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Nr. 301

OderveMche Zetttma, Marvurg «. L. Freitag, dar 23. Dezember 1932

Sette 3

Ser Wert von Pfenningen

Cm nachdanlliches Gespräch.

Wohlfahrtsbriefmarten? Gehört habe ich wohl schon davon, gesehen habe ich aber noch keine.

Wie ist das möglich? Die sind doch in jeder Postanstalt und bei den Wohlfahrtsoer- h ändert $u haben. Lesen Sie denn keine Zeitungen? Die Presse bringt doch häufig Notizen und sogar Abbildungen. In vielen Städten sind sie auch schon auf den Straßen verkauft worden.

Sind denn das richtige Briefmarken, mit denen man Briefe frankieren kann?

Natürlich! Bollrvertige Postwertzeichen für alle Postsendungen nach dem In- und Aus­land mit kleinen Wohlfahrtsaufschlägen, die dem Kampf gegen die Winternot dienen.

Die Idee leuchtet mir ein. Postwertzeichen braucht jeder täglich. Kommt aber bei den kleinen Aufschlägen denn etwas dabei heraus?

Bei den Hauptgebrauchsrverten (der 4-, 6- und 12-Pf.-Marke) sind es pro Stück freilich nur 2, 3 oder 4 Pfennige. Aber diese Pfennige können sich zu groben Beträgen sum­mieren, denken Sie doch, bei dem täglichen MMonenverbrauch an Postwertzeichen.

Ja, ja, der Pfennig ist gar nicht $u ver­achten, wenn er in Massen auftritt. Das macht man sich meistens gar nicht klar. Und Sie werden an ben hübschen Marken auch Ihre besondere Freude haben. Es sind richtige kleine Kunstwerke, bekannte deutsche Burgen und Schlösser mit reicher geschichtlicher Ver­gangenheit.

Auster den gängigen Werten gibt es auch noch die 25-Pf-Marke, vor allem fürs Aus­land. Außerdem ist noch eine Hindenburg- Wohlfahrtspostkarte mit eingedruckter Marke (Tannenbergdenkmal) erschienen.

Das ist wirklich ein sehr guter Weg, auch mit kleinen Summen etwas für die Not­leidenden zu tun. Selbstverständlich heißt es für mich -nun auch: Wohlfahrtsbriefmarken auf alle Postsendungen!

Die Marken sind bei dem Kreiswohlfahrts­amt des Landkreises Marburg (Zimmer 55) erhältlich.

Aus -em GeriKtsfaal

noch

S«a»«!»arkasse Welter

Grundvermögens-

365 tot eÜL

TELE

Madien Sie jeden Tag zum Festtag! mit einem Radio-Apparat, wie es diese beiden TELEFUNKEN­APPARATE sind. Trennscharf, klangrein und laut bringen sie Sender nach Sender, aus ganz Europa.

* Lutherisch« Pfarrkirche. Der Gottesdienst am Heiligen Abend beginnt so, daß von 5 Ahr an 15 Minuten lang Weihnachten eingelSutet wird and oer Gottesdienst selbst genau um 5.15 Ahr anfängt.

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Monate Gefängnis sollen ihn einmal vor dem Zuchthaus bewahren.

Der Telefunken 343 bringt alle Sender durch den »Selbst-Trenner* getrennt. Einschi. Röhren RM 248,- (bei Gleichstrom RM 258,->)

Bürgersteuer 1932, Schulgeld für Dezem­ber sowie die Bier- und Eetränkesteuer für den Monat November sind, sowett nicht ge­stundet, bis zum 28. d. Mts. an die Stadt­hauptkasse einzuzahlen.

Mahnzettel werden nicht ausgehändigt.

Dom 29. d. Mts. ab werden die Rück­stände im Wege des Verwaltungszwangsver­fahrens beigetrieben.

Marburg, den 22. Dezember 1932 (7203

_______________ Stadthauptkasse.

der dem für den Wohnort zuständigen IU- genbamt bgw. Stadtgesundheitsamt zu er­folgen hat."

Der Telefunken 231 nimmt w bei richtiger Bedienung mit dem größten auf. Einschi. Röhre' RM 189,- (bei Gleichstrom RM 199,-)

und Hauszins steuern.

Man schreibt uns: Am 2. Januar 1933 blickt die Sparkasse zu Wetter auf ein 60- jähriges Bestehen zurück.

Vor dem Jahre 1870 hatten die Bewoh­ner des Amtsgerichtsbezirks Wetter keine Ge- legenhett, ihre Kapttalien bei einem öffent­lichen Institut verzinslich anzulegen oder Dar­lehen gegen mäßigen Zinsfuß aufzunehmen. Kapttalkräfttge Geschäftsleute u. a. nahmen dieses wahr, um gegen hohe Zinsen die Notlage der Bewohner auszuimtzen.

