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ebertkfiifdK Zeitung, Marburg <l L. Donnerstag, den 1. Dezember 1932

Seit« 9

Iler Aelöartlllerjüen! / x

In der am 5. November 1932 in den Stein­wegsälen zu Marburg stattgefundenen Jahreshauptversammlung, die den endgültigen Abschluß der Neugründungsvor­arbeiten des örtlichen Kameradenzusammen- schlusies darstellte, wurde mit allgemeiner großer Freude kurzer Rückblick auf die acht­wöchige erfolgreiche Werbungsarbeit, welche fast 200 Anschriften ehemaliger Elfer in dem hiesigen Bezirk (Kreise Marburg-Stadt sowie Land, Kirchhain, Frankenberg, Biedenkopf, Dillenburg, Siegen) einbrachte, gehalten, mit erhebend vorbildlicher Einmütig­keit dem unermüdlichen tatkräftigen Arbeits­ausschuß aufrichtiger Dank gezollt und dann anschließend gleich der neue Vorstand ge­wählt: 1. Pol.-Obltn. a. D. Weber (Mar­burg, Schwanallee 38II) als Vorsitzender. 2. Ob.-Telegr.-Sekr. a. D. Göttig (Marburg, Eeorg-Voigt-Str. 3) als Schriftführer, 3. Gast.

Diesem geschäftsführenden Vorstand ist noch ein erweiterter in Gestalt eines Beisitzer- rates, als Obmann für die verschiedenen Landkreis«, beigegeben worden; es gehören ihm an als Vertreter des 1. Stadtkreis Marburg (einschl. Gießen, Siegen. Dillen­burg): Direktor Frhr. v. Schenk zu Schweins­berg, Rittmeister a. D., Bicgenstraße 28; 2. Landkreises Marburg (einschl. Bie­denkopf): Kaufmann Hausmann, Wetter; 3. Landkreises Kirchhain: Landwirt Hohl, Kirchhain; 4. Landkreises Fran­ke n b e r g: Landesobersekretär Riege, Haina, wirt Prinz (Steinwcg 4) als Kassierer.

Damit hat nun endlich die zum neuen zu­kunftsreichen Leben erwachte Ortsgruppe Marburg des Regimentsvereins ehern. Iler Feldartilleristen, in der alle früheren Offiziere, Unteroffiziere und Kanoniere eingedenk des altbewährten Frontkameradschaftsgeistes in unerschütterlicher Treue vereinigt sind und deshalb auch als stolze „Schwarze Kragen" in Freud und Leid felsenfest aneinandergeschmie­det zusammenstehen, den frisch gesattelten Gaul mit neuer Führung bestiegen, schaut mit siegessicherer Zuversicht vertrauensvoll in die Ferne und ruft gleichzeitig allen Regiments­kameraden kräftig zu: „An die Pferde — — Batterie auf—ge—festen!" Und wenn alle früheren Elfer diesen Ruf einheitlich aus Dankbarkeit dem schönen unvergeßlichen Regi, ment gegenüber, das ihnen allen stets sehr am Herzen gelegen hat, befolgen, dann freuen wir uns darüber, daß keiner abseits stehen und jeder die ruhmreiche Regimentstradition hoch­halten will. Das Bekenntnis zur echten R e - aimentskameradschaft ist das hohe hehre Ziel der Elfervereinigung, die auf völlig neutraler Grundlage steht und eine allumfas­sende Soldatengemeinschaft im wahrsten Sinne des Wortes ist, in ihr keine Standes- und Rang- noch sonstige kleinbürgerliche (unsol­datische) Unterschiede, in ihren Reihen ist ein jeder Kamerad willkommen, der ge­treu den Richtsätzen mit uns auch im vater­ländischen Geiste zur Wiedergewinnung un­serer Wehrhoheit und Freiheit kämpfen will pro Gloria et Patria!

Bei dieser günstigen Gelegenheit bitten wir deshalb nochmals und gleichzeitig letztmalig alle ehemaligen Elfer, die einstmaligen Träger der roten Achselklappe mit der platzenden gel­ben Bombe und der darunter befindlichen gel­ben Regimentsnummer 11, unsere großzügige Sammlungsbestrebung weitgehendst zu unter­stützen durch baldigen B e i t r i t t zu un­serer neuerstandenen Ortsgruppe (Jahres, beitrag nur 1 JQ, di« ein Glied des beute über 1000 Mitglieder zählenden Regiments­vereins ist und in demselben tüchtig zur Auf­rechterhaltung der denkwürdigen Tradition des überall hochgeachteten 1. Kurhest. Feld- artillerie-Regts. Nr. 11 mitzuarbeiten gedenkt.

