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Nr. 291

OberheMckft Zekftmg, Marburg <t L.. Montag, bett 12. Dezember 1932

Seite 7

SMochivtchmarkr Frankfurt a. M.

12 Dezember, mittags 12 Ubr. (Vorbericht)

1. Rinder:

O

«

K

* i e tt, voll fleischige ausgemästete Ztr. Lbg. höchsten Schlachtwerts lungere Ml. 27—30

ältere „ 23—26 sonstige vollsteilchige jüngere 20—22

ullen. jüngere, oollfleischige

höchsten Schlachtwerts . „ 24—27

sonstige voll fleischig« od. ausgemästete „ 20—23 steischige . . „ —

gering genährte . —

ühe, jüngere, vollfleischige

höchsten Schlachtwerts . „ 23—25

sonstige vollfleischige od. ausgemästete „ 20—22

fleischige . . " 17-19

gering genährte . 12—16

Färsen (Kalbinnen, Jungrinder) vollfleischige, ausgemästet« höchsten Schlachtwerts .

oollfleischige lleischige

2. Kälber:

_ 28-30

„ 24-27

” 20-23

... ' ffiaft» und Saugkälber „ 34—37 mittlere Mast- und Saugkälber „ 30—33 geringe Kälber . ‘, 25—28

3. Schafe:

Mastlämmer und jüngere

Masthämmel Weidemast „ 22—25

Stallmast ’ -

mittlere Mastlämmer, älter« Mast­

hämmel und gut genährte Schafe „ 18—21

fleischiges Schasst« . „ —

gering genährtes Schafvteh . „ —

4. Schweine:

Fettschweine über 300 Pfd. Lebendgewicht „ —

vollfleisch.Schweine v. clu240—300 Pf.Lddg. „ 39—41 oollfIeijch.Schweinev.ca.200— 240Pf.Lbdg. „ 38—41 volllleisch.Schweine o.ca.160—200 PstLbdg. „ 87—40 fleischige Schweine v.ca.120—IMPsLbdg. . 34-33 fleischige Schweine unter 120 Pfd.Ldbg. „ —

Sauen . • ■ ~*

Austrieb: Rinder 1572, darunter Och­sen 435, Bullen 143, Kühe 542, Färsen 423, Kälber 530, Schafe 177, Schweine 4240, darunter 90 Memelländer.

Marktverkauf: Rinder u. Schweine ruhig, Kälber und Schafe mittelmäßig.

Erfreulicher Abend mit Sein- Gteguweit

Am Samstag abend las Heinz Stegu­wei t, eingeladen vom Deutsch-Nationalen Handlungsgehilfen-Verband und der Deut­schen Hausbücherei, im Landgrafenhaus aus seinen Werken. Die Hörer, die sich erfreulich zahlreich eingefunden hatten, dankten mit überreichem Beifall dem jungen rheinischen Dichter; wir wollen hoffen, daß auch der D.H-V., der aus dem Erlös des Abends seinen stellungslosen Mitgliedern eine Weihnachts­freude bereiten will, mit dem Ertrag des Abends so zufrieden ist wie die Zuhörer.

Steguweit las zunächst aus seinem Heim­kehrerroman „Der Jüngling im Feuerofen" das Kapitel: fünf mal ein Mensch. Unsere Leser kennen die schöne und tapfere Geschichte vom Manes Himmerod, der in den Wirren der Besatzungszeit im Rhein­land sich ungebrochen, fröhlich und gläubig ein neues Leben baut; sie kennen auch diese Episode, wie der Manes für fünf französische Soldaten, die er aus den Fluten des Rheins rettete, das Leben von fünf ausgewiesenen Deutschen verlangt und erhält. Steguweit mit seiner hünenhaften Gestalt sicher das Ur­bild des Manes Himmerod, gab mit seinem ruhigen und klaren Vortrag der Geschichte das rechte Leben. In der Art, roie sich bei ihm das echte nationale Pathos mit Humor und derber Freude an der Welt vereint, er­kannte man den echten Rheinländer — ich wenigstens wüßte keinen anderen Stamm, dem diese Mischung so gut gelingt. Nicht nur der stoffliche Vorwurf — das ewige Ringen um den Rhein —, auch Rhythmus und Klang der Sätze lieh an Josef Ponten erinnern.

