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45 Fahre RelKZkurrsKriftverem «GabelZberger" in Marburg

Der hier in Marburg bestehende Reichskurz- kchrrftverein „Gabelsberger" feierte am Sonnabend in den Steinwegsälen sein 45- jähriges Bestehen.

Der Vorsitzende des Vereins, Herr Allen- dorf, gab im Umriß den Entwicklungs­gang des Vereins in den verschiedenen Epochen kund. Aus jenem ist zu entnehmen, daß in dem bedeutungsvollen Jahre 1887, in dem das System Schrey entstand, dessen Begrün­der heute noch in Berlin lebt, der Steno­graphenverein „Gab elsb erg er" gegrün­det wurde. Aus der Eründungsgeschichte ist aus dem Bericht des damaligen Vorsitzenden, Stationsassistenten Stauß, zu vermerken: Es gelang durch die Vermittlung des Eietzener Stenographenvereins 2 Lehrkurse für Schüler und Erwachsene einzurichten. Diese Lehrgänge leitete der damalige stud. phil Pfaff, jetzt Professor und Oberstudiendirektor in Darm­stadt. den man auch heute als den Vater der Deutschen Einheitsftirzschrift bezeichnet. Pfaff ist heute Ehrenmitglied des Vereins. Im Jahre 1888 kamen 2 weitere Kurse zustande. 1889 bestand der Verein aus 12 ordentlichen und 3 außerordentlichen Mitgliedern. Als 1897 durch die Vereinigung von Stolze und Schrey das System Stolze-Schrey entstand, blieb man trotzdem bei dem bewährten System Gabelsberger. Unter der Leitung der Herren Pfleging und Voeckel begann wieder ein er­heblicher Aufschwung des Vereins. Männer aus akademischen Kreisen stellten sich der Sache zur Verfügung: so die Herren Dr. Klas, Zahrt, Haun und Teske, die sich durch her­vorragende Leistungen auszeichneten. Teske wurde später als amtlicher Stenograph im badischen Landtag angestellt. Im Juli 1907 übernahm Herr Lehrer Muth den Vorsitz im Verein. Die Mitgliederzahl war auf 40 ge­stiegen. Der Krieg brachte dem Verein natur- aemäß einen Rückgang. Herr Voeckel leitete den Verein aber während dieser Zeit weiter und so konnte nach dem Kriege wieder ein reges Dereinsleben beginnen. Herr Dr. Buhl­mann ljetzt Stenograph im hessischen Land- tag), übernahm die Leitung des Vereins. Reue Lehrgänge wurden abgehalten, die Mit- Srzahl sffeg bedeutend. Die Jnffation e aber wieder einen bedeu­tenden Rückgang. Das Jahr 1924 brachte durch die Einführung der deutschen Einheffskurzschrist einen Umschwung in die stenographischen Verhältnisse. Der Verein stellte sich sofort auf die Einheitskurzschrift um. Es wurden m Marburg eine Reihe stark besuchter Anfängerlehrgänge abgehalten. Durch Lehrer des Vereins wurden Lehrgänge bei der Stadt Marburg, bei der Eisenbahn und bei, der Universität abgehalten. Auch in Kirchhain, Eölbe und Gladenbach wurden Kurse von hier aus versehen. Die Mitglie­derzahl stieg bedeutend. Der Unterricht wurde besser a" v bcut und m die Schule verlegt.

nt . Zu dem Jubiläum war der Bezirksvor- " sitzende, Herr Kuhl aus Eieben erschienen.

