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Sette 6

Overhessische Zeitung, Marburg a. L-, Die«stM, den 13. Dezember 1932

Nr. 2?2

Aus der Umgegend

ffrefs v’pr*?uti

Kameradschastsabend.

W ehrda, 13. Dez. Am 10. d. Mts. fand hier im Saale des „Lahngartens" ein Kameradschaftsabend des Sturmes 211 der NSDAP, statt, dessen mannigfaltige Darbie­tungen ein gutes Zeugnis von dem Wollen und Können der SA. boten. Nach dem Ein­marsch des Sturmes 2/11 unter den schnei­digen Klängen des Marburger SA.-Spiel- mannzuges begrüßte der Sturmführer Steih- Marburg die sehr zahlreich erschienenen Be­sucher. an die sich auch ein von SA.-Mann Dörrin-Göttingen sehr wirkungsvoll vorge­tragener Vorspruch wandte. Die dann fol­genden Darbietungen des Spielmannszuges und des Marburger SA.-Orchesters, deren gute Leistungen wiederholt zu Zugaben Ver- • anlassung gaben, ferner der alle Zuhörer packende Sprechchor „Wir sterben gern, wenn Deutschland nur kann leben", liehen olle Zu­hörer ständig wachsenden Beifall zollen. Den Höhepunkt des Abends bildete die Auffüh­rung des Theaterstücks „Horst Wessel", bei dem alle Darsteller und Darstellerinnen sich sehr gut in ihre Rollen eingefühlt hatten und ihren Dank in einem sich von Aufzug zu Aufzug steigernden begeisterten Beifall fanden. Lehrer Köhler- Sterzhausen ging in einer großangelegten Ansprache von den Gesetzmäßigkeiten aus, die sich bei Aufstieg und Niedergang unseres Volkes in der Ge­schichte zeigten. Aus ihnen können wir ler­nen, daß nach Zeiten der größten Not und Erniedrigung uns immer wieder starke Per­sönlichkeiten oufwärtsqeführt hätten. Dies wäre aber, da die „Weltgeschichte das Welt- gencht sei", stets nur durch die Einsatzbereit­schaft und die Eefolgschaststreue des ganzen Volkes möglich gewesen.

Schönstadl, 13. Dez. BeidenKyff. Häuser Jugendwettkämpfen vom Krerskriegerverband Marburg errangen von der Kyffhäuser-Iugendgruppe Schönstadt am 21- Aug. d. 3s. im Stadion Marburg die Schüler Ludwig Henseling einen zweiten und Konrad Mätschke einen vierten Sieg.

HerbftoersammlAng der Grupp« Oh« vom EM Oberhessm.

Bürgeln, 13. De$. Am 4. Dezember, mittags 2 llhr hielt die Gruppe Ohm vom Gau Oberhessen, des Deutschen Sängerbun­des, in der Gastwirtschaft Seibel, Bürgeln, ihre diesjährig« Herbstversammlung ab. Eruppenvorsitzender Lehrer Groß-Schön­stadt, erstattete Bericht über die letzte Gau­vorstandssitzung. Es wurde beschlossen, daß das Gruppenfest der Gruppe Ohm. verbun­den mit Wertungssingen, am 21. Mai 1933 ab 11 Uhr in Allendorf MWB. gefeiert

werden soll. Die erschienenen Vertreter waren einig darin, daß man in dieser schweren Zeit Eruppenfest und Wertungssingen zujam­menlegen müsse, damit das Gruppenfest finanziell sichergestellt ist. Ferner wurde ge­plant. den Gruppenverein Schweinsberg, der im Jahre 1933 sein 90jähriges Bestehen feiert, durch zwanglose Zusammenkunft der Sänger- und Sangesfreunde, auf dem dor­tigen Schloßplatz zu ehren. Es erfolgte zum Schluß die Neuwahl: 1. Eruppenvorsitzen­der Lehrer Groß-Schönstadt, Stellvertreter, Herr Götte-Kirchhain: 1. Eruppenchormeister Lehrer Balzer-Schweinsberg, Stellvertreter Lehrer Baumgarten-Allendorf: Schriftführer Heinr. Henseling-Schönstadt. Lehrer Groß schloß um 4 Uhr die Versammlung und er­mahnte die Sänger zur Einigkeit, und Förde­rung des deutschen Liedes.

