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Nr. 283

MersteMche Zemms. Marburg a. L. Freitag, dm 2. 2*$ember 1932

Seite 3

Kein Wunder, wenn die anderen!. Hunde sich nach mir umsehen.

j'rrrt

jfa, man kann mit den Blaupunkt-Stickereien fabelhafte Effekte erzielen! Herrchen meint allerdings, wir sollten für die Gutscheine lieber Gratis- Zigaretten nehmen. Aber so sind die Männer, sie denken immer zuerst an sich !

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Der unbekannte Kriegsschauplatz

Der schwerste Kamps des MknWtt „Stummer

Kleines Heldenlied vom Guerilla-Krieg in der Ostsee

Niemand weiß von ihnen, von bett sLüen, wortkargen Männern, die allnächtlich an der deutschen Ostseeküste einen fast endlosen und schweren Guerillakrieg führen. Helden ohne Ruhm sind sie, unb doch schützen sie ihr Vaterland vor einer furchtbaren Ge­fahr, vor der lleberschwemmmig mit allen üblen Rauschgiften, die je ans versteckten La­boratorien und aus den Geheimzentren des Orients herausgebracht wurden.

Küstenwachschutz, Zollbeamte, das sind die Begriffe, die vielleicht aufschießen mögen, wenn man zu seltener Zeit einmal einen der blau uniformierten Männer aus Warne­münde zu sehen bekommt.

Hier und da wurde etwas von dem lleberhandnehmen des Sprit- kchmuggels an der deutschen Ostseeküfte berichtet. Er ist so ziemlich lahmgelegt, aber die weitaus gefährlicheren Gegner des deut­schen Küstenwachschutzes, die Rauschgift- schmuggler haben noch nicht ihre Nieder­lage erklärt. Cie kämpfen mit allen Mit­teln unter vollstem Einsatz der eigenen Per­son, und das Wort „Gnade" wird nicht er­scheinen, wenn diese straff organisierte Unter­welt der Ostsee, rekrutiert aus allen 'skan­dinavischen Ländern, vermischt aber mit Ver­brechertypen aus alter- Welt ihren Geschäfts­bericht abliefert.

Wie das regelmäßig und regelrecht ge­schieht. Ein solcher, einmal zufällig abgefange­ner Geschäftsbericht gibt Zeugnis davon.

Nacht für Nacht, gleich bei welchem Wet­tet oder bei welcher Windstärke kreuzen die deutschen Zollkutter unb Küsten- kchu tz bo ot«. Es gibt für sie keine Stunde der Muhe. Zu zahllos und zu modern und gut ausgerüstet ist der Gegner.

Mit hochtourigen Motorbooten letzter Kon­struktion, schwer armiert, bringt diese ab­sonderlichste Unterwelt eigensten Gepräges ihre verderbliche Last an die deutsche Küste. Und zwar gleich in unglaublichen Quantitäten, da Deutschland gewisser- maßen der Umschlaghafen für ganz Europa ist. Da riesige Gewinne auf dem Spiel stehen, riskieren die Männer alles, und so geht, un- bemertt von der Welt auf der Ostsee ein fort­währender Guerilla-Krieg vor sich, dessen Ge­fechte — und manchmal sind es regelrechte Seegefechte, mancher Episode aus dem Welt- dkeg gleichstehend — wohl kaum eine Ge­schichtsschreibung finden wird.

Der erst neu in See gestellte Kreuzer «Krummer", ausgerüstet mit einem Schnellfeuergeschütz und von einer Schnellig- kdit, die allen anderen gleich großen Vooten wettaus überlegen ist, hat kürzlich einen Kampf bestanden, der am besten die eigen- arLge Kriegsatmosphäre an der deutschen Ost­seeküste und den zähen Kampf der unermüd- llchen Wächter wiedergibt, ds eine Gesamt- aufzählung aller wortlos verrichteten und wortlos abgeklungenen Heldentaten, die von den blauen Männern verrichtet wurden und werden.

Aus Helsingfors erhielten die deutschen Be­hörden ein Telegramm, daß offenbar eine außergewöhnlich gro ße Ladung von Rauschgiften nach unbekamftem Ziel an der deutschen Ostseeküste, wahrschein- lich aber nach der Lübecker Bucht unterwegs lei. Die finnischen Geheimagenten hatten das Glück gehabt, bei der Beobachtung zweier verdächtiger Individuen ein entsprechendes Gespräch in einem Kaffee belauschen zu können.

Das gesamte Geschwader der Zöllkutter «ü> Schutzboote wurde alarmiert. Sie zogen «inen nur in düsterster Nacht und bei stürmi­schem Wetter zu durchbrechenden Kordon von Dars-Punkt über die ganze Lübecker Bucht, Md der schnelle „Brummett' patrouillierte un­unterbrochen kreuz und quer durch die Ostfee.