Er überreichte dem seit 1904 im Verein als Vorsitzenden und Unterrichtsleiter tätigen Herrn Lehrer Muth für seine hohen Ver­dienste um die Verbreitung der Kurzschrift den erstmals vom Deutschen Stenographen­bund verliehenen Ehrenbrief und die da­zu gehörige Ehrennadel. Dann gab der Vor­sitzende, Herr All en darf, das Geaebnis des vor 14 Tagen abgehaltenen Wett- t.chreibens bekannt. Es beteiligten sich daran insgesamt 76 Mitglieder. Es er­rangen: in 220 Silben: einen 1. Preis, Konrad Heuser: in 200 Silben: einen 1. und Ehrenpreis Heinrich Merle, einen 1. Preis Maria Schlömer: in 180 Silben: einen 1. Preis Lieselotte Chateau: in 140 Silben: einen 1. und Ehrenpreis Friedel Hoffmann. je einen 1. Preis: Heinrich Möhl, Walter Klemen, Willi Austermühle, Käthe

Tschinkel, Liesel Holzknechk. Dina Heuser, TAki Heuse, Marianne Hohmann, Maria Lucas, Anneliese Bierwirth. Mathilde Briel, Else Luff, Else Buchheim, Margarethe Muth, Käthe Pies, Hertha Chateau, Margarethe Erölz, einen 2. Preis Hans Zilz: in 120 Silben: je einen 1. Preis: Erich Geitz, Gretel Schwemmer, Maria Pinnschmidt, Justus Sauerwald, Karl Funk, einen 2. Preis Fritz Weimar: in 100 Silben: einen 1. und Ehrenpreis: Rest Schede, je einen 1. Preis: Peter Diehl, Ilse Garno, Sore Gasdorf. Kurt Siebrecht, Wiegand Ort* Müller, Hans Schnaut, Elisabeth Lemke. Wal­ter Fink, einen 2. Preis: Mar Rösing, einen 3. Preis: Heinrich Spannknebel: in80 Sil­ben: Annemarie Oelfke einen 1. und Ehren­preis, je einen 1. Preis: Sefi Brückmann. Anna Naumann, Frieda Sten, Margarethe Zutz, Gertrud Greiner, Else Herrin ann, Minna Baetz. Edith Geist, Elsa Hecht, Else Rau, Gretel Sauerwald, Lucie Barth, Elisa­beth Löber, je einen 2. Preis: Anna Grob. E. Miersch: in 60 Silben: je einen 1.

Preis: Helga Geist, Hermann Nold, Hedwig Eisenhardt, je einen 2. Preis: Olga Brüh- mann, Anna Diehl, Otto Feurmg, Albert Fehlner, je einen 3. Preis: Heinrich Luft, H. Wunderow, Heinrich Schlidt. Die Reihen­folge bezeichnet die Rangstelle.

Nach oem offiziellen Teil fanden bie Vor­führungen einer Musterriege der Turnge­meinde Marburg groben Beifall. Aus- gezeichnet ausgeführte Turnleistungen am Bar­ren zeigten Meisterleistungen akrobatischer Turntechnik bei vorbildlicher Disziplin und Erattheit. Herr Weinberg aus Offenbach muhte sich durch den ihm werdenden Beifall für sein mit grober Technik vorgetragenen Tylophonsolo bereit erklären, noch eine Zu­gabe zu machen. Die Schülerin Helene Ä l l e n d o r f erfreute die Zuhörer durch den Vortrag eines Gedichts über die Kurzschrift, welches sie mit schelmischer Ungezwungenheit, voller Laune und Neckerei vortrug. Ter­psichore schwang im weiteren Verlauf des Abends noch lang das Szepter über jung und alt.

Nie Landstraßen im Regierungsbezirk Kastel

Unter Beteiligung der Kraftfahrverbände, der Verkehrsverbände und der Kornmunal- verbände fand beim Landeshauptmann eine Besprechung über den Landstrahenbau im Regierungsbezirk Kassel statt. Der Landes­hauptmann von Pappenheim hob in seiner Ansprache das Zweckmäßige solcher Be­sprechungen zwischen den am Landstrahenbau beteiligten Kreisen hervor. Der Landeshaupt­mann gab zu,

