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Nr. 304

^derhessische 3dftme, Marburg c L. Mittwoch, d« 28. Deremb« 1932

Sette 9

Aus -er Amsesen-

Kreis Marburg

Weihnachten vor den Toren der Stadt.

Eine recht stimmungsvolle Weihnachtsfeier erlebten wir am Abend des ersten Weihnachts- tages in der alten Dorfkirche von Wehrda. Herr Pfarrer Dr. Heppe verstand es meister­haft, eine Weibnachtsstimmung in der Herzen seiner Pfarrkinoer aufleben zu lallen, wie ste schöner nicht gedacht werden tann. Nach einigen erklärenden Worten des Geistlichen er­lebten die Gläubigen in einem Krippenspiel das Geheimnis der beiligen Weihnacht. Symbolhaft war bei Beginn des Spieles die Kirche verdunkelt. Da bringen Engel das erste Licht in das Dunkel. Die Propheten schreiten kerzentraaend durch den Raum. Es wird heller und heller, die Hirten auf dem Felde hören die Kunde, ste eilen zur Krippe und finden das Christkind. Nun strahlt der Weihnachtsbaum, O du fröhliche, selig«, gna­denbringende Weihnachtszeit klingt es durch den Raum. Durchflochten war das Spiel von zahlreichen musikalischen und rezitatorischen Darbietungen der Jugend. Allen denen, die sich mit Liebe um das Gelingen der Feier be­mühten, besonders auch dem Herrn Lehrer, der sich große Mühe mit der Einstudierung gab, sei an dieser Stelle herzlichst gedankt.

r. Rauschenberg, 27. Dez. D i e Weihnachtsfeiertage wurden durch feierlichen Gottesdienst am Heiligen Abend wirkungsvoll eingeleitet. Kirchen- und Schü­lerchor verschönten die Andachtsstunde durch ihre Gesänge. Ein aus früheren Jahrhun­derten übernommener Wechselgesang zwischen beiden Chören darf mit der gut durchgeführ- ten Orchesterbegleitung als erfreuliche Be­reicherung für die Ausgestaltung dieses Gottesdienstes angesprochen werden. Die gut besuchten Hauptgottesdienste stellten das Wesen des Festes klar heraus. Am Nachmit­tag hielt die Kleinkinderschule unter ihrer Leiterin Frl. Wenderoth Bescherung ab. Der Turnverein führte am zweiten Feiertag einen Theaterabend durch. Das ernste Spiel llmsonst gelebt" forderte von den Besuchern eine klare Einstellung zu entscheidungsvollen Fragen wirtschaftlicher und sozialer Art. Die Spieler zeigten sich ihrer zum Teil recht schwie­rigen Aufgabe gewachsen. Es verdient an­erkannt zu werden, das; die Vereine der Deut­schen Turnerschaft sich in die Reihe der Kämpfer stellen, denen di- Lösung bedeu- tungsvdller Aufgaben der Gegenwart innere Notwendigkeit ist. Nicht mit weltabgewand­tem Gesicht, sondern in tiefwurzelnder Volks- tumsarbeit können diese Fragen gefördert werden.

Weihnachtsfeier.

Kleinseelheim, 27. Dez. Die hie­sige Schule sowie der Sängerchor ver­anstalteten am 2. Feiertag abends, eine Weih­nachtsfeier, verbunden mit theatralischen Auf­führungen und Singspielen. Die Spieler machten ihre Sache ausgezeichnet. Lehrer Keidel, dem wir den schönen Abend ver­danken, eröffnete die Feier und begrüßte die Anwesenden. Der Saal des Gastwirts Boß- Hamer war bis auf den letzten Platz dicht be­setzt und die Zuhörer spendeten lebhaften Beifall.

Krippenspitt.

Josbach, 27. Dez. Am Heiligen Abend wurde in unserer stimmungsvoll geschmückten Kirche durch den Evang. Jungmädchenverein unseres Ortes unter Mitwirkung einiger junger Burschen ein Ät ippensoiel auf­geführt, eingeübt von Herrn und Frau Pfar­

rer Walmbaeck. Sämtliche Miffpf^ende gaben ihr Bestes und waren mit Lust und Liebe bei der Sache, sodaß die zahlreich, er­schienene, andachtsvoll lauschende Gemeinde einen bleibenden Eindruck mit nach Hause genommen haben dürfte. Zum Gelingen der Feier trugen noch besonders die durch die Schulkinder gesungenen Weihnachtslieder bei, die durch Herrn Lehrer Wolff mit viel Liebe und Mühe eingeübt warm.

