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Nr. 300

Oberhrfsifche 3eHmtg, Marburg a. L, Donnerstag, bat 22. Dezember 1932

Seite S

Deutfchlan-s Auslan-skun-en

Rußland führt kmwv vor den Niederlanden — Frankreich besser als Sroßbritaaalen Deutschland als Käufer

Im letzten Vierteljahr stieg gegenüber dem zweiten dieses Jahres die deutsche Ausfuhr nach langer rückläufiger Bewegung wieder um ein halbes Prozent. Leider nur der Menge nach. Das heißt, daß wir für unsere Arbeit einen geringeren Erlös im Auslande erzielten. Dem Wert nach setzte sich der Aus­fuhrrückgang vom zweiten zum dritten Vier­teljahr um fünfeinhalb v.H. fort. Dabei schnitten die am meisten lohnenden Industrie­zweige am schlechtesten denn die Ferttg- warenausfuhr sank aua . Menge nach um zwei, dem Werte nach aber um sieben v. H. Im Auslande herrscht teilweise eine lebhafte Bewegung gegen deutsche Waren, so daß unsere Wirtschaft auch aus diesem Grunde mit ungewöhnlich gestiegenen Schwierigkeiten zu rechnen hat. Neuerdings darf angenommen werden, daß sich das Ausland von einem Handelskrieg gegen Deutschland doch zurück­halten wird, zumal wir nachweisen können, daß wir auch im letzten Vierteljahr immer noch zu den wichtigsten Käuferstaaten für alle Völker gehörten.

Das können vor ollem die europäischen Staaten von uns sagen. Im drittel Viertel­jahr verminderten wir zwar unsere Einfuhr von Lebensmitteln um 47 Millionen, Roh­stoffen um 24 Millionen und Fertigwaren um 15 Millionen Mark. Den Hauptanteil dieses Ausfalls deutscher Kaufkraft tragen jedoch die überseeischen Länder, so besonders die

'n taten Staaten mit 39 Millionen, Austra­lien mit 11 und Aegypten mit 9 Millionen Mark. Für ganz Europa betrug der Ausfall dagegen nur 22 Millionen Mark, wenn man den Einfuhrrückgang aus Spanien mit 12, Rußland mit 11, den Niederlanden mit 7 und Großbritannien mit 6 Millionen Mark als Hauptleidtragenden gegen die Einfuhrver­mehrung aus anderen europäischen Staaten, beispielsweise der Einfuhrzunahme aus Ita­lien um 14 Millionen Mark, aufrechnet. Deutschland selbst verlor im dritten Viertel­jahr gegenüber dem zweiten eine Gesamtaus- suhr von 79 Millionen Mark, davon 74 Mil- lionen nach den überseeischen Ländern, so daß die Bedeutung Europas als unser Markt sogar noch gestiegen ist. Den größten Ausfuhrver­lust erlitten wir im Handel mit Amerika, ob­wohl dieses mit 434 Millionen Mark mit wei­tem Vorsprung in der Reihe unserer Liefer­staaten an erster Stelle steht, Rußland, das erst mit 221 Millionen folgt und den Nieder­landen, die sich mit 209 anschlietzen, denen Großbritannien mit 195 Millionen Mark, immer in den ersten Dreivierteln des laufen­den Jahres, nahe bleibt. Der Ausfall im drit­ten Dierteljahr bei den Vereinigten Staaten belief sich auf mehr als 46 Millionen Mark. In Europa senkte Frankreich im dritten Viertel die deutsche Einfuhr am stärksten; sie fiel um 25 Millionen Mark; auch nach der

Tschechoslowakei ging sie um 8 Millionen Mark zurück. Mit einer Reihe anderer fetalen verbesserte sich jedoch der Wirtschafts­austausch zu unseren Gunsten. Das gilt be­sonders für Großbritannien, das uns für 21 Millionen Mark mehr Waren abnahm.