An einen anderen Rheinländer, den zwar in Ottrau in der Schwalm geborenen, aber durch Wahl und Lebensarbeit zum Rhein­länder gewordene Wilhelm Schäfer, lieh der zweite Teil des Abends denken, als Steguweit aus seinen Kurzgeschichten las. Kurzgeschichten, so meint man manchmal, seien uns von Amerika eingeführt, man ver- gitzt dabei aber die deutsche Tradition^ie sich auf Kleist, I. Peter Hebel und eben Wilhelm Schäfer berufen kann. Auch Steguweits Kurz­geschichten haben kaum etwas mit der ameri­kanischen short stery zu tun. Sie haben dazu viel zu viel Tiefe, nicht selten auch einen metaphysisch-religiösen Zug, der viel eher auf Herkunft von der katholischen Legende schließen lätzt. Ganz deutlich wurde dies bei der Geschichte vom geraubten Jesuskind". — Steguweit verschmäht dabei keineswegs das Bekenntnis zum schlichten Glauben an das Wunderbare. Mit besonderer Ergriffenheit nahm man die Geschichte „Eine Kompagnie Soldaten" auf, ein schönes, knapp gefügtes Kunstwerk. Dies Bekenntnis zu preußischer Größe, die selbst aus einem Kranken, der sich für den großen König hält, spricht, tst beson­ders . .erftxulich aus dem Munde des Rhein- länders.,^. "

Seiner lebensfrohen, aber darum noch lange nicht flachen, rheinischen Ader entspran­gen dann die folgenden Anekdoten vom „un­beholfenen Professor", vom „heiligen Tromm­ler" und vor allem „Eine Flasche Wein". Mancher der Hörer wird nun gewiß gern zu den kleinen Bänden seiner Kurzgeschichten („Schellenbaum" und Sesam, öffne dich") greifen.

Zum Schluß las Steguweit noch zwei Ge­dichte, ein Liebesgedicht, das durch seine Verbundenheit mit Wald und Landschaft seine eigene Tiefe gewann, und die hym­nischen Strophen: „Die im Sterben dennoch fingen“, die noch einmal wie in einem Brenn- piegel die tiefsten Wesenszüge dieses jungen

rheinischen Menschen einfingen: seine demü­tige Gläubigkeit und sein starkes Bekenntnis zu Volk und Reich.

Für diesen Abend sind wir den Veranstal­tern und dem Dichter zu rechtem Dank ver­pflichtet. Was man von dem „Jüngling im Feuerofen" her sich dachte, wurde durch den Dichter selbst und seine Vorlesung unter Be­weis gestellt: Hier ist ein junger, urwüchsiger Mensch, in deffen Werk das Leben selbst in seiner Ungebrochenheit und Sieghaftigkeit, fern von Literatur und Aesthetentum, zum Ausdruck kommt. Zugleich aber.stellt sich der Dichter, wie er sein Werk der Verantwort­lichkeit gegenüber der Sprache und der Form unterwirft, unter das Gesetz des Volkes und des Glaubens. —o. —r.

Letzte Meldungen

Schwere Bluttat in StalupSnen.

