwehrmann Mar Pflaumann, Eisenach.

Feuer, Feuer und immer wieder Feuer!

Das war so um die Mitte des Jahres 1931. Es wurde zur Abwechslung von allem etwas geboten. Kleinfeuer, Mittelfeuer, Eroßfeuer, Ueberlandlöschhilfe und etwas ganz Neues auf dem Feuer-Gebiet, — Schützenfeuer. Bei einem so reichlich bemesse­nen Gabentisch schlugen die tatbereiten Wehr­mannsherzen natürlich freudiger denn je und so kam es, daß auch bas Schützenfeuer, wenn auch im Vorbeifahren nur mitgenommen würbe.

Schützenfeuer!

Was sind das für Erinnerungen? Aktive Dienstzeit, Fronterlebnisse tauchen aus ber Vergangenheit auf. Gefechtsererzieren seligen Angebenkens unb ernste Stunden im Gelände Dorim Feind. Und nun? Na jedenfalls Feuerwehr und Schützenfeuer in einem Atem­zug zu nennen, das reimt sich doch bestimmt nicht zusammen. Das ist ja selbst nicht in der Notverordnung vorgesehen. Unb doch! Wir haben die Uraufführung hinter uns. Ich erwähnte schon, so ganz buchstäblich im Vor­beifahren allerdings nur. Aber das genügte uns voll und ganz für jenen Abend, und wenn irgend möglich, auch für bie Zukunft.

Es war ein wunderschöner JuniObend. 3n den Straßen der Stadt ergingen sich die friedfertigen Bürger nach des Tages Last und Mühen, unb über ben tiefschwarzen Tannen­wäldern ringsum lag dunkel die beginnende Nackt. Ganz wohlerzogene Menschen legten sich bereits sittsam in ihre molligen Betten.

Da rasten bie elektrischen Wellen wie tobende Kobolde durch bie Weckerlinien, sprangen in die Hämmer an den Schallglocken und wirbelten im tollen Tanz den für den echten Wehrmann ko erfrischenden Rhythmus des Alarms.

Großfeuer! Ueberlandlöschhilfe!!

Nach wenigen Sekunden schon brauste un­sere 75 PS. Magirus davon.

.Ganz nach dem schönen Soldatenllede: „Der Hauptmann an der Spitze, ber rettet kühn voran . . . doch diesmal hieß es: „Der Branddirektor unser Chef, der führt uns mutig an . . . Schrill tönten die Warnungs­signale durch die einschlafende Stadt. Der geruhsame Bürger blinzelte schnell neugierig durch die Gardinen, legte sich dann nach die­ser unerhörten Störung seines wohlverdien­ten Schlafes aber schnell auf das andere Ohr und war froh, daß der rote Hahn nicht auf seinem Dachgiebel saß. Dann waren wir hinaus. Schweigend umfing uns die tiefe Ruhe des nächtlichen Waldes, unb bas ge­heimnisvolle Dunkel ber ringsum ansteigenden Wälder atmete wohltuenden Frieden. Aber jenseits hinter ben Bergen, bie wie dunkle Schranken im Wege standen, dort krähte der rote Hahn in die Nacht. Bluttote Not er­wartete die Retter und die Freunde.

— und wuchtig und schwer donnerte die Magirus die Bergstraße hinan. Führer und Besatzung sahen ernst und schweigsam in die Finsternis. Es ist doch ein schöner Beruf, Helfer und Freund der Menschen zu sein.

Da blitzt es urplötzlich hart links der Fahr­straße grell auf!

Einmal!! Zweimal!! Dreimal!-

Schnell jagen sich Blitz auf Blitz und Knall aur Knall. Aufdringlich fressen sich die schar­fen Schläge durch die Waldschneisen und frech dringen sie weit hinein in die Ruhe der dunklen Forsten.

Was ist das? Fehlzündungen des Motors, die durch den Auspuff schlagen?? Doch wei­ter brausen Fahrzeug unb Besatzung.

Da sagt tonlos und ernst eine Stimme neben mir: „Auf uns ist geschossen worden.

Geschossen?? Auf uns?? Unmöglich!!

Plötzlich fährt mir wie ein Blitzschlag das Bewußtsein durch den Schädel, bann bist du

getroffen. Herrgott, was ist denn bas auch für ein brennender Schmerz in beiden Bei­nen. Jetzt, die entsetzliche Lähmung, und dann — bas eifrig fließende warme Mut.

