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Nach Feieraben-

Unterhaltungs-Beilage der Oberhessischen Zeitung

Der germanische Bauer der Bronzezeit

Von M. Miiblbradt-Landsberg

Die germanische Bronzezeit, der Hochstand vorgeschichtlichen germanischen Schaffens, bei der wir eine frühe, mittlere und 'päte unter­scheiden, ist in die Zeit um 2000 bis 800 v. Ehr. zu setzen. Wenn auch Zinn und Kupfer vor­nehmlich durch die Kelten eingeführt wurden, so trägt die germanische Kultur doch eine art­eigene Formgebung von solcher Gediegenheit und Vollendung, wie sie kein Volk in seiner Bronzezeit jemals erreicht bat. Seien es Er­zeugnisse der Waffenschmiedekunst oder Frauen­schmuck, seien es Urnengefäße der Haushal- tungsgegenstände, alles ist in einem solchen harmonischen Einklang von Zweck und Erschei- uung gehalten, das; man es bis vor kurzem noch für unwahrscheinlich hielt, „solche Kunst­werke den Germanen anzueignen, weil dies der Kulturgeschichte widerstrebt". Aehnlich Hebt es mit der Feldbestellung, der Siedlung und der Dorfanlage. Lediglich weil die Ger­manen keine Städte kannten, schalt man sie „Barbaren".

Vorherrschend in der frühen Bronzezeit war der Einzelhöf, der auf dem eigenen unfo unbe­schränkten Boden des Siedlers stand. Die Be­siedlung zu damaliger Zeit haben wir uns so vorzustellen, daß der Einzelne auf vorgescho­benem Posten sein Viereckhaus aus behauenen Baumstämmen errichtete, den Wald rodete, den Acker bestellte und sein Vieh weidete. Das von ihm urbar gemachte Land war nun sein „rechtes Eigen". Wo Lage und besondere Um- Hände es ermöglichten oder erforderten, fie­delten fich häufig mehrere Germanen mit ihren Familien an gleicher Stelle an. Hier erhielt der Einzelne zum Eigenbesitz und zur Eigen- ,bewirtschaftuna ein Stück Land, daneben noch Anteil an unbebautem Oedland, Weide, Wald und Wasser. So entstanden aus dem Einzelhof Haufendörfer, Runddörfer, Walddörfer, Änger- oörfer und schließlich Reihen- und Straßen­dörfer.

Für die Dörfer gilt die gleiche Siedlungs- einteiluna. Es muß gesagt werden, daß der eiryelne Germane den größten Teil seines Bo­dens selbst bearbeitete und nicht „auf der Bärenhaut lag" und die Frauen und Unfreien arbeiten ließ.

3n Einzelhöfen also oder in Dörfern, die .fast ausschließlich die Größe der heutigen Dör­fer aufwiesen, waren die Germanen ansässig. Zu vergessen ist bei aller Einzelfreiheit nicht, daß die Sippe als Gesamtheit immer entschei­dendes Oberhaupt blieb. „Hinter der Besitz­nahme des zum Eigentum gewordenen Bodens ■ftanb die Volksgemeinschaft, die sowohl eine unbeschränkte Häufung von Bodenbesitz in einer Hand eines Einzelnen als auch eine rücksichtslose Verfolgung eigener Interessen verhinderte. Im übrigen war der Besitzer einer durch Arbeit gewordenen Landscholle

durchaus Herr auf seinem Boden. Das ging so weit, daß selbst die zinspflichtige'n Leibeigenen, die entweder Kriegsgefangene, enteignete Vor­besitzer oder heruntergekommene germanische Bauern waren, selbständig für sich wirtschaften konnten, wenn sie nur die pflichtigen Abgaben entrichteten.

Von dem Acker erhielt jeder eine bestimmte Anzahl von Hufen (eine Hufe etwa 30 Mor­gen) zur Bebauung. Da die Germanen die Düngeverwertung noch nicht kannten, betrie­ben sie eine intensive Feld-Graswirtschaft. Ein Stück Land wurde ein oder zwei Jahre bebaut und blieb brach liegen, um später wie­

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Zwei Szenen aus dem neuen Ufa-Film „Morgenrot".

