Einzelbild herunterladen
 

Sfenw, dMlI.Stz.ML

Di« .Ob-ihrssisch« Seihmg' «t- jcheint sechsmal wSchentlich. Be­zugspreis monatl. L Marburg 2.20 EM. ausschl. ZustellungSgebübx, bei unsren Agenturen 1.93 GM. zuzügl. ZustellungSgebühr, durch die Post 2.25 GM. Für etwa durch Streik, Maschinendefektvder elementar« Ereignisse ausfallende Nummer» wird kein Ersatz ge­leistet. Verlag, Dr. E. Hihervth, Druck der Univ-Buchdruckerei Ivh. Aug. Koch, Markt 21/23. Lernsprecher: Rr. 2054».Nr.2055 Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Nr. 5015. Sprechzeit der Redaktion bon 1011 und

Uhr.

ÄbevheMche

Dmtzilmim Z B A B, 1 B B M tonteWime

Rr.M «.MkS. Marburg n. Win

Der Aazekgenprett beträgt für den 11 gespalt. Zeilenmillimeter 0.08 GM" Familienanzeige» b«i Barzahl. Ö.07 GM., amtl. u. auS- wärtigeAnz. 0.10 GM. Sog. kleine Anzeige» »ach Spezialtarif.Grund- schrift: Eolonel. Bei schwierig.Satz, sowie bei PlahborschriftSO"/, Auf­schlag. Sannnelanzetgen 100% Aufschlag Reklam.-Milllm. 0.40 GM. Grundschrift: Petit. Jeder Rabatt gilt als Barrabatt. Ziel 5 Sage. Sff«rt«»-Seb»hr: 25 Pfg., bei Zustellung der Angebot« einfchl. Porto.60 GM. Belege werden berechnet.Erfüllungsort Marburg.

Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Anschlag auf Kaiser WilhelmII.

Ein offenbar geistesgestörter Deutscher im Hause Doorn verhaftet Er war mit Revolver und Dolch bewaffnet

Im H a u s D o o r n, der Besitzung des ehemaligen deutschen Kaisers, kam es gestern zu einem aufsehenerregenden Vor­fall, bei dem vermutlich ein Anschlag aus das Leben des Kaisers ge­plant war.

Sm Laufe des Nachmittags überstieg «in unbekannter Mann an einet einsamen Stelle die Haus Doorn um­gebende Mauer, ohne daß jemand ihn da­bei bemerkte. Später wurde der Eindring­ling jedoch von mehreren Dienern in einem der Türme des Schlosies entdeckt, über­wältigt und der Polizei übergeben. Es stellte sich heraus, dah er einen Revolver schweren Kalibers sowie einen grohen Dolch bei sich führte. Der Festgenommene ist deutscher Staatsangehöri­ger. Er verweigert hartnäckig Auskunft über feine Personalien sowie über den Zweck seines auffälligen Treibens. Es ist jedoch bereits festgestellt worden, dah er sich seit vergangenem Sonnabend in Doorn aufhält.

Es ist bisher noch nicht aufgeklärt, ob es sich bei dem vermutlichen An­schlag auf den vormaligen deutschen Kai­ser um ein planmäßig vorbereitetes Atten­tat, oder um die Tat eines Unzurechnungs­fähigen handelt, oder ob man es mit einem bloßen Einbruchsversuch zu tun hat, bei dem sich der Täter bewaffnete, um einer Festnahme gewaltsamen Widerstand ent­gegensetzen zu können.

Allerdings spricht der Umstand, dah der Unbekannte Eindringling sich schon vor mehreren Tagen in Dorn auf- gehalten hat in der offenbaren Absicht, die örtlichen Verhältnisie genau kennen zu lernen und eine günstige Gelegenheit zur Durchführung seines Vorhabens auszu­kundschaften, mehr für eine plan- mähige Vorbereitung. Bedenklich mutet auch an, dah der Eindringling bis in ein Turmzimmer gelangte, das sich ganz in der Nähe des Arbeitszimmers des vormaligen Kaisers befindet, ehe er entdeckt und überwältigt werden konnte.

Da Doorn verhältnismäßig klein ist und nur den Charakter eines Dorfes hat, be­sitzt der Ort kein eigenes Gefängnis, sodaß der Verhaftete die Nacht im Gemeindehaus zubringen mußte. Die genaue Unter­suchung des bisher noch ungeklärten Vor­falles wird heute früh einsetzen.

Der aufsehenerregende Zwischenfall auf vaus Doorn wird mit einem anderen Merkwürdigen Vorfall in Zu­sammenhang gebracht, der sich bereits am Sonntag ereignete.

