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Oderhessifche Zeitung, Slebntg a. L. Freitag, toi 23. Dezember 1932

Die Lichtsignale von Port

Geschichte eines deutschen Opferganges

Zunächst die Tatsachen, wie sie einwand­frei festgestellt worden sind und der histo­rische Hintergrund, vor dem sie sich ab­spielten.

Der englische Schriftsteller I. L. Rux­ton, von dem in nächster Zeit eine auf­sehenerregende Zusammenfasiung und Dar­stellung der deutschen Zeppelin- Spionage während des Krie­ge s erscheinen wird, berichtet sie.

Im dritten Kriegswinter war dort, im Nordwesten Englands, ein wichtiger militärischer Mittelpunkt. Hier konzen­trierten sich die Truppenzusammenfasiun- gen, ein großer Teil der Reserven wurde fier zusammengestellt und hier waren chließlich die wichtigsten englischen Eift- ;as-Fabrikationen zusammenge- egt worden.

Der ungeheure militärische Apparat, den York damals darstellte, geriet aber immer wieder ins Stocken. Fast jede zweite Nacht, manchmal wochenlang hintereinander, er­schienen deutsche Luftschiffe, und die englische Luftabwehr war den Gi­ganten der Höhe gegenüber absolut hilflor. Die einzige wirksame Abwehrmaßnahme, der einzige hin und wieder effektvolle Schutz waren die Diesigkeit der englischen Atmosphäre und die außerordentlich strenge Durchführung der Abblendung. Mit Ein­tritt der Dunkelheit durfte kein Licht ge­brannt werden, das nicht absolut zuverläs­sig abgeblendet war.

Trotzdem fanden in Regennächten, in de­nen man einen Angriff deutscher Zeppeline für unmöglich gehalten hätte, die Luft- schiffe trotzdem ihr Ziel.

Ein Rätsel, aber das wenigstens in sei­nen Gründen sehr schnell seine Erklärung fand. Vom Turm des York County-Hos­pitals wurden regelrechte Licht­signale abgegeben. Das heißt na> türlich, in einem abseits gelegenen Raum wurde bei hochgezogenen Jalousien Licht gebrannt.

Ein Signal, das bei aller Spärlichkeit den deutschen Schiffen bei der völligen Dunkelheit, die sonst erreicht war, als aus­gezeichneter Wegweiser dienen mußte.

Das YorkCounty-Hospital war ein mächftges vierstöckiges Gebäude, in eigenem Parkgelände hoch gelegen und diente während der Kriegsjahre reinen Lazarett-Zwecken. Es stammte aus der Mitte vorigen Jahrhunderts, hatte ur­sprünglich als Herrensitz, dann als Trinker- Heilstätte .schließlich als Altersheim für Männer und nun endlich als Krankenhaus gedient.

Es lagen hauptsächlich englische Verwundete im County-Hospital, aber hin und wieder wurden auch in ge­sonderten Räumen verwundete deutsche Gefangene dort behandelt.

Absetts vom Hauptgebäude lagen im Park einige Baracken für leichter Verletzte, und eine Schwester, die zu ungewöhnlicher nächtlicher Stunde von einer dieser Ba­racken zum Hauptgebäude eilte, mußte zu chrem Entsetzen sehen, wie aus einer Art Erkerzimmer im vierten Geschoß aus unab­geblendeten Fenstern strahlend helles Licht drang.

Der entsprechende Raum stand leer und diente als eine Art Schrankzimmer für die mächtigen Schränke, in denen Kranken­wäsche aufbewahrt wurde. Als Pfleger, Aerzte und Krankenschwestern sowie einige leichtverwundete Soldaten in das Zimmer stürzten, fand man nicht eine Spur von einem Eindringling. Dagegen brannte hell der Gasleuchter und die diensttuende S^oester schwor die heiligsten Eide, daß sie bei Eintritt der Dunkelheit die Spe­

zialvorhänge zugezogen und beim allge­meinen Zapfenstreich um neun Uhr auch in diesem Zimmer das Licht ausgedreht habe.

In den nächsten Nächten kamen deutsche Zeppeline und warfen mit Erfolg ihre Bomben ab. In allen diesen Nächten hatte immer wieder das geheimnisvolle Licht im Schrankzimmer des County-Hofpital ge­brannt.

