Sette 8
CbetlxnnflK 3#tnmg. Marburg «. £.. Freitag, dm 16. Dezember 1932
Die Erfolge lm freiwilligen Arbeits-lenft
a. Treys a.. 15. Dez. Im Wege des freiwilligen Arbeitsdienstes konnten in diesem Jahre zwei größere Arbeiten begonnen bzw. fertiggestellt werden, die für die Stadt von großer volkswirtschaftlicher Bedeutung sind, vor allem den jugendlichen Erwerbslosen Gelegenheit gaben, aus dem öden Nichtstun her- auszukommen und sich an werkschaffender Arbeit zu beteiligen. Die Arbeiten betrafen bie Erweiterung des Badebeckens an der Schwalm und die Erschließung des Sand- stein bruchs an der Berlin-Koblen» ;er-Eisenbahn. Zum erstgenannten Werk wurden 20—25 Arbeitsfreiwillige in der Zeit vom 20. Juni bis 30. September herangezogen In 1510 Tagewerken konnte die neue Anlage, die 170 Meter lang ist, am linken Schwalmufer fertig gestellt werden. Sofern die Mittel dafür bereitgestellt werden können, besteht die Absicht, im nächsten Jahre die Erweiterung des Beckens auch auf dem rechten Ufer in Angriff zu nehmen und die ganze Anlage zu vollenden. Die zweite große Arbeit betraf die Erschließung des Stein« bruches am Karthberg. Sie wurde unter Teilnahme von 40—45 Arbeitswilligen in 1827 Tagewerken in der Zeit vom 1. Oktober bis 30. November ausgeführt und unterschied sich wesentlich von der Arbeit am Badebecken. Während hei der Arbeit an der Schwalm meist lachender Sonnenschein herrschte, I wurden die Abraumarbeiten im Steinbruch I durch anhaltende Regenfälle gestört und er- I schwert. Aber nichts konnte die gute Laune
und den Arbeitswillen der jungen Leute erschüttern; trotz Dreck und Schlamm hielten sie wacker aus und zeigten, daß sie mit ganzer Seele bei der Arbeit standen. Für die beiden Maßnahmen sind im ganzen 6051 Mark an die Dienstwilligen zur Auszahlung gekommen, die für die jungen, meist 20jährigen Leute insofern von besonderer Bedeutung waren, als sie zum erstenmale selbstverdientes Geld in die Finger bekamen. Die Entlohnung betrug für den Tag zuerst 2 Mark, mußte aber dann später auf 1,80 M. herabgesetzt werden. Es sei noch besonders hervorgehoben, daß sämtliche Materialkosten von der Stadt Treysa getragen wurden und daß, wie schon oben angedeutet, die Arbeit nicht nur fortgesetzt werden soll, sondern auch noch neue Arbeitsgelegenheiten im Gefolge haben wird. Der Vollständigkeit halber weisen wir noch auf die großen Arbeiten hin. die von der Stadt als Notstandsarbeiten aus« geführt wurden, wobei nicht nur das gewonnene Material an Steinen zur Verwendung kommen konnte, sondern auch einem großen Teil der Erwerbslosen Verdienst gesichert wurde. D as erste große Projekt betraf die außerordentlich umfangreichen Wegebauarbeiten im Stadtwald Harth, das zweite die Verbreiterung der Straße auf dem Wege zur Anstalt Hepbata. Daneben konnten noch andere kleinere Arbeiten ausaeführt werden, die zwar den Etat der Stadtkasse erheblich belasteten, aber für die Allgemeinheit von großem Segen waren.
Aus -er Anwesen-
Kreis Marvura
-o- Kirchhain. 15. Dez. Durch die strenge Kälte der letzten Tage sind alle Flüsse und Gräben mit einer dicken Eisschicht überzogen, sehr zur Freude der sportbegeisterten Jugend, die in großen Scharen die spiegelglatten Eisflächen bevölkert. Leider ist die Freude an vielen Stellen nur von kurzer Dauer. Die hiesigen Bierniederlagen lassen ihre Eiskeller füllen. In viehen hoch beladenen Wagen wird das Eis in die Läger ge- sühren. Eine ganze Anzahl Erwerbsloser haben guten Verdienst und viele Fuhrwerks- besiher eine willkommene Einnahme zu verzeichnen.