Oben: Das deutsche U-Boot desien Schiksal in dem Film gezeigt wird, taucht von der Unterwafierfahrt auf.

Unten: (Eine der tonischen „U-Boot-Fallen", ein als Handelsschiff getarntes Kriegsfahrzeug feuert gegen das U-Boot.

In interefianten Aufnahmen schildet ein neuer Film „Morgenrot" den Kampf, den Sieg und den Untergang eines deutschen U-Boote^ in den Weltkriegsjabren 1915—1916.

der unter den Pflug genommen zu werden. Angebaut wurden Hafer und Roggen (den dieRömer erst von den Germanen kennen lern­ten) ferner Hirse, Gerste und Weizen sowie Erbsen, Bohnen, Linsen, auch Hanf und Flachs, ebenso Rüben und Möhren. Im Garten gab es Obst und Gemüse sowie Gewürz und Heil­kräuter aller Art. Der Wald brachte Haselnüsse und Eicheln, Himbeeren und Brombeeren, die Bienen den Honig, der auch zurEereitung von Malzgetränken verwendet wurde. Haustiere wie Kühe, Ziegen und Schafe wurden schon in vorgeschichtlicher Zeit gehaltxr und gaben Milch und Käse sowie Wolle zur Herstellung von Kleidungsstücken. Das Spinnrad den alten Germanen ebenfalls bekannt. Gänse, Tauben, Enten und Hühner bevölkerten be­reits den Hof des germanischen Bauern.

Zur Bebauung des Ackers dienten der höl­zerne Räderpflug, die Egge und der Wagen, zunächst in Form eines Karrens mit zwei Scheihenrädern, später mit vier Speichen­rädern. Das Pferd wurde als Haustier ge­halten und fand sowohl bei der Ackerbestellung als auch zur Jagd und für den Krieg Ver­wendung. Steinreiben, Handmühlen und Backöfen lasten darauf schließen, daß Getreide gemahlen und Brot gebacken, Siebgefähe, daß die Milch zu Käse verarbeitet wurde. Diese Haushaltungsgeräte wie weiterhin Eßgeichirr, Töpfe, Eimer, Bottiche, Fäster, die Ackev- geräte, Kleidung, Schmucksachen und Waffen, alles entstand im Haushalt des germanischen Bauern selbst und zeigt nicht nur den prak­tischen Sinn, sondern auch seine sehr hohe Kunstfertigkeit.

Der germanische Bauer vor vier Jahrtausen­den hatte bereits eine hohe Kultur auyu- weisen. Das geistige Leben ist durchaus nicht armselig gewesen.

Frei und sein eigner Herr zu [ein, auf dem durch seiner Hände Arbeit geschaffenen Grund und Boden für alles Tun sich voll verantwort­lich fühlen, das war der Erundzug der ger­manischen Bauernseele. Reben dieser Liebe zur Heimat hat das germanisch-deut'che Wesen his auf den heutigen Tag noch einen anderen Grundzug aufzuweisen, den Drang in die Fremde. Aus dieser Sehnsucht nach der Ferne sind die Germanen Kulturpioniere für die ganze Welt geworden.

Humorvolle Grab-Inschriften.

Steh Wanderer still, schau eines Mannes Schmerzen,

Hier schläft mein Weib so sanft und gut.

Jetzt liegt der Stein auf ihrem Herzen, Der lang auf meinem hat geruht.

Hier ruht Herr Joseph Schinabeck, Im Frieden sanft, im Kriege keck. Ein Engel war er auf Erden schon Und (Befreitet im zweiten Jägerbataillon.

Allhier liegt Heinrich Dorsch, ein echter Schwab, Hat er erlangt das Himmelreich, So war's sein bester Schwabenstreich.