3 Tote.

fk. Tilfit, 12. Dez. In Bonmeyken im Kreis« StalupSnen wurde Sonntag mor­gen von unbekannten Tätern ein schwerer Ueberfall auf das alleinliegende Gehöft Küch ausgcführt. Die 50 Jahre alte Toch­ter wurde im Stall beim Viehfüttern von den Banditen überrascht und durch mehrere Schüsse getötet. Die Burschen drangen dann in das Wohnhaus ein und töteten durch einen Kopfschuß den greisen Küch, der sich gerade anNeiden wollte. Die Ehe­frau Küch, die zu entkommen versuchte, wurde ebenfalls erschosien. Sämtliche Be- hältnisie in der Wohnung find durchwühlt. Ein litauischer Arbeiter, der geflüchtet ist, steht unter dem Berdacht, am Ueberfall be­teiligt zu sein.

Raubmord in Plauen.

fk. «Plauen (Vogtland), 12. Dez. Die 61 Jahre alte Ehefrau des Lebensmittel­händlers Maximilian Höfer wurde in ihrer Wohnung in der Ostvorstadt er- mordet-aufgefunden. Die Leiche wies mehrere Messerstiche am Hals auf. Die Täter haben etwa 10 “Jt aus der La­denkasse geraubt. Im Schlafzimmer und Badezimmer durchwühlten sie sämtliche Behältnisse und fanden weitere 90 Jt.

Bor den Augen der Mutter tödlich überfahren.

Wiesbaden, 11. Dez. Die zehn­jährige Schülerin Elli Landler, die mit Zeitungsaustragen beschäftigt war, wurde Sonnabend abend das Opfer eines Ver­kehrsunfalls. Das Kind, das zu seiner Mutter auf die andere Straßenseite wollte, wurde von der Mutter auf ein heran­nahendes Personenauto aufmerksam ge­macht. Dabei übersah es ein von der anderen Richtung kommendes Lastauto. Beim lleberschreiten der Straße wurde das Mädchen von dem Lastauto über­fahren und so schwer verletzt, daß es als­bald verschieden ist.

Tagesanzeiger.

Montag, 12. Dezember.

Vergnügungsanzeiger.

Kratz'fche Bierstube, Marktgasse: 17 und 20 Ahr: Künstlerkonzert der Kapelle Willy Otto.

Cafe Markees, Reitgasse: W 20 Ahr: Konzert, Hansi Ruitsch mit seinem Orchester.

Cafe Detter, Reitgasse: Ab 20 Ahr: Dobbh Müller und seine Solisten.

Stadtkeller: 20 Ahr: Künstlerkonzert.

Restaurant Daub, Frankfurter Str.: 20 Ahr. Konzert mit Tanzeinlagen.

Capitol, Biegensttaße: 15 Ahr: „Ikarus, Günther Plüschows Fliegerschicksal" und 17 und 20.15 Ahr: „Paprfta".

Kamera, Kasernenstraße: 17 u. 20.15 Ahr: „Der weihe Dämon".

Lichtspiele, Bahnhofstraße: 15.30, 17.30 Und 20.15 Ahr: „Der träumende Mund", ferner 22.30 Ahr: „Liebeskommando".

Versammlungen, Vorträge, sportliche Veranstaltungen usw.

Konzettvereinschor: Probe.

Dolkshochschule: 20.15 Ahr im Hörsaal 29 des Landgrafenhauses: Pfarrer Dr. Rit­ter: „Geschichte der deutschen Jugend­bewegung".

Literarische Gesellschaft: 20.30 Ahr: Land­grafenhaus, großer Hörsaal: 2. Dichter­abend „Manfred Hausmann".

Dienstag, 13. Dezember.

Deutsch-Evang. Frauenbund: 16.30 Ahr im kleinen Stadtsaal: Adventfeier.

Wintersport-Wetterbericht.

Sauerland: Willingen: Bedeckt, —6 Grad, 15 Zentimeter, Pulver, Sportmög­lichkeit vorhanden. — Rhön: Wasserkuppe: Klar, —9 Grad, 7 Zentimeter, Pulver, Ski und Rodel gut. — Schwarzwald: Feldberg: Nebel, —8 Grad, 25 Zentimeter, Pulver, Skt und Rodel gut. — Harz: Schierke: Älar —6 Grad, 10 Zentimeter, gekörnt, nur Skt möglich; Braunlage: Be- wöltt, —6 Grab, 8 Zentimeter, gekörnt, Spottmöglichkeit stellenweise.

