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Anzeiger für (das frühere kurheffischc) Oberheffen

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Marburg a.8nbn

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Am Tiefpunkt der Wirtschaftskrise?

Optimistische Reden vor dem Reichsverband der Deutschen Industrie Die Pläne der Reichsregierung

Die Deflation liegt hinter uns

Feuerwehren angerückt waren, stand das

Lühnenhans in Hellen Fla M*" Erperrmente

Auch Polen in Zahlungsverzug geraten.

Theaterbrand in Worms

Worms, 15. Dez. Von einem schweren Lrandunglück wurde am Mittwoch abend das Wormser Städtische Spiel- und Fest­haus betroffen. Gegen 9.30 Uhr ertönte Erohfeuer-Alarm, und noch ehe die

rUhigmrg zu «leben.

Die zweite Ursache liegt bann, daß die An­zeichen für eine wirtschaftliche Belebung tn der Welt, die wir seit Mitte des Sonrmers zu verzeichnen haben, zu weitgehen­den Hoffnungen hinsichtlich des Tempos der Ueberwmdung der Krise ausgelöst haben.

fl. Paris, 15. Dez. Man hat die Hoff­nung aufgegeben, datz Herriot die Ka- binettsbildnng übernehmen wird, da feine schon vor dem Stnrz geänderte Weigerung, eine seiner inneren Ueberzeugung ent­gegengesetzte Politik in der Schuldenfrage zu machen, unwiderruflich scheint. Nach Auffassung politischer und parlamentari­scher Kreise wird der Staatspräsident im Lanfe des heutigen Donnerstags zunächst versuchen, den scheidenden Ministerpräsi­denten von feinem Entschluß abzubringen. Da ihm dies aber nicht gelingen dürste, nimmt man allgemein an, datz der bis­herige Kriegsminister Paul Boncour schliehlich mtt der Neubildung beauftragt werden wird. Die Gründe hierfür liegen darin, datz nach Ansicht aller Kreife «ine Konzentration im Augenblick noch nicht lebensfähig ist, and dah D a l a d i e r nicht als die geeignete Persönlichkeit erscheint, ein Kabinett aufzustellen, das auch auf die

M e n. Der Brand war im Requisitenhaus ausgebrochen und fratz sich bis zum Dach­stuhl empor, der krachend bald darauf ein« stürzte. Die Feuerwehr bekämpfte das rasende Element von allen vier Seiten und auch vom Zuschauerraum aus, der durch das Wasier stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Gegen 11.30 Uhr nachts konnte die Gefahr als endgültig beseitigt betrachtet werden. Während das Bühnenhans vollkommen ausgebrannt ist, blieb der grotze Theatersaal vom eigentlichen Feuerscha­den bewahrt. Als Brandursache wird Brand st iftuug vermutet. Es amrde sestgesteM, datz in den Abendstunden ein Einbruch verübt worden war. Die Diebe hatten es auf die Gelder abgesehen, die aus dem Kartenverkauf eingegangen waren. Sie fanden aber nichts vor, un- allem Anschein nach haben sie entweder aus Zorn hierüber absichtlich den Brand angelegt, oder aber ist er durch ein« weg- geworfene Zigarette ausgebrochen.

Kabinett Paul Boncour?

Um die Nachfolge Herriots

neu darf. Auch der Vorsitzende des Finanz- avsschusfes des Senats, Caillaux, wird als Kandidat für den Ministerpräsidenten- posten genannt und man betont, datz der Senator die grötzten Aussichten hätte, ein kebensfähiges Kabinett aufzustellen. Caillaux scheint aber wenig geneigt, schon jetzt seinen Platz im Finanzausschutz aufzu­geben. Als weiterer aussichtsreicher Kan­didat gilt nach wie vor der bisherige Innenminister Chautemps. Doch nimmt Paul Boncour den ersten Platz in der Rangliste der Kandidaten ein.

4. Septembers hat drei HauptteSe:

1.. die Zuführung von < scheinen an die Wirtschaft ridjthmg,

Falsche Methoden!

Es besteht Veranlassung, eine ernste War­nung vor gewissen Regierungspropaganda- methoden auszusprechen. Die Unbekümmert­heit, mit der in den letzten Dionaten die wich­tigsten innen- und außenpolitischen Probleme betrachtet, behandelt und durch die verschie­denen Propagandakanäle der Reichsregierung einer größeren Oeffentlichkeit s«bma«khast ge­macht wurden, darf m'cht fortgesetzt werden, wenn nicht letzten Endes eine große allge­meine Enttäuschung übrig bleiben soll.

Man hat in den letzten beiden Wochen vielfach den Eindruck erhalten, als wenn durch

2. die Beschä fligungsprackli en und

3. eine Arbeitsbeschaffung mHöhe von etwas mehr als dreiviertel Milliarden 9U6.

