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Oberbessische Zeitung. Marburg a. L. Sonnabend, den 24. Dezember 1932

Nr. 302

Turnen, Spiel und Sport

Fußball

Noch vor Jahren wurden den Sportlern an den Feiertagen wie z. B. Weihnachten beson­dere sportliche Delikatessen geboten, da es durch Zusammenarbeiten von 2 oder 3 Ver­einen möglich war, grobe auswärtige Gegner zu zwei bis 3 Treffen zu verpflichten: was auch finanziell dann keine allzugroßen Schwie­rigkeiten bereitete. Aber schon im vorigen Jahre machte sich die Geldfrage bemerkbar: das Risiko war bei dem nachlassenden Besuch der Spiele zu groß. Und in diesem Jahr...: kein einziges Spiel steht hier in Marburg auf dem Programm, wenigstens ist uns keines be­kannt gegeben worden. In Erfahrung konn­ten wir nachstehende Spiele bringen:

1. Feiertag.

VfL. Biedenkopf 1. Fv. Cölbe 1.

2. Feiertag.

Gladenbach Sportfreunde Siegen 2 Uhr Cölbe 1. Dreihausen 1.

Buchenau 1. Waliau 1.

Buchenau 2. Michelbach 1. Erotzseelheim Erksdorf

In Kassel spielt am Sonntag eine Städte­mannschaft gegen DFT. Prag, während am Montag Kurhessen Kassel gegen Union Nie­derrad antritt.

In Süddeutschland gibt es einige Spiele um die süddeutsche Meisterschaft und zwar: FC. Nürnberg Phönir Ludwigshafen Bayern München FC. Kaiserslautern Union Bückingen Eintracht Frankfurt FSV. Frankfurt Stuttgarter Kickers Karlsruher FV. Wormatia Worms Mainz 05 Phönix Karlsruhe

Von den Pn'vatspielen sind erwähnens­wert:

SV. Wiesbaden Austria Wien

Saarbrücken (Städteeiff Vienna Wien

Wacker und 1860 München spielen in Italien, Spieloerg. Fürth in Westdeutschland. Dort spielen noch:

Stadtelf Köln Wiener A. C.

Fortuna Düsseldorf Schalke 04

Schließlich wärm auch dem Stuben- ten-Länberspiel Deutschland Italien in Catania auf Sizilien einige Worte zu widmen. Die dmtsche Vertretung ist nicht schlecht, aber die Italimer stellm stärkere unb bekannte Spieler auf, so daß wir einen Erfolg der deutschen Studmten Jür unwahrscheinlich halten. Unsere Ver- reter werden ja auch unter den Reisestrapazen und dem Klimawechsel zu leiden haben. Im­merhin wird ja auch im Falle einer Nieder­lage der ideelle Wert dieses Spieles unbe­rührt bleibm.

Deutschland Nullen im Rundfunk

Das am 1 Januar in Bologna, nachmittags 2.80 Uhr stattfindende Fußball-Länderspiel Deutschland Italien wird auf die deutschen Sender übertragen. Sprecher ist Dr. Paul Laven (Frankfurt-Mains, der ja wohl auch als bester deutscher Sportsprecher bezeichnet werden darf. Die deutsche Mannschaft tritt die Reise nach Bologna erst am 30. Dezember an, ihre Aufstellung durfte nicht vor dem zweiten Weibnachtstag bekannt gegeben wer­den. Wir hören aus Berlin, daß sich der Soielausschuß des DFB. mit dem Gedanken trägt.

eine wesentlich verjüngte Nationalelf

zu stellen. Man weiß, daß Süddeutschland mit seinen jungen Kräften schöne Erfolge ge­habt hat, jedoch waren in diesen süddeutschen Fohlen"-Mannschaften stets einige ältere, routinierte Spieler das Rückgrat der Mann­schaft. Wir empfehlen auch dem Bund, eine vernünftige Mischung von frischen mit bereits erprobten Spielern vorzunehmen. Eine all­zu starke Verjüngung der Mannschaft könnte böse Folgen haben. Man denke an den Rein-

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Rudi Matt (Porträt im Kreis), der dmtsche Meister im kombiniertm Ski­lauf, stürzte bei dem Training in St. Moritz und brach sich ein Bein. Damit ist Rudi Matt außerstande, seinen Titel bei den deutschen Meisterschaften in Freudenstadt zu verteidigen und wird auch auf den Statt bei dem Tlnns- brucker Fisrennen verzichten müssen.

