Eduard Bi
Montag, -enLS.Doz.iSI2
Dir .Obrrhrsstschr 3ei*mg' er- fctxint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatl. i. Marburg 2.20 GM. einschl. Zustellungsgebühr. bei unsren Agentnren 1,93 GM. zuzügl. 3ufknungSgebühr, dnrch bte Post 2.25 ®SR. Mir etwa d«chStreik, Maschinendefektoder elementare Ereignisse ansfa»enbe Nummern wird dein Ersatz geleistet. Verlag, Dr. §. Hihevlh, Druck »er Unib-Bnchdrnekrret Iah. «tig. «och, Markt 21/23. Kernsprecher: Rr. 2054n. Rr. 2055 Postscheckkonto: Amt Arankfnrt a. M. Sir. 5015. — Sprech-»« der Rrdaktion von 10—11 und **1—1 Uhr.
Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.
Frankreichs neue Regierung
Ein umgewandeltes Kabinett Herriot — Donnerstag Regierungserklärung Paul-Boncours — Budgetsragen
Äkertstssssche
Zeitung
UmörWümg
Rr.297 67.Mrg.
Marburg a.8abn
«r- f6t
0.08 -Uh., JamNrnanzetg«, 8*1 Varzahl. 0.07 GM., amti. n. <ntf* vckrtig« An,. 0.10®?®. Sog. IMk ®t,eig«jt nächSpqtaltarif.Grmch- schr!st:§olon^.B»< schwi«ig.ü^ch, sawir bri Plahdorfchrfft SO*/, «tf- schlag. — Samwalanzrigen 106*j, Aufschlag Rrklam.-MIlN«, 0.40 GM. Grnndschrist, Petit. g*er Rabatt gilt als Barrabatt. Ziel 5 Sage. Ssferteu-S«»»»,: 25 Pfg., bei Zustellung der Angebote etnfchl. Porto —.60 ®M. Belege werden berechnet. Erfüllungsort Marbur.-
,gerät, 8
\.L E
ger Xn*
E. Lap«
s. d 7, e
Paris, 18. Dez. Paul Boncovr hat sein Ministerin« am Sonntag abend endgültig gebildet. Er begab sich «m 22.00 Uhr zum Staatspräsidenten, um ihm die Ministerliste zu unterbreiten.
Das neue Kabinett.
Paul Boncour hatte bis zum Abend sein Kabinett vollzählig beisammen. Die Ministerliste lautet folgendermaßen:
Ministerpräsident und Aeutzeres Paul B o n c o u r (parteilos); Vizepräsident und Justiz: Earey (radikal); Inneres: Chautemps (radikal); Krieg: Dala- d i e r (rad.); Marine L e y g u e s (rad. Linke); Luftfahrt: Painlevä (republ. Sozialist); Finanzen: Charon (republ. Union); Unterricht: de Monzie (rad.); Oeffentliche Arbeiten: Bonnet (rad.); Arbeit: D a l i m i e r (rad.); Handel: D u- r a n d (rad.); Ackerbau: Queuille (rad.); Handelsmarine: Meyer (rad.); Kolonien: Albert S a r r a u t (rad.); Post- LaurentEynac (rad. Linke); Oeffentliche Gesundheit: Dani^lou (radikal); Pensionen: Miellet (radikal).
Unterstaatssekretäre:
aus K. 6
3-4 A
Tage,: erven,
itte,
Ministerpräfidentschaft: Frot (Soz), Auswärttges: Pierre Cot (rad.), Inneres: Israel (rad.), Unterricht: Mi stier (rad.), Kolonien: Candace (rad. Linke), Technischer Unterricht: D u c o s (rad.), Ackerbau: Zaubert (rad) Pa- tenotre (rad.), Krieg: Guy la Chambre (Linksunabhängiger), Luftfahrt: Vernier (rad.), Nationale Erziehung: Marcombes (rad.).
Am Donnerstag Regierungserklärung
)ne Tou
d.A) £22) J8) d 23) .13) fb. 13
10)
10.
25)
25.
25)
—■*
cts
ität
& (0.
Paul Boncours.
2)os neue Kabinett Paul Boncour wird sich am kommenden Donnerstag der Kammer vorstellen, wo der neue Ministerpräsident die Regierungserklärung verlesen wird. Anschließend findet eine Aussprache über die allgemeine Politik statt, die mit der Stellung der Vertrauensfrage endet. In politischen und parlamentari- Aen Kreisen rechnet man damit, daß Paul Voncour bei seiner ersten Begegnung mit der Kammer etwa 380 Stimmen von «n 614 auf sich vereinigen wird, die das Haus zählt. Der erste Eindruck, den das neue Kabinett in der Oeffentlichkett macht, M nicht ungünstig. Nachdem in letzter Stunde noch eine Reihe wichttger Aende- rungen in der Zusammensetzung vorgenommen wurden, haben auch die Rechtsblätter sich einer scharfen Kritik enthalten. Vor allem die Besetzung des Finanzministeriums mit Henry Cheron wird allgemein günstig aufgenommen. Auf der Linken findet die Zusammensetzung des Kabinetts um so größere Anerkennnung, als von 29 Ministern und Staatssekretären 19 dem KabinettHerriotan- gehörten.