Trotzdem fällt England von feinem ersten Platz in der deutschen Ausfuhr, den es 1931 mit mehr als 1,1 Milliarden inne hatte, in diesem Jahre erheblich zurück. In den hinter uns liegenden drei Vierteljahren setzten wir bisher erst für 327 Millionen Marl nach England ab. An die Spitze rückt jetzt Ruß­land mit 485 Millionen Mark, das im vorigen ganzen Jahre mit 762 Millionen den vierten Platz innehatte. Jrn letzten Vierteljahr besteht noch die schwache Möglichkeit, daß Holland, das stets an erster oder zweiter Stelle der deutschen Ausfuhr stand, mit 471 Millionen Mark der bisherigen Aufnahme deutscher Waren nur wenig hinter der Sowjet-Union zurückbleibt. Frankreich hielt sich mit 368 Millionen Mark bisher an dritter Stelle, wird sich aber ebenso wie Holland in diesem Jahre bestimmt nicht so aufnahmefähig erweisen wie im vorigen. Von den anderen euro­päischen Staaten sind die kleine Schweiz mit 308 Millionen Mark und Belgien-Luxemburg mit 220 Millionen Mark immer noch bessere

1000 mal auf der Zugspitze

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Der weit über Bayern hinaus bekannte Bergführer Johann Ehrhardt aus Kalten­brunn bet Partenkirchen, genannt der „Schweizer Bartl", konnte gleichzeitig mit dem 75. Geburtstag das Jubiläum feiner 1000. Besteigung der Zugspitze feiern.

Käufer als das gewaltige Amerika, das für 206 Millionen Mark deutscher Waren im bis­herigen Ablaus des Jahres bezog. Ihm folgen an Bedeutung für uns die Tschechoslowakei mit 192 Millionen Mark, Schweden mit 166, Italien mit 164, Dänemark mit 126, Deutsch- Oesterreich mit 122 Millionen Mark, ehe sich wieder ein außereuropäischer Staat, Britisch- Indien, mit 82,7 Millioen Mark einschiebt.

Mit keinem überseeischen Lande außer Ja­pan chas für 60 Millionen Mark Waren kaufte und für nur 18 Millionen lieferte, steht Deutschland in einer ausgesprochen aktiven Wirtschaftsverbindung zu seinen Gunsten, ein Handelsausgleich liegt wenigstens ungefähr mit der Türkei, die für 26,8 Millionen Mark bet uns einführte und für 24,1 Millionen Mark deutscher Waren aufnahm, mit Mexiko bei 19 Millionen Mark in Ein- und Ausfuhr und mit Britifch-Südafrika bei einer Ausfuhr von 31 Millionen und einer Einfuhr von 35

Millionen Mark. In Europa verdienen rott bei fast allen unseren Handelsparmern zum Tell immer noch recht erheblich. Nur oei Bulgarien setzen wir acht Millionen Mark "bei Estland eine. Griechenland 13, Lettland anderthalb, Rumänien 12 und Spanien 6 Millionen Mark zu. Das schließt aber nicht aus, daß wir für die weitaus meisten euro­päischen Länder Immer noch sehr wichtige Ab­nehmer geblieben sind, auch wenn sie bei uns etwas draufgeben. Bei nind der Hälfte sämt­licher Staaten unseres Erdteils legten wir bis­her über 50 Millionen Mark in Käufen an und mit Ausnahme des Irischen Freistaates fetzte kein einziges Volk Europas, so klein es fein möge, unter zehn Millionen Mark ferner Et zeugniffe schon in einem Dreivierteljahr an Deutschland ab Ganz sinnlos erscheinen des­halb Boykottmaßnahmen gegen uns, weil sie das ausführende Land anteilsmäßig sehr hart treffen werden. Werner Beringet

Im Re-l Affäre

Die letzten Minuten des großen Spions

Im großen Saal des Offizierskafinos in Budavest hielt Feldmarschalleutnant Au­gust llrbanski, der in Vorkriegszeit Leiter der Nachrichtenabteilung im öster­reichischen Eeneralstab war. einen Vortrag über Spionage. Zum größten Erstaunen der Anwesenden brachte er dabet bisher völlig unbekannte Einzelheiten aus der Redl-Affäre aufs Tapet, die nur ihm als Untersuchungsführer in dem größten Spionagefall der Vorkriegszeit offenbar waren.

Feldmarschalleutnant Urbanski erklärte, daß er im Eeneralstab mit Oberst Redl lange zusammengearbeitet habe, daß er sein Vertrauensmann gewesen sei und daß er niemals habe annehmen können, daß Redl nicht der korrekteste und zuverlässigste Offizier sei.

Dann ging der Redner unter atemloser Spannung der Zuhörer auf die Vorge­schichte des Falles ein.

