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Sonnabend,

den ir. Ser. ms

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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Paul-Boncour beauftragt

Geringe Aussichten Frankreich und der Fünfmächte-Pakt Wollen die Franzosen doch bezahlen?

ft P aris, 17. Dez. Dem bisherigen Kriegsminister Paul Boncour wurde bei seinem letzten Besuch im Eylsee am Frei­tag spät abends vom Präsidenten der Re- pablik der Auftrag erteilt, die Regierung zu bilden. Er hat sich aber bis Sonnabend eine Antwort Vor­behalten.

Der vierte Tag der Regierungskrise steht also im Zeichen der Bemühungen Paul Boncours um eine Lösung. Noch ehe er angefangen hat, seine parlamentarischen Möglichkeiten zu prüfen, findet er auf der äußersten Rechten bereits eine Ablehnung. DasE*cho de Paris" erklärt z. $., Paul Boncour werde Frankreich kein star­kes dauerhaftes Ministerium geben können und im Parlament wegen seiner Haltung in Genf auf unüberwindliche Schwierig­keiten stoßen. Die dem linken Flügel der Radikal-sozialistischen Partei nahestehende R e p b l i q u e" begrüßt die Beauftra- E Paul Boncours und sieht eine Ber- igung zwischen Herriot und Paul our voraus. Das Blatt hält es für Möglich, daß Paul Boncour, seiner sozia­listischen Herkunft eingedenk, der Sozia- Lstischen Partei eine Regierungsbildung Snbieten werde. Das .Petit Journal" glaubt, daß im Falle eines Mißerfolges Paul Boncours D a l a d i e r oder Senator Steeg am ehesten in Frage kommen, eine Lösung der Krise zu versuchen. Paul Loncour wird am Sonnabend um 9 Uhr mit seinen Verhandlungen beginnen.

Der zuverlässige Partner

Genf, 16. Dez. 5n hiesigen internatio­nalen Kreisen erregt eine Denkschrift der französischen Abrüstnngsabordnnng großes Aufsehen» in der gegen die amtliche deut­sche Auslegung der Funf-MSchte-Berein- iarung vom 12. Dezember Stellung ge­nommen wird. Diese Denkschrift, die ein« irlnen Genfer Stellen vertraulich über­mittelt worden ist, deckt sich inhaltlich fast »ollstSndig mit einer von der hal-bamt- Lchen Havas-Agentur om 15. Dezember veröffentlichten Stellungnahme.

Die Denkschrift sucht im wesentlichen me Fünf-Mächte-Vereinbarung in allen Punkten zu entwerten und betont, daß selbstverständlich im Falle eines Scheiterns «r Abrüstungsverhandlungen der Ver­sailler Vertrag weiter unbe­schränkt in Kraft bleibe, daß ferner die vleichberechtigungsfrage Deutschlands in unlösbarem Zusammenhang mit der Regelung der Sicherheitsfrage gebracht sei die Gleichberechtigung wie auch die Sicherheit keineswegs Ausgangspunkt, son- °?n lediglich eines der Ziele der Ab- uustungskonferenz sei. Teil V des Ver- "iller Vertrages werde nur dann ab- Kändert werden, wenn das künftige Ab- Mungsabkommen von sämtlichen Signa- Astaaten des Versailler Vertrages unter« ivichnet und auch ratifiziert worden sei.

Angst vor Amerika

.Washington, 16. Dez. Zu Beginn pt heutigen Senatssitzung erklärte Sena« Harrison, der eine Rede über Z* französische Zahlungsver Aigerung geplant hatte, datz er vom ^watsdcpartement eine Mitteilung er« ten habe, die es ihm angezeigt erfchei- lasse, die Rede nicht zu halten.

^uch Senator Bora h, der heute eben­

falls über die SAüdenfrage sprechen wollte, nahm von ferner Rede Abstand.

Wie verlautet, hofft das Staats­departement, aufgrund einer Unter­redung zwischen dem französischen Bot­schafter Claudel und Stimson, die gestern stattgesunden hatte, daß Frank­reich doch noch zahlen werde. Aus diesem Grunde will man gegenwärtig scharfe Aeußerungen int Kongreß mög­lichst vermeiden.

Gate und faule Schuldner.

Washington, 16. Dez. Italien, England, Lettland, Litauen, Finnland und die Tschechoslowakei haben die am 15. Dezencker fällige Kriegsschuldenrate bgw. die Zinsen an das Schatzamt der Vereinig­ten Staaten bezahlt, während Frank­reich, Polen, Belgien, Estland und Un­garn die Dezember-Rate nicht bezahlten.

