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Stile 2

Oderhesfisch« Zeitung, Marburg a. L. Dienstag, bett 27. Dezember 1932

Nr. 303

auszuführen, in den fie infolge der von jedem Lande als Gegenmaßnahmen gegen die des Nachbarn eingeführlen Behinderungen des Handels gekommen ist.

Deutschland hat in Fortsetzung seiner Be» strebungen, durch Gewährung von Getreide­präferenzen an die Südoststaaten deren Not­lage zu beheben, einen weiteren Handelsver­trag mit Bulgarien geschlossen, in dem die Gewährung derartiger Vorzugszölle vorge­sehen ist. Leider konnte dieser Vertrag bisher ebensowenig wie die mit Rumänien und Un­garn abgeschlossenen in Kraft gesetzt werden, da die Vereinigten Staaten ihre Zustimmung zu dieser Ausnahme von der Meistbegünsti­gung bisher versagt haben. Indes haben ste in Aussicht gestellt, daß ste sich einer allge­meinen europäischen Hilfsaktion für Mittel­und Südeuropa nicht widersehen werden.

Die politischen Interessen an einer Wieder­gesundung der Donauländer sind verschieden. Frankreich glaubte in einem engen Zusammen­schluß der fünf Nachfolgestaaten ein Mittel gefunden zu haben, die Länder selbst zu sanieren und gleichzeitig der Tschechoslowakei eine vergrößerte Absatzmöglichkeit zu ver­schaffen. Auf der Londoner Konferenz (April) zeigte es sich jedoch, daß dieser Zusammen­schluß schon deshalb nicht zu einer Gesundung des Südostens führen könne weil die fünf Nachfolgestaaten sich wirtschaftlich keineswegs ergänzen.

In Lausanne (Juni) ist zweifellos einer der Haupthinderungsfaktoren für die Rückkehr des Vertrauens und für die Zusam­menarbeit in der Welt, die Reparationsfrage, beseitigt worden. Dieselbe Konferenz hat ben Mächten auferlegt, die Frage, wie den Donau­ländern geholfen werden könne, zu prüfen und eine Konferenz vorzubereiten, auf der Mittel und Wege gefunden werden könnten, der ge­samten Wellwirtschast wieder neuen Auftrieb zu geben.

Die Stresakonferenz (imSep-tember ds. 3s.) hat sich der ersten Aufgabe unter­zogen und ist u. a, zu dem Ergebnis gekom­men, daß die Gewährung von Präferenzen an die in Frage kommenden Staaten ein wirk­sames Mittel bildet, um ihren wirtschaftlichen und finanziellen Wiederaufbau zu fordern. Zu einer Zurücknahme des Einspruchs seitens der Vereinigten Staaten ist es trotzdem bis heute noch nicht gekommen.

Statt -besten haben aber in diesem Jahre andere Versuche, durch Bildung größerer re­gionaler Wirtschaftsverbände aus der Depres­sion herauszukommen, Fortschritte gemacht.

Das wichtigste handelspolitische Ereignis de» Jahres 1932 bedeutet wohl die in Ottawa im Juli beschlossene wirtschaft­liche Zusammensastung des gesamten briti­schen Imperiums. Die Kronlander »ad das Mutterland gewähren sich gegenseitig

BorzugoMe.

Wenn die» auch eine generelle Zollabsenkunq in gewisten Dominions zur Folge bat so ist die Schädigung des außenpolitischen Handels durch diese plötzliche Umleitung vieler Waren­ströme noch nicht abzusehen.' Es darf nur darauf hingewiesen werden, daß z. B. 60 Pro­zent der deutschen Ausfuhr nach BrttischÄn- oien wahrscheinlich künftig durch englische Waren verdrängt werden können. Daß somil Ottawa für die Aufrechterhaltung der Meist­begünstigungsklausel eine harte Belastungr- Scobe darstellt wird nicht zu bestreiten fein.

nter den Wirkungen des Ottawavertrages werden wir uns zweifellos gezwungen sehen wüsten, unser wirtschaftspolitisches Verhältnis nicht nur zum englischen Mutterlande, sondern auch zu den Dominions einer Durchsicht zu unterziehen.

Im November hat in Genf der Vorbe­reitende Ausschuß für die ®eit« wirtschaftskonfereuz getagt. . Die Berichte, die von dem wirtschaftlichen und finanziellen Unterausschuß ausgearbeitet wur­den, geben manchen Hinweis dafür, wo ange- letzt werden muß, um die Menschheit einer befielen wirtschaftlichen Zukunft entgegen­zuführen.