3m Frühling 1913 waren die ersten Spuren des ungeheuer­lichen Spionageaktes aufge­taucht. Auf einem Wiener Postamt waren von Zeit zu Zeit große Geldbeträge i eingelangt, die von einer großen Spionage- Organisation herrührten. Das hat die österreichische Spionageabwehr festgestellt. Man überwachte das Postamt ständig durch Detektive, um den Mann festzustellen, der das Geld abholen würde. Man hatte extra beim Postschalter für den Beamten eine elektrische Kingel eingebaut, mit der er bei Auftauchen des geheimnisvollen Mannes die Polizei alarmieren sollte.

Lange wurde man auf die Probe ge­stellt. Bis eines Tages ein Mann erschien,

das Geld übernahm und so schnell ver­schwand, daß ihn die Detektive nicht mehr erwischen konnten. Er hatte ein Taxi be­stiegen und war verschwunden. Die Be­amten fuhren ihm in größter Aufregung nach. An einem Kaffeehaus hielt der ver­folgte Wagen. Sein Jnsasie war ausge- stieqen. Aus Vorsicht war et in ein anderes Taxi umaestiegen. Im ersten Auto fanden die Detektive ein Taschenmesser. Das mußte der Spion verloren haben, als er die Wertbriefe geöffnet hatte.

Schließlich kam man auf die Spur des zweiten Taxis. Es hatte vor dem Hotel Glonner Halt gemacht. Hier mußte der Spion wohnen. Das gefundene Taschen- mesier wurde dem Pottier übergeben, da­mit er feststelle, welchem von den Gästen es gehöre. In Wem Augenblick kam Oberst Redl die Treppe herab. Als er an der Pottierloge vorüberaing, sagte der Portier; ..Herr Oberst. Sie haben Ihr Taschenmesier verloren." Einen Moment zögerte Redl, dann antwortete er: „Ja, danke sehr!" Damit hatte er sich ver­raten.

Mit phantastischer Schnelligkeit wurde die Untersuchung geführt. Bei dem Vor­hör stellte sich heraus, daß Redl durch seine homosexuelle Veranlagung zum Verrat der militärischen Eeheimniffe gebracht wurde. Alles wurde genau protokolliert. Redl er­klärte am Schluß des Verhörs wörtlich: „Ich bin ein Opfer meiner furchtbaren Lei­denschaft geworden. Ich habe eine un­würdige Tat beaangen. Lasten Sie mich bitte würdig sterben!"

Feldmarschalleutnant Urbanski hat Redl darauf seinen Revolver übergeben. Kurz darauf ertönte der Schuß!

Blicherichm

” Fünf neue Bände der Stallmg-Bücherei. „Schriften an die Station“. Jeder Band gebd. 9LM, 1,—. Verlag Gerhard Ställmg, Oldenburg i. O. — Wiederum hat der Verlag Gerhard Stalling, Olden­burg i. O., innerhalb seiner Stalling-Bücherei „Schriften an die Nation" fünf neue Bände erscheinen lassen. Es liegen nunmehr nahezu 30 Bändchen vor, die m ihrer Gesamt­heit schon heute eine Geschlossenheit und eine Sicherheft der Führung aufweisen, wie man sie immer wünscht und so selten fmbet.

Die neuen fünf Bändchen handeln im we­sentlichen von deutschen Führerpersönlichkei­ten der Vergangenheit, die zu unserer Zeft in besonders lebendiger Beziehung stehen. A. Tiefenbach schildert in Wallenstein. Em deutscher Staatsmann, den großen deutschen Staatsmann und Feldherrn des 17. Jahrhundetts, der einen ähnlichen Umbruch der Seiten, ähnliche Bedrängnis und Erschütterungen erlebte wie wir. Sieben Richelieu, Cromwell und Gustav Adolf stehl er als der einzige Staatsmann, der unter bat Deutschen nur Deutschland sah und wollte. Weil er gegen alle Fremdvölker war, die auf deutschem Boden hausten, weil er in einer noch liberalen, universalistischen Epoche bereits konservativ und national dachte, mußte er in Gegensatz jum Kaiser kommen. Weil er abwog und zauderte, mußte er stürzen. „(Ein deutsches Schicksal."

Werner Beumelburg zeigt Bismarck C^ismard greift zum Steuer") in einer Sage, die der Mistigen erregend ähnlich ist. lieber der Tat der Reichsgründung hat man nur zu sehr vergessen, was Bismarck in den Jahren 1862—64 leistete, wie er Preußen aus einer hoffnungslos scheinenden Isolierung löste und das negotioe Vorzeichen der preu­ßischen Politik in ein positives verwandelte.