Als am Sonntag ein Kraftwagen durch das Auheutor der Besitzung des früheren Kaisers, an dem sich stets zwei holländische Landjäger aufzuhalten pflegen, hindurch fahr, gelang es einem fremden Mann, h i n- Ecr dem Attomobil unbeme»rkt durch das Tor zu schlüpfen, so in d«n dahinter liegenden Park zu gelangen. 6t konnte auf diese Weise bis in die Vor­halle des Schlosses Vordringen. Dort wurde *t jedoch angehalten. Er erklärte darauf, dah er den ehemaligen

deatschen Kaiser sprechen müsse. Da man ihn aber für einen Geisteskranken ansah, wurde er der Polizei übergeben. Als diese jedoch den Häftling, der deutsch sprach und augenscheinlich ein deutscher Staats­angehöriger wgr, nach einiger Zeit wieder auf freien Fuh setzte, erklärte er, dah er bald wieder znrückkehren werde. Diese Aukündigung, die man anfangs nicht allzu ernst anfnahm, ist wahrscheinlich von dem Manne jetzt verwirklicht worden.

Die Nachricht von dem Attentatsversuch auf den vormaligen deutschen Kaiser

scheint in der ganzen Welt wie eine Bombe eingeschlagen zu haben. Ununterbrochen wurde das Telephonamt von Doorn gestern in den späten Abend­stunden und heute in den Morgenstun­den von den verschiedensten Plätzen Euro­pas, u. a. auch aus Deutschland, angerufen. Es konnte aber nur ganz selten eine Ver­bindung mit dem gewünschten Anschluß Herstellen, da die Bewohner des Ortes Doorn sehr früh zu Bett zu gehen pflegen und auf telephonische Anfragen nicht mehr reagieren. Auch Haus Doorn, der Mittel­punkt der telephonischen Erkundigungs­versuche, gab keine Antwort.

Rechtzeitig festgenommen

Eine Erklärung der

fk. Seil in, 13. Dez. Die Eeneralver- waltung des ehemalig regierenden preußi­schen Königshauses teilt uns zu den Nach­richten über einen Vorfall im Haus Doorn folgendes mit:

Am gestrigen Montag, dem 12. Dezem­ber, wurde von einem Bedienten von Haus Doorn am hellen Nachmittag unmittelbar vor dem Haus ein fremder Mann beobach­tet. Der Diener hielt ihn an und fragte ihn, wie er in den Park gekommen sei und was er wolle. Der Eindringling sagte, er sei über die ll mzäunung in den Park gekommen und wolle zum K a i - s e r. Der Diener brachte ihn auf die im

Generalverwaltung

Torgeläude von Haus Doorn stationierte holländische Wache.

Dort fand man bei dem Matzn, der ein Deutscher ist, einen Revolver und einen Dolch.

Er erklärte, daß er sich mit dem Revolver durch Luftfchüsse habe bemerkbar machen wollen, falls er den Kaiser im Park getroffen hätte. Den Dolch habe er bei sich geführt, um gegebenenfalls einen Wachthund unschädlich machen zu können. Der Mann wurde in Gewahrsam ge­nommen; er macht einen geistig nicht normalen Eindruck.

Vor dem Sturz Herriots?

Die Lage des Kabinetts äußerst kritisch

Paris, 13. Dez. Ministerpräsident Herriotsoll Montag abend in den Wan­delgängen der Kammer erNLrt haben, falls er am heutigen Dienstag keine Mehrheit erhalte, würde er in kein Ministerium ein« treten, dessen Politik nicht den von ihm am Montag in der Kammer entwickelten Richt­linien entspreche.

*

Die Lage des Kabinetts Herriot ist durch die ablehnende Haltung Amerikas gegenüber den englischen Vorbehalten äußerst kritisch geworden. _ In par­lamentarischen Kreisen und selbst in den­jenigen. in denen man dem Ministerpräsi­denten bisher blindlings gefolgt war, macht sich seit Montag abend eine immer größere Zurückhaltung bemerkbar, und es fehlt nicht an Stimmen, die das Kabinett am Schluß der Dienstagsitzung gefährdet sehen. Außer den Sozialisten, die bekanntlich in einem Fraktionsbeschluß gegen die Zahlung Stellung genommen haben, hat sich nunmehr auch die Gruppe der Links-Republikaner (Flandin) da­gegen ausgesprochen und ihren Präsidenten und ehemaligen Finanzminister im Ka­binett, Tardieu, beauftragt, in die heutige Aussprache einzugreifcn. Rechnet man zu den 161 Abgeordneten, über die diese beiden Gruppen verfügen, die 41 Mit­glieder der soziali.ftiscb - republikanischen Gruppe, sowie die 28 Mitglieder der fran­zösischen Sozialisten und die 10 Kommu­nisten und berücksichtigt man ferner, daß sich in der Mitte und auf dem rechten Flü­gel noch weitere Abgeordnete geg-'n die

Zahlung aussprechen werden, während selbst in den Reihen der Radikalsozialisten zahlreiche Stimmenenthaltungen eintreten dürften, so erscheint das Schicksal der Regierung in der Tat zweifel­haft.

Einige Morgenblätter mit dem sozialisti­schenPopulaire" an der Spitze sind daher auch schon jetzt der festen Ueber- zeugung, daß Herriot über die Schulden­zahlung gestürzt wird. Der Ministerpräsi­dent selbst hat diese Möglichkeit auch bereits ins Auge gefaßt und im Anschluß an seine Erklärungen vor dem Finanz- und dem Auswärtigen Ausschuß der Kammer darauf hingewiesen, daß er in diesem Falle die Wiederbetrauung mit der Ka­binettsbildung ablehnen werde.