Beim Verlas feu des Elysses gab er den Pressevertretern folgende Erklärung ab: «otz meiner Bemühungen, Herriot zur Fortsetzung feiner Politik zu veranlassen, ore lurrch die Abstimmung in der Kammer vnberührt geblieben ist, hat der bisherige Ministerpräsident dieses abge* «chnt, mich aber ermutigt, die mir vom Präsidenten der Republik gestellte AUf- gäbe zu erfüllen. Er hat mich seiner toaiboöen Unterstützung versichert. Ich habe mich erst nach verschiedenen Unter» bedungen mit chm dazu entschlossen, die ^ttvendige Fühlung aufzunehmen, ton die Möglichkeiten Mr eine Regierungsbildung
extoägen. Ich hätte gern öte Ge»
dankengänge weiter verfolgt, die ich bisher hatte und die Sozialisten an der Verantwortung an der Regierung beteiligt, um auf diese Weise eine wettgehende Vereinigung der Linken herzustellen, die im Augenblick der internationalen und Haushaltsschwierigkeiten notwendiger denn je ist. Die Sozialisten haben mein Angebot nicht annehmen können, jedoch freundschaftliche Achtung für mich und Sympathie für meine Bemühungen bekundet. Angesichts des Drängens des Staatspräsidenten und in Anbetracht der ermutigenden Entschließungen, die von verschiedenen Kammergruppen gefaßt worden sind, habe ich mich entschlossen, die Regierungsbildung zu übernehmen und so schnell wie möglich ein Kabinett aufzustellen, das in seiner Zusammensetzung wie auch in seinem Programm am wirksamsten der Vereinigung der Linken dient, die von jeher das Ael meines politischen Lebens gewesen ist und die es dem Lande
erlaubt, die augenblicklichen Schwierigkeiten zu überwinden.
Dieses Kabinett findet in parlamentarischen und polittschen Kreisen eine sehr ge- teitte Aufnahme. Niemand verhehlt sich die Schwierigkeiten, denen der neue Ministerpräsident entgegengeht und die diesmal in erster Linie auf innenpolitischem Gebiet liegen. Die Ausführungen, die Paul Boncour am Samstag vor dem Vollzugsausschuß der sozialistischen Frak- tton gemacht hat, können in gewissem ©inne bereits als eine Att Regierungserklärung gewertet werden. Daraus geht deutlich hervor, daß sich sein Kabinett in finanz- und sozialpolitischer Beziehung vor eine schwierige Aufgabe gestellt sieht, da es von vornherein bei den gemäßigten und rechten Gruppen der Kammer auf Oppo- sttion stößt. Das Finanzprogramm Ger- mains-Mattins wird eingehend revidtett werden. Die Gehaltskürzung der Beamten, mit deren Hilfe der bisherige Finanzmini-
Das Ende der-Ausnahmegesetze
Verschärfte Schutzbestimmungen für den Reichspräsidenten
Die Sitzung des Reichskabinetts am Sonnabend dauerte über zwei Stunden. 3m Vordergrund der Beratungen stand die Aufhebung der Notverordnungen gegen den Terror, über die Sondergerichte und die Presse. Diese Verordnungen werden nach der Entschließung des Reichskabinetts p»m größten Teil aufgehoben. Was noch an allgemeiueu Bestimmungen in Kraft bleiben mutz, wird in eine neue Verordnung eingebaut, die in den ersten Tagen der Woche veröffeutticht werden wird.
Gleichzeitig wird man in diese neue Verordnung voraussichtlich auch gewisie Bestimmungen des Republikschutzgesetzes übernehmen, das mtt Ende dieses Jahres abläust. Dabei handel es sich in erster
Linie um die Schutzbestimmungen für den Reichspräsidenten. Die Strafbestimmungen gegen Ausschreitungen dieser Art sollen verschärft werden, da die Würde und Ehre der Nation es verlangen, daß das Reichsoberhaupt unter allen Umständen aus der Gehässigkeit des Tageskampfes herausgenommen wird. Die weiteren Bestimmungen, die aus dem Republikschutzgesetz übernommen werden, gelten dem Schutze der Wehrmacht, der Staatsform und der Reichsfarben.
Schließlich hat sich das Reichskabinett auch noch mit der Winterhilfe beschäfttgt. Die Beratungen hierüber find nach Auskunft unterrichteter Stellen ziemlich weit gediehen. Das Kabinett wird alle Anstrengungen machen, um die Winterhilfe so schnell wie möglich zu verwirklichen.