Es war kein Zweifel mehr, ein deut- s ch e r S p i o n mußte sich im Krankenhaus

Erne Weihnachtsplakette aus Gutzeisen

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Alljährlich bringt die Eisengießerei (Mitteldeutsche Stahlwerke) zu Weihnachten eine kleine Eisenvlakette heraus, die den Erwartungen für das kommende Jahr Ausdruck geben soll. Die Darstellung für dieses Jahr, die die Hoffnung auf Arbeit. Wirtschaftsaufstieg und ein glückliches Familienleben symbolisiert, stammt von dem Bildhauer Fritz Hörnlein, Dresden.

verbergen. Scotland Yard schickte Detek­tive, ein regelrechter Wachtdienst wurde eingerichtet und man wollte den Spion ja fangen und ihn nicht vorher warnen unauffällig unter der Maske einer gleich­gültigen normalen Verfügung vier Betten in das Schrankzimmer gelegt. Die Ver­wundeten in diesen Betten waren Londo­ner Detektive, die nie die Front gesehen hatten.

Das alles geschah, nachdem viele Tage lang, ein kleines Heer auf der Lauer ge­legen hatte. Nachdem man auf dem Boden des Zimmers Kalk gestreut, nachdem man Kohlenstaub auf den Gang vor ihm ge­schüttet hatte, um die Fußspuren des un­heimlichen Signalboten zu ermitteln.

Die vier Detektive erlebten den Schock ihres Lebens. Sie hatten feststellen kön­nen, daß unbekannte Hände nach Eintritt des Zapfenstreiches die Abblen­dungen wieder hochgeschoben hatten, lie­ßen diese aber in ihrem Zustand, um den großen Unbekannten nicht zu warnen.

Als sie noch auf die Fußschritte, die kom­men sollten und kommen mußten, mit an­gehaltenem Atem lauschten, flammte über ihren Köpfen der Leuchter auf.

Dafür gab es keine Erklärung, und schon war man hier und dort geneigt, an mystische Dinge zu glauben, als die Detek­tive auf den Einfall kamen, das Zimmer und die Schränke genau zu durchsuchen.

Sie fanden heraus, daß einer der mäch­tigen Wäscheschränke einen alten, bis zur halben Höhe zugemauerten Tordurchgang verdeckte, den man offenbar zur Zeit des Altersheimes in ungefähr zwei Meter Höhe, jetzt genau über dem Schrank, zu einer Art Hängeboden mit einer Tapeten­tür umgebaut hatte. Von der Existenz

..r adsonderttchen Luke in dem alten Mauerwerk war niemandem etwas be­kannt.

Weiterhin ließ sich unschwer feststellen, daß ein Mensch in letzter Zett sich verschie­dentlich darin aufgehalten hatte und daß von dieser Luke aus mit einem Hand­griff der Drahtring zu erfas­sen war, mit dem, vom Erdboden aus mit einem Stock, das Gaslicht zum Ent­zünden gebracht werden konnte.

Damit hatte man die Erklärung. Der unbekannte Täter schlich sich nach dem Zapfenstreich in das Zimmer, schob ganz

Roel und dir WeibnaKtsvaftete

Ein Küchenjungenstreich am Hofe Friedrichs des Große«.

Don Dietrich Rasmtzfsen.

Weihnachtsfeiern im heuttgen Sinne kannten die Deutschen in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts noch nicht, hiell doch z. D. der Tannenbaum erst in den letzten Jahrzehnten dieses Zeitabschnittes seinen Einzug in unserem Daterlande. Wer wie fast in aller Welt, wo man Weihnachten feiert. Pflegte man auch damals, um das Fest zu begehen, reichlich und gut zu essen. So vereinte der große Friedrich in Pots­dam am Christabend alljährlich eine an­sehnliche Zahl erwählter Gäste an seiner Tafel, denen natürlich dos Beste, was Küche und Keller boten, vorgesetzt wurde.

Am könglichen Hofe pflegte man nicht schlecht zu leben. Dafür sorgte schon der Küchenchef Seiner Majestät, ein Franzose namens Noel das Wort ist bekanntlich die getreue Liebe rsetzung des deutschen Weihnachten", der auf seinem Gebiet anerkanntermaßen Bewunderungswürdiges leistete und demgemäß beim König in hohem Ansehen stand. Aoel war außer- ordeutlich ehrgeizig, und der Gedanke, daß er einmal mit den Erzeugnissen der von khm geleiteten Küche nicht den vollsten Beifall seines königlichen Herrn finden könnte bereitete ihm schlaflose Nächte.