-o- Kirchhain, 14. Dez. Auf dem gestrigen Schweinemarkt waren insgesamt 665 Schweine aufgestellt. Wegen des kalten Wetters waren die Käufer in minder starker Zahl erschienen. Der Handel war somit auch recht flau, so daß erheblicher Ueberstand verblieb. Bezahlt wurden für Ferkel bis 6 Wochen alte t??12—18 Mark per Paar. Ferkel über 6 ~ Wochen alt kosteten das Paar 14—20 Mark, und Läufer je nach Qualität bis zu 28 Mark. Es war dies der letzte diesjährige Schweinemarkt. Der nächste Markt findet erst im Januar statt. Am 30. Dezember findet der alljährliche Krammarkt, der sog. Neujahrsmarkt statt.
-o- Wohra, 16. Dez. Die gestern aBenb im Saale von Zulauf abgehaltene Ortsgruppenversammlung der Kreisbauernschaft war von Landwirten aus Langendorf und Wohra gut besucht. Geschäftsführer Reitze sprach über Steuer- und Fachfragen. Eine lebhafte Aussprache schloß sich an.
-o- Albshauken, 15. Dez. Die Straße am Ausgang unseres Dorfes in Richtung Marburg welche vor einigen Jahren mit einer Asphaltdecke versehen wurde, bildet seit einigen Tagen ein starkes Verkehrshindernis. Die Straße welche am Dorf ausgang einen ziemlich steilen Bergrücken überquert, hat sich in eine gefährliche und glatte Eisfläche verwandelt. Nur mit größter Mühe und unter besonderer Vorsicht können die oft schweren Fernlastzüge diese Straße passieren. Der Straßenbauverwaltung wäre zu empfehlen, diese Gefahrenzone mit Rauasphalt zu versehen.
-o- Bracht, 15. Dez. Zwischen Bracht, Schöne Aussicht und Älbshausen sind $ur Zeit im Gebiet der Oberförsterei Bracht etwa 160 Arbeiter mit Holzfällen beschäftigt. Es gilt das für Siedlung angewiesene Gelände abzuholzen. Bei diesen Arbeiten ereignete sich eine ergötzliche Unterbrechung. Ein bei einer Treibjagd verjagtes Wildschwein lief zwischen die Holzhauer-Kolonnen. Man versuchte das Tier lebend zu fangen; gab sich die größte Mühe, dem Schwein aber gelang es nach großer Mühe den nahen Wald wieder zu erreichen. Darob großes Hallo bei den Arbeitern. von denen einer voreilig das Wildschwein schon beim Schwanz hatte, es aber schnell wieder los lassen mußte.
* Unterrosphe, 15. Dez. Am 4. und 5. Juni 1933 (2. und 3. Pfinystfeiertag) findet das Gruppenfest des Wetschaftstal- Sängerbundes, verbunden mit dem 30- jährigen Stiftungsfest des Gesangvereins Unterrosphe, statt. Näheres wird noch im Anzeigenteil bekannt gegeben.
Kränkendere
br Kraukenberg, 15. D«. (Segern ereignete sich auf der Landstraße LöPbaH— Franken«» ein schweres Autounglück. Der in dieuSKHen Angelegenheiten von Löhlbach kommende Gerichtsvollzieher Diettich kam auf der vereisten Sttaße ins Rutschen und fuhr in den Chausseegraben. Dietrich zog sich schwere Verletzungen am Kopf und leichtere am Arm zu.
n Laisa bei Battenberg, 15. Dez. Ein Jagdepisödchen, das einer gewissen Komik nicht entbehrt, trug sich bei einer am Freitag voriger Woche abgehaltenen Saujagd zu. Ein Jagdaufseher von hier hatte bei einem Dickicht Spuren von einer Sau feftgestellt. Rasch ver- ftilndigte er seine Kollegen, die mit einem Auto schnell zur Stelle waren und auch gleich einige Treiber mitgebracht batten. Das Dik- kicht wurde umstellt und die Spur verfolgt. Sobald die Treiber in das dichte Gebüsch ein« drangen, stießen sie auf einen schweren Keilet, der sich die Taktik „Der Angriff ist die beste Verteidigung" zu eigen machte und den erften Treibet glatt umlegte. Während bet Eber nun nach dem zweiten Treiber äugte, gab ihm dieser zwei wuchtige Schläge auf seinen schwarzen Schädel, die ihn aber ttotz der Wucht nicht umlegten. Bei diesem unentschiedenen Kampf zwischen Treibet und ®bet konnte der Schütze seine Kugel nicht anbrin- gen. Der gewitzte Keiler sah doch jetzt sein Heil in der Flucht und verdrückte sich unbemerkt im Dickicht, ohne daß die beiden anderen Schützen etwas davon merften.