Deutschland wird e» an tatbereiter Mit­arbeit nicht fehlen lasten dürft». Mr sind der Wahrheit zugänglich, daß eia schneller Güterumlauf und damit ei« verstärkte, wirt­schaftliche, Leben nur «töglich ist. wen» dem Nehmende» auch ein Gebender gegenüber steht. Aber die Mlt muß mehr al, bisher einsehe», daß wir unseren Verpflichtungen nur nachkommen können, wen» für uns die Ab­satzmöglichkeiten in der Welt gegenüber de« bestehenden Zustand wesentlich oerbestert «erde».

Was Veränderungen in den Han­delsverträgen anbelangt, so ist der Ab­schluß des deuisch-bulgarischen (übrigens der erste Handelsvertrag, den Bulgarien nach dem Kriege geschlosten hat) schon erwähnt worden. Der deutsch-schwedische und der deutsch-juqo- ftawische Handelsverttag mußten von der Deutschen Regierung gekündigt weiden. Ueber eine Neugestaltung der deutsch-französischen Handelsbeziehungen wird zur Zeit verbandelt. Auch mit England stehen in nächster Zeit Ver­handlungen über Tarifbindungen auf breiter Basis in Aussicht. Der deutsch-schweizerische Handelsverttag wurde von der Schweiz mit Wirkung vom 5. Februar 1932 gekündigt Bei- berfei** blieb lediglich die Meistbegünstigung ohne besondere verttagliche Vereinbarung be­stehen. Im Laufe des Jahres fanden dann neue Verhandlungen statt, die zu dem vor­läufigen deutsch-schweizerischen Wirtschafts­abkommen vom 5. November 1932 führten.

Die Unglücks-Chronik der Feiertage

Dir Leiche eine» vermißten SA-Mannes ans« gefunden.

Dresden, 26. Dez. 3n der Talsperre Malter ist heute die Leiche des seit dem 4. No­vember vermißten Dresdener SA-Mannes H e n t s ch gefunden worden. Sie war bisher vom Wasser bedeckt. Das Sinken des Wager- ftandes infolge Eisbildung hat sie jetzt ftei- gelegt. Der Tote war in Säcke gehüllt und diese wiederum waren mit schweren Steinen belastet. Die erste Untersuchung hat bereits ergeben, daß Hentsch durch einen Schutz in die Brust getötet wurde. Zwei­fellos liegt Mord vor. Die Ermittelungen der Kriminalpolizei haben bereits wichtiges Material ergeben.

Schwert Bluttat m Bottrop. Politischer Racheakt?

Bottrop, 26. Dez. In der Nacht zum ersten Weihnachtstag gegen 0.30 Uhr kam es in Bottrop in einem Hause der Ziegelstraße zu einer schweren Bluttat. Der Bergmann Hermann Cotuka weilte bei seinem Schwager Szezotak zur Weihnachtsfeier. Plötzlich wurde an das Fenster des Wohn­zimmers geklopft, woraufhin Szezotak sich hin­aus begab. Als er die Haustür öffnete, wurde er mit sieben bis acht Schüs­sen empfangen. Durch drei Schüsse ge­troffen, hrach er zusammen. Als die Ange­hörigen auf die Schüsse hin auf die Sttaße eilten, war von den Tätern niemand mehr zu sehen. Am Tatort wurden sieben Patronen­hülsen gefunden. Die polizeilichen Ermitt­lungen wurden sofott ausgenommen. Bis jetzt wurden zwei Personen aus Bottrop, die der KPD. angehären und im Ver­dacht stehen, an dem Ueberfalk be­teiligt gewesen zu sein, festgenom­men. S. selbst gehört keiner Patte, an. Da aber sein Schwager Cotuka Anhänger der NSDÄP. ist und wegen der Schießereien im Juni dieses Jahres in Botttop in Unter­suchungshaft gesessen hat, aber auf Grund der Ämnestte wieder entlasten worden ist, nimmt man an, daß es sich um einen politi­schen Racheakt handelt. Szezotak ist am ersten Feiettag im Krankenhaus seinen Ver­letzungen erlegen.

Mord am Heiligem Abend.

Stettin, 26. Dez. 3n dem etwa 3 bis 4 Kilometer von Pasewalk entfernt lie­genden Dorf Papendorf wurden am Seli­gen Abend zwei Einbrecher nn Hause des Mühlenbesitzers Schaerping überrascht und mußten flüchten. Zwischen den Verfolgern und den Einbrechern kam es zu einem Hand­gemenge. Ein Einbrecher schoß auf den Bäcker­gesellen E ött, der von drei Schüssen getrof­fen auf der Chaussee tot zusammenbrach. Die Täter entkamen mit ihren Fahrrädern und 70 Mark barem Gelbe und einer Kas­sette.