Die Stellung des Stahlhelms zum Reichs­kanzler.

Stralsund. 12. Dez. Auf einer Führer- tagung des Stahlhelms in Stralsund sprach u. a. Bundeskanzler Major a. D. Wagner. Er warnte davor, der gegen den Adel betrie­benen Hetze zu unterliegen. Der preußische Landadel stelle die geborene Führerschicht dar. Zu raten bleibe, den freiwilligen Arbeits­dienst in soldatische Hand zu geben, ihn vom Arbcitsministerium zu losen, dem Reichs­kanzler zu unterstellen. Schleicher verstehe es in seiner gewandten Art, eine Menge von Schwierigkeiten und auch viele Kritik beiseite zu räumen. Seine augenblicklichen Matznab- men stimmten aber, wenn sie echt seien, be­denklich. Seien sie dagegen, was bei Schlei­cher nich! unmöglich erscheine, nur Tarnung, dann stehe ihm die Kraft des Stahlhelms zur Verfügung.

Arbeitsreiche Woche

Diese Woche wird noch eine Reihe wich* tiger politischer Beratungen und EreignissÄ bringen. Wie jetzt feststeht, tritt das Reichskabinett am Mittwoch zu« summen, nachdem voraussichtlich am Diens* tag der Reichsaußenminister dem Reichs-» Präsidenten über das Ergebnis von Genß Bericht erstattet hat. Auch im Kabinett wird hierüber natürlich gesprochen werdens Außerdem sind ja eine Reihe anderer wich-, tiger Punkte aktuell und man kann wohv annehmen, daß sie den Gegenstand der nächsten Kabinettsberatungen bilden. DaM gehött z. B. die Winterhilfe, dis gestern auch den HaushaltsausschuH be* schäftigt hat. Ob sie sich in dieser Form durchführen läßt, ist allerdings eine noch offene Frage. So wie sie vom Haushalts- ausschuß beschlossen worden ist, würde sie etwa 400 Millionen kosten. Natürlich hat das Reichskabinett sich auch sehr ernst mit der Frage zu beschäftigen, wie die Finan­zierung zu ermöglichen ist.

Am Mittwoch wird das Kabinett sich hör. allem auch mit der Abgrenzung des Auf- gabentteiies des neuen Reichskommissars für Arbeitsbeschaffung, Dr. Gereke, be- »Wie bereits bekannt geworden ist, )t beabsichtigt, einen neuen Apparat aufzuziehen. Die Form der Tätigkeit Dr. Gerekes ist vielmehr "so gedacht, daß er Ideen und Richtlinien für die Arbeits­beschaffung liefert, und daß die zuständigen Ressorts sich mit ihren besonderen Auf­gaben in diese Richtlinien einfügen. Damit wird ohne besonderen Reuaufwand eine gewisse zentrale Einheitlichkeit in der Ar­beitsbeschaffung gewährleistet. Sachlich ge* hören zu diesem Gebiet vor allem auch die Fragen der S i e d l u n g. Für dieses Pro* blem hat Reichskanzler von Schleicher ein besonderes Interesse bekundet. Es ist des­halb anzunehmen, daß die künftige Be­handlung der Siedlung sehr stark unter seinen persönlichen Einfluß gestelll werden wird. Weiter gehören zu den nächsten Aufgaben des Reichskabinetts noch die Milderungen, die für die jetzt gel­tenden Verordnungen zur Aufrecht- erhaltung der öffentlichen Ruhe und Sicherheit beabsichtigt sind.

Zu den Höhepunkten in der politischen Entwicklung dieser Woche gehött weiter die Rundfunkrede des Re ichskanz- lers von Schleicher am Donnerstag. Sie findet von 7.30 Ahr bis 8 Ahr abends statt. Der Kanzler wird sich natürlich über die ganzen wesentlichen Grundzüge oes Programms seiner Regierung verbreiten. Am Donnerstag findet außerdem noch die Reichsratssitzung statt, in der die vom Reichstag beschlossene Amnestie behandelt werden soll. Wie bereits früher Eldet, herrscht in politischen Kreisen die mng vor. dah der Reichsrat diese Vorlage nicht passieren lassen wird.

Für Freitag ist der auswärtige Ausschuß einberufen. Auf der Tagesordnung steht die Berichterstattung des ReichLaußennn- nisters über die außenpolittsche Lage -and zwar besonders über die Abrüstung und über die »Fünf-Mächte-Be- sprechung. Aus diesem ganzen Pro­gramm ergibt sich, daß die laufende Woche noch nichts von der Weihnachtsruhe ver­spüren läßt, die in früheren Jahren schon verhältnismäßig früh einzvsetzcn pflegte. Im Gegenteil sind die politischen Arbeiten noch immer im vollen Gang. In einer Frage wird die Entwicklung sich allerdings vor Weihnachten nicht mehr sehr vor­wärts drängen, nämlich in der W a h l d e S preußischen Ministerpräsiden-