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Rach Feierahen-

Unterhaltungs-Beilage der Oberhessischen Zeitung __________

Raum und Volk im

Weltkriege

Gedanken über eine nationale Wehrlehre

England

Wehrpsychologie.

Mit Genehmigung des Verlages Gerhard Stalling, Oldenburg i. O., veröffentlichen wir aus dem WerkeRaum und Volk im Welt­kriege, Gedanken über eine nationale Wehr­lehre", von Ewald Banse, (Preis: broschiert 4.80, Leinenband RM. 5.80) den nachstehen­den Abschnitt. Copyright 1932 by Gerhard Stalling A.-G., Oldenburg i. O.

Versuchen wir nun ein so umriff enes Charakterbild wehrpsychologisch auszu­werten. Das englische Volk übertrifft an na­tionaler Geschlossenheit wohl noch das fran­zösische, zumal ihm dessen Skeptizismus fehlt, während dessen schnellbereite Begeisterungs- fühigkeit durch die verständlich gemachte Be- zogenheit einer Gefahr auf den Bestand ves britischen Daseins ersetzt wird. Das Volk verfolgt mit Bulldoggenzähigkeit ein notweu. diges Ziel und läßt den Gegner nicht los, bis es ihn zur Strecke gebracht hat; das ist ihm von der spanischen Armada überBonaparte bis auf Versailles allermeist gelungen. Auch ver einzelne Soldat zeigt diesen sicheren, wenn auch nicht schnellen Willen; in der hunderttäg»- gen Flandernschlacht des Sommers 17 stützte er den Feindbund, der unter Ruhlands Zu­sammenbruch, der Meuterei im französische!« Heere, Italiens Versagen und dem Wüten des unbeschränkten U-Bootkrieges anfing zu man- Ken. Dabei ist die englische Form des Helven- tums mehr passiver als aktiver Art; englische Unerschrockenheit zaudert nicht vor der Ge­fahr, aber sie stürmt nicht schneidig darauf los, sondern gewinnt ihr vorsichtig die schwache Seite ab, um sie dann mit wuchti- gern Streiche niederzuschmettern. Englische Kampfesweise verfolgt den Gegner auch nicht bis zum letzten Atemzuge, sondern begnügt sich damit, ihn als Gefahr für England auszuschab- ten mag er ruhig weiterleben, wenn er nur ungefährlich ist. England zeigt sich gerne bereit, hinterher die Hand zur Versöhnung zu reichen, vielleicht gar ihn zu bedauern. Doch bevor es soweit ist, erscheint diesem Volke jedes Kampfmittel recht, von der Verleumdung bis zur Aushungerung, von, Boxerhiebe bis zum Tank, und es schont weder der Krieger noch der Frauen noch selbst der Kinder und

aller sonstigen Hilfsmittel des Gegners. Tenn das englische Volk denkt stets in Ganzheiten, es sieht als Feind nicht den einzelnen Sol­daten, sondern das gesamte gegnerische Volk mitsamt seinem Hintergründe von Raum und Landschaft, mitsamt seiner Umgebung von Wirtschaftsleistung und Ansehen! England hat chs erstes Volk diese neue Auffassung vom Kriege gewonnen und in zahllosen Kolonial-

kämpfrn sowie im Weltkriege zur Anwendung gebracht, und es hat damit eine neue Auffas- fuug vom Kriege geschaffen, die für die Zu­kunft maßgebend bleiben wird! Hinfort ist der Krieg nicht mehr Klingenkreuzen mit dem 'einbe wie bisher, sondern Vernichtung und Ausrottung des feindlichen Volkes in mili­tärischer und wirtschaftlicher, in seelischer und autoritativer Hinsicht. England war es, das

In der Lesestube der Kinder

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Für diese beiden gibt es nur noch das Buch, Wenn der Winter seinen Einzug gehalten hat und die Kinder, die über ein eigenes Svielzimmer nicht verfügen, sich nicht mehr auf der Straße aufhallen können, dann werden in allen groben Städten die Kinder-Lesestuben eröffnet. Hier finden die Kleinen in einem warmen Raum Be­lehrung und Unterhaltung und wer noch zu klein ist. um selbst zu lesen, der darf zuhören, wenn die Kindergärtnerin Geschichten vorliest oder erzählt.

