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*A11 Uhr.

Anzeiger für (das frühere knrheffifche) Oberhessen

Arrzeiger der amtlichen Bekanntmachnngen fSr Stadt und Kreis Marbnrg.

Der Versuch der Wirtschaftsbelebung

Der Reichsstnanzminister über die Mehrbelastung - Hugenberg über Deutschlands Auslandsverschuldung

Der Reichsfinanzminister über Finanzen und Wirtschaft.

Reichsfinanzminister Graf Schwe­rin von Krosigk beschäftigt sich in einem Artikel imHeimatdienst" mit der Entwicklung der öffentlichen Finanzen und den Möglichkeiten einer Entlastung der Wirtschaft. Einleitend gibt der Minister einen lleberblick über die Lage der öffent­lichen Finanzen in den letzten Jahren, die zeige, in welchem Matze die öffentlichen Haushalte konjunkturbedingt seien. Trotz zahlreicher Steuererhöhungen sei das Steueraufkommen immer mehr zurückge­gangen.

Der Gesamtbetrag der öffentlichen Haushalte habe 1929 noch 20,8 Mil­liarden betragen, 1932 nur noch 14,8

Milliarden.

Reich, Länder und Gemeinden seien bei Beginn der Krise ohne jegliche Reserven gewesen. Die einschneidende Drosielung der sächlichen Ausgaben habe der Wirt­schaft Aufträge entzogen und eine weitere Vergrößerung der Arbeitslosigkeit bewirkt. Die Steuererhöhungen entkräfteten die Wirtschaft. Es sei ein verhängnis­voller Kreislauf gewesen, der nie­mals zu einer Gesundung führen konnte.

Beim ersten Anzeichen einer Wirtschasts- belebung, so führt der Minister dann wei­ter aus, konnte und mutzte das Steuer herumgeworfen werden. Wie die öffent­lichen Haushalte durch den Niedergang der Wirtschaft zerrüttet find, so können fie nur durch eine Entlastung der Wirtschaft und die daraus folgende Belebung endgülftg saniert werden. Diese Entlastung ist so­fort möglich, da der Zeitraum überbrückt werden mutz, bis die neubelebte Wirtschaft größere Erträge abwirft und aus diesen Erträgen peniger drückende, aber doch er« tragreichere Steuern liefern kann. Diesem Ziele dienen die Steuergutscheine, die eine vvrweggenommene Steuersen­kung find. Daneben hat die Reichsregie­rung einen äußeren Anstoß für die wirt­schaftliche Belebung durch ein Arbeitsbe- schaffungsprogramm im Ausmaß von % Milliarden gegeben.

Um einen völligen Zusammenbruch weiter Kreise der Wirtschaft zu ver­hüten, war das Reich in den letzten Jahren gezwungen, in einer Reihe von Fällen unmittelbar einzugreifen. Für Stützungszwecke, insbesondere Bankenstützung, wurden etwa für eine Milliarde Reichsschatzanweisun­gen ausgegeben. Bürgschaften wurden für einen Betrag von etwa 2,1 Mil­liarden 'M übernommen.

SBenn, wie zu erwarten ist, eine weitere Verschlechterung der Wirtschaftslage nicht Eintritt, ist das Berluftrifiko aus den Bürg- !>haften verhältnismäßig gering. Die Steuergutscheine belasten die Haushalts­

jahre 1934/38 mit jährlich 300500 Mil­lionen Jt. Aus den Schatzanweisungen werden die Jahre 1933/1938 mit 125 bis 200 Millionen jährlich belastet. Die Vor­ausbelastung der kommenden Jahre ist hiernach jedenfalls weniger als eine MU- liarde M.

Berlin, 21. Dez. Nach dem Bericht der Reichsanstalt für die Kit vom 1. bis 15. Dez. hat die jahreszeitliche Verschlechterung, der bisher die Hebung des industriellen Beschäf­tigungsgrades entgegengewirkt hatte, sich in der ersten Dezemberhälfte starker durchgesetzt. Das Frosiwetter brachte in den meisten Teilen des Reiches die Auhenarbeiteu zum Erliefen. Die Beschäftigung für Aufträge zum Weih- nachissest sand ihr Ende.

