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Nr. 300

L?b«hessifche Sdtime, Marburg tu L. Donner stag, bet 22. Dezember 1932

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Heffen Rassau und Nachbargebiete

Ausland

3m Moskau spricht der Flieder.

ft. Moskau, 22. Dez. In Moskau und in der gesamten Sowjet-Union wird eine für jetzige Jahreszeit ungewöhnliche Erscheinung wahrgenommen. Während sonst überall in Rußland schon Mitte De­zember strenge Fröste herrschten, wird jetzt aus allen Gebieten eine Temperatur ge­meldet, die zwischen 48 Grad über Null schwankt. Trotz der gewöhnlichen Nachtfröste sprießen in Moskau die Knos­pen an den Fliederbüschen und Kirsch- bäumen. Auch aus Leningrad wird be­richtet, daß der finische Meerbusen voll­kommen eisfrei ist. Die Schiffahrt ist in vollem Gange.

Schwere japanische Niederlage bei Mukden?

ft. Schanghai, 22. Dez. Aus Mul­den werden chinesische, angeblich auch von japanischen Stellen bestätigte Berichte ver­breitet, denen zufolge es südlich der Stadt und zwar zwischen der Mukden-Antung- Eisenbahn und der südmandschurischen Bahn zu schweren Kämpfen Zwischen einem japanischen Bataillon und starken freiwil­ligen Verbänden gekommen ist. Dabel sind die Japaner umzingelt worden. Ihre Lage wird als kritisch bezeichnet. Der Kommandeur der japanischen Truppen ist im Kampfe gefallen.

Brandkatastrophe in Ehieago. ZahffbeWe Todesopfer.

Chicago, 21. Dez. SrtfoTge einer (Et* plosion brach heute in einem Mietshaus «in Brand aus. von dem man befürchtet, daß er zahlreiche Todesopfer gefordert hat. Eine Leiche wurde bereits geborgen. Mehrere Per­sonen erlitten durch Sprünge aus den Fen­stern des zweiten und dritten Stockes Ver­letzungen. 16 Personen mußten ins Kranken­haus gebracht werden. Zwei kleine Kinder konnten dadurch gerettet werden, daß sie von ihren Eltern aus bem zweiten Stock in die Arme auf der Straße stehender Personen ge- sonen geworfen wurden.

Dar Repräsentantenhaus gibt 3,2pco$entiges Vier frei.

Newpork, 21. Dez. Wie aus Washing­ton gemeldet wird, hat das Repräsentanten­haus heute die Gesetzesvorlage, die Herstel­lung und den Ausschank 3,2prozentigen Bieres gestattet, angenommen.

Die Annahme erfolgte mit 230 gegen 165 Stimmen. Die Vorlage geht nunmehr an den Senat.

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Freitag, den 23. Dezember.

6.15: Wetterbericht. Anschließend: Mor­gengymnastik. 7.20: Schallplatten-Konzert. 12.00: Konzert. 13.30: Schallplatten- Konzert. 17.00: Konzert des Süd westdeut­schen Rundfunkorchesters. 18.25:Von Niddy Impekovens Weg und Entfaltung", Vortrag. 18.40:Frostschäden und ihre Verhütung", Aerzte-Vortrag. 19.15: Von der Armut und vom Geben. 19.30: Christnacht", ein deutsches Weihnachtslieder­spiel. 20.45: Unbekanntes Europa:Die Napoleonsinseln Korsika und Elba". 21.30: Klaviermusik. 22.20: Zeitangabe, Tages­nachrichten, Wetterbericht, Sportbericht. 22.45: Aus Neuyork:Worüber man in Amerika spricht", Vortrag. 23.00: Weih­nachtliche Abendmusik.

Forderungen des hessischer Viehhandeks.