Nach dem erfolgreichen Kriege von 1870/71 traten Bürger von Wetter — insbesondere Kaufmann Georg Hausmann, Apotheker Naumann, Bürgermeister Stuhlmarm u .a. — zusammen und gründeten am 2. Januar 1873 di« Städtische Spar- und Leih- kassse Wetter. Der derzeitige Stadtkämme- rer Georg Kling, der das Verttauen der Bewohner besaß, übernahm bte Leitung der Sparkasse. Ber seiner Penfionierurrg am 1. Julr 1895 war bereits ein Einlagebestand von P/s Millionen Mark vorhanden.

Arn 1. Mar 1896 wurde sein Schwieger­sohn H. Schneider Leiter der Kasse. Wäh­rend vorher der Geschäftsverkehr in den Gren­zen des Bezirks Wetter verblieb, wurde der­selbe nunmehr über den gesamten Kreis Mar­burg verbrettet. Bei Beginn des Krieges 1914 war bereits der Einl agebestand auf etwa 5 Millionen Mark gestie­gen. Der Reservefonds hatte eine Höhe von etwa V- Million Mark erreicht. Außerdem hatte die Stadt Wetter von den Ueberschüs- sen etwa 120 000 Mark erhalten. Der Verkehr in der Stadt hatte sich durch bte Ausdehnung der Sparkasse vergrößert, was den Geschäften sehr zugute kam. Während des Krieges konnten 250 000 Mark Kriegs­anleihen angekaust, bzw. oermittett wer­den. Die Inflation von 1919—23 verlief für die Kaffe dadurch günstig, daß [eit Mitte 1922 keine Abträge von Darlehen

Ein «deutlicher Deutzettel.

®ht Arbeiter aus Ockershausen, der schon öfter wegen Beleidigung von Polizei- beamten bestraft worden ist, wurde in der Rächt zum 7. November d. I. wieder dabei betroffen, daß er ruhestörenden Lärm in den Straßen der Stadt verübte und den Auffor­derungen der Polizeibeamten nicht nachkam. Er mußte in die Schirne gebracht werden; außerdem erhielt er einen Denkzettel in Ge­stalt eines Sttafmandats von 20 M. Gegen diese Strafe beantragte er gerichtliche Ent­scheidung. Während dieser Zett begegnete er dem in Frage kommenden Polizeibeamten auf dem Rudolpbsplatz, belästigte diesen und rief ihm zu: „Sag nur, daß ich das Messer auf der Wache abgegeben habe, und nicht, daß es mir in der Zell« abgenommen wurde." Dieser Vorfall brachte dem jungen Mann eine neue Klage ein, und so hatte er sich gestern auch wegen Beleidigung, versuchten Meineids und Drohung zu verantworten. Der Angeschuldigte bestreitet die ihm zur Last ge­legte Tat. Das Gericht kommt aber zu dem Ergebnis, daß der Angeklagte durch das Zeugnis des Beamten überführt sei und fällte folgendes Urteil: Der Angeklagte wird wegen Beleidigung in Tateinheit mit ver­suchter Nötigung zu zwei Monaten Ge­fängnis verurteilt. Mit noch anderen zu verbüßenden ©trafen wird die Gesamtstrafe auf 3 Monate und 2 Wochen Eefäng - n i s festgesetzt.

mehr entgegengenommen wurden. Die Spar­kasse konnte daher außer der gesetzlichen 17- prozsntigen Aufwertung noch einen Betrag von etwa 100 000 Mark dem Ausgleichs­fonds zur Verfügung stellen. Am 1. Januar 1926 trat der seitherige Letter in den Ruhe­stand, und dessen Solm Georg Schnei­der wurde sein Nachfolger. Die Entwick­lung der Sparkasse nach der Inflation bis hierher war ebenfalls sehr günstig, da bereits ein Einlagebestand von einer Million Mark erreicht wurde. Der Reservefonds beträgt über 50 000 Mark. Seit über 30 Jahren steht die Kasse mit ander Spitze aller ländlichen Sparkassen des Regie­rungsbezirks Kassel.