An diesen drei Maßnahmen wird die neue Reichsregierung festhalten. Bei allem aber steht die Realisierung zum größten Teil noch bevor. Die Arbeitsbeschaffung bebarf natur­gemäß eines gewissen Änlaufzeitraums. Bei einem Gesamtüberblick wirb man daher eme pessimistische Beurteilung des Wirtschastspro- gramms als voreilig bezeichnen müssen. Es erscheint mir an der Zeit, in die Erinnerung zurückzurufen, daß man vielfach, und zwar

Berlin, 14. Dez. Die heutige Haupt- ausschußsitzung des Reichsverbandes der Deutschen Industrie wurde durch eine programmatische Ansprache des Vor­sitzenden

Dr. Krupp mm Bohlen and Scklbach eröffnet. Der Redner gab einen Rückblick auf das verflossene Jahr, das auf internationa­lem Gebiet, vor allen Dingen den endgültigen Schlußstrich unter die unselige Repa- ratrvnsfrag« gesetzt habe.

Günstige Anzeichen auf dem Geld- und Rohstoffmarkt lassen die Hoffnung zu, datz der Tiefpuntt der Krise überww»-

Dr. Krupp von Bohlen und Halbach schloß seine Ausführungen mit dem Bekenntnis, daß er die Grundbedingungen für eine Besserung der wirtschaftlichen Lage heute durchaus m günstigerem Lichte sehe, als vor einem Jahre.

Reichswrttschaftsmmist« Dr. WarmboN»:

Die Tatsache, daß die strmmungsmäßiae Beurteilung der Sage vielfach ungünstiger ist, als es die Wiftschaftsziffern zulassen, hat, soweit ich sehe, zwei Ursachen: Einmal die allgemeinen politischen Momente. Hierzu sek gesagt, daß wir nach bei beklagenswerten Beunruhigung durch die polftischen Vorgänge der letzten Zett hoffen dürfen.

Es wäre verhängnisv»ll, wenn der Einsatz «Mer produktiven Kräfte der Wirt­schaft durch parteipolitische Um­stände zunichte gemacht werden würde. Die Regierung Schleicher möge die Grund­linien des Programms Popen wahren und vor allen Dingen kredit- und währuMspo- Hitische Erperrmente verhindern. Es müsse ckrn Strich gezogen werden vor allem unter das böse Kapitel derSubventionswirtschaft".

mtt einem gewissen Recht das WfttschVftS- Programm als ,

' einen Ernsahresplan

bezeichnet hat. Man soll sich dessen beumN bleiben, daß von diesem Jahr praktisch erst 2Ve Monate, also noch nicht einmal «in Viefteljahr, verstrichen ist.

Der Minister gab sodann ziffernmäßige Be­lege für die gegenwärtige wirtschaftspolitische Lage und sagte u. a.: Auch die nüchternste Betrachtung dieser Ziffern kann nicht leug­nen, daß hier eine Wendung eingetreten ist. Es gilt für uns, diese Bewegung zu verstär­ken. Das bisherige Arbeitsbeschaffungspro-

(Fortsetzung auf Seite 2)

Nische Botschaft hat eine Erklärung ver­öffentlicht, in der das Bedauern darüber ausgedrückt wird, datz in der Frage der polnischen Schuldenzahlung an Amerika eine für beide Regierungen befriedigende Regelung nicht erreicht worden sei. Aus dieser Erklärung wird der Schlutz gezogen, datz Polen offiziell in Verzug geraten sei.

die Regierungsoeränderung doch lehr deut­lich «haratterisierte Schwenkung der politischen Taktir"noch nicht bis in alle Amtsstuben hin­ein Mannt geworden ist. Offenbar hat man hie und da auch das nötige Aufräumen oer- sesten. Wie anders wäre es erllärlich, wenn gewiße Propagandastellen der Reichsregie­rung, die in der Reichskanzlei, wie auch in der Reichspressestelle ihre Vertreter haben, die öffentliche Meinung genau sobearbei­ten", als wenn mittlerweile regierungspoli- üsch gar nichts sich geändert hätte!

So hat sich gerade hinsichtllch der Beurftr- umg der Genfer Vereinbarungen und ihrer Ausdeutung durch den Propaganda- nvvarat der Reichsregierung die Frage auf« gedrängt, ob die Reickzsregierung bei diesen Methoden wirklich richtig beraten ist. Man glaubte besonders fing zu sein, wenn man nun plötzlich, in rosigstem Optimismus macht, und fian sah dabei gar rridjt daß nun auch mit einem Schlage sämfliche Trümpfe ausgespielt wurden.