-o- Kirchhain, 12. Dez. Dem hiesigen im vergangenen Jahr gegründeten Fischerei- Verein wurden 100 Junahechte überwiesen, welche dieser Tage in die Ohm eingesetzt wer­den. — Der diesjährige Krammarkt fin­det am Freitag, dem 30. Dezember, hier statt. Da sich dieser einzige noch übrig gebliebene Krammarkt von Jahr zu Jahr steigender Be­liebtheit erfreut, erwartet man auch an diesem Tage starken Fremdenverkehr in Kirchhain.

Aus -em SWatoI

-o- Gemünden, 12. Dez. Es ist sehr er- fteulich, daß die Kirchhainer Mittelschule von Seit zu Zeit einmal hinaus in das Land geht, um dort Zeugnis abzulegen, wie sie in allen Klasien fleißig am Kulturgute der deutschen

Musik arbeitet. Daß diese Musiknachmittage einen guten Klang haben, bewies der über­aus volle Pfeils^ Saal. Groß und klein waren gekommen und lauschten den Liedern und Jnstrumentalklängen. Gar oft durften alle mit «instimmen, und das war besonders schön. Mit geistlicher Musik begann die reiche Musikfolge. Tänze und Märsche, Ehorlieder im polyphonen Stil, Ät | ons, Sprechchöre, Lieder mit Instrumentalbegleitung wurden geboten. Herr Bürgermeister Kaiser dankte tm Namen der Versammelten recht herzlich der Kirchhainer Mittelschule, daß sie auch ein­mal nadj Gemünden gekommen sei und bat, doch auch später wieder einmal mit all dem Frohsinn und den ernsten Gedanken in Wort, Musik und Lied der Nachbarstadt einen Besuch abzustatten.

Kreis smenbmg

Versammlung der ehemalig«, Schul« und Schülerinnen der Lemdwi-rtschaftsschule

Gladenbach.

mk. Gladenbach, 12. Dez. Die im Saale des Hotel Blankenstein einberufene Versammlung wurde um V-3 Uhr durch den Vorsitzenden Kirch-Römershausen eröffnet: er begrüßte die zahlreich erschienen Gäste und erteilte der Landwirtschaftslehrerin Schulz das Wort, die an Hand von Lichtbildern einen Vortrag hielt über das Leben des Frei­herrn von Stein. Anschließend referierte Diplomlandwirt Dr. Gut von der Land­wirtschaftskammer Wiesbaden ausgiebig üher Zeitfragen des landwirtschaftlichen Betriebes.

Geflügel-Ausstellung

Wallau, 12. Dez. In dem geräumigen Frttz-Henkel-Haus hat der hiesige Geflügel­zuchtverein eine sehr sehenswerte Geflügel­ausstellung arrangiert. In langen Reihen von Käfigen, etagenweise übereinander ge­ordnet, sind zahlreiche Sichelschwänze und Hühnermütter, Enten, Erpel und Gänse von allerlei Rasien, schwere und leichte, groß« und kleine Vertreter ihrer Art untergebracht, prachtvolle Tiere zum Teil. Mächtig füllt der Kampfruf der zahlreichen Hähne die weite Hall«. Bald hier, bald dort kündet Frau Eageleier mit frohem Ruf das glückliche Er­eignis, daß ein kostbares Frischei angekom- men, den zahlreichen Besuchern. Die wandern den umfangreichen Katalog in der Hand, von Stand zu Stand, sehen und bewundern die Ti«e, lesen die Namen der Rasien, gehen weiter, vergesien, lesen immer wieder neue Namen, sehen neue Formen und Farben.

