Sekte 2
rette und der Gewerkschaften auf der «men und die des Reichsbankpräsidenten Dr. Luther auf der anderen Seite unter einen Hut zu bringen sind. Von Eereke weih man, dätz er nicht in einem falschen Doktrinarismus an den Einzelheiten seines Programms festhält und mit sich reden läßt. Jetzt hat auch der Reichsbankpräsident in einer sehr bemerkens- werdne Rede auf der Jahrestagung des Bundes der Freunde der Technischen Hochschule Münchens seine Stellungnahme zu den Möglichkeiten einer verstärkten öffentlichen Arbeitsbeschaffung in einer Form festgelegt, die nach der bisherigen Haltung Luthers sehr überraschen muh und offenbar von dem Wunsch diktiert ist, im Rahmen des Möglichen eine Brücke zu den Ideen Eerekes und der Gewerkschaften zu schlagen. Luther hat sich jetzt dahin ausgesprochen, dah eine Aen- derung des Vertcilungszweckes der Stever- gutscheine, die bei Mehreinstellungen von Arbeitern innerhalb der Privatwirtschaft als Lohnprämien im Gesamtbeträge von 700 Millionen gegeben werden sollen, sehr wohl möglich sei und dah diese LohnprSmicn, die Noch so gut wie unbelegt sind, für öffentliche Arbeitsbeschaffung verwendet werden könnten. Damit hat sich Luther für eine beträchtliche Ausdehnung der öffentlichen Arbeitsbeschaffung ausgesprochen, wenngleich er natürlich betont, dah der Kreditausweitung unüberschreitbare Grenzen von der Währungs- feite her gesetzt sind. Auf diese Weise kann es jetzt also gelingen, zu einem Ueberein- ikommen zu gelangen, mit dem alle Teile zufrieden gestellt werden, und das Kabinett Schliecher hätte nach dieser Richtung hin von Anfang an einen günstigen Start. Da man auch annehmen kann, dah über die Grundlinien der künftlgen Sozialpolitik in den bischerigen Besprechungen Schleichers mit den Gewerkschaften im wesentlichen eine Einigung erzielt worden ist, und der Präsident der Reichscmstalt, Dr. Syrup, als ein Mann des Ausgleichs gilt, wäre damit eine weitere Schwierigkeit aus dem Wege geräumt. Huflar bleibt lediglich die Frage des hcm- delspolftischen Kurses und der Kontingentsfrage. Je nachdem, wie hier die Entscheidung fNlt, wird die Haltung der Landwirtschaft, um die Schleicher sich sehr bemüht, ausf allen.
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Deutsches Reich
Fühlungnahme zwischen Reichskanzler v. Schleicher enb Reichstagspräsident
Göring.
Berlin, 4. Dez. Wie verlautet, hat am Sonntag zwischen Reichskanzler von Schleicher und Reichstagspräsident Göring im Zusammenhang mit der Frage einer Vertagung des Reichstages eine Besprechung stattgefunden. Heber das Ergebnis der Hnterredung ist nichts bekannt geworden. f . j
Regierungserklärung möglicherweise erst Anfang Januar.
Das offiziöse Eonti-Rachrichtenbiiro läßt sich über die politische Lage u. a. wie folgt aus: Die neue Woche wird nun im Zeichen der Reichstagseröffnung stehen. Montag werden die Fraktionssitzungen beginnen und am Dienstag nachmittag findet dann bekanntlich die Eröffnung des neuen Reichstages statt. Es ist anzunehmen, dah in der Eröffnungssitzung nur die Konstituierung erfolgt, und dah am Mittwoch Reichstagspräsident Göring.neu gewählt wird.
Es steht noch nicht fest, wann der Reichskanzler v. Schleicher seine Regierungserklärung abgibt. Der Zeitpunkt hängt von dem Ergebnis der Fühlungnahme des Kanzlers mit dem Reichstags- Präsidenten und darüber hinaus also auch mit den Parteien ab. Man hatte erwartet, dah sie heute stattfinden würde. Das war aber nicht der Fall, da Reichstagspräfident Göring heute garnicht in Berlin war. Dagegen ist übrigens Adolf Hitler in Berlin eingetroffen, um vor der Reichstagseröffnung die übliche Verpflichtung seiner Fraktion vorzunehmen.
Das Bestreben des Reichskanzlers geht bekanntlich dahin, den Reichstag zu einer längeren Vertagung zu bewegen. Solange über den Erfolg dieser Bemühungen keine Klarheit herrcht, ist auch noch nicht abzusehen, ob die RegierungsklSrung noch in dieser Woche, oder ob sie gar erst Anfang Januar abgegeben wird. Sicher wird auch hierüber bis Dienstag eine Klärung herbeigeführt werden.
