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^derdesfische Zeitung. Marburg a. L. Doemerstag. den 8. Dezember 193L
Nr. 288
Aus der Umgegend
Kreis Mervurs
Sieben Jahre Wctschaststalsängerbund.
s W e t t er , 4. Dez. Der Wetfchaftstalsän- gerbund hielt am Sonntag in der Bahnhofswirtschaft, Sunt, Wetter, seinen 7. Haupt- jängertag ab. Außer den angeschlossenen Bun- desvercinen von Wollmar. Münchhausen, Todenhausen, Simtshausen. Wetter, Niederwetter, Amönau, Unterrosphe und Sterzhausen waren noch Vertreter der Männcr- gcsangvereine von Wetter und Amönau erschienen.
Um 2 Uhr eröffnete der Bundesvorsitzend«, Lehrer Schiitrumpf (Simtshausen), die gut besuchte Versammlung. Nach Erstattung des Geschäftsberichtes wurde über das Bundesfest des nächsten Jahres gesprochen. Satzungsgemäß wurde das Fest durch Verlosung dem Bundesverein Unterrosphe zugcsprochen, der seinerseits das Fest auf den zweiten Pfingsttag festgelegt wiffen wollte. Außerdem wurde bekanntgegeben, daß das Bundesfest des Lahntalsänqerbundes Anfang Juli in Niederwetter stattfinden würde. Dann erteilte der Vorsitzende Herrn Hauptlehrer Paulus (Münchhaufen) das Wort zu seinem Referat über den Abschluß mit den Tynsetzerverbänden. Herr Paulus betonte, dah der Abschluh mit den Tonsetzerverbänden unter den seitherigen Bedingungen nicht mehr getätigt werden könne. Es blieben für die Zukunft nur zwei Wege offen, zu einem Abschluß zu gelangen: entweder Einzelabschluh eines jeden Vereins mit 25 für eine Veranstaltung oder Kollektivabschluß des gesamten Bundes. Nach reiflichen Ueberlegungen entschied sich die Versammlung für den letzten Weg. Danach wurde über das Wertungssingen des kommenden Jahres gesprochen. Die Versammlung schloß sich dem Standpunkt des Varsitzenden an, wonach das Wertungssingen zu den unerläßlichen Höhepunkten im Bundesleben gehöre. Demgemäß wurde beschloßen, daß das Wertungsstngen wieder in Wetter stattfinden sollte. Als Preisrichter wurde em- stimmig Herr Lehrer Rohde (Marburg) gewählt. der schon in früheren Jahren di« Leistungen der Bundesvereine gewertet hatte. Run erteilte der Vorsitzende Herrn Dönges (Simtshausen) das Wort zur Erstattung seines Kassenberichtes. Nach Erstattung des Berichtes und nach Prüfung der Bundeskasie wurde dem Kassierer Entlastung erteilt. Gegen 5 Uhr konnte der Vorsitzende die arbeitsreiche Tagung schließen.
Dreister Einbruch.
Mellnau, 8. Dez. Gestern abend wurde hier ein dreisterErnbruch verübt. Erne von hier stammende weibliche Person stieg bei einer hiesigen Einwohnerin durchs Fenster ms Haus und entwendete Schuhe, Lebensmittel und Kleidungsstücke. Da die Frau im Orte gesehen worden war, fiel der Verdacht sofort •(juf sie. Auf dem Wege nach Wetter wurde -sie eingeholt. Dre gestohlenen Gegenstände wurden sichergestellt.
Autozusammenstoß.
Dreihausen, 7. Dez. Heute nachmittag gegen 4 Uhr ereignete sich auf der Straße nach Roßberg vor her Kirche der selbständigen ev.-luth. Gemeinde ein Autounfall. Das Auto eines Marburger Arztes, das die Dorfstraße herauflam und nach links einbog, stieß mit einem Auto eines Zigarettenreisenden aus Lollar zusammen. Während das Auto des Marburger Herrn nur leicht befchädrgl war, erlitt das Auto des Reisenden einen Achsenbruch und konnte erst spät abends, nachdem es provisorisch repariert war. seine Reise fortsetzen.
Werbeabend der Sanitätskolonne.
r. Rauschenberg, 5. Dez. Gestern hielt die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz einen gutbesuchten Werbeabend ab. Der Vorsitzende. Kolonnenarzt Dr. med. Henkel. konnte in seiner Begrüßungsansprache, die auch Entstehung und Zweck des Roten Kreuzes in seinen vielgestaltigen Tätigkeitsgebieten umfaßte, zahlreiche auswärtige Gäste neben Mitgliedern und Freunden der Rotkreuz- arbeit aus den Nachbarorten willkommen heißen. Als die Vertreter des Landrats konnte er den Schriftführer des Kreisvereins vom Roten Kreuz,Lehrer Naumann in CAbe. und Kreisausschußinspektor Hrmmel- mann, als Vertreter der Organisation des Roten Kreuzes den Bezirkskolonnenführer Kuhn und Beiratsmitglied Hillberger, für den Vaterländischen Frauenverein die Schwestern Franziska und Johanna, sämtlich in Marburg, ferner die Führer der Kolonne in Cölbe begrüßen. Unter den flott gespielten Weisen der Kapelle zog die festgebende Kolonne ein. Ihre Angehörigen brachten im weiteren Verlauf des Abends durch fiteb und Wort zum Ausdruck, was das Rote Kreuz erstrebt. Im Mittelpunkt des Abends stand die Aufführung des Schauspiels von Appel „die erste Hilfe", das etnht Ausschnitt aus der Rotkreuzarbeit bot. Die Spieler wurden ihren zum Teil schwierigen Aufgaben gerecht. Ihre Leistungen fanden den ungeteilten Beifall der Besucher. In den Dienst des inhallreichen Abends stellte sich die Kapelle Merle, der für die gute musikalische Ausgestaltung des Abends besonderer Dank gebührt. Die Kolonne darf mit Befriedigung auf den erfolgreichen Abend zurückblicken, dessen Bedeutung der Kolonnenführer in seiner Schlußansprache unter Hinweis auf den Wert opferbereiter Mitarbeit mahnend hervorhob.
Aus -em Wohratal
-o- Gemünden 8. Dez. Die Frage des Nachwuchses ist die Lebensfrage für alle Chor- gemeinfchaften und Mufiziergruppen. Wie die Kirchhainer Mittelschule hier helfend sich in den Dienst der Sache stellt, das wird sie am kommenden Sonntag (11. Dez.) um 15.30 Uhr in Pfeilschen Saale bei ihrem Musiknachmittag zeigen. Das Programm ist außerordentlich abwechslungsreich. Ernst und Frohsinn kommen zu ihrem Recht.
Kreis Srankenderg
Kreishandwerkerbund.
br Frankenberg. Zu der in der Gastwirtschaft Himmelmann veranstalteten Tagung des Kreishandwerkerbundes war eine stattliche Zahl der Mitglieder, u. a. besonders Obermeister, erschienen. Der Schmiedemeister Schlich erörterte, daß von der Handwerkskammer Kassel ab Januar des nächsten Jahres ein Meisterkursus veranstaltet wird, zu dem Teilnehmergebühr von 20 Ji erhoben wird, lieber eine Haupttagung in Kassel referierte W. Neuschäfer. Die Frage, bett. Anstellung des Gewerbelehrers Limmroth, fand darin ihre vorläufige Lösung daß ein Gesuch, das die Anstellung von L. fordert, an den Magistrat aufgesetzt wurde. Weiterhin wurde angeregt, eine Sonderklasse zur Berufsschulung von Lehrmädchen zu bilden. ,
Amtsjubiläum.
XX Battenfeld. Herr Dekan Noll konnte am 1. Dezember bei bester Gesundheit sein 25jähriges Amtsjubiläum begehen. Schon seit dem Jahre 1914 wirkt Herr Pfarrer Noll, der ein Sohn der Gemeinde Battenfeld ist, in
seiner Heimatgemeinde. Vorher war er lange Jahre in der Gemeinde Roßbach bei Haiger als Pfarrer tätig. Seine besondere Fürsorge widmet Herr Noll der Heranwachsenden Jugend. Die Gründung des Jungmädchenbundes und die Einführung des Kindergottesdienstes ist sein Werk. Auch die alljährliche Feier de- Missionsfestes verdankt die Gemeinde ihrem Seelsorger.
Werbeabeud des Turnvereins.
Rosenthal, 5. Dez. Im vollbesetzten Saal des Gemeindehauses veranstaltete der hiesige Turnverein am Sonntag Abend einen wohigelungenen Werbeabend. Nach einem von Frl. Linchen D e h n e r t gesprochenen Vorspruch begrüßt« der 1. Vorsitzende des Vereins die Erschienenen, darunter auch die Vertretung des 6. Bezirks des Gaues Hesien, Herrn Hohmann und Herrn G ä ß l e r, Frankenberg, sowie den Kreisjugendpfleger und den hiesigen Ortspfarrer. Nachdem der 1. Vorsitzende, Landwirt Konrad Schleiter, die Ziele der Deutschen Turnerschast und den Sinn des Vaterlands nachdrücklichst hervorgehoben hatte, ging es an die Arbeit. Es wechselten turnierische Vorführungen mit theatralischen Darbietungen. So turnte die Schülerriege am Pferd, die zweite Riege am Barren und zum Schluß die erste Turnerrieg« am Reck. Daß der Turnverein Rosenthal turnerisch auf der Höhe ist, wurde ihm ganz besonders durch die Ansprache des 1. Bezirksvertreters. Herrn Hohmann, bestätigt. An Theaterstücken wurden aufgeführt „Frisch, fromm, fröhlich, frei", „Turnertreue" und „Stöpsels erste Turnstunde", wovon letzteres besonders die Lachmuskeln der Zuschauer in Bewegung brachte. In den Pausen und Bei den turnerischen Darbietungen spielte der hiesige Mandolinen- und Euitarreklub, der seinerseits auch viel zur Verschönerung des Abends beitrug. Zum Schluß dankte bei 2. Vorsitzende, Landwirt Wilhelm Mischeidt allen denen, die zum Gelingen des Werbeabends beigetragen hatten.
KrelS Dillenburg
Berkehrsverbesferungru durch di« Zusammenlegung der Kreis«.
vBiede ukvpf, 7. Dez. Die Verhandlungen mit der Reichsbahnverwaltung über eine Besserstellung des Verkehrs zwischen der neuen Kreisstadt Dillenburg und Biedenkopf, bedingt durch die Kreisreform, hat ein gutes Ergebnis gezeitigt. Ab 15. Dezember werden eine Reihe von Amberungen getroffen, die die Verkehrsverhältnifse auf ber Bahnstrecke Biebmkopf—Dillenburg erheblich verbessern. Auch auf ber Querbahn Marburg — Biedenkopf — Laasphe treten Verbesserungen ein, da auch hier Orte liegen, die zum neuen Kreise Dillenburg gehören.
Ein taubstummer Radfahrer kommt unter ein Aut».
XX Hatzfeld, 7. Dez. Auf bet Landstraße unterhalb ber Schafhort ereignete sich am Montagvormittag ein schweres Unglück. Einem aus Richtung Hatzfelb kvmmenben Auto begegnete kurz vor einer Kurve «in Rabfahrer, der trotz verschiedmer Warnungs- stgnale nicht auswich. Der Führer des Wa- gms versuchte noch im letzten Augenblick den Wagen zu bremsm, was aber nicht gelang. Der Radfahrer fuhr direkt ins Auto. Später konnte festgestellt werden, daß der Verunglückte taubstumm war. Außer einer Armbeschädigung trug bei Rabfahrer schwere Kopfverletzungen davon: von dem herbeige- etften Arzt wurde er dem Krankenhause in Berleburg überwiesm.
Feuer.
b. SBalfau, 8. Dez. Schon wieder wurde unsere Gemeinde durch Feuerlärm aus dem Schlafe gerissen. Zwischen 2 unid 3 Uhr schlugen mächtige Flammm aus der Scheune des M. Dönges »Obere Hoimbachstr. Tie großen Erntevorräte boten dem Feuer vorzügliche Nahrung. Alles verbrannte. Nm dem Umstand, daß die Scheune erst im letzten Jahre neu, zum Teil massiv, gebaut wurde, ist es zu verdanken, daß kein größeres Unglück geschehen konnte. Das ist seit Ende September der dritte Brandt
AistnÄassau und NaKtmgebich
Bier Gehöfte niedergebrannt.
W a r b u r g i. W„ 7. De,. Heute früh um 4 Uhr entstand auf dem Hausboden des Landwirts Difse im Kreisort N a - t i n g e n ein Brand, der schnell um sich griff und das ganze Anwesen einäscherte. Das Feuer griff auch auf vier weitere Nachbarhöfe über, so daß diese ebenfalls in kurzer Zeit in Flammen standen. Die so> fort zur Bekämpfung des Feuers herbei, geeilten Wehren aus Natingen und Borgholz waren dem Feuer gegenüber machtlos Und muhten sich auf den Schutz der weiter angrenzenden Höfe beschränken. Einrichtungen und Vieh konnte zum gröhte» Teil gerettet werden. Dagegen braun- te» sämtliche vier Höfe vollkommen ab. Ueber die Brandnrsach« konnte noch nichts in Erfahrung gebracht werden. Der Schaden soll durch Versicherung gröhtenteils gedeckt sein.
Drei Jahre Zuchthaus für Falschmünzerei.
Limburg, 7. Dez. Die Große Strafkammer Limburg verurteilte den einschlägig vorbestraften 21jährigen Mechaniker H o f m a n n aus Wetzlar wegen Münzverbrechens zu drei Jahren Zuchthaus, fünf Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht. Hofmann hat im August dieses Jahres falsche Fünfmarkstücke in Wirtschaften in Leun und Stockhausen gegen Zwanzigmarkscheine eingetauscht. Man wurde seiner bald habhaft und konnte ihn trotz beharrlichen Leugnens einwandfrei überführen. Interessant war die Ueber- zeugung des Gerichts, dah der jugendliche Angeklagte erst im Gefängnis von alten Ganoven zur ausgesprochenen Verbrecher- natur gemacht wurde.
Gottesdienst.
Freitag, den 9. Dezember.
Ockershausen. 20 Uhr: Bibelstunde, Pfr. Bork._____________________________
Gottesdienst der israelitischen Gemeinde. Sonnabend, den 10. Dezember.
Vorabend 16.15 Uhr: 8.30 Uhr: 16 Uhr: Ausgang 17.15 Uhr. An Wochentagen 7 Uhr: 19 Uhr.
Verlag Dr. C. H t tz e r o t h. Hauptschriftleiter und verantwortlich für Politik und Feuilleton: Dr. Ern st Scheller: für Kommunalpolitik, Provinz und Lokales: Lothar Schneider, sämtlich in Marburg
(Nachdruck verboten.)
-Sie Drei een 6er BmNhW
Ein heiterer Roman von: R S. ll t s ch. (Copyright by Verlag Alfred Bechthold in Braunschweig).
17. Fortsetzung.
„Können wir denn nicht die Erde verlieren?" Er fand immer mehr, was seine Besorgnis erregte.
„HL hü hü, — Blödsinn!... Wie meint Er das?"
„Die Erde soll doch rund sein. Wir fahren aber immer geradeaus. Auf einmal ist nichts mehr unter uns, und wir haben uns verirrt..."
Debroix wehrte mit bei Hand ab. „Hä, bet Schofföi, äh — wollte sagen ber Pilot, hat doch seinen Höhenmesser! Das ist vollkommen ausgeschlossen, Christian."
Das Flugzeug fuhr nun majestätisch über Deutschlands Gefilde. Ruhig und sicher nahm es feinen Weg. Winzig klein, wie Spielzeuge, sahen sich Häuser, Eisenbahnen und Wälder von oben an. Die Landschaftsbilder wechselten in schneller Reihenfolge. Ueber Städte und Dörfer ging«, — über große Flüsse und Wälder. —
Die Zeit verschwand schnell. Düsseldorf wurde sichtbar. Wie ein fliehendes Silberband sah sich von oben der Rhein an. In' gewaltigen Umrissen zeigte sich die groh- artige Stadt. Der Propeller verstummte fast. Der Motor hatte seine Schuldigkeit getan. Nur ein zischender Laut — gleich dem fliegenben Atem eines abgehetzten Giganten — war noch hörbar. Im Eleit- flug ging es tiefer un btiefer. Wie ein Magnet schien bie Erde den Apparat an=
Das Flugzeug landete. Anfänglich scheu den Boden berührend, lief es sich auf dem flachen Platz aus.
Debroix, der mit Christian bie Kabine verlieh, war sehr aufgeräumt. Der Diener, ber in Berlin nur mit Grauen seinem Herrn auf bie Reise gefolgt war, bedauerte nun, aussteigen zu müssen. Es kam ihm im Rückblick auf die wunderbare Fahrt eigentümlich vor, dah et sich anfänglich so geänstigt hatte. Der Detektiv Lehmann näherte sich in einem Auto und begrühte Debroix mit einem überschwenglichen Zeremoniell. Er sprach mit Enthusiasmus von seinen erfolgreichen Bemühungen und erklärte, bah man so schnell wie möglich zum Hotel fahren müsse, bamit Herr De- broix bei bet Abendvorstellung im Kabarett sich selbst von ber Wahrheit seiner Angaben überzeugen könne.
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In einem Zimmer des Parkhotels in Düsseldorf stand Debroix vor einem Ankleidespiegel. Er war vor einer halben Stunde mit Christian eingetroffen, hatte schnell mit diesem einen kalten Jmbih eingenommen und machte sich nun zu dem schweren Gang in bas Kabarett zurecht. Hastig, unberechnet unb überstürzt war alles, was er tat. Sein Diener, bem bie Anstrengungen unb Aufregungen bes heutigen Tages zuviel geworben war, teilte mit ihm bie Kopflosigkeit.
„Hä, Christian, — ich habe ja zweierlei Strumpfe an!... Das geht boch nicht! — • ”n: A". dem einen Strumpf strebt
em Pfeil aufwärts... Hü hü, — was bas mal roieber bedeuten soll? Rach oben!... Was gibt es da anzuzeigen? ... Hä — überhaupt die lila Farbe... Das ist doch im Leben nichts Gediegenes! — Nehmen nm andere.
Christian nahm ein Paar schwarze Socken aus bem Koffer heraus, bie Debroix bester zusagten.
„Diese Hose hat auch keine anständige Bügelfalte mehr?"
„Hier sind noch mehrere, • gnädiger Herr", betonte der Diener.
„Wir haben absolut keine Zeit mehr zu versäumen! Ziehen wir also diese an!.."
Die hohen Stehkragen verursachten ihm ben größten Kummer. Sie waren ihm attt zu weit.
,^Da kann man ja das ganze Kinn hin- einschiebeu, Christian. Das stimmt doch nicht! — Verschaffe Er mir bei Gelegenheit engere Nummern, nicht wahr?"
Er fuhr mit der Hand übers Kinn. „Rasiert bin ich auch noch nicht! — Zum Teufel muh mal!... Die größten Wich- tigferten fallen einem stets immer in den letzten Minuten ein. Es ist rein zum Verzweifeln ...“
„Es wird ttftbt -auffallen! — Man sieht es nicht", benagte der Diener und reichte ihm bie Krawatte.
„Aber dieses Gefühl von Ankultnr im Gesicht! — Die Krawatte ist nett, sehr nett!. — Da hat Er meinen Geschmack Schwarze Seide urrt Sternchen draus... Sehr zeitgemäß für einen Äabarettabenb.“
Debroix war zum Aufbruch fertig. Beide verließen das Zimmer. Christian wollte seinen Herrn noch bis zur Drehtür begleiten. Doch ein tragischer Umstand zwang Debroix, noch einmal zurückzugehen. Auf bem Flur fiel ihm nämlich die Hose herunter. Gewaltig schimpfend kam er wieder auf seinem Zimmer an.
„Hü, — Er sieht aber auch nichts, Christian! Ich hatte doch permament, so inftintoo das Gefühl, daß mir noch etwas
fehle. Die Hosenträger habe ich nicht angelegt. Hä hä, stelle Er sich das mal vor!. Wenn mir die Hose auf der Straße vor den Augen der Pastanten, — vor den Augen der Damen heruntergefallen wäre?! . . . Man hätte mir letzten Endes noch wegen Erregung öfentlichen Aerger- nistes den Prozeß gemacht. So kann man in prekäre Situationen hereingeraten . .“
„Das wäre schrecklich gewesen!" jammerte Christian.
„Na, — man weiß sich ja eventuell zu helfen, lieber Christian," beruhigte Debroix. „Ich hätte mir im Notfall den Selbst- der um den Äorpus knüpfen und nochmals zurückkommen können."
Endlich war man so weit, und Debroix schlenderte ins Vestibül, wo er auf den Detektiv stieß, der ihn erwartet hatte. Beide verließen bas Hotel und gingen über den Corneliusplatz auf die Königsallee. Aus einem Eckkaffee drangen die bezaubernden Weifen eines Sträußchen Walzers.
„Es ist wohl ratsam, Herr Debroix. wenn Sie Ihren Herrn Neffen gleich zu sich bitten lassen, um so eine Unterredung herbeizuführen."
„Nein, Herr Lehmann, — ich hatte mit das ganz anders gedacht," widersprach Debroix, „Heute Nachmittag kam mir da oben in der Luft der Gedanke, mir meinen Neffen einmal anzusehen, ich meine, — hä, wie er sich auf der Bühne ausnimmt. Das muß doch wahrhaftig köstlich lein, denke ich! . . . Vielleicht schämt er sich nachher. Ei wähnt sich doch bestimmt sicher in der Klause da."
„Wie der Herr wünschen." entgegnete der Detektiv. „Ich habe telefonisch eine Nische gegenüber der Bühne reservieren lasten." (Fortsetzung folgt)