Nr. 295
vttdKWK 3tttmg, Marburg a. L. Freitag, d« 1«. Deren»« 1K2
Marburger Schwurgericht
Wegen Betrugs und Meineids freigesprochen
sprochen wirb. 2faSfdjtaggefjenS) P 806 Interesse der Sparer und nicht einer Gtt» sMschaft, öfe nttr sehr als PardÄ «ch» tritt ohne Rücksicht auf die Ingresse» der Sparer, aHv der Mttgkeder der Zweck» RxtrBaffcn.
Im großen Saale des Landgerichts begann I gestern eine außerordentliche Schwurgerichtsperiode, die auf zwei Tage berechnet ist. Den Vorsitz führt Landgerichtsrat Vock und als Beisitzer sind die Landgerichtsrate H e n n i g e s und Süße tätig.
Am ersten Berhandlungstage hatte sich der Pferdehändler Hermann Süßkind aus Herborn wegen Betrugs und wissentlichem Meineid zu verantworten. Die Anklage vertritt Asiesior Brinkmann, während die Verteidigung Rechtsanwalt Schaber übernommen hat.
Der Anklage liegt ein sehr verwickelter Pferdehandel zugrunde, der die Marburger Gerichte schon mehrmals beschäftigt hat. Im Frühjahr des Jahres 1930 war der Müller Niederer aus Erdhausen zu dem Pferdehändler Bauer in Gladenbach gekommen, um von diesem ein Pferd zu kaufen. Da der Händler kein Pferd zur Hand hatte, begab man sich mittele Autos zu dem Angeklagten Süßkind in Herborn. Dieser hatte ein Pferd das aber bei einem Landwirt in einem Nachbarorte stand. Der Kauf wurde getätigt, und das Pferd kostete 555 M. Die Bezahlung wurde nun so abgeschlossen, daß bei der Lieferung des Werdes 255 Jl in bar und die Restsumme von 300 Jl mit einem Wechsel bezahlt weiden sollte. Man hatte weiter vereinbart, daß das Pferd in Obereisenhausen gegen Aushändigung der Anzablungssumme abge- holt werden solle. Der Pferdehändler Bauer ließ auch das Pferd durch seinen Knecht holen und der Sohn des Angeklagten übergab diesem auch das Pferd ohne Anzahlung. Der Knecht ließ sich dann gegen eine Quittung von Bauer das Geld vom Käufer geben. Als der Sohn des Angeklagten ohne Geld nach Hause kam, schickte dieser ihn wieder zurück zu dem Käufer, um das Geld zu holen, das aber in- desien Bauer bereits in Empfang genommen hatte- Der Käufer stellte nun auch , den Wechsel aus, und da der Angeklagte diesen bei seiner Bank nicht unterbringen konnte, behielt ihn Bauer, der ihn dann an eine Firma im Rheinland weitergab. Von dieser Stunde ab wird der Handel schr verwickelt. Es haben dann Verhandlungen wegen des Geldes zwischen Pauer und Süßkind stattge- stmden. Bauer händigte dann auch Süßkind einen Scheck über 342 M aus. Eines Tages kam mrn der Angeklagte zu Bauer und teilte ihm mtt, daß er die Angelegenheit mit Niederer selbst regeln wolle nni Bauer solle ihm den Wechsel von 300 Jl herausgeben. Bauer erWrte sich hierzu auch bereit, wenn ihm der Angeklagte einen Verdienst von 100 Jl und außerdem noch 87 Jl herauszahle. Pauer war weiter bereit, den Wechsel zurückzuberufen, sobald der Angeklagte die 187 Jl gebracht habe. Dieser brachte das Geld aber nicht, und im Juni wurde der Wechsel fällig, der dann von dem Müller Niederer in Erdhausen nicht eingelöst und erst nach einer Wechselklage von diestm bezahlt wurde. Die Angeklagte Süß- kind wollte nun aber noch 255 Jl von dem Käufer Niederer haben, die dieser bereits an Bauer bezahtt hatte. Wegen dieser Sache kam es dann zu einer Betrugs klage gegen Bauer, der aber In zweiter Instanz freigesprochen wurde. Bor dem Amtsgericht in Gladenbach hatte Bauer gesagt, daß er und Süßkind den Pferdekauf verrechnet hätten, während der AngeklMte beschworen hatte daß dieses nicht die Fall gew^en sei. Der Betrug wird nun
darin erblickt, daß Süßkind sich das Geld noch einmal vom Müller Niederer hat geben lassen, ttotzdem dieser bereits bezahlt hat.