So war wieder einmal Weihnachten her­angekommen und für den Heiligen Abend Gala-Hoftasel befohlen. Auswättige fürst- liche Gäste waren geladen, und es erschien dcwmu mrr begreiflich daß der König

ehrenvoll vor ihnen bestehen wollte. Naher ließ er seinen Küchenmeister zu ftch kom­men «nd besprach mit ihm die zu bietenden Leckerbissen, stürzte den braven Noel aber geradezu in Verzweiflung, als er schließlich ein ganz besonderes, von niemandem vor­her gegessenes Gettcht von ihm forderte. Die Ginzechetzen blieben der Phantasie des KücheiMeisterS überlassen, nur etwas durchaus Besonderes mußte es fein.

Voel zog sich wieder in fern Herrschafts­bereich zurück und begann Wer seine neue Aufgabe nachzudenken. Die war nicht so einfach Zn den langen fahren, die er im kömglichM Dienst zugebracht, hatten so zahlreiche, unendlich verschiedene leckere Speisen den Weg auf die königliche Tafel gefunden, daß ihm einfach nichts Nettes mehr entfiel. Daß diese Geistesakrobatik nicht gerade zur Besserung der Laune des gestrengen Herrschers im Reiche der Töpfe und Pfannen beitrag, läßt sich unschwer vorstellen, und in der Hoflüche herrschte denn auch in den letzten Sagen vor dem Fest bei den Köchen und Küchenjungen Heulen und Zähuekbappern.

An sich ist solch ein Küchenjunge da ein recht unbedeutendes Wesen; unter Xtav» ständen kann er aber auch mal ganz er­folgreich in den Gang der Ereignisse ein* greifen. Einer der jüngsten Untergebenen des großen.Noel, dem der Meister wohl besonders empfindlich am Ohr gezupft, be­schloß, sich zu rächen, lind als der Ge­strenge nun endlich das ganz besondere, vom König verlangte Gericht im Geiste komponiett hatte und sich an die Attssüh- tiRüfl machte es sollte eine würzige

Pastete werden, schritt der LauSbube zur Tat. Zufällig stand der Gewürzschrank offen. Rasch entnahm der Junge, ohne daß jemand ihn beobachtete, jeder Dose und jedem Fach ein wenig von dem je­weiligen Inhalt, zerstampfte alles in einem Mörser zu einer einheitlichen Masse und reichte, als Noel seiner Pastete noch den letzten Schliff geben wollte und nach wei- ßmn Pfeffer schrie, seinem Herrn und Mei­ster den Behälter mit dem verhängnisvol­len Inhalt. Noel tat einen tüchtigen Griff, warf eine HmSvoll des Mörserinhakts in den PafietMteig und prallte gleich darauf entsetzt zurück, als atts der Pfanne ein höchst eigenartiger, gänzlich unbekannter Dust aufftieg. Kein Zweifel, die Pastete war verdorben.

Ais indessen der Küchenmeister setzt tote et glaubte verunglücktes Werk fopete, schien ihm der Geschmack der Pa­stete wohl seltsam, aber keineswegs un­angenehm. Ganz im Gegenteil. Als er­fahrener Feinschmecker mußte Noel sich sagen, daß er hier, zwar unbewußt, das ganz Besondere geschaffen habe, das der König von chm verlangt hatte, lind in der Tat fand die Pastete bei der Tafel den Beifall nicht nur des Alten Fritz, sondern auch sämllicher Gäste. Noel wurde in den Festsaal befohlen, von seinem königlichen Herrn öffentlich belobt und duvch ein Ge­schenk von drei Goldstücken ausgezeichnet. Es ehrt den französischen Küchenmeister, daß er eins davon dem Küchenjungen zu­kommen ließ, nachdem sich herauSgestell» hatte, wessen Eingreifen dasganz be­sondere" WeHnachiSgericht zu danken war.

Sette 3

einfach, roas von draußen nicht zu beobach­ten war die Blenden hoch, und entzün­dete dann von seinem Versteck aus das Licyt. Selbst wenn man in Sekunden­schnelle nach dem Aufflammen in den Raum raste, war natürlich nichts zu ent­decken. Der unbekannte Lotse der deut­schen Luftschiffe saß sicher über den Schrank in einem Versteck.

Mit der Entdeckung des absonderlichen Unterschluvfes hörten die Signale auf. Alle Anstrengungen, den Spion zu finden, blieben erfolglos.