Aetzboinbemamschläge am Heilig«« Abend.

Saalfeld, 26. Dez. Von unbekann­ten Tätern wurde am Heiligen Abend gegen 11 Uhr nachts durch ein Fenster der Woh­nung des Pfarrers Fischer eine mit Salzsäure und Karbid gefüllte Flasche ge­worfen, die mit lautem Getöse explodierte und im Zimmer große Verwüstungen anrich- tete. Verletzt wurde niemand. Eine zweite Aetzbombe gleicher Art wurde nach der über der Pfarrwohnung gelegenen Wohnung eines Polizeiinspektors geworfen, prallte aber am Fensterkreuz ab und erplodiette auf der Straße. Im Dorgatten des Hauses wurde dann noch eine dritte Flasche gefunden, die überhaupt nicht explodiert war. Ihr In­halt soll noch untersucht werden.

Feuerüberfall anf einen Lastkraftwagen in Berlin.

ft. Berlin, 27. Dez. Auf einen mit 48 Mitgliedern des ArbeitersportvereinsFichte" besetzten Lastttafttvagen, der sich auf der Durchfahrt von Eberswalde nach Braun- chweig befand, wurde in der letzten Nacht in Zehlendorf aus der Dunkelheit mehrere Schüsse abgegeben. Zwei Insassen sowie bei Führer des Wagens erlitten Unter- chenkelschüsse. Die Schützen sind ent­kommen.

Einbrecher erbeuten 15000 Mark Bargeld.

Berlin, 27. Dez. Am zweiten Feiettag abends drangen Einbrecher m die Wohn­räume des Pächters der Kliemschen Festsäle in der Hasenheide em. Die Diebe gelangten vom Hof aus über eine an der Mauer be­findlichen eiserenen Treppe auf den Balkon der Wohnung, zerschlugen dott eine Scheibe und stiegen in die Räume ein. Sie stahlen 15 000 Mark Bargeld und zwei goldene Da- menarmbanduhreu.

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Betriebsunfall anf dem Chemnitzer Haupt­bahn Hof.

Chemnitz, 26. Dez. Auf der Sttecke zwischen Hauptbahnhof und Bahnbetriebs­gebäude rannten heute zwei leerfahrende Lo- komotrven gegeneinander. Führer und Heuer der falsch fahrenden Maschme wurden dabei schwer und der Heizer der anderen Ma­schine leichter verletzt. Beide Lokomotiven wurden leicht beschädigt. Lebensgefahr be­steht in keinem Fall.

Anschlag auf eine Wittve.

Bischbausen (Kr. Fritzlar), 26. Dez. In der Nacht zum zweiten Feiertag wurde auf eine hier wohnende Witwe ein Anschlag ver­übt. Beim Zubettgehen gegen 12 Uhr hörte die Frau auf dem Hofe ein Geräusch und sah zum Fenster hinaus. In diesem Augenblick

erhielt sft einen Steinwurf gegen die Stirn, der ihr eine klaffende Kopfwunde beibrachte. In bedenklichem Zustande wurde die Frau ins Krankenhaus nach Hephata ge­bracht. Es soll sich um einen Racheakt handeln- Die zuständige Landjägerei nahm sofort die Untersuchung auf.

Kraftwagen 20 Meter abgestsir^t. (Bin Toter, zwei Verletzte.

Alzey (Rheinhessen), 26. Dez. Auf der "andstraße bei Alzey, unweit der Wartoerger Brücke, kam Montag mittag ein großer Per­sonenwagen, der sich auf der Fahrt von Kai­serslautern nach Frankfurt a. M. befand, in­folge Glatteises auf der abschüssigen Straße ins Rutschen und stürzte an einer Eisenbahn- Überführung den 20 Meter hohen Straßen- öamm hinab. Das völlig zertrümmerte Fahr- a blieb auf den Gleisen liegen. Fußgänger befreiten die in den Trümmern des Wagens eingeklemmten drei Fahrgäste. Es handelt sich bei diesen um den 35jährigen Chemikalien» vertteter Ludw. Mentzel aus Leipzig, der den Wagen selbst gesteuert hatte, feinen Krast- wagenfiihrer und seine Begleiterin. Mentzel st a 16 im Krankenhaus. Die beiden anderen Verletzten kamen mit Knochenbrüchen davon.

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Vier Verletzte durch eine Oftmerplofkm.