Alles zusammen eine prächtige Augenweide, aber von geringer praktischer Bedeutung. So­lange die Geflügelzucht Sport ist, wird sie für die Volksernährung verhältnismäßig bedeu­tungslos bleiben. Was uns not tut, ist nicht die Anschaffung und Haltung Dutzender von möglichen und unmöglichen Rasien, und hierin ist seit der letzten Ausstellung schon ein wesentlicher Fortschritt festzustellen, sondern das gewissenhafte Ausprobieren einiger für unser Klima ganz besonders geeigneter Ve?- treter des Geflügelgeschlechtes und durch ge- nosienschaftlichen Zusammenschluß aller Jn- teresienten die Schaffung eines geeigneten Futters, damit wir rentable Hühnerzucht be­treiben können, d. h. viele Eier und billige Eier produzieren. In dieser Beziehung kön­nen unsere Geflügelzuchtvereine in Stadt und Land sehr segensreich wirken und uns immer mehr freimachen vom Auslandsmarkt.

25jShriges Bestehen der Freiwilligen Feuer- webr Gladenbach.

M.Gtsd«Tbach7^Nz. Am 7. De- gember konnte rattere FrswMge Feuerwehr auf «in SSjähnges Bestehen zurückblicken. Aus diesem Anlaß fand am Sonnabend, 10. De­zember, eine Nachtübung statt, die unter der Leitung des Kommandanten Wilhelm Koch vorzüglich klappte. Gleichzeitig war auch dieser Hebung die mit der Feuerwehr in M- beitsgemeinschaft stehende, erst im vergange­nem Jahre gegründete freiwillige Sanitäts- kolo-nne vom Roten Kreuz angetreten. Auch sie zeigte, daß sie den Ansprüchen gewachsen ist.

0 Runzhausen bei Gladenbach. 12. Dez Der Etat der Gemeinde für das Rechnungs­jahr 1932/33 weist einen ungedeckten Fehl­betrag von rund 7000 31 nach. Die Dürger- steuer wurde zum Ausgleich der fehlenden Einnahmen auf den fünffachen Landessatz festgesetzt, ebenso wurden die übrigen Real- Steuern erhöht.

Krriö Aegenbaln

Die Wetterschäden in Berfa (Kreis Ziegen­hain) vor dem Hauptausschuß des Preußischen

Landtags.

Berfa, 12. Dez. Der Hauptausschuß des Preußischen Landtags beschäftigte sich mit einem nationalsozialistischen A n - trag, der die Unwetterkatastrophe vom 21. August ds. Ss. in Dorf und Gemarkung Berfa zum Gegenstand hatte. Der Antrag wurde angenommen. Er ersucht das Staats- ministerium, der Gemeinde Berfa zur Behe­bung der schweren Not eine einmalige Unter­stützung von 50600 jH zu gewähren, die fäl­ligen Grundsteuern zu stuuden und die gestun­deten niederzuschlagen.

a Treysa, 11. Dez. Kreispfarrer Saabs batte die Mitglieder der Kirchenvorstände des Bezirks Treysa für heute nachmittag zu einer Versammlung der kirchlichen Vertrauens­männer in den Saal der Kirche zu Hephata eingeladen. Der Veranstalter begrüßte die Versammlung mit herzlichen Worten und ver­breitete sich über religiöse und weltanschau­liche Fragen, die zurzeit unsere Gemeinde und unser Volk bewegen. Dann sprach Pfarrer Aßmann aus Obergrenzebach über das Thema: „Welche Stellung nehmen wir dem Alt» Testament gegenüber ein?" An den Vottrug schloß sich eine Besprechung an, die in der Bitte des Kreispfarrers gipfelte, in den Ge­meinden, soweit es noch nicht geschehen sei, Bibelstunden einzurichten. Der Gesang des Liedes „Ach bleib mit deiner Gnade" bestoß die Versammlung.

Ein Keiler.

- Mengsberg, 11. Dez. Oberförster Koch erlegte bei einer Treibjagd auf Wild­schweine einen kräftigen Keiler, der umrufge­brochen 210 Pfund wog.

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tNachdruck verboten.)

-Sir Drei twi ter Landstraße"

Em heiterer Roman von: R. 6. Utsch. (Copyright by Verlag Alfred Bechthold in Braunschweig).