Bei der Vernehmung gibt der Angeklagte an, daß er keinen Betrug begangen habe. Er habe das Pferd Niederer verkauft und er habe auch das Geld von diesem zu fordern gehabt. Von einer Abrechnung wisse er nichts. Es sei wohl einmal darüber gesprochen worden. Vor dem Gericht habe er die Wahrheit gesagt.
Es werden dann eine ganz« Reihe Zeugen vernommen, die aber zum größten Teil über den Handel selbst nichts wissen und nur über den Leumund der beiden Parteien Auskunft geben sollen. Die Zeugenaussagen ergaben, daß es ein sehr verwickelter Pferdehandel war. Ein Eingehen auf alle diese Bekundungen würde zu weit führen.
Der Vertreter der Anklage hielt den Angeklagten der ihm zur Last gelegten Straft taten schuldig und ging im einzelnen nod) einmal ausführlich auf den Handel ein. Er bitte, dem Angeklagten die mildernden Umstände zu versagen, denn Meineid sei ein verwerfliches Verbrechen und eine erhebliche Strafe sei hier am Platze. Wenn ein Gericht
sich nicht mehr auf die Zeugen verlaßen könne, dann sei es auch dem Richter nicht möglich, Recht zu sprechen. Für den Meineid beantrage er eine Zuchthausstrafe von 1 Jahr und 4 Monaten und für den Betrug 6 Monate Gefängnis, die er in 4 Monate Zuchthaus umzuwandeln bitte. Beide Strafen ~ seien dann zu einer Gesamtstrafe von VA Jahren Zuchthaus zusammenzuziehen. Er bitte weiter um Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte und Erlassung eines Haftbefehls.
Der Verteidiger trat für Freisprechung des Angeklagten ein. Die Verhandlung habe auf keinen Fall dessen Schuld ergeben.
Nach 2^stündiger Beratung verkündet gegen 21 Uhr das Gericht folgendes Urteil: Der Angeklagte wird freigesprochen und die Ko st en fallen der Staatskasse zur Last. Das Gericht hat sich nicht davon überzeugen können, daß der AngeNagte einen Bettug begangen habe. Wenn aber diese Straftat falle, dann falle auch die Anttage wegen Meineids, denn diese stehe in engem Zusammenhang mit dem Bettug. ~-n'
für ZweWarkMn
In der Zeit der Wirtschaftskrise entstanden eine Reihe von Zwecksparkassen, die nach ihren Angaben sich die besondere Aufgabe gestellt haben, der Kreditnot abzuhelfen, die dadurch entstand, daß Spar- kaffen, Banken, Versicherungsunternehmen, RealkrMttnstitute gezwungen waren, die Kreditgewähmmg stark einzttschränken. Zn bestttnttrten Farmen der Statuten wnd De- lÄngtorgen find Vie Zwecksparka sien den Bauspmkassen wesenSverwcmdt; sie ver- Linven die Ausgabe von niedrig verMS-- lichen Darlehen, wollen aber — daher der 2krme Sparkaffe — im Gegeifiatz M den Bausparkassen durch Einzahlungen Mm Spareinlagen der Mitglieder die Summen ansannneLn, welche zu irgend einer Zeit nach einem bestimmten Schlüssel wieder üls Darlehen verteilst werden. Zn Wirtschafts» krÄsen, besonders auch in den Kreißen des Mittelstandes, würde man den Zweckspar- kaffen dann unbebenWch gegcnübergetreten sein, wenn sie in der Krise wirWch vor» hcmvene Lucke im Kreditwesen ausfÄNen. Mer da haben sich so viele drrnSe Echat- ten eingestellt, wurde eine nicht in Wer er» klägliche Prichaganda entfaltet, so daß fich nicht nwr von feiten der wirklichen Spar- kass-en und anderer KrediMMtwe Wssder- stände geltend machten, sondern auch ans den RZHeu der Mitglieder der Zweck- sparkasien, die betrüchSiche GdlzaylMgen leisteten, aber nur selten das versprochene Darlehen erhielten. In WirffchastÄreisen Urtb innerhalb der Regierung steht man um deswillen den Zwecksparkafsen sehr ttstisch gegenüber, well die durch sie gezeitigten Grschchamgen nur M sehr das Vertrauen
zu den eigentlichen Sparinstituten beein» wächtigten und andererseits den Sparwillen als solchen schädigten.