Die amtliche MitteDmg über die Er» nennnng enthält mehrere bemerkenswerte Einzelheiten. Da ist zunächst di« Mance zu unterstreichen, dah Reichskanzler von Schleicher nicht zum Reichswehr- rnlnister wiederernannt, sondern „Lis auf weiteres mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Reichswehrministeriums beauftragt“ worden ist. Der Reichspräsident hat die von ihm gewählte Form für die Leitung des Reichswehrmimsteri- ßums offenbar vor allem deshalb vorge- Swgen. weil er Wert darauf legt, die Führung der Reichswehr möglichst von der Politik freizuhal- ten, in die General von Schleicher als Ehef des Kabinetts natürlich stärker hin- eingestellt ist. Di« „'Beauftragung bis auf weiteres“ läßt dem Reichspräsidenten alle
£wr»wree sttnme, Marburg «. r, MMkag, tun 5. Dkpember 1932
Abschied von Popen
Eine Kundgebung v. Popens an seine Freunde
Berlin, 3. Dez. Heute mittag 1230 Hhr fand die letzte Sitzung des alten Reichskabinetts statt, in der sich Reichskanzler v. P a p e n von seinen bisherigen Mitarbeitern verabschiedete und ihnen herzlich für die treue Zusammenarbeit dankte. In seiner kurzen Ansprache bat er diejenigen Reichsmmister. die im Kabinett verbleiben, in der gleichen Weise, wie es ihm gegenüber der Fall gewesen sei, auch mit seinem Freunde und Nachfolger Herrn v. Schleicher zum Wohl- des Vaterlandes zusammenzuarbeiten. Als Dienstältester widmete Reichsminister v. Neurath dem scheidenden Kanzler herzliche Worte des Abschieds. Sodann verabschiedete sich Reichskanzler von Papen von den Beamten und Angestellten der Reichskanzlei, die er seinem Nachfolger vorstellt.
Berlin, 3. Dez. Reichspräsident von Hindenburg hat an den scheidenden Reichskanzler von Papen nachstehendes Schreiben gerietet:
Sehr geehrter Herr Reichskanzler!
Ihrem Anträge um Entlassung aus den Aemtern des Reichskanzlers und des Reichskommissars für das Land Preußen habe ich durch die anliegende Urkunde entsprochen.
Schweren Herzens und nur veranlasst durch Ihre persönlichen Vorstellungen lasse ich Sie in Würdigung der mir vorgetragenen Gründe aus diesen Aemtern scheiden: mein Vertrauen und meine Achtung für Ihre Person und Ihr Wirken bleiben unvermindert. Während Ihrer leider mir einbalbjähttgen Tätigkeit als Reichskanzler und als Reichskommissar für Preus;en habe ich Ihre hingebende und verantwortungsfreudige Arbeit, Ihre selbstlose Vaterlandsliebe und Ihre vornehmen Charaktereigenschaften hochschätzen gelernt. I ch
werde di« Zeit der Zusammenarbeit mit Ihnen nie »ergeben. Für alles, was Sie in diesen schweren Monaten für unser Vaterland getan haben, spreche ich Ihnen im Namen des Reiches wie im eigenen Namen meinen tiefempfundenen Dank aus.
Mit den besten Wünschen für Ihr Wohlergehen und mit kameradschaftlichen Grützen verbleibe ich Ihr stets ergebener
lgez.) v. Hindenburg.
Ebenso hat der Herr Reichspräsident dem scheidenden Reichsminister des Innern Frei- berrn von (5ai)I und dem Rcichsarbeits- minister Schäffer in persönlichen Handschreiben feinen Dank und Anerkennung für
Der scheidend« Kanzler dankt seinen Freunden im Lande.
Berlin, 3. Dez. Der aus seinem Amt scheidende Reichskanzler von Papen erlätzt folgende Kundgebung: „In dem Augenblick, wo ich das Kanzleramt, in das mich das Vettrauen des Herrn Reichspräsidenten berufen hat, an meinen Nachfolger abgebe, liegt es mir am Herzen, allen Freunden im Lande zu danken, die in den verflossenen sechs Monaten die Arbeit der Reichsregierung um die Wiedergewinnung unserer äußeren und inneren Freiheit ,um die Grundlegung eines neuen und besseren konstitutionellen Lebens, um autoritäre Staatsführung gegen Parteiherrschaft, um Arbeit und Brot für alle unterstützt haben. Meine Arbeit hatte nur ein Ziel: dem Zusammenschlutz aller wahrhaft vaterländischen Kräfte zu 'dienen. In ihm liegt die Zukunft der Nation beschlossen, der wir alle heißen Herzens dienen. Kämpfen wir weiter „mit Hindenburg für das neue Deutschland".