Gießen, 21. Dez. Sier fand eme mis Hessen und den preußischen Nachbargebuten stark besuchte Versammlung von Viehhändlern statt, die sich mit ak­tuellen Fragen der Viehhandelswlttschatt be­schäftigte. Der erste Vorsitzende des Deut­schen Viehhändler-Verbandes, Herr Kebbel- Berlin, hatte dabet das grundlegende Re­ferat. Er begrüßte besonders die Anwr- senhett des Schlacht- und Viehhofdirektors Dr. Lang-Frankfurt a. M., wies dann cm» gehend auf die ständig zunehmende Ver­schlechterung der Wirtschaftslage des Vieh- handels hin und forderte die Beseitigung, mindestens aber eine erhebliche Senkung der Seuchenbekämvfungs-, Impfungs- und Vieh­hofgebühren, ferner auf einen Abbau der hohen Schlachtsteuern und der Eisenbahn­tarife. Weiter wandte er sich gegen dre Subventionen an Genossenschaften und gegen die jetzige Höhe der Umsatzsteuer. Schließ­lich trat er energisch gegen Planwirtschafts- gedanken und für die Beibehaltung der freien Wirtschaft ein. In einer umfangreichen Aus­sprache wurde diesen Forderungen von allen Rednern zugesttmmt, insbesondere wurde da­her auch gefordert, daß der preußische Staat die Kosten von ihm zu dittietten Preisen ge­lieferten Impfungsserums erheblich senken müsse.

Flammentod einer Fra«.

Gießen, 21. Dez. Gestern nachmittag wurde die 61 Jahre alte Frau des Reichs­bahnassistenten Jendroszek in Nidda mit schweren Brandwunden am ganzen Körper in die hiesige chirurgische Klinik einoeliefert. wo sie einige Stunden später verstarb. Die bedauernswerte Frau war bei Arbeiten in ihrer Küche dem offenen Feuer zu nahe gekommen, wobei ihre Klei­der Feuer fingen, sodaß sie bald in Hellen Flammen stand.

Eroßfeuer.

R a m b a ch (Kreis Eschwege), 21. Dez. Heute früh brach in dem Anwesen des Landwirts Eduard Deist Feuer aus, das sich rasch verbreitete und auch auf die benachbarten Gehöfte Übergriff. Sämt­liche Wohn- und Wirtschafts- gebäudederLandwirteEduard und Georg Deist brannten nie­der, das Wohnhaus der Witwe Senn- Henn wurde zur Hälfte zerstört. Mitver­brannt sind die gesamten Erntevorräte und landwirtschaftlichen Maschinen. Der Scha­den ist nur teilweise durch Versicherung -gedeckt.

Zusammenlegung von Finanzämtern.

Frankfurt (Main), 21. Dez. Der Reichsfinanzminister hat bestimmt, daß das Finanzamt in Diez mit dem Finanzamt in Limburg, das Finanzamt in Bad Schmalbach mit dem Finanzamt in Wiesbaden, das Finanzamt in Fritz- l a r mit dem Finanzamt in Homberg, das Finanzamt in Hünfeld mit dem Finanzamt in Fulda, das Finanzamt in Westerburg mit dem Finanzamt in Hachenburg zum 1. April 1933 vereinigt werden.

4000 Neueinstellungen bei der I. E. Farbenindustrie.

Frankfurt a. M., 20. Dez. Die I. E. Farbenindustrie hat in den letzten Monaten .ihre Belegschaft in ihren eigenen Werken durch Neueinstellungen im Zusammenhang mit einem Arbeitsbeschaffungsprogramm, das über die von der Regierung durch die Steuergutscheine geschaffenen Möglichkei­ten hinausgeht, schon um 4000 Personen vermehren können.

Neuer Beweisantrag im Giftmordprozetz Richter. Verurteilter und Verteidiger stellen sich selbst zur Verfügung.

Mainz, 21. Dez. Im Wiederaufnahme­verfahren im Eiftmordprozeß Dr. Richter hat bekanntlich die Strafkammer des Land­gerichts Bonn den Wiederaufnahmeantrag abgekehnt, obwohl' dieser nicht nur auf die eingehenden Versuche des Charlottenburger Arztes Dr. Apel, sondern auch auf die be­stätigenden Gutachten von Autoritäten wie Geheimrat Dr. Straßmann, Professor Dr. Linzenmeier und Professor Dr. Flury, Rettor der Universität Würzburg, gestützt war. Ernes der Argumente in der Ablehnung war, daß die seitherigen Gutachter sich dahinter zurück- zogen, die neuen Versuche seien nichtfall- gerecht". Der Vetteidiger, Rechtsanwalt Her­bert Mannheimer in Mainz, hat in einer üOseitlgen Beschwerdeschrift den Standpuntt der Strafkammer angefochten und beim Ober- iandesgericht Köln ein weiteres Gutachten vorgelegt, in dem Professor Flury sich gegen den Standpunkt der Strafkammer Bonn im Abkehnungsbeschluß ausspricht. Nunmehr hat Dr. Richter durch den Verteidiger erklären ürssen, daß er sich selbst zu einemfallge­rechten" Versuch des Gutachters mit seiner feiner eigenen Person zur Verfügung stellt, um so den Nachweis zu erbringen, daß der von den früheren Gutachtern behauptete Tod der Frau Mettens auf diese Weise gar nicht erngetreten sein kann, lleberzeugt von der Unschuld des Verurteilten und von der Rich- "gkett der belgebrachten neuen Sachverständi­gengutachten, hat der Verteidiger Rechtsan­walt Mannheimer erklärt, daß er sich dem Schritt des Verurteilten anschließe und be­reit ist, sich gleichfalls zu dem ärztlichen $er= *<6 set. Verfüsmis - gu stellen.