Vor Gründung der Kreisfparkasse Mar­burg wurde die Stadt Wetter vom Kreise angegangen, einer Vereinigung der Stadt- sparkasse mit dieser zuzustrmmon. Da aber die Selbständigkett der Kasse nicht gewahrt bleiben sollte, wurde der Antrag abgelehnt. Durch ministerielle Anordnung in diesem Jahre wurde die Vereinigung von neuem zur Beratung gestellt. Da die verlangten Richtlinien von der Sparkasse hinlänglich clr- reicht waren und sie durchaus gut fundiert dastand, konnte die Vereinrgung nur durch freiwilligen Beschluß der Stadtbehörde mög­lich gemacht werden. Unter Zusicherung eines weitaus größeren Verkehrs für die Stadt und einer günstigeren Kreditmöglichkeit für die Bewohner des Nordbezirks fettens der Kreis­verwaltung wurde von der Stadtbehörde die Zustimmung zu der Vereini­gung vom 1. Julr'd. 3s. ab erteilt.

Das große Verttauen, das die Bevölke­rung des Nordbezirks der Stadtsparkasse und insbesondere den kettenden Beamten in den verflossenen 60 Jahren erwiesen hat, möge auch für fernere Zetten der Kasse unter der neuen Firma: Stadtsparkasse Wetter, Zweig­anstalt der Kreissparkasse Marburg, erhalten bleiben.

Lähmung istderFacharztfürOrthv- Pädie zuzuziehen. 2llle Aerzte, Kranken- pflegepersonen und f Duftige Fürsorge- Organe, welche gelegentlich ihrer Berufs­ausübung bei jugendlichen Personen Kin­derlähmung oder die Anzeichen drohen­der sonstiger Verkrüppelung beobachten, sowie alle Lehrer und Lehrerinnen werden auf die Vorschrift des Gesetzes dorn 6. Mai 1920 hingewiesen, wonach Anzeige- Pflicht besteht und die umgehende Anzeige

Stu alter Sünder.

Etti alter Mann aus Münchhausen hat die Gewohnheit, bei seiner Anwesenheit in Marburg sich an Esten und Bier in den Wirt­schaften zu laben. Er vergißt aber dabei immer das Zahlen. Wegen dieser Zechprellerei ist er schon sehr oft vorbestraft. Er kann es aber nicht lasten, und so kam er wieder bei seiner Anwesenhett in Marburg auf den Ge­danken, in mehreren Wirtschaften einmal billig zu essen und zu.trinken. Dieser letzte Fall wäre ihm aber bald zum Verhängnis ge­worden, denn der Vorfitzende des Gerichts "er­klärte ihm, daß er eigentlich in das Zucht­haus gehöre, weil er immer wieder wegen dieser Zechprellereien bestraft werden müßte. Das Gericht habe aber mit Rückficht darauf, daß der entstandene Schaden nicht groß sei, noch einmal Milde walten lasten. Sechs

Vertriebs-Abteilung

Oberstleutnant Seßner 80 Fabre alt

Am ersten Weihnachtsfeiertag vollendet unser hochgeschätzter Mitbürger, Oberstleut­nant a. D. Oskar Eeßner, Wilhelm- straße 34, t# voller geistiger und körperlicher Gesundheit und Frische das 80. Lebensjahr- Weite Kreise in totabt und Land bringen dem alten Soldaten, der fich um die Stadt Mar­burg während seines Ruhestandes die größten Verdienste erworben hat, die treuen Glück- unb Segenswünsche mit bem AuÄruck des herzlichsten Dankes bar. Geboren am 25. De­zember 1852 zu Marburg, besuchte er bas Eym- nafium zu Fulba, erhielt fobann die mili­tärische Vorbildung bei den Kadettenkorps Bensberg und Berlin. Im August 1870 trat er in das Infanterie-Regiment 88, kam ins Feld, machte die Belagerung von Paris mit, wurde in einem Gefecht auf der Südfront der Festung verwundet. Ein Glanztag uitb eine stolze Erinnerung ist seine Teilnahme am Einzug in Paris am 1. März 1871 als junger Offizier in den Reihen feines tapferen Regiments. Nur noch einige alte Soldaten, die jenen Einzug mit^emacht haben, find heute am Leben. The FriedensdienAeit brachte den bewährten Offizier in die Stellung als Erzieher beim Kadettenkorps Plön 1875 bis 1879, als Adjutanten des Vezirkskomman- dos Wetzlar (1884—1887). 1893 ging er als Bezirksoffizier zum Landwehrbezirkskommando Höchst-Main über. Nach seinem Ausscheiden aus dem Dienst 1903 zog er in seine Vater­stadt Marburg. Im Weltkriege befehligte er die Ersatzbataillone Meiningen und Hild­burghausen. In Marburg gehörte er lange Zeit der Stabtverorbneten-Ver- fammlung an war auch deren Schrist- sührer. Seit Jahrzehnten ist Oberstleutnant Geßner Vorsitzender des Verschöne­rungsvereins. Was er. der begeisterte Naturfteund und Kenner ber schönen Heimat, auf biefent Gebiet geleistet hat, ist vorbilblich. Ihm ist es zu verdanken, daß unsere Wälder und Berge im Umkreise ber Stabt in geradezu mustergiltiger Weise mit Wegen, Ruhebänken, Ausfichtspunkten ausgestattet, vielfach über­haupt zugänglich gemacht worden find. Die Bismarckpromenade, die Wege auf dem Dam- melsberg, im Ockershäuser Wald und andere Anlagen find auf seine Anregung und Tat­kraft zurückzuftihren, die große Schwierig­keiten in dieser geldarmen Zeit zu überwinden hatten. Das prächtige Ausfichtshäuschen „Geßnerblick" hält seinen Namen fest. Noch heute übt er sein Ehrenamt persönlich und unermüdet aus. Ungebrochen ist seine hohe Gestalt überall dort zu sehen, wo es gilt, die gestellte schöne Aufgabe zum Besten der Gesamtheit, treu und unverdrossen zu lösen. Mögen diesem wackeren, kerndeutschen, hervor- raaenben Manne noch viele, viele Jahre in Gesundheit und Wohlbefinden geschenkt sein! Das sei als Herzenswunsch seiner Freunde und Verehrer diesem Sohne des Weihnachts­festes von Gott in Gnaden beschieden!