Bei den Arbeitsämtern waren am 15. Dez. rund 5 604 000 Arbeitslose gemeldet, d. h. rund 249 000 mehr als Ende November. Mit einer Belastung dieser Größenordnung war zu rechnen. Die Inanspruchnahme der Arbeits­losenversicherung und Krisenfürsorge hat er­wartungsgemäß beträchtlich zugenommen. Die Zahl der Hauptunterftützuirgsempfänger in der Versicherung lag am 15. Dezember nahe an 700 000, sie war damit um rund 60 000 höher als Ende November. Die Zahl der Hauptunterftühungsempfänger in der Krisen- fürsorae stieg um rund 57 000 auf 1188 000. Die Reichsanftalt unterstützt damit zusammen

Der Ausfuhrüberschuß

Berlin, 21. Dez. Dr. Hugenberg gab den Settretern der amerikanischen Presse in Berlin am Mittwoch einen Empfang. Die Zu­sammenkunft diente einer Aussprache über das Problem der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten unter besonderer Berücksichtigung der Schuldenftage.

Dr .Hugenberg verwies in einer Ansprache zunächst auf die von der ftanzöfischen Politik eingeschlagene Taktik. Frankreich habe 14 Jahre lang von der Heiligkeit der Verträge gesprochen, solange es als Gläubiger dem deutschen Schuldner gegcnübergestanden habe. Jetzt nehme es dem amerikanischen Gläubiger gegenüber die entgegengesetzte Haltung ein. wobei seine Zahlungsfähigkeit außer Zweifel stehe, da es über einen ungeheuren Goldschatz verfüge. Deutschland dagegen sei ein Land ohne Gold, verfüge zurzeit aber über einen Ausfuhrüberschuß, der aus dem Handelsver­kehr nicht mit den Vereinigten Staaten, son­dern mit allen Ländern stamme. Er werde zur Bezahlung der deutschen Schulden an die Vereinigten Staaten verwendet, reiche dafür aber nrcht mehr aus. Besonders bemerkens­wert waren bte Zahlen, die Dr. Hugenberg zum Schuldenproblem gab. Danach betrugen die deutschen Außenschulden Ende Februar 1932 etwa 26 Milliarden Mark. Allein aus 21 Milliarden Krediten ergaben sich deutsche Zahlungsverpflichtungen von 1438 Millionen. Zurückgezahlt hat Deutschland von 1930 bis 1932 "etma 8% Milliarden Mark. Weitere Kapitakückzahlungen, so sagte Dr. Hugenberg, seien jetzt ausgeschlofien- Der Abflug dieser gewaltigen Summen habe die deutscke Wirt- schaftskataftrophe herbeigesührt.

Der Minister schließt seinen Artikel, in­dem er der Erwartung Ausdruck gibt, daß eine solche Belebung eintritt, die es er­möglicht, die Vorausbelastungen zu tragen, die jetzt übernommen werden mußten, um überhaupt aus dem verhängnisvollen Kreislauf herauszukommen.

1888 000 Arbeitslose. Aussteuerungen aus der Krisenfürsorge sind im Dezember nicht mehr erfolgt, so daß kaum anzunehmen ist, daß die Zahl der anerkannten Wohlfahrts­erwerbslosen noch nennenswert gestiegen ist.

Bei Notstandsarbeiten waren Ende No­vember etwa 86 000 Arbeitslose beschäftigt; inzwischen dürfte durch den Einfluß der kalten Witterung eine geringe Abnahme erfolgt sein, ebenso bei den Arbeitsdienstwilligen.

18 000 Erwerbslose mehr in Berlin.

ft Berlin, 22. Dez. In der Reichs-- hcruptstadt hat die winterliche Belastung des Arbeitsmarftes in der ersten De- zemberhälste (1.15. Dezember) zugenom­men. Der Zugang der Arbeitsuchenden beträgt in Berlln 17 897; die Gesamtzahl der Arbeitsuchenden erhöht sich auf 646 607. An Anterstützungsbcziehem wurden in der Arbeitslosenunterstützung 75 471 und in der Krisenfürsorge 148 411 gezählt. An Wohlfahrts-Erwerbslosen hat die Reichs- Hauptstadt 244 730 Personen zu betreuen.

UM die Hälfte gesunken

Es fehle in Deutschland vollkommen an Betriebskapital.

Müßten die Zinsen in der bisherigen Höhe weitergezahlt werden, oder würden weitere Rückzahlui^en an Kapital gefordert, so werde Deutschland zusammenbrechen und das Ka­pital werde für Gläubiger und Schuldner verloren sein. Deutschland habe überhohe Zinsen gezahlt. Ihre Weiterzahlung über­steige die deutschen Kräfte.

Geh. Rat Dr. Quaatz führte anschließend u. a. aus, daß den deutschen Schuldverpflich­tungen von etwa 1,7 Milliarden Mark ein Ausfuhrüberschuß von höchstens 1100 Millio­nen gegenüberstehe. Deutschland wäre sehr zu­frieden, wenn es das gleiche Maß von Nach­sicht erfahren würde, das der amerikanische Gläubiger dem ftanzöfischen und englischen Schuldner bereits praktisch bewiesen hatte.