Jetzt aber, als Ruxton diese seltsame Episode aus dem Weltkriege wieder zur Diskussion stellt, kam ein ehemaliger Assi­stenzarzt des Hospitals mit einer Hypothese heraus, die sehr, sehr viel an Wahrschein­lichkeit besitzt. Dieser Arzt wies jetzt darauf hin, daß man seinerzeit ganz und gar nicht die deutschen Verwundeten in Berechnung gezogen habe, die im gleichen Geschoß wie das rätselhafte Zimmer lagen.

In York liegt das Grab eines deut­schen Soldaten, der an Wund­fieber gestorben ist und von dem nichts bekannt ist. als sein Name. Als er in Ge­fangenschaft geriet hat dieser Mann alle Kennzeichen, die auf seine Formation hin- wiescn, abgerisien und fortgeworfen. Das geschah oft und war kaum geeignet, den Verdacht der Engländer zu erregen.

Auf etwas anderes aber stützt der ehe­malige Militärarzt seine Hypothese, nach welcher dieser deutsche Verwundete der ge­heimnisvolle Mann von York war. Ihm fiel schon seinerzeit auf, daß die verhätt- nismäßig leichte Art Verletzung, ein glat­ter Durchschuß, dieses deutschen Soldaten namens Zimmermann ungewöhnlich schwer heilte, daß sie immer wieder Entzündun­gen aufwies und eiterte, daß sie, kurz ge­jagt den deutschen Soldaten Zimmermann zu einem jener Krankheitsfälle stempelte, die fast täglich einen operativen Eingriff erfordern und die aus diesen Gründen di­rekt neben dem Heinen Operationssaal und mit ihm das entsprechende Zimmer schloffen sich direkt an den geheimnisvollen Schrankraum an.

Die Folgerungen, die der Mediziner aus diesen Tatsachen zieht, haben keinen kon­kreten Untergrund, aber sie besitzen ein solches Maß an Wahrscheinlichkeit, daß man sie fast als bewiesen hinnehmen kann.

Zimmermann war der rätselhafte Täter. Ihm war es ein Leichtes, aus dem Raum, in dem mit ihm noch einige schwe­rere Fälle lagen, Männer in fast dauern­der Bewußtlosigkeit und hohen Fieber­graden, zu dem Schrankzimmer zu gelan­gen. Um in diesem Zimmer zu bleiben, so folgert der Arzt, hat Zimmermann auf irgendeine Weise, es lassen sie ja tausende denken, seine Wunde immer wieder selbst entzündet und zum Eitern gebracht.

Ein seltener Opfergang, eine ununter­brochene Kette der Qualen und der furcht­baren Schmerzen, und in ihrer Folge der unausbleibliche Tod am Wnndfieber.

Es ist nicht sicher, ob die Vermutung des Engländers zu recht besteht, aber schon die schwache Möglichkeit dazu legt die Ver­pflichtung auf, diesen deutschen Soldaten, von dem nichts bekannt ist als der Name Zimmermann, nicht zn vergessen.

Es ist mehr als wahrscheinlich, daß er rühmlos und still seinen selten« Opfer­gang beschritten hat.

Aus ter Stimm»

Harald Lkohd hat seine Abreise von Europa doch wieder abgesagt; er be­legte in Sannes vierzig Hotelzinnnett um gemeinsam mit ihm bekannten FilmWnst- lern eine Weihnachtsfeier und endgültige Abschiedsfeier von Europa zu begehen.

In Frankfurt a. M. verstarb dieser Tage im Alter von 64 Jahren Julius Wies- b a d e r. einer der deutschen Filmpioniere aus jenen Sagen, in denen der Film noch eine Icchrmarktsangelegenheit zu sein schien. Wiesbader begründete 1906 die Allgemeine Kinematographische Gesell­schaft für lebende und Tonbilder", aus der sich die heutige »Ma" entwickelte.

DerZug nach dem Westen" setzt sich sott. Kaum haben wir vernommen, daß uns Lilian Harvey verlassen und nach Hollywood übersiedeln wird, ist eine an­dere bekannte deutsche Filmschauspielerin, Dorothea Wieck, nach Hollywood ver­pflichtet worden. Im März des kommen­den Jahres wird sie die große Reise an* treten.

6iw ww deutsche Großstadt.

Qm vergangenen Monat ist eine neue Stadt in die Reihe der deutschen Groß­städte aufgerückt: Die Einwohnerzählung der vberschlesischen Stadt Beuchen hat KX) 064 ergeben. Beuchen ist somit neben Hindenburg und Gleiwitz die dritte Groß­stadt der jüngsten preußischen Provinz