Zur Pflege praktischer Kameradschaftsbetä- tigung findet am kommenden Sonntag nachmittag (4. 12. 32, 2. Advent) ab 14^ Uhr in den Steinwegsälen zu Marburg eine St. Barbara-Feier statt, wozu die Fa­milienangehörigen hiermit miteingeladen sind. Näheres durch Sonderanzeige in der Freitag­ausgabe der Oberheff. Zeitung. W.

Mmterprogramm

der Ortsgruppe Willingen

(SKS.) unter Berücksichtigung der Veran­staltungen des Ski-Klub Sauerland.

26. 12. 32. Einweihungssprmgen auf der umgebauten Mühlenkopfichanze unter Teil­nahme des früheren deutschen Skimeisters Erich Recknagel-Oberschönau.

1. 1. 33. Abfahrtsläufe des Ski-Klub Sauerland.

8. 1. 33. Trainmgsspringen (dieser Tag gilt gleichzeitig als Verschiebetermin für das Einweihungsspringen).

15. 1. 33. Ortsgruppenläufe für Lang­lauf und Sprunglauf.

. 21./22. 1. 33. Meisterschaften des Ski- Klub Sauerland.

29. 1. 33. Fuchsjagd der Ortsgruppe.

5. 2. 33. Hindernis- und Sprunglauf der Ortsgruppe.

12. 2. 33. Ski-Wettkämpfe der Uplän- der Schulen (Langlauf und Sprunglauf).

Bel günstiger Wttterung finden noch wei­tere Veranstaltungen statt, die durch den Berkehrsverein Willingen zu erfahren sind.

Eonntosskarten und Ausflusßverkehr

Neue Sonntagsrülkfahrkarte nach Erndtebrück

Ab 3. Dezember dieses Jahres wird eine Sonntagstarte von Marburg Hbf. nach Erndtebrück ausgegeben, die eine wesentliche Verbesserung des Wochenendverkehres mit sich bringen wird. Der Preis der neuen Sonn­tagstarte beträgt 5,00 RM. für die 2. Klasse und 3,50 RM. für die 3. Klasse. Die Er­schließung des Wittgensieiner Berglandes im Ausflugsverkehr wird hierdurch sehr erleich­tert, da die Marburger Bevölkerung das Erndtebrücker Gebiet mit Sonntagskarte direkt erreichen kann und von Erndtebrück aus durch Nachlösen von Anschluß-Sonntagskar- ten nach Berleburg, Altenhunden und Siegen gelangen kann. So ist es jetzt 3. B. möglich mit dreimaligem Lösen nach Köln, Düsseldorf, Hagen oder Dortmund mit Sonntagskarte zu fahren, indem man zunächst in Erndtebrück und sodann in Siegen oder Altenhunden die erforderlichen Anschlußkar­ten nachlöst. Es ist überdies vielen unbe­kannt, daß man sich die Anschlußsonn­tagskarten an den Zug bringen lassen kann, was durch rechtzeitige Be­stellung an die betreffenden Stationen ver­mittels einer Postkarte geschieht. Ferner ken­nen nur wenige die gute Mittagsver­bindung von Marburg nach Hagen (Westf.) und darüber hinaus über Laasphe- Erndtehrück-Altenhunden, weshalb dieselbe noch einmal aufgeführt wird. Marburg ab: 14,19 Uhr; Erndtebrück an: 16,51 Uhr, ab: 16,56 Uhr: Altenhunden an: 17,45 Uhr, ab: 17,52 Uhr: Hagen an: 19,31 Uhr. Der Fahrpreis Marburg—Hagen über diese Strecke beträgt für Hin- und Rückfahrt mit Sonn­tagskarte nur 9 RM.

Daß die Reiselust durch Sonntagskarten angeregt und gefördert wird, bedarf 'keiner Erörterung. Durch die Verlängerung der Gültigkeitsdauer der Sonntagskarte von Sonnabend 12 Uhr mittags bis Montag 12 Uhr mittags, — d. h. also am Montag muß die Rückreise bis 12 Uhr mittags angetreten fein, welches auch für jede Anschlußkarte gilt, — ist die Reichsbahnverwaltung den Wün­schen des reifenden Publikums entgegenge­kommen.

