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Pi» .Oberhessisch« Seitunq* et> scheint sechsmal wkchctitlich. ®t- juaspiels monatl.i. Marburg 2.02 $<®. ausschl. Zuslellungsqebübr, unsren Agenturen 1.93 GM. pijügL Zustellungsgebühr, durch die Post 2.25 GM. Für etwa durch Streik. Maschinendefekt oder elementar« Ereignisse ausfallend« Aummern wird kein Ersatz ae- leistet. Verlag, Dr. <S. Hiherotb. Druck der Unib-Buchdruckerei 5»b. Aug. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Rr. 2054 tu Rr. 2055 Postscheckkonto: Amt Frankfurt e. M. Rr. 5015. Sprechzeit der Redaktion von to11 und '/U1 Ubr.

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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen

St. 286 »r.Mrg. Marburg a. Lahn

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Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen für Stadt und Kreis Marburg.

Was geschieht im Reichstag?

Heute Wahl des Präsidiums - Wird Eraef Vizepräsident? - Mitztrauensanträge - Initiativantrag der N.S.D.A.P.

Übersicht

Am Vorabend des Zusammentritts des eeaeit Reichstages wurde in Kreisen der Aeichsregierung angenommen, daß « gelingen werde, eine Mehrheit dafür zu gewinnen, daß sich der Reichstag nach seiner Konstituierung und nach der Wahl des Präsidiums zunächst bis zur Abgabe der Regierungserklärung, die einige Zeit in Anspruch nehmen wird, und sodann über Weihnachten vertagt. Ge­rüchtweise verlautet, daß die National­sozialisten gegen die Wahl des deutsch- nationalen Kandidaten für das Reichs- tagspräfidium stimmen wollen, sodaß in diesem Falle mit der Wahl eines Prä­sidiums ohne Deutschnationale zu rechnen ist. Gerüchten, daß zwischen Nattonal- sozialisten und Zentrum neue Verhandlun­gen über Preußen stattgefunden hätten, tritt eine parteiamtliche nationalsoziali­stische Erklärung entgegen. Die Preutzen- srage dürfte unabhängig von dem Verlauf der Dinge im Reich gelöst werden.

Sämtliche Reichstagsfraktionen haben am gestrigen Montag ihre erste Sitzung abgehalten. Während über die Sitzung der deutschnational en Fraktion nur verlautet, datz sie ihre Stellungnahme für die erste Sitzung des Reichstages fest­legte, wird die Auffassung der DNVP. in einem parteiamtlichen Aufsatz dahingehend festgelegt, datz sie ihre Hal­tung von der Befolgung der autoritären Ctaatsführung, von der endgültigen Be­seitigung des Dualismus zwischen Reich und Preußen, sowie von einer entschlossenen Wirtschaftspolitik abhängig machen werde.

Die Zentrumsfraktion hat eine Iieihe sozialpolitischer Anträge angekün­digt. die u. a. die Aufhebung des sozial­politischen Teiles der Notverordnung for­dern, und sich für eine Vertagung des Reichstages ausgesprochen.

Neben der kommunistischen hat aucy die sozialdemokratische Fraktion Mitztrauens- anträge beschlossen.

Die R. S. D. A. P. hat einen Jnitiativ- Sesetzentwurf beschlosien, der die gesetz- pläfsige Vertretung des Reichspräsidenten durch den Reichsgerichtspräsidenten for­dert und der mit zwei Drittel Mehrheit verabschiedet werden mutz. In Regierungs- 'reisen hofft man, daß die NSDAP, unter gewissen Voraussetzungen einer Vertagung Nftimmen werde, wobei auch die «mnestiefrage eine Rolle spielt.

Die Nationalsozialisten ^Berlin, 5. Dez. Die nationalsozialisti- 5* Reichstagsfraktion hielt heute abend eine oraktionsfitzung ab, in der Adolf Hitler in ^Mündiger Rede die Richtlinien für den DÄtung der Fraktion festlegte.

Ueber die Fraktionsfihung wurde ein län- patteiamtlicher Bericht ausgegeben, in sichern insbesondere die Aeutzenrng Hitlers « beachten ist. dah jedes K o m p r o m i h °dgelehnt werden müsse. Trotzdem «mchf man in parlamentarischen Kreisen ?icht. dah es in der bevorstehenden kur- Tagung des Reichstages schon zu einem Msten Konflikt mit der Reichsregierung Man rechnet vielmehr damit, dah M> die Nationalsozialisten der Vertagung **s Parlaments bis Mitte Januar zuftim- men werden.

