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Blatt 2

Nach Feierabend, Beilage der Obertzesflsche« Zemm,

*. 299

(Nachdruck verboten!)

,Aie Anftrd!« In Cnnoto“

Roman von Emil Droonberg.

Copyright 1930 bh Hesse L Becker Verlag, Leipzig.

Erstes Kapitel.

Der neuen Heimat entgegen.

Heimat! Das Wort gehört der Ver­gangenheit an. In einem Zeitalter, wo die Verkehrsgesellschaften zu Wasser und zu Lande — die Lust nicht zu vergessen — da­für gesorgt haben, daß jeder, der es srch leisten kann, in einem halben Dutzend Län­der sich genau so zu Hause fühlt, wie In dem Orte wo er geboren ist, hat das Wort seine 'Bedeutung verloren. GS gibt keine Fremde mehr und daher auch keine Heimat.

Man wandert auch heute nicht mehr aus. Man reist nach Amerika, nach Canada und nach Brasilien in der Hoffnung, dort bes­sere ^tistenzbedingungen zu finden, aber man tut es nicht mehr mit dem Gefühl, eine Heimat aufzugeben and sich dort eine andere zu suchen. Es ist nicht viel anders, als wenn man nach einem fremden Ort in Deutschland zöge, nur daß die Entfernung etwas größer ist.

Das ist schade. GS war etwas so Schö­nes um die Heimat. Das wußten am besten alle diejenigen, die hinausgegangen waren in die Welt, und die die Erinnerung an die Heimat nie mehr verließ, auch wenn ihnen die Ferne alles gab, was sie erhofft hatten. Die neue Zeit gleicht alles ein­ander an. Sie hat den Chinesen die Zöpfe abgeschnitten und den türkischen Frauen den Schleier genommen; der Rundfunk versorgt uns täglich und stündlich mit Nachrichten aus der ganzen Wett, und der Film führt uns die entlegensten Gegenden im belebten Bilde vor. Wir haben auf­gehört, Heimatbürger zu sein und sind Weltbürger.

Schade!---

Der Dampfer »Köln", Kapitän W. Kord- Lütgert, vom Norddeutschen Lloyd durch­

pflügte die Wetten der Nordsee auf seinem Kurse an der Ostküste von England ent­lang dem Norden Schottlands zu. Er hattte zwei Tage vorher Bremerhaven mit vierundzwanzig Passagieren Mester und dreihundert dritter Klasse — eine erste Klasse war nicht vorhanden — verlassen und befand sich jetzt auf der Reise nach Quebec! und Montreal.

Während den langen Winter hindurch Danada nur durch die Häfen von Halifax und Saint Johns zu erreichen ist. war dies die erste Reife des Schiffes durch den Saint Lawrence-Golf nach den genannten Inlandhäfen.

Es war im Mai, und die Sonne kämpfte sich mühsam durch die grauen Frühnebel. Eine lebhafte Brise strich kalt und fröstelnd über das Wasser, und wer sich an Deck befand, hatte sich in einen warmen Mantel gehüllt.

Die Passagiere standen in Gruppen an der Reliing und schauten nach dem nahen Lande aus, das zu beiden Seiten des Schiffes sichtbar war.

»Das ist Scapa Flow," sagte ein etwa vierzigjähriger Wann in unverkennbar rheinhessischer Mundart zu einigen ande­ren, indem er nach Norden deutete. »Hier liegen unsre deutschen Schiffe auf dem Meeresboden, die Vizeadmiral von Reuter versenft hat."

Der Mann — Karl Presser war fein Name — interessierte sich für alles und liebte es, wie sich am Tage vorher bereits erwiesen hatte, seinen Reisegefährten ge­genüber den Informator zu spielen. So hatte er auch an diesem Morgen schon in aller Frühe alle erlangbaren Auskünfte von den Offizieren eingehott und war glücklich das, was er erfahren hatte nun­mehr wieder an den Mann zu bringen.

Alle blickten hinüber nach den Orkneh- Inseln, vor denen die deutsche Flotte da­mals gelegen hatte, und eine Weile herrschte Schweigen. Jeder matte sich das Bild der deutschen Schiffe aus, die hier

mit wehender Flagge in ihr nasses Grab gesunken waren.

Nachdem die Schiffsangelegenheiten be­sprochen und auch dem Frühstück einige an­erkennende Worte gewidmet worden waren, wandte sich die Unterhaltung mehr den persönlichen Angelegenheiten zu.