Welches ist nun der Hauptzweck, md find di« Bedingung«« für das Marburger Gebiet restlos «füllt?

Die Sonntagskarte soll es der werktätigen Bevölkerung ermöglichen, auf verbilligte Weise ein Ausflugsziel oder Kulturzentrum zu erreichen. Die meisten Reichsbahndirek­tionen haben daher ein großzügig Mammen­

gestelltes Netz mit Sonntagskarten einge­richtet und zwar auch auf große Entfer­nungen ($. T. über 250 Klm. hinaus). Für Marburg sind hingegen viele Wünsche noch nicht in Erfüllung gegangen und viele diesbe­zügliche Anträge von der Reichsbahndirek­tion Kassel abgelehnt worden.

Es ist — wie bereits oben erwähnt — zu begrüßen, daß zu Beginn der Wintersportzeit durch die Einführung der Sonntagskarte nach Erndtebrück

«in ntttts Skigebiet für dm Ausflugs- verkehr

erschlossen wird, nämlich das westliche Rotharge- birge u. das Wittgensteiner Bergland. Das Hochsauerland u. das Waldecker Bergland sind durch die Sonntagskarten nach Winterberg und Willingen erreichbar, wenn auch beide Wintersportplätze sehr schlechte Eisenbahnver­bindungen von Marburg aus aufroeifen. Warum soll der Vogelsberg als Win­tersportgebiet eine Ausnahme bilden? Nicht nur der Skiläufer, sondern auch der , Wan­derer möchte die Vorzüge dieser Einrichtung auch für das Vogelsberggebirge ausgedehnt haben.

Warum soll das Lahntal für dm Wan­der« und Faltbootfahrer nur bis Wetz­lar als Wochmmdziel geltm?

Die Einführung von Sonntagstarten nach Braunfels, Weilburg und Limburg würde von allen Seiten sehr begrüßt werden. Fer­ner hat die Reichsbahndirektion Kassel des öfteren die Gesuche zwecks Einführung ein« Sonntagstarte nach dem Rheingau abgelehnt — ohne nähere Angabe der Gründe. Es ist daher auch teinesfalls verwunderlich, daß die Wochmendfährten im Omnibus nach dem Rheingau sich mehr und mehr einbürg««, — zum Schaden der Reichsbahngesellschaft. In folgendem Vergleichsbeispiel spiegelt sich die Unhaltbarteit des Zustandes wieder, daß die Interessen Marburgs in Kastel ju wenig gewürdigt werden. Es gibt eine Soim- tagsfarte von Friedrichshütte-Laasphe nach Kassel (Entfernung 146 Klm.), ab« eine solche Karte von Marburg nach Wiesbaden ob« Mainz oder Koblenz, die als Gabeltarte be­sondere Vorteile bieten und als Entfernung auch nur 146 Klm. aufweisen würde, wird nicht genehmigt.

Manche berechtigte Wünsche harren noch der Erfüllung; — mögen diese Zeilen zu einer Verbesserung des Wochenend- und Aus­flugsverkehres beitragen. —e.

HMüfte zu machen

ist nicht Aufgabe der Selbstverwaltung.

Auf der gerade im jetzigen Zeitpunkt be­deutungsvollen Tagung des Langnam- Vereins in Düsseldorf führte der Präsident des Deutschen und Preußischen Landkreistages, Dr. von Stempel, u. a. folgendes aus:

Auch di« Landkreise als Teile bet öffentlichen Verwaltung sind aufs engste verbunden mit und abhängig von den Forderungen, die Ar­beitgeber und Arbeitnebrner an eine gesunde öffentliche Wirtschaft zu stellen berechtigt sind. Dte'e Gesundung kann nur von gegenseitiger Rücksichtnahme und verständnisvoller Zusam­menarbeit erwartet werden. Diese gilt es jetzt mit Beschleunigung zu leisten.

Das FrankMer Mis-Programm

Freitag, dm 2. Dezember.