«v 3nt übrigen hat die nationalsozialistische «raknon bereits heute ein Jrrttiatiogesetz be­

antragt, dessen sofortige Beratung sie verlan­gen wird. Es handelt sich um ent

Stellvertretungsgesetz für den Reichs­präsidenten,

das mit verfassungsändernder Zweidrittel­mehrheit beschlossen werden mühte und fol­genden Wortlaut hat:

Attikel 51 der Reichsverfafsung erhält folgende Fassung:

1. Der Reichspräsident wird im Fall seiner Verhinderung durch den Präsidenten des Reichsgerichts vettrttm.

2. Das gleiche gilt für den Fall einer vorzeitigen Erledigung der Präsidentschaft bis zur Durchführung der neuen Wahl." In der nationalsozialistischen Reichstags- fraktionssitzung nahm, wie die Reichspresse­stelle der NSDAP mitteSI, Adokf H rt - ler das Wort und legte in mehr als ein» stündigen Ausführungen nach einem Rück­blick auf die letzten politischen Ereignisse die Richtlinien fest, die für die Haltung der Reichstagsfraktion der NSDAP int kommen­den Kampfe maßgebend sein werden. Aus­gehend von den immer gleichbleibenden welt­anschaulichen Zielen und der grohen nationa­

Schiffskatastrophe in Japan

Japanischer Zerstörer gekentert - 106 Mann ertrunken

Tokio, 6. Dez. Der japanische Zerstörer S o ro o t o 6 ie ist in der Nähe von Formosa mit der gesamte» Besatzung ge­sunken

Zu der Katastrophe wird bekannt gegeben, dah die volle etatmäßige Stärke von 120 Mann an Bord des gesunkenen Zerstörers Sawarabi" war, so dah mit dem Verlust von 106 Mann gegerechnet werden muh, nachdem bisher nur 14 Mann gerettet werden konnten.

Die llnglücksstätte liegt etwa 100 See­meilen von Formosa ab. Die Rettung der

lleberlebenden erfolgte durch drei Torpedo­bootszerstörer. die an die llnglücksstätte ge­eilt waren.

1 fl. in kio, a Dez. Rur langsam laufen nähere Einzelheiten über die Katastrophe des ZerstörersSawarabi" ein. Entgegen den ersten Berichten ist das Schiff nicht a b ge­sackt, sondern gekentert. Es treibt kiel­oben, so dah die Hoffnung besteht, es noch ber­gen zu können. Weiter ist über das Schicksal der vermihten 106 Mann Besatzung noch nichts bekannt, und man befürchtet, dah sie alle ums Leben gekommen find.

Die heutigen Morgenblätter

Zu der ersten Sitzung im Reichstag

Das Hauptthema der heutigen Mvrgen- blätter ist naturgemäß der Beginn des Reichstages. Im Zusammenhang mit den Berichten über die verschiedenen Frak- tionssitzungen, die bereits gestern statt- gesunden haben, und die Erklärungen der einzelnen Fraktionen erörtert die Mor­genpresse die Frage, welche Aussichten die angekündigten Anträge haben werden, und ob es zu der beabsichtigten Vertagung des Parlaments bis zum Januar kommen wird. In diesem Zusammenhang wird dem An­träge der Nationalsozialisten auf Schaffung eines Gesetzes zur Stell­vertretung des Reichspräsiden­ten besondere Bedeutung beigemessen. Die Blätter nehmen allgemein an, daß die er­forderliche Zweidrittelmehrheit für ein sol­ches derfassungsänderndes Gesetz Zu­standekommen wird, da die Mittel- patteten und die Sozialdemokraten ihm zu» sttmmen würden.

DerBor sen-Evuri er" schließt aus der Einbringung dieses Gesetzes, daß die Rattonalsozialisten dem Reichstag kein jähes Ende bereiten wollten.

DieDeutsche Allgemeine Zei­tung "sieht die politische Bedeutung die­ses und der anderen nationalsozialistischen Anträge darin, daß sie der Fraktion der RSDAP. Gelegenheit geben könnten, kom- munistische oder sozialdemokratische An­ttäge, die die Gefahr einer vorzeitigen Reichstagsauflösung mit sich brächten, un­ter dem Hinweis darauf abzulehnen, eine Unterstützung solcher Anträge würde die für dringlich gehaltenen sachlichen An­träge in Frage stellen.

In einer Reihe von Zeitungen wird an­gedeutet, dah es bei der Wohl des Reichs­tagspräsidenten zuKampfwahlen" kommen dürfte.

DieDossische Zeitung" spttcht davon, daß die Rationalsoziallsten den Deutschnationalen G ra ef nicht wieder als Vizepräsidenten wählen wollten wegen sei­ner Haltung bet dem Empfang des alten Präsidiums beim Reichspräsidenten. Wenn die Deutschnationalen daraufhin nicht für Göring sttmmen würden und die Deutsche Vvlkspartei sich ihnen anfchlöfse, würde Göttng erst im zweiten Wohlgang mit einer relattven Mehrheft von Rattv- nalsvzialisten und Zentrum gewählt wer­den können.

Daraus könnten sich, so meint das Blatt, Heberraschungen bei der Wahl der Vize­präsidenten ergeben. Andere Blätter spre­chen davon, dah durch die von den Sozial­demokraten beschlossene Aufstellung Loe- bes als Kandidaten für den Präsidenten­posten Auseinandersetzungen bei der Wahl der Vizepräsidenten entstehen könnten.