Stimmen der Natur

Von Sanitätsrat Dr. A. Guth mann - Potsdam

UnterStimme von Mensch und Tier ver­steht man gewöhnlich nur jene Ausdrucksfvrin, die durch einen Luftstrom der Atmungswerk­zeuge betvirkt wird. Es gibt indes zur Her- vorbrüigung einerStimme noch anders­artige tierische Vorrichtungen. Einige Insek­ten zirpen, indem sie harte Bedeckungen an» cinanberreiben; Stachelschweine klirren mit hohlen Stacheln; Kaninchen unterhalten sich mittels Stampfens. Gelehrte, die den Pflan­zen eine Seele zuschreiben, halten die Bewe­gungen dieser stillen Wesen für eine Art von Sprache. Keinesfalls läßt fick Rauschen und Flüstern von Laub und Halm als Stimme der Pflanzen deuten. Die Vegetation ist hier nur der leidende Teil.

Mutter Natur kann mit ihren Stürmen heu­len, elektrisch donnern, mit Hilfe der Wärme im Gestein tönen oder im Teekessel ein ge- mülliches Liedchen singen. 3m allgemeinen be­nimmt sie sich allerdings schweigsamer als bte von ihr erschossene animalische Welt, in bei Kleinstes durch Massenwirkung Riesiges lei­stet. Auf heimischem Spaziergang vernimmt man gelegentlich das unermüdliche Zanken von Quäkern schon aus der Ferne. 3m Bo­tanischen Garten von Sydney schwirrte die Luft so grell von Zirpen, daß ich mir zeit- wellig die Ohren zuhielt. Für das natürliche Konzert großer Bestten in Freiheit bietet eine Fütterung im Raubtierhaus nur den Vorge­schmack.Um 11 Uhr nachts mußten wir auf jeden Schlaf verzichten, da wilves Tiergeschrei die Forst durchtobte, berichtet Alexander von Humboldt.

Dabei hat die Ratur die chre Geschöpfe so itimmgewaltig begabt für deren innere An­lage das gegenteilige Prinzip verfolgt. 3n feinemanimalischen Königreich sieht Swe­denborg ,chie Natur sich winden durch eine endlose Spirale mit Rädern, nie trocknend, af Achsen, nie knarrend. Die tiefsinnigen

orte bestehen zu Recht, wenn man den Dr* "nsmus mit Dampfmaschine ober Motor

vergleicht, abervöllig geräuschlos arbeitet bic Natur auch in ber lebendigen Kraft­maschine keineswegs. Sie läßt zahlreiche Stimmen raunen in deren Snnertn, meist dem fremden Lauscher vernehmlicher als dem eige­nen 3ch. Wer sich den kleinen Finger ins Ohr steckt und dann seinen Oberarmmuskel anspannt, kann einen durch die Knochen vom Muskel fortgeleiteten Ton hören. Durch Verstopfen der Ohren und Zufammenprepen der Kiefer entsteht das gleiche Geräusch in den Kaumuskeln. Es ist die Folge von rasch aufeinanderfolgenden Zuckungen, die den Muskel in Spannung halten; neuere Berech­nungen ergaben 50 Zuckungen in ber Se­tz unbe. Beim Pochen bes Herzens wirkt eben­falls neben Anspannung ber Klappen vor- nehmlich basMuskelgeräusch tonerregenb. Auch bie großen Schlagadern besitzen ihre eigenartige Stimme, und unter Umständen kann es auch in den Denen zu Lauten kom­men.