Es besteht zwar eine Fachorgant- sativn der Zwecksparkasfen, nämlich der Zentralverband der deutschen Zwecksparkassen, der aber Nicht die ausschlaggebende Rolle spielt, weil ihm von den zur Zeck in Deutschland bestehenden rund 200 Zwecksparkassen mir knapp 10 Prozent ange- hftren. Dieser Zentralverband hat nwr selbst eine Eingabe an die Reichsregie- rung gerichtet, ton gesetzliche Eingriffe gegen die Mißstände auf dem Gebiet des Zwecksparwesens Au fordern. Gr schlägt vor daß die Gründttng neuer Zwecksparkassen grundsätzlich erlaubt sein soll, daß aber die Er- lawbni's verweigert werden soll, wenn die finanziellen Grundlagen^ nicht vorhanden sind oder die Leiter Nicht die nöüge Sachkenntnis und Zuverlässigkeit besitzen. Alle Zwecksparwnternchmen sollen nur dr Form von Mtiengesellffchas» ten, Kvmmandttgesellschaften aus Aktien, Gesellschaften mit beschränkter Haftung, oder Eingetragenen Genossenschaften be» tric&en werden. Das wird mrmögSch fein. Denn wir haben es bei den Bauspackassen erlebt, daß gerade die Prüfungen ungemein schwierige Revisionen erforderlich machen, fv daß fich in der Ztoischenzeü die Mißstände röcht beheben lassen, sondern anhalten. Darum glaubt man, daß die Reichs- regierung vor der endgWigen gesetzlichen Regeidmg ein Gründungsverbot erläßt und daß im Gesetzentwurf dann das vöGige Abstoppen der ZwecksparbekvegWy <MSge-
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Prof. Dr. llhienhnkh, Freiburg, erhtett in Anerkennung seiner Arbeiten über Jmnurnitätsforschung und The- motherapie die Goldene Medaille der Pant-EhrLch-brstnng verliehen.
Es ist ganz probtemwse Musik, die Dittersdorf in dieser zweiakttyen komischen Oper, in der man fast ein Supplement zu Goethes «Hermann anb Dorothea^ zu sehen vermeint, uns barbietet Grazile Zierlichkeit, liebenswürdige Anmut und beschauliche Dehäbigkett
während
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Bon den Tollsten stellten Georg D und Hintz-F ab rieins ht den ti Rollen ihre besondere Mgmmg Kr Partien erneut unter Beweis,
Barth als Mutter Claudia, sehr Srprizros Hedi Brozewski als Rosalie, im Stimmlichen zu ungleich Senta Zöbisch. Bon Felix Oberhoffers nmfikatsicher Ler- tung ging diesmal mcht bas Fluidum aus,
stnd die Hauptmerkmale der Kunst dieses Wiener Komponisten, der auf deutschen Opernbühnen nahezu vergessen ist — sehr zu Anrecht, denn der gemüttolle Humor und die iaivitüt dieses Werkes sollten eiczenttuh im Kurs stehen als alle artistischen einer zeitgenössischen sogen.
Sachlichkeit'.
Die Neueinsttchiermlg im Staatstheater traf unter Dr. Haus Schröders R«re vortrefflich die Atmosphäre kleinbürgerlicher Bchagftchwit. Heinz Helmdachs Bühnenbilder waren geßhmackvoll und in ihrer Far- bigkett W wirksam, wen» «uh das Apo-
Duu diesfähriye Weihnachtsmärchen ^ßetercheus Roadfahrt".
Wie der Seine Peter mit seiner Schwester Anneliese und einem Maikäfer auf den Mondberg fliegt, das hat I. von Bassewitz zu einem ortzückeiü>en Weihnachtsmärchenspiel in 7 Bildern zusammengereimt. Und wie Ernst
Wendt «Bunde mit Heinz Helmdach dieser wunderbaren Reffe nach drin Mond auf der Bühne Form und Gestatt geben, davon können die Kleinen und Kleinsten reicht genug erzählen, die bei der Neueinstudierung im Staatstheater Parkett und Ränge bis in den letzten Winkel hinein füllten. Es ist unmöglich, alle Mitwirkenden, unter denen sich viele Kaffeier Kinder befanden, nanwntlich aufzuführen — bescheiden wir uns bei der Feststellung, daß dieses, Weibnachtsspiel hervorragend geeignet ist,' echte Weitznachtsvorfreude in die Herzen der kleinen Besucher zu senken.
Ft.
X Zum ordsrwchen Professor der Physiologie an der Berliner Tierärztlichen Hochschule ist Dr. med. vet. Wilhelm Krzy- wanek, bisher a. o. Professor au der Universität Leipzig ernannt worden.