Treue Dienste. *

lb. Mellnau, 28. Dez. 10 Jahre sind an Weihnachtm verflossen, seit Frl. Anna Elisabeth Busch aus Mellnau bei Herrn Förster Kranz als Dimstrnädchm in Dimst trat. Mit feiten er Treue und regem Fleiß hat sie sich das Verträum ihrer Dienstherr­schaft erworbm und mit warmem Herzen Freud und Leid mit der Familie geteilt, so daß sie in derselben weniger als Dimstbote, sondern als liebevolle Hausgmossin angesehm wird.

Krrlö Knmkenverg

Unfall.

xx Thalitter, 28. Dez. Der hiesige Schreinermeister S ch e e r e r kam am 1. Feier­tag, als er bei Glatteis und bereits einge- trrtener Dunkelheit mit einem Tischchen ver­packt nach Hause wollte, derart zu Fall, daß er sich in ärztliche Behandlung begeben und ihm ein Glied des kleinen Fingers abgmom- rnen ©erben mußte.

Kreis Dillenburg

Freilegungsarbeiten am Landgrafenschloh.

0 Biedenkopf, 27. Dez. Seit einiger Zeit sind eine Anzahl Wohlfahrtserwerbslose der Stadt Biedenkopf unter Leitung des Kurators des Heimatmuseums und unter Unterstützung des Eeschichtvereins mit Frei- leaunosarbeiten am alten Landgrafenschloß beschäftigt. Es soll in erster Linie der Grund­riß des alten Schlosses festgestellt werden. Den alten Brunnen des Schlosses hat man bis auf 10 Meter frei gelegt und es zeigt sich bereits Wasser.

Kirchenkonzert des Gesangvereins.

mk Gladenbach, 28. Dez. Der rührige Gesangverein hatte es sich zur Aufgabe gemacht, am ersten Weihnachtsfeiertag unter Der be­währten Leitung seines Dirigenten, Herrn Lehrer Kurz-Diedmhausen, ein Kirchen­konzert zu veranstalten. Zur Mitwirkung waren gewonnen: für Sopran Frl. P. Theiß- Gladenbach und für Violine Herr R. Ehrhard- Frankfurt a. M. Es halten sich etwa 180 bis 190 Personen eingefunden. Das Programm war schön und reichhaltig. Begeistert von den Darbietungen gingen die Erschienenen nach Hause. Es hatte sich wieder gezeigt daß unser Verein ganz Hervorragendes zu bieten ver­mag.

Eltem machen die Schickhefte. Ein Zeichm der Zeit.

0 Gladenbach, 28. Dez. Die (Eltern in Mendorf haben beschlossen, für ihre Kinder die Schulhefte selber herstellm zu lassen, da sie die Kostm für dm Kauf nicht mehr auf« 'bringen können. Das Papier soll in Großem bezogen werden, alsdann will man die Hefte anfertigen lassen. Auf diese Weise hofft man eine wesentliche Ersparnis $u erzielen.

Weihnachtskonzert.

b Wallau, 28. Dez. Einer ölten, längst liebgewordenen Tradition folgend, hatte der hiesige Musikverein auch Heuer wieder zu einem Weihnachtskonzert am ersten Feiertage eingeladm. Trotz Not und Schwere der Zelt

Hessen-Nassau und Rachbaesebiete

Die 2. T. Farbenindnstrie führt die S-Tage-Woche ein.

Frankfurt a. M., 27. Dez. Im Ver­waltungsbetrieb der I. G. Farbenindustrie in Frankfurt a. M. wird ab 1. Januar eine Neuerung eingeführt, und zwar wird von diesem Datum ab nur noch an fünf Tagen der Woche gearbeitet, während am Sonnabend die Büros ge­schlossen bleiben. An den anderen fünf Tagen sind die Büros von 8.30 vormittags bis um 17 llhr nachmittags ununterbro­chen geöffnet. Eine Gehaltskürzung ist mit dieser Arbeitszeittürzung nicht ver­bunden.

Das Ehedrama in Hana«.

Hanau, 27. Dez. Zu dem furchtbaren Ehedrama in Hanau, wo am vergangenen Sonnabend der Rentenempfänger Georg Merx seiner im Bette liegenden Frau mit einem Hammer den Schädel zertrümmerte, erfahren wir heute früh, daß die schwer verletzte Frau jetzt ihren furchtbaren Verletzungen erlegen ist.