In welche Stellung sollen wir geraten, wenn die praktischen Auswirkungen der setzt rem theoretischen Genfer Vereinbarungen kommen und uns dann an Hand der regie- knngspro'mgandisffschen Urteile ovrgehalten gerben kann, wie befriedigt wir von dem Genfer Schriftstück waren, so daß für die

Prakflzierm« unserer Forderungen gar keine Wünsche mehr bleiben.

Es ist eme geradezu gefährliche- Tftffrk, die da eingeschlagen worden ist, und die auch mtt den tatsächlichen Verhältnissen bfreft in Wi­derspruch steht. Wir zitieren nur zwei Zei­tungen, von denen man weiß, daß sie über unmittelbare Beziehungen zu der Reichsregie­rung, insbesondere zu dem gegenwärtigen Reichskanzler selber, verfügen. Da tautet das Urteil doch ganz anders, als es an be­stimmten Regierungspressestellen sehr voreilig und tattisch sehr unklug, well ohne Rücksicht auf die ja jetzt erst kommenden unmittel­baren Kämpfe um unsere Grunbfcttbenmgen, proklamiert worden ist.

In derDeutschem Alhgemeftken Zeitung" (Nr. 582 vom 12. De$. 1932) wird über diese Genfer Vereinbarungen gesagt:

Aus dieser Genfer Formel jedoch einen Sieg" der deutschen Politik und den Anbruch der Freiheit für untere Nation ju machen, das ist reiner Selbstbetrug oder Schlimmeres".

An einer anderen Stelle heißt es:

Was Herr o»n Neurath nach Hkmfe bringt, ist ein W e chfel auf d ie Zu­kunft. Wir kehren in bie Abrüstungskon­ferenz zurück, und die anderen Großmächte machen uns einige Versprechungen in der

Eleichberechtigungsfrage, Versprechungen, bie überdies in englische (und französische) Sauce getaucht sind...

Zum Freudenkmnml oder gar zu der Be­hauptung über eine Erschütterung des Ver sarller Diktats liegt leider kein Anlaß vor. Im Gegenteil, gerade Genf hat wieder bewiesen, wie fest die Klammern von Versailles um uns geschlossen sind, wie unend­lich mühsam selbst die geringste Lockerung ist, wie wenig wir dott zur Zeit überhaupt zu gewinnen haben. Wir brauchen, Tat­sachensinn und Festigkeit in der auswärtigen Politik, Lorbeeren sind nicht zu holen, und das Versailler Diftat wrrd nicht von heute auf morgen zusammenbrechen."

Und in derTäglichen Rundschau" (Nr. 293 vom 13. Dez. 1932) heißt es m einem Leitartikel:

.Es erweist sich sofort, daß es gefährlich war, auf die Dauer mtt einem abstrakten und summarischen '-BegriffGleichderech- ttgüng" zu arbeiten. Aus der Endformel geht mit Deutlichkeit hervor, datz alle prak­tischen Ergebnisse der Abrüstungskonferenz nach wie vor im Dunkeln liegen und m kei­ner Weise geklärt sind."

Und wetter wttd an anderer Stelle gesagt:

Um vieles schlimmer ist jedoch das glatte und unbestrettbare Zugeständnis, daß nun­mehr Gleichberechtigung und S ich.e r- h«it untrennbar oerinüpft sind.

DentMand hat dieses Zugeständnis am Sonntag zum ersten Male offiziell gegeben. Es wird also praftisch künftig immer gleich- zettig mit dm deutschen Forderungen auf Gleichberechtigung über die französischen Sicherhettsforderungen zu verhandeln sein."

Gerade auf diesen letzteren Punkt haben wir sofort nach Kenntnis der Emser Formel hin- gewiesm. Diese Gleichschaltung von Gleich­berechtigung und Sicherheitsfrage bedeutet die gefährlichste Falle, die uns gestellt ist.. Es geht in der Tat nicht an, einen kurzlebigen, noch dazu unbegründeten Optimismus auf­kommen zu lassen, der nur zu falschen Hoff­nungen und Erwartungen führt, während sehr bald, in einigen Wochen schon, wenn man sich wieder in Emf an den Tisch der Abrüstungs­konferenz setzt, die nüd>ternen Tatsachen das Feld behaupten. Wir verkennen keineswegs die Dedmtung der Genfer Einigung, die dar­in liegt, daß nun g r u n d (ä tz l i ch die Glcich- berechtigung Dmtschlands anerkannt ist, aber die praktischen Konsequenzen aus dieser theore­tischen Anerkenntnis müssen jetzt erst gezogm werden. Und die Hindernisse, die auf dem Weg zur Erreichung dieses Zieles liegen, sind noch sehr groß. Sie durch eine falsche Pro­paganda, die uns der wichtigsten Trümpfe für die Vertretung unserer unverzichtbaren For­derungen und ihrer Umsetzung in die Tat be­raubt, noch zu Derrn ehren, muß unter allen Umständen verhütet werden.