»Wollen Sie auch Ihr Glück machen in Eanada?" fragte ein junger, schlanker Mann den Rheinhessen.

Er war ein Sachse aus Leipzig; sein Name war Gerhard Mühlberg. Unter den Passagieren nahm er als einer, der schon vor und während des Krieges in Eanada gewesen war und bei dem man eine gründ­liche Kenntnis aller canadischen Verhält- nisse voraussetzte, eine besondere Stellung ein. Er war Canadier geworden und sechs Monate vorher nut einem canadischen Paß und einer Aufenthaltsbewilligung für sechs Monate besuchsweise nach Deutsch­land gekommen und hatte dabet im stillen die Hoffnung gehegt, daß es ihm möglich sein würde, dott irgendein Handwerk $u erlernen, was in Eanada, wo jeder em halbes Dutzend Handwerke versteht, ohne auch nur eins davon gründlich zu kennen, auf Schwierigkeiten stößt.

Diese Hoffnung hatte sich aber nicht er­füllt. Er hatte wohl eingesehen, daß er dazu Jahre benötigen würde, die er in seinem Aller nicht mehr gut darauf ver­wenden konnte. Auch fand er Deutschland nicht mehr so wieder, wie er es verlassen hatte.

Deshalb hatte er seine Wiedereinbürge­rung in Deutschland nicht erst betrieben, und da man ihm zu verstehen gab, bah seine Aufenthaltsbewilligung auf keinen Fall verlängert werden würde, und auch seine Mittel zu Ende gingen, hatte er sich kurzerhand entschlossen, nach Eanada zu­rückzukehren.

»Hören Sie mal, Herr Mühlberg," ant­wortete Presser jetzt, »ich bin vierzig Jahre all und da glaubt man nicht mehr an das Glück. Ich gehe ohne Illusionen nach Canada, bin aber sicher, daß ich das, was

ich in Deutschland verlassen habe, auf jeden Fall dort wiederfinden werde. Ich war im Kriege, vom Anfang bis zum Ende. Dan» ging ich in das Automobilgeschäft. Das verstehe ich nun gründlich, besonders vom technischen Standpunkt aus. Aber trotz aller Mühe und llnverdrossenhest und trotz aller Sparsamkest gab eS doch kein Vorwärtskmmnen. Jetzt will ich es in Eanada versuchen. Ich habe noch vier­hundert Dollar, denn ich bin nicht so dumm, ohne Geld in ein fremdes Land zu gehen. Das gab es früher einmal, aber heute find die Zeiten anders. — Was den­ken Sie über meine Aussichten?"

»Sprechen Sie englisch?"

»Ich fange an, es zu lernen? entgegnete Presser ein wenig kleinlaut.

»Die richtige Zeit dazu," lachte Mühl­berg. »Ich habe noch keinen einzigen ge­troffen, der srch die Mühe genommen hätte, Englisch vorher zu lernen. — Aber be­ruhigen Sie sich ich konnte e« auch nicht, als ich das erstemal nach Eanada kam. Frei- ttch ich ging zuerst „unter die Deutschen". Irn Westen, auf der Farm. Da kommt dann eins nach dem andern. Sie können das nicht tun. Sie müssen versuchen, in Ihrem Geschäft Arbest zu finden. And da bleiben Sie natürlich am besten im Osten, in Montreal, Soren, o oder Hamilton. Für einen Mann, der sein Fach versteht, gibt es da immer Arbest, und ©ie finden auch in jedem Betriebe einen oder mehrere Deutsche, die Ihnen westerhelfcn. Sie haben viel bessere Aussichten als diese bei­den Herren aus Mörzheim hier."

Die Gruppe um die beiden hemm war inzwischen größer gewordcn. Man hatte sich um Presser und Mühlberg gesammelt, um sich nichts von dem Gespräche entgegen zu lassen aus dem man vielleicht noch etni» aeS über kanadische Verhältnisse erfahren konnte.

Fortsetzung folgt

Sie heutige Ammei mW 11 Seiten

Schach

Jeleitet vom Marburger Schachklub.

Nr. 53(21. Dezember von H. Lies

(1. Preis ISports Referee 1932/1.)

abedefgh

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8

8

6

6

5

5

3

3

2

2,

Weiß zieht und setzt mitt dem zweiten Zuge matt

Weiß: Kb8. Dhl, TaS, gd, LdS, h3, Se6. e7.