EIeiwitz, 26. Dez. Am 1. Feiettag er­eignete sich in der Wohnung des Arbeiters Elias in Weidenau (Landkreis Gleiwitz) ein schweres Erplosionsunglück. Durch die Er- plosion von Kohlengasen flog in der Wohn­stube ein von der daneben liegenden Küche aus geheizter Ofen in die Luft, wobei "die Wohnungseinttchtung in Brand ge­riet und die Fensterrahmen und Fenslerttenze herausgerissen wurden. Drei in der Wohn­

stube befindlich« Personen wurden schwer verletzt und mußten in das Krankenhaus Sicht werden. Ein in der Küche spielendes erlitt leichtere Verletzungen.

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Mißglückter Bombenanschlag mazedonischer Aufständischer anf den Simplon-Erpreß.

Athen, 26. Dez. Wie die griechische Staatsbahn mitteilt, wurde in der Sonn­abendnacht bei Djevdjelija (Ejewgjelü) in Südslawien, dicht an der griechischen Grenze, ein Bombenanschlag auf den als Simplon-Erpreß" bekannten Schnell­zug verübt. Die auf die Schienen gelegte Bombe erplodiette jedoch vorzeitig und tötete einen mazedonischen Aufständischen (Komi- tatschi), während ein zweiter verletzt wurde. Der Lokomotivführer des Schnellzuges wurde durch den Feuerschein der Bombenerplosion aufmerksam und konnte den Zug rechtzeitig zum Halten bringen. Unter den Fahrgästen entstand große Erregung. Der verletzte K» mttatschi ist lmerkannt geflüchtet.

311 tödliche Unfälle in den Bereinigten Staaten.

fl. Neuyork, 27. Dez. Während des Weihnachtswochenendes haben in den Ver­einigten Staaten 311 Personen infolge von Unfällen den Tod gefunden. 566 haben Ver­letzungen erlitten. Zum größten Test handelt es sich um Opfer von Automobilun- fällen: 11 Personen sind ertrunken, 8 wurden bei Eisenbahnunfällen getötet und 10 Personen kamen bei Bränden ums Leben. Eine aus 5 Personen bestehende Familie starb nach dem Genuß eines Kuchens, in dem versehentlich Insektenpulver eingebacken wor­den war.

Ruhige Weihnachten in Berlin

Die Weihnachtsfeiettage verliefen in der Reichshauptstadt in völliger Ruhe. Dor Reichspräsident verbrachte wie vorge­sehen die Festtage im engsten Familienkreise. Einige Reichsminister, darunter Außenminister von Neurath, haben Weihnachten außer­halb Berlins verlebt. Irgendwelche politische Ereignisse sind im Gegensatz zu manchen frühe­ren Jahren der Nachkriegszeit nicht eingette- ten. Da die Bestimmungen über den Burgfrieden noch in Kraft sind, unter­blieben auch Kundgebungen politischer Ver­einigungen. Lediglich eine am Sonntagabend in Moabit tagende Versammlung einesNa­turwissenschaftlichen Vereins" erwies sich als öffentliche politische Veranstaltung der KPD. und wurde aus diesem Grunde durch Beamte der Politischen und der Schutzpolizei aufgelöst. Auch von größeren Brän­den und Verkehrsunfällen ist Berlin an die­sem Weihnachtsfest verschont geblieben Feuerwehr und Sanitäter wurden zwar ver­schiedentlich alarmiert, doch handelte es sich durchweg um geringfügige Unfälle. Nur ein Verkehrsunfall am Belle-Alliance-Platz hat ein Todesopfer gefordert.

Ein deutscher Geistlicher ausgewiesen

Cepen, 26. Dez. Der an der 6t« Nikolaus-Pfarrkirche in Eupen amtterende Kaplan Sille» wurde am -eiligen Abend ans dem Beichtstuhl gerufen, um vorn Gerichtsvollzieher einen königlichen Erlaß entgegenznnehrnen, der feine Aus­weisung aus de« Königreich Belgien innerhalb 24 Ständen anordnet

Die Wirksamkeit des Erlasses wurde allerdings schließlich bis zum Dienstag ver­schoben, weil der Ausaewiesene bei der Gemeindeverwaltung seinen Passierschein in Empfang nehmen soll und die Verwal­tung der Feiertage wegen bis Dienstag ge­schlossen ist. GS handelt sich ußn einen Geistlichen, der sich in Eupen fehft großer Beliebtheit erfreut. Das Vorgehen gegen ihn hat infolgedessen in der katholischen Bevölkerung tiefe Erbitterung erregt. Kaplan GilleS war Präses des katholischen ZünglingsVereins in Eupen, der weitaus stärksten Jugendorganisation in dem d eui- schen Sprachgebiet Belgiens.