Aufgedeckte Verschwörung

Argentinien kommt nicht zur Rrche

ft Buenos Aires, 17. Dez. Die argentinische Regierung hat am Freitag ht letzter Minute einen revolutionären Um­sturzversuch abgedeckt, der am Freitag $ut Ausführung kommen sollte. Die beiden früheren argentinischen Präsidenten 'Dr. Irigoyen knb Alvarez war» den verhaftet. In einer Borstadt von Buenos Aires explodierte frühzeitig eine Bombe, wodurch der Polizei die Aufdeckung eines großen Bombenlagers mit 1300 Bomben ermöglicht wurde. An­schließend warden zahlreiche Anhänger Jrigoyens verhaftet, darnnter der Oberst Cattano, der als Führer des An­schlages bezeichnet wird. Auch Offiziere

der Polizei und Armee umrden gefangen gesetzt. Die Regierung wird von de« Kon­greß Vollmachten zur Verhängung des Belagerungszustandes »er­langen.

Die Regierung hat einen Aufruf an das Volk verfaßt, worin mitgeteilt wird, daß eine weitverzweigte Verschwörung entdeckt worden sei, die den Zweck verfolgt hat, die Mttglieder der Regierung und hochstehende Persönlichkeiten zu ermorden, öffentliche Gebäude zu zerstören und die Bevölkerung zu beunruhigen. Die Regierung fordert die Bevölkerung zur Ruhe auf. 3m Sitz des radikalen Komitees wurde eine Haus­suchung abgehalten. Die Zeitung der Ra­dikalen wurde verboten, die Verhaftung der Radikalen angeordnet.

Hitler zur Rede v. Schleichers

Eine Ansprache vor der Preußen-Fraktion

Heber die gestrige Frattionssitzung der NSDAP m Preußen wird von der Reichs- pressestelle der NSDAP folgendes Rom« mtmiquc cmsgegeben:Der Führer Adolf Hitler sprach heute vor der m Berlin versammelten preußischen Landtagsftattion der NSDAP über die politische Lage und den weiteren Kampf der nationalsozialistt- schen Bewegung.

Nach der Begrüßung durch den Fraktions­führer Kube, der den einmütigen Willen der preußischen Landtagsftattion kundgab, den Kampf in Preußen im Smne des Füh­rers und seines Wollens für die Nation un­beugsam durchzukämpfen, nahm Adolf Hit­ler das Wort zu richtunggebenden Ausfüh- nmgen für das kommende Kcrmpfjahr. Dem Empfinden der gesamten Nationalfvzmlist»- schen Bewegung Ausdruck gebend, stellle sich der Führer einlettend vor den greisen General Litz mann, dem Sieger von Brcezny, ben der Reichskanzler von Schleicher wegen seiner Mahnung an den Reichspräsidenten in seiner vorgestrigen Rundfunkrede anzugreifen für richtig befunden hat. Adolf Hitler oersichette unter stürmischer Zustimmung General Lttz- mann der Liebe und Verehrung der ganzen nationalsozialistischen Bewegung, mit der der greise General und Alterspräsident zwei« Parlamente in Kameradschaft, Ehre und Treue auf immer verbunden ist.

3n seinen werteren Ausführungen kam der Führer auf die vorgestrigen politischen und wirtschaftlichen Auslassungen des Reichskanz­lers von Schleicher zu sprechen, die man vom Standpunkt nationalsozialistischen Wol­lens und Wirkens für das deutsche Volt nur durch die Frage charatterisieren könne: Ist das aBes? Schleicher offenbarte einzig, sich für lerne hoffentlich nur kurze Notzeit als Kanzler und polttischer Sachwalter zu sehen:

dies scheine erkennen zu lasten, datz er aus dem Schicksal der Vorgänger seiner Regre- rung Lehren gezogen habe. Im übrigen sei es traurig, rückblickend heute feststellen zu müssen, mit welcher Leichtfertigkeit große Teile des deutschen Volkes den trügerischen Hoffnungen des Herrn von Popen auf den Leim gegangen seien. An dem vorgestrigen schwachen und lahmen Erposö des Reichs­kanzlers von Schleicher fer bemerkenswett, daß jetzt, wo Herr von Schleicher als oer- antwvttlicher Kanzler auf der offenen Bühne stehe, von dem Elan,den er hinter der Bühne entfaltet habe, nicht viel mehr übrig geblie­ben sei.

Die Hera Schleicher werde ebenso wie die vorhergehenden eine kurze Episode für die Nation sein.