fall, den wir einmal mit einer Rovizen-Mann- schaft gegen Dänemark in Kopenhagen erlebt haben. Es trifft durchaus nicht zu wie neuerdings von Berlin aus gesagt wird, daß sichallgemein" die Erkenntnis durchsetzt habe, daß die älteren Internationalen zumeist ohne Schwung und Begeisterung kämpften und lediglich ihr Pensum abarbeiteten. Wir er­innern daran, daß in Düsseldorf neben dem älteren" Jnternattonalen Richard Hofmann vornehmlich die jüngeren Kräfte, Mahlmann, Wigold und Kobierski (letzterer allerdings in­folge einer Verletzung) versagt haben. Das schwache Sviel einiger älterer Kräfte ist ge­rade auf dieses Versagen der jungen Leute, die vor oder neben ihnen standen, zurückzuführen gewesen.

Leider hat sich in letzter Zeit die Sitte ein­gebürgert, daß am gleichen Tage, an dem der

Bund ein Länderspiel austrägt, auch Süd- dcutschland zu einem größeren Spiel antritt. Diese Sitte könnte zwar unter anderen Um­ständen sogar begrüßenswert sein, *

solange aber die beiden Spielausschüsse von DFB. unb Verband nebeneinander, statt miteinander arbeiten, bleiben diese Dop­pelspiele unerfreulich.

Wir befürchten auch diesmal, daß einige süd­deutsche Kräfte, die wir gerne in der Natio­nalmannschaft sähen, und die auch unbedingt gestellt werden müßten, nicht in Bologna, son­dern in München gegen Oberitalien an­treten werden.

Neues vom Wintersport. Eishockey-Kanadier imponieren in Berlin. Das erste Gastspiel oer Edmonton West Superiors im Berliner Sportpalast hinterließ einen ausgezeichneten Eindruck. Die Kanadier spielten gegen eine kombinierte Mannschaft des Berliner SC. und des SC. Riessersee, die als National-Team auftrat. Nachdem sich unsere Spieler im ersten Drittel noch gut hiel­ten mit 2:1 wurden die Seiten ge­wechselt wurden sie aber in den beiden letz­ten Dritteln von den Gästen aus llebersee glatt überspielt und verloren 7:1 (2:13:0 2:0). Auch das zweite Spiel gestern abend ging mit 1:5 verloren.

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Das neu errichtete Hotel bei Sestri (Oberitalien), das die Form eines riesigen Wassettnrms zeigt. Das Hotel wird vor allem Winter- spottler beherbergen, die in der Umgebung ausgezeichnetes Ski-Gelände vorfinden. Einen beträchtlichen Teil des Jnnenbaues nimmt eine riesige Wendeltreppe ein.

Der Deutsche Sängerbund ruft zur Nürnberger Süngerwoche 1934 aus

Der DSV. hat beschlossen, im Jahre 1934 wiederum eineNürnberger Sängerwoche" zu veranstalten. Die bisherigen Sängerwochen in den Jahren 1927, 1929 und 1931 haben in weitgehen­dem Matze auf die Männerchorliteratur befruchtend gewirkt. Zahlreiche in Nürn­berg zur Diskussion gestellte Werke sanden Eingang in unsere Vereine, und die Kom­ponisten erhielten neue Anregungen zu weiterem Schaffen. Auch im Jahre 1934 soll in Nürnberg neues Chorgut herausge­bracht »erden, das geeignet ist. die deutsche Chorbewegung in günstigem Sinne zu be­einflussen.

Der DSV. erlätzt hiermit an alle deut­schen Tonsetzer und an die Komponisten aus anderen deutschen Sprachgebieten die Aufforderung, sich durch Einsendung von Manuskripten an der vierten Nürnberger Sängerwoche zu beteiligen. Es wird aus­drücklich betont, datz neben Männerchören diesmal auch Werke für Gemischten und Frauenchor zugelasien sind. 'Irgendwelche Einschränkungen in bezug auf den Charak­ter oder auf die Dauer der Werke sind nicht gemacht. Es werden sowohl große Chorwerke mit Orchester als solche von kürzerer Dauer mit oder ohne Vokal- bzw. Jnstrumentalsoli angenommen. Hauptsäch­lich aber brauchen wir A=cappella=Gb5te, und ganz besonders ist uns daran gelegen, unseren kleinen und kleinsten Vereinen leicht ausführbare und dennoch wertvolle Chorwerke zuzuführen.

Die Komponisten werden ersucht, ihre Manuskripte in drei Partituren bis späte­stens 1. Mai 1933 an die Verwaltung des Deutschen Sängermuseums Nürnberg-Ka­tharinenbau einzusenden.