Kampf gegen die Brandfttftirngsfenche auf dem Westerwald.

Wiesbaden, 27. Dez. Der Landes- ausfchuß in Wiesbaden hat auf Antrag der Nassauischen Brandversicherungsanstalt beschlossen, die Gemeinde Alpenrod (Oberwesterwaldkreis) nicht nur nicht an der für den Oberwesterwaldkreis beschlos­senen Senkung der Brandversicherungs­beiträge teilnehmen zu lassen, sondern noch die Beiträge um 25 Prozent auf 75 Pfennig je 1000 Mark Veitragskapital zu erhöhen. Die Gemeinde Alpenrod hat in den Jahren 19281932 zusammen 14 484 Mark Beiträge zur Nassauischen Braud- versicherungskasse geleistet. In der glei­

chen Zeit betrugen aber die B r a u d s ch 8- den in dieser Gemeinde 44 567 Mark. Der Kampf gegen die Brandstiftungs­seuche auf dem Westerwald wird also nun auch von dieser Seite aus ausgenommen. Gleichzeitig setzt die Nassauische Brandver- sicherungskasse eine Belohnung bis zu 1000 Mark je Brandfall für denjenigen aus. der einen Brandstifter entdeckt und anzeigt, so daß seine Bestrafung erfolgen tann.

Exzellenz Fritsch 75 Jahre alt.

Wiesbaden, 27. Dez. Der im Ruhestand lebende Wirkt. Geheimrat Fritsch, ehemals Präsident der Gene­ral-Direktion der Reichsbahnen in Elsaß- Lothringen und des Reichseisenbahn- amtes, der sich auch als juristtscher.Schrift­steller einen Namen gemacht hat, vollendete am ersten Feiertag in voller Frische das 75. Lebensjahr.

Eigenartiger Saniernngsoorfchlag der Mofel-Dampffchiffahrtsgesellschaft

Trier-Koblenz

Trier, 27. Dez. Die MiLelDampf- schiffahttsgesellschast Trier-Koblenz Hatz« ihrer Sanierung einen Plan ausgearbei­tet, nach dem zusammen 42 000 Mark auf­gebracht werden sollen, und zwar von ben Gemeinden, die von den Schissen der Ge­sellschaft berührt werden. Danach sollen u. a. zahlen: Trier 5000 rJl, K^MenI und Bernkastel je 2000 Sfc, die ffet* neren Orte 200 bis 600 JL. Kommt diese Sanierung zustande, dann will die Gesell­schaft im kommenden Jahr den Dmnpf- schiffahrtsverkehr bis Trier wieder ausnehmen, den sie seit einem Jahre eingestellt hatte.

hatten auch diesmal die Musiker alles barmt« gesetzt, ein verständiges und verstehendes Publikum für einige Zeit herauszuheben aus dem Grau des Alltags und ihm den Becher reiner Freude zu reichen. Und so ward uns eine Weihestunde, da uns jener Götterfunke streifte nach all dem. was hinter uns lag und nach aller Radiomusik und dem Erammophon- geschrei der Zeit. Hier spricht der Mensch zum Menschen. Fäden spinnen herüber und hin­über. Fäden der Freund- und Bekanntschatf. Und wenn dann die Vortragsfolge nur Sachen erlesener Tonkünstler bietet, und wenn diese Stücke, mit feinem Verständnis und guter Technik gespielt, in ihrer Töneflut von der Bühne hinunterrauschen zum offenen Ohr des Hörers im Saal, wenn ein gutdurchdachter Wechsel in der Vortragsfolge vor Ermüdung bewahrt, dann kann man den warmen Beifall, der ttotz allem zahlreich Erschienenen, ver­stehen. Doch eins fehlte. Wenn Weihnachten ist verlangt deutsches Gemüt nach deutschen Weihnachbsliedem. Das sonst stets gespielte Tongemälde von Koedel war diesmal' vom Programm gestrichen. Man kann das ver­stehen. Aber dann muß etwas Aehnliches an seine Stelle gesetzt werden Zu einem Weih­nachtskonzert gehören nun einmal die alten, lieben Kinderlieber vom heiligen Christ und dem Kindlein in der Krippe und nur bann bat der brennende Christbaum seinen tiefen Sinn und seine Bedeutung.

Kreis Aegenimin

Saunttlane für die Stadt Kassel.

