Sette 3
ceet»effild>t 3ettnna. Marburg e. L, Mittwoch, bat 7. Dezember Ifcfe
Nr. 287
r
Die Einbrecher vom Fibolins Münster gesoßt
Snternattonale Bande von Museums - und Kirchendteben auögeboben
SeuWe AnGätte ichreiten zur Selbttbilse
8ft Berusssverre der Ausweg? - Kamps um das Er^.vv.^^«.
verrate rage t zu talb daß ung rnto doch zu chen tent sgen hei
in
ub-
daß bei hen, Der=
er- :en- ifis >ere
l s- des bri- i1« ahmte ’etn mg [ter ent um ent
jen der sio- as- ten bei
len
Von Mitgliedern des Deutschen An- ivaltvereins wurde eine genaue Erhebung über die Wirtschaftslage der Rechtsanwaltschaft vorgenommen, deren Ergebnis jetzt vorliegt. Die bekanntgegebenen Zahlen lassen ein erschütterndes Bild über die Not dieses freien Berufes erkennen. Nicht weniger als ein Drittel aller Deutschen Rechtsanwälte verdiente im lebten Jahr geradenochdas Existenzminimum, ein erheblicher Teil besonders der jungen Generation noch bedeutend weniger und konnte nur mit Hilfe privater Unterstützung durchhalten.
Die wichtigste Berufsorganisation, der Deutsche Anwaltsverein, hat am vergangenen Sonntag in einer großen Kundgebung, an der sich auch der Reichsjustizminister Dr. Gärtner aktiv beteiligte, zu Gegenmaßnahmen ausgerufen. Dabei kam es zu einer Abstimmung über den numerus clausus und eine vorläufige Berufssperre. Das Deutsche Lnwalisparlament faßt den Beschluß, von der Reichsregierung eine sofortige 3-ulassungssperre zur Anwalt- pchaft bis zum Jahre 1936 und außerdem d ie Festsetzung eines numerus clausus zu verlangen. In der Begründung wies der Präsident Dr. Dix darauf hin, daß sich seit der Vorkriegszeit bei einem verengerten deutschen Lebensraum die Zahl der Rechtsanwälte von 12 000 auf über 18 000 erhöht habe.
Die Berufsorganisationen des j u rl st i^ schen Nachwuchses, die Studenten, Referendare und Assessoren wenden sich mit großer Heftigkeit gegen diesen Beschluß. Mn teilt mit, daß bereits eine frühere Michsregierung die Einführung des numerus clausus durch Notverordnung abgelehnt habe.
Angesichts dieser für die Zulassungs- sperre und den numerus clausus nicht sehr günstigen Sachlage werden vom Deutschen Lmvaltverein andere Maßnahmen erörtert, die im wesentlichen auf eine durch den Stand organifierte Selbsthilfe hinauslaufen.
Ein sehr beachtlicher Borfchll^ war folgender: In aßen Teilen des Reiches, in ulken Städten, in denen Gerichte vorhanden find, richtet die Anwaltschaft von sich «es unentgeltliche Rechtsauskunsts- und -hklfstvllen für Minderbemittelte ein. Alte, «ßtkhrene Anwätte stellen sich ehrenamtlich N den Dienst der Sache; viele junge Zstristen werden eine nützliche Beschästi- M»g finden. Die Kosten werden durch den Verein, eventuell durch eine Umlage del den noch gut verdienenden Kollegen getragen.
Ein anderer Vorschlag richtet sich in einer heiß umstrittenen Frage an den Ge
setzgeber. Doch soll niemandem etwas verboten werden. Im Gegenteil! Der § 11 des Arbeitsgerichtsgesetzes soll fallen, und die Anwälte in Zukunft auch vor den Arbeitsgerichten auftreten dürfen.
Dan wird eine Lockerung der strengen Gebührenordnung verlangt. Das Erfolgshonorar soll grundsätzlich nicht mehr ver-. boten sein. Den Anwälten soll es ge- itattet sein, mit ihren Mandaten für den Fall des Verlustes des Prozeßes niedrigeres Honorar zu vereinbaren.