6.15: Wetterbericht. — Anschließend: Mor­gengymnastik. — 7.20: Schallplatten-Konzett. — 12.00: MSvchenmustk. — 13.30: Schall- platten-Konzert. — 15.20: Elternstunde. — 17.00: Konzert des Südwestdeutschen Rund­funkorchesters. — 18.25: „Wie versuche ich mit den Schwierigkeiten der Zeit fertig zu werden?", Vortrag. — 18.50: „Wie lerne ich schlafen?", Aerztevortrag. — 19.30: Die „roßen Redner: „Bismarck". — 20.05: Frauenstimmen: „Sopran und Mt". «ne Schallplatten-Unterhaltung. — 21.10: Kta- vierübung. — 21.45: Wiener Volksmusik. — 22.20: Zeitangabe, Tagesnachrichten, Wetter­bericht. Sportbericht. — WMr Kreß erzählt aus seiner Torwächtevlaufbahn. — 22.45: Nachtmusik.

Gottesdienst bet israelitischen Gemeinde.

Sonnabend, den 3. Dezember.

Vorabend 16.15 Uhr; 8.30 Uhr: 16 Uhr;

Ausgang 17.15 Uhr. Am Wochentagen 7 Uhr; 19 Uhr.

Wetterbeobachtungen 30.No./1.Dez.

Höchste Temperatur am 30. Novemb. 4,4 Celsius Niedrigste Temperatur lekte Nacht -0,6 Telsius

Zeit

Varometerst. «bullert auf N. N.

Tempe­ratur

Relative Luft- fertig-

30.1t. 2 Uhr nachm.

766 8 mm

3.7 XelL

30.11. 9 Uhr

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1.117 Uhr

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vorm.

PHOTO-BÖHLER - BRILLEN-BÖHLER

Wettergaste 30 »ahnhosttr. 9

Marburg/Lahn

Fernruf 2248.

*

Wetterbericht.

An der Vorderseite der über England und dem Nordseegebiet liegenden Tiefdruckstoruin gen herrscht rib« dem Kontinent im Bereich absinkender Luftmasten noch vielfach heiteres Wetter. Da das südosteuropäische Hochdruck­gebiet jedoch stetig weiter abgebaut wird, kommen wir allmählich in den Bereich der westlichen Störungen.

Aussichten für Freitag: Bei südwestlichen bis westlichen Winden verhältnismäßig mildes und unbeständiges Wetter bei zeitweisen Nie­derschlägen.

Verlag Dr. C. Hitzeroth.

I Hauptschristleiter und verantwottlich für Po- lttik und Feuilleton: Dr. E r n st Scheller: für Kommunalpolitik, Provinz und Lokales: Lothar Schneider, sämtlich in Marburg.

An der Forderung „gesunde Wirtschaft im starken Staat" sind die Kommunen in doppel­ter Beziehung interessiert, und zwar einmal als neben und unter dem Staat stehende Teile der öffentlichen Verwaltung unb Johann in ihrer kommunalwirtschaftlichen Betätigung als Teil ber Eesamtwirtschaft. Die Schwierig­keiten in ber Selbstverwaltung stellen sich nicht bar als typische Selbstverwaltungskrise, son­dern sinh Folgen ber allgemeinen Kri'e des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft. Mit einer Beseitigung dieser Krise wird auch die Selbstverwaltung gesunden, die einen Teil wichtigster Aufgaben der öffentlichen Verwal­tung auch in Zukunft zu erledigen haben wird unb beren Sbee in ben breiten Massen des Volkes verwurzelt unb daher als deutsches Volksgut nicht wegzudenken ist. In ber wirt­schaftlichen Betätigung ber Kommunen werben sich die Landkreise auch fünftig auf bie_ Ver- sorgungs- unb Verkehrsbetriebe beschränken, müssen biese aber aus sozialen Gründen für sich fordern. 3m übrigen kommt eine Kon­kurrenz mit der privaten Wirtschaft nicht in Frage. Ge'chäfte zu machen, ist nicht Aufgabe der Selbstverwaltung. Die augenblicklich chaotischen Zustände in ben EemeindefinanzeN können nur durch eine jetzt nicht mehr auf« schiebbare grunblcgenbe Finanzreform be­seitigt werben. Nebenher muß eine aus­reichende Finanzierung ber für zahlreich« Ee- meinbeneroänbe völlig unerträglichen Wohl­fahrtslasten fortgesetzt unb eine Bereinigung der Schuldenwirtschaft zwecks Wiederherstellung des Vertrauens in die Kreditfähigkeit ge­troffen werden.

3n der Finanzreform ist neben der Hebet« tragung von Steuern zur ausschließlichen und selbständigen Ausschöpfung eine Personal­sten«, die in Relation zu den übrigen Steuer» zu setzen ist, erforderlich.