Spinale M-erkahmung

Die Landesverwaltung (Landeshaupt­mann in Hessen) Kassel teilt mit: Ver Lan­desausschluß trat am 20. Dezember zu einer wenige Stunden dauernden Sitzung zu­sammen, in der eine Reihe laufender An- gÄegenheiten erledigt wurde. Die nächste Sitzung soll Anfang Februar stattfinden.

Auf Anregung der Deutschen Vereini­gung für KrüPpÄfürsorge e. V. in Berlin wird nachstehender Hinweis bett, die spi­nale Kinderlähmung bekanntge­geben:

„Die spinale Kinderlähmung ist in die­sem Jahre in einem bisher in Deutschland noch nicht beobachteten Umfang aufgetre­ten. lieber den wichtigsten Maßnahmen zur Verhinderung einer Ausbreitung dieser furchtbaren InfekttonSkrarckhett sowie zur Früherfassung und Frühbehanddmg darf die orthopädische Behandlung nach Auf­treten von Lähmungen nicht vergessen wer­den. 3064 Kinderlähmungen waren bis zum 22. Oktober im Reich gemeldet wor­den. Rechtzeitig eingreifende orchopädische Behandlung beeinflußt ausschlaggebend das spätere Schicksal der Gelähmten, indem diese den körperlichen Schaden beseitigt, mildert oder ausgleicht und vor allem se­kundäre Verkrüppelungen, oft schwerster Art, verhütet. Reben der orthopädischen I Hilfe ist dafür zu sorgen, daß auch das ge- I lähmte Kind einer vollwertigen Erziehung zu seelischer und gesellschaftlicher Tüchtig- | feit teilhaftig wird. In allen Fällen von |

Swe-

Vergessen Sie bitte nicht die Erneuerung der Postbestellnng für die „Oberhessüche Zeitung“, sonst tritt eine Unterbrechung in der Zustellung ein. Bei Bestellungen, die nach dem 25. des Monats aufgegeben werden, fordert die Post eine Sondergebühr von 20 Pfg.

Stäb». BeksMtmachuns

Das Gäßchen von ber Lutherstraße nach dem Siubentenheim, früher Haus Schellen­berg, Kartenblatt 21, Parzelle Nr. 128, soll als öffentlicher Weg eingezogen werben.

Einsprüche hierzu sinb binnen 4 Wochen zur Vermeid-mg bes Ausschlusses bei ber unter­zeichneten Behörbe, Zimmer Nr. 8 im Kilian- gebäube, schriftlich ober zu Protokoll anzu­bringen.

Marburg, ben 19. Dezember 1932. (7194

Der Oberbürgermeister als Polizeibehörde.

I. V.: Voß.

OeffmMche Stewennahnimg.

Die im Monat D^ember 1932 fälligen

(Eine Schwarzfahrt.

Ein junger Mann von hier wollte gern einmal Motorrad fahren. Da er aber nicht im Besitz eines solchen war, holte er sich das Kleinmvtorfahrrab seines Freundes, bns sich in Reparatur befand. Wie es nun immer bei Schwarzfahrten ist, so war es auch hier: er verunglückte mit bem Rab unb verletzte ha­bet einen Passanten. Der Angeschulbigte wirb wegen Kraftfahrzeugftevels yt einer Geldstrafe von 10 JC und wegen Körperverletzung in Tateinheit mit Vergehen gegen die Verkehrs- vorschriften zu 40 Jl Geldstrafe verurteilt.

—n.

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