Den Landjägern des Kreises Wadern km B^irk Trier glückte ein ausgezeichneter Fang. Unter merkwürdigen Umständen haben sie eine Bande gefaßt, die seit langem die Museen und Kirchen in Deutschland unsicher machten. Sie sind die Einbrecher, die aus dem Fridolins Münster in Säckingen WsrtstLckeimBe- trag von einer Million rk gelt o hl en haben, sie sind wahrscheinlich auch die Diebe vom Zittauer Stadtmule u m und vom Göttinger U n i« versitätsmuseum, wo man den hawaiischen Königsmantel weggetragen hat.
»Deutscher, vergiß BerfaMes nicht'
W l
-------
■> - xfc 1?" - -• * <
L ,
r '
Illi
MWWWMWO
MWWWWWW AWßMEWNMW
WM . .'.’U
w
Die Stadt Saldin in der Reumark bat ein wirkungsvolles Kriegsehrenmal aus Klinkern erbauen lassen, dellen Entwurf von Prof. Ruester. Berlin, stammt. Der Turm trägt die Ausichrift: „Deutscher, vergib Versailles nicht!“
Meldorfs Seine Zimmtt werden freigegeben
Die Räume im Düsseldorfer Heine-Haus an der Volkerstraße, die vom Dichter, seinen Eltern und Geschwistern bewohnt wurden und bis jetzt vermietet waren, werden jetzt geräumt und in ihrem ftüheren Zustande wieder hergestellt. Die Räume werden mit Möbeln aus der Heine-Epoche ausgestattet und verschiedene Heine-Erinnerungen erhalten. Zu bestimmten
Tageszeiten sollen die Heine-Zimmer dem Publikum zugänglich gemacht werden. Mit dieser Wieder^rstellung der Zimmer hat sich Düsseldorf eine intime, historisch getreue Heine- Erinnerung und -Ehrung geschaffen, die schon lange der Wunsch vieler Heine-Verehrer war. Eine zweite Heine-Gedenkstätte besitzt Düsiel- dorf in der Landes- und Stadtbibliothek, deren Heine-Zimmer die nachgelaffene Bibliothek des Dichters und seine Totenmaske enthält.
Die Bande besteht aus einer Deutschen, einer Frau Meyer, die aus der Eiffel stammt, einem Russen, einem Belgier und einem Franzosen. Höchst romantisch war die Art, wie man der Kolomre auf die Spur tarn und sie endlich aushob.
Ein Gendarm aus dem Kreis Wadern machte die Entdeckung, daß sich ein Mann von jenseits der Grenze sehr oft mit einer Frau Meyer im Wald trifft. Die beiden machten auch kostspielige Reisen nach Luxemburg und Frankreich utfb man wüßte nicht, woher der geheimnisvolle Mann das viele Geld hernahm. Dieser Tage erfuhr man, daß der Fremde wieder über die Grenze kam und sich wahrscheinlich mit der Meyer treffen wollte. Frau Meyer wurde, als sie ihre Wohnung verließ festgenommen. Dann suchte man den Fremden. U nterweqs fand man einen jungen Wanderburschen. Man hielt ihn fest und fragte ihn aus. Er gestand, daß im Steinbruch ein Mann auf ihn warte, der ihm befohlen habe, die Frau Meyer zu bestellen
Nun führte der Oberlandjäger Haas aus Weißkirch einen gewagten Plan aus. E i zog kich die Kleider der Frau Meyer an, die man ihr abgenommenbatte und begab sich zum Stelldichein. Dabei'hatte er bereits bemerkt, daß ein Unterrod aus dem Stoff eines Meßgewandes stammte. Der Fremde, der wartete, ließ seine „Freundin" ganz nahe zu sich herankommen. Er konnte in der Dunkelheit näht bemerken, daß es nicht Frau Meyer, sondern nur ihre Kleider waren, die seine Nähe suchten. Als der Landjäger nur noch ein paar Schritte vor dem Fremden stand, zog et den Revolver und tommanbierte: „Hände hloch!"
Zuerst wollte der Fremde nichts sagen.' Erst, als man ihm die Fälscherwerkstatt noyj hielt, die man im Hause der Frau Meyer entdeckt hatte .machte er ein Geständnis. Et! heißt angeblich Iwan Federolow, stammt aus Odessa und ist Mitglied einer internationalen Derbrecherbande. Weiter sagte er nichts. Bei Frau Meyer hatte man aber eine Brüsseler Adresse des Rusien gefunden und fofort verständigte man die dortige Polizei, die int" Hause des Russen eine Haussuchung vornahm.