Treysa>26. Dez. 3m Kresse Ziegen- Hain find im Jahre 1932 über 1200 Zentner Kartoffeln für Bedürftige der Stadt Kassel gesammelt und abgeliefert worden. Es folgt im Februar eine zweite Sendung, bestehend aus Hüssenfrüchten, Räncherwaren und Mehl nach. Im Vorjahr wurde 263 Zentner hoch­wertige Lebensmittel, ohne das Bargeld, nach Kassel geliefert. Die von den politischen Ver­einen oder der Kirche gesammelten Gaben sind hier nicht eingerechnet.

Das Frankfurter Radio-Programm.

Donnerstag, ben 29. Dezember.

6.15: Wetterbericht. Anschließend: Mor- aengymnastik. 7.25: Kotiert. 12.00: MOTrsert 13.30: Konzert.15.30: Stunde der Jugend. 17.00: Konzert. 18.25: Stunde des Films. 18.50:Gedanken über den Begriff der Wirtschaftlichkeit", Vortrag. 1920: Nachrichten aus Kunst und Wissenschaft. 1920:Spuk in der Nacht" und andere Geschichten. 20.00: Zeitfunk:Eine Nachricht geht m die Wett". 20.30: Konzert des Südwestdeutschen Rundfunkorchesters. 21.45:Hans Stäwek- maam, ein Geheimett', Dorttag. 2220: Zeitangabe, Tagesnachrichten, Wetterbericht, Sportbericht. 22.45: Tanzmusik.

lNachdruck verboten )

.Ar Nrri ton du Landstraße"

Ein heiterer Roman von: R S. lltfch. (Copyright by Verlag Alfred Bechthold in

Braunschweig).

33. Fortsetzung.

Debroix lächelte.Wir sind eben von der Leiter des Lebens heruntergefallen. Durch unsere Schuld . . ." Und als sie zweifelnd den Kopf schüttelte, fügte er noch hinzu:Gewiß, nur durch unsere Schuld! Unserem Leichtsinn haben wir alles zu verdanken. Aber es ist wirklich sehr in der Ordnung, daß wir bas Leben auch mal von bei schlechten Seite betrach­ten müssen!"

Diese Auffassung ist nicht von der Hanb zu weifen!"

Die Eutsbesitzertochter bot den beiden Stühle an und fetzte sich dann kurz vor sie auf ben Schreibtisch.Aber jetzt wollen wir ganz vernünfttg zusammen fprechen," sagte sie mit Betonung.Geben Sie mir zuerst Ihre Hüte her!" Sie legte diese auf den Schreibtisch.Nun setzen Sie sich bitte so gemütlich hin, wie Sre es von früher her gewöhnt sind! So! nein, halt: Die Zigaretten fehlen noch." Sie lehnte sich zu­rück, brachte aus einer Schublade eine Zi­garettenschachtel hervor und bot den bei­den von dem Inhalt an. Sogar Feuer reichte sie ihnen.Also, wenn Sie in einer ' sttabrif Arbeit annehmen, so wer­

den Sie das, glauben <ESe es mir, bald bereuen, llebrigens ist es heute keines­wegs leicht, bart Beschäftigung zu finden, zumal, wenn man nicht Spezialist in irgend einem Handwerk ist. Die Arbeitslosigkeit in den Städten ist zur Zeit katastrophal für das deutsche Arbeitervolk ... Dann wollen mii den Kall jetzeu: man stellt Sie

ein . . . Was haben Sie dann? Sie müs­sen von morgens früh bis abends spät in bei Fabrik arbeiten . . . Bedenken Sie: der Dunst das Gehämmer das Ge­töse der Maschinen ... Sie werden in schwarzberäucherteu Häusern wohnen und überhaupt nichts mehr sehen, was dem Geist Erfrischung geben könnte. Stumpf­sinn, Apathie würde Sie ergreifen und Ihnen letzten Endes die Empfänglichkeit nehmen für alles Schöne, dessen das Herz hier auf der Erde bedarf."

Die beiden waren überrascht und lächel­ten. Was dieses fesche Mädel so vernünf­tig plauberte! Wie sie mit den schlanken Händen durch überzeugende Gesten die Kraft und außerordentliche Energie ver- rieten die Glaubwürdigkeit ihrer un- gewöhnUchen Worte besiegelte.