DieDörsen-Zeitung" meint, daß eine Entscheidung darüber in einer Frak- tionsführerbesprechung heute vormittag fallen wird.

3n nationalsozialistischen Kreisen verlau­tet, datz eine Eventuelle kürzere Vertagung des Reichstages bis zum 10. Januar durch­aus denkbar erscheine unter der Voraus­setzung, datz etwa auf dem Gebiete der politiichen Amnestie die neue Reichsregierung Entgegenkommen zeige, vor allem gegenüber den durch die Sondergerichte auf Grund der Terrorverordnung Verurteilten. Eine län­gere Vertagung hält man nicht für wahr­scheinlich.

len Aufgabe der Bewegung, von der Millio­nen Deutscher die Erfüllung ihres Sehnens nach einer besseren deutschen Zukunft erwar­ten, gab er feiner durch nichts zu erschüttern­den Ueberzeugung Ausdruck, datz Energie und eiserne Zähigkeit der nationalsoztallm- schen Idee den Sieg sichern werden. Nie­mals habe eine große BeweguW gesiegt, wenn sie den Weg des Kompromisses eings- fchlagen habe. Je mehr die Ereignisse jnr Entscheidung drängten, um fo mehr Opfer erfordere der Kampf.

Entscheidend sei «stein, wer in diesem Kampf das letzte Aufgebot und das letzte Bataillon auf Ne Walstatt bringe.

Es fei nicht wahr, dah die NSDAP in Thü­ringen eine Niederlage erlitten habe. Wenn man schon diese Gemeindewahlen als polt» tischen Matz stab nehmen wolle, dann stelle er fest, datz die NSDAP insgesamt in Thü­ringen prozentual im Verhältnis zu den an­deren Parteien nicht Mrückgegangen set. son­dern sogar gegenüber der letzten Reichstags­wahl im Verhältnis ttwas gewonnen habe. In zahlreichen Gemeinden set sogar die Stirn» menzahl der letzten Reichstagswahl überschrit­ten worden. Keine Sekunde werde die natio- najiozialistische Bewegung ht ihrem Kampfes- willen und ht ihrer Kampfesgeschloffenhett er­lahmen. Sie habe den längeren Atem und werde daher auch den letzten Sieg erringen.

Nachdem Adolf Hitler fodamt die poltti» scheu Richtlinien für die Reichstagsfraktion im einzelnen bekanntgegeben hatte, schlotz der Frattionsporsitzende Dr. Frick die Sitzung, indem er dem Führer namens der gesamten Frattion das Gelöbnis unerschütterlicher und unverbrüchlicher Gefolgstreue in die Hand ablegte.

Die Deutschnationalen

Berlin 5. Dez. In einemHeber» gang ober Enblösung" überschriebenen Ar- ttkel nimmt der Pressechef der DRVP., Brvsius, in den Parteiamtlichen Mit­teilungen zum Kabinett Schleicher u. a. wie folgt Stellung: Die nächstenTage wer­den zeigen, wie sich das neue Kabinett einem Reichstag gegenüber verhalten wird, der ihm die Gefolgschaft versagt. Ist das Kabinett Schleicher, das sich aus fast den gleichen Persönlichkeiten mit den glei­chen Gegensätzen zusammenfetzt, wie das frühere Kabinett, stark genug, ttm eine Enblösung darzustellen? Die drei sach­lichen Forderungen der Deutschnattonalen sind: 1. Der Weg vorn ParlamentariSM is von Weimar zum autoritären Staat muß entschlossen wettergegangen werden. 2. Der Dualismus zwischen Reich unö Preußen darf nicht wiederkommen, auch nicht auf dem Wege einer Einigung zwischen Ratto* nalsozialisten und Zentrum in Preußen. 3. Der Reubau der Wirtschaft muh nach neuheitlichem Wan und unter Ausschal­tung aller sozialisttschen Experimente durchgeführt werden. In den Anfängen schon liegt Erfolg oder Mißerfolg des neuen Reichskanzlers begründet. Von dem Weg, den das neue Kabinett geht, wird es abhängen, wie sich die DRVP. zu ihm stellt.

Die Sozialdemokraten

Berlin, 5. Dez. lieber die heutige ßyü tionssitzung der sozialdemokratischen Reühs- tagsfraktton wird u .a. folgendes mitgetcilt:

Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat beschlossen, für die Wahl des Reichstags- präsidenten wieder Paul Lobe oorzuschlagen. Die sozialdemokratische Fraktion wird ver­langen, datz der Reichstag sofort nach seiner Konstituierung die Erklärung der neuen Re­gierung entgegennimmt und datz sich daran eine grotze Aussprache anschlietzt. Die Frak­tion wird sofott einen M c'tz t r a u e n s a n - trag gegen die Regierung von Schleicher einbringen, da ifie Zusammen»