Auch dieser Kanzler glaube, von den Ideen, die der Nationalsozialismus in drerzehnjähn- gem Kampf populär gemacht habe, leben zu können. In Wirllichkett eigne man sich Be­griffe, deren Inhalt man selbst nicht zu ver­wirklichen, sondern mir zu zerstören imstande sei, lediglich zum Schein an, um das Gedan­kengut der NSDAP durch Mißbrauch zu diskredttieren und seine Verwirklichung dem Volk vorzuenthalten. Gewisse Hoffnungen bestimmter Kreise auf einen Zwiespalt in der NSDAP seien bitter enttäuscht worden. Viel­leicht hätten die Ereignisse der ketzten Tage im Gegenteil gerade das Gitte gehabt, der Wilhelmstratze zu zeigen, und den endgültigen Beweis zu erbringen, daß die NSDAP durch nichts zu erschüttern sei, daß sich bei uns kein Treviranus finde, daß niemand in der Pattei es billiger mache als ihr Führer und daß man die Bewegung so nehmen müsse, wie sie ist. Die Klärung der letzten Tage habe der Wilhelmstraße wohl endgültig die Erkenntnis gebracht, daß auf dem Wege innerer Zer­

spaltung der deutschen FreihestskteMM» nicht beizukommen sei.

In das Iahr 1933 werde die NSDAM die sich m den 12 Wahlkämpfen des vergaß--! genen Iahres wunderbar geschlagenbabe, als- eine kampferprobte und kampfkräftige Armee geschlossen hineinmarschieren. Unser Wollen und unser Weg ist Har. Niemals werden! wir uns von unserem Ziel abbrrngen lassen., Wft haben die deutsche Jugend, wir habenk den größeren Mut, den stärkeren Willen und. die stärkere Fähigkeit, was kann uns da von» Siege noch fehlen!"

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Heute Kabrnettsfftzung

ff. Berlin, 17. Dez. Am heutiges Sonnabend vormittag wird das Reichs« kabinett z» einer Sitzung zusammentreten, »m über die Ausführung der Winter­hilfe, über handelspolitische Fraget über die Aufhebung der Zwangsbe- stimnwngen und der Sondergerichte, sowie über die Fragen zu beraten, die mit dem bevorstehenden Ablauf des Republikschutz- gesetzes im Zusammenhang stehen. U. a. wird dabei auch die Frage einer etwaigen Rückkehr des Kaisers eine Roll­spielen.

Arbeitsbeschaffung und Siedlung

'Berlin, 16. Dez. DerReichsanzei- ger" veröffentlicht eine auf Grund von 2Ir* titel 48 erlassene Verordnung des Reichs­präsidenten über Maßnahmen zur Förde« nmg der Arbeitsbeschaffung und der länb* liehen Siedlung. Danach wird zu ein^ett* lieber und beschleunigter Förderung aller Maßnahmen auf dem Gebiet der ArbeitS« besehaffung ein Reiehskommissar für Ar» beitsbeschaffnng bestellt. Der Reichskom« missar wird vom Reichspräsidenten auf Vorschlag des Reichskanzlers ernannt.

Der Reiehskommissar hat seine Ans» gaben im Benehmen mit den zuständigem Reichsministerien. Der DeichskanKev setzt beim Reiehskommissar einen Ausschuß aus Mitgliedern der Reiehsregierung ein. Der Anschuß ist zuständig zur Beschluß­fassung über 1. die Richtlinien zur Durch­führung der Arbeitsbeschaffung, 2. die Zu- »von Arbeiten, die entweder von ehtlinien erheblich abwerchen oder besonders wichtig sind.

Zur beratenden Mitwirkung an den Aufgaben des Reichskommissars kann ein Beirat gebildet werden.

Der Reichskommissar kann feine Be­fugnisse Reichsbehörden und Dienststellen der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung sowie im Be­nehmen mit der Landesregierung Landes-- und Gemeindebehörden übertragen. Die Reichs-, Landes- und Gemeindebehörden sowie andere Körperschaften des öffent­lichen Rechtes haben ihm jede zur Wahr­nehmung seiner Aufgaben dienliche Ver- waltuirgShilfe Unentgeltlich zu leisten.

Am die Vereinheitlichung der Ausgaben der ländlichen Siedlung sicherzustellen, setzt der Reichskanzler bei dem Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft einen Ausschuß aus Miigliedem der Reichsre­gierung ein, dessen Beschlußfassung der Reichsminister für Ernährung und Land­wirtschaft bei grundsätzlichen Entschei­dungen, insbesondere über die Ausstellung von Richtlinien und über deren Durch-