Der Haushalt von heute stellt an die Haus­frau besonders hohe Anforderungen, denn das Sparprogramm macht auch vor der Küche nicht halt, und es heißt mehr denn jeauskommen mit den vorhandenen Mitteln. Als wahre Freude erweisen sich auch jetzt die bewährten Maggi-Erzeugnisse (Würze, Suppen und Fleischbrühwürfei). Die Hausfrau, die sie ver­wendet, spart Geld, Zeit und Arbeit.

Traneröriete und -Karten

schnellstens und bestens in der Univcrsitäts-Buchdruckerei Job. Äug. Koch Druckerei der Oberhessischen Zeitung Marburg, Markt 21/23. Fernruf 2054/2055

Erneute Ausschreitungen in Koblenz.

Koblenz, 21. Dez. Nach den Er­werbslosenunruhen und Plünderungen von Geschäften am Montag bildeten sich in den Abendstunden des Dienstags in den Hauptgeschäftsstraßen erneut starke Ansammlungen, die von der Polizei immer wieder zerstreut wurden. Trotz ver­stärkter Streifen konnte nicht verhindert werden, daß an zwei Lebensmittel­geschäften die Fensterscheiben eingeworfen wurden und daß in ein drittes Lebensmittelgeschäft e ,i Mann mit maskiertem Gesicht eindrang und plünderte. Auf der Straße gab er als­dann einen Schuß ab, um seine Anhänger vor dem anrückenden Ueberfallkommando zu warnen. Auch an einer anderen Stelle der Stadt wurde ein Schutz abgegeben, je­doch konnte die Polizei hierüber noch keine genauen Ermittlungen anstellen. Im gan­zen wurden zwölf Verhaftungen vorgenommen.

Frau De. theol. h. c. Paul Müllev-Otseied (Hannover), sowohl durch ihre charttatwe wie parlamen­tarische Tätigkett oftmals hervorgetteten, hat ihr Mandat für den Reichstag nieder­gelegt, dem sie als deutschnationale Abge­ordnete angehörte. Ihr Ausscheiden wird von den Frauenorganisationen sehr bedauett, da die Frauen ohnehin hn Reichstag ver­hältnismäßig nur sehr schwach vertreten sind.

Wirtschaft unö Han-et

Mittwoch nachmittag verschied nach kurzem Kranken­

lager unsere liebe Tante

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Frau Anna Binder geb. Bang

im 71. Lebensjahre.

Marburg, den 22. Dezember 1932.

Witwe Emma Bang und Kinder

Familie Julius Boes

Familie Julius Fischer Emmy Bang.

Die Beerdigung findet am Sonnabend, dem 24. Dez., 12 Uhr von der Friedhofskapelle aus statt.

Von Beileidsbesuchen bitten wir abzusehen.

Berliner Börsenbericht vom 21. Dezember.

Das Geschäft war zu Beginn des offi­ziellen Verkehrs wieder recht ruhig und die Kursgestaltung meist von Zufallorders ab­hängig. Es konnten sich Besserungen bis zu IV2 Prozent durchsetzen, denen wiederum Rückgänge in gleichem Umfange gegen* überstanden. Die Grundstimmung konnte eher als etwas freundlicher bezeichnet wer­den, da durch die Maßnahmen der Reichs­regierung zum Schutze des inneren Frie- dens und durch die endgültige Annahme der Amnestievorlage innerpolitisch natür­lich eine Beruhigung eingetreten ist. Von den Auslandsbörsen, die überwiegend schwächer verkehrten, konnte eine Anregung nicht auSgehen. Am Berliner Geldmarkt blieb Tagesgeld Wetter sehr leicht und mit 4Vs bzw. 4 Prozent an der unteren Grenze erhältlich. Privatdiskonten waren in Vor- berettung zum Iahresultimo Wetter ange­boten, die Nachfrage war nur gering. Reichswechsel und Reichsschatzanweisungen blieben umsatzlos.

