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Nr. 284

centtHfidk 3dhmg, »«tote «. L, StmtMb, d« 3. Sgagg 1938

Die kanzösifchen Schulen im Saaesebiet

In der richtigen Erkenntnis, daß die Zu­kunft der Jugend gehört, hat Frankreich, als es sich im Saargebiet festsetzte, eine groban­gelegte Schulpropaganda in Szene ge­setzt und mit allem Raffinement zu ent­falten versucht. In "allen gröberen Orten wurden französische Schulen eingerichtet, die zunächst den Kindern der zugezogenen fran­zösischen Beamten dienen und die auch all­mählich die Kinder der Saarbevölkkerung an­ziehen sollten. Das Schulziel dieser Pro­paganda ist weniger die Erlernung und Pflege der französischen Sprache, diese braucht man im Saargebiet nicht und ist bei der Be­völkerung durchaus verpönt sondern die Jugend zu französieren und mit ihr die Be- völklerung dem französischen Charakter näher- zubringen und für den Anschluhgedankken reif zu machen.

Mit welchen Erpressung«» die ärmsten, vom Gnadenbrot der französischen Bery- werksv«wÄ1«ng abhängig«« Saarberg- teute zur Preisgabe ihres Nachwuchses an dieDominiaUfchulen" gezwungen wer­den, spottet jeder Gerechtigkeit.

Wegen jeder kleinsten Verfehlung werden die betreffenden Bergleute vor die Alter- native gestellt: entweder Entlassung oder die Kinder besuchen die französischen Schulen und ihr werdet weiter geduldet. Da die Bergleute sich aber vor Verfehlungen sehr hüten, so wäre dieses System schon von selbst der Er­folglosigkeit verfallen. Aber der französische Chauvinismus weib sich zu helfen, es werd«», den Leuten einfach Verfehlungen, die^ sie nicht begangen haben, unterstellt und sie dann in diesem Sinne behandelt. Wenn trotz aller dieser Schikanen die französische Schulpropaganda ein vollständiges Fiasko darstellt, so ist das «in Verdienst der treu- deutschen Saarbevölkerung und nicht zuletzt der deutschen Saarlehrerschaft.

Aber in Frankreich wird die Sache so dargeftellt, als ob gerade das Gegenteil der Fall wär« und bk französische Schul­propaganda ein einziger (Etfofa sei.

So bracht« am 21. Oktober d. 3s. im Figaro" der Generalsekkretär der Associa­tion Francaise de la Sasse und Presleoffi- ziofus der französischen Saarbergsioerksdirek- tion. Jean Rooise (Dr. Robert Serio) eine durch Photographie wiedergegebene Hinden­burg-Geburtstagsfeier in einer saarländischen Volksschule und entrüstet sich darüber in fol­genden Phrasen: So drängt sich die pan- gernmnistische Propaganda in den Schulen des Saargebiets, der preubiiche Terror der Saarbevölkerung auf. Trotzdem beweise der Erfolgs' der französischen Schulen des Saar- gebiets, daß einbedeutender Teil der Saar­bevölkerung sich, allen Drohungen zuwider, mn veyerzter Entschlossenheit von Preußen und dessen Eewaltmethoden abwende".

' Gleichzeitig mit dieser Tatsachenverdrehung und Verschweigung der französischen Schuler­pressung erlitt die französische Schulpropaganda einen empfind­lichen Schlag. Der berüchtigte aus Luremburg stammende Enibenschuldireltor Wingert muhte den Schauplatz seiner oer- iverflichen Tätigkeit. Hockenbach, fluchtartig verlassen, wegen Unterschlagung nach der einen, wegen Sittlichkeit-vergehen an Schul­kindern nach der andern l?esart. Und jetzt zeigt sich mal wieder das wahre Gesicht der französischen Versöhnungsvolitik.

Ms Ersatz für diese« feinen Herrn hat bk französische Saarbergwerksdirektion, also eine direkte französische Behörde, als Lehrerin die Gattin eines rheinischen Separatisten berufen, d« im vorigen Herbst durch das Schöffengericht Duis­burg »pegen Spionage zugunsten Frank­reichs in cantumacia schwer bestraft wurde and durch Steckbrief verfolgt wird.

Eine derartige Herausforderung nicht nur gegen die Saarbevölkerung und das Reich, sondern demonstrativ unter den Augen der saarländischen Völkerbundsregierung, glauben die unmittelbaren Repräsentanten der fran­zösischen Regierung sich jetzt im Saargebiet erlauben zu dürfen in offenbar feiner Witterung des durch die jüngsten Reden des Versöhnungspolitikers". Herriot am Quai d'Orsay bezeugten Windes.

In einer Zeit, in da «s notwendig« denn je wäre, gerade in demeuropäischen Gefahrenherd" des Saargebiets, üb« dessen politische Zukunft in 2 Jahren eindeutig entschieden wird, sollte die französische Regie­rung ben Sirenenklängen über Völkerver­söhnung in den Reden seiner Mitglied« auch Taten folgen lassen und endlich mit den im Versailler ©eroaltfrieben provozierten Span-

rangen «chbauen. Statt dessen leistet sich Frankreich geflissentliche neue Herausforde­rungen, ohne fürchten zu müssen, dah ihm je­mand in den Arm fällt. Damit häuft es nur sein Schuldkonto in d« rücksichtslos aus­gebeuteten,, Saarkkolonie" und erreicht damit nur die Bereinigung und Durchkreuzung sei- n« imperialistischen Besttebungen und An- mahungen. C. Albert.

Sie Mlmht mn Beulten im Film

Zietben'sche Husaren wehren einen österreichische» Kavallerie-Angriff ab.

Auf dem Truppenübungsplatz Döberitz bei Berlin finden gegenwärtig die Auhenaufnah- men zu dem neuen Carl-Froelich-Film Leuthen" statt. Als Statisten wirken zahl­reiche Angehörige der Reichswehr in Uni­formen der fridiziamschen Zeit mit. Leider er­

eignete sich Bei einem Kavallerie-Angriff, an­scheinend infolge mihverstandener Regie-An­ordnungen, ein schwerer llnglücksfall, indem die Reiter in die Infanterie-Massen hinein­ritten und zu Fall kamen, wobei zahlreiche Reichswehrangehöttge verletzt wurden.

60 Zeitungen in -er Sekunde

Eine Sensation im Druckmaschinenbau

Die Umlaufzahlen der Zeitungsdruck­maschinen find von der herstellenden Ma­schinenfabriken in den letzten Jahren we­sentlich gesteigert worden. Die Höchst­grenze in Europa schien bei 15 000 bis 20 000 Umdrehungen der Druckzylinder in der Stunde erreicht zu sein. Lediglich in II. S. A. begegnete man noch höheren Ge­schwindigkeiten. Nunmehr hat, wie uns geschrieben wird, eine deutsche Maschinen­fabrik diese amerikanischen Zahlen er­reicht, teilweise sogar übertroffen. Diese Neukonstruktion, eine für einen Berliner Eroßverlag bestimmte Rollen-Zeitungs­druckmaschine, ist in diesen Tagen einer großen Zahl von Druckfachleuten und Ver­legern in Frankenthal in der Pfalz im Be­trieb vorgeführt worden.

Schon die Leistungszahlen der neuen Maschine find überrajchend. Die Druck­zylinder können mit 30 000 Umdrehungen in der Stunde laufen.

Das heißt, daß 60 000 Zeitungen von 16 Seiten Umfang oder 120 000 von 8 Seiten, bzw. 240 000 von 4 Seiten in der Stunde gedruckt und gefalzt werden können. Dabei kommen die Blätter in Paketen zu je 100 Stück zusammengefaßt aus der Maschine.

Die Druckzylinder erreichen also eine Um­fangsgeschwindigkeit von 8 m in der Se­kunde, oder mit anderen Worten: es lau­

fen in der Stunde 29 Kilometer Papier durch jedes Druckwerk. Im ganzen wird also-ein Papierband von 116 Ki- lometer Länge in einer Stunde bedruckt.

Erstaunlicher noch ist die konstruktive Durchbildung der Maschine. Reiche Er­fahrungen aus dem Kraftmaschinenbau haben den Konstrukteur zu völlig neuen Lösungen der Fragen des ungestörten Pa­vierlaufes, des Antriebes, der Regelung, der Schmierung, der Farbgebung geführt. Dadurch weicht die Maschine schon in der äußeren Form ganz von dem alterherge­brachten ab. Das in Stahl gebaute Ge­stell ähnelt eher einer modernen Diesel­kraftmaschine, als einer Zeitungsrota­tionsmaschine. Alle Lage find Wälzlager und laufen völlig gekapselt in Del. So erklärt sich, zumal da auch der Antrieb über Wellen und Eelenkketten erfolgt, daß das berüchtigte Lärmen der Druckmaschi­nen fast völlig verschwunden ist. Aus der höchsten Geschwindigkeit bringen Luft­druckbremsen das Werk in drei Sekunden zum völligen Stillstand. Die Farbe wird nicht mehr aufgerieben, sondern pneuma­tisch auf die Farbwalzen aufgespritzt. Eine feinfühlige Schützensteuerung schaltet auto­matisch die Maschine auf die vorher einge­stellte und gewünschte Tourenzahl. Pa­pierbruch oder falschen Papierlauf stellt sie selbsttätig ab. Zum Papierrollenwech­sel braucht das Werk nicht angehalten zu werden, sondern es ist möglich, noch bei

Sette 1

10 000 Umdrehungen diesen Wechsel vor- zunehmen.

So bildet diese Frankenthaler Maschine in Leistung wie Konstruktion eine wirk­liche Sensatton auf dem Gebiet des Druck- maschinenbaus. Sie beweist nicht nur die ungeschmälerten geistigen Fähigkeiten der deutschen Konstrukteure, sondern auch den Wagemut und Optimismus des deutschen Unternehmertums.

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1700 gefteMene teulM Aalte fn Milan»

Nachforschungen deutscher Versicherungs­gesellschaften und ihr sensationelle«

Resultat.

Das Amsterdamer Nachforschungsbüro Scheurholz u. Tickelar hat seit Monaten- im Auftrage deutscher Versicherungsgesell­schaften Nachforschungen über den Ver­bleib von in Deutschland gestohlenen Kraftwagen angestellt, die jetzt abgeschlos­sen worden find, und ein geradezu sensationelles Resultat zeitig-^ ten.

Nachweisbar laufen in dem kleinen Holland 1700 gestohlene deutsches Wagen; ein Stück entwendeten Volks­vermögens rollt auf fremden Chausseen.

1700 Wagen, und wer weiß wie viele es geworden wären, wenn nicht in letzter Zeit energisch gegen die Autodiebe durch­gegriffen worden wäre. Im Augen­blick ist es ein Wert von 140000 holländische Gulden, den die Autobanditen der deutschen Öffentlichkeit entzogen haben, in einigen Wochen wäre es vielleicht ein Vielfaches geworden.

Denn die Nachforschungen haben eine; geradezu ungeheure und mit unvorstellbar rer Raffinesse durchgebildete Or­ganisation von Autodieben und Hehlern aufgebedt. Siebzig Prozent aller in Deutschland gestohlener Wagen hat diese eine Organisation in der Hand gehabt und nach Holland gebracht. Auf regelrechten Diebesbörsen in Well und Ut­recht bgt diese Bande Autos verhandelt, die erst nach Abschluß des Kaufvertrages in Deutschland gestohlen wurden.

Man wäre vielleicht nie in die Maschen dieses ungeheuerlich fein gesponnenen Netzes, in all seinen Details ist es noch aarnicht überschaut, gedrungen, wenn man nicht mit einem einfachen Trick ein außer­ordentlich gut funktionierendes Ueber- machungssnstem geschaffen hätte. Bon je­dem in Deutschland gestohlenen Wagen fertigten Scheurbolz und Tichelar sofort regelrechte Steckbriefe an, die in fünf bis zehntausend Exemplaren manch­mal nur Stunden nach dem Diebstahl in Holland verbreitet wurden.

Ein einziger Fall aus der Praxis be­wies die Notwendigkeit schnellstens Han­delns. Da war an einem Abend in Ber­lin eine wertvolle Horch-Limou­sine gestohlen worden, die bereits an» nächsten Vormittag, völlig umgeändert! und mit anscheinend einwandfreien Pavie- ren verleben einem sehr prominenten Hol­länder Büraer angeboten wurde.

Bis jetzt hat man siebzehn« hundert in Deutschland gestoh­lene Autos ermittelt. Es besteht die Möglichkeit, diese Wagen gerichtlich z« sichern und auf dem Weae einer Zivilklage eine Herausgabe zu erreichen.

An die Quellen der Diebstähle aber heranzukommen, ist im Augenblick noch ein Problem. Ein Heer von Agenten und Unteragenten, von Sonderbeauftragten und Vermittlern haben diese Verkäufe bewerkstelligt, und keiner kennt den ande­ren, anders als unter einem Decknamen oder einer regelrechten Nummer.

Immerhin dürfte fetzt der Arbeit der gefährlichen holländisch-deutschen Auto­bande ein Riegel vorgeschoben sein.

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