Beim Behorchen der Lunge eines Mitmen­schen bedarf es keiner besonderen Hörschärfe, um dort ein leise flüsterndes Atmungsgeräusch zu erlauschen, doch nur dem wissenden Ohr bes Arztes erzählen diese Stimmen der Na­tur von Gesundheit und Krankheit. Trotz allen Röntgenstrahlen hat die Horchmethode für die Erkennung der Leiden von Lunge und Herz ihre alte Bedeutung unbestritten gewahrt. Die verschiedenen Krankheiten haben ihre de- iiimmten Geräusche, die bisweilen sogar must- tzasisch klingen, andererseits auch grob knar­ren können. Wenn sich in entzündeten Gelen­ken zwei rauhe Flächen reiben, wird ein be­sonders geräuschvolles Knarren wahrgenom­men. Selbst gegen explosive Töne ist der lebende Körper nicht gefeit Sei Husten und Riesen wird die Stimmritze bezw. der Nasen- rachenverschluß durch den Atmungsstrom .ge­waltsam gesprengt.

Es ist mit Recht modern, jedem die Pflege seiner Gesundheit warm ans Herz zu lege».

Die Mahnung darf indes nicht die Aufforde­rung in sich schließen, daß man nur ja peinlich auf den normalen Ablauf sämtlicher Lebens- eischeinungen achte, damit der Schaden mög­lichst früh feslgestellt und behandelt wird. Fortwährend ängstlich auf die Stimmen des Lebens zu lauschen, würde nicht gesund, wohl aber nervös und griesgrämig machen. Rich­tige Krankheiten drängen sich gemeinhin dem Bewußtsein nur allzudeutlich auf, so baß nicht ängstlich banach gesucht zu werben braucht. Die Natur hat es weise eingerichtet, daß em gesundes Geschöpf von den aus seinem In­nern tönenden Stimmen nur wenig vernehmen kann. Das wenige, das uns zu Ohren kommt, wie Atemholen und Schlucken, wird meist ge­wohnheitsmäßig überhört wie das Ticken der Uhr im Zimmer. Was bedeutet das helle, rasch schwindende Pfeifen im Ohr? Es ist nur der Krampf eines kleinen Muskels im Mittelohr, der uns gelegentlich daran erinnern mag, daß Muskeltöne in unserem Leib vor­handen sind. Am mißlichsten sind jene Ohr­geräusche, die ohne äußere Schallwirkung in der Nervensubstanz entstehen. Schon einfache Blutarmut kann solche Symptome seifigen. Unaufgefordert durch Schallwellen, gerät der schlechtgenährte tonenmpfindende Teil des Ge­hirns in Erregung; es kommt zum Ohrensau­sen. Sein örtliche Ohrenkrankheiten führen infolge des von ihnen gesetzten Reizes zu bleichen Folgen. Dieinnere Stimme, die dem Ohr in Sinnestäuschung alle möglichen Töne und Worte zuträgt, spricht zum geistig Gesunden ausschließlich nur im Traum. So­krates wollte im Besitz eines kleinen Dämons fern, dessen prophetische Stimme ihn mit War­nungen für sich und seine Freunde versorgte. Verfügen auch gewöhnliche Sterbliche nicht über solchen hellseherischen Geist, so wohnt doch in jedem menschlichen Bewußtsein eine innere Stimme, die rein gefühlsmäßig in bie eine ober andere Richtung zu ziehen trachtet. Leider ist dieseStimme ber Natur argen Täuschungen unterworfen. Darum tut jeder gut daran, sie niemals auf Kosten bes gesun­den Menschenverstandes übertrieben hoch ein* zuschätzen.

im Weltkriege neben bie Heeresfront bfe Hungerfront, bie Hanbelsoernichtungsfront unb bie Lügenfront gestellt unb bie allerbesten Erfolge damit erzielt hat. Man weiß nicht, ob man vor bet sich barin ausfprechenben Nie* derffcacht. erschrecken ober ob man ben barin sich offenbarenden, bis zu Ende durchdenken* den klaren Verstand und den bis zu Ende durchhaltenden eisernen Willen bewundern soll ein auf seine Zukunft bedachtes Volk dürfte mit der letzteren Einstellung weiter ge­langen.