Bd7, g6=10.

Sehwarz: Kh8, Dal, TM, d2, Sc3, Ba7, b7,fö, g3=9.

Partie

aus dem Londoner Meisterturnier, Februar 1932. (Könige—) Indische Verteidigung Weiß: Schwarz:

»iß Menchik. Sir G. Thomas.

1. d2-d4 Sg8-f6

2. c2—c4 g7—g6

3. Sbl—c3 Lf8—g7

Dies ist das echte Königsindisch, zum Unter­schied von der Grünfeld-Verteidigung 3. . . do.

4. e2—e4 d7—d6

5. f2—f3 0—0

6. Lei—eS e7—e5

7. Sgl—e2 ....

Dr. Aljechin zog in der 3. Wettpartie gegen Dr. Enwe 7 dö, doch empfiehlt er in seinem neuen Buche den von Miß Menchik gewählten Zug.

7..... b7—b6

8. Ddl—d2 Sb8—c6

9. d4—d5 ....

Alles genau nach den Aljechin’schen Richtli­nien! Die Damen-Weltmeisterin ist in der Theorie vorzüglich beschlagen.

9. . . . . Sc6—e7

Hier möchte man eher an den Rösselsprung Sc6—b8—d7 denken. Der engliche Meister will jedoch das Feld d7 für den Königsspringer offen halten.

10. g2—g4 ....

Der Auftakt zum Königaaagriff.

10. ... . Sf6—d7

11. Tbl—gl ....

Miß Menchik wählte hier eine Art Schnellver­fahren (anstelle des mühsamer durchzuset­zenden 0—0—0 nebst Tdgl) und erzielt damit —unterstützt durch eine kleine Unachtsamkeit des Verteidigers—einen verblüffenden Erfolg.

11-'. . . . a7—aö

12. c—0-0 Sd7-c5

13.Se2-g$ Lcd-d7

14. h2—h4 a5—a4

15. h4—h5 Dd8- b8

Hier würde 15.. . . ., gß—g5 dem Weißen einen Riegel vorschieben. Zu diesem Zwecke hätte aber vorher 14. ..., f7— fi> (statt aö— a4) geschehen müssen.

16. Le3—h6 Db8—a7

17. Lh6Xg7 Kg8Xg7

Stellung nach dem 17. Zuge von Schwarz:

abedefgh

abede f g h

6

5

3

2

18. Sg3-f5+! Se7Xf5

Auch 18......LXf5 würde sich für

Schwarz kaum günstiger gestalten. 18. . . ., gXfö ? aber wäre ein abzählbares Matt zu er­zwingen: 19. gXf5+, Kh8, 20. Dgö usw., bezw. 19......Sg6, 20. f6+, Kh8 (20.

.....KXf6, 21. Dg5-f-, Kg7,22. h6+ usw) 21. Dh6, Tg8. 22. hXgß usw.

19. g4Xfö a4-a3

Der Gegenangriff kommt zu spät, auch ist er an sich nicht sehr wirksam, weil er nur über eine einzige schmale Operationslinie (a8—al) verfügt. Immerhinn muß man noch ein wenig aufpassen. Wenn nämlich jetzt 20. b3 oder M, so 20......8 (X) b3+, 21. aXb3. a2,

22. SXa2, DXa2, 23. DXa2. TXa2, und Weiß hat sich den Sieg zum mindesten erschwert.

20. f5-f6+ Kg7—h8

Oder 20. . . . . . KXf6. 21. Dg5+, Kg7, 22. h6+, wie in der vorletzten Anmerkung.

21. Dd2—h6 a3—b2+

22. Kcl—bl Tf8—g8

23. höXgß f7Xg6

24. Dh6Xh7+ . . .

Eleganter und zugleich präziser als 24. Thl.

24. ... . Kh8Xh7

25. Tgl—hl+ und Schwarz gab auf. (Deutsche Schachblätter 1932.) ---*---

Lösungen und Zuschriften sind an den Mar­burger Schachklub zu richten.