Fröhliches Reisen zur Niedermeierzeit

Was ist schon in unseren Tagen eine Reife? — man steigt in den Zug, saust durch die Gegend, liest derweil seine Zeitung unb ist am Ziel. Aber damals, vor 100, vor 80 Jahren, da war eine Reise ein Unterneh­men, Bei dem man was erlebte, da gab es Abenteuer zu bestehen in der Postkutsche, im fremden Wittshaus. Da bedeutete eine Reise noch etwas — und es gab vor allem Menschen, die den Sinn für all die Reize eines solchen Unternehmens hatten! Was bedeutete doch dem Romantiker die Post­kutsche! Ein ganz reizendes Dokument romantisch-biedermeierlichen Reisens hat uns Ludwig Emil Grimm hinterlassen. Lud­wig Emil Grimm ist der britte dn Brüder Grimm, weniger bekannt als die großen Märchenerzähl« und Germanisten, aber wohl würdig, in Hessen besser gekannt zu werden. Als Jakob unb Wilhelm 1830 Kassel ver­ließen, blieb «, der Mal« und Zeichner, zurück, als Professor an der Kunstakademie hütete er ihr Erbe und wahtte den Ruhm d« Familie. Er war wie seine Brüder begabt mit großem Nachahmungstalent, reicher Na­turliebe und warmherzigem Humor, gütig und unbeschwett. Als er im Jahre 1850 von Kassel aus eine Reise nach Süddeutschland unternimmt, da zeichnet er ein Tagebuch zusammen. Was er mit seiner Familie, Frau, Tochter und Nichte, an kleinen Abenteuern er­lebt, roirft er mit flüchtigen, witzigen Strichen aufs Papier, das nachher zu Hause zusammen- geklebi wird und eine Rolle von 9 Met« Länge ergibt, — ein einzigartiges Dokument romantischer Fabulierkunst mit dem Zeichen-

D« Bärenreifer-Verlag in Kas-

I bat diesen „Reisefilm" ausgegraben und in einer naturgetreuen Wiedergabe heraus«

gegeden. Die lange Rolle in einem hübschen Kästchen, mit einem Beiheftchen, das ein Ge- leitwott und Anmerkungen enthält, kostet nur 3.60 Mark, in besonderer Eeschenkausgabe 4.80 Matt. Ich kann mir für einen Freund hessischer Kunst und Geschichte, für einen Liebhab« d« Romantik lein hübscheres Weih­nachtsgeschenk denken als dieses Reisttagebuch!

Die Bilderfolge führt uns von Kassel über Hersfeld, Fulda, Schlüchtern, Gelnhausen nach Frankfutt und Aschaffenburg, wo man die be­freundete Familie Brentano besucht, dann durch den Spessatt üb« Würzburg und Bam­berg nach Nürnb«g: hier sieht, man die Burg und die Lorenzkirche, die ©rirnms kau­fen Lebkuchen und Blumen auf dem „Ge- müsmattt", essen Sau«kraut und Würstchen im „Bratwurstglöcklein"! Dann geht's über Heilbronn, wo das „Kätchen" die Reisenden begrüßt und Götzens eis«ne Hand besichtigt wird, nad) Heidelberg, die Bergstraße entlang wied« nach Frankfurt, dann üb« Butzbach nach Marburg, wo man lange verweilt! 3m „Ritter" steigt man ab, Studenten mit langen Pfeifen und langen Haaren pro­menieren einher, bann geht's bei 30 Grad Hitze nach Marbach, wo bie Marburg« Damen all erscheinen. Beim Brotbacken sieht man zu — unb kommt pitschnaß vorn Regen heim! Zum Schluß: Ab nach Kassel! — Und bas alles ist so hübsch gezeichnet, mit so viel Sinn für Humor, mit ber ganzen Ettmm'schen „Andacht zum Kleinen"! Wie witzig allein die Wittstypen. bie geistlichen Herren, vom Superintenbent bis zum Bischof in Fulda, — wie liebevoll die verschiedenen Trachten — jeder Freund ber Heimat wird seine helle Freude an biesem Geschenkwerk haben. Es sollte bies Jahr keine Alt-Mar­burger-Familie geben, in ber nicht bies kleine Meisterwett ben Weihnachtstisch ziert!

—o. —r.