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Anzeiger der amtliche« Bekanntmachungen fiir Stadt und Kreis Marburg.
Kompromißlösung in Genf
Gleichberechtigung als leitender Emndsatz der Verhandlungen — Deutschland nimmt an der Konferenz wieder teil
fL 6 e n f, 12. Dez. In der letzten Nacht- itzung hat die Fünf-MSchte-Konferenz in Eens die neue Formel über die Gleichberechtigung angenommen. die in Gestalt eines Abkommens zwischen den fünf Mächten beschlossen wurde und der die beteiligten Regierungen ihre Zustimmung gaben. Eie besteht aus vier Punkten und sieht
die Anerkennung der Gleichberechtigung Deutschlands von den anderen durch Vertrag abgerüsteten Staaten als einen der Grundsätze für die Konferenz vor, sodann
die Rückkehr Deutschlands zur Abrüstungskonferenz,
eine gemeinsame feierliche Erklärung, Streitigkeiten nicht mit Gewalt zu lösen,
und auf der Konferenz daraufhinzuwir- ken, daß eine wesentliche Herabsetzung der Rüstungen herbeige- sührt wird.
Die Stellungnahme der Regierung za dem Ergebnis von Genf kommt in dem halbamtlichen Kommentar, den wir trotz mancher Bedenken unten im Wortlaut tote« der geben, zum Ausdruck. Man wird diesen Kommentar sehr aufmerksam lesen müssen, ton herauszu finden, daß es sich bei ver Genfer Einigung um ein Kompromiß handelt, das keineswegs nur Deutschland günstigere Aussichten für die Zukunst — von augenblicklichen praktischen Erfolgen kann ja keine Rede sein — eröffnet. Gewiß wird man es als einen Erfolg bezeichnen können, daß in das System des Versailler Vertrages nun wieder an einer anderen Stelle eine Bresche geschlagen wurde. Aber Frankreich bleibt an seine Zugeständnisse nur dann gebunden, wenn die kommenden Verhandlungen ihm ausreichende Sicherheitsgarantien gewähren. Wir sind also doch von unserer Ursprünglichen Forderung nach bedingungsloser Anerkennung der t a t s 2 ch l i ch e n Gleichberechtigung erheblich zvrück- gewichen, und von jener durch den ReichS- wehrminister angekündigten Reuorganifa- tion unserer Wehrmacht — falls nicht praktische Fortschritte in der Rüstungs- angleichung erzielt würden — ist nicht mehr die Rede. Trotzdem — und hier liegt zweifellos der große Erfolg der Gegenseite, namentlich Frankreichs — kehren wir zur Abrüstungskonferenz zurück und helfen den Gegnern ans der Sackgasse heraus, in die sie durch die Richtbetelligung Deutschlands hineingeraten waren. Daß von deutscher Seite bet allem Bemühen, das Genfer Ergebnis als einen Erfolg darzustellen, ernste Bedenken nicht verschleiert werden können, geht namentlich aus zwei Sätzen hervor. Es ^iht einmal: „Das Abkommen kann naturgemäß keineGewähr dafür,'bieten, daß bei der Verwirklichung seiner Grundsätze nicht Schwierigkeiten entstehen." And an anderer Stelle: „Ob die kommenden Abrüstungsverhandkungen ebenfalls zu einem befriedigenden Ergebnis führen, das hängt natürlich von den Einzelheiten des Materiellen Derhandlungsinhalts ab. Hiermit steht die Stelle der Erklärung im Zusammenhang, daß die Art und Weise der Anwendung der Gleichberechtigung awf der Konferenz erörtert Verden solle." Die Gegenseite tauscht also die Rückkehr Deutschlands zur AbrüstungS- wilfevenz gegen ein Versprechen ein, des
Wortlaut der Erklärung
Halbamtlicher Kommentar
standslos.
Eine wekentliche Bedeutung dec Genfer Erklärung liegt in der Tatsache, daß die Revision der Entwaffnungsbestimmungen des Versailler Vertrages damit eingeleitet ist. Der Teil V des Versailler Vertrages kann nicht mehr als eine Sonderbestimmung gegen Deutschland gelten. Wenn
Erklärung vor.
Sie bejaht die deutsche Gleichberechtigung als Grundsatz der Abrüstungskonferenz. Damit ist die Gleichberechtigung nicht, wie es bisher der französische Standpunkt war, das spätere Ziel, sondern als grundlegendes Prinzip der Ausgangspunkt aller weiteren Abrüstungsverhandlungen. Die Erklärung geht aber auch noch den Schritt weiter vom grundsätzlichen zum praktischen Zugeständnis, indem sie die Entschlossenheit der Mächte betont, darauf hinzuwirken, daß das Abrüstungsabkommen unverzüglich ausgearbeitet wird. Damit wird der früher geäußerten deutschen Befürchtung Rechnung getragen, daß man versuchen könnte, einen po
fen Erfüllung von vornherein mehr als fraglich ist. Die Frage der Gleichberechtigung ist jetzt so eng und unmittelbar mit der französischen Forderung nach Sicher» heitsgaraickien verknüpft, daß die Schtoie- rigkesten bei den Verhandlungen um die materiellen Zugeständnisse schon jetzt als unüberwindlich angesehen werden können. In der Frage der Anerkennung der
gen herbeiführt und gleichzeitig eine künftige Revision zum Zwecke der weiteren Herabsetzung vorfieht."