4800 Anmeftterte «ttkasfm.

Auf Grund der Amnestie sind m Preußen, wie das preußische Justizministerium mitteilt, bts zum Sonnabend, 24. 12., vormittags, über 4800 Gefangene ans der Haft entlas­sen worden.

Reichspräsident »en Hindenburg erneut Groß­vater geworden.

Berlin, 26. Dez. Der Reichspräsident ist in der Woche vor Weihnachten, wie jetzt erst bekannt wird, erneut Großvater geworden. Seinem Sohn und persönlichen Adjutanten, Oberst Oskar von Hindenburg, wurde das dritte Töchterchen, das vierte Kind, geboren. Oberst von Hindenburg ist mit Margarete, geb. Freiin von Mahren­holz. verheiratet.

Kapitän Ziegenbein Kommodore des Norddeutschen Lloyd

Der Vorstand des Norddeutschen Lloyd hat beschlossen, den erprobten Führer fernes SchnelldampfersBremen", Kapitän Leo­pold Ziegenvein zum Kommodore zu ernennen.

uer neue Kommodore des Norddeutschen Lloyd Bremen, Kax7.än Leopold Ziegenbein, der Führer des größten deutschen Passagier­dampfers, des schnellsten Schiffes der Welt, derBremen", steht im 59. Lebensjahre. Seit mehr als 32 Jahren befindet er sich im Dienste des Norddeutschen Lloyd. Schon als junger Offizier wurde Zisgenbein in der ostasiatischen Küstenfahtt mit der selbständigen Führung verschiedener Dampfer betraut. Später war er als Offizier aller Chargen auf fast allen Linien der Bremer Reederei tätig. Von 1905 bis 1907 war er 2. Offizier auf dem Schnell­dampferKaiser Wilhelm II." und trat bann in der gleichen Funttion auf den Schnell­dampferKronprinzessin Cecilie" über, auf dem er auch als 1. Offizier beschäftigt wurde. Nach Kriegsende mußte Ziegenbein vorüber­gehend aus Lloyddiensten ausschekden: et wurde jedoch bereits 1920 wieder zurückge­rufen und als 1. Offizier auf dem Dampfer Seydlitz" eingestellt. Bor der Indienststel­lung des SchnelldampfersColumbus" war Ziegenbein der Bauaufsicht dieses Schiffes zu- geteilt; von 1924 ab war er auf demselben Dampfer als 1. Offizier tätig. 1926 wurde er zum etatmäßigen Kapitän ernannt, nach­dem er zuvor vorübergehend vettretungsweise große Passagierdampfer des Lloyd, wie den Columbus" selbstänbig geführt hatte. 1927 übergab ihm der Lloyd die Führung seines DampfersBerlin". Von 1928 ab war er ber Bauaufsicht des SchnelldampfersBre­men" zugeteilt, dessen Führung er im Juli 1929 übernahm. Schon auf der ersten Reife dieses Schiffes gelang es ihm, dasBlaue Band des Ozeans" zu erringen, dessen Besitz settdem SchnelldampferBremen" mit sei­nem SchwesterschiffEuropa" teilt.

Kommodore Ziegenbein kann wohl als ber bekannteste unter deck deutschen Schiffsfüh­rern angesprochen werden. Viele Tausende von Fahrgästen haben in ihm einen echten deutschen Seemann kennen gelernt, der sich durch seine hervorragenden menschlichen Eigen­schaften zahlreiche Freunde in aller Welt er­worben und der vor allem auch von feiner ge­samten Besatzung als ein gerechter, stets hilfs­bereiter Porgefetzter von vornehmster Ge- fimtung geschätzt wird.

Professor Ludwig Ritter »o» Herterich f.

ft. München, 27. Dez. 3m Alter von 77 Jahren ist in der Christnacht der Maler Geb- Rat Prof. Ludwig Ritter v. Herterich auf seinem Landsitz in Etzenhausen bei Mün­chen gestorben. Herterich war in den Jahren 1888 bis 1896 Lehrer an der Münchener Aka­demie und dann 2 Jahre lang an der Stutt­garter Kunstschule tätig. 1898 kehrte er wie­der nach München zurück und wurde Prosesior an der Akademie. 3m 3ahre 1908 wurde Herterich durch die Verleihung des Mazii»'- lian-Ordeus und des persönlichen Adels aus­gezeichnet. Werke von ihm befinden sich u. a. in der Dresdner Galerie, im Stadthaussaal in Essen und im Bremer Rathaussaal. S«'" erstes großes Werk3ohanna Steegen" (1857) ist im Besitz der Staatsgalerie München. Au« den Ausstellungen des Münchener Ela>- palastes und der Münchener Sezession sind Werke Hetterichs nicht wegzudenken.