. Weiß muß den Tf6 auf die achte Reihe bringen, um matt setzen zu können. Dafür erscheint der Weg Ti6— f4—c4—c8 am geeig, zu sein. Jedoch hat Schwarz eine sehr ver- steckte Verteidigung. Aut 1. Tfß—f4 folgt Tdl—hl! 2. Ti4—ei, Del—gl-f-. Um dieses lästige Schach zu vermeiden, muß der Turm über 15, wo er zweimal geschlagen werden kann, und cö auf die achte Reihe gelangen 1. Tffi-lö!, Tdl—hl!, 2. Tf5-c5, Del—gl, 3. La4—dl matt.

1...... s6XK, L La4-b3+, DclXnl

S Lto—dömatt

1.....Sg3Xf5, 2. La4-c2+, 3. Lc2—e4

matt.

*

Lösungsturnier.

Die nächste Schachecke erscheint in der Weih­nachtsausgabe unserer Zeitung am kommenden Sonnabend und wird ein Lösungsturnier ent­halten. Die Preisträger erhalten Bucherpreise.

Rüt'el'Scke

Weihnachts-Auszieh-Rätsel.

Aus den 7 Wörtern: Wegehals Segment Leinewand Kattegat Weihrauch Ander­nach Kartenblatt ist je eine Silbe auszu­ziehen, und es sind diese dann aneinander­zureihen. Die Lösung eraibt einen Wunsch des Verlages und der Redaktion für die Leser.

Weihnachts-Kapsel-Rätsel.

In jedem der nachfolgenden 11 Wörter ist je ein anderes Wort verkapselt enthal­ten. Deren Anfangsbuchstaben nennen, miteinander verbunden, einen Teil des Christfestes.

Schaum Echelch Mille Kleie Pinsel Ge­stell Magnesia Gebot Gevatter Knute Be- dignugn.

Problem „Weihnachtsabend-.

Silben-Krenzwort-RätseL

D

N

« X s ♦

irr

a: Bon link« nach recht«: 1. Farbe hn Kartenspiel. 3. Türkischer Vorname. 5. Schweizer Alpengipfel. 6. Chemisches Ele­ment. 8. Markgraf der Ostmark. 10. Nord- amerikanischer Staat. 12. Volksüberliese-

rung. 13. Schlachtort in Oberitalien. 14. Stadt in Italien. 15. Weiblicher Personen­name (Kurzform). 16. Römische Truppen­formation. 17. Römischer Kaiser. 21. Sach­kenntnisse. 23. Weiblicher Personenname. 24. Anderes Wort für Truhe. 25. Astrolog Wallensteins.

b: Von oben nach unten: 1. Weiblicher Personenname. 2. Weiblicher Personen­name. 3. Faultier. 4. Ort bei Valencia. (Spanien). 5. Aufstellung von Maschinen. 7. Anteilmäßige Beitragserhebung. 9. An­gehöriger einer bestimmten Völkergruppe. 10. Menschenrasse. 11. Anderes Wort für Volksgemeinschaft. 12. Salzwerk. 15. Bal­lade von Bürger. 18. Getrocknete Wein­beere. 19. Weibliche Figur des Alten Te­staments. 20. Italienische Hafenstadt. 22. Zeitlicher und räumlich--r Schluß. 23. Fi­gur aus Fritz Reuters „Franzosentid".

Die Diagonale 16 bis 10 nennt den Va­ter des Adjas, 27 bis 11 eine römische Göttin28 bis 16 einen weiblichen Per­sonennamen und 29 bis 30 ein Sternbild

Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer Auflösung der Rätsel in nächster Nummer

Auflösung der Zusammenstell-Ausgabe:

Leinsamen Fronleichnam Weizenmehl Eich­kätzchen Todesfall Mestize.

— Ein froehliches Fest. —

Auflösung des Weihnachts-Anagramms:

Chinese Horst Regie Insel Sparta Tapir Nische Ahne Chlor Hobel Tokio.

— Christnacht. —

Auflösung des Weihnachts-Bersteck-Rötsels:

Fei Rad Ida Elf Deck Ehe Arm Ur Fug Erz Reif Dank Espe Nab.

— Friede auf Erden. —

Auflösung der Scharade:

— Handschlag. —

Auflösung des Bilder-Rätsel«: liefet Sinn liegt oft im kindischen Spiel.

Auflösung des Geographische« Versteck-Rätsels:

— Geduld überwindet alles. —

Auflösung de« Ergänzungs-Rätsels: Rad—Ohr—Dolch—Eimer—Lorgnette—Neun.

— Rodeln. —

Auflösung bw Kren,wort RStsA:

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