Ein D-Zug-Marder erbeutet Geheimpläne

Paris, 11. Nov. Die Polizei in Lille verhaftete einen D-Zug-Marder, der einem Reisenden im Zuge Pans-Boulogne eine Handtasche gestohlen hatte. In dieser Tasche befanden sich wichtige geheime Schiffbau­pläne. Obgleich die Polizei darüber streng­stes Stillschweigen bewahtt, bringt man diele Pläne in Zusammenhang mit dem Bau des neuen französischen 26 000 - Tonnen-Groß- kampfschiffes „Dünkirchen". Es scheint je­doch, als ob der Verhasttte es weniger auf । die geheimen Akten als auf Geld und Wett- gegenstände abgesehen hatte und den Wett der ihm in die Hände gefallenen Pläne überhaupt nicht kannte.

Für nuverlaugt eingesandte Manuskripte wird kein« Gewähr übernommen.

Geschäftlich« Mitteilung.

):( Sparen, aber nicht am fak schm Fleck. In Notzeitm ist mancher geneigt, aus so­genannten Sparsamkeitsgründen nach bil­ligen Ersatzmitteln zu suchen. Jeder wird die Beobachtung machen müssen, daß in sol- chm Seiten diese billigen Sachen wie Pilze aus der Erde schießen, weil man mit der Einstellung der Menschm rechnet, die häufig denken, daß man durch billigen Ein­kauf spart. Das tst grundfalsch. An einem Beispiel sei's gezeigt: Die gualitatio hoch- wettige Chlorodont-Zahnpaste ist im Preise etwas höher, als in jüngster Zeit ange- vriefene billige Zahnputzmittel, aber die Chlorodont-Zahnpflegemittel sind preis­werter, weil sie vorzüglich in der Wir­kung, sparsam im Verbrauch und von höchster, stets gleichbleibender Qualität sind.

LlwertMeWaM Illi. bas Haus ber gMten t Mcher-MÜÄväN

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** Die großen Meister bet Musik. Herausgegeben von Dt. Ernst Bücken Pto- fesiot an der Universität Köln unter Mitwir­kung von Dr. Hans Eschmann-Köln, Dt. Karl Geiringer-Wien, Dr. Herbert Gettgk-Berlin, Prof. Dt. Fritz Gysi-Zürich, Prof. Dt. Rodert Haas-Wien, Dr. Erwin Kroll-Königsberg, Prof. Dr. Josef Müller-Blattau-Königsberg, Privatdozent Dr. Rudolf Steglich-Erlangen, Prof. Dt. Fritz Stein-Kiel. Mit 800 Abbil­dungen im Text, 120 z. T. vierfarbigen Tafeln und ca. 1500 Notenbeispielen in 60 Lieferun- Kn zu je 1,80 M. Akademische Verlagsgesell-

ast Athenaion m. b.H. Potsdam. Lieferung 8 und 4. — Wie sehr unserem Schrifttum ein völlig neuer Typ bet Musikerbiographie not­tat, zeigt mit seltener Deutlichkeit die neue Buchreihe bet „Großen Meister der Musik". Was gerade auf dem Gebiet der Biographie ein kaum erreichbares Ziel schien, der Ein­klang von wissenschaftlicher Fundierung und angenehmer, allgemeinverständlicher Darstel­lungsweise, das ist hier zur erfreulichen Selbstverständlichkeit geworden. Damit ist gleich ein weiterer kaum zu überschätzender Vorteil verbunden: diese Viogtaphienteihe darf mit Recht auf einen ganz großen Leser­kreis rechnen, denn jeder, der Musik als Aus- übenber und Studierender in Theorie und Praxis treibt, aber ebenso jeder Musikfreund und Liebhaber, also jeder Nur-Hörer, findet hier die für ihn geschriebenen Deutungen von Leben und Werk der großen Komponisten. Dabei wird das Werk, das musikalische Schaffen, unzweideutig in den Vordergrund gerückt, ohne daß das Leben, also der Mensch, Künstlet und Umwelt zu kurz kommen. Das musikalische Genie in seiner geistesgeschicht­lichen und kulturellen Verbundenheit mit der Zett und doch in seiner Einmaligkeit zeichnet sich in der Darstellung hervorragender Sach­kenner lebensvoll ab. Die neu erschienenen Lieferungen bringen die Fortführungen der Haydn- und der Verdi-Biographie. Zwei Mu- sikerbildnisse von vorbildlicher Lebensnähe