Satete Leuchen

Historische Skizze

von Kurt 2L St. Ientkiewicz.

„Das sind die Rächte, in denen der Kö­nig nicht schlafen kann", hatte der Oberst Lestoqne gesagt. „Passen Sie auf, Be­dersdorf, wenn Sie die Ronde gehen."

And der kleine Leutnant von Beders­dorf vom Regiment Dens d'armes patzte auf.

„Parole?" — „Leuchen!"

Starr wie ein Steinbild stand der Po­sten vor dem verwaisten Stadtschloß. De» derSdorf grüßte und ging weiter. SS klirrte, wenn der Pallasch auf die Pots­damer Katzenköpfe stieß, und die großen, silbernen Sporen sangen ein sehnsuchts­volles Lied von Retten, Kämpfen und Sie­gen . . . Parole: Leuchen!

In jener Schlacht fiel der Pater. Den Sieg hatte er noch erlebt, ehe der Wund­brand eintrat. Der König hatte der Mut­ter geschrieben, derselbe König, der heute «in alter, mürrischer Mann ist und näch­tens durch den wetten Park von Sans­souci stapft, schmerzgeplagt, krumm und schwer auf den Stock gestützt, aber noch stark genug, die Wachen zu kontrÄlieren Und dre Offiziere von der Ronde zu er­schrecken. Auch stark genug, um mit der dünnen zitterigen Handschrift hatt und Unerbittlich sein „Soll warten!" unter das Heiratsgesuch des kleinen Leutnants von DeverSdorf zu setzen ...

Ausgerichtet wie Soldaten standen die Büsche an der breiten Mittelpromenade Und dazwischen schimmerte weiß der Mar­mor anmutiger GM>pen. Der Leutnant sah sie nicht. Seine Augen waren starr in das blaue Halbdunkel gerichtet, bas die Rächt erfüllte. Gr war im Dienst; er

ging die Ronde. Aber denken konnte er und mit den Zähnen knirschen.

„Soll warten!" hatte der König ge­schrieben. Der alte, müde, versteinerte Mann, der so einsam geworden ist, daß ihm alles Menschliche fremd wurde.

And Beatry . . .? Teufel —, nach den FrühjahrSmanövern würde er befördert werden; dann wollte man heiraten. Groß- Krampen brauchte einen Herrn.

Da teilten sich die Haselnutzbüsche, ein silbergestickter Eiern gleiste auf einer schmalen Brust, die roten Aufschläge leuch­teten: Der König.

„Leutnant von Beversborf vom Regi­ment Gens d'armes auf der Ronde!" Mit gespreizten Deinen, den Pallasch an den Körper herangezogen, den betreßten Hut von sich gestreckt, stand der Seuttiant vor der kleinen Greisengestaü.

„Parole?" fragte eine dünne Skimme.

„Leuchen, Euer Majestät!"

„Gr war ein Junge .. . damclls. Aber ein DeverSdorf war auch dabei. Sein Pater?"

»Zu Befehl, Majestät!"

„Komm er her. So ..." der KLnig schob seinen dünnen Arm in den des jungen Offiziers. Gr atmete schwer. „Sein Da- ter fiel ... ja. — aber jetzt hat ein DeverSdorf etwas von mir haben wollen. Erinnere mich, irgendein Gesuch. Weih er was davon?"

»Ich bat Euer Majestät Um die Gr- laubnis, heiraten zu dürfen."

„Den?"

„Fräulein Beatrix von Camptz."

„And was bekam er zur Antwort?"

„Soll warten!"

Ein Krückstock stieß taktmähig auf den Doden, Sporen sangen, und ein Pallasch klirrt. Sonst war es still und dunkel im Park von Sanssouci. Der große König hing schwer am Arm des kleinen Leut­nant. Gr schwieg, und sein Atem pfiff.