Berliner Devisenbericht vom 21. Dezember.

HelsingforS 6,1546,166, .Wien 51,95 bis 52,05, Prag 12,46512,485, Budapest, Sofia 3,0573,063, Holland 169,13 bis 169,47, Oslo 72,2872,42, Kopenhagen 72,6872,82, Stockholm 76,4276,58, Lon­don 14,0314,07, Buenos Aires 0,858 bis 0,862, Reuhork 4,2094,217, Belgien 58,23 bis 58,35, Italien 21,5421,58, Paris 16,42516,465, Schweiz 81,0681,22. Spa­nien 34,3734,43, Danzig 81,7281,88, Japan 0,8990,901.

Warenmärkte

»«treibe tn 1000 Kitogr.. Mehl und Futter mittel }e 100 Kilogramm.

Berliner Eetreidemarkt vom 21. Dezember.

Weizen 185187, Roggen 152154, Braugerste 166175, Stotter» und Indu­striegerste 158165, Hafer 113118, Wei­zenmehl 23,2526,25, Roggenmehl (70 °/o) 19,0021,40, Weizenkleie 8,809,20, Rog­genkleie 8,709,00.

Wie zumeist nach starken Preisrück­gängen hat stch das Inlandsangebot am Getrerdemarkt sett gestern wieder ver- ringert, so daß die vereinzell auftretende Rachfrage, zumeist nur zu 1 RM. höheren Preisen zu befriedigen war. Am Prompt- markt hielt sich die Kauflust in mäßigen Grenzen, und das Geschäft war dement­

sprechend sehr ruhig, da man vor den Feiertagen Engagements auf längere Sicht nicht mehr eingehen will. Im Zeithandel war schon vormittags eine stetigere Grund- stinrmung zu beobachten, an der Börse zeigte sich Deckungsbegehr, so daß mäßige Interventionen der staatlichen Gesellschaft ausreichten, um die ersten Notierungen bei Weizen um 1,001,50 RM., bei Roggen ton 0,751,00 RM. zu erhöhen. Am Mehlmarft lauteten die Forderungen da­gegen unverändett, ohne daß es zu nen­nenswerten Abschlüssen kommt. Hafer und Gerfte sind stimmungSmäßig von der De- feftigung mitgezogen, höhere Preise waren aber in der Hauptsache Nur am Hafer- LieserungSmaikte zu verzeichnen, der die gestrigen Preiseinbußen wieder einholen konnte.

Frankfurter Eetreidemarkt vom 21. Dez.

Weizen 202,50203,50, Roggen 162,50 bis 164,00, Sommergerste für Dra uz wecke 180185, Hafer 132137, Weizenmehl südd. 28,1529,00, niederrh. 28,0028,25, Roggenmehl (60 °/<>) 22,2523,25, Weizen­kleie 7,60, Roggenkleie 8,258,15.

Die Beschaffenheit der deutschen Getreideernte 1932.

Die Beschaffenheit der diesjährigen Ge­treideernte ist nach Nr. 23 vonWirtschaft und Statistik" im ganzen befriedigend und bei allen Fruchtarten besser als im Vor­jahr ausgefallen.

In regionaler Hinsicht ergeben sich in der Beschaffenheit der Erträge z. T. starke Abweichungen vom Reichsdurchschnitt. Sie fallen namentlich beim Winterwei­zen mengenmäßig ins Gewicht. So wer­den in Ostpreußen 45 Prozent der ge­samten Winterweizenernte infolge Aus­wachsens als geringwertig bezeichnet. In Nieder- und Oberschlesien wird im Durch­schnitt der Ausfall an Winterweizen als Brotkorn infolge Rostbefalls auf 36 bezw. 50 Prozent geschätzt. Günstiger lauten demgegenüber die Qualitätsbewertungen in den westlichen und süglichen Teilen des Reiches. Beim Winterroggen haben alle Landesteile recht gute Ergebnisse aufzu­weisen. Nur Ostpreußen nimmt mit 24 Prozent geringwertiger Qualität auch hier eine Sonderstellung ein. Bei Som­mergerste und Hafer ist der größte Anteil an geringer Qualität ebenfalls in Ost­preußen zu verzeichnen.