X 7 5. Geburtstag. Geheimrat. Dipl- 2ng. Erich von Boehmer, früher langjähriges Mitglied des Reichspatentamtes rwll- endet am 15. Dezember das 75. Lebensjahr.
X In München «der Kunsthistoriker und Mater, Prof. Franz W o l t e r im 67. L^ens- jahre g^orben. Der Verstorben« war Präsident des Münchener Attertumsvereins.
X In Pasel verschied am 12. Dezember der außerordentliche Professor für Physik an der dortigen Äniversttät Dr. Henri B e r l l o n im 68. Lebensjahre.
X In 6t ©allen starb der Kunsthistoriker, Sttftsbibliothekar. Prälat Dr. phil. Adolf Fäh im 73. Lebensjahre.
OUvywyuv
für unsere
am Sonnabend, den 17. Dezember, bitten wir bis spätestens Freitag nadTcraffag bei uns aufzugeben
Merkt Nr. 21 -23-2A Fernruf 2O5-4U. 2056
* Wei hnachtspakete. Die Post hat umfassende Borkehrttngen Mr 86c schnelle uni) pünMiche ZufShrttng der Weihnachtssendungen an die Empfänger getroffen. Rach Möglichkeit werdendre Pakete auch außerhalb der Schaltersürnden ohne Ginlieferungsgebühr angenommen; unter Vermehrwng der Detriebsmtttel und ZlistellttngSkräfte werden sie mit gewohnter Pünktlichkeit MgesteM. Bei rechstzeistiger Auflieierürrg werden die Pakete stets Mr gewünschten Zeit den Empfänger erreichen. Wenn man verhindert ist, di« Pakete beim Postamt einMie^rw gebe man sie dem PaketMstellanH mit 1’ an
geführt wird, die Schilder mit der Arkf» schrift „Annahme von Paketen "tragen. Die AbhMmg der Pakete, für die eine Gebühr von 20 Pfg. M entrichten ist, kann auch durch Fernsprecher oder schriftlich beim Postamt bestellt weiden. Postkarten oder einfache Zettel genügen hierfür; sie können unfrankiett in die Briefkasten gelegt oder den Zustellern mitgegeben werden.
» WeihnachtS- und Rettjahrs- kartem Gedruckte einfache Wtzihnachts- und Reujahrskarten, die in Gröhe, Form und Papierstärke den Bestimmttngen für Postkarten entsprechen und ohne Umschlag versandt werden, unterliegen einer ermäßigten Gebühr. In diesen Karten dürfen außer den Absenderangaben (Abfendttngs» tag Dame, «Stand und Wohnort nebst Wohnung deS Absenders) noch weitere fünf Wörter, die mtt dem gedruckten Wortlaut im Zusammenhang stehen müssen, handschriftlich hinzugefügt werden. MS solche Mässigen Rachtragungen gelten z. B. Sie Michen Zusätze sendet", ^Zhre", „Dein Freund", «sendet Dir", „sendet mit besten GrüßenZhre" usw. Die Gebühr beträgt sowohl im Ortsbereich des Aufgabeorts als auch im innerdeutschen Fernverkehr sowie im Verkehr mit der Freien Stadt Danzig, Litauen und Memelgediet, Luxemburg und Oesterreich für einfache Karten (cchne Amschlag versandt) 3 Pfg^ für Karten in offenem Amschlag bis 20 Gramm 4 Pfg.
Wetterteehadrtnngen 15.16. Dez.
Höchste Temveratur aml5. Dezemb. 1,7 Celsius
Niedrigste Temveraturletzte Nacht -2.0 Celsius
Zett
Barometerft. reduziert auf N. N.
Temperatur
Relative
Luft- feuchtig-
15.12. 2 llbr nachm.
782.6 mm
1.7 Teil.
721.
15.12. 9 Ubr
773.0 mm
0.5 Teli.
911.
nachm.
861.
16.12.7 Ubr
775,3 mm
0.8Teli.
norm
PHOTO-BÜHLER - BRILLEN-BÖHLER
Wettergaff« 30 Bahnhofstr. S
Marburg/Lahu
Fernruf 2248 *
Wetterbericht.
Wüterungsaussichten für Sonnabend: Wolkig bis beiter, noch meist trocken, Temperaturen weiter ansteigend.
Schwarzwald: Feldberg: 2 Grad, 10 Zentimeter, durchbrochen, Ski imb Rodel steft lneweise. — Thüringer Wald: Oberhof: 2 Grad, 8 Zentimeter, gekörnt; mal Rodckl.
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