Dabei wurden viele Kunstgegenstände, dis aus dem Münster von Sädingen stammen, gefunden. Die französischen und holländischen Behörden beteiligten sich an der Suche in vielen Städten, wo die Bande Quartiere unterhielt. Die in Deutschland gestohlenen Wertstücke verschob man nämlich alle über die Grenze. Die Falschmünzerwerkstatt sollte dazu dienen, Kirchenschätze in E eld umzuschmelzen.
ßMchulvachrMen
x Arn 2. Dezember verschied in Berlin-Friedenau der Theologie- und Hegelforscher, Pfarrer Dr. theol. h. c., Dr. phil. h. c. Georg L a s s o n im 71. Lebensjahre.
len h's ;en ng >er lis ker :er SU tis en
ir- en nd ir- m.
en
vt-
ci* st.
s- m e- »n •t. je l-
it n
n u •r e K
>l
tt e
Htt) Stegmoeit:
i Wer in» Sebta
... was mich selber angeht, so darf ich mich Ehmen, sowohl vom Vater wie von der Mutter her Borsichren gehabt $u haben, die mit wer Hande Arbeit dem Gqsetz ihrer Land- fbaften gehorchten. Mein Vater entstammt einer baltischen Bauernfamilie, der Urahn Win er Mutter steuerte hölzerne Obstkähne 36er Rhein . Und wenn es auch beide erfahren zu einigem Wohlstand brachten, so Outen sie doch ASstßende, die ihr Glück kei- > ®sroeg<5 in behaglicher Versorgung suchten. *n! Alle verloren das Erarbeitete und jkrbiente wieder in solchen Zeiten, die von Ne Grenzleuten tm Osten und Westen das Me Opfer vericmgten, wenn es um die Not ob ganzen lvikes ging. Und ich habe in den «Mästen meiner Großväter nichts finden •ätirien, was. sich über das Unmaß der aufge- “•tbeten Last beklagte, ober was grollen Achte, weil von Staats wegen das Verlorene wieder ersetzt wurde.
Daß ich das Blut zweier Grenzländer in mir «ige, wunde mir zuerst offenbar, als ich als t’fi^er Lewgrenadrer mÄne Notwehrpflicht 01 der Westfront erfüllte: Ich wußte, daß es den Bestand der Nation ging, also hielt ch aus, obwohl ich einmal mit schwerer Gas- 6tDlmtmng und ein anderes Mal nftt einem tonalmten Knie den Kampf ausaebxn ™**6te. Ich f girrte die Strenge des Ostens, ich in diesen Tagen nicht murre« wollte, “Jw ich spürte die Versöhnlichkeit besTSeffais, §Emich in keiner Stunde des Krieges die Mstk bebtngungplofen Haffes hestnftichten.
Nachbenstmr über diesen Zwiespalt war wreberum ein Kampf! Ich kehrte 1918 in die ®2™at zurück, wurde Kauhnann, Bank
beamter und Musikant, lernte, daß sich der neue Alltag vom überwundenen Kriegszustand nur insofern unterscheidet, als er menschliche Feindschaften auf kaltem Wege, obzwar weit listiger und unehrlicher, auszutragen pflegt, und suchte darum Zuflucht bei mir selber: Immer war ich ein Spielkind gewesen, immer hotte ich — in der frühesten Jugend freilich unterbewußt! — das, was man eine Sehnsucht zu nennen genagt ist, mit guten Bildern, beseelter Musik und warmherziger Lektüre zu erlösen verstanden: ja, ich hatte immer versucht, selber zu malen, zu musizieren und pointierte Geschichten zu schreiben, — heute stand ich vor dem Entschluß, das „Spiel" von Berufs wegen zu pflegen. Den Unterhalt für mich und meine Familie verdiente ich als Lautensanger, im Jahre 1924 entstanden einige Kurzgeschichten vom rheinischen Uebermut, und als Franz Herwig, der Dichter der „Eingeengten", diese Schwänke zu einem fchma- len Band vereinte, (Das Latecuchen der Unschuldigen), wurde ich das, was man halt ehr- geiPg nennt: Die Verniedlichung des Lebens gefiel mit nicht mehr, ich wollte die Ber- nlärung! Ein kleiner Roman entstand, der „Lanzewt auf dem Dorfe", in dem ein Knabe zerbricht, weil er von einer reifen Frau enttäuscht wÄde. Es soihte die Bekenn tnis- ncwelle „Soldat Lukas", in der ein Kriegsblinder das zertrümmerte Deutschland wieder bejahen lernt. lieber viele Bühnen des Reiches gingen bre Dramen „Der Schwstrmer" (Bekenntnis zum 17jährigen Friedrich Staps. der zur Zeit des ungeheuerlichen Wiener Friedens be* Grand Corse mit dem Küchenmesser der Mutter töten wollte und „immerhin" edie Milderung der Friedensbedingungen erreichte, obwohl er selber in Schönbrunn füsiliert wurde), „Sooneck" (von der Rheinprovinz als Iahrtausendfestspiel ausgewählt), .Lyonels Kinder" (eine gemeinsam mit Otto