Französische Verdrehungen
Das Funfmächte-Abkommen ist eindeutig
Berlin, 18.Dez. Bon französischer Seite ist in den letzten Tagen systematisch versucht worden, die Genfer Einigungsformel in einer Weise auszu- >egen, die eine völlige Entwertung des Genfer Abkommens bedeuten würde. Deutscherseits ist bereits vor zwei Tagen darauf hmgewiefen worden, daß die seinerzeit in Genf veröffentlichte und von allen beteiligten Mächte unterzeichnete Einigungsformel
vollkommen klar und eindeutig sei. Die Auslegungsverfuche der Franzosen könnten nichts an der Tatsache ändern, daß die deutsche Gleichberechtigung anerkannt worden sei. Sämtliche Mächte hätten in der Ausschußsitzung die Abmachungen der fünf Mächtebesprechungen gebilligt mit Ausnahme der Polen, die gewisse Vorbehalte gemacht hätten.
Daß der Franzose M a s s i g I i, der Urheber der Havas-Erklärung, sich gegen die in Genf gefundene Emigungsformel
wende, sei verständlich, wenn man bedenke, daß die Einigungsformel dem bis zum Abschluß der Genfer Besprechungen aufrecht erhaltenen französischen Standpunkt nicht mehr entspreche. Das gehe auch aus der Havas-Erklärung selbst hervor, die ausdrücklich bestätige, daß Teil V des Versailler Vertrages durch die neuen Abrüstungsabmachungen ersetzt werden solle. Wenn sich diese Zusage nicht er- fiille, werde natürlich für Deutschland eine völlig neue Lage entstehen.
Der Artikel 53 des Abkommens der vorbereitenden Abrüstungskonferenz hatte bekanntlich die Aufrechterhaltung des Rüstungsstandes der besiegten Mächte nach dem Versailler Vertrag als Voraussetzung für ein Abrüstungsabkommen der übrigen Mächte vorgesehen. Dieser Artikel ist, wie von keiner Seite zu bestrei- ten war und auch nicht bestritten wird, durch die Genfer Einigungssormel endgültig gefallen.
fter das Gleichgewicht des Haushalts tote» derherstellen wollte, soll dem Wunsch der Sozialisten gemäß fallen gelassen werden, ohne daß man sich aber llar darüber ist, tote die notwendigen Ersparnisse erzielt werden können. Auch die sozialisttsche These von der Monopolisierung der Versicherungsgesellschaften ist von Paul Don» cour grundsätzlich angenommen worden. Nur in der Abrüstungsfrage hat sich der ständige Vertreter Frankreichs beim VA» kerbund unnachgiebig gezeigt. Er hat er» Härt, daß die von den Sozialisten ge» wünschte Herabsetzung des Kriegshaushalts auf den Stand von 1928 nicht möglich sei, solange der französische Sicherheitsplan nicht verwirklicht worden sei.
Die Mitarbeiter Paul Boncüurs sind zum größten Teil der Radikalsozialistischen Pattei entnommen worden. Nur einige Ministerien und Anterstaatssekretariate werden mtt Abgeordneten oder Senatoren der Sozialrepublikaner, der Radikalen Anken, der Linksrepublikaner, der Anabhängigen Linken oder der Sozialisten besetzt.
Das Kabinett Paul Boncour in der englischen Oeffentlichkeit.
fk. London, 19. Dez. Die schnelle Lösung der französischen Kabinettskrise wird von der Londoner Presie begrüßt. Die Blätter glauben, daß die Regierung Paul Boncour in der Außenpolitik den Kurs Herriot beibehalten wird, ausgenommen natürlich in der Frage der Schuldenzahlung an Amerika. 3m übrigen wird vielfach angenommen, daß sie nur eine Uebergangsregierung mit einer Lebensdauer von einigen Monaten sein wird, deren Hauptaufgabe in der Ausarbeitung und parlamentarischen Aufwallung des Budgets bestehen werde.
Die Konferenz der Kleinen Entente
Bulla re st, 18. Dez. Der Minister des Aeußern, Titulescu. ist zur Teilnahme an der außerordentlichen Konferenz der Kleinen Entente nach Belgrad gereist.
Den Ergebnissen dieser Konferenz sieht man hier mit größtem Interesse entgegen. Das Programm der Konferenz sieht, wie in hiesigen politischen Kreisen verlautet, u. a. vor, eine Besprechung der von Jugoslawien angeregten besonderen Frage der mitteleuropäischen Politik, ferner Beschlußfassung über eine gemeinsame Stellungnahme zu den Fragen der Abrüstung und der Reparationen und zu der Frage der europäischen Wirtschaftspolitik. Zur letzteren Frage erwartet man eine Ueberprüfung der seiner Zett zur Bildung der Kleinen Wirtjchafts- entente gefaßten Beschlüsse. Zur Ab- rüftungsfrage nimmt man an, daß eine neuerliche Solidaritätskundgebung beschlossen wird. Jedenfalls dürfte die Einigung der fünf Großmächte in der Abrüstungsfrage, die nach der Einberufung der Konferenz der Kleinen Entente erfolgt ist, geeignet sein, den Rahmen der Belgrader Verhandlungen zu erweitern. Wahrscheinlich ist auch, daß die Frage der Beziehungen zur Sowjetunion im Zusammenhang mit der französisch-russischen Annäherung zur Erörterung gelangen wird.