und Leuchtkraft sind da im Entstehen. Karl Eeiringet-Wien zeichnet das frühe Schaffen Haydns und hebt bei der Frage der Vorläufer als neue Tatsache besonders die Bedeutung Monn's hervor. Eine eingehende und über­aus intcresiant und aufschlußreich durchge- führte Analyse der ersten Streichquartette schließt sich an. Herbert Eetigk-Detlin wür­digt das Opernschaffen de? jungen, unbekann­ten Verdi und räumt gründlich mit den un­haltbaren, veralteten Anschauungen auf, die gerade Verdi gegenüber immer noch im Schwange sind. Dabei stellt er ganz besonders „Die beiden Foscari" und „Macbeth" als die Keimzellen seines späteren Opernstiles her­aus. Beide Lieferungen find wieder reich mit erlesenem Bildermaterial und auch ganz be­sonders mit treffenb gewählten Notenbei­spielen versehen, das Verdi-Heft auch mit einem schönn Faksimile eines bisher unbe­kannten Briefes. Gerade auch die reichhaltige und geschmackvolle Ausstattung, die durch Bild und Notenbeispiel überall das geschrie­bene Wort ergänzt und unterstützt und dem Leser wichtige Anhaltspunkte und Aufklärung gibt, hebt diese prächtige Biographiensamm- tung weit aus der übrigen Buchproduktion auf musikalischem Gebiet heraus. Dr. B. M.

** Dr. Wilhelm Stapel: „Preu ßen muß sein. Eine Rede für Preu­ßen." Hanseatische Verlagsanstalt, Ham­burg. Kartoniert 3LM, 1,—. — Preußen muß senil „Heber das Verhältnis des Staates Preußen zum Reich, über die .Reichsreform' ließe sich in Ruhe sprechen, wenn nicht düs Veränderung des preußischen Staates im Rahmen des Eesamtreiches allzu häufig auch aus einer Gehässigkeit gegen Preußen betrie­ben würde, die in geschärften und heraus­fordernden Formeln wie .Preußen muß zer- stött werden' und .Preußen muß zerschlagen werden' ihren nicht nur staatsrechtlichen, son­dern auch emotionellen Ausdruck findet. In solchen Watten spricht nicht mehr nur der Staatsrechtler und der Verwaltungsrechtler, sondern der Hassende, der em historisches