Nun lachen Sie mich ans! Sie drohte schelmisch mit dem Finger.Es ist so, wie ich sage! Ich kenne die Verhältnisse auf diesem Planeten . . . Wenn ich zuweilen Muße hatte, studierte ich Milieu . . . Das ist viesseifig und sehr interessant. Sehen Sie: bei uns auf dem Lande hat man sich ttotz der großen technischen Neuerungen auf dem Gebiete der Landwittschaft doch noch ben alten Geist bewahrt. Das Hyper- moberne wird den Weg schwerlich in un­sere Stallungen finden, denn Seide ver­trägt sich einfach nicht mit Mist. Dafür bleibt aber auch die Küche bei uns die alte . . . Küchengeld gehört in die Küche und nicht in die Modewarenhäuser. Sicher, wer es sich leisten kann! . . . Aber gerade Sie werden doch in der Stadt in jeder Minute an Ihr früheres Leben erinnert, und bann fällt Ihnen Ihre Armut doppelt schwer."

Recht haben Sie?" Molden nickte bei­fällig. mit dem Kopfe.

Auch würden wir im Leben nichts mehr von Wuttte hören!" sagte Debroix. Nach hier wttd er uns vielleicht schrei­ben."

Das ist wahr! Also bleiben wir hier, lieber Axel!"

Es wird das beste sein, Bernd!"

Nun. Sie haben es ja gehört!" wandte sich Molden wieder an das Fräulein.

Ihr Entschluß freut mich?" Helmi Ho­ben reichte jedem die Hand.Ich glaube, wir werden uns gut zusammen vertragen! Und an dem Lohn sollen Sie nichts aus­zusetzen haben!"

Nachmittags waren Debroix und Mol­den auf dem Felde. Helmi Hoben ließ ihnen indessen em Zimmer im Gesinde­haus einrichten. Das Gemach war sehr geräumig, und Helmi befahl, alles fehr gemütlich und nett zu machen. Ein Divan wurde aus dem Herrenhause rüberge­schafft, bequeme Stühle um einen schön gedeckten Tisch gestellt, zwei große Bilder an die Wand gehangen u. s. f. Bücher und Schreibzeug legte Helmi auf einen ein­fachen Schreibtisch, der am Fenster stand. Befriedigt nickte sie zuletzt mit dem Kopfe und befahl der Köchin, den beiden das Essen stets auf dem Zimmer zu servieren.

Abends kehrten die Freunde müde nach Hause zurück. Hermann führte sie in ihre neue Wohnung.

An diesem Tage fand ein Hausierer abends gegen sechs llhr auf der Sttaße, die durch die Fichtenschonung führte, ein Fahrrad. Das Titelbild einer Illustrier­ten vom Regen fast verwaschen hing an der Lenkstange, das der Mann ein­gehend befrachtete. Unter dem Bilde auf dem einige Filmschönheiten zu sehen Lumenstanden folgende Worte: Dieses

Fahrrad ist sofort auf dem Polizei­präsidium abguliefem. Es gehört dem Metzger, dem es leider bei Stelzheim ge­raubt werden mußte. Der Heber Bringer erhält 50 Mark Belohnung. Mit dem Metzger setzt sich der ehrliche Räuber Vei Gelegenheit noch wegen der Knackwürste auseinander, die, sm es geklagt, wohl durch die Bekanntschaft mit der Striche ungenießbar geworden sind.

Das Fahrrad ging tatsächlich wieder an die richtige Adresse zurück.

lleber der Großstadt in der Wuttke damals das Abenteuer in der Kaschemme erlebt und Debroix und Molden im Ob­dachlosenasyl geschlafen hatten senkte sich die Dunkelheit hernieder. Es war das Vergehen eines herrlich schönen Tages. Die lauwarme Lust lag müde in den Sttaßen. Aus den Cafäs drang rau­schende Musik, auf den Terrassen vor den Lokalen saßen an weißlackierten Tischen fröhlich plaudernde Menschen. Ver­lockende Gerüche von üppigen Speisen schwebten schmeichelnd aus den Küchen auf die Straßen. Lauflichtreklame sprühte an den Dachfirsten zwischen den Eta­gen auf Kuppeln . . . Die Großstadt badete ihren Körper in strahlendem Licht. Menschen wogten durch die Straßen, Tausende fluteten über die Plätze, im­mer mehr kamen ... Sie schienen ans dem Nichts zu kommen und im Nichts wieder zu verschwinden.

Durch eine der belebtesten Straßen fuhr bedächttg ein prachttolles, offenes Auto. Leicht schlürfend rollten die breiten Rei­fen über die angefeuchtete Asphaltstraße. Ein vornehmer Fahrgast saß hinten in der linken Ecke des Wagens. Vor ihm ein schmucker Chauffeur.

^Fortsetzung folgt.)