Diese Abuachurrgen wurden in sechs Ausfertigungen in englischer Sprache als dem maßgebenden Text unterzeichnet. Jede der beteiligten Regierungen erhielt eine Ausferti- C Die sechste wurde dem Präsidenten der stungs-Konferenz, Henderson» übergeben, der Unterzeichnung beiwohnte.
FüusmSchtebfsprechungeu als feste Einrichtung.
Gleichzeitig trafen die fünf Großmächte eine mündliche Vereinbarung, derzufolge ihre Vertreter künftig im Verlauf der Abrüstungsverhandlungen von Fall zu Fall, wie dies bisher schon in der Seeabrüstungsfrage geschieht, zusammentreten, um etwa auftato chende Schwierigkeiten zu beseitigen und sich
über ein gemeinsames Vorgehen zu verständigen. Ein französischer Antrag, zu diesen Funfmächtebesprechungen außer dem Präsidenten der Konferenz, Henderson, auch den Konferenz-Berichterstatter Benesch hinzuzuziehen, wurde von den übrigen vier Mächten nicht angenommen.
Die fünf Großmächte-Vertreter trafen sich nach dem Unterzeichnungsakt bei Macdonald zu einem Frühstück und verließen im Laufe des Nachmittags Genf, bis auf Sir John Si- mon, der sich tn den nächsten Tagen mit Er- Mnzungsvekhandlungen zu bet heutigen Ab-' machung und mit Besprechungen über die Seeabrüstungsfrage beschäftigen wird.
Die Abmachung über die deutsche Gleichberechtigung wird von Henderson am Diens-
sich ungefähr bis zum Jahre 19 3 6 vertagen wird, um erst wieder gelegentlich de» Ablaufs des Washingtoner und Londoner Flottenabkommens wieder zusammenzutreten.
tag im Büro und am Mittwoch im Allgemeinen Ausschuß der Abrüstungs-Konferenz zur Kenntnis gebracht werden. Die Abmachungen werden voraussichtlich von den übrigen Staaten ohne Widerspruch zur' Kenntnis genommen werden.
An den Sitzungen des Büros und des Allgemeinen Ausschußes am Dienstag und Mittwoch der kommenden Woche, in denen über eine Wiederaufnahme der Abrüstungsverhandlungen für Ende Januar oder Anfang Februar Beschluß gefaßt werden soll, werden die Vertreter Deutschlands bereits wieder teilnehmen. Die Fortsetzung der Abrüstungsverhandlungen wird sich voraussichtlich in einem engeren Rahmen vollziehen. Es besteht die Absicht, die Unzahl von technischen Ausschüssen und Unterausschüssen scharf zu be- arenzen und alles auf wenige entscheidende Organe zu konzentrieren.
Vertagung von 1933 auf 1936?
Man nimmt an, daß in den Verhandlungen die im Februar im Allgemeinen Ausschuß beginnen sollen, die Vorschläge Norman Davis über eine Vertagung der Konferenz und den Abschluß eines Vor-Abkommen wie-
sstiven Ausgang der Abrüstungsverhandltm- gen immer weiter hinauszuschieben.
Verwirklichung der Gleichberechtigung?
Ob die kommenden Abrüstungsverhand- lungen ebenfalls zu einem befriedigenden Ergebnis führen, das hängt natürlich von den Einzelheiten des materiellen Verhandlungsinhalts ab. Hiermit steht die Stelle der Er- llärung im Zusammenhang, daß die Art und Weise der AnwenduiU der Gleichberechtigung auf dec Konferenz erörtert werden soll. Dieser Standpunkt entspricht durchaus der früheren deutschen Stellungnahme. denn auch in dem deutschen Memorandum vom 29. August wurde gesagt, daß der materielle Inhalt der Regelung der Gleichberechtigung Spielraum für Verhandlungen biete.
Die Reichsregierung wird ihr besonderes Augenmerk darauf richten, daß der Inhalt der späteren Abrüstungskonvention, also das, was sie den einzelnen Staaten zugesteht, auch dem jetzt feierlich erllärten Prinzip der Gleichberechtigung Deutschlands entspricht. Nur damit kann auch das System geschaffen werden, das nach dem Wortlaut der Genfer Er- klärung allen Rationen Sicherheit bieten soll.