Staatengebilbe deshalb verfolgt, weil ihm bie Zertrümmerung des verhaßten Staates einen historischen Rachetrieb befriebigt.“ Mit diesen Motten packt Wilhelm Stapel in sei­ner neuesten Schrift „Preußen muß sein", die unmittelbar nach den Tagen der Reichs- erekution gegen Preußen erschien, mitten in das Problem der Reichsreform, soweit die Erhaltung oder die Zerschlagung, Preußens damit in Verbindung gebracht wird. Diese Schrift war mehr als notwendig in dem Hm und Her der Fronten; wie ein reini­gendes Gewitter fährt Stapel mit seinen prachtvoll formulierten Sätzen in den Schwulst des Geschwätzes, das sich in den letzten Jah­ren immer stärker mit Preußen und seinem Bestände als Staat befaßte und nun in den letzten Wochen den Höhepuntt des Durch­einander der Meinungen, Interessen und Vor- urteile, des Hasses und der Dummheit er­reicht hat. Es ist eine Wohltat, in so um­strittener Frage die Dinge einmal Hat beim Namen genannt zu hören, einmal die Hinter­gründe enthüllt zu sehen, aus denen heraus die „modern" gewordenen Angriffe auf Preu­ßen, seinen Staat und seinen Geist erfolgen. Es soll sich niemand mit der Frage der Preu- ßenregieruna, mit dem Verhältnis Preußen- Reich ober der Reichsreform beschäftigen, ber bieses klärende und tapfere Wott Stapels nicht gebärt hat. Vor allem aber dem, ber em Preuße ist unb einer sein will, sei diese Schrift in die Hand gegeben als ein stolzes Erinnern an Erbe, Pflicht unb Aufgabe, bie dem Preußen gerade jetzt in ber Gegenwart für Bestand und Würde des Reiches ver- antwottlicher als je gesetzt sind. Indem Stapel nämlich entschlossen und ohne Scheu die Dorwütte angeht, die heute gewöhnlich gegen Preußen erhoben werden und teils schon immer erhoben worden sind, arbeitet er das Bild eines Preußen heraus, zu dem man nicht durch Eebutt, sondern durch Be­kenntnis gehört, und das noch lange feine Aufgabe im Reich und ht der Welt zu er­füllen hat. Stapel redet keineswegs einer Zurücksetzung der Länder zugunsten Preu­

ßens das Wott oder einer Vergewaltigung der Stammeseigentümlichkeiten. Er gibt zu: „Wo der Sonderwille erlöscht, erlischt das Gefühl der Freiheit als eine .Ehre'". Er scheut nicht die Feststellung, daß die letzte Konsequenz des Pattikularismus der Se­paratismus ist, aber er weiß gerade die echte Eigentümlichkeft ber Länder und ihrer Rechte nur gesichert mit dem Erhalt eines starken Preußens. „Preußen ist bie poli­tische Substanz ber deutschen Welt", dieser Kernsatz der Schrift Stapels muß jetzt in aller Deutlichkeit ausgesprochen werden. Noch ist diese polftische Substanz nicht zerstört wor­den unb niemanb in Deutschland darf biese Substanz zerstött wissen wollen, wenn er nicht das endgültige Ausscheiden Deutschlands aus der Reihe der Mächte, die bie Weltgeschichte machen, herbeiführen will. Ist politisch die Zerschlagung Preußens nicht zu wünschen, so erst recht nicht aus verwaltungstechnischen Gründen. Den Verwaltungsbürokraten in der Reichsreform-Bewegung sagt Stapel mit vollem Recht: „Es ist ein lächerlicher Ge­danke, daß Preußen aufhören muß, weil es zuviel Geld kostet". Richt aus der Zer­schlagung Preußens, erst aus der Vollendung Preußens geht das Reich hervor, das ist die befreiende Erkenntnis dieser Rede für Preu­ßen, die zur Parole werden muß für die, bie sich zum Reich bekennen, zu einem Deutsch­land, bas politisch mächtig unb verbindlich ist in Europa, in ber Welt. Denn wir wollen ein Reich, das roieber Geschichte macht, wir wollen ein Reich, bas nicht von Partei- dottrinären unb Verwaltungsbürokraten, son­dern von Politikern geführt wird. Lokal- patrioten und Partikularsten wird die Fest­stellung nicht unangenehm sein, daß der deut­sche Mensch nur insofern politische Fähigkeiten hat, als er preußische Tugenden besitzt, aber Stapel wird dabei alle die hinter sich haben, die den Anspruch erheben, politische Men­schen zu sein, einem historischen Erbe ber Vergangenheit verpflichtet unb einem klaren politischen Ziel der Vernunft verantwortlich.

Friebttch Branbenburg.