Kreis Ziegenhain
a Treysa, 15. Dez. Der Kteislebtervet- ein tagte tm Rosengarten in Ziegenhain. Rach Eröffnung der Verhandlungen durch Hanpt- lehret Faust-Wasenberg gab Schulrat Dowie amtliche Wutteilungen bekannt und empfahl die Sammlung der Hindenbutaspende. Im Mittelpunkt bet Tagesordnung wand der Vortrag des Professors Gtupe-Kassel über das Thema: „Die erziehliche Situation der Gegenwart", in dem betont wurde, daß es heute, wie früher als letztes immer auf die Persönlichkeit ankomme. Kreisschulrat Dowie berichtete danach übet die neuen Richtlinien in den ländlichen Fortbildungsschulen und der Vorsitzende sprach über die gegenwärtige Lage und deren Auswirkungen auf Schule und Lehret stand- Hauptlehrer Kaiser-Oberaula berichtete übet die Tagung des Beamtenkartells Hessen-Nassau - Nord und bann erfolgte zum Schluß die Neuwahl des Gesamtvor- standes durch einstimmige Wiederwahl der bishettgen Vertreter.
a Treysa, 14. Dez. Die Viehzählung am 1. Dezember hatte in unserer Stadt folgendes Ergebnis: 119 (115) Pferde. 1 (2) Esel, 399 (381) Stück Rindvieh, 3 (0) Schafe. 752 (802) Schweine, 354 (335) Ziegen, 306 Kaninchen, 2894 (2917) Stück Federvieh, 70 (102) Bienenstöcke- Die eingeklammter Zahlen sind das Ergebnis des Vorjahres.
a Treysa, 14. Dez. Nach dem Beschluß des Sängertages des Schwalmtal-Sängerbundes soll das nächstjährige Bundesfest am 16. Juli in Altenburg bei Alsfeld gefeiert werden. Mit dem Fest wird ein Wertungs- singen verbunden fein, an dem auch East- veteine teilnehmen können. Die Pflichtchöre wurden schon ausgewählt und der Wertungs- richter, Dbetmufulebrer Samper-Darmstadt, bestimmt.
KrelS Wittnen«eln
Laasphe, 15. Dez. Der gesamten Belegschaft der Ludwigshütte ist zum nächsten Mittwoch gekündigt worden.
Rk. Z35
Kreis StltealMS
trnttWofl durch Anordnung des Regie- rungopräsideuten in den Städten Dillenburg und Herborn.
0 Dillenbu t a, 15. Dez. Der Regierungspräsident zu Wiesbaden hat nrit Geneh. migung des Oberpräsidenten zu ÄaSel die Realsteuern in den Städten DÄlenburg und Herbarn zwangsweise heraus, gesetzt. Für das Rechnungsjahr 1932 werben bannam erhoben in Dillenburg 250 Proz. Grundvermogenssteuer (1931: 200 Proz.). Gewerbesteuer nach dem (Ertrag 450 (400) Proz., Gewerbesteuer nach dem Kapital 900 (800) Proz., Mialbetriebe 540 bzw. 1080 (480 bzw. 960) Proz. Außerdem betragen die Kanalbenutzungsgebühren in 1932 VA (2) Proz. des Gebäudesteucrnutzu ngswertes und 2 für je Kubikmeter Abwässer von besonderer Menge und Beschaffenheit. — In Herborn müssen erhoben werden: Erundvermögenssteuer I 290 Proz., Erundvermögenssteuer TI 260 Proz., Gewerbesteuer 500 Proz. nach dem Ertrag und 1000 Proz. nach dem Kapital, ferner 600 bzw. 1200 Proz. für Filialen. 1931 wurden in Herborn erhoben: Erundvermögenssteuer 250 Prry., Gewerbesteuer 440 bzw. 1000 Proz., für Filialen der gleiche Satz. — Während Dillenburg die Landesdurchschnittssätze noch nicht erreicht hat, hat Herborn jetzt die Landes- durchschnittsfätze aufzubringen.
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MrMMli und RMbwgMle
Oberhksscn und ©fadenbürg als Paton eines Kriegerfriedhvfs.
Gießen, 15. Dez. Wie der Vorsitzende der Gießener Ortsgruppe des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Landgerichtsrat Trümpert-Eießen, gestern abend zu Be- ginn einer Dortragsveranstaltung der Ortsgruppe mitteilte, schweben zur Zeit Ver- Handlungen, die die Uebernahme der Patenschaft über den deutschen Knegerftiebhof in Dun für Meuse auf dem westlichen Kriegsschauplatz durch die Provinzen Obcrhessen und Starkenburg zum Ziele haben. Es handelt sich habet um einen Friedhof, auf dem viele deutsche Krieger aus den Kämpfen um Verdun, insbesondere auch aus hessischen Truppenteilen, zur letzten Ruhe bestattet wurden. Es dürste damst zu rechnen sein, daß die Verhandlungen in absehbarer Zeit zu dem erhofften Ziele führen werden.
