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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Hoovers Schuldenbotschaft

Schuldenstreichung abgelehnt Individuelle Regelung in Verbindung mit der Weltwirtschastskonferenz und der Abrüstung

Washington, IS. Dez. In der Kon­grotz-Botschaft Hoovers znr Kriegsschulden­frage befürwortet der Präsident die Schaffung eines amerikanischen Ausschusses znrindividuellen Regelung der Kriegsschnldenfrage in Verbindung mit der Weltwirtschastskonferenz und der Ab­rüstung^.

Die dem Ausschutz angehörenden Persön­lichkeiten sollen später auch als Mitglieder der amerikanischen Abordnung für die W-eltwirtschaftskonferenz nach London gehen. Hoover schlägt vor, die Mitarbeit Roosevelts für diese Zwecke nach­zusuchen. Die Entwicklung der Lage mache jedoch ein eigenes Handeln des Präsidenten vorbehaltlich der nachträglichen Zu­stimmung des Kongreßes erforderlich.

Präsident Hoover lehnt dann erneut die Schul den st reichung ab und emp­fiehlt eine Herabsetzung der Schulden­zahlung gegen Zugeständnisie auf dem Han- delsgebiet. In langen Ansführnngen über die Wirtschaftslage erklärte Hoover, datz »ke Wichtigkeit der Kriegsschuldenfrage gemeßen an dem wirtschaftlichen Wert­problem überschätzt werde. Die Stabili- ierang der fremden Währungen, die He­bung des Preisstandes und des Ver­brauches seien Vorbedingungen für die Wirtschaftsbelebung.

Günstige Aufnahme der Botschaft Hoovers in der englischen Presie.

Die Londoner Morgenpresie begrüßt die neue Botschaft Hoovers, in der sie ein Zeichen dafür erblickt, datz der Präsident die Notwendigkeit zu schnellem Handeln Erkannt habe, auch wenn der Kongreß seine Mitarbett versage.

Daily Herald" bemerkt, endlich gebe es eine Grundlage, auf der minde­stens Erotzbritannien eine Aussprache mit wirklicher Hoffnung auf ein wertvolles Ergebnis beginnen könne.

News ChronicIe" spricht von einem mutigen und dankenswerten Vor­gehen.

.^Daily Telegraph" sagt, Hoover ei völlig geheilt von der Illusion, datz die Vereinigten Staaten wirtschaftlich isoliert bleiben könnten. Im grotzen und ganzen ei die Botschaft ersteulich für England, da sie eine Hoffnung auf eine möglichst günstige Schuldenrevision geschaffen habe.

Französische Kritik an Hoovers Beschlüße«.

Die Botschaft des amerikanischen Präsi­denten Hoover wird von der Pariser Preße, von ganz wenigen Ausnahmen ab­gesehen, kommentarlos, aber in aller Aus­führlichkeit übernommen. Nur der New- Yorker Berichterstatter desPetit Pa­ri s i e n" betont, datz die Maßnahmen, die Hoover vorschlage, in einer sehr unkla­ren Form zum Austnmck gebracht wurden. Der sozialistischeP o p u l a i r e stimmt »er von Hoover aufgestellten These von dem engen Zusammenhang zwischen Ab­rüstung und Schulden restlos pt. Seit wahren hätten die Sozialisten die gleiche Auffassung vertreten, aber man habe ihnen kein E^ör geschentt. Inzwischen ei kostbare Zeit verloren gegangen, die ^rise habe sich verschärft und die Völker eien ruiniert worden. Es sei zu hoffen, «atz die fraitzöfische Regierung zum minde­

sten diesmal den amerikanischen Präsiden­ten anhöre.

Der außenpolitische Berichterstatter des E x c e l s i o r," Marcel Pays wirft dem amerikanischen Staatspräsidenten vor, einen unabhängigen Sachoerständigen- Ausschuß ins Leben rufen zu wollen, ohne daß sich in Amerika eine Regierung be­finde, die in der Lage sei, einen Entschluß zu faßen. Paul Boncour stehe vor der Wahl, entweder die Schuldenverhandlun­gen hinaus zu schieben, oder sich in lang­wierige Verhandlungen einzulaßen, aus

denen er vor der Amtsübernahme Roose­velts im kommenden ajiärg keinen Ausweg finden werde. Das amerikanische Volk wiße sehr wohl, daß Frankreich die Schul­denzahlungen nicht verweigere, es wiße aber auch, daß das französische Volk nicht allein die Kosten des Krieges tragen wolle. Zwischen diesen beiden Tatsachen sei Platz genug für eine ehrliche und zufriedenstel­lende Lösung, wenn in Washington eine Regierung am Ruder sei, die die Fähigkeit habe, die'Verantwortung für die Neurege­lung der Frage zu übernehmen.