dah sich die Straßen des Regierungsbezirks in den weitaus meisten Fällen in einem äußerst bedauernswerten Zustand befinden, betonte aber, daß in keinem Falke ein Ansbau der Straßen auf Kosten einer weiteren Verschuldung des Bezirksverbande» erfolge« könne. Landesoberbaurat Becker gab sodann einen Ueberblick über den Zustand des Straßennetzes des Bezirksverbandes, das er als eines der bestentwickelsten Deutschlands bezeichnete, des­sen Verfall aber durch die ungenügenden Mit­tel, die für die Instandhaltung und den Ausbau zur Verfügung ständen, unaufhaltsam fortschreite. Anschließend sprach Landesrat Dr. Würmling, der sich vor allem mit der finanziellen Seite des Landstraßenbaues be­faßte. An Hand von Zahlenmaterial stellte er fest, daß die Ueberweisungen von Reichs­mitteln in den letzten Jahren einen überaus starken Rückgang erfahren haben, die Annui­tätenlast dagegen so groß geworden ist. daß die Ueberweisungen des Reiches an Kraft­fahrzeugsteuern geringer sind als die aufzu­bringenden Gelder für Zinsen. Die Aussichten für die Zukunft bezeichnete er als nicht ge­rade hoffnungsfreudig.

Die Stenereiuuahmeu des Bezirks­oerbaude». die 1930 noch 9,25 Millionen Jl betrugen, könne man für 1932 nur mit einem Betrag von 5,9 Millionen Jl ansetzen. Der Regierungsbezirk Kastel sei bei der Kraftfahrzeugsteueruberweisuna des Reiches außerordentlich benachteiligt. Er glaubt annehmen zu können, daß für das kommende Jahr eine Mehrsteuer als in 1932 nicht herein- kommen werde, so daß mit einem Fehl­betrag des Bezirksoerbandes von 800 000 Jl zu rechnen sei, was eine wahr­scheinliche Erhöhung der Bezirks, Umlage zur Folge habe.

Regierungsprädent Dr. Friedensburg wandte sich hiergegen. Er erinnerte an die schlechte Lage der vom Zusammenbruch be­drohten Kommunen.

Für Kastel könne er beispielsweise praktisch nur noch die Gehälter und Löhne zur Aus­zahlung bewilligen, so daß eine Schließung der Schulen im kommenden Winter infolge Fehlens an Mitteln für Heizung in nächste Röhe gerückt sei.

Auch er bedauerte den schlechten Zustand der Straßen, bat aber, die ungeheuer schwierige Lage zu berücksichtigen. Es müsse trotz allem anerkannt werden, daß in den letzten Jahren im Straßenbau mit den geringen Mitteln Hervorragendes geleistet worden sei. Landes­hauptmann v. Pappenheim gab zum Schluß bekannt, er hoffe, daß für das kom­mende Jahr rund 800 000 b i s 1 Million Mark für den Straßenbau zur Ver­fügung ständen, da etwa 300 000 Jl aus dem im Rahmen des Arbeitsbeschaffungspro­gramms der Reichsregierung zur Verfügung gestellten 900 000 Jl. noch übrig seien und er außerdem hoffe, daß im kommenden Jahr ein neues Arbeitsbeschaffungsprogramm der Re­gierung zur Durchführung gelangen weide, aus dem der restliche Betrag bann zufließen könne. Er warnte jedoch vor allzu optkmisti- schen Hoffnungen. Hieran schloß sich noch eine eingehende Aussprache der Vertreter der er­schienenen Verbände an.

* Urchristentum und 2 0. Jahrhun­dert. Der vierte und letzte Vortrag aus dem öffentlichen Lehrkurs von Lic. Robert Goebel behandelt das Thema: „Die Agonie des Urchristentums: Constantin, der sog. Große und Julian, der Abge­fallene." Es wird gesprochen werden von der Entstehung der christlichen Staatskirche und von der Bedeutung dieser Tatsache für die Gegenwart. Der Vortrag findet statt: Frei­tag, den 9. Dezember, 2015 Uhr. Raum der Christengemeinschaft: Nikolaistraße 1.