En interessanter Fund.
Bad Nauheim, 15. Dez. Der sogenannte Reinigungsbau der Gradierwerke wirb zur Zeit neu bebornt, b. h. mit neuem Schwarzborn versehen. Bei bem Abträgen bes Dornsteins fanb man zwei Vogelnester, von betten bas eine leer war,, währenb sich in bem anberen fünf Eier befanden. Das leere Nest war fast vollständig versteint. Deide Nester dürften ungefähr 20 Jahre alt sein, ba sie vor Beginn ber Erabierprozesses im Jahre 1912 gebaut unb bann von bett Vögeln verlassen würben.
Hausangestellte opfern ihre Ersparnisse einem Heiratsschwindler.
Frankfurt a. M.. 15. Dez. „Es handelt sich um einen tvvichen Ausbeuter junger vertrauensseliger Mädchen", so hieß es in den Hrteilsgrünben, die gegen den Schreinei Camillus Bartholome ergingen, ber seine Betrügereien mit fünf Monaten Gefängnis büßen muß. Drei Zeuginnen berichteten über sein schmachvolles Verhalten. Bei der ersten waren bie Beziehungen nicht sehr ernst gemeint, bie Zeugin hatte das Empfinden,
(Nachdruck verboten.)
.Sie Drei een ter SanMttnte“
Ein heiterer Roman von: R. 6. Utsch. (Copyright by Verlag Alfred Bechthold in Braunschweig).
24. Fortsetzung.
Anfänglich empfanden die drei den Zauber ber romantischen Wilbnis als wohl- tuenb, boch je tiefer bie Nacht sank — je schlimmer die Müdigkeit sie lähmte, — umsomehr brückte sie das fast ängstliche Gefühl ber Unsicherheit und bes planlosen unb zwecklosen Dahinhastens. Sie stolperten über knorrige Aeste, bie wohl ber Blitz ober ber Sturm bett Bäumen entrissen hatte. Sie fielen hin, stauben keuchenb wieber aus, — um im nächsten Augenblick gegen Baumstümpfe anzurennen. Zwischen ben Flüchern bes Wuttke, ber alle Höllengeister zitterte, ertönten schauervoll die Eulenrufe. —
Obwohl sie schon stunbenlang herumgeirrt waren, beschlossen sie nach einer kurzen Beratung, wieder umzukehren. Doch es dämmerte ihnen bald die Erkenntnis auf, daß sie die Richtung vollends verloren hatten. Der Wald nahm kein Ende. Immer das gleiche Bild: Bäume, Gestrüpp. — Debroix, ber ben beiben Mut zusprach, ging vor. Sie bildeten gewissermaßen eine Kette. Molden hielt sich an Debroix und Wuttke als letzter an Molden fest. Wuttke wähnte sich cmsänglich im Vorteil, doch er mußte bald die Wahrnehmung machen, daß sich seine Drückebergerei arg «rchte. Die Zweige der Sträucher, von Debroix zur Sette geschrien, trafen ihn, an Molden vmcheiKeitend, unbarmherzig ins Gesicht. Sie ratzten ihm die Haut auf. Einige BikttsckrrqHsr nmnuu die Wange« herab.
Debroix blieb plötzlich stehen. Er vernahm ein Rauschen in der Nähe und machte die Freunde darauf aufmerksam. Geheimnisvoll hötte es sich an, — wie das Verebben eines Orkans. Doch es war vollkommen windstill.
„Es mutz wohl ein Bach in der Nähe sein," sagte Debroix leise. — Er hielt den Atem an.
„Wir wollen hier liegen bleiben!“ Wuttkes Stimme versagte fast. „Ich kann nicht mehr weiter?"
Doch der Durst, der sie plagte und die Aussicht, Wasier vorzufinden, lieh sie nochmal alle Kräfte zusammensasien. Einen Augenblick später tat sich vor ihnen eine kleine Lichtung auf. In schwarzen Umrissen zeichnete sich der Wald von einer fast runden, flachen Wiesenfläche ab, an deren Rand das Bächlein dahinschäumte. Die Walzbrüder legten sich platt auf den Boden, tauchten Gesicht und Hände in das Wasier und tranken.
Der Morgen brach an. Immer heller wurde es. Zuerst hoben sich die Berge aus dem Dunkel empor. Dann kam der vollständige Triumph des Lichtes über die Nacht. Die Sonne kroch langsam und bedächtig irgendwo hinter einem hochauf- ragenben Berg hervor. Schläfrig sah sie aus, — st« war noch im Morgenkleide. Doch bald wurde sie sich ihrer Pflicht bewuht, und die Strahlen ergosien sich über das Land. Die rntt Tau eingesegnete Erde begann zu dampfen.
