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.ObetMTif^ Sdhmfl* et» scheint sechsmal wöchentlich. Be- luasvreiS mottoti. t. Marburg 2.02 ®9X. ausschl. Zusiellungsgebübr, bei unsren ylgentnren 1,93 SM. znzügl. Z-stellungSgebÄbr. durch vte Post 2.25 GM. Für etwa imrch Streik, Maschtnendefektvder elementare Lreigntfle ansfallende Nummern wird kein Grsad geleistet. Verlag, Dr. §. Hitzervch. Druck der Unid-Bnchdrnckerei <toh. Aug. Koch, Markt 21/23. Aernsprecher: Rr. 2054tu Re. 2055 Postscheckkonto: Amt Frankfurt a. M. Rr. 5015. — Sprechzeit der Redaktion von 10—11 **
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Anzeiger für (das frühere kurhessische) Oberhessen
Anzeiger der amtlichen Bekanntmachungen fSr Stadt und Kreis Marburg.
Das Reichskabinett vollständig
Dr. Warmbold und Freiherr v. Braun in ihren Aemtern bestätigt — Reichsarbeitsminister Dr. Syrup
Amtlich wird mitgeteilt: Reichspräsident von Hindenburg hat am Samstag den Reichsminister General d. I. a. D. von Schleicher zum Reichskanzler ernannt und ihn bis auf weiteres mit der Wahr- uehmung der Geschäfte des Reichswehrministers beauftragt. Reichskanzler von Schleicher ist gleichzeitig für die Geltungsdauer der Verordnung vom 20. Juli 1932 zum Reichskommissar für das Land Preu- hen bestellt worden.
Auf Vorschlag des Reichskanzlers ernannte der Reichspräsident den bisherigen Reichsminister ohne Geschäftsbereich Dr. Bracht zum Reichsminister des Innern, den Präfideuten der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbertslofenverfiche- ruug und Reichskommissar für den Freiwilligen Arbeitsdienst, Geheimen Regierungsrat Dr. S y r up, zum Reichsarbeitsminister, ferner bestätigte der Reichspräfident auf Vorschlag des Reichskanzlers de« Reichsminister Freiherrn von Neurath in feinem Amte als Neichsminister des Auswärtigen, den Reichsminister Grafen von Schwerin-Krosigk als Neichsminister der Finanzen, den Reichsminister Dr. Gärtner als Reichs- min.'ster der Justiz, den Reichsminister Freiherrn Elz v. Rübenach als Reichspost- unh Reichsverkehrsminister, sowie den Neichsminister Dr. Popitz als Reichsminister ohne Geschäftsbereich. Außerdem ernannte der Reichspräfident den Präsidenten des Deutschen Landgemeindetages, Landrat a.D. Gereke, zum Reichskommisiar für Arbeitsbeschaffung. Die Entscheidung über die Besetzung des Ncichswirtfchastsministeriums und des Reichsministeriams für Ernährung und Landwirtschaft bleibt noch vorbehalten."
Die Wirtschaftsminister
Berlin, 4. Dez. In Ergänzung der Meldung über die Zusammensetzung der neuen Regierung wird amtlich mitgeteilt: „Der Herr Reichspräsident hat auf Vorschlag des Reichskanzlers die Reichsminister Dr. Warmbold und Frhr. v. Braun in ihren Aemtern als Reichs- wirtfchastsminister bezw. Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft bestätigt." Ergänzend wird hierzu von offiziSfer Seite milgeteilt: „Mit der Sonntag erfolgten Wiederernennung des Reichswirtschafts- und des Reichsernährungsministers ist die Krise nach einer Dauer von Wochen nun völlig beendet. Die Verständigung, die zwischen den an den Wirkschafts- und Handelsfragen hauptsächlich beteiligten vier Ministerien erzielt wurde, hat dem Kabinett in der Wirt- schaftspolitik eine sichere Grundlage geschaffen, so daß auf diesem Gebiete für die nächste Zukunft eine größere Einheitlichkeit gewährleistet ist, als sie nicht nur im Kabinett Papen, sondern auch schon früher vorhanden war.
D.N.V.P. gegen Dr. Bracht
Ein Vorstoß gegen die preußische Personalpolitik
Berlin, 3. Dez. Die Deutschnationale Pressestelle veröffentlicht eine GrkkS- rung der detrtsthnatirmalen LanldtagSfrak- tton zu den Personalveränderirngen rm preußischen Justiz dienst, in der eS heißt:
„Seit längerer Zeit hat die deutschnatro- nale LandtagSfraSion dem Stellvertreter des Reichskonmnssars in Preußen, Herrn Dr. Bracht, ihr Befremden über die rnerkwürdig schonende Behandlung der Exponenten deS Zentrums im preußischen Beamtenkörper zum Ausdruck gebracht. Die jetzt erfolgte Beförderung des bisherigen Ministerialdirigenten Dr. Wirth, der alS ein besonderer Vertrauensmann des Zentrums gilt, wirkt demgegenüber wie eine offene Kampfansage. Der ReichÄomimssar wird sich darüber klar werden müssen, daß damit bei denjenigen Beamten, die von ihm auf Grund seiner eigenen Erklärungen eine grundsätzliche Aenderung deS
Parteienstaates erhofften, das Vertrauen in die heutige Staatsführung erschüttert wird.
Zm preußischen Znnemninksterium führt heute noch die Polize iabte klung der ausgesprochene Vertrauensmann des Zentrums Ministerialdirektor Dr. Klause« n e r. Im Kultusministerium amtiert noch der frühere Abgeordnete des Zentrums Lammers als Staatssekretär. Die Leitung des Justizministeriums liegt nach wie vor in den Händen des dem Zentrum angehörenden Staatssekretärs Hoelscher. Referent für die gesamten Persvnallen der inneren Verwaltung ist der Ministerialrat Krauth^ammer geblieben, der ebenfalls dem Zentrum zuzuzählen ist. Aach kn allen übrigen Behörden fft der übertriebene Einfluß des Zentrums noch ungebrochen. Eine durchgreifende Veränderung der Perionalverhälltnisse in Preußen muß mit bet' Lösung der Krise im Reich erfolgen.
Der 5
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id erstand Frankreichs
Kein Nachgeben in der Frage der Gleichberechtigung
Genf, 4. Dez. Am heutigen Sonntag abend find nach allgemeiner Auffassung keine Fortschritte in den Ab- rüftnngsbefprechungen zu verzeichnen. Reben der dentsch-französischen Kontroverse, als welche die Gleichberech- tignngsfrage hier bezeichnet wird, ist eine Reihe alter und neuer Gegensätze zwischen den verschiedenen Mächten akut geworden. Der hartnäckige französische Widerstand gegen eine isolierte Behandlung der deutschen Forderungen hat besonders in englischen Kreisen die anfängliche Zuversicht beeinträchtigt. Dazu kommen die Komplikationen in der Flottenfrage durch das Wiederaufleben der ftavzösisch-italie- nischen Streftfragen und durch die hier noch unveröffentlichten japanischen Vorschläge, die den alten japanischen Standpunkt präzifieren und wegen ihrer großen politischen Tragweite bei verschiedenen Delegationen Bedenken erregen.
Die Genfer Besprechungen.
Der in Genf weilende Außenpolitiker des „Echo de Paris" meldet zu dem Stand der Genfer Verhandlungen, daß Macdonald für Deutschland nicht mehr die absolute Eeichberech- tigung, sondern die bedingte Bewilligung des Eleichberechtigungsgrund- satzes »erlangt. Frankreich hätte später, wenn seine Sicherheitsforderungen nicht befriedigt würden, sein Wort zurücknehmen können. Herriot hat desabge- lehnt, nachdem er bereits am Donnerstag voriger Woche in einem Schreiben an den englischen Botschafter in Paris dar- gelegt hätte, daß das Eleichberechtigungs- problem nicht aus dem übrigen Fragenkomplex herausgenommen werden könnte. Auch Norman Davis habe ursprünglich
Frankreich gedrängt, Deutschland sofort die Eleichber^tigung zu bewilligen, wogegen die Abrüstung der Großmächte um zwei oder drei Jahre hinausgeschoben werden sollte, damft in der Zwischenzeit das Sicherheitsproblem erörtert werden könnte. Der Protest von französischer Seite hat jedoch — nach Darstellung des „Echo de Paris" — Davis zu folgendem Kompromißvorschlag veranlaßt. In einem Vorabkommen sind die bisher erzielten Konferenzergebnisie zu registrieren und alsdann für drei Jahre die eigentlichen Konferenzarbeiteu enter ständigen Abrüstungskommission zu übertragen und ihr auch die Behandlung des Sicherheitsund Elei^erechtigungsproblems zu überlasten. Erst wenn diese Kommission die ihr gesteMen Aufgaben erfüllt Habe, wäre eine neue allgemeine Konferenz einzuberufen. Herriot stehe diesem Vorschlag nicht von vornherein ablehnend gegenüber. Erhöbe aber um eine kurze Bedenkzeit getreten und bereits zum Ausdruck gebracht, daß auf jeden Fall eine derartige Maßnahme von einer sehr stark wirksamen internationalen Kontrolle über die gegenwärtigen Rüstungen der verschiedenen Rationen begleitet sein müßte.
Pertinax meldet dem „Daily Telegraph" aus Genf, daß Herriot am Mittwoch vormittag nach Paris zurückreisen gedenke. Vis dahin würden die Fünf- Mächte-Vesprechungen beendet sein. Der Berichterstatter beschäftigt sich weiter mit der ablehnenden Haltung Herriots gegenüber eine vorläufigen Abrüstungsvereinbarung und betont, Herriot sehe keinen Grund dafür, daß die Abrüstungskonferenz nicht in der bisherigen Weife weiter arbeiten solle, ohne Rücksicht aus die Haltung Deutschlands.
Handelspolitik und Arbeitsbeschaffung
Die Bemühungen Schleichers um die Kabinettsbildung haben längere Zett m Anspruch genommen als es zunächst vorgesehen war, und es ist bezeichnend, daß diese Verzögerung gerade in dem Punkt in Erscheinung getreten ist, der nicht mir für das neue Kabinett selbst, sondern für die zukünftige Entwicklung überhaupt der entscheidende ist, nämlich in der Frage, wie und wohin der Kurs der Wirtschaftspolitik im weitesten Sinne gehen sM. Damit sind, wie von vornherein zu erwarten war, eine Reihe personeller und fachlicher Schwierigkeiten in Erscheinung getreten, die für die Verzögerung in der Besetzung der wirtschaftlichen Ministerien symptomatisch sind. Es ist schon betont worden, daß demgegenüber die Besetzung der eigentlich politischen Ministerien leichter vonstatten gehen würde, und in der Tat hat der kommende Kanzler sich hier ohne wefteres auf die Männer stützen können, die zum größten Teil schon in dem vergangenen Ka- bmett vertreten waren.
Die beiden Hauptfragen, um die es geht, und Über die kn der Oesfentlichkeft zum Teil «e6i weitgehende Differenzen bestehen,,' sf^d die Kontingente und damft verbunden die Handelspolitik überhaupt und die Arbeitsbeschaffung. Schleichers Bemühungen sind vom ersten Augenblick an dahin gegangen, beide Fragen nach der sachlichen Seite zu klären und erst danach eine entsprechende Besetzung der in Frage kommenden Ministerien vorzunehmen. Was die erste Frage anbetrifft, so hot es überrascht, daß Schleicher das Bestreben zeigte, die beiden Männer, die im Kabinett Papen mit ihren gegensätzlichen Anschauungen immer wieder den Rahmen zu sprengen drohten, auch m seine Regierung zu übernehmen. Dieses Verfahren wäre ja insofern sehr gefährlich, als die alten Gegensätze, die nicht zuletzt zur Erschütterung der Stellung Papens beftrugen, sehr bald wieder zu Tage treten würden. Schleicher hat deshalb den Versuch gemacht, eine Lösung m der Richtung ju finden, daß sich Warmbold und Braun in einer langen Aussprache auf em gemeinsames Programm einigen sollen. In diesem Verfahren scheint vor allem der Wunsch Schleichers eine Rolle zu spielen, den bisherigen Ernährungsminister, der das Vertrauen der Landwirtschaft genießt, seinem Kabinett zu erhalten, um damft auch die Verbindung zur Landwfttschaft und deren Unterstützung zu behalten. Run ist aber die Stellung der Landwirtschaft gerade in den letzten Tagen wieder ganz em- benhg dahin zum Ausdruck gekommen, daß die festen und bindenden Zusagen des alten Kabinetts hinsichtlich der Kontingentierungs- maßnahmen eingehalten werden müßten und daß auch eine entsprechende Umgestaltung der Handeksvetträge oorzunehmen sei, wenn nicht die Landwfttchaft in die Opposition gehen soll. Diese Forderungen, wie sie noch zuletzt von dem ständigen Anschuß des Deutschen Landwittschaftsrates gestellt worden sind, sollen offenbar dem bisherigen Ernährungsminister eine Stütze, aber auch zugleich eine Richttchnur sein, und es ist unter diesen Umständen nicht einzusehen, wie Braun sich mit diesen Ansichten gegenüber Warmbold und den übrigen Ministern, die Gegner der Kontingentspolftft sind, durchsetzen kann. Versucht Schleicher, die Gegensätze durch ein Kompromiß aus der Welt zu chaffen, so ist lecht emjufeben, daß auch das neue Kabinett hier von vornherein eine verwundbare Stelle hätte.
Wesentlch günstiger steht es um die Frage der Arbeitsbeschaffung. Hatte es zunächst den Anschein, daß die Hineinnahme des Landrats Eereke in das Kabinett, der der Schöpfer des vielumstrittenen Arbeftsbeschaffungspro- gramm5 der Landgemeinden ist, zu großen Schwierigkeiten führen würde, wenn Eereke als Reichskommissar für Arbeftsbeschaffung. Siedlung und Osthilfe ernstlich daran gehen würde, sein Programm zp verwirklichen, so scheint sich jetzt bereits eine Verständigungsform abzuzeichnen, in der ine Ansichten Ge-