Die Einsendung der Werke kann sowohl unter Namensnennung des Autors als auch anonym erfolgen. Das Aufführungs­recht für angenommene Werke ist für die Zwecke der Nürnberger Sängerwoche ge­bührenfrei zu überlassen.

Stü-t. Bekanntmachung

Müllabfuhr!

Wegen des 2. Weihnachtsfeiertagcs wird Hausmüll und Straßenkehricht in den Stra­ßen, in welchen die Abholung sonst am Mon­tag erfolgt, am Donnerstag, dem 29. De­zember 1932, abgefahren.

Marburg, den 24. Dezember 1932. (7202

Stadtbauamt.

Hilmer.

Für unverlangt eingelandte Manuskripte wird keine Gewähr übernommen

tNachdruck verboten.)

.Sie Drei een ter AmöltnA"

Ein heiterer Roman von: R S. Atsch. lCopyright by Verlag Alfred Bechthold in Braunschweig).

81. Fortsetzung

Wuttke erreichte den Wald.Halt, ober ich schiehe!... Der Drohruf ging ihm durch Mark und Bein. Schüsse krach­ten... Schaurig grell gab der Wald den Schall zurück.

Die Verfolger waren ihm knapp auf den Fersen. Er lief gehetzt wie ein Wild, hin­ter dem die Meute her ist. Schmerzen peinigten ihn im Kopf, im Hals und in der Brust. Es waren Qualen von der Angst geschaffen, die seinen Körper zu lähmen trachteten. Doch in rasender Hast schnellte er weiter vorwärts. Die Bäume neigten sich, sie schienen ihn erdrücken zu wollen. Der Boden wankte, er stürzte hin, keuchte weiter... Schaum lag ihm auf den bebenden Lippen.

Er fiel aus dem Walde heraus, eine steile Böschung hinab, die an einer Straße endete. Das Bewußtsein entfloh ihm einige Sekunden. Wieder hötte er zwei Schüsse.Alles ist verloren, alles, alt:s! jammerte er. Tränen flössen feine Wannen herab und benetzten feine zittern­den Hände.Ich kann nicht mehr! ich kann nicht mehr!"

In kurzer Entfernung tauchte ein Rad­fahrer auf, der sich ihm näherte. Es mutzte ein Metzger fein, denn fein hellgelbes Trikot, an dem glitzernde Perlmuttknöpfe befestigt waren, der umfangreiche von Weiden geflochtene Korb auf dem Rücken sowie die Mütze und die langen Stiefel ließen darauf schließen. Der Mann war dermaßen dick, daß er nur mit Mühe die Asthmakarre vorwärts brachte.

Wuttke legte sich platt in den Straßen­graben. Ein neuer Hoffnungsschimmer

mobilisierte die letzten Reste seiner zerrüt­teten Kräfte. Der Radfahrer, der den Landstreicher nicht gesehen hatte, fuhr vor­bei. Ein verzweifelter Stoß traf ihn plötz­lich, so datz er auf die Straße flog. Der Korb rollte umher, und der Ort bet Tat war im Augenblick mit Knackwürsten über­sät.

Wuttke schwang sich blitzschnell auf bas Fahrrad und fegte mit einer Schnelligkeit davon, die jedem Sechstagefahrer im Ber­liner Sportpalast Ehre eingelegt hätte. Erst als er einen weiten Vorsprung hatte, wandte er den Blick rückwärts unb be­merkte, baß sich die beiden Polizisten und der Metzger um die Knackwürste bemüh­ten.

Der kleine Landstreicher war längst den Blicken seiner Verfolger entschwunden. Er benutzte immer andere Wege, fuhr seit­wärts über Rasenflächen, um keine Spu­ren zu hinterlassen. Seiner Berechnung nach mutzte er mindestens zehn Kilometer zurückgelegt haben, und so machte er end­lich in einer Fichtenschonung halt. Er zog das Fahrrad in ein Dickicht unb ließ sich erschöpft nieber.

Auf bie gewaltigen Anstrengungen setzte nun bie Reaktion ein. Vor seinen Augen flimmerte es, unb er streckte sich auf ber weichen Matte von Fichtennadeln aus. Doch er hielt es so nicht aus. Er setzte sich wieder aufrecht. Das Herz jagte zum Zer­springen, und in den Einaeweiden wühlte es. Ein Angstgefühl packte ihn, er glaubte sterben zu müssen. Er wartete auf das Erlahmen der Herztätigkeit. Seine Handflächen wurden natz, kaltnaß . . . Unzählige, winzige Schweißperlen glitzer­ten daran. Dazu ber kalte Frostschauer, der seinen Körper schüttelte. And immer weiter raste das Herz, es war ein Ee- woge in seiner Brust, dem er keine Ener­gie mehr entgegensetzen konnte.