Eine Aeußerung Hugeubergs über die Ver­zinsung der deutschen Auslandsschulden.

Wie aus Kreisen der Berliner Vertreter der angelsächsischen Preffe verlautet, ist bei dem Empfang bei Geheimrat Hugenberg auch die Rede davon gewesen, daß die Zinsen der pri­vaten deutschen Auslandsschulden auf VA Pro­zent heraba-setzt werden müßten. In der Wilhelm raße wird hierzu darauf hin­gewiesen. daß Geheimrat Hugenberg keine amtliche Persönlichkeit ist, daß seine Meinung also auch keineswegs die zustän­digen ^amtlichen Stellen bindet. Wir glauben zu wipen, daß auch keine vorherige Fühlung­nahme mit den amtlichen Stellen stattgefun­den hat. Diese Feststellung ist deshalb not­wendig, weil das Stillhalteabkommen dem­nächst abläuft und erneuert werden muß und es schon deshalb nicht zweckmäßig er­

scheint, irgendwelche Beunruhigung bei den ausländischen Vertragspartnern zu erwecken.

Die englische Presse z« Hugenbergs neuen Vorschlägen.

Die englische Prefie befaßt sich eingehend tnit den neuen Vorschlägen, die Hugen­berg in Anbetracht der Finanzlage Deutschlands gemacht hat.

Daily H e r a l d" erklärt, die Aus­führungen Hugenbergs über die deutsche Finanzlage beweisen, daß die neuerliche optimistische Beurteilung der deutschen Finanzlage in der Londoner City über­trieben sei; Hugenbergs Erklärung, daß Deutschland an einem Kapitel zehre, stän­dig mehr verarme und daß seine Gold- und Devisen-Reserven im Jahre 1933 kaum zur Deckung des Schuldendienstes für die privaten Auslandsschulden genü­gen würden, verdiene Beachtung.

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Die Krieasschul-enrevifion

London, 21. Dez. Die heutige Lon - doner Presfe setzt keine großen Hoffnungen auf die Bemühungen Hoovers, die Kriegsschuldenrevi­sion in Gang zu bringen. Die Andeutung, daß die Schuldnerstaatengreifbare Kom­pensationen" für etwaige Zugeständnifie machen sollen, wird als praktisch undurch­führbar hingestellt.

Der diplomatische Korrespondent des Daily Telegraph" schreibt: In London beginnt man einzusehen, daß die Ein­berufung der Weltwirtschaftskonferenz zwecklos ist, solange nicht zwischen Amerika und zumindest den Hauptschuldnern Amerikas eine endgültige Verein­barung geschloffen ist. Der Korrespondent fügt hinzu, es herrsche einiges Erstaunen über die Ruhe, mit der in den Vereinigten Staaten der Zahlungsverzug Frankreichs betrachtet werde. Von einer Art Bruch zwischen Paris und Washington sei keine Rede. Die französische Deputiertenkammer habe sehr geschickt gehandelt und Amerika zu einer duldsameren und vernünftigeren Haltung veranlaßt.

Montagu Norman bei Poincar^.

fl. London, 22. Dez. Ein Bericht­erstatter desDaily Herald" meldet aus Nizza, daß der Gouverneur der Bank von England Montagu Norman sich zur Zeit in der nächsten Nähe des Landhauses von PoincarS in Hyöres aufhalte. Norman habe PoincarS in den letzten 48 Stunden bereits dreimal besucht.

Roosevelts Standpunkt in der Frage einer Einsetzung einer Schuldenkammission.

ft. Newyork, 22. Dez. In Kreisen, die Roosevelt nahe stehen, wird erklärt, der künftige Präsident sei durch die aus­ländischen Preffeäußerungen in seiner Ueberzeugung verstärkt worden, daß eine Schuldenkommission der Art, wie Präsi­dent Hoover sie vorgeschlagen habe, zur Behandlung der Schuldenfrage unge­eignet wäre, wenn nicht zuvor die amerikanische Politik endgültig festgesetzt worden sei. Roosevelt würde eine Kom­mission berufen, deren Aufgabe lediglich in der Feststellung und Prüfung von Tat­sachen bestände Aber er sei gegen die Er­wartung etwaiger neuer Bedingungen durch eine solche Körperschaft.

Wachsende Arbeitslosigkeit

Zunahme um rund 250000

Wir brauchen Schuldenrevision!