Brües verfaßte Iahrpiarktskomödie). „Die fröhlichen Dreikönige" (ein Krippenfpiel, das die Christgeburt in den Wedding verlegt) und endlich „St. Helena", eine Tragödie über Napoleons Tod. Dieses letzte Drama entstand in jener Zeit, als fremde Besatzungstruppen die Menschen an Rhein und Ruhr drangsalier- ten, — das Sterben des Franzosenkaisers sollte unfern Gegnern offenbaren, daß politische Quälereien weder Ruhm noch Ehre versprechen. Indessen war keine Bühne des besetzten Gebiets in der Sage, das Werk vorzustellen, erst im Winter 1929/30 fanden die ersten Aufführungen in Bremen, Hamburg, Trier und Zittau statt. Beim Quellenstudium zu St. Helena fand ich manche erzählenswerte Leigende über Napoleon. Ich sammelte und formulierte die Stoffe in meinem Buch „Kreuzweg des Kreuzigers", dem bald der Schülerroman „Der Tumult um den Schüler Sadowski" folgte, die Nacherzählung einer Pennälertragödie, die sich vor einigen Jahren ereignete, und die mich darum reizte, weil ich selber keine besonnte Schuljugend durchmachen durfte.
Daß mein Schaffen ein hartes, doch nie mut- unb freudloses war, bedarf es besondrer Erwähnung? Manches davon ist in meinem Roman „Der Jüngling im Feuer- o f en" erzählt worden, der ja kürzlich in der „Oberhessischen Zeitung" erschien. Ich habe in dem Buch ein gut Teil von dem zu gestalten versucht, was der rheinische Mensch im Dezennium der Fremdherrschaft und der blutigen Sonderbündlerkomödie aushalten mutzte . Und wenn sich in diesem Nachkriegs- roman neben zürnenden Anklagen manche Zeilen der friedfertigen Bereitschaft zum Wort melden, so mag das wiederum bekennen, datz ich ein Kind zweier Grenzländer bin: Bom Baier her dem östlichen ©laben an die Na
tion ergeben, von der Mutter her mit bet rheinischen Gnade der Versöhnlichkeit gesegnet.
Kunst und WMtMM
— Sicherung des Raabe-Nachlasses. Zur Sicherung des Nachlasses von Wilhelm Raabe hat der Rat der Stadt Braun« schweig mit der Tochter Raabes eine Vereinbarung getroffen, wonach der ganze Nachlaß unverkäuflich bleibt. Der Tochter ist dafür seitens der Stadt eine Rente ausgesetzt worden.
— Die Salzburger Festspiele 1933 werden voist 29. Juli bis 31. August dauern. Das Opernrepertoire reicht von Gluck („Orpheus und Euridike") über Mozart („Cosi fan tutte“, „Figaros Hochzeit" und „Zauberflöte"), Beethoven (Fidelio"), Weber („Oberon"), Richard Wagner („Tristan und Isolde") zu Richard Strauß („Aegyptische Helena", „Frau ohne Schatten" und „Rosenkavalier"). Diese Werke stehen unter der musikalischen Leitung von Clemens Krauß, Richard Strauß und Bruno Walter. Das Schauspiel bringt neben Aufführungen von Hofmannsthals „Jedermann" in der Inszenierung von Max Reinhardt als Freilichtdarstellung im Felsenarkadenhof des Festspielhauses Goethes „F a u st". Wie bisher werden auch im nächsten Jahr die Wiener Philharmoniker eine Reihe von Orchesterkonzerten absolvieren.
Erhältlich, in. den
‘Die hohe 0ch£lastung,\ verbunden, mit großerWirtschnftlidikdfi macht die OSRAM- Campe ziun meistge-\ brauchten. £iehtspender.\
1