Endlich wurde es Nacht vor seinen Augen, undurchdringliche, finstere Nacht. Er sank zur Seite.

Hermann, der Kutscher, brachte des Mit­tags die sensationelle Nachricht mit nach Hause, daß die Polizei seinen Begleiter verfolgt habe. Er bauschte selbstverständ­lich die Sache gehörig auf und berichtete von einem förmlichen Gefecht, das im Walde vor H. stattgefunden habe. In der Stadt herrschte unter den Kurgästen eine gewaltige Aufregung. Es seien Stimmen laut geworden, daß, wenn die Polizei nicht in den nächsten Stunden des Verbrechers habhaft werde, man demonstrativ den Badeort verlassen werde. An den Tischen in den Hotels kursierten die wildesten Ge­rüchte über den Fall.

Für Debroix und Molden hatte bie An> gelegenbeit noch ein unangenehmes Nach­spiel. Kurz nach Mittag kamen zwei Kri­minalbeamte auf bas Gut unb unterzogen sie einem peinlichen Verhör. Daß dwse Maßnahme angewandt wurde, hatten die beiden dem Kutscher Hermann zu verdan­ken. der den Polizisten unterwegs erzählt hatte, daß der verfolgte Landstreicher mit noch zwei anderen, die offenbar dessen Freunde seien, am gestrigen Tage auf dem Gut Arbeit angenommen hätte.

In einer Stube des Eesindehauses kam es zu erregten Auseinandersetzungen, bie bald zur Verhaftung der Freunde geführt hätten. Sie weigerten sich nämlich, sich zu legitimieren.

Wie gesagt," erklärte ber Beamte, falls Sie auf Ihrem Standpunkt verhar­ren, sind wir gezwungen, Sie zu inhaftie­ren. Ich meine, es ist doch nur eine Form­sache, der Sie sich allem Anschein nach aus dem Grunde zu entziehen versuchen, weil Sie annehmen, daß die Feststellung Ihrer Personalien Ihnen Schwierigkeiten berei­ten würde. Aber so wie so . . - Das Mo­ment erschwert sich für Sie durch diese Weiaerung erheblich, denn fie ist doch schon an uni- für sich bas Gestänbnis einer Schuld, die ans Licht zu bringen unsere Aufgabe sein muß . . ."

Einige Sekunden war Stille in dem Raum. Debroix und Molden standen stolz vor den Kriminalisten.

Bitte verhaften Sie uns! sagte Deb­roix Plötzlich.

Den Wunsch habe ick au*!" pflichtete Molden bei.Dann haben Sie doch den letzten Trumpf ausgespielt."

Die Beamten waren überrascht.

Sie mißverstehen uns! entgeonete der eine höflich. ...Wir sind im Dienst, meine Herren! . . . Ich bitte, dieses zu bedenken. Es liegt uns nichts ferner als das, harm­losen Menschen Schwierigkeiten zu berei­ten. Wir haben unsere Instruktionen, nach denen zu handeln für uns Pflicht ist . . ." Dann nach einer kleinen Pause:Wo ha­ben Sie übrigens den Landstreicher kennen gelernt, ber heute morgen »erfolgt wurde?"

Vor einigen Monaten auf der Straße." antwortete Debroix.

So! . . . Hm . . . Und seit dieser Zeit waren Sie für immer mit ihm zusam­men?"

Die beiden bejahten

Ist Ihnen nichts an dem Mnwn auwe­iallen? Ich meine, hat er sich in ber 3eit nicht in irgend einer Weise gegen bie Gelebe vergangen?"

Molden nahm das Wort:Um ehrlich zu fein: Kleinerer Vergehen, die ihm schlimmstenfalls einige Tage Haft einge­bracht hätten, mag er sich schuldig gemacht haben. Aber ein Verbrecher ich betone bas! ist er auf keinen Fall! Wir beide leaen die Hände für ihn ins Feuer. In ber Zeit unteres Zusammenseins mit ihm haben wir ihn als einen Freund ken­nen gelernt, als einen herzensguten Menschen, wie man selten einen findet. Er ist zu bedauern, sehr zu bedauern, und wenn Ihnen sein Vorleben, sein Schicksal bekannt wäre: würden Sie mit uns einer Meinung sein. Die Art unb Weise, wie die Polizei hinter ihm her ist, ist keineswegs angebracht!"