„Halten"! „Halten"! „Wir sinb beschossen"!

So gellt ber Schreckruf von dem Getroffe­nen unb ben Kameraden, bie ben Vorfall zu­erst zu erfassen vermögen. Es ist zunächst un­möglich. überhaupt baran zu denken. Man hat uns, die Helfer, bie Retter, die Freunde aller Volksschichten beschossen? Meuchlings hinterhältig und gemein überfallen?

Jäh und geistesgegenwärtig stoppt der Fah­rer das rntt etwa 45 Kilometer im Eingang einer Kurve liegende Fahrzeug. Im Nu sind Führer und Besatzung abgesessen und betten ben Verletzten auf den Straßenrain.

Nun liegt das ungeheuerliche Geschehnis flipp unb klar vor Augen. Verbrecherische Elemente haben bie in bunkler, stiller Nacht zur Hilfe eilende Feuerwehr trotz weithin deutlich hörbaren Fanfaren- und Elocken- srgnale meuchlings von rückwärts beschossen. Durch die nachgesandten Kugeln wurde em Oberfeuerwehrmann der Besatzung infolge eines den linken Oberschenkel längs durch­schlagenden und das Knie des rechten Beines streifenden Geschosses schwer verletzt. . Eine Verfolgung der Verbrecher war leibet tn den finsteren Tannenwaldungen von vornherein aussichtslos, zudem hatte die Motorspritze vom Zeitpunkt der fallenden Schüsse bis zum klaren Erkennen der Situation etwa 100 Meter Fahrt gemacht. Ein Ableuchten des hügeligen bewaldeten Geländes und ein Vor­gehen gegen die im Hinterhalt liegenden Schützen war ebenfalls zwecklos unb für die gänzlich unbewaffnete Mannschaft sogar le­bensgefährlich. So stand denn die Be­satzung wutknirschend um ihren schwerverletz­ten Kameraden, um sv gut unb so schnell als möglich bie erste Hilfe zu leisten. Zum Glück kommt unmittelbar ein kleiner B. M. W. des

Weges und führt ben Verwundeten sofort dem Krankenhaus zu.

„Aufgesessen!" Der Motor sprmgt an. Schnell setzt sich die Spritze m volle Fahrt, ber Brandstätte entgegen, wo verängstigte Menschen bereits ungeduldig über bas lange Ausbleiben ber Hilfe klagen. Bald liegt wie- der friedvoll die schwelgende Nacht über teuer Stelle, wo Verbrecher eine bis heute im dntt- scheu Feuerwehrleben einzig dastehende Tat begingen und einen vollgesunden Kameraden m treuer Pflichterfüllung zum Krüppel lchm- sen. Dieselbe schweigende Nacht deckt auch den traurigen Schützen den Rückzug und er­möglichte es, daß es bis heute nicht gelang, ihrer habhaft zu werden.

Feuerwehr im Schützenfeuer!

Mögen die Schüsse aus politischen Lei- denschaften gefallen sein oder in verblödeter Dummheit tatsächlich der Feuerwehr gegolten haben, die Entrüstung über diese Tat war allgemein. Es ist zu wünschen, daß selbst Verbrechergewifsen Reue empfinden und die Tat an den Helfern ihrer eigenen Familie bereuen. Wir Menschen vergleichen die Liebe mit Feuersglut und stellen sie dar als bren- nendes Herz. So sind auch mir Feuerwehr­männer tief im Herzen verwachsen mit dem Feuer unb der helfenden Liebe zu unseren Mitmenschen. Die hohe Gesinnung, die uns bet unserem aufopferungsvollen Beruf leitet, läßt uns die Gefahren nicht achten, die uns so mannigfaltig umgeben. Deshalb erwarten wir aber auch Achtung vor unserem Stand und unserem Ehrenkleid.

Unb so haben wir bie Hoffnung, baß der ehilderte Fall für alle Zukunft einzig blei« möge, daß die Täter sich reuevoll «in- reihen in die große menschliche Gemeinschaft bes sein schweres Schicksal so mutvoll tragen* ben deutschen Volkes. Dann wird auch über bem deutschen Vaterland die Sonne wieder scheinen.