• Nikvlausfeier. Wir berichteten gestern von einer Mkvlausfeier des kath. Lehrervereins. Es handelt sich aber in Wirklichkeit um den kachol. Lese verein.

Stettin, Straßemammluns

Morgen Freitag loird die Strahensamm- hing zugunsten der Marburger Wintechilft in folgenden Straßen durchgefühy^ Haspelstraße. Wörchstraße, Wilhelmstraß^ AnidersitätSstrahe, Kasernenstrahe.

* Tagung bet Hessisch-Waldecki- schen Eierverwertungsgenossen­schaften in Corbach (Waldeck). An, Freitag, bem 9. b. M.. 2.30 Uhr nachmittags. Hübet im Waldecker Hof zu Corbach Waldeck eine Tagung der Eierverwertungs- Genossenschasten des Regierungsbezirkes Das­sel, einberufen vom Kurhessischen Verband ländlicher Genostenschaften-Raiffeisen e. V. in Kastel, dem diese Genostenschaften sämtlich am geschlossen sind, statt. Mit dieser Tagung ist die General-Versammlung der Eierverwer- tungs-Genostenschaft Corbach verbunden, aus der neben der Genehmigung der mit Gewinn abschließenden Jahresbilanz vom 30. Septem­ber 1932 die Herabsetzung des Geschäfts­anteiles von Jl 10,— auf Jl 4.— beschloßen werden soll. Ferner sieht die Tagesordnung die Berichte der Vorsitzenden bezw. der Es- schäftsführer der Hessisch-Waldeckischen Eiev Verwertungsgenossenschaften über deren Tätig­keit vor. Ein Vortrag des bekannten Ee- flügelzucht-Referenten der Landwirtschasts- kammer, Dipl.-Landwirt Küthe (Kastel) über das Thema: „Können wir heute noch eine Rentabilität in der bäuerlichen Ge­flügelzucht erzielen?" wird die durch die vie­len Anregungen hochbedeutsame Tagung ad- schließen.

Das ftoWer MohiWoornmn

Freitag, beit S. Dezember.

6.15: Wetterbericht. — Anschließend: Mor­gengymnastik. — 7.20: Schallplatten-Konzert. — 10.10: Schulfunk. — 12.00: Schallplatten- Konzert. — 13.30: Konzert. — 17.00: Kon­zert. — 18.25: „Deutschland und die M- tersversorgung in der Welt", Vortrag. — 18.50: „Strahlenwirkung auf die Haut des Menschen", Aerzte-Vortrag. — 19.30: Weih- nachtsrataeber für den Büchermarkt. —19.45: „Sterbendes Handwerk? Beim Goldschmied", Hörbericht. — 20.15: „Die Jagd nach dem Goldschatz des Kapttän Kid", eine abenteuer­liche Geschichte in sechs Fortsetzungen, 2. 21..15: Orchester-Konzert. — 22.20: Zeitan­gabe .Tagesnachrichten, Wetterbericht, Sport­bericht. — 22.45: Kammermusik für Violon­cello und Klavier. — 23.15: Neue Tanz­musik.

fijr unsere

am Sonnabend, den IO. Dezember, bitten wir bis spätestens Freitag trüb bei uns aufzugeben

Markt Nr. 21 -23-24 Fernruf 2054u. 2055

iichen Kraft und Atmosphäre wieder. Wort­wohl und Reim wirken fast primitiv, aber sie jtnb primitiv wie der Bauer auf dem Acker. Sie sprechen von Saat und Ernte von der Kreatur und von Gott

Bäuerlichem Leben entwächst auch Fried­rich E r i e s e der Norddeutsche. Die Titel- novelle seines Bändchens „Der Saatgang“ er» zahlt in legendenhafter Sprache, wie eine Frau, gemeben von mystischer Verbundenheit mit der Mutter Erde, ihre eigene Fruchtbarkeit opfert, um den Mildacker zum Tragen zu brin« gen. In Grieses Werk scheint wieder die ganze Hrntergrundlrchkeit und verborgene Mystik der norddeutfchen Landschaft offenbar zu werden.