„Er ist jung, Bedersdorf, er kann war­ten. Sein König hat auch Watten müs­sen. Muß jetzt noch warten. Jede Rächt, wenn der Frühling sich meldet, tourtet sein König auf den Morgen. Ach —", der Greis Reß sich auf eine Bank fallen. „Setz er sich zu zU mir. Räher ... es ist Whl."

<8tn alter, einsamer Mann mit einer knisternden Stimm«. Ein Mensch der sich selbst überlebte, der kein Mensch mdjr ist, der kein Herz mchr hat, in dem Alles starb, nur das Eine nicht: Seine Pflicht, sein Preuße». Das denkt Bedersdorf.

„Ich bi» alt", sagte der König, Und es ist, als spräche er zu sich selbst. „Fast leer ist mein Stundenglas, die Lebensräder sind abgeschliffen. Alle starben — alle. Rur ich nicht, denn ich bi» Preußen." Er schwieg. Der König gab sich einen Ruck, die kleine, zusammengesünkene Gestalt straffte sich „Dar... Preußen, war ich Ich werde sterben, tote alle starben, aber Preußen soll leben!" Er faßte den klei­nen Leutnant am Dandesier. „Preußen soll leben, DeverSdorf. Ich war es, Ihr sollt es sein. Heirat' er ... er ist jung, nur Alle können Watten, heirat' er!“ Vast klingt es wie ein Befehl.

Brüsk erhob sich der König. Grußlos ging er davon. Der Kies knirschte unter seinen Füßen. „Preußen soll leben. De» versdorf!" Dann hatte ihn die Dacht geschluckt.

Einr ungewöhnliche Sunöegeschichte

Dies ist eine kleine Episode für Tier- und besonders für Hundeliebhaber.

Ihr Held ist Tasio, ein vierjähriger Cocker- Spaniel, der einem bekannten Berliner Rechts­anwalt gehört. Tasios Geschichte wird nicht nur von seinem Herrchen eyahlt, sondern von vie­len Augenzeugen bestätigt.

Der immer fidele und quicklebendige Tasio war eines Tages plötzlich melancholisch gewor­den. Mit großen klagenden Augen lag er in seiner Ecke, und selbst der schönste Hundekuchen und der größte Knochen konnten ihn nicht her- vorbringen.

Tasio war unzweifelhaft krank und so ging sein Herrchen mit mm zum Tierarzt, der bei Tasio eine eitrige Geschwulst in der Schnauze feststellte. Der kleine Kerl mußte operiert wer­den und ließ auch die schmerzhafte Prozedur ohne allzugroßes Widerstreben, wenn auch unter wehmütigem Geheule über sich ergehen.

Die Sache war aber komplizierter, als sie ausgesehen hatte, und Tasios Schmerzenszeit erstreckte fich über volle vierzehn Tage schon. Täglich mußte er zum Arzt gebracht werden, der die Wunde jodierte, säuberte und immer wieder aufs neue schneiden mußte.

Eines Tages, als die Zeit für Tasios schmerz, lichen Ausgang wieder gekommen war, fand man das Tierchen nicht auf. Es war spurlos verschwunden. Rach zwei Stunden kratzte er aber an der Haustür.

Als man ihn hereinlietz sah man, daß Tasio einen ftischen Verband trug. Gleichzeitig läutete das Telephon.

Der Arzt meldete sich und erzählte, daß plötz­lich ein Hund vor seiner Tür gewinselt habe. Als das Dienstmädchen ihm aufmachte, sei e: geradewegs hereingestürmt, in das Ordi­nationszimmer gelaufen und habe dem Arzt den Kopf auf das Knie gelegt, wie man es ihm bei der Operation und bei all den an­schließenden Behandlungen gezeigt hatte. Dann hatte er die Augen zuaemacht und die böse, peinvolle Behandlung über fich ergehen lasien.

Seitdem geht Tasio jeden Tag allein zum Arzt, und bald wird er geheilt sein.

Nichtssagend, das ganze, aber wie gesagt, ?s ist ja auch nut für Tier- und Hundefreunde 6ethmmt Und denen wird es etwas sagen.