Die Wahlen in Thüringen
Ziffernmäßiger Rückgang aller Parteien
ff. Weimar, 5. Dez. Am Sonntag fanden in sämtlichen Städten und Landkreisen des Landes Thüringen die Neuwahlen für die Gemeinde- und Kreisräte statt- Die Wahlen sind in voller Ruhe verlaufen bei einer Wahlbeteiligung, die um 20 v. H. zurückgegan- gen ist. Auf Grund der Ergebnisse aus den 10 größten Städten ist festznstellen, daß in den weitaus meisten Fällen die bürgerliche Mehrheit verblieben ist, während in zwei Fällen die bisherige Linksmehrheit sich in eine bürgerliche Mehrheit verwandelt hat. Im-Verhältnis zu den Reichstagswahlen haben die Parteien der bürgerlichen Mitte sich gut behauptet. Auf der Linken zeigt sich eine Stärkung der Kommunisten auf Kosten der Sozialdemokraten. während die Nationalsozialisten teilweise Einbußen zu verzeichnen haben.
Weimar.
Weimar, 4. Dez. Abgegeben wurden bei den heutigen Wahlen 20 232 (28 426) Stimmen. Es erhielten NDSAP 7122 (Reichstags- wahl am 6. Nov. 1932: 11003), SPD 3347 (5491), Komm. Opp. 577, KPD 2704 (zus. mit Komm. Opp 3914), Handel und Gewerbe 849, DNVP 2272 (3768), Bürgerliche 922. Zentrum 619 (636) und DVP 1260 (2100) Stimmen.
Die Mandatsverteilung ist folgende: NSDAD 11 (Gemeindewahlen 1928: 4), SPD 5 (7), Komm. Opp. 1, KPD 4 (2), Handel und Gewerbe 1, Zentrum 1, DVP 2 (3).
Im Landkreis Weimar verteilten sich die Stimmen wie folgt: NSDAP 15 778 (Reichstagswahl vom 6. 11- 1932: 20 570), SPD 4673 (5553), KPD 6227 (6987), Landbund 10 924 (9117), Deutschnationale 1796 (3303), Nationale Bürgerliche und Handwerker 1544 (—).
Sena.
Jena, 4. Dez. Die heutigen Gemeindewahlen hatten folgendes Ergebnis: NSDAP 6249 (Reichstagswahl am 6 11. 1932 : 8420), SPD 7479 (9615), KPD 6513 (7442), DNVP 1864 (3635), Staatspartei 2865 (2005), Bürgerliche Liste 3369 (2648).
Die nunmehrige Mandatsverteilung ist folgende: NSDAP 8 (Eemeindewahlen 1928: 1), SPD 9 (11), KPD 8 (5), DNVP 2 (—), Staatspartei 3 (4), Bürgerliche Liste 5. Bei der Kommunalwahl des Jahre. 1928 waren in der Bürgerlichen Liste DNVP, DVP, Zen
trum, Wirtschaftspartei und Christl.-Soziale Partei mit 14 Mandaten vereinigt, während diesmal in der bürgerlichen Liste nur DVP, Zentrum, Wirtschaftspartei und Christlich-Soziale verbunden sind.
Gotha.
Gotha, 4. Dez. Bei den heutigen Wahlen wurden von 33 855 Stimmberechtigten 19 547 (25 850) Stimmen abgegeben. Die Wahlbeteiligung betrug 56 (75) Prozent. Es erhielten Stimmen: NSDAP 7565 (Reichstagswahl vom 6 11. 1932: 10046), SPD 1327 (1922), KPD 6153 (7473), DNVP 2386 (2845) und DVP 1919 (1466).
Die Mandate verteilen sich folgendermaßen: NSDAP 14 (Gemeindewahlen 1928: 12), SPD 2 (3), KPD 11 (10), DNVP 4 (4) und DVP 4 (4).
Apolda.