Mer Tage laug mürbe ununterbrochen die Sperre aufrecht erhalten, und schon glaubt« man. daß die Schmugglerband« vorher gewanrt »«dm roar oder man aber einem »«dm Gerücht aufgesessen sei, als der »Krumm«" eines Nachts fteuertwrds im Lichtkegel seines Schein­werfers «ine Motor joch, auftauchm sah.

Ae wurde aagehaltm und untersucht, aber Am entdeckte nichts verdächtiges, und die Besitzer der Jacht, di« sich als amerikanische Bergnügungsreisende ausgaben drohten mit Beschwerden und Klagen.

Trotzdem konnte der Kommandant des „Stummer“ einen gewissen Verdacht nicht los- werden. Man folgte not abgestellten Ma­schinen — durch einen glücklichen Zufall ging die Drift in gleicher Richtung wie das lang­sam aus SicK entschwindende LnrusfchM — dem verdächtigen Boot, und nach vier Mun­den nervenzerreißenden Martens komtte man tatsächlich vor sich hin und wked« dm ver­dächtiges Licht anfleuchten sehen. Noch näher trieb der »Krummer" heran und dann stamm - ten alle seine Scheinwerfer auf und erS- hüllten em Schauspiel, das keiner ErÄärmrq Mehr bedurfte.

Bord an Bord tagen zwei Mvtokkkkuz« völlig gleicher Bauart und große Pakete wurden offen sichttich wngelaid«.

Der erste Motorkreuzer war eine Art Vorhut Sewesen und übernahm jetzt, da er aller Ge­fahr entkommen zu sein glaydte, seinen Teil der Schmuggelware, um sie zu seinem be­sonderen Besttmmungsziel zu.führ«.

In entgegengesetzter Richtung preschten die beiden Jachten auseinander, und der „Brum­mett' nahm die Verfolgung des einen auf, der anscheinend noch den größeren Teil der Rauschgifte an Bord hatte. Dichtgedrängt stand am Vordeck ein großer Teil der Be­satzung, und in Hefe Männer hinein, prassel­ten plötzlich Maschinengewehrsaloen aus der verfolgten Jacht.

Rur durch ein Wunder gab es keine Tote. Die Maschinengewehre der Banditen hatten etwas zu hoch geschossen.

>Man wollte das Schnellfeuergeschütz nicht in Tätigkeit Bringen lassen, weil unter allen Umständen die Ladung und eventuell wich­tige Dokumente geborgen werden sollten. Wenige Schüsse sonst hätten die fremde Jacht in den Grund gebohrt. So mußte man mit Revolvern und Gewehren den Kampf gegen die Maschinengewehre der Schmugg­ler aufnehmen.

Er war erfolgreich. Nach einer halben Stunde des Feuergefechtes verstummten die Maschinengewehre. Die Schmuggler öffneten die Flutklappen der Jacht und sie versank. Nur ein Mann der Banditen kam mit dem Leben davon.

Er verriet den deutschen Behörden ein in den Dünen in der Nähe von Warnemünde vergrabenes Lager von Schmugglerwaren. Nach Verbüßung seiner Sttafe wollte der Mann weiterhin in Schutzhaft bleiben .

Er wußte warum. Er war ein G^eichneter. Mit dem Augenblick, da er aus dem Macht­bereich der Behörden entschwand, verfolgten ihn die Mitglieder seiner Bande.

Sechs Monate nach der Episode auf hoher See fand man ihn mit einem Dolch im Rücken auf. Er war auf dem Heimwege aus einem Kabarett in Rügenwalde gewesen.

Am Dolch war ein Zettel befestigt, auf dem in groben Schriftzügen gekritzelt war: „Tod allen Verrätern!" M—P.

6ofm demonstriert gegen die ungerechte Mdendpertrnge

Polizei drängt die Menge zurück.

In Sofia fanden große Demonstrationen gegen den Friedensvertrag von Reuilly statt, durch den Bulgarien in eine ähnliche Lage geraten ist wie Deutschland durch den Vertrag von Versailles. Zeitweilig wurde die Stimmung der Menge so erregt, daß die Polizei die Massen von den Hauvt- verkehrstraßen abdrängen mußte.

Mm die -legimenlsziese meutert

Das was in vergangenen Tagen für Deutschland die Kaiserin an öoer auf dem Tempelhofer Feld waren, nut dem ab­schließenden Parademarsch der Garderegimen­ter, das ist für England die große jährliche Parade des 1. Infanterie-Regimentes Welch auf den historischen Manöverplätzen von Al­dershot.

Es ist ein (Ereignes, das Zehntausende, ja, Hunderttausende von Zuschauern herbeizieht, Heere von Journalisten, Radioreportern und Wochenschaumännern. Ein zentrales Erlebnis für das ganze Jnselreich.