Der englische Angriffsgeist ist gering, bte englische Befähigung zur Heerführung grc-en Maßes konnte nie nachgewiesen werden. Das Zögern an der Marne, wo das englische Heer bei schneller und entschlossener ausgeführtem Stoße zwischen die 1. und 2. deutsche Arme» den deutschen rechten Flügel in eine schlimme Loge hätte bringen können, sagt genug. Be­zeichnend dagegen sind einmal das zähe, oben, schon gemeldete Aushalten in Flandern 1917 und andersmal das sehr planmäßige, tzuyl, aber nicht kühn überlegte und durchgeführte! Vorgehen durch die Sinaiwüste 1916, bas (ebenso wie s. Z. Kitcheners Marsch gegen beni Mahbi in Nubien) vom Fortschreiten eine» Bahn, hier außerdem einer Wasserleitung ab­hängig gemacht wurde was denn aud$ beide Male langsam und unheldisch, oben sicher zum Ziele führte. In der freien $eM wendung beweglicher Massen im offenen Ge4 lände, in der schnellen Erweiterung taktische« Anfangserfolge zu strategischen Ausmaßen! Haden englische Feldherren aNerm'eist versag« Dem Soldaten selber werden auch gar ke'nq übergroßen Anstrengungen im Felde zuge> mutet, er wird als ein Herr behandelt, dem Wohlergehen und Bequemlichkeit nötig fmbj damit er sich wohl fühle; die geringe Aus-j Nutzung des überraschend glücklichen Tankan­griffes bei Cambrai im November 1917, ist Zeugnis genug. Der englische Soldat, gleich­gültig welchen Ranges, tut stets gerade nur so­viel, wie er für nötig hält, um das Empire ausrechtzuerhalten Empire aber heißt Wohl­geborgenheit und Wohlleben ber englischen Heimatmen schheit; Schlachtenruhm ist ihm un­verständlich. Der englische Charakter verliert bei allem, was er tut, nie das csis notwendig erkannte Ziel aus dem Auge und verwechselt (was beim deutschen vorkommen kann) nie den Weg mit dem Ziele. Die englische See­kriegsstrategie in der Nordsee war durch Zu* riickbaltung der Hochseeflotte in ben Häfen des Narbens ebenso unheldisch wie richtig, denn marum sollte die teure Flotte aufs Spiel ge­setzt werden sie, die allerwichtigste Stütze engliscker Weltmacht und Heimatsicherheit! wenn der Zweck des Krieges, Deutschlands Vernichtung, auf bequemerem und sicherem Wege erreicht werden konnte? Aus der klaren Erkenntnis des Kriegszieles Deutschlands Vernichtung zur Sicherung van Englands Zu­kunft ergab sich, namentlich seitdem der unbeschränkte U-Bootkrieg die Gefahr als überaus nahe erkennen ließ, auch die mate­rielle und sittliche Kraft, mit welcher das eng* lische Volk die unerwarteten Beschwerden des langen Krieges durchhielt, unter denen bie Militärbienstpflicht mit ihrer Beschränkung ber persönlichen Freiheit wohl schlimmer emp* funben wurde als die (febr erträgliche) Eintei­lung der Lebensmittel. Während sich der eng­lische Widerstandswille am uneingeschränkten U-Bootskriege stählte, zerbrach der deutsqe an ihm, wobei wir freilich nicht vergessen wol­len, daß der letztere vorher schon viel stär­keren Prüfungen war unterzogen worden.

Wie lang find die Wurzeln?

Auf der Suche nach dem Wasser, bas bie Nährsalze in Lösung enthält, müssen bie Pflanzenwurzeln steinige Erdschichten burch- bohren unb dabei Hindernissen ausweichen, um Verletzungen der Spitzen zu vermeiden. All diesen wunderbaren Fähigkeiten, für die einst Darwin das Wort von berGehirn­funktion ber Wurzelspitze prägte, entspricht die Ausdehnung des Wurzelsystems. Beim Weizen und Hafer betrug sie insgesamt ein halbes Kilometer. Die eines kleinen Birn­baums erstreckte sich auf das Sechsfache. Die Wurzeln eines großen Kürbisses wiesen gar die stattliche Länge von 25 Kilometern auf. so daß also ein rüstiger Wandersmann einen Tagesmarsch zurücklegen mutz, wenn er die in einer einzigen Linie dar gestellte Eefamt- heit der Wurzeln von der äufjerften Spitze bis zur verführerisch glänzenden süßen Frucht abschreiten will. Noch großer ist diese Strecke oft bei Bäumen.

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