21. Fortsetzung.

Sie kamen in das Städtchen. Der Kleine betrachtete mit Wohlgefallen seine Freunde.

„Es kann uns doch eijentlich kein Mensch ansehen, daß wir auf der Straße zu Hause sind!" meinte er. „Wenn sich nämlich ein janz Zerlumpter in den Parks sehen läßt, so wird er jleich von den Jrünen hinaus­gejagt, denn die Sippe sieht nicht ferne reiche und arme Leute nebeneinander. Die armen Leute hat man ja bekanntlich über­all jewaltig auf dem Muck. Die Jesetzes- menschen können eben keine Kontraste lei­den! . .

Sie gingen über eine Brücke und bogen in die städtischen Anlagen ein. Spring- bruunen warfen Strahlen silberschillerndes Wasser dem blauen Aether entgegen, das, sich millionenfältig zerteilend, rauschend auf die sprießenden Gräser niederrieselte. Vornehme Menschen promenierten nach­lässig zwischen wohlgepflegten Blumenbee­ten dahin. — Man hörte Sprachen aus al­ler Herren Ländern. Von ferne drangen in diese Pracht die Klänge des Kur­orchesters.

Molden und Debroix strebten insttnktiv aus dieser Sphäre heraus. Alles, was dem wohlhabenden Volk Hierselbst zur Erholung diente, peinigte sie unausstehlich.

Wuttke, der ihnen wie ein Hündchen nachschlich, ärgerte sich und begann zu wet­tern:

„Warum läuft ihr denn fort? — Das sind doch hier noch erjibigere Joldfelder als in Kalifornien. — Jerade in diesem Nest läßt sich in einigen Stunden mehr Jeld verdienen, als in der Fabrik in Mo­naten. Seid schlau wie die Füchse. —"

Doch die beiden hörten nicht auf ihn. Fast fluchtartig eilten sie vorwärts.

„Man meint, ihr wäret janz und jar Manoli jeworden! . . . Rennt doch nicht durch die Jejend wie jeschlagene Feld­herrn!"

Erst in einer menschenleeren Straße blieben Debroix und Molden stehen.

„Wie kommt man am besten aus der Stadt?'' fragte Debroix aufgeregt.

„Seid doch vernünftig!" bat Wuttke flehendlich.

. „Ich betrete keine Stadt mehr!" stieß Molden hervor. „Das ist ja entsetzlich!. .. Lieber Kilometer Umweg machen, damit man gar nicht mehr die Zivilisation berührt."

„Aber denkt euch, Freunde," drang Wrttke in die beiden, „ich war doch schon einigemale hier! — Wenn ich die Stadt verließ, hatte ich stets einen Braten in der Tasche, an dem ich mich monatelang et« jötzen konnte."

„Ich will nichts mehr davon wissen!" entgegnete Debroix wegwerfend.

„Laßt uns Beschäftigung suchen! ... Es ist vollkommen schnuppe, welcher Art sie ist. Arbeiten will ich, — hörst du, Wuttke! . . . Tag und Rächt, wenn es sein soll! . . . Das habe ich satt bis oben hin? . . ." Molden machte eine Bewegung mit der Hand zum Halse.

Wuttke sah ein, daß der Entschluß der beiden nicht zu ändern war.

„Dann will ich euch einen Vorschlag machen," sagte er. ,^Ieht jetzt hier die Straße rauf, — dann biegt links in den Parkweg ein . . . der führt direkt zum Jrandhotel. Dort wartet auf mich! . . ."

„Melange bleibst du?" fragte Molden.

„Höchstens eine Stunde! Wißt ihr, die Jelegenheit will ich nicht vorüberjegen lassen. Die Leute hier haben alle mächtig Draht in der Tasche. Die kennen alle den Wert des Ieldes eijentlich nicht. Bei de­nen jibts kein« Pfennige, — auch keine

Jroschenftücke, sondern nur Marken. We- jen eines jeringen Betrages jreifen die überhaupt nicht in die Tasche. Diese Art Menschen hat nicht das mindeste Interesse an Bagatellen. — Jeht dorthin, — ich komme nach."