Apolda, 4. Dez. Bei den hiesigen Eemeindewahlen beteiligten sich von 19 234 Stimmberechtigten (am 6. 11. 1932: 18 838) nur 12 200 (15 084) also 63,5 Prozent. Die Sozialdemokraten haben ungefähr so viel verloren wie die Kommunisten gewonnen haben, während die Verluste der NSDAP ungefähr ein Drittel ihrer Wählerzahl vom November ausmachen. Bemerkenswert ist, daß die Bürgerlichen. verglichen mit der letzten Reichs- tagswahl, etwa 400 Stimmen gewinnen konnten, was im Vergleich zu der stark verringerten Wahlbeteiligung als ein ziemlich starker Erfolg anzusprechen ist.
Die abgegebenen Stimmen verteilen sich folgendermaßen: SPD 2798 (Reichstagswahl am 6. 11. 1932: 3478), KPD 2184 (2574), NS DAP 4430 (6389) und Bürgerliche Einheitsliste 2788 (2278).
Di« Mandate verteilen sich wie folgt: SPD 6 (Eemeindewahlen 1928 : 8), KPD 4 (2), NSDAP 8 (7) und Bürger!. Einheitsliste 6 (8).
Sonneberg.
Sonneberg, 4. Dez. Die Wahlbeteiligung bettug 84 Prozent. Es erhielten an Stimmen NSDAP 5147 (Reichstagswahl am 6. 11. 32: 5631), SPD 2750 (2732), KPD 2346 (2470) und DNVP 882 (1140).
Mandate: NSDAP 10 (letzte Eemeinde- wahl) 10), SPD 5 (5), KPD 5 (4) und DNVP
Möglichkeiten offen, um seine SntfcheiUlMg über die endgültige Besetzung des Reichs- wehrminifteriums in sorgfältiger Heber» legung Au treffen. Der Reichspräsident loitd die weitere Entwicklung beobachten. In absehbarer Zeit freilich erwartet man in unterrichteten Kreisen noch keine Aen» derung für das Wehrmimsteri'nm.
Ferner ist in der amtlichen Mitteilung interessant, daß die Bestellung des neuen Reichskanzlers Mm ReichSkormnissars für das Land Preußen mit dem Vermerk berschen wird: „für die Dauer der Verordnung vom 2 0. Jul-'19 3 2". Darin kommt wohl zum Ausdruck, daß diese Verordnung keineswegs etwas Ewiges und Unabänderliches ist. Sie hat ja von vornherein auch mehr ein« Att Hebergangscharakter gchabt
Entschlietzung des Deutschen Anwaltvereius.
Berlin, 5. Dez. In einer Abgeordnetenversammlung des Deutschen Anwaltvereins wurde gestern eine Entschließung gefaßt, deren Hauptforderung eine Sperre der Zulassung zur Rechtsanwaltschaft zunächst auf die Dauer von 3 Jahren mit anschließender Beschränkung des Zuganges zur Anwaltschaft (numerus clausus) der Rechtsanwälte ist. Die Anwaltsabgeordneten schloßen ihre Tagung abends mit einer Kundgebung im Berliner Zoologischen Garten, der u. a. der Reichsjustizminister und der preußisch Justizminister beiwohnten.
Reichsbank zahlt vier Millionen Dollar an die BIZ. zurück.
Basel, 3. Dez. Die Reichsbank hat die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich benachrichtigt, daß sie auf den ausstehenden Notenbankkredit von 90
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Millionen Dollar, welcher am 5. Dezember 193-l fällig wird, vier Millionen zurück- zahlen wird. Die BIZ., die Bank von Frankreich, die Bank von England und die Federal Reserve Bank in Rewyotck haben zngesttmmt, den ausstehenden Betrag von 86 Millionen Dollar in gleichen Beträgen für einen Zeitraum von drei Monaten zn verlängern.
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Bullerjahn freigesprochen
Leipzig, 3. Dez. 3m Bnllerjahnpro- zetz verkündete das Reichsgericht heute mittag folgendes Urteil: Der Angeklagte Walter Bullerjahn wird unter Aufhebung des Urteils des Vierten Strafsenats des Reichsgerichtes vom 11. Dezember 1925 auf Kosten der Reichskasse freigespro- ch e n. — Nach der Urteilsverkündung erlitt die ttn Zuhörerranm sitzende Mutter Vullerjahns einen Zusammenbruch; sie mußte von dem Bruder des Angeklagten hinausgeführt werden.