Vögel piepsten und zwitscherten in Scharen auf ben Bäumen am Walbrand. Sie flogen von Ast zu Ast unb gestikulierten heftig auf ihre Art, — bie Blicke nicht von ben Gestalten lasienb, bie sich auf der Wiese gelagert hätten.
Plötzlich stob bie ganze Schar entsetzt auseinander. Ein freches Eichhörnchen, bas auf Debroix herumgeklettert war, hatte ihn geweckt.
Er erhob sich halb und warf verschlafene Blicke in die Umgebung . . . Dann richtete er sich ganz auf.
Neben ihm lagen die beiden, — noch in tiefem Schlaf versunken. Die ausgezogenen Röcke hatten sie krampfhaft über Kops unb Schultern gezogen, um sich an dem eigenen Hauch zu erwärmen, — denn es war kühl, fast ka» . . .
Debroix war zuerst sehr mitzstimmig. Es fröstelte ihn, unb eine dumpfe schmerzende Schwere lag in seinem Kopf. Seine Kehle war trocken, und er hatte bas Gefühl, als ob harte Fäben bie Haut seines Gesichts zu- sam'menzögen. Doch ber neue Morgen und die warmen Sonnenstrahlen erheiterten ihn bald. Er ergötzte sich an dem Gesang ber Vögel unb bestaunte die Lebendigkeit des jungen Tages in der idyllischen Mn- samkeit. Seine philosophischen Betrachtungen wurden durch ein Geräusch unterbrochen. Er bemerfte en Reh, das aus dem Walde hervorbrach unb kaum fünf Meter vor ihm stehen blieb. Das Tier bob ben Kopf, warf prüfende Blicke ringsumher und stietz dann eigenartige Laute aus.
Debroix saß unbeweglich da. Er hielt den Atem an und vernahm im Augenblick nur den Schlag seines Herzens. Das Reh hatte ihn erspäht. Sorgsam und forschend ließ es eine Weile das Auge nicht von ihm ab. Hin unb her neigte es ben zierlichen Kopf, — erroägenb, ob Gefahr vorhanben sei. Debroix wollte keineswegs das schöne Tierchen erschrecken und wagte noch nicht einmal, bie Augenliber zu bewegen.
Das Reh schien unschlüssig zu sein. Doch nun wandte es endlich ben Blick von Debrotz ab. Erneut rief es wieder. Ein
kleines Rehkitz sprang luftig unb behenbe in bie Lichtung. Einige Sekunben später kam noch eins. Die Mutter führte ihre Kinber behutsam an ben Bach, — zum Morgentrank. Mit welcher Liebe sie es tat. Jebe ihrer Bewegungen zeigte Hingebung, Aufopferungssreubigkeit, Besorgnis unb grenzenlose Liebe. —
Wuttke wälzte sich stöhnenb von einer Seite auf bie anbere. Mit einigen mächtigen Sprüngen setzte bas Wilb in ben Walb.
„Auf Wuttke! — auf ihr Schläfer!" rief Debroix.
Wie auf Kommanbo rissen die beiden bie Augen auf.
„Mensch, was lärmst bu so?!" knurrte ber Kleine. „Man könnte annehmen, bu wärst einmal ’n überzähliger Korporal je- roefen!“ Er machte ein jämmerliches Gesicht.
Sie brachen gleich auf, beim man mutzte für ein Frühstück sorgen. Unb nun zeigte sich, batz doch Fahrwege, wenn auch in einem scheußlich schlechten Zustande, durch ben Walb führten, bie sie in ber Dunkelheit nicht bemerkt hatten. Ein solcher schlängelte sich einen ziemlich steilen Berg hinan. Auf biefem gingen sie vorwärts unb kamen auf ein Hochplateau talwärts auf bie andere Seite bes Berges.
Sie traten aus dem Walbe heraus. Eine große Ebene lag vor ihnen; Weizen- und Roggenfelber beherrschten bas Lanbschafts- bilb. Goldgelb, sich neigenb durch bie schwerreife Frucht, wogten bie Halme im lauen Morgenwinb, mit Sehnsucht auf bie Schnitter wartenb.
Die Hitze bes grellflammenden Tages verstärkte sich von Minute zu Minute. Durch die flimmernde Luft stiegen Lerchen hinauf dem Lichte entgegen. Ihr Jubilieren war ein Hymnus auf das lachende Leben. (Fortsetzung folgt.)