Zwischen einem vergehenden und einem bei« auftommenben Zeitalter steht auch „Mar Weber", (Deutsches Wesen im politischen Denken, tm Forschen und Philosophieren), den der bekannte Heidelberger Philosoph Karl Jaspers würdigte. „Er konnte sich als Epi­gone fühlen und lebte schon in dem, was noch nicht da war." „Er war in Qual und Hoffnung wie das schlagende Herz Europas, das ein geistiges und menschliches Leben zu verlieren im Begriff ftanb. So sieht '"'»ers diesen „unbedingten Deutschen", die­

sen Polftiker, Wissenschaftler und Philo­sophen, dessen tiefes Schicksal ein Scheitern war, und der dennoch einer unserer Besten und Größten gewesen ist. Jaspers' Bild von Mai Weber ist die in hinreißender spr»- Formulierung von ebenbürtigem Geist ge­prägte Gestaltung eines der größten deut­schen Wahrheftskämpfer.

Weber stand noch im alten, ahnte aber schon seherisch ein neues Deutschland. Der Weltkrieg brachte den Durchbruch, wenn auch nocy nicht den Sieg der neuen Epoche. Hat­ten wir, hatten die anderen Nationen den Führer, der sein Volk zum Sieg bringen und der neuen Zett ein Symbol werden konnte? Generalleutnant Horst von Metzsch beantwortet diese oielumstriftene Frage in dem Band „Krieg ohne Feldherrn?" mit einer Klarheit, Sachkenntnis und Heber« kegenheft des Urteils, die fasziniett. In ihrer Größe und Begrenztheit, als Men­schen ihrer Zett und ihres Volkes werden die Feldherrn aller kriegführenden Länder sicht­bar. Metzsch isoliert nicht den Feldberrn und das Militärische. Er sieht Artung und Leistung des Heeres und seiner Führer tm großen Zusammenhang der allgemein-polttr- schen Vorbedingungen des Landes, der charak- tenstisch ausgeprägten (Etgenan des Volkes und der historischen und polftischen Voraus­setzungen des Krieges. So wächst bet Metzsch die mrlttärische Führerftage aus der Ganzheit des Staates und des Volkes; und aus dieser Ganzheit fließt auch das Urteil, das er im Namen der Geschichte über den einzelnen fällt.

Es ist ein Symbol, wem bte „Schriften an die Nation" als voraussichtlich letzten Band dieses Jahres die Schrift „Volk im Werden" von Ernst Krieck, dem be­kannten Vettechter nationalpolttischer Et- Erziehimg bringen. Krieck zeigt den Weg bewußter Volkwerdung. Das Bewußtwerden des Ganzen, die Rückkehr zu ben ewigen Kräften des Volkstums ist der Sim der heutigen Wandlung, die eine neue Sehens« erobert, em neues „Mtttgatt" sucht. Diese neue deutsche Lebensform wird nicht den Vorrang des Polftischen verkennen, bas bie Einheit gewährleistet. Sie wird eine Ord­nung sein, in der alles dem Lebensgmzen des Voltes dient. So forbert Krieck im kultu­rellen Leben, m der Kmst keine Isolierung, keinen falschen und lebensfernen Idealismus, sondern die Totalttät des Lebens.

** Diedrich Speckmann, „Scholle der Väter". Martin Warneck, Verlag. Berlin W 9. Seinenbb. 4,50 M. — Wir haben eine ganze Reihe guter Romane, die zeigen, wie der Mensch in neuen Verhältnissen im Aus­land gerade aus der Verwurzelung in der alten Heimat die besten Kräfte gewinnt, in der Fremde Boden zu fasten, die Schwierig­keiten unter sich zu bringen und sich durchzusetzen und zu behaupten. Speckmann, der Anfang des Jahres sein 6. Lebensjahrzehnt vollendete, schildert in seinem neuen Band die Rückwan­derung eines schon in deutscher Auswanderer­kolonie geborenen Paares in die Heimat der Väter, die Lüneburger Heide. Der prachtvolle Heidebauer Jürgen Jntemann, der seine drei Söhne im Felde verlor, beruft seinen Reffen aus Natal, um ihm den alten Familienhof zu übergeben, damit er nicht in fremde Hände kommt. Auch hier gibt es Schwierigkeiten, aber der gesunde Instinkt, die in der Fremde gepflegte und auf den Sohn vererbte Kraft der Erinnerung des Blutes gewissermaßen überwinden unter dem Beistand treuer Freunde die Röte der Eingewöhnung und stellen den Fremdling wie in ein altes Zu­hause, so daß er bald ein rechter Bauer wird, bodenständig und wurzelecht, wie die Hof­besitzer feit Jahrhunderten. Was Speckmanns Bücher sonst auszeichnet, das sichere Gefühl für Gesundheit der Seele, für Gediegenheit und innere Kraft, die lebensmeisternd sich auswirft, das lebt auch in diesem jüngsten Kind feiner Feder. Reuen und modernen Ge­danken durchaus nicht abgünstig, aber doch im besten Sinne konservativ und wissend um die aus guter Tradition stammenden Aufbau- kräste schafft er einprägsame Gestalten voll lebendigen Lebens und stellt sie plastisch in ihre Welt, die auch feine Welt ist. aus der ihm fein Bestes zuftrömt, bie Heide.