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Neue Bücher
** Ernst Wagemann, „Was ist Geld?" Stalling-Bücherei „Schriften an die Nation", Band 17. Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg i. O. Gebunden 1 Jl. — Zeiten schwerer wirtschaftlicher Störungen haben von jeher be, rufene und unberufene Eeld- und Kreditreformer auf den Plan gelockt. Kein Wunder, daß heute jeder,Zeitgenosse, verwirrt und beunruhigt durch die Fülle von Vorschlägen, die sich vielfach aufs schärfste widersprechen, und mißtrauisch gemacht durch eine hemmungslose Pressepolemik gegen Richtiges und Falsches, mehr denn je den Fragen des Eeld, und Kreditwesens verständnislos gegenübersteht. Der Verfasier des bisher anerkannt besten Plans zu einer wirklich zeitgemäßen Umgestaltung der deutschen Geld- und Krebitfasiung, Prof. Dr. Ernst Wagemann, der bekannte Gründer und Leiter des Instituts für Konjunkturforschung, stellt hier die Grundfragen des Geld- unb Kreditwesens in einer Form bar, bie es bem Leser möglich macht, sich selbst über alles das ein Urteil zu bilden, was- heute die Oeffentlichkeit auf bem Gebiete des Geldwesens bewegt. Wagemann wendet sich grundsätzlich ab von den üblichen Methoden der Eeldtheoretiker. An Hand der geschichtlichen Entwicklung wird klargemacht, daß man das Geld nicht als eine Einrichtung ansehen darf, die unabhängig von Wirtschaftssystem und Wirtschaftskultur ist. Mit dem Wandel des Wirtschaftssystems hat auch das Geld seine Form und feine Funktionen grundlegend geändert. Eingehend behandelt wirb vor allem die Rolle, die bas Gelb früher unb jetzt in ber Eeldwirtfchaft gefvielt hat unb noch spielt. Eolb unb Geld find nicht schlechthin eins. Weder bas Gold noch ein anderer Geldstoff sind „Wertmesser". Völlig neu sind die Erkenntnisse, die in ber Darstellung vom Schaltwerk des Geldsystems gewonnen werden Was der Verfasier schließlich über Geldschöpfung, Kreditausweitung, Deckungsgrundsätze,' über Inflation und Deflation zu sagen hat, berührt unmittelbar die Probleme, die heute im Vordergrund ber wirtschaftspolitischen Auseinandersetzungen stehen. Das Neue ber Gedankengänge, die elegante, fesielnde, bildhafte Sprache unb die allgemeinverstänbliche Dar, stellungsweise machen bas Buch zu einer wertvollen unb anregenden Lektüre. Das Buch räumt auf mit veralteten und überholten Anschauungen, die einer zeitgemäßen nationalen Lösung der Geld- und Währungsprobleme im Weg« stehen.
** Dora von Beseler: „Der Kaiser im englischen Urteil". Elegant kartoniert mit Bijdumschlag 3 RM. I. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart-Berlin. Kaum eine andere hervorragende Persönlichkeit unserer jüngsten Zeitgeschichte gibt es, deren Charakterbild so verschiedenartig eingeschätzt und gezeichnet wird, wie Wi l h ei m II. Sier haben, um bas Schillersche Wort zu gebrauchen, der Parteien Haß und Gunst, namentlich im eigenen Daterlande. erhöht unb erniedrigt, und nur wenigen, die den Kaiser aus nächster Nähe kannten, war es beschieden, flare Bilder seiner Persönlichkeit zu entwerfen. Da bleibt es besonders merkwürdig, daß gerade die Engländer, das Volk des sachlichen und kühlen, Verstandes, früher noch als die deutsche Heimat zu einer objektiveren Auffassung vom Wesen und politischen Wirken Wilhelms II. gekommen sind. Dora von Beseler hat in ihrem Buche „Der Kaiser im englischen Urteil", dem der Tübinger Historiker Profesior Johannes Haller ein wertvolles einleitendes Vorwort beigab, den Verfuch gemacht, auf Grund der englischen Einzelutteile darzustellen, wie die Geschichtsforscher unb Politiker Englands Wilhelm II. als Persönlichkeit rind i n seinem Wirken sehen. Der Versuch ist — und hierin liegt sein besonderer Wett — sine ira et studio unternommen worden, und sein Ergebnis umreiyt die Gestalt eines Mannes und Herrschers in Linien, die fern jeder Heroisierung, aber auch ebenso fern jeder Entstellung den Mann des reinen Wollens aufzeigen, der der Uebergewalt der feindlichen Schickfalswirkungen unterliegt. Das Buch wird doppelt wettvoll sein für jeden Deutschen, der danach ringt, zur Klarheit über den letzten Deutschen Kaiser zu gelangen, und zweifellos hat Profesior Haller recht, wenn er in seinem Vorwort betont, daß jeder, dem es um Wahrheit und Gerechtigkeit zu tun sei, diese Arbeit mit Teilnahme und mit Heber» raschung lesen werde.
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