Debroix nickte mit dem Kopf. „Gut, wie du willst! — An dem Hotel treffen wir uns wieder."

„Jawohl! — Da stehen Bänke an Jäjer- jrünhecken, — erwartet mich da."

Die beiden gingen still und nachdenklich den beschriebenen Weg. Wuttke trottelte wieder in die Anlagen zurück. Er wußte allem Anschein nach sehr gut Bescheid, denn er kam nie in die Verlegenheit, welche Richtung er eknschlagen sollte. Bald war er im Rosengarten. Wuttke hatte richtig kal­kuliert, — die Herren und Damen beschenk­ten ihn reichlich. Dann ging er weiter, dem Kurhaus zu, das am Rande des Städtchens stand. Hinter dem monumentalen Gebäude rauschte eiwAluß vorbei. Um die Roman­tik zu erhöhen, hatte man Mr ein Wehr erbaut und unterhalb diesem schwere Fels- blöcke in das Flußbett eingelegt, um das Getöse des 2Ba|as zu steigern. Links und rechts an den Ufern standen dicht zusam- mengcbiängt Bäume und Sträucher, die im Verein mit dem tosenden Wasser eine eigenartige Mldnis schufen.

Wuttke betrachtete jedoch diese Schönhei­ten keineswegs. Er ging am Flußufer ent­lang und kah in nicht allzugroßer Entfer­nung Hern., und Damen in dem Fluß ba­den. Es fiel ihm nicht schwer, diese zu un­terscheiden, denn die Strahlen der Sonne beleuchteten grell die roten Gummimiitzen her Dome» Er kam naher und sah, daß die Badenden ihre Garderobe in offen­stehenden Kabinen abgelegt hatten. Sofort reifte in seinem Hirn ein außerordentlicher Plan, zu dessen Ausführung er unverzüg­lich schritt. Eine Umschau in die Umgebung sagte ihm, daß er völlig sicher sei. Schlangen­

ähnlich — wie ein Sioux-Indianer auf dem Kriegspfade — kroch er zwischen Sträuchern und hohem Gras dahin und landete genau an den Kabinen.

Im Wasser merkte man nichts von dem Verhängnis, das sich unauffällig näherte. Man spielte Wasserball und lachte und scherzte. Es war auch unmöglich, den Land­streicher von dort aus zu sehen, denn das dicke Blätterwerk der Büsche schützte ihn vor unberufenen Blicken.

Wuttke ließ bedächtig eine Hand in die Innentasche eines Rockes gleiten und zog eine Brieftasche hervor. Er öffnete sie und entnahm ihr einige Banknoten.

„Cs soll keiner zuviel drunter leiden," murmelte er gutmütig. „Ich nehme jedem nur etwas von seinem Ucberfluß fort . . ."

Er rutschte auf den Knien von einer Ka­bine zur anderen. Alle Geldtaschen wur­den auf das Genaueste visitiert, und dann erleichert wieder an ihren Platz zurückge­schoben. Auch hielt er die Damentaschen der Mühe wert, um sie einer zweckmäßigen Einsicht zu unterziehen und er machte zu seinem Erstaunen die Feststellung, daß sie bedeutend größere Beträge enthielten als die Börsen der Herren.

„Bomben und Iranaten, — hier habe ich es allem Anschein nach mit Filmstars zu tun," flüsterte er vor sich hin. Aus einer Handtasche brachte er ein Bündel nagel­neuer Hundertmarkscheine zum Vorschein.

„So ’ne Unverschämtheit!" kam es grol­lend zwischen seinen Zähnen hervor. Er beleckte Daumen und Zeigefinger und zählte sich ein Dutzend ab. Darauf fand er in einer Herrenbörse nichts als einige armselige, abgegriffene Lümpchen.

„Der scheint aber arg anjestoßen zu sein." / meinte er mitleidsvoll. „Armer Teufel, — dir muß ich etwas auf die Beine helfen." betrachtete mit Wohlgefallen seine

Freund«. (Fortsetzung folgt.)