Die Erzählung „3>er unwillkommene Franz"

K 0n Mechow ist ein vollendetes "Es Meisterwerk von sprachlicher Zucht und menschlicher Feinheit, ein wirklich schönes Do­kument der jungen Generation der Dicht- kunft das nur von dem letzten anzuzeigenden Bändchen übertroffen werden kann, ich meine die „kleine Reise" von Paul Alverdes die für mich zum Beglückendsten dieser Reihe gehört. Was hier in scheinbar absichtslosen Tagebuchnotizen auf einer Reise in die Schweiz und Norditalien ausgezeichnet jft, das enthält an Haltung alles das, was als Wunsch­bild deutscher Jugend vorschwebt, feit George das Bild des jungen Geschlechts gezeigt hat: „das schön und ernst, stoh seiner Einzigkeit, vor Fremdchi stolz, sich gleich entfernt von Klippen dreisten Dünkels, wie seichten Sumpf er» logner Brüderei". Diese sechzig Seiten von Alverdes find ein Geschenk, eine tiefe Bestäti­gung dafür, daß deutscher Geist nicht in Ge­fahr ist, wo solche Jugend führt und bas Bild der jungen Generation formt und bestimmt.

Die erste Reihe dieser „kleinen Bücherei" ist ein schönes Versprechen. Wir wünschen ihr großen Erfolg und hoffen, baß es ihr gelingen möge, all die Kräfte heran zu ziehen, bie wahr­haft die deutsche Dichtung schöpferisch bereichern aus letzter Verantwortung vor ihrem Volk

Manfred Saosmmm

und feiner Geschichte. Wir sähen gerne Ca­ro s s a in dieser Reihe und W i e tn e r t* auch Ponten sollte nicht fehlen und Dwinger. JnaSeidel und Wilhelm von Scholz. Und sollte es nicht möglich fein, die schöne und für das hier Erstrebte entscheidend wichtige Rede über „Das Schrifttum als geistiger Le­bensroman der Nation" von dem verstorbenen Hugo von Hofmauusthul für diese Reche zu gewinnen? —o. —r.

Am kommenden Montag, dem 12. De­zember. spricht Man­fred Hausmann in bet Literarischen Ge. sellschaft. — Aus bet Rerhe der jungen Dichter Deutschlands läßt sich Manfred Hausmann schwer wegdenken. Richt nur, weil er mit einigen seiner Bucher einen Öen Erfolg beim likum gehabt hat, sondern weil ßein Werk wirklich etwas

Besonderes, Jugendliches aufweist, was ihn heraushebt aus der Reihe derer, bie nur durch Aufweis ihres Geburtsjahres sich als zur jungen Generation zugehörig erkennen lassen. Hausmann wurde 1898 geboren — aber geben w»r ihm einmal selbst das Wort: „Als ich am 10. September 1898 in Kassel geboten wurde, w« es mit meiner Seßhaftigkeit vorbei. Zwar gab es in Göttingen ein Gymnasium, aber meist trieb ich mich mit Freunden zwischen der Nordsee und den Schweizer Bergen herum. Im Kriege kämpfte ich im Osten und Westen. Dann hospitierte ich in der Schwabinger Bo­

heme zog nach Italien, lebte auf Stiern in den Alpen und erwarb eines Faschings in München den philosophischen Dottorhut. We­der als Heidelberger Privatdozentenaspirant, noch als Dramaturg der Hohentwielfestspiele, weder als Volontär einer optischen Fabrik in Göttingen, noch als Korrespondent eines Bre­mer Exportgeschäftes, auch nicht als Schrift­leiter der Weserzeitung fühlte ich mich recht in meinem Element. Jetzt bin ich einfach freier Schriftsteller, habe ein Weib, zwei Zwillings- lausejungens, eine Tochter namens Bettina, ein Stück norddeutsche Erde und eine Segel« iolle. Außerdem besitze ich, umherwandernd, die Welt mit ihren Wäldern, Meeren und Sternen.“