Was unter diesem System zu verstehen ist. das ergibt sich am klarsten aus der Entschließung der Völkerbundsversammlung vom 25. September 1928, in der festgelegt wurde, daß' zu diesem System in erster Linie die gleichmäßige Abrüstung aller gehört. Im selben Sinne ist immer wieder die deutsche Forderung: „Gleiches Recht und . gleiche Sicherheit" erhoben worden. Die Sicherheit ist und bleibt nicht etwas, was der Abrüstung vorausgeht, sondern sie wird erst durch die Abrüstung gewährleistet. Das „System" ist also in der Abrüstungskonvention zu sehen. Sie wird nach der Entschließung aller be- teiligten Mächte noch ergänzt durch den in Aussicht genommenen Nichtangriffspakt.
Die am Samstag zustandegekommene Eini- oungsformel wurde noch in der Nacht den Regierungen in Paris, Berlin und Rom mitgeteilt und erhielt bis zum heutigen Vormittag die endgültige Zustimmung der beteiligten Regierungen. Diese Abmachung gliedert sich in vier kurze Erklärungen, die folgenden Wortlaut haben:
„1. Die Regierungen des Bereinigten Königreichs. Frankreich nnb Italiens haben erklärt, daß einer der Grundsätze, die Konferenz leiten sollten, darin bestehen muß, Deutschland und den andern durch die Verträge abgerüsteten Staaten die Gleichberechtigung zu gewähren in einem St)item, das allen Rationen Sicherheit bietet, und daß dieser Grundsatz in dem Abkommen, das die Beschlüsie der Abrüstuugs- Konserenz enthalt, verwirklicht werden soll.
Diese Erklärung schließt in sich, daß die Rüstungsbegrenzungen für alle Staaten in dem in Aussicht genommenen Abrüstungs-Abkommen enthalten sein müßen. Es besteht Einvernehmen darüber, daß die Art und Weise der Anwendung dieser Gleichberechtigung auf der Konferenz erörtert werden wird
2. Aus der Grundlage dieser ErNärung hat Deutschland seine Breitwilligkeit ausgesprochen. au der Abrüstungs-Konsereu, wieder teilzunehmen.
3. Die Regierungen des Bereinigten Königreichs, Frankreichs, Deutschlands und Italiens find bereit, gemeinsam mit allen anderen europäischen Staaten feierlichft noch einmal zu bestätigen, daß fie unter keinen Umständen versuchen werden, gegenwärtige oder künftige Streitfragen zwischen den Unterzeichnern mit Gewalt za lösen. Dies soll einer vollständigen Erörterung der Frage der Sicherheit nicht oorgreiseu.
4. Die fiins Regierungen der Bereinigten Staaten, des Bereinigten Königreichs, Frankreichs, Deutschlands und Italiens erklären, daß fie entschlossen find, auf der Konsereu, gemeinsam mit den anderen dort vertretenen Staaten daraus hiuzuwirkeu, das unverzüglich ein Abkommen ausgearbeitet wird, das eine wesentliche Herabsetzung
Berlin, 11. Dez. In Berliner politischen Kreisen wird die Einigung, die in Genf erzielt wurde, als ein (tarier Erfolg der Abrüstungspolitik gewertet, die Deutschland trotz aller Schwierigkeiten und Widerstände bis zu dem heutigen Ergebnis gradlinig verfolgt hat. Die Reichsregierung hat jetzt erreicht, daß die deutsche Gleichberechtigung in der Abrüstung von den anderen Mächten grundsätzlich und effektiv anerkannt worden ist.
Dieser Erfolg tritt um so stärker hervor, wenn man sich vergegenwärtigt, daß Frankreich es noch im Juli abgelehnt hat, die Gleichberechtigung überhaupt nur zu diskutieren. Trotzdem hat Reichskanzler v. Popen sie am Schluß der Lausanner Konferenz als unumstößliche Forderung angemeldet. Es lag in der Konseauenz dieses Anspruchs, daß Freiherr v. Neurath nach der Entschließung vom 23. Juli der Abrüstungskonferenz die präzise Frage vorlegte, wie es mit unserer Aufnahme in die Abrüstungskonvention stehe. Dies wurde barm noch näher präzisiert in dem Memorandum vom 29. August, in dem gefragt wurde, ob die abzuschließende Konvention ebenso wie für die anderen Mächte auch für uns gelte, und ob auch für die Geltungsdauer und die Revisionsmöglichleiten dieser Konvention die Bedingungen die gleichen seien.
Die Gegenseite hat sich zmMhst der Beantwortung dieser Fragen entzogen. 3m Verlauf der letzten Genfer Verhandlungen des Reichsauhenministers ist es nun jedoch gelungen, eine Beantwortung unserer Fragen
Ostgrenzen, der Kontrolle — wovon in der französischen Presse schon jetzt mit Betonung die Rede ist —, der begrifflichen und praktischen Festsetzung der „Sicherheit" tuen sich Abgründe auf, denen die deutsche Außenpolitik bisher nur mit Mühe auszU- toeichen vermochte Und an die ein geschickter Schachzug der französischen Diplomatie uns nun wieder bedrohlich herangebracht hat.