** Frauen ber Antike. Von Geheim­rat Professor Dr. Theodor Birt. 307 Sei­ten. In Seinenbanb RM. 4.8 0. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. Ein ein­zigartiges feines Buch, bas uns den Zauber ber antiken Welt von einer neuen Seite er­schließt. Nur ein Meister wie Birt, der alles zugleich mit ben Augen des Künstlers unb Gelehrten sieht, konnte ben ungeahnten Reich­tum antiken Frauenlebens so eindrucksvoll ge­stalten. Mit inniger Liebe versenkt er sich in Seele und Gedankenwelt der Alten und weiß auch die Schattenseiten im leuchtenden Bild seiner Frauengestalten mit köstlicher

Ironie yi zeichnen. So werden sich diese Frauen ber Antike bas Herz jedes echten Bücherfreundes im Fluge erobern. Etwas von der Anmut und süßen Grazie der Griechinnen liegt über diesem Buch, und mit Bewunde- rund und Entzücken vertieft man sich in diese wahrhaft flassischen Frauenschönheiten. Wie anziehend ist das Bild der griechischen Haus­frau, die in ihrer fast kindlichen Unschuld die große Welt nicht kennt, in deren Glanz sich die Dichterinnen und Hetären bewegen. Wie so ganz anders ist die gebildete Römerin, deren Lebens- und Weltauffassung fast movern anmutet. Viel Liebe und Leidenschaft, viel 'Freundschaft und Haß wird in diesen Blät­tern lebendig. Die küble Berechnung der Politikerin, die schützte Einfachheit der jungen Frauen, das Intrigenspiel ber römischen Kai­serinnen, bie Sinnenlust ber Tänzerinnen — die Vielgestaltigkeit ber Frauenfeele hät den Leser bis zum Schluß gefangen. Schicksal und Charakterbild einer Aspasia, Sappho, Kleo- vatra, Fulvia und ihrer namenlosen Schwe­stern. von deren Taten und Dulden uns die Geschichte erzählt, üben auch auf den moder­nen Menschen eine statte Anziehurms'raft aus. Man möchte sie lieben in ihrer Fri'che unb Natürlichkeit unb sich immer wieder in ihr Bild versenken — unb man steht verwundert vor so viel Temperament und Zügellosigkeit, wenn sie uns mit wllden und böfen Augen an­sehen. Der neue Birt wird in seiner fast bibliophilen Ausstattung ein Festgeschenk für jeden Freund ber Antike werden.

** E. Walkow, Nero. Historischer Ro­man. Martin Warneck, Verlag, Berlin W. 9. Seinenbb. RM. 4.30. Das schier Unmög­liche, biefen Komöbianten und Teufel unter den Cäsaren, bet wie ein Eewittersturm über bie Erde dahineilte, uns zu zeichnen — hier ist es geglückt. So unb nicht anders muß Nero gewesen [ein, so bas entnervte Nom, so bas Ringen ber Geister in jenen Tagen des jungen Christentums. Wie anbeis hätte sich Neros Leben abgespielt, wäre er nicht auf ben Platz bet höchsten Macht berufen worben. Ruhig, wie das eines vornehmen Römers, wäre es verlaufen; feinen keineswegs unbe- beutenben Neigungen hätte er sich widmen können. Seine Mutter Agrwpina heiratete ben Kaiser Claubius, den sie burch Gift um­bringen läßt. Nero wirb burch ben Befehls­haber ber Prätorianer Burrus zum Kaklet ausgerufeu. Unter dessen und seines Er-