Protest Italiens in Belgrad

Neue Kundgebungen in Südslawien

Budapest, 19. Dez. Rach Meldungen aus Belgrad kam es dort am Sonntag zu gro­ben italienfeindlichen Kundgebungen. Die Studenten riefe« vor der italienischen tAe- sandtschaft:Nieder mit Italien, nieder mit Mussolini!" Die Polizei zerstreute die De- monstrauteu.

Es verlautet, datz der italienische Gesandte heute dem Außenminister eine Protestnote überreichen wird. In Belgrader Regierungs­kreisen wird erklärt, datz man die Demonstra­tionen bedauere.

Pertinax schreibt imDaily Telegraph", der Hauptzweck der zurzeit in Belgrad statt­findenden Konferenz der Außenminister der Kleinen Entente sei die Erörterung über die

italienische Politik hinsichtlich Dalmatieus und Mitteleuropas. In amtlichen Pariser Kreisen herrsche große Beunruhigung über verschieden«, Forderungen, die Mussolini nach eintzm beim Quai d'Orsay eingeaangtnen Be­richt im November dem französischen Senator Verenger und anderen führenden Franzosen gegenüber aufgestellt habe. Er habe gewiße Eebietsängerungen in Mitteleuropa gefor­dert, die eine große Kriegsgefahr bedeuten würden. U. a. habe er erklärt, daß Italien als der Nachfolger des österreichisch-ungari­schen Kaiserreiches betrachtet werden müße. Seine Wünsche in Bezug auf den Balkan seien von solcher Art, datz sie nur mit einigen der pangermanischen Pläne der Vorkriegszeit" (!) verglichen werden könnten. Die Zwischenfälle in Dalmatien hätten die Beunruhigung stark erhöht.

Frankreich will verhandeln

Herriots Sturz ein Versehen?

Der Standpunkt des neuen französischen Kabinetts in der Schuldenfrage.

ft Paris, 20. Dez. Das Kabinett Paul Boncour wird auf Grund seiner gestrigen Beratungen in der Schuldenfrage die Entscheidung der Kammer achten und sich auf den Boden der vollendeten Tat­sachen stellen. Es wird jedoch im Rahmen und im Geiste des Kammerbeschlußes Verhandlungen mit Washing­ton aufnehmen, um eine Verständigung zu suchen. Bei der Debatte über die Schuldenfrage ist übrigens offenbar ganz übersehen worden, datz schon in dem Haashalt 1929 480 Millionen Fran­ken für Amerika eingestellt waren. De facto hätte es H e r r i o t also garnicht nö­tig gehabt, sein Parlament um die Er­mächtigung zur Zahlung na^usuchen.

Da» Kabinett Paul-Boncour eie Minder­heits-Kabinett.

Das Kabinett Paul-Poncour ist ein Minderheits-Kabinett das auf das Wohl­wollen der Sozialisten oder des rechten Flü­gels der Mittelparteien angewiesen ist. Die Achillesferse des Kabinetts Paul-Boncour scheint die Finanzfraqe zu sein. Kein radi­kaler Politiker hat sich bereit erklärt, das Finanzministerium zu übernehmen. Es wurde Eheron übertragen, und dieser hat nicht ein­mal einen Budgetminister neben sich geduldet.

Der Budgetausgleich wird in erster Linie darüber entscheiden, ob das Kabinett Paul- Boncvur mehr ist als «u lledergangsmiiriste-

rium. Das neue Ministerium wird unzweifel­haft eine Mehrheit von etwa 350 Stimmen erhalten, wenn es sich kommende Woche dem Parlament vorstellt. Dann wird jedenfalls nach Bewilligung eines Budgetzwölftels eine Pause von 4 Wochen eintreten.

Was für Deutschland am Kabinett Paul- Boncour wichtig ist, ist die Tatsache, datz Paul-Boncour das Auhenministe- r i u m verwaltet. Paul-Bonconr ist für Deutschland kein Unbekannter. Denn er hat mit kurzer Unterbrechung in Genf die franzö­sische Sicherheitsthese verttetea unv immer der natürlichen Entwicklung der Ab- rüstungsfrage im Wege gestanden. Paul-Bon- cour wird seine Haltung genau nach dem von ihm entworfenen Abrüstungsplan einrichten, und es dürste schwer fallen, ihn davon zu überzeugen, daß er In der Srcherheitsfraae sich den universellen Gedanken nähern muß, wenn die Abrüstungskonferenz im neuen Jahr ihre Arbeiten fördern will. Etwas Gutes allerdings ist, daß zum llnterstaatssekretär des Außenministeriums der junge radikale Abgeordnete Pierre Cot ernannt wurde, der in Deutschland nicht unbekannt ist.

Richt unwesentlich für die Abrüstung ist auch, daß D a l a d i e r das Kriegsministerium übernommen hat. Wenn Daladier als Kriegs­minister den Gedanken folgen kann, die er als Abgeordneter wiederholt auch im Plenum der Kammer entwickelte, dann könnte man an­nehmen, daß Paul-Boncour ihm ht der Ab- riistungsfrage vielleicht Zugeständnisie macht. Daladier hat schon vor langer Zett die Not­wendigkeit her Herabsetzung des Kriegs­budgets nachgewiesen.

llm die französische Finanzresorm.

st. Paris, 20. Dez. Nach dem ersten Stabmettsrat, den die neue Regierung am Momtagnachmrttag abgehalten hat, beschäf­

tigte man sich m politischen und parlamenta­rischen Kreisen in erster Linie mit den Maß­nahmen, die Finanzminister CHeron in Ab­änderung des Finanzprogramms ferner Vor­gänger vorzuschlagen beabsichtigt. DieHaupt- schwrerig ketten dieses Finanzprogramms, die in der beabsichtigten Herabsetzung der Beamtengehälter und in einer Kür- jung der Kriegsteilnehmerunterstützung be­stehen, sollen nach Möglichkeit umgangen wer­den. Die Regierung wird zu diesem Zwecke mit den Beamtenoereimgung en und denjeni­gen der ehemaligen Kriegsteilnehmer direkt verhandeln. Als Ausgleich für diese Matz- nähme schreibt man dem neuen Finanzminister die Absicht zu, eine gestaffelte Krisen- steuer einzuführen, die je nach dem Ein­kommen gestaffelt und bis zu 12 vom Hun­dert gehen soll. Es handelt sich dabei um eine einmalige Zwangssteuer, um das Gleich­gewicht im Haushalt wieder herzustellen.

Eine andere Frage, die im Augenblick im Vordergrund des Interesses steht, ist die Vertretung Frankreichs beim Völ­kerbund, die bisher in den Händen Paul- Donrours lag. Man Wjreibt dem neuen Ministerpräsidenten die Absicht zu, den bis­herigen Ministerpräsidenten H e r r i o t zu bitten.,die Interessen Frankreichs sowohl hn Schoße des Völkerbundes als auch auf der Abrüstungskonferenz zu vertreten. Es erscheint jedoch sehr fraglich, ob Herriot dieser An­gebot annimmt.

Roosevelt lehnt Zusammenarbeit mit Hoover ab.

Washington, 19. Dez. Roosevelt lehnte es ab, zu Hoovers Botschaft eine Erklärung abzugeben. In den dem neu- gewählte» Präsidenten nahestehenden Kreisen verlautet jedoch, datz er mit Hoo­ver nicht zusammenarbeiten möchte, da er das Gefühl habe, datz es bei einer so wich­tigen Angelegenheit keine Teilung der Verantwortlichkeit geben sollte.

Hoover will Waffenausfuhr verbieten.

Präsident H o o v e r hat eine Sonderbot­schaft für den Kongreß ausgearbeitet, die ihm in den nächsten Tagen übermittelt wer­den soll. I» der Botschaft ersucht Hoover den Kongreß «m die Ermächtigung, die Waffen- «nd Munitionsaus­fuhr nach Ländern za verbieten, in denen Kriegsgefahr besteht oder Kriegszu­stand herrscht. Die Botschaft richtet sich in erster Linie gegen Bolivien «nd Pa­ragnay.

Die Konferenz der Kleinen Entente

Belgrad, 19. Dez. Die außerordentliche Konferenz der Kleinen Entente wurde heute abend beendet. Die Konferenz war mit fol­genden vier Tagesordnungspunkten einberu- fen worden:

1. Die Abrüstungsstage, 2. Ostieparationen. 3. Fragen der wirtschaftlichen Organisation Mitteleuropas und 4. Stellungnahme zur re­visionistischen Kampagne.

Das amtliche Kommunique behandelt die wirtschaftlichen und politischen Tagesord­nungspunkte zusammen, indem es sagt, die drei Außenminisier seien zu der llcberzeugung gekommen, datz das gemeinschaftliche Interesie eine konsequente Aktion der Staaten der Kleinen Entente in allen politischen und wirt­schaftlichen Fragen erfordere. Es wurde be­schloßen. einen Rat der drei Außenminister, der mindestens dreimal jährlich zusammen­treten soll, als permanentes Organ zu schaffen und weiter ein ständiges Sekretariat der Kleinen Entente.