Und dies« Tage brach der ganze große Nationalfeiertag in sich zusammen. Eine Ziege nahm das Dolksereignrs auf die Hör­ner und zerfetzte es ju einem Nichts des verlegenen Chaos.

Schwacher Trost, daß es «ine berühmte, ja, eine weltberühmte Ziege war. Die Re­gimentsziege des 1. Äifanterre-Regimentes nämlich. Rer geheißen und wett bekannt durch die lässig elegante Art, mtt der sie bei feieüichm Anlässen cm der Spitze des Re­gimentes marschierte und voll Schneid und rhythmischen Gefühlen sogar den großen Parademarsch mttmachte.

Md dieses bewährte, eifern in englischer Tradition verankerte Tierchen, dieses Sinn­bild des Konservativismus — seit Jakob I. hat sich der Brauch der Regimentsziegen er« batten — hat es doch tatsächlich neulich fer­tig gebracht, regetrecht zu meutern.

Unausdenkbar geradezu. Gang England hat sich noch nicht ans fernem fassungslosen Entsetzen erholt, und die vielen Hunderttau­fende, die Augenzeugen dieser Katasttophe der Tradttion, Haden sich noch nicht aus der Leichenstarre erholt, in die sie fielen, als nach de» ersten Schritten der wohl ausgerichteten Front die Regimentsziege in ihrer schönen Schabracke sich plötzlich hmschmiß, und durch nichts zu bewegen war, wieder aufzustehen. Das erste Glied kam ins Torkeln, das zwette Glied lief auf, Stahlhelme bumsten gegen­einander, kollerten dann zur Erde und seelen­ruhig, aus stmstmütigen Augen besah sich der lang am Boden tzngestreckte Milttärziegen- bock das Chaos. 3)ee Nakiovakhynme mußte

abgebrochen werden, die Menschenmengen der Zuschauer setzten die Hüte wieder auf und begannen nun voll sportlichem Interesse dem Zweikampf zwischen dem ganzen Regnnent und der Ziege zuzusehen. Der Ziegenbock ge­wann: der große Parademarch mußte abge­brochen werden. Und da stand der Bock wieder auf...

EWefjsche Setter «erben für den Eintritt in die Armee

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Propaaandaumzug mit ein« Riesenpuvpe des chinesischen Kriegsgottes in Peking.

Um Freiwillige für die chinesische National­armee zu werben, werden in allen großen Städten Chinas ncht nur die modernsten Propaganda-Methoden angewandt, sondern ebenso die altgläubige Bevölkerung durch Hinweis auf die große mythologische SB er« gangenhett des Reiches der Mttte hingewie­sen.

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Schmerzloses SchlveineWachten!

Auf einem Pariser Schlachthof wurde mit Erfolg ein neuer Apparat versucht, der es ermöglichen soll, Schweine zu schlachten, ohne daß sie gequält werden. Es ist ein ekettri- cher Apparat in Form einer großen Gabel, die auf das Genick des Schweines aufgelegt wird und über die ein elektrischer Strom durch das Nervensystem des Opfers gejagt wird. Der Erfolg ist völlige Betäubung, die drei bis acht Minuten dauert. In dieser Zett kann das Tier gewissermaßen schmerzlos ge- chlachtet werden.

Amerikanisch« Millionärin stirbt als Reine­machefrau.

In einem kleinen Hotel von Cannes stürzte diese Tage eine Reinemachefrau beim Fenster­putzen auf die Straße. Sie war sofort tot. Bei der Feßstellung ihrer Identität ergab es sich, daß es stch um eine junge Frau aus ange­sehener und schwerreicher amerikanischer Fa­milie handelte. Ihr Lebensweg, den sie jetzt als Reinemachefrau auf so tragische Weise be­endete, gleicht einem Roman.

Die schöne 32jährige Amerikanerin Gladys Henderson war die Tochter einer Miv- lionävsfamilie. Ihr Vater war der Reffe des Eisenkönigs von Jersey-City. Vor dem Krieg besaß er eine Seidenfabrik in Moskau, war einer der intimsten Freunde des letzten Zaren und täglicher East in Jarskoje-Selo. Bruder und Schwester der Verunglückten leben noch heute als sehr reiche Leute in Amerika.

Gladys verließ mit 22 Jahren die Heimat, um sich mit dem Besitzer eines Kinos in Frank­reich zu verheiraten. Die Ebe war nicht glück­lich und im Jahre 1926 trennte stch die junge Frau von ihrem Gatten. Seit diesem Augen­blick erfuhr man von Gladys Henderson nichts mehr. Sie blieb für ihre Verwandschaft ver­schollen. Bis man sie jetzt auf der »straße vor einem kleinen Hotel in Cannes als tote Reine­machefrau wiederfand.