Aus dieser autobiographischen Skizze sieht man schon einiges von Hausmanns Art: seine Unbeschwertheit, seine Nichtachtung bürger­licher Sicherungen — und ein besonderes Ver­hältnis zur Natur- Das ist auch das Beste, was er zu geben vermag, eine gedämpfte und musikalisch hinschwebende Romantik des Wan­derns, sehr fern vom strengen Weg des All­tagslebens. So hat er es gestaltet vor allem in dem Buch, das seinen Ruhm heute vor­zugsweise ausmacht: „Lamp ioon küßt Mädchen und kleine Birken.“ Ein zarter Mensch verliert den Boden der Bürger­lichkeit und roanbert durch bie Welt. Mit allen Sinnen erlebt er Me Schönheiten von Wiese unb Wald, von Moor und Meer. Mit aller Sehnsucht lauscht er auf die feine Musik der Dinge — aber er erlebt auch bie Menschen, ihre Einsamkeit und ihre Trauer und weiß manchmal mit einem kleinen Wort, ein wenig Musik Trost und Hoffnung zu geben. Er weiß um bie Geheimnisse der Welt — wie wohl et gern bet Verantwortung entflieht.

Sein« Sprache ist von einet besonderen me­lodischen Fülle, ganz zwanglos wirkt sie zwar, aber sie m bas Ergebnis von unenblich sorg­fältiger Beobachtung. Die Beobachtung gibt sich nut so leichthin, als finne sie von selbst.

Das gibt seinem Werk den Charakter der Leichtigkeit und Freudigkeit. Am besten bcob- achtet man dies an feiner „kleinen Lieb» z u A m e r i k a". Da steckt sehr viel gute Be­obachtung des fremden Landes drin — m» liest üch dotb so leicht, so gescheit und lebenüA „Et ist gewiß ein guter Europäer" — W Hausmann da von dem jungen Mann, bei P.® Amerika ansteht, „aber da lebt auch dies biß­chen Sehnsucht nach der Unbeschwertheit ihm, diese geheime Freude an der Gedanken' lostgkeit, die so wunderbar jung ist, dies ver­stohlene Jasagen zu allem Unproblematisch«"' Törichten, blindlings Lebendigen, diese klein« Liebe zu Amerika."

Wie seht seine ganze Liebe allem Junge" gilt, zeigt dann besonders sein neustes Mess „Abel mit der Mundharmonika Auch dies Buch ist wieder ein Gruß an ba5 freie Leben fern von Gelehrsamkeit und Bel- nünftelei, auch dies ein „Salut gen Himmels aber es ist auch mehr. Es ist ein Zeichen. ein Erwachsener im Herzen jung bleiben tgn"' ohne bie unerträgliche falsche Sentimentalität die alte Menschen so gern anwenden, wenn P‘ der Jugend nahekommen wollen! — Jungens und ein Mädchen in einem Boot tj" Wattenmeer vor Bremerhaven, Sturmna»1 unb ein blanker Sonntag, echte Kameradschaft ein weher Klang von Liebe und Verzicht. überspielt das Ganze von den zarten Tön«" einer Mundharmonika, das ist dies Buch! erfreuliches Buch, seelisch sauber unb c.°j echtem Verstehen getragen, ohne allzu»': Problematik, aber nicht ohne Tiefe — ®* der ganze Hausmann! ..

Wer Hausmanns Bücher kennt, wird nt» versäumen, sich den Dichter selbst anzuhören " und wer ihn nicht kennt, kann sicher sein, nt» enttäuscht zu werden. Ein wenig Freude uv Unbeschwertheit ein wenig Zärtlichkeit u" Liebe zu Mensch unb Landschaft, ein Schim®« Eichendorffischer Romantik